Gegen Rassismus und für Courage
Drei Passauer Schulen haben sich bislang einer bundesweiten Aktion angeschlossen
Von Jörg Klotzek
1000 sind es bundesweit, 15 in Niederbayern, 3 in Passau: Immer mehr Schulen schließen sich dem vom Bund getragenen Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ an. Der Passauer Bundestagsabgeordnete und Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler weist auf die Bedeutung derartiger Netzwerke in Zeiten aufkeimender Rechtslastigkeit hin.
Stadler, der für die Staatliche Wirtschaftsschule Passau als Pate der Aktion „SOR-SMC“ fungiert: „Gerade nach der Mordserie durch die Zwickauer Terrorzelle ist dieses vorbildliche, auf Toleranz und Menschlichkeit gerichtete Engagement der Lehrkräfte sowie der Schüler besonders wichtig.“ Stadler weist in diesem Zusammenhang auf einen Anti-Rassismus-Wettbewerb (www.gerechte-sache.de/wettbewerb) für alle Schulen hin, bei dem sein Justizministerium Reisen nach Brüssel, Berlin oder München vergibt. Zudem könne man sich jederzeit dem SOR-SMC-Netzwerk anschließen.
Ansprechpartner dafür ist in Niederbayern der Jura-Student Fritz Marquardt. Der 21-Jährige fungiert als regionaler Koordinator der bundesweiten Aktion. „Ich habe als Schülersprecher das Thema an mein Berliner Gymnasium gebracht und die Aufgabe später an meinen Studienort Passau mitgenommen.“ 140 teilnehmende Schulen gibt es in Bayern, berichtet Marquardt weiter.
In Passau sind es neben der Staatlichen Wirtschaftsschule die Kaufmännische Berufsschule sowie das Adalbert-Stifter-Gymnasium. Dort ist Dr. Nadiane Kreipl zuständig für die Betreuung einer Arbeitsgruppe, die derzeit aus fünf Schülern der neunten und zehnten Jahrgangsstufe besteht und sich jeden Freitag nach Schulschluss in der Freizeit trifft. Mit großem Engagement planen die jungen Leute Aktionen, um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie für Zivilcourage einzutreten. „Auch der Kampf gegen Mobbing ist uns wichtig.“ Als Pate fungiert am Adalbert-Stifter-Gymnasium übrigens der Kabarettist Bruno Jonas, einst selbst ASG-Schüler.
Studienrätin Kreipl nennt als Beispiele für das Engagement der Schüler das große Konzert gegen Rassismus mit 1000 Besuchern, das die jungen Leute vor ziemlich genau einem Jahr in der X-Point-Halle auf die Beine gestellt hatten. Damit wurde ebenso publikumswirksam auf die Thematik aufmerksam gemacht wie durch die aktive Teilnahmen an den Gedenkveranstaltungen am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Schulintern habe es zudem mehrere Veranstaltungen gegeben wie zum Beispiel ein Zivilcourage-Training durch Polizeibeamte. „Und für den kommenden Sommer planen unsere Schüler gerade wieder ein Konzert mit regionalen Bands - dieses Mal mit der Staatlichen Wirtschaftsschule zusammen.“
Dort kümmert sich Schulleiter Dieter Schönbuchner um das Projekt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. „Wir haben uns der Aktion im Juni vergangenen Jahres angeschlossen“, berichtet der Lehrer, der in Personalunion auch Leiter der Staatlichen Berufsschule II ist. „Dort machen wir ja schon seit zehn Jahren mit, wir waren damals die erste berufliche Schule in Bayern, die sich der Aktion angeschlossen hatte.“
Schönbuchner kündigt ein Theaterstück mit der preisgekrönten Schauspielerin Bettina Mittendorfer an. „Unsere Industriekaufleute aus der 12 a organisieren gerade eine Aufführung des Stückes ‚Weibsbilder’ von Oskar Maria Graf, der ja von den Nazis verfolgt wurde.“ Am 30. März soll das Stück in der Berufsschule am Fernsehturm aufgeführt werden.
An allen Schulen finden regelmäßig Fortbildungs- und Aufklärungsveranstaltungen für Schüler und Lehrer statt, wie die Verantwortlichen betonen. Neben dem Erkennen von latent vorhandenem Rassismus, wie er sich etwa in unbedachten Sprüchen zeigt, rückt dabei immer mehr das Thema Zivilcourage in den Fokus.
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Projektkoordinator Fritz Marquardt ist erreichbar per Mail über fritzmarquardt@gmx.de
Bahnhofs-Aufzug hinausgeworfenes Geld?
Von Thomas Seider
Die Parteien haben sich überboten in ihren Anträgen, beim Umbau des Bahnhofs auch einen Aufzug zum Poststeg oder gleich zur Grünaustraße einzurichten. Erste Untersuchungen zeigen nun: Diese Anlage spart zwischen Bahnhof und Busbahnhof 80 bis 100 Meter Fußweg. Sie kostet aber je nach Ausführung die Stadt um eine Million Euro, abzüglich möglicher Zuschüsse. Die Stadträte schreckt diese Information nicht ab. Fast alle können sich nach wie vor vorstellen, dass die Verbesserung groß genug ist, um den Aufwand zu rechtfertigen. Einer widerspricht: Andreas Dittlmann (FDP) hält den Aufzug für hinausgeworfenes Geld.
Ob CSU, SPD oder ÖDP, viele haben sich stark gemacht für eine bessere Anbindung des Bahnhofs. Die ist möglich. Eher nicht, indem man den Tunnel unter den Bahnsteigen bis zur Grünaustraße verlängert und dort einen Aufzug und die immer auch erforderliche Treppenanlage baut - denn das würde fünf Millionen Euro kosten. „Diese Kosten erschlagen mich“, bekennt etwa Dr. Gerhard Waschler (CSU). Den Kollegen geht es nicht anders. Doch es gibt Alternativen: Aufzüge von den Bahnsteigen hinauf zum Poststeg oder über einen neuen Steg direkt zur Grünaustraße. Der Bahn wäre einverstanden, obwohl es ihr am liebsten wäre, die Kunden gingen wie bisher durchs Bahnhofsgebäude und nähmen dabei noch etwas aus den vermieteten Shops mit.
Der Weg zum Busbahnhof führt bisher über den bestehenden Aufzug an der früheren Hauptpost. Wenn demgegenüber per neuem Aufzug direkt von einem der Bahnsteige aus 80 bis 100 Meter gespart würden, ist das viel? Mit schwerem Gepäck vielleicht schon, meint Paul Kastner (ÖDP). Vor allem aber sei die erlebte „Wegebeziehung“ besser. Auch OB Jürgen Dupper (SPD) sieht mehr als die bloße Meterzahl: Die großen Wohnviertel oberhalb der Grünaustraße wären besser angebunden. Die Grünaustraße wäre etwas mehr als nur Rückseite des Bahnhofs. Den Geschäften dort täte die Passantenfrequenz gut.
Spielverderber ist Andreas Dittlmann (FDP). Die Zeitersparnis auf dem Weg zwischen Bahnhof und Busbahnhof hat er mit 1,5 Minuten errechnet. Doch an Pendler in großer Zahl, die Bahn und Stadtbus kombinieren wollen, glaubt er eh nicht. Er ist auch kein Fan öffentlicher Aufzüge: Der bestehende am Poststeg sei im Dauerzustand „mehr als versifft“. Dittlmann ist versucht es anderen gleichzutun und aus Ekel die Aufzugtasten lieber mit dem Fuß als der Hand zu drücken. Die Zustände im neuen Aufzug wären nicht besser, fürchtet er: „Da müsste dreimal am Tag geputzt werden und daran glaube ich nicht.“
Wenn schon, bräuchten nicht nur einer, sondern sowohl der mittlere als auch der hintere Bahnsteig einen Aufzug, meint Dittlmann. Vorzeigebeispiel ist Regensburg. So setzt der Skeptiker auf die von der Stadt zu begleichende Rechnung nicht 600 000 Euro für einen Aufzug, sondern 1,2 Millionen für zwei. Dazu kommt eine an die Bahn zu zahlende sechsstellige Einmal-Pauschale für den Unterhalt. Die Stadt hofft aber, dass sie für den Bau Zuschüsse erhält.
Ob mit neuem oder altem Aufzug - will der Fahrgast überhaupt in die Grünaustraße, um vom Bahnhof zum ZOB zu gelangen? Viele wollen das eben nicht, sagt Dittlmann. Er selbst würde mit dem Rollkoffer den Weg über Bahnhofstraße und Busrampe bevorzugen. Viele Frauen hielten das in der Dunkelheit genauso. Für sie sei die im vorderen Teil zumindest bis zur Verwirklichung der neuen Baukomplexe eher unbelebte Grünaustraße ein „Angstraum“.
FDP: Stadt soll sich auch in Facebook zeigen
www.passau.de ist ihm nicht genug. Die Stadt soll sich auch um einen Internet-Auftritt im sozialen Netzwerk Facebook kümmern, fordert FDP-Stadtrat Andreas Dittlmann. Weil vor allem viele junge Leute die Kommunikation über Facebook nutzen, wäre dies eine gute Möglichkeit, die Jugend „mit ins Boot zu nehmen“, schreibt Dittlmann in seinem Antrag an die Stadt. Statt der mittlerweile schon wieder „altmodischen Newsletter“ könnte man über Facebook-Postings, so nennt man die kurzen Mitteilungen, „auf äußerst einfache und effektive Art und Weise kostengünstig Werbung“ machen. Dittlmann nennt den Livestream, das sind die TV-Übertragungen von Stadtratssitzungen ins Internet, oder die Veranstaltungen im soeben gestarteten Barockjahr als Beispiele. - jkl
Stadtgespräch
Dass Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler die FDP-Klausurtagung im Kloster Benediktbeuren vorzeitig verließ, hatte einen besonderen Grund: Am selben Tag fand in der Universität Regensburg eine große Feier zum 80. Geburtstag von Stadlers Doktorvater Prof. Dr. Ekkehard Schumann statt. Fast alle Doktoranden und ehemaligen Assistenten versammelten sich aufgrund einer Initiative der Regensburger Richterin Dr. Bettina Mielke und gratulierten ihrem akademischen Lehrer. Staatssekretär Stadler hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Laudatio zu halten. Der Passauer, selber von 1974 bis 1977 Mitarbeiter am Lehrstuhl für Prozessrecht, zeigte auf, dass häufig wissenschaftliche Erkenntnisse von Professor Schumann, der auch Vizepräsident des Bayerischen Senats war, vom Gesetzgeber aufgegriffen worden seien. Zuletzt sei es zu einer von Schumann angeregten Gesetzesänderung bei den Regelungen zur Menschenrechtsbeschwerde gekommen. Prof. Schumann erwiderte launig, er freue sich, dass dieser Vorschlag, den er schon vor 50 Jahren in seiner eigenen Dissertation gemacht habe, nunmehr von seinem Schüler Stadler in die Tat umgesetzt worden sei.
Studie: Vorratsdatenspeicherung wirkt nicht
Laut FDP-Gutachten keine Auswirkungen auf Aufklärungsquote von Straftagen - Widerspruch von der Union
Von Andreas Herholz
Berlin. Der Vorstoß war sorgfältig vorbereitet. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger denkt nicht daran, im Koalitionsstreit um die Vorratsdatenspeicherung einzulenken. Die FDP-Politikerin legt ein juristisches Gutachten vor, das den Nutzen der Vorratsdatenspeicherung in Frage stellt.
Die Auseinandersetzung um die Nutzung von Kommunikationsdaten zur Ermittlung bei Straftaten zwischen Union und FDP spitzt sich weiter zu. Die Liberalen und ihre Ministerin lehnen die von der Union geforderte und von der EU-Kommission angemahnte Rückkehr zur anlasslosen Vorratsdatenspeicherung weiter strikt ab.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) beharrt als Kompromiss in der Auseinandersetzung mit der Union auf die Einführung des sogenannten Quick-Freeze-Verfahrens. Danach würden Telefon- und Internetanbieter nur bei einem Verdacht auf schwere Straftaten von den Sicherheitsbehörden angewiesen, Kommunikationsdaten zu speichern. Per Gerichtsbeschluss könnten die Behörden dann die Nutzung erreichen.
Leutheusser-Schnarrenberger sieht sich durch ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg bestätigt. Die Expertenstudie über mögliche Schutzlücken durch den Wegfall der Vorratsdatenspeicherung kommt zu dem Ergebnis, dass diese Methode nicht zu einer systematisch höheren Aufklärung geführt hätte. Allerdings weisen die Juristen auch darauf hin, dass von Praktikern aus Justiz und Sicherheitsbehörden in dem von der Ministerin geforderten Quick-Freeze-Verfahren "kein taugliches Äquivalent zur Vorratsdatenspeicherung" gesehen werde. Eine Argumentationshilfe, die sich die Ministerin immerhin 20 000 Euro aus ihrem Etat hat kosten lassen.
"Die Studie zeigt, dass die Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung nicht empirisch belegt, sondern nur ein Gefühl der Praktiker ist", erklärte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium der Justiz, Max Stadler (FDP). Die Vorratsdatenspeicherung habe keinen messbaren Einfluss auf Aufklärungsquoten, bekräftigte er die Ablehnung der Liberalen. Wenn Ermittler etwas anderes behaupteten und dabei auf Einzelfälle verwiesen, sei dies "weder belegt noch belegbar", so Stadler. "Wir treten als Alternative für das Quick-Freeze-Verfahren ein, bei dem Daten nur aus konkretem Anlass gespeichert werden", erklärte er.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erfuhr von der Studie erst aus den Medien. Der Minister und die Union beharren darauf, die anlasslose Vorratsdatenspeicherung wieder einzuführen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuletzt auf eine schnelle Einigung zwischen dem Justiz- und dem Innenressort gedrängt – vergeblich. Ein neues Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung werde keine Zustimmung der FDP finden, heißt es aus der Parteiführung. "Unverständlich", "abenteuerlich", "Milchmädchenrechnung", kritisieren CSU-Spitzen die Liberalen und die Justizministerin. In den Reihen der Union verweist man auf eine EU-Richtlinie, die eine sechs Monate lange Vorratsdatenspeicherung vorschreibt. Die Kommission droht Deutschland bereits mit Bußgeld im Falle der Nichteinhaltung.
Wird der Streit um die Vorratsdatenspeicherung jetzt zur Chefsache? Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte gestern, die Kanzlerin sei ständig mit den beiden Ministerin im Gespräch. Spätestens beim nächsten Koalitionsgipfel dürfte das Thema ganz oben auf der Tagesordnung stehen.
Erst Streitthema, jetzt Erfolgsprojekt - FDP legt nochmal nach Livestream ausbauen!
von SEBASTIAN DAIMINGER
Viel wurde über den Sinn und Unsinn von Liveübertragungen aus dem Passauer Stadtrat diskutiert. Doch nun steht fest: Das einst so umstrittene Projekt ist mittlerweile eine Erfolgsnummer - und zwar für die ganze Stadt. Denn Passau ist in der Sache landesweit Vorreiter - jeder Stadtrat quasi ein Pionier. Ein Gewinn auch für Demokratie und Transparenz.
Sogar mit konkreten Zahlen lässt sich der Erfolg nun beziffern. Laut neuesten Erhebungen der Stadtverwaltung schauen durchschnittlich rund 50 Bürger bei den Sitzungen zu. Mehr als sonst persönlich im Rathaus auftauchen oder als Zuschauer dort überhaupt Platz hätten. Einzelne Sitzungen (Bauen und Liegenschaften, Schulen und Sport, Finanzen) erreichten auch schon über 100 Zuschauer.
Grund genug für die Ideengeber der FDP-Stadtratsfraktion, beim Thema Livestream jetzt nochmal nachzulegen. In einem neuen Antrag ans OB-Büro fordert Justizstaatssekretär Max Stadler, die Livestream-Übertragungen aus den Stadtratssitzungen als feste Einrichtung fortzusetzen. Bis dato wurden die Übertragungen offiziell nur als Testphase deklariert. Die Übertragungen sollen zudem künftig auf der Homepage der Stadt Passau noch besser kommuniziert werden. Es wird moniert: „Viele Bürger wissen nicht, wann welche Sitzung übertragen wird.“
Weiteres Anliegen der FDP: Die technischen Voraussetzungen sollen ausgebaut werden, damit auch WIFI-Nutzer und alle, die Internet über 3G sowie Smartphones oder via Firmennetzwerke nutzen, die Übertragungen sehen können. Laut Techniker ist dies momentan nicht für alle Nutzer möglich - Schuld daran sei ein sehr eingeschränktes Server-System in der Stadtverwaltung, welches den Livestream-Empfang für manche Nutzer unmöglich macht. Um diese und andere Probleme zu lösen sei es auch ratsam, mit der Universität Passau, zum Beispiel dem Lehrstuhl für Medien und Kommunikation, zu kooperieren. Diesen Vorschlag unterstützt übrigens auch der Grünen-Stadtrat Karl Synek. Die Studenten könnten helfen, das Thema Livestream zu verbessern und auszubauen. Im FDP-Antrag heißt es dazu: „Zudem schlagen wir vor, zusammen mit der Uni Passau einen Weg zu finden, wie die Sitzungen kostengünstig aufgezeichnet werden und mit geringer zeitlicher Verzögerung ungeschnitten und unkommentiert in eine Online-Mediathek auf der Homepage der Stadt Passau eingestellt werden können. Dort sollen sie dauerhaft gespeichert und für jedermann zugänglich bleiben.“
All diese Maßnahmen sollen letztendlich dazu führen, die Zugriffszahlen für das „Rathaus-TV“ nochmal deutlich zu steigern. Bezüglich der Kosten dürfe der neue Bürgerservice laut Stadler aber nicht „aus dem Ruder laufen“. Zweckmäßige technische Lösungen seien gefragt: Zum Beispiel eine Webcam mit Richtmikro, welche den ganzen Raum (Zuschauer ausgenommen) filmt. Momentan übernimmt diese Aufgabe ein Angestellter der Stadt per Schwenk-Kamera. Diese Personalkosten - derzeit rund 9600 Euro im Jahr - können man großteils einsparen. Die FDP dazu: „Die Inhalte der Diskussion stehen für uns im Vordergrund. Diese müssen bei den Nutzern verständlich ankommen. Mehr aber auch nicht.“
FDP fordert von den anderen Parteien Unterstützung für Transparenz-Gesetz
Abgeordnete sollen sich für anstehende Änderung des Aktiengesetzes starkmachen
Die FDP-Stadträte Dr. Max Stadler und Andreas Dittlmann haben bekräftigt, dass sie ebenfalls öffentliche Aufsichtsratssitzungen bei den städtischen Tochtergesellschaften wünschen. Dafür reiche aber der Stadtratsbeschluss vom Montag nicht aus, sondern man brauche dafür eine klare gesetzliche Grundlage. „Wir fordern daher den Oberbürgermeister und die Passauer SPD, die CSU und die Grünen auf, an ihre jeweiligen Bundestagsfraktionen heranzutreten und dafür zu sorgen, dass diese das FDP-Anliegen unterstützen.“ Im übrigen sei es bei der Gründung der GmbHs nicht um Geheimniskrämerei, sondern um verbesserte Wirtschaftlichkeit gegangen.
Stadler und Dittlmann erklärten, man müsse momentan Sorge haben, dass Beschlüsse der städtischen Tochter-GmbHs GGP, Event und Stadtwerke Passau demnächst gerichtlich aufgehoben würden. Darauf habe der städtische Jurist Dr. Heinz-Günter Kuhls die Stadträte vor der Abstimmung am Montag ausdrücklich aufmerksam gemacht. Unter Juristen sei es die herrschende Meinung, dass man Aufsichtsratssitzungen nur auf der Grundlage einer Gesetzesänderung öffentlich abhalten dürfe. „Somit hat die Stadtratsmehrheit im Bestreben, ein richtiges Ziel, nämlich mehr Transparenz, zu erreichen, für eine erhebliche Rechtsunsicherheit gesorgt“, kritisieren die FDP-Stadträte.
Auch der Oberbürgermeister selber habe dieses Problem erkannt und in der Debatte im Finanzausschuss zum Ausdruck gebracht, dass er auf eine nachträgliche Legitimation durch den Gesetzgeber hoffe. Da dem Oberbürgermeister somit bekannt gewesen sei, dass man eigentlich einen solchen Beschluss erst nach einer Gesetzesänderung hätte fassen dürfen, erwarte die FDP nun von ihm eine Initiative in seiner eigenen Partei. In der letzten Legislaturperiode habe nämlich die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) eine neue Transparenzregelung abgelehnt.
Stadler und Dittlmann machen darauf aufmerksam, dass dies umgehend geschehen müsse. „Die Gelegenheit für Herrn Oberbürgermeister, tätig zu werden, besteht sofort!“ Denn bereits am Freitag, 10. Februar, stehe der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Aktiengesetzes als Punkt 25 auf der Tagesordnung des Bundesrates. Dieses Gesetz sei der richtige Ort, um für das Passauer Transparenz-Anliegen eine saubere rechtliche Grundlage zu schaffen. Man brauche nur eine entsprechende Bestimmung in § 394 des Aktiengesetzes einzuführen, die dann gleichermaßen für GmbHs gelten würde.
„Somit ergibt sich unmittelbar die Chance, den Worten des Oberbürgermeisters im Finanzausschuss Taten folgen zu lassen!“, meint Dr. Max Stadler. Denn nach dem ersten Durchgang im Bundesrat am 10. Februar komme die Aktienrechtsnovelle in den Bundestag. Dort bestehe für die Abgeordneten die Möglichkeit, die von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bereits erarbeitete Neuformulierung des § 394 Aktiengesetz während der Ausschussberatungen in die Aktienrechtsnovelle einzufügen.
Damit diese Gelegenheit genutzt werde, richten die beiden FDP-Stadträte dieselbe Bitte wie an den Oberbürgermeister auch an die Passauer CSU. Deren Fraktionsvorsitzender Clemens Damberger habe ja im Finanzausschuss die FDP-Position ausdrücklich geteilt. Stadler und Dittlmann erinnern daran, dass schon im Jahr 2006 der damalige Oberbürgermeister Albert Zankl (CSU) an das Bundesjustizministerium einen Brief mit der Bitte gerichtet habe, das Aktiengesetz für mehr Transparenz zu ändern. Daran solle nunmehr die Passauer CSU anknüpfen und die CDU/CSU-Bundestagsfraktion um Unterstützung der Aktiengesetzänderung bitten.
Zwar hätten, so Stadler und Dittlmann, die Stadträte der ÖDP keinen Ansprechpartner auf Bundesebene, aber Grünen-Stadtrat Karl Synek, der ebenfalls trotz mangelnder gesetzlicher Grundlage für die Öffentlichkeit der Aufsichtsratssitzungen gestimmt habe, könne sich sehr wohl an die grüne Bundestagsfraktion wenden.
Die FDP-Stadträte schlossen ihren Appell mit den Worten: „Wenn auf diese Weise von der kommunalen Basis her den Parlamentariern aller Fraktionen deutlich gemacht wird, dass wir Rechtssicherheit brauchen, wird dies seinen Eindruck hoffentlich nicht verfehlen“.
Passau offen für mehr Transparenz in Stadt- GmbHs
Überraschende 7:6-Mehrheit im Finanzausschuss für mehr Öffentlichkeit bei Entscheidungen in Aufsichtsräten von WGP, Event und Stadtwerken
Von Christian Karl
„Das war jetzt schon ein kleiner Meilenstein“ meinte Oliver Robl am Montagabend euphorisch, nachdem seine ÖDP-Fraktion überraschend eine Mehrheit fand für einen Antrag auf ein seit Jahren diskutiertes Anliegen. Mit 7:6 Stimmen wurde im Finanzausschuss beschlossen, dass Aufsichtsratssitzungen der städtischen Tochter-GmbHs WGP, Event und Stadtwerke Passau künftig großteils öffentlich abgehalten werden sollen. Tagesordnungspunkte, die aber „zwingend“ der Geheimhaltung unterliegen - zum Beispiel wegen Namensschutz und bestimmter Geldsummen - bleiben aber nach wie vor nichtöffentlich.
Die Entscheidung erfolgte trotz eines kritischen Einwurfs von FDP-Stadtrat und Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler. Zünglein an der Waage war schließlich OB Jürgen Dupper mit seinem Ja. Gegen das Vorhaben stimmten die CSU, FDP/Passauer Liste und FWG, deren Mitglieder zwar ebenfalls auf mehr Transparenz in den GmbH-Sitzungen pochten, aber auf eine noch laufende mögliche GmbH-Gesetzänderung in Berlin verwiesen. Auch die Verwaltung hatte den Antrag abgelehnt und erläutert, dass der Antrag laut Stellungnahmen des Bayerischen Städtetags und des bayerischen Innenministeriums nicht in Einklang mit geltendem Recht stehe.
Der ÖDP-Ansinnen wird bereits seit gut vier Jahren diskutiert, wurde teils mit Blick auf das Berliner Verfahren vertagt oder in einzelnen Aufsichtsräten städtischer GmbHs befürwortet oder abgelehnt. Im Finanzausschuss war jetzt eine Grundsatzentscheidung angesagt, die allerdings noch vom Plenum mehrheitlich bestätigt werden muss. „Früher wurden die Themen jahrzehntelang öffentlich behandelt und danach in Gremien verlagert, die nicht öffentlich tagen“, meinte Antragsteller Urban Mangold mit Blick auf Diskussionen wie über „zum Beispiel Eintrittspreise, Busnetz oder Investitionen“, die in städtischen GmbHs nichtöffentlich geführt werden. „Inwieweit darf denn Politik privatisiert werden“, fragte der ÖDP-Politiker rhetorisch.
„Wir befürworten ausdrücklich auch das Ziel der ÖDP“, sagte Dr. Max Stadler, der aber zugleich an laufende Diskussionen und mögliche Gesetzesänderungen im Bundestag über „Öffentlichkeit in kommunalen GmbHs“ erinnerte. Und immer wieder höre er dabei dort auch das Argument, dass man bereits bei der Gründung solcher GmbHs üblicherweise auch wisse, dass sie später nichtöffentlich tagen werden - und auch müssen. Wenn man Veränderungen dieses Grundsatzes wolle, dann müsse man die rechtlichen Bestimmungen für kommunale GmbHs ändern. „Ich setze mich dafür ein“, so Stadler auch mit Blick auf laufende, aber noch nicht abgeschlossene Debatten. Der Bundespolitiker könne aber nicht in Berlin für eine Gesetzesänderung eintreten und in Passau dann einem nicht rechtskonformen Ansinnen zustimmen, das impliziert, dass das Gesetzesvorhaben in Berlin überflüssig wäre. Bis das „eigentliche Ziel“ GmbH-Gesetzesänderung erreicht sei, könne man ja in Passau
eine Zwischenlösung anstreben, meinte Stadler und schlug vor, in öffentlichen Plenums-Sitzungen einen Bericht über Beschlüsse in städtischen Tochterunternehmen abzugeben. CSU-Fraktions-Chef Clemens Damberger meinte, den Vorschlägen und Argumenten Stadlers sei „nichts hinzuzufügen“.
FWG-Stadtrat Alois Feuerer erinnerte daran, dass der Passauer FWGUrvater Prof. Dr. Michael Kobler bereits in den 80-er Jahren für mehr Öffnung von Sitzungen eingetreten sei. „Aber streuen wir doch der Öffentlichkeit nicht Sand in die Augen. Wichtige Sachen werden nach wie vor auch in Zukunft hinter verschlossenen Türen behandelt“, so Feuerer, der die Debatte als eine um „Pseudo-Öffentlichkeit“ bezeichnete. Trotzdem aber hatte der Stadtrats-Routinier einen Konflikt. „Wenn ich mit der ÖDP stimme, ist das dann unrechtlich?“, fragte er Rathaus-Jurist Dr. Heinz-Günter Kuhls. Der Rechtsreferent ließ ihn wissen, dass es für das Ansinnen der ÖDP keine gesetzliche Regelung gebe.
OB Jürgen Dupper, der früh Sympathie für den ÖDP-Antrag erkennen ließ, sprach von einer „Phantomdiskussion“. „Wenn man möchte, dass etwas öffentlich wird, muss man es nur auf die nichtöffentliche Tagesordnung setzen, damit es am nächsten Tag in der Zeitung steht“, so der Rathaus-Chef. Der OB befürwortete den Antrag ausdrücklich und hoffte auch auf eine „nachträgliche Legitimation“ durch den Bundesgesetzgeber. Andreas Rother (SPD) gewann dem Antrag ebenfalls Positives ab: „Transparenz ist wichtig. Dies ist ein Schritt, der uns nicht weh tut. Wir hoffen aber, dass dies auch auf Bundesebene seinen Weg nimmt.“
Mit Blick auf mögliche Klagen meinte Mangold: „Rechtsauffassungen werden auch durch Gerichtsentscheidungen fortgeschrieben.“ Verfahren aber seien derzeit nicht bekannt. „Machen wir es so, wie es auch andere Städte machen.“ Bis dato haben laut Mangold fünf bayerische Städte (Amberg, Bamberg, Deggendorf, Ingolstadt und Würzburg) eine ähnliche Öffentlichkeit in städtischen GmbHs beschlossen, wie sie Passau auf den Weg bringen will.
Eine Selbstverpflichtung zur Schuldentilgung
Gestern teilte der Stadtkämmerer Herbert Denk den erfreuten Stadträten im Finanzausschuss mit, dass der Etat 2011 sogar um 14,5 Millionen Euro besser abgeschlossen wurde als erwartet. Doch was tun mit dem unerwarteten Geldsegen? Schulden tilgen oder sparen?
Über das angenehmes finanziellen Polster aus dem vergangene Jahr kann sie die Stadt Passau freuen. Bei der Haushaltsrechnung für 2011 vor einem Jahr war man noch sehr pessimistisch. „Wir haben eine Zuführung in Höhe von rund 8 Millionen Euro vom Vermögens- in den Verwaltungshaushalt veranlagt“, rief der Stadtkämmerer im gestern tagenden Finanzausschuss in Erinnerung. Im Klartext wäre also auf dem „Sparbuch“ ein empfindliches Minus zu verbuchen gewesen. Aber dank der boomenden Wirtschaftslage verlief das vergangene Jahr stattdessen finanziell hervorragend: 14,5 Millionen Euro an Mehreinnahmen hat nun die vorläufige Jahresrechnung 2011 ergeben. Allein bei der Gewerbesteuer konnte ein Plus von 9,3 Millionen Euro verbucht werden. Auch bei der Einkommenssteuer kamen 0,8 Millionen und bei den Schlüsselzuweisungen 1 Millionen Euro mehr dem Stadtsäckel zugute. Andererseits wurde auch intern einiges eingespart. „Es ist besonders erfreulich, dass gewisse Dienststellen so gut abschnitten“, lobte Denk gestern besonders im Hinblick auf den Sozialbereich, der 2,3 Millionen Euro weniger benötigte als erwartet. Und so kann sich der Vermögenshaushalt urplötzlich auf eine positive Rückführung freuen, die Entnahme von Geldern zugunsten des Verwaltungshaushaltes ist kein Thema mehr: 5,6 Millionen Euro können dem Vermögenshaushalt im Jahr 2011 zugeführt werden.
Statt 10 Millionen weniger werden die Rücklagen sogar erhöht
Und der Geldsegen hat auch einen sehr positiven Einfluss auf die allgemeinen Rücklagen der Stadt. Die betrugen Anfang 2011 23,8 Millionen Euro. Damals dachte man nicht, dieses Polster so hoch halten zu können. „Es war für 2011 eine Entnahme von rund 10 Millionen Euro geplant“, sagt Denk. Doch stattdessen gestern die gute Nachricht: „Wir können die allgemeinen Rücklagen sogar auf 27,4 Millionen aufstocken“, freut sich Denk.
Und da die Stadt Passau so unerwartet mehr Geld zur Verfügung hat, stellte sich nun im Finanzausschuss die Frage, was damit geschehen solle: Auf die hohe Kante legen oder lieber damit Schulden tilgen?
Am 5. Dezember vergangenen Jahres bereits stellte die FDP-Fraktion den Antrag, dass die Haushaltsüberschüsse, allerdings schon bezogen auf den Haushalt 2012 - sollten sie über eine Rücklage von 15 Millionen Euro hinaus gehen – zur Schuldentilgung verwendet werden sollen. Im gestrigen Finanzausschuss nun stand der Antrag auf der Tagesordnung und FDP-Stadtrat Dr. Max Stadler erläuterte seine Intention hinter dem Antrag: „Wir sollten uns selber daran binden, dass wir mehr in die Schuldentilgung investieren, wenn die Möglichkeiten dazu da sind.“ Bei der Verwaltung stieß er mit seinem Antrag auf wenig Gegenliebe: „Wir sollten das nicht automatisieren, weil in den nächsten Jahren große Investitionen wie die Dreifachturnhalle oder die Rückführung der Event anstehen. Deshalb schlagen wir vor, wenn zum Jahresende Überschüsse da sind, diese den Rücklagen zuzuführen“, meint Stadtkämmerer Denk.
Das stieß durchaus auf Verständnis beim Antragsteller Stadler: „Da bin ich einig mit der Verwaltung, wir brauchen ein Polster im Rücken.“ Auch sei es nicht nicht zweckmäßig, dass bei großen Investitionen ein Automatismus herrsche. Deshalb schlug er einen Zusatz im Antrag vor, dass der Finanzausschuss von Fall zu Fall entscheiden dürfe. „Das ist dann eine Richtungsvorgabe, aber wir würden uns die letzte Entscheidung bei außergewöhnlichen Investitionen vorbehalten“, so Stadler.
Mit diesem Zugeständnis hatte Stadler schnell alle Stadträte auf seiner Seite. Nur der 2. Bürgermeister Urban Mangold (ÖDP) zierte sich traditionsgemäß ein bisschen: „Ich habe den Eindruck, ich befinde mich auf einer Zeitreise in eine Amtsperiode, wo Schuldentilgung bitter notwendig war.“ Wenn das angesichts der positiven Haushaltslage auch für heute suggeriert werde, sei da das etwas irritierend, „denn wir sind schon auf dem richtigen Weg“. Nichtsdestotrotz könne er dem erweiterten Antrag Stadlers zustimmen. Auch bei den Grünen fand Stadler Unterstützung: „Eine Selbstverpflichtung zum Schuldenabbau ist auf alle Fälle sinnvoll, denn wie wir gemerkt haben: Von selbst kommt´s nicht zustande“, meinte Stadtrat Karl Synek. In der abschließenden Abstimmung war man sich dementsprechend einig und stimmte ohne Gegenstimme für den Antrag der FDP. Umgesetzt wird diese Selbstverpflichtung zum Schuldenabbau allerdings erst zum Ende diesen Jahres, wenn die abschließenden Haushaltsberatungen anstehen.
Bericht wurde veröffentlicht von
Esther Mischkowski
Transparenz hält Einzug in städtische GmbHs
Durchaus für Erstaunen sorgte gestern eine Abstimmung im Finanzausschuss: Die Aufsichtsratssitzungen der städtischen Töchter-GmbHs werden künftig auf Antrag der ÖDP der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Der Beschluss fiel denkbar knapp aus.
Die Passauer ÖDP konnte gestern den ersten Sieg des Jahres verbuchen: Der 2. Bürgermeister Mangold hatte vor rund einem halben Jahr den Antrag gestellt, die Aufsichtsratssitzungen der kommunalen GmbHs mit einem öffentlichen und einen nichtöffentlichen Teil grundsätzlich für Bürger und Medien zugänglich zu machen. Eine Baustelle, an der die ÖDP schon seit drei Jahren werkelt und über die gestern endlich entschieden wurde. Mit durchaus überraschendem Ergebnis: Der Finanzausschuss stimmte denkbar knapp mit 7:6 für Mangolds Antrag. Doch insbesondere auf Seiten der FDP/PaL und der CSU gab es rechtliche Bedenken, die auch von der Stadtverwaltung untermauert wurden. Eigentlich war man sich trotzdem irgendwie einig.
Die Krux an der Öffnung von Aufsichtsratssitzungen: Im GmbH-Recht ist das explizit nicht vorgesehen. Seit einiger Zeit gibt es Bestrebungen auf Bundesebene – maßgeblich mit angetrieben von Staatssekretär und FDP-Stadtrat Dr. Max Stadler – diese Gesetzeslage im Bezug auf kommunale GmbHs zu ändern. Doch bisher ist unklar, wann dies letztendlich umgesetzt wird. Mangold traf mit seinem Antrag also durchaus den allgemeinen Tenor, sein Schnellschuss über geltendes Recht hinaus behagte hingegen nicht jedem.
Dabei sind seine Argumente stichhaltig. Als die städtischen Töchter (Stadtwerke, Event und WGP) in GmbHs umgewandelt wurden, wurde, wie Mangold gestern im Ausschuss erinnert, „Themen der Öffentlichkeit entzogen, die jahrzehntelang mit einer Selbstverständlichkeit öffentlich diskutiert wurden“. Man solle sich fragen, so der Bürgermeister, ob man das Öffentlichkeitsprinzip so weit aushöhlen wolle, nur weil das „Papperl GmbH“ draufstehe. Der deutsche Städtetag habe sich zwar gegen ein solch eigenmächtiges Vorgehen ausgesprochen, „doch ich meine, das bindet uns nicht“, betont Mangold. Schon fünf andere bayerische Städte (Angabe des Bayerischen Städtetages), darunter unsere Nachbarstadt Deggendorf, haben sich nicht von dem noch laufenden Gesetzgebungsverfahren auf Bundesebene und der Prämisse des Bayerischen Städtetags abhalten lassen, und die Aufsichtsratssitzungen ihrer städtischen Töchter zum Teil öffentlich gemacht. „Dort hat sich niemand über ein Gericht dagegen gewandt, auch das Handelsregistergericht hat keine Einwände eingebracht“, berichtet Mangold. „Wir sind Alleingesellschafter, also können wir das auch allein entscheiden.“
Das die Gesetzeslage jedoch dagegen spricht, bringt Dr. Max Stadler als Staatsekretär in die Entscheidungsbredouille. Dieser, so betonte er gestern, „teilt ausdrücklich das Ziel des Antrags“. Aber man hätte damals, als die Entscheidung zur Umwandlung in GmbHs in Passau fiel, genau die Bestimmungen gekannt. „Und wenn man die Situation verändern will, muss man an der Wurzel ansetzen und die gesetzlichen Bestimmungen ändern“, so Stadler. „Ich kann einfach nicht im Passauer Stadtrat einem Beschluss zustimmen, der meinen Bestrebungen auf Bundesebene widerspricht“, stellt der FDP-Stadtrat klar. Er könne sich aber vorstellen, dass man die Themen der Aufsichtsratssitzungen im Gesellschafterausschuss, also im Plenum, als Tagesordnungspunkt behandelt und so doch noch indirekt der Öffentlichkeit zugängig mache. „Das ist zwar aber nicht ganz ideal und mit Verzögerung“, gibt Stadler zu, aber es sei eine Zwischenlösung, bis man das endgültige „gemeinsame Ziel“ erreicht habe. Denn Mangolds vorgeschlagener Weg sei für ihn derzeit „juristisch einfach nicht gangbar“. Und er fügte einen direkten Appell an den Bürgermeister Mangold hinzu: „Ich bitte dich im Sinne einer fairen Diskussion nicht mehr zu behaupten, dass wir (die FDP, Anm. d. Red.) uns gegen eine Öffnung der Aufsichtsratssitzungen sperren, das ist schlicht falsch.“ Damit bezog Stadler direkt Stellung zu einer Aussage Mangolds, die im Lokalmagazin Bürgerblick zitiert wurde.
Mangolds und Stadlers Haltungen zur Öffnung der Aufsichtsratssitzungen waren standen gestern auch symbolisch für die zwei Lager, die sich im Ausschuss gestern gebildet haben. Dass mehr Transparenz geschaffen werden soll, da war man sich einig, doch der Weg wurde heiß diskutiert.
Auf der einen Seite waren ÖDP, SPD und die Grünen, die gemäß Mangolds Vorschlag dem Beispiel einiger Städte folgen und jetzt schon die Aufsichtsratssitzungen öffnen wollen. „Das kann viel Luft aus der öffentlichen Diskussion herausnehmen“, meint Grünen-Stadtrat Karl Synek zustimmend. Und auch Andreas Rother (SPD) betonte: „Für uns ist es wichtig, dass wir transparent sind, das ist ein Schritt, der uns nicht weh tut.“ Sensible Themen wie beispielsweise Personalfragen, so gibt Rother zu bedenken, können ja weiterhin im nichtöffentlichen Sitzungsteil geklärt werden. Und selbst Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) schloss sich Mangolds Antrag an. Zwar Führer man hier eigentlich eine „Phantomdiskussion“, meinte der OB, denn „die nichtöffentliche Sitzung gibt es schon lang nicht mehr“. Deren Inhalte gelangen nämlich doch irgendwie immer an die Presse und somit an die Öffentlichkeit. Und er gebe auch Stadler Recht, für den es eine „Zumutung“ wäre, wenn man von ihm fordere, da zuzustimmen. Aber er selbst wolle nicht mehr warten oder es beim Briefeschreiben belassen (ein Seitenhieb an seinen Vorgänger Albert Zankl, der in seiner Amtszeit einen Brief an die damalige Justizministerin Brigitte Zypries mit demselben Anliegen schrieb). Deshalb unterstütze er schon heute den Antrag von Mangold und sehe eine womöglich zukünftige Änderung der Gesetzeslage als nachträgliche Legitimation. „Ich würde das nach Passauer Stadtrecht einfach so probieren“, stellte Dupper klar. Streut der Antrag Sand in die Augen der Öffentlichkeit?
Damit stellte er sich sogar gegen seine eigene Verwaltung, die sich in Persona von Rechtsreferent Dr. Heinz-Günter Kuhls. Der hatte einen Ablehnung von Mangolds Antrag vorgeschlagen: „Die Tatsache, dass das in einigen Städten trotzdem so gehandhabt wird, macht das rechtlich noch lange nicht zulässig.“ Die beantragte Regelung stimme einfach nicht mit der derzeitigen Gesetzeslage überein, untermauerte der Rechtsreferent Stadlers Bedenken. Auch CSU-Fraktionschef Clemens Damberger stellte sich auf die Seite des FDP-Stadtratskollegen: „Den Ausführungen vom Kollegen Stadler ist meines Erachtens nichts hinzuzufügen.“ Und auch die FWG, vertreten durch Fraktionsvorsitzenden Alois Feuerer musste sich Stadlers Argumentation anschließen: „Ich persönlich bin zwar Anhänger der größtmöglichen Transparenz“, betonte Feuerer. Andererseits streite seine Fraktion regelmäßig für eine rechtskonforme Vorgehensweise in den Ausschüssen, wie etwa im Bauausschuss beim Thema Bauen im Außenbereich (wir berichteten hier). Außerdem werde damit den Bürgern Sand in die Augen gestreut, denn in der Öffentlichkeit werden dann auch nur die unstrittigen Themen behandelt - „das Wichtige findet weiterhin hinter verschlossener Tür statt“. Deshalb stimmte auch Feuerer schließlich etwas widerwillig gegen Mangolds Antrag.
Doch die rechtlichen Bedenken konnten am Ende die Mehrheit nicht überzeugen, sodass die abschließende Abstimmung denkbar knapp mit 7:6 Stimmen für Mangolds Antrag stimmten und somit die Ausschusssitzungen der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Bericht wurde veröffentlicht von
Esther Mischkowski
Stadler attackiert Grüne
Von Christian Karl
Kaum ist die „staade Zeit“ vorbei, gewinnt man den Eindruck, dass lokale Politiker ganz besondere Vorsätze fürs neue Jahr haben: In ungewohnter Schärfe attackieren sie sich auf verschiedenen Themenfeldern und schenken sich verbal nichts.
Der für seine diplomatische Gangart geschätzte Passauer FDP-MdB und Stadtrat Dr. Max Stadler wirft den Passauer Grünen vor, die Äußerungen von Bayerns Wirtschaftsminister Zeil zum Import von Atomstrom offenkundig bewusst völlig falsch zu interpretieren. In der Berichterstattung über den Neujahrsempfang der Grünen in Passau sowie in Leserbriefen von Naturschützern lese es sich so, als ob Minister Zeil ein Befürworter des Einkaufs von Strom aus Temelin sei. „Das genaue Gegenteil ist richtig!“, betont Stadler. Zeil habe sich vielmehr dafür ausgesprochen, die Energiewende richtig zu gestalten, damit Deutschland Selbstversorger bei der Stromerzeugung bleibe.
Dazu gehöre neben dem Ausbau der regenerativen Energien in der Region auch die Vorsorge, Strom aus Windkraft, der an Nord- und Ostsee produziert werde, nach Süddeutschland transportieren zu können. Dafür brauche man neue Überlandleitungen. Die Planung für solche Trassen dauere derzeit jahrelang. Minister Zeil habe nur die Sorge formuliert, dass diese für die Energiewende erforderlichen Maßnahmen zu langsam vorankämen.
Die Folge wäre dann laut Zeil wörtlicher Aussage: „Es wird Phasen geben - und es hat sie im letzten Jahr schon gegeben - da fließt Strom aus französischen Kernkraftwerken, tschechischen Kernkraftwerken, polnischen und belgischen Kohlekraftwerken in den deutschen und bayerischen Stromnetzen.“ Mit diesem Zitat habe Zeil laut Stadler lediglich eine Tatsache beschrieben und zugleich geradezu dafür geworben, die Energiewende rasch durchzuführen, damit es künftig eben nicht zu dem unerwünschten Import von Strom komme. Stadler fügte hinzu: „Ich bin neugierig, ob die Grünen vor Ort zu den Befürwortern des für den Stromtransport innerhalb Deutschlands notwendigen Leitungsbaus gehören werden oder zu den Verhinderern.“ Fazit des FDP-Stadtrats: „Es ist eine billige Polemik der Grünen, eine Äußerung des Wirtschaftsministers offenbar bewusst falsch zu verstehen, um sie dann kritisieren zu können, um von eigenen Versäumnissen abzulenken.“ Dass sich an dieser Methode auch MdL Eike Hallitzky beteilige, liege - so Stadler - „unter dessen Niveau“.
Maierhof-Brücke: FDP sieht noch kleinen Verbesserungs-Bedarf
Die Passauer Liberalen halten die abgeschlossene Baumaßnahme „Maierhof-Brücke“ für eine wichtige Verbesserung des Verkehrsflusses auf und um die Strauß-Brücke. „Auch wenn dieser Brückenbau im Stadtrat von Vertretern der Öko-Parteien abgelehnt worden war, so sieht die FDP in dem von den Fraktionsmitgliedern Peter Pell und Andreas Dittlmann geforderten Bauwerk einen von mehreren notwendigen Schritten zum Ausbau der Brückenköpfe Nord und Süd der Strauß-Brücke“, erwähnt Stadtrat Andreas Dittlmann.
Für viele Autofahrer aber sorgte die neue Verkehrsregelung über die Brücke vom Baumarkt in Maierhof für Verwirrung. „Diese Anfangsprobleme waren auf ein unglücklich angeordnetes Verkehrsschild zurückzuführen“, so Kreisvorsitzender Korbinian Faltner (Foto rechts). Nachdem zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung auch an die Passauer Liberalen herangetragen wurden, suchten Stadtrat Dr. Max Stadler (links) und Korbinian Faltner vor Ort nach den Problemen, da durch so manchen „Falschfahrer“ die gewünschte Verkehrsentlastung nicht erreicht wird.
„Der Wegweiser sei jetzt korrekt im 90 Grad Winkel“, so Dr. Max Stadler mit Blick auf einen ursprünglichen Fehler - der Wegweiser hing schräg und die Richtungspfeile waren daher etwas verwirrend. „Es bestehen aber noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten“. So weise die Beschilderung vor allem auf überregionale Ziele wie „Autobahn Richtung Linz“ oder nur pauschal auf Richtung „Stadtmitte“ hin. „Klarer und damit optimaler wäre auch ein Hinweis auf Nahziele“, so Korbinian Faltner. Dieser findet sich aber erst unmittelbar an der Strauß-Brücke. Ein kleines Zusatzschild auf der Hornbachbrücke könnte nach Ansicht der Liberalen mit wenig Aufwand helfen, Missverständnisse und Falschfahrer zu vermeiden und den Verkehrsfluss richtig zu leiten. Mit einem einfachen, ergänzenden und kostengünstigen Schild könnte man den Effekt der Baumaßnahme noch optimieren. - ck/Foto: Dittlmann
Max Stadler: Mutrede zum FDP-Tiefflug
Passau/Straubing - Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler verzichtete auf den FDP-Jahresauftakt in Stuttgart und nahm lieber am Dreikönigstreffen der niederbayerischen Liberalen auf dem Bogenberg teil. In dem Wallfahrtsort hielt der Passauer MdB im „Gasthaus zur schönen Aussicht“ eine temperamentvolle Mutrede. Stadler betonte, bei der Landtagswahl stünden die Aussichten für eine Fortsetzung der CSU-FDP-Koalition gar nicht schlecht, zumal für die Bevölkerung unklar sei, welchen Kurs die Freien Wähler einschlagen würden. Ansonsten aber habe es keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen, dass die Lage der FDP sehr ernst sei. „Wir genießen nicht mehr die Sympathie der Menschen“, meinte Stadler. Zuneigung könne man auch in der Politik nicht erzwingen, aber man könne Respekt und Anerkennung durch tägliche harte, ehrliche Arbeit erwerben. Dies sei das einzige Rezept, das er für die FDP sehe. (red)„Auch bundesweit viel erreicht“: Max Stadler zieht positive Jahresbilanz
Justizstaatssekretär sieht vor Kreisverband Passau viele Ziele als erreicht an
Die Reform des Mietrechts nennt Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler in seinem Jahresbericht an den FDP-Kreisverband Passau-Stadt als nächstes bedeutsames Projekt. Ziel sei es, Anreize für die energetische Sanierung von Gebäuden zu schaffen. „Dies ist auch kommunalpolitisch bedeutsam, denn in der Stadt Passau wollen wir ebenfalls einen Beitrag zur Energiewende leisten“, erklärte der Passauer FDP-Bundestagsabgeordnete und Stadtrat. Zudem müsse man im Mietrecht einen besseren Schutz vor so genannten „Mietnomaden“ einführen, die bisweilen Wohnungen verwüsten und ohne Bezahlung verlassen würden. „Vermieten muss attraktiv bleiben, das liegt auch im Interesse der Mieter“, betonte Stadler. Unabhängig von der insgesamt äußerst schwierigen Situation der FDP zog der Staatssekretär für den rechtspolitischen Bereich eine positive Jahresbilanz. Seine Hauptaufgabe bestehe darin, über die Gesetzentwürfe des Bundesjustizministeriums mit den Abgeordneten des Rechtsausschusses zu verhandeln, bis Entscheidungsreife erzielt sei. Gerade in den letzten Wochen sei dies bei wichtigen Themen gelungen. „Beispielsweise habe ich mich persönlich stark dafür eingesetzt, dass die Regelungen für einen verbesserten Kinderschutz erfolgreich durch den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat gekommen sind“, berichtete Stadler.
Mit der „Mediation“, einer Methode zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten im Vergleichswege, betrete man Neuland. Hierzu, so Stadler, habe er zahlreiche Gesprächsrunden mit der Koalition und Opposition geleitet. Der Lohn der Mühe: In der letzten Sitzungswoche vor Weihnachten wurde das Gesetz einstimmig verabschiedet.
Endlich sei es auch gelungen, den Schutz der Bürger vor überlangen Gerichtsverfahren zu verbessern. Eine Reform der Rechtsmittel im Zivilprozess sei sogar auf eine Anregung eines Bürgers aus dem Landkreis Passau zurückzuführen.
Das Bundesministerium der Justiz habe in dieser Legislaturperiode bis jetzt 32 Gesetzentwürfe ins Kabinett eingebracht. Hiervon konnten laut Stadler zwanzig Verfahren erfolgreich abgeschlossen werden. Immer mehr Raum nehme für ihn, so Stadler, die Teilnahme an EU-Ministerräten ein, zuletzt mit den Verhandlungen zum Europäischen Patent. Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kämpfe dafür, dass München Sitz den neuen Europäischen Patentgerichts werde.
Bei einem für viele Betroffene vorrangigen Thema konnte der Staatssekretär noch keine Einigung in der Koalition vermelden: Die Neuregelung der gemeinsamen elterlichen Sorge für die Kinder von nicht miteinander verheirateten Elternteilen steht noch aus. Stadler kündigte an, hierüber sofort im Januar mit den Rechtspolitikern der Koalition neue Gespräche zu führen.
Als zusätzliche Aufgaben auch im Jahre 2012 nannte der Passauer FDP-Politiker die Leitung der Thomas-Dehler-Stiftung und des deutschtschechischen Gesprächsforums. - ck
Ludwigsplatz wird besser beschildert
Rathaus reagiert auf Anregung eines Bürgers und montiert Tafeln auch für angrenzende Straßen und die Schrottgasse
Von Christian Karl
Schnell reagiert hat das Rathaus auf den Rüffel eines Passauer Bürgers, der die mangelnde Beschilderung am und um den Ludwigsplatz reklamiert hat. Auch in der Schrottgasse soll es Verbesserungen geben.
„Wenn Touristen in Passau vom Bahnhof zu Fuß über die Bahnhofstraße den Ludwigsplatz erreichen, fragen sie mich desöfteren, wie denn dieser Platz wohl heißt. Das einzige Schild ,Ludwigsplatz‘ gegenüber beim Telekom-Laden ist nur mit dem Fernglas lesbar - und natürlich auch nur, wenn man weiß, dass es sich dort befindet“, informierte der PassauerStephan Schmidt unlängst Stadtrat Dr. Max Stadler. Zudem ließ er den FDP-Politiker wissen, dass auch Namens- bzw. Hinweisschilder an der benachbarten Dr.-Hans-Kapfinger-Straße und der Nikolastraße fehlten.„Passau gibt viel Geld aus für Tourismuswerbung, aber elementare Hausaufgaben werden offensichtlich nicht gemacht. Das Problem besteht nach dem Umbau der Neuen Mitte immerhin schon seit mindestens drei Jahren.“ Auch am oberen Eingang der von Touristen viel frequentierten Höllgasse mangele es an einer Beschilderung. Der Passauer empfindet diese Tatsachen auch als „Unhöflichkeiten“ gegenüber Touristen, Hotel- Gästen oder Stadtgalerie-Kunden.
„Wenn eine Kommune ihre Straßen nicht beschildert und damit die Orientierung von Besuchern, Touristen, Geschäftsleuten, aber auch von Ärzten und Rettungsdiensten erschwert - gibt es dazu keine Verordnung?“, fragte Schmid beim Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler nach. Der FDP-Politiker wusste um die Pflicht eines jeden privaten Hauseigentümers, sein Gebäude mit Nummernschildern zu versehen und gab das Anliegen des besorgten Passauers ans Rathaus weiter. Dort stieß das Schmidt’sche Anliegen auf positive Resonanz. Bei einer Prüfung durch das Baureferat vor Ort wurde den Hinweisen nachgegangen. „Es hat sich herausgestellt, dass diese Hinweise alle zutreffend waren“, informierte Rathaus-Sprecherin Karin Schmeller anschließend Stadler. Seitens der Verwaltung sind danach Angebote für Straßennamen-Schilder eingeholt worden und der Auftrag Ende Oktober an eine Lieferfirma vergeben worden. „Die Lieferfirma hat auf Nachfrage des Baureferats jetzt mitgeteilt, dass es bei den erforderlichen Alu-Hohlprofilen derzeit zu Lieferschwierigkeiten kommt und sich deshalb die Lieferung verzögert“, erklärte Karin Schmeller jetzt. „Sobald die Schilder bei der Stadt Passau eintreffen, werden diese umgehend montiert.“
Friedenslicht im Bundesjustizministerium
Eine in Passau bekannte Tradition wird auch im Bundesjustizministerium in Berlin gewahrt: alljährlich überbringen Pfadfinder in der Adventszeit das Friedenslicht aus Bethlehem. Die Pfadfinder wurden von Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger empfangen, ebenso von Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler. Der hatte ausgerechnet in den jetzigen turbulenten Zeiten seinen ersten offiziellen Termin bei Bundespräsident Christian Wulff. Der FDP-Politiker nahm gestern gemeinsam mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Verfassungsgerichtspräsident Prof. Dr. Andreas Voßkuhle an einem Festakt im Schloss Bellevue in Berlin teil, bei dem der Bundespräsident Verfassungsrichter Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio verabschiedete und dessen Nachfolger, den früheren saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller ebenso wie die Richterin am Bundesverfassungsgericht Sibylle Kessal-Wulf in ihre Ämter einführte. - red
Stadler: Mehr Transparenz im Gestaltungsbeirat
Stadtrat Dr. Max Stadler (FDP) regt eine Ergänzung der Geschäftsordnung für den Gestaltungsbeirat an, der in Passau maßgeblich mitwirkt bei sensiblen Bauvorhaben. „In der Vergangenheit waren Entscheidungen des Gestaltungsbeirats bei unmittelbar Betroffenen nicht immer nachvollziehbar“, sagt Stadler.
Durch die Ergänzung der Satzung soll einerseits für Nachbarn eine Anhörung ihrer Sicht der Dinge und Einwände sowie mehr Transparenz ermöglicht werden. Andererseits können die Experten - aktuell drei namhafte auswärtige Architekten - ihre Entscheidungen gegenüber den unmittelbar Betroffenen selbst erklären. Die Entscheidung darüber, ab welchem Zeitpunkt die Entscheidung des Beirats erläutert werden kann, solle jedoch dem dreiköpfigen Gremium selbst überlassen bleiben. Die internen Beratungen, Diskussionen und Erläuterungen mit dem Bauherren sind nach wie vor - falls von ihm gewünscht - nichtöffentlich. - ck
FDP fordert: Gestaltungsbeirat für Betroffene öffnen
Jüngst waren Bewohner des Batavia-Hauses ratlos, warum der Gestaltungsbeirat gegen mehr Licht und Luft vor ihren Wohnungen gestimmt hatte. Das Gremium, in dem die geplanten fünf Bürogebäude an der Grünau beraten wurden, tagt nichtöffentlich. Die FDP will das ändern.
An der Grünau- und Erhardstraße entstehen nach Plänen der Kapfinger Vermögens-Verwaltung (KVV) fünf Bürogebäude. Unter anderem bei den Bewohnern des Batavia-Hauses hat das Empörung hervorgerufen: Sie fürchten Verschattung und die Verbauung jeglichen Ausblicks. Sogar KVV-Bevollmächtigter Rudi Ramelsberger war einverstanden, eines der Gebäude so abzurücken, dass den Nachbarn mehr Licht und Luft bleibt. Doch im Gestaltungsbeirat war man dagegen. Die konkreten Gründe erfuhr man nicht: Die Sitzung war, so wie es die Geschäftsordnung vorschreibt, nichtöffentlich.
Beispiele wie dieses haben Dr. Max Stadler nun dazu veranlasst, an OB Jürgen Dupper den Antrag zu stellen: Der Gestaltungsbeirat soll für Betroffene teil-öffentlich tagen - jedoch nur, wenn der Bauherr einverstanden ist. Zudem sollen Betroffene die Möglichkeit haben, nach der Sitzung angehört zu werden.
"Entscheidungen und Stellungnahmen des Gestaltungsbeirates sollen dadurch für betroffene Bürger transparenter gemacht werden", schreibt FDP/PaL-Stadtrat Andreas Dittlmann, der den Stadler-Antrag verschickt hat. Durch die Ergänzung der Satzung soll einerseits für Nachbarn eine Anhörung und Transparenz ermöglicht werden. Andererseits können die Experten ihre Entscheidung gegenüber den unmittelbar Betroffenen selbst erklären. Die Entscheidung darüber, ab welchem Zeitpunkt die Entscheidung des Beirates erläutert werden kann, sollte jedoch dem Gestaltungsbeirat überlassen werden. Weiterhin nichtöffentlich können interne Beratungen, Diskussionen und Erläuterungen mit dem Bauherrn bleiben, so der Stadler-Vorschlag.
Stadler fordert außerdem: Über jede Sitzung ist von der Geschäftsstelle ein Protokoll zu erstellen. Auch so könne man Betroffenen Einblick in Entscheidungen geben, die "in der Vergangenheit nicht immer nachvollziehbar" gewesen seien. Auf diese Weise könnten die Experten ihre Entscheidung erklären.
Was macht der Gestaltungsbeirat?
Der Gestaltungsbeirat soll laut Satzung "zur Verbesserung des Stadtbildes beitragen, die architektonische Qualität auf einem hohen Standard sichern sowie städtebauliche und architektonische Fehlentwicklungen verhindern". Der Beirat soll für ein intensiveres und besseres Architekturbewusstsein bei allen an der Stadtgestaltung Beteiligten sorgen.
Er unterstützt als unabhängiges Sachverständigengremium den Oberbürgermeister, den Stadtrat und die Verwaltung. Er begutachtet insbesondere Vorhaben von besonderer städtebaulicher Bedeutung in ihrer Auswirkung auf das Passauer Stadt- und Landschaftsbild. Der Gestaltungsbeirat hat die Aufgabe, die ihm vorgelegten Vorhaben im Hinblick auf städtebauliche, architektonische und gestalterische Qualitäten zu überprüfen und zu beurteilen.
Der Beirat setzt sich aus drei Mitgliedern zusammen, die der Stadtrat beruft. Die Mitglieder sind Fachleute aus Städtebau, Landschaftsplanung und Architektur. Mindestens ein Mitglied sollte aus dem Ausland sein. Die Mitglieder dürfen ihren Wohn- oder Arbeitssitz nicht innerhalb eines 80-Kilometer-Radius um Passau haben, sie dürfen zwei Jahre vor und ein Jahr nach der Beiratstätigkeit nicht in Passau planen und bauen.
Bericht wurde veröffentlicht von Susanne Wax
Mandatsträger der FDP bedauern den Rücktritt des Generalsekretärs
Bericht von der Basis: Passauer Spitzen-Liberale sprechen sich durchgängig für einen Richtungswechsel ihrer Partei aus
Auch die politische Landschaft in Passau rätselt über die Gründe für den überraschenden Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Die PNP befragte Mandatsträger der FDP zur aktuellen Krise ihrer Partei:
Dr. Max Stadler, Finanz-Staatssekretär und Stadtrat: „Christian Lindner ist ein brillanter Kopf, sein Rücktritt ist sehr bedauerlich. Ich war davon vollkommen überrascht, wie die meisten. Sein Schritt zeigt die schwierige Situation, in der wir uns befinden. Der Vorsitzende Philipp Rösler hat aber Tatkraft bewiesen, indem er gleich einen Nachfolger benannt hat. Es ist sehr wichtig, dass zwischen Generalsekretär und Vorsitzendem ein enges Vertrauensverhältnis besteht - und Rösler und Patrick Döring kennen sich ja aus Hannover.
Der Imageschaden durch den Vorgang? Der liegt schon länger zurück: In den vergangenen zwei Jahren ist es uns nicht gelungen, die zentrale Aussage zu transportieren, also niedrigere Steuersätze. Wir konnten dieses Ziel nicht umsetzen, weil wir keine Mehrheit im Bundestag gefunden haben. Darüber nimmt die Öffentlichkeit kaum wahr, welche Erfolge wir auf anderen Gebieten erzielen, wie etwa Abschaffung der Wehrpflicht, Einleiten der Energiewende usw.“
Rolf Frommelt, Ehren-Kreisvorsitzender Passau-Stadt: „Das ist wirklich außerordentlich zu bedauern, dass Christian Lindner zurückgetreten ist. Ein begabter, sehr intelligenter Mann, der hervorragende Arbeit geleistet hat - und ich denke, ich kann das beurteilen, ich bin lange genug dabei. Lindner hat sich ja nicht zum Grund geäußert, also sollten wir keine großartigen Spekulationen darüber anstellen.
Ich bin überzeugt, Christian Lindner ist nicht verschwunden, er kommt wieder. Als Nachfolger hat sich Patrick Döring angeboten. Der Imageverlust der FDP beruht aber nicht auf einer Personalie, sondern darauf, dass die großen Verdienste unserer Bundestags-Fraktion nicht richtig bekannt gemacht werden. Und wenn unter Westerwelle in zwei Jahren alle Wahlen gewonnen werden und er anschließend Alleinschuldiger für schlechte Ergebnisse sein soll, das ist nicht in Ordnung.“
Korbinian Faltner, FDP-Kreisvorsitzender Passau-Stadt: „Christian Lindner war einer unserer fähigeren Politiker, ich bedauere seinen Schritt sehr. Es gibt zwei mögliche Gründe dafür: Entweder er hat sich mit Rösler bekriegt. Oder er hat das Ergebnis des Mitglieder-Entscheids gefürchtet, das heute Mittag bekannt gemacht wird. Da geht’s um den Schaeffler-Antrag zu den Euro-Rettungsschirmen.
Natürlich ist jetzt schnell ein Nachfolger präsentiert worden. Rösler hat damit Handlungsfähigkeit bewiesen. Wir müssen darüber nachdenken, ob man nicht die Vorstandschaft auswechselt und mit neuen Personen und neuen Themen Boden gewinnt.“
Andreas Dittlmann, Stadtrat für die FDP seit sechs Monaten und Mitarbeiter in der Passauer FDP-Zentrale: „Zu den besten Köpfen der FDP gehört zweifelsohne Christian Lindner, ich habe ihn sehr geschätzt. Deshalb bedauere ich es auch sehr, dass er zurückgetreten ist. Er wird uns eines Tages die wahren Gründe dafür verraten, da bin ich sicher. Die Krise der FDP ist ja unstrittig. Die Partei beschäftigt sich viel zu sehr mit sich selbst. Sie macht eine gute Politik, verkauft sie aber hundsmiserablig schlecht.
Der neue Generalsekretär harmoniert offenbar besser mit dem Parteivorsitzenden, was ja auch nötig ist. Philipp Rösler hat seine Ziele bisher nicht erreicht, auch die Chance des Mitgliederentscheids - übrigens ein einzigartiges Instrument - wurde ziemlich vertan.“
Dr. Anton Jungwirth, 3. Bürgermeister: „Den zurückgetretenen Generalsekretär habe ich als total kompetent empfunden. Doch auf die Möglichkeit hin, dass das nicht der letzte personelle Umbruch war, könnte der Schritt von Christian Lindner unterm Strich was Gutes bewirkt haben, indem er den Anstoß zu Neuem gab. Denn eine neue Richtung brauchen wir unbedingt.“
- Interviews: Franz Danninger
Endlich: Harte Strafen für Telefon-Abzocker
Berlin/Passau - Das Bundesjustizministerium plant deutlich schärfere Gesetze gegen unerlaubte Telefonwerbung und dubiose Gewinnspieldienste.
In einem Eckpunktepapier wird vorgeschlagen, dass Verträge über Gewinnspieldienste künftig nur wirksam sein sollen, wenn sie schriftlich, per Fax oder per E-Mail abgeschlossen worden sind. Außerdem sollen die Bußgelder bei unerlaubten Werbeanrufen von derzeit höchstens 50 000 Euro auf bis zu 300 000 Euro erhöht werden. „Mit diesen Maßnahmen sollen Abzocke-Fälle, wie sie in der letzten Am Sonntag beschrieben worden sind, künftig möglichst verhindert werden“, erklärt der Passauer Justizstaatssekretär Max Stadler (FDP). (sd)
Guttenberg-Anwerbung und Lacher-Kampagne FDP: Es setzt der Galgenhumor ein
von SEBASTIAN DAIMINGER
Die Glanzzeiten der FDP sind gezählt. Letzte Umfragen zu den Wählerstimmen brachten einen vernichtenden Wert von nur noch zwei Prozent. Die Liberalen stecken bis zum Hals im Schlamassel - und dort scheint sich jetzt auch noch Galgenhumor breit zu machen!
Der FDP-Querdenker Gerhard Drexler aus dem Wahlkreis Freyung-Grafenau schockiert seine Kollegen auf Landes- und Bundesebene mit einer spontanen Aktion: In einer Mail an Karl Theodor zu Guttenberg hat er den Ex-Star der CSU zum Parteiwechsel aufgefordert. Drexler vergleicht die FDP mit der Zweitligamannschaft TSV 1860 München und sagt: „Stellen sie sich doch vor, der Ribéry würde zu den Sechz’gern wollen, dann könnten die auch nicht sagen, wir mögen ihn nicht.“ Von einer Parteigründung rät er Guttenberg zudem ab und bietet eine „neue Heimat“ bei der FDP an. Die Landeschefin und Bundesjustizministerin Sabine Leut-heusser-Schnarrenberger ist wenig amüsiert über den Anwerbeversuch aus den eigenen Reihen. Sie poltert schroff: „Es gibt kein Angebot. Guttenberg ist CSU-Mitglied. Punkt. Ende der Debatte“. „Das ist doch eine Schnapsidee“, wettert auch Landtagsvizepräsident Jörg Rohde. Und Wirtschaftsminister Martin Zeil, der auch FDP-Landesvize ist, meint: „Das sieht dem Gerhard ähnlich!“
Apropos Zeil: Der fordert den Humor der Wähler ebenfalls heraus. Hat er doch jüngst eine bayernweite Plakatkampagne starten lassen - mit dem grenzgenialen Werbeslogan: „Gute Sprüche machen gute Laune. Gute Wirtschaftsminister machen gute Wirtschaftspolitik.“ Im Stimmungstief klopft die FDP also starke Sprüche und setzt auf Humor - die Kampagne gerät damit selbst zum Lacher.
Einfallen lassen hat sich den Polit-Klamauk übrigens die Münchner Werbeagentur „Neophyten“. Deren Chef, der Passauer Karl-Heinz Hasenöhrl, betreibt im Internet selbst einen Blog, wo er sonst die Auswüchse der Politik satirisch auf die Schippe nimmt.
Wenn der Defiliermarsch Freunde ankündigt
Handy-Klingeltöne bekannter Passauer und Peinlichkeiten mit dem MobiltelefonVon Christian Karl
Eine persönliche Note - das verbinden viele mit ihrem unverwechselbaren Handy-Klingelton, auch wenn der schon so manchen in Verlegenheit bringt, wenn er unerwartet loslegt. Die Lokalredaktion hat nachgefragt, welche Vorlieben bekanntere Passauer dabei haben.
„Aus Bequemlichkeit nutze ich immer nur den voreingestellten Klingelton“, sagt der für seine fast ständige Erreichbarkeit bekannte Dr. Max Stadler. „Eigentlich hätte ich gerne ,A whiter shade of pale‘ von Procul Harum, eine wunderbare Melodie in Anlehnung an ,Air‘ von Johann Sebastian Bach. Im Jahr 1967 besuchte ich ein Konzert der Bee Gees in München. Zufällig spielte als Vorgruppe Procul Harum, seitdem gefällt mir diese Musik“, fügt der FDP-Stadtrat, MdB und Staatssekretär im Justizministerium an. Eine Peinlichkeit, an die er sich erinnert: „In einer Bundestags-Sitzung hat mal mein Handy geläutet und ich habe in der Aufregung die Ausschalttaste nicht gleich gefunden - daher schalte ich jetzt quasi automatisch das Handy auf stumm, sobald ich den Reichstag betrete“.
„Als Klingelton nehme ich völlig unspektakulär einen von den Grundeinstellungen des Handys. Da hab ich mir noch nie einen besonderen Ton draufgeladen“, lässt Stadlers Berliner Kollege Dr. Andreas Scheuer wissen. Etwas überraschend für den Technik-Freak, der als Erster bereits vor Jahren auch bei Stadtratssitzungen via Handy E-Mails empfing und versandte. Eine Klingel-Panne hat der MdB und Parlamentarische Staatssekretär nicht vorzuweisen.
Nützliche Hintergedanken bei seinen Klingeltönen hegt Stadtbrandinspektor Andreas Dittlmann. „Ich nutze die Möglichkeit der individuellen Klingeltöne sehr gerne und gebe zu, dass ich dadurch für mich selbst auch so manche ,Dringlichkeit‘ des Anrufs definiere“, gesteht der Stadtrat. „Feuerwehrleute sind zum Beispiel mit dem Martinshorn hinterlegt, meine Familie mit dem Sirenenalarm, Max Stadler mit dem Bayerischen Defiliermarsch“, sagt der FDP-Politiker mit Blick auf den Kollegen, mit dem er das Passauer FDP-Büro teilt. Seiner Freundin hat Dittlmann „Weilst a Herz hast wia a Bergwerk“, ein Lied von Rainhard Fendrich, zugeordnet. Und in puncto Handy-Peinlichkeit hat Dittlmann auch was parat: „Beim letzten Urlaub in Ägypten rief Max Stadler an, als ich gerade durch die Sicherheitsschleuse am Flughafen ging. Der Anruf hat sowohl bei den Sicherheitskräften als auch den Urlaubern aus Norddeutschland einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und bei mir für einen roten Kopf - auch ohne Sonnenbrand - gesorgt.“
Eher dezent und unauffällig handhaben es …..
Stadtgespräch
Eine ehrenvolle Aufgabe hatte Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler zu erfüllen. Der Passauer FDP-Politiker zeichnete im Rahmen einer Feierstunde der Thomas-Dehler-Stiftung den Schweizer liberalen Europaratsabgeordneten Dick Marty mit dem Thomas-Dehler-Preis 2011 aus. Dick Marty hatte internationales Aufsehen erregt, als er die Existenz von CIA-Geheimgefängnissen in Europa untersucht hat. Die Laudatio hielt Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. - redAuch FDP kämpft fürs Landesmuseum
Auch Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) setzt sich dafür ein, dass Passau das neue Landesmuseum erhält: „Ich habe mich an dem Tag, an dem bekannt wurde, dass Regensburg Favorit sei, an Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch gewandt und ihm noch einmal die Vorzüge Passaus als Standort dargelegt.“ Ebenso habe der Freyunger FDP-Kreisrat Gerhard Drexler sich als Mitglied im Vorstand der Vereinigung Liberaler Mittelstand bei Heubisch sowie Wirtschaftsminister Zeil für Passau verwandt. - red
Arbeitnehmer-Rechte: ver.di attackiert Mangold
Der Streit um die Arbeitnehmer-Mitbestimmung bei den Stadtwerken geht in die nächste Runde. Der Vorstoß von Bürgermeister Urban Mangold, bei den Stadtwerken die betriebliche Mitbestimmung im Aufsichtsgremium einzuschränken, stößt bei der Gewerkschaft ver.di auf Unverständnis.
„Wer das Recht von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat einschränken will“, so Hartmut Veitengruber, Bezirksgeschäftsführer von ver.di, „der muss von Seiten der Gewerkschaft mit einer harten Auseinandersetzung rechnen.“ 1998 sei bei der Überleitung der Stadtwerke Passau vom Eigenbetrieb in eine GmbH ausdrücklich mit dem Stadtrat im Rahmen der Tarifverhandlungen vereinbart worden, dass die betriebliche Mitbestimmung bei der Stadtwerke Passau GmbH mit zwei Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat umgesetzt wird. „Wenn nun diese Mitbestimmung einschränkt oder gar in Frage gestellt werden soll, nur weil Gremien das Abstimmungsverhalten der Arbeitnehmervertreter nicht passt, dann kann dies aus Sicht der Gewerkschaft ver.di nicht akzeptiert werden“, so Veitengruber. Aufgabe des Aufsichtsrats sei es, die Geschäftsführung zu überwachen und zu begleiten. Er sei kein politisches Entscheidungsorgan, denn dafür gebe es das Stadtratsplenum und die Gesellschafterversammlung. Der Stadtrat habe als alleiniger Gesellschafter bei den Stadtwerken so oder so die alleinige politische Einflussnahme und könne somit seine Politik durchsetzen.
In seltener Einigkeit mit den Gewerkschaften hat gestern auch die FDP nachgelegt: Die Rechte der Arbeitnehmervertreter müssten in vollem Umfang erhalten bleiben. „Hier darf es keine Unterschiede zwischen kommunalen und privaten Unternehmen geben“, so die beiden Stadträte Dr. Max Stadler und Andreas Dittlmann, die eine „eindeutige Positionierung des Oberbürgermeisters und der Stadtratsfraktionen“ fordern. Die ÖDP versuche, die „Gleichberechtigung abzuschaffen, nur weil die Arbeitnehmervertreter nicht so abstimmen, wie sich dies Bürgermeister Mangold wünscht“.
Eigenwilliges Demokratieverständnis
Weil sie nicht so abstimmten, wie er das wollte, will Bürgermeister Urban Mangold die Arbeitnehmervertreter im Stadtwerke-Aufsichtsrat beschneiden.
Die Stadtwerke sind seit jeher ein Steckenpferd von Passaus ÖDP-Boss und Bürgermeister Urban Mangold: Mit Strom, Bus, Bad und Gas kann sich ein Polit-Populist vom Schlage Mangolds wunderbar beim Wählervolk profilieren – und ganz nebenbei fallen für den Aufsichtsratsposten noch ein paar Euro für die eigene Kasse ab. Aber gerade in seinem Lieblingsgremium hat ausgerechnet der selbsternannte Gralshüter der Demokratie alle Regeln derselben über Bord geworfen und sich als Politiker nach Gutsherrenart enttarnt: Weil die beiden Arbeitnehmervertreter im Stadtwerke-Aufsichtsrat mit ihrem wirtschaftlichen Sachverstand nicht mit Mangolds populistischer Unvernunft stimmten, hat er die beiden öffentlich bloßgestellt und will sie nun sogar ihrer demokratischen Rechte berauben: Sie sollen künftig im Aufsichtsrat bei wichtigen Dingen nicht mehr mitstimmen dürfen.
Diese Entgleisung ruft in den Stadtratsfraktionen zurecht Empörung hervor. Mangolds Stadtratskollegen melden berechtigte Zweifel an, ob der Bürgermeister jetzt wirklich von allen guten Geistern verlassen sei. Ausgerechnet Rechte von Arbeitnehmervertretern einzuschränken, und das auch noch fadenscheinig zu begründen, die hätten bei der Politik nix mitzureden, das ist ein Rückfall in dumpfe Zeiten. Sich Demokratie so zurechtzulegen, wie es einem selber in den Kram passt, und bei Niederlagen beleidigt den störenden Gegner Kraft der Bürgermeistersmacht zur Räson zu zwingen, das ist entweder Kindergartengehabe oder ein eigenwilliges Demokratieverständnis, wie es Sonnenkönig Louis XIV. nicht schlimmer hätte geprägt haben können, nämlich: „Die Demokratie bin ich!”
Langsam aber sicher gehört Bürgermeister Mangold selber zur Räson gebracht. In diesem Fall sollte nicht nur OB und Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Dupper – der hat übrigens die Arbeitnehmer-Mitbestimmung im Stadtwerke-Aufsichtsrat mit eingeführt – seinen Stellvertreter und Aufsichtsrat der Stadtwerke sauber zur Brust nehmen. Hier sind alle Fraktionen aufgefordert, eindeutig Stellung für die Arbeitnehmer zu beziehen und Mangolds dreistem Ansinnen eine ordentliche Abfuhr zu erteilen – und zwar in dem politischen Gremium, das dafür auch vorgesehen ist: dem Stadtratsplenum. Also quasi eine heilsame politische Watsch’n verabreichen. Damit der Mann wieder auf den Boden der Demokratie heruntergeholt wird, von dem er scheinbar immer weiter abhebt…
Autor: Stefan Brand
Stadtgespräch
Passauer gestalteten Akademietagung in RegensburgGleich vier Passauer gestalteten am Samstag eine auswärtige Tagung der Akademie für Politische Bildung Tutzing im historischen Salzstadel in Regensburg mit. Prof. Dr. Heinrich Oberreuter hielt das Hauptreferat über Ethik als Herausforderung für die Politik, Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig sprach über die Bedeutung der antiken Philosophie für die Gegenwart und Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler diskutierte zum Abschluss der Veranstaltung unter Leitung von Dr. Gero Kellermann auf einem Podium mit Landtagsvizepräsident Franz Maget, MdL Claudia Stamm und MdEP Manfred Weber. Schließlich übernahm ein weiterer Passauer, Sebastian Haas, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. - red
Stadler und Dittlmann kritisieren Mangold
FDP-Stadträte verteidigen die Mitbestimmung der Arbeitnehmer bei den Stadtwerken
Ohne Wenn und Aber sprechen sich Dr. Max Stadler, Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion, und FDP-Stadtrat Andreas Dittlmann für den Fortbestand der Unternehmensmitbestimmung durch Arbeitnehmer im Aufsichtsrates der Stadtwerke aus. Die beiden stellten sich damit gestern in einer Presseerklärung eindeutig gegen den Vorstoß von Urban Mangold (ÖDP), die Mitentscheidungsrechte der beiden Arbeitnehmervertreter im Stadtwerke-Aufsichtsrat einzuschränken. Stadler und Dittlmann erklärten: „Offenbar aus Frust über eine verlorene Abstimmung hat sich Bürgermeister Mangold dazu hinreißen lassen, völlig unangebracht auf die Arbeitnehmervertreter loszugehen.“
Ärger sei aber in der Politik ein schlechter Ratgeber. Stadler und Dittlmann meinen, Mangold sei dabei „von allen guten Geistern verlassen gewesen“. Für die FDP sei nicht nachvollziehbar, warum sich Mangold dabei der Argumente der Mitbestimmungsgegner aus den Siebziger Jahren bedient habe.
Nachdem Mangold im Aufsichtsrat mit einem Antrag, Stromsparer mit Gratis-Buskarten zu belohnen, an den Stimmen der CSU, FDP, eines SPD-Stadtrats sowie der beiden Arbeitnehmervertreter gescheitert war, kündigte er eine Initiative an, wonach das Stimmrecht der Arbeitnehmervertreter auf „Personal- und Arbeitnehmerfragen“ zu beschränken sei. Dies wäre nach Meinung der FDP ein „Verstoß gegen eine moderne Unternehmenskultur“.
Stadler meint, wahrscheinlich sei Mangold bei seiner Attacke nicht bewusst gewesen, dass er damit einer bloßen „betrieblichen Mitbestimmung“ das Wort rede. Diese stehe aber den Betriebsräten zu. Streitig sei nur die Zahl der Arbeitnehmervertreter bei kleineren Gesellschaften gewesen. Daher sei durch das „Drittelbeteiligungsgesetz“ von 2004 festgelegt worden, dass in Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten ein Drittel der Aufsichtsräte den Arbeitnehmern zustünden. Da es sich beim Stadtwerke-Aufsichtsrat um ein fakultatives Gremium handle, habe man dort die Zahl der Arbeitnehmervertreter auf zwei Personen festgelegt. Das sei, so Stadler, nun wirklich maßvoll. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer gelte als Eckpfeiler der deutschen Sozialordnung. Stadler: „Ich glaube daher, dass Urban Mangold die Dimension seines übereilten Angriffs auf die Arbeitnehmerrechte nicht überblickt.“ Im übrigen gebe es im Fall der Stadtwerke ja auch noch das Stadtratsplenum als Gesellschafterversammlung. „Dort sind die Politiker ohnehin unter sich“, meint Stadler.
Andreas Dittlmann macht darauf aufmerksam, dass nach seiner Bewertung die beiden Vertreter der Arbeitnehmer „stets zum Wohle des Unternehmens“ handeln würden. Der Antrag der ÖDP, der Anlass für die aktuelle Debatte war, hätte einen Aufwand verursacht, der in keinem Verhältnis zum Nutzen gestanden wäre. Dittlmann: „Die Strompreise sind hoch genug, um für den Einzelnen Anreiz zu sein, seinen Verbrauch und damit Kosten einzusparen. Dies mit Busfahrkarten zu honorieren, ist zwar nett, hätte aber für viele eher nur einen Mitnahmeeffekt dargestellt.“ - red
SWP-Aufsichtsrat: FDP wettert gegen Mangold
SWP-Aufsichtsrat: FDP wettert gegen MangoldDer Schlagabtausch ist eröffnet: Nachdem Bürgermeister Urban Mangold am Freitag die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der SWP in Frage stellte, meldet sich nun die FDP zu Wort und kritisiert Mangold heftig.
Vergangenen Freitag empörte sich Passaus Bürgermeister Urban Mangold darüber, dass ein von ihm gestellter Antrag bei der Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke Passau nicht zuletzt an den anwesenden zwei Arbeitnehmervertretern scheiterte. Mangolds Vorschlag: Bürger, die 2012 im Vergleich zum Vorjahr 10 Prozent Strom weniger verbrauchen, sollen mit kostenlosen Busfahrten belohnt werden (wir berichteten hier). Er unterstellte den beiden Arbeitnehmervertretern, insbesondere in Umweltfragen als „verlängerter Arm der CSU“ zu agieren und somit den Bürgerwillen zu verfälschen, der ja der SPD und ÖDP bei der letzten Stadtratswahl die Mehrheit zugesprochen hatte. „Die Entscheidung über eine ökologische Stadtpolitik will ich nicht Herrn Zitzl und Herrn Binder überlassen, die dafür vom Bürger nicht legitimiert wurden“, so Mangold in seiner Pressemeldung. Er forderte: „Ihr Stimmrecht sollte auf Personal- und Arbeitnehmerfragen beschränkt werden.“
Stadler: Nicht das Rad der Zeit zurückdrehen
Dies stößt nun aber der FDP sauer auf, deren Vertreter in besagter Sitzung ebenfalls gegen Mangolds Vorschlag stimmten. Die Stadträte MdB Dr. Max Stadler und Andreas Dittlmann – letzterer ist Mitglied im SWP-Aufsichtsrat – unterstellen nun wiederum Mangold, lediglich aus „Frust über eine verlorene Abstimmung“ zu handeln. So meinte MdB Dr. Max Stadler in einer gestrigen Pressemeldung der FDP-Fraktion: Mangold sei bei seiner Attacke wahrscheinlich nicht bewusst gewesen, dass er damit einer bloßen sogenannten „betrieblichen Mitbestimmung" das Wort rede. Diese stehe aber ohnehin den Betriebsräten zu. „In grauer Vorzeit" habe es einmal diese Meinung gegeben, das reiche völlig aus. Die damalige sozialliberale Bundesregierung aus SPD und FDP habe dagegen 1976 ein modernes Gesetz zur Unternehmensmitbestimmung durchgesetzt, so Stadler. Ziel sei gewesen, die Mitwirkung der Arbeitnehmer zu erweitern und ihre Mitbestimmungsrechte auch auf die Unternehmenspolitik zu erstrecken. Stadler fragt: „Will Urban Mangold wirklich am Beispiel der Passauer Stadtwerke das Rad der Zeit zurückdrehen?"
Hoher Strompreis Anreiz genug zum Sparen?
Da die Mitbestimmung der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in den Unternehmen als Eckpfeiler der deutschen Sozialordnung gelte, könne man dies nur als „schwarzen Freitag der ÖDP“ bezeichnen, schimpft Stadler. Und Andreas Dittlman ergänzte, dass die beiden Vertreter der Arbeitnehmer „stets zum Wohle des Unternehmens“ handeln würden und dass dazu eigentlich auch die Politiker im Aufsichtsrat verpflichtet wären. Die Strompreise seien hoch genug, um für den Einzelnen Anreiz genug zu sein, seinen Verbrauch und damit Kosten zu sparen, meint Dittlmann. Bei seinem Versuch, nun die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertretung im SWP-Aufsichtsrat zu beschneiden, so Stadler und Dittlmann unisono, sei Mangold einfach „von allen guten Geistern verlassen gewesen“.
Bericht wurde veröffentlicht von
Esther Mischkowski
Ein Treffen „europäischer Unionsbürger“
Die Jahreskonferenz des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums tagte in Passau zum Thema Europäische IdentitätenVon Stefan Rammer
Passau. Mit seiner Begrüßungsformel „Liebe Unionsbürger“ traf der Passauer Staats- und Europarechtler Prof. Dr. Christoph Herrmann den Nagel auf den Kopf. Und als eine Frau, die viele Jahre lang darunter gelitten hat, dass sie als deutschsprachig erzogenes Mädchen ihre Muttersprache als in Tschechien aufwachsendes Mädchen verleugnen musste, sich als „Europäerin“ bezeichnete, war man gleich zu Beginn bei sich und beim Thema angekommen.
Sonst tagt das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum in großen Städten wie Berlin, München oder Prag, doch dieses Mal war die Wahl auf die Europastadt Passau gefallen, die selbst vielfältige Verbindungen ins Nachbarland pflegt. So war es denn für den von der Bundesregierung zum neuen deutschen Konferenzleiter des Forums ernannten Max Stadler ein Heimspiel, das der parlamentarische Staatssekretär sichtlich genoss.
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Stadler selbst ist von Anfang an dabei beim 1997 auf der Grundlage der Deutsch-Tschechischen Erklärung gegründeten Forum. Es hat die Aufgabe, mit allen an einer engen und guten deutsch-tschechischen Partnerschaft interessierten Kreise den deutsch-tschechischen Dialog zu pflegen. Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik wurde für Passau eine hochkarätig besetzte Jahreskonferenz zum Thema „Identitäten und Bürgerschaften in Europa“ auf die Beine gestellt, die tschechische und deutsche Perspektiven aufzeigen sollte. Referenten wie Teilnehmer waren aktive wie ehemalige Minister, Parlamentarier, Diplomaten und Wissenschaftler.
Die Tagung eröffnete Emilia Müller, Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten. Sie betonte, dass Ministerpräsident Horst Seehofer bei seinem Prag-Besuch ein neues Kapitel guter Nachbarschaft aufgeschlagen und Türen der Freundschaft geöffnet habe. Dank des Forums könne der „Weg des Erfolgs“ konsequent weiter begangen werden und das „europäische Projekt Herz und Seele“ bekommen.
Dass es noch viele „Baustellen“ gibt, dass aber man aber insbesondere beim deutsch-tschechischen Dialog deutliche Fortschritte gemacht hat, kristallisierte sich im Reigen der Vorträge schnell heraus. In vier „Panels“ wurden unterschiedliche Aspekte des Tagungsthemas erörtert. Dabei ging es grundsätzlich um die Frage der modernen Nationsbildung und der kollektiven Identitäten in Europa, aber auch darum, was eine „Unionsbürgerschaft“ ausmacht. Wissenschaftler wie Stefan Fuchs, Prof. Peter Graf oder Magda Faltova skizzierten die Rolle von Familie und Schule als Schlüssel zur staatsbürgerlichen Integration bzw. als Ort der Selbstfindung. Der Kulturan-thropologe Fabiano Golgo und der Schweizer Nationalrat Andreas Gross zeigten den Aspekt der Identitätssuche im Generationenkonflikt auf und arbeiteten den Wandel der Staatsbürgerschaften auf.
Dass der Zusammenhalt Europas und der Aufbau einer gemeinsamen Wertegemeinschaft als Basis des gemeinschaftlichen Wirkens im Dialog vorangetrieben wird, darüber diskutierten der Prof. Andreas Paulus, Richter am Bundesverfassungsgericht, die ehemalige österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, der tschechische Ex-Außenminister Josef Zielenic und die Staatssekretäre Christian Schmidt und Vojtech Belling.
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Alle outeten sich als „Europäer“, die eine Vision der europäischen Zukunft auf der Basis einer ausbuchstabierten Wertegemeinschaft eint. Ein Europa der Bürgerschaften sei anzustreben, das in einer Solidargemeinschaft den Raum von Freiheit, Sicherheit und Recht weiter entwickle. Wie Paulus betonte, müsse man dazu weder nationale Staats- noch Rechtssysteme auflösen. Für Zieleniec ist die Vertiefung der Integration die Lösung auch der gegenwärtigen Krise und Bandion-Ortner meinte. „Ich bin Europäerin und in einigen Jahren werden viele Unionsbürger so denken.“
Max Stadler zog eine positive Bilanz der Konferenz: „Wir haben uns einem schwieriges Thema aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen genähert. Wir werden jetzt im Nachklang herausdestillieren, was an praktischen Ideen für die Politik umzusetzen ist.“ Besonders dem Problem des Sprachunterrichts Jugendlicher beider Staaten werde man sich widmen. Denn zuletzt lernte man auf beiden Seiten die jeweilige Sprache des anderen. Als wichtige Erkenntnis hielt Stadler fest. „Ich glaube, dass der Stand der deutsch-tschechischen Beziehungen derzeit besser ist als der Zustand der EU.“
Stimmen der Freiheit zu Gast im Rathaus
Von Stefan Rammer„Es gibt tiefe gemeinsame Wurzeln zwischen Bayern und Böhmen, eine 1500-jährige Nachbarschaft und besonders Passau pflegte und pflegt die guten Beziehungen zum tschechischen Nachbarn.“ Mit großer Freude hörten die rund 100 Gäste im Passauer Rathaus die Begrüßungsworte von OB Jürgen Dupper. Unter den Begrüßten waren viele Tschechen, die zusammen mit ihren deutschen Freunden als Teilnehmer der Jahreskonferenz des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums am Wochenende Gast in der Dreiflüssestadt waren.
Nach einem ebenso anregenden wie spannenden und informativen Konferenztag rund um das Thema „Identitäten und Bürgerschaften in Europa“ in den Redoutensälen lud OB Dupper die Teilnehmer ins Rathaus. Er konnte ein höchst illustre Namensrunde begrüßen, an der Spitze Staatssekretär Max Stadler, der zusammen mit dem tschechischen Senator Ludek Sefzig Vorsitzender des Gesprächsforums ist. Darüber hinaus waren u.a. der deutsche Botschafter in Prag, Detlef Lingemann, der tschechische Staatssekretär Vojtech Belling, der ehemalige tschechische Außenminister Josef Zielenic, die ehemalige österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, Staatssekretär Christian Schmidt, der Richter am Verfassungsgericht Prof. Dr. Andreas Paulus und ein lange Reihe aktiver oder ehemaliger Diplomaten, Politiker, Journalisten und Wissenschaftler im „historischen Wohnzimmer der Stadt“ anwesend.
„Wir fühlen uns sehr wohl in der Europastadt Passau“ betonte Gerd Weisskirchen, der als Spiritus rector des Gesprächskreises wirkt und Vorgänger Stadlers war. Nachdem Dupper die vielfältigen Verbindungen zu Böhmen, z.B. der Partnerstadt Budweis, aufgezählt hatte, übernahm Universitätspräsident Prof. Dr. Walter Schweitzer das Wort und ergänzte die Liste um die Reihe der universitären Verflechtungen und Kooperationen mit den Universitäten in Prag, Budweis, Pilsen und Brünn. Er wies besonders auf gemeinsame Forschungsprojekte zum Goldenen Steig, zum Sprachatlas Böhmerwald oder zur Sprache und Kultur im Bohemicum hin.
Der Abend im Rathaus war aber nicht nur schönen Worten und vertiefenden Gesprächen gewidmet. Dr. Zusana Jürgens, Direktorin des Tschechischen Zentrums München, eröffnete auch eine kleine, aber feine Ausstellung über die „Stimmen der Freiheit. Radio Free Europe im Kalten Krieg“. Die unter Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Horst Seehofer und des tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg stehende Ausstellung zeigt die Geschichte des amerikanischen Radiosenders, der von 1951 bis 1994 von München aus hinter den Eisernen Vorhang sendete. Die Schau stellt die einzelnen Redaktionen vor und beschreibt den Einfluss der Sendungen auf politisch-gesellschaftliche Ereignisse aus der Ära des Kalten Krieges. Schicksale ausgewählter Persönlichkeiten zeigen die Arbeit beim Sender. Mit Ludmila Rakusanova war auch eine ehemalige Mitarbeiterin anwesend.
Deutsch-Tschechisches Forum
Dr. Max Stadler ist neuer deutscher Leiter der Konferenz
Erstmals findet die Jahreskonferenz des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums in Passau statt. Am Samstag werden etwa 200 Gäste im Großen Redoutensaal erwartet, die über das Thema „Identitäten und Bürgerschaften in Europa. Tschechische und deutsche Perspektiven“ diskutieren. Die Bundesregierung hat zum neuen deutschen Konferenzleiter den Passauer MdB und Justizstaatssekretär Dr.Max Stadler ernannt. Tschechischer Co-Vorsitzender des Forum ist Senator Dr. Ludek Sefzig. In vier „Panels“ werden verschiedene Aspekte des Tagungsthemas beleuchtet. Den Abschluss bildet ein Streitgespräch zum Thema „Was Europa zusammenhält: Wertegemeinschaft oder Interessenverbund?“ Um 19 Uhr empfängt OBJürgen Dupper die Teilnehmer des Gesprächsforums im Großen Rathaussaal. Dr. Zuzana Jürgens, Direktorin des Tschechischen Zentrums München, wird die Ausstellung „Stimmen der Freiheit, Radio Free Europe im Kalten Krieg“ eröffnen. - red
Stadtgespräch
Genau vor zwei Jahren ist Dr. Max Stadler zum Parlamentarischen Staatssekretär berufen worden. Groß gefeiert wurde zur „Halbzeit“ der Legislaturperiode im Justizministerium in der Berliner Mohrenstraße jedoch nicht. Vielmehr vertrat Stadler die Bundesregierung in Luxemburg beim Rat der EU-Justizminister. Mit der Vizepräsidentin der EU-Kommission, Vivane Reding, verhandelte Stadler über die umstrittenen Internet-Zugangssperren, die vom Bundestag abgelehnt werden, jedoch in einem Richtlinienvorschlag der Europäischen Union ursprünglich vorgesehen waren. Diese nach Meinung des Bundesjustizministeriums unwirksamen „Sperren“ sind nun endgültig vom Tisch, während die EU-Staaten darüber einig sind, dass die Darstellungen sexuell missbrauchter Kinder im Internet so schnell wie möglich gelöscht werden müssen. Zu Beginn der „zweiten Halbzeit“ zeigte sich Stadler im Rückblick zufrieden mit der bisher geleisteten Arbeit der christlich-liberalen Koalition in der Rechtspolitik. Die bürgerfreundliche Reform der Berufungsverfahren in Zivilsachen, die auf eine Anregung eines Bürgers aus dem Landkreis Passau zurückgehen, sei am letzten Donnerstag in Kraft getreten. Der Bundestag habe ebenfalls am Donnerstag ein Gesetz zur erleichterten Sanierung von Unternehmen beschlossen, er selbst habe viele Verhandlungsrunden mit den Rechtspolitikern geleitet. Einigkeit bestehe auch über ein Gesetz zur Mediation; ein Entwurf zur Reform des Mietrechts sei soeben an die anderen Ressorts versandt worden. - redStadler: Respekt vor dem SPD-Einlenken
Staatssekretär Dr. Max Stadler, Vorsitzender der Stadtratsfraktion FDP/Passauer Liste, hat der SPD Respekt für ihre Entscheidung gezollt, in der Probephase den Livestream-Übertragungen aus dem Stadtratsplenum und den Ausschüssen nun doch zuzustimmen. Stadler betonte, es sei den Sozialdemokraten vermutlich nicht leicht gefallen, von ihrer bisherigen gegenteiligen Haltung abzugehen. „Umso mehr Anerkennung verdient es, dass die SPD sich mit dem vor zwei Wochen in einer Podiumsdiskussion erarbeiteten Kompromissvorschlag einverstanden erklärt hat.“ Stadler meinte, dem FDP-Kreisvorsitzenden Korbinian Faltner gebühre das Verdienst, die bereits etwas verfahrene Debatte mit der Organisation einer Podiumsdiskussion wieder vorangebracht zu haben. „Es hat sich auch als richtig erwiesen, dass wir bei dem Gespräch mit der SPD im Gasthof Bayerischer Löwe auf jegliche Polemik verzichtet und eine rein sachliche Auseinandersetzung geführt haben.“ Stadler appellierte zugleich an die wenigen Stadträte aus den Reihen der CSU und ÖDP, sich ebenfalls wie die SPD in der Probephase mit den Livestream-Übertragungen einverstanden zu erklären. „Vor allem die Haltung der drei Kollegen der CSU, im Plenum sich filmen zu lassen, in den Ausschusssitzungen jedoch einer Übertragung zu widersprechen, ist mit Vernunft nur schwer nachvollziehbar“, ergänzt FDP-Stadtrat Andreas Dittlmann. - red
Keine Antwort auf Stadlers Livestream-Kompromiss SPD: Sturm drückt sich
Eiertanz und kein Ende in Sicht: Zum Thema „Livestream aus dem Rathaus“ hatte Staatssekretär und Stadtrat Max Stadler (FDP) der „Schwarzbild-Fraktion“ um Markus Sturm (SPD) öffentlich einen Kompromissvorschlag unterbreitet. Dieser sieht vor, für die Zeit des Probelaufs das Filmverbot diverser Stadträte aufzuheben. Doch bis dato gibt es von Sturms Leuten - und auch von ihm selbst - dazu keine Antwort. „Es ist jetzt eineinhalb Wochen her und ich hätte mir schon eine Reaktion erwartet“, meutert Stadler. Sogar auf konkrete Nachfrage der AS ließ sich Sturm gestern zu keiner Aussage hinreißen. „Ich habe jetzt keine Zeit“, ließ er wissen und versuchte abzuwimmeln. Damit ist klar: Sturm und die SPD-Mannschaft drücken sich vor einer klaren Antwort. Sie hoffen anscheinend, das Thema würde sich irgendwie und irgendwann selbst in Luft auflösen. Die FDP verspricht allerdings: Das wird es nicht! Nach inoffiziellen Informationen aus SPD-Kreisen können sich die Genossen jedoch mit Stadlers Kompromissvorschlag überhaupt nicht anfreunden - man befürchte den „totalen Gesichtsverlust“ plus „Schaden an der Glaubwürdigkeit“ in der Öffentlichkeit. Den Kompromissvorschlag von Max Stadler aber einfach offen im Raum stehen zu lassen, ist allerdings auch kein feiner Stil. (sd)FDP/PaL hat neue Förderpläne
Die Stadtratsfraktion der FDP/Passauer Liste (PaL) wirft den Blick auf künftige energetische Maßnahmen in Passau und deren bestmögliche Finanzierung.In einem Brief an OB Jürgen Dupper brachten die beiden FDP-Stadträte Dr. Max Stadler und Andreas Dittlmann gestern Aussagen von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann vom Vortag ins Spiel. „Auf der Messe ,Kommunale 2011‘ sagte Herrmann, dass die Bayern Labo (Förderinstitut der BayernLB; d. Red.) die Kommunen mit dem Förderprogramm ,Energiekredit Kommunal Bayern‘ finanziell bei der energetischen Sanierung kommunaler Gebäude unterstützen wolle“, schildert das Stadtrats-Duo und beantragt zu prüfen, ob die Förderpakete auch von der Stadt Passau für weitere anstehende Sanierungen von Schulhäusern und energetische Maßnahmen der Hauptfeuerwache in Anspruch genommen werden können. Zuletzt hatte die Stadt mit dem ausgelaufenen Konjunkturpaket II viele Schulsanierungen vorangetrieben. Ferner beantragten Stadler und Dittlmann, dass nach den Schulgebäuden (2012 u.a. St. Anton und Auerbach) auch alle Feuerwehrgerätehäuser in der Stadt energetisch saniert werden. Für deren Energiekosten müssen 2012 rund 91 500 Euro aufgewendet werden. - ck
Stadler fordert gerechtere Steueraufteilung
Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler ist vorsichtig optimistisch, dass sich bei der Gewerbesteuer für Solaranlagen etwas bewegt. „Die Finanzpolitiker der FDP-Bundestagsfraktion konnte ich schon überzeugen“, erklärte der Passauer Abgeordnete. Er machte sich eine Forderung zueigen, die schon seit langem von OB Jürgen Dupper und Landrat Franz Meyer erhoben wird: Ähnlich wie bei Windkraftanlagen soll künftig auch bei Solaranlagen die Gewerbesteuer zwischen Wohnsitzgemeinde der Betreiberfirma und der Gemeinde, in der die Anlage errichtet wird, aufgeteilt werden. Kürzlich vertrat die „Passauer Runde“ die Auffassung, dass damit ein Anreiz geschaffen würde, Flächen für Solaranlagen auszuweisen. Staatssekretär Max Stadler hält es im Rahmen der Energiewende für konsequent, Solar- und Windkraftanlagen insoweit gleichzubehandeln. Zugleich meint der liberale Politiker, dass jetzt die Chancen besser stünden als in der Vergangenheit. „Zuletzt war das Thema in die Kommission verwiesen worden, die über die Neuordnung der Kommunalfinanzen beraten hat. Diese konnte aber keine Einigkeit erzielen“, berichtet Stadler. Nach der Abkehr von der Kernkraftnutzung hätten Vorschläge, die zum Ausbau der erneuerbaren Energien beitragen, nun die besseren Argumente für sich. - red„Die Liberalen sind in Bayern unverzichtbar“
Schlechte Umfrageergebnisse Hauptthema beim FDPBezirksparteitag - Leitantrag zur Energiewende verabschiedet
Von Walter Schöttl
Bad Birnbach. Trotz der niederschmetternden Wahlergebnisse und Umfragen gibt sich die niederbayerische FDP kämpferisch. „Bayern braucht eine Koalition“, stellte Bezirksvorsitzender Dr. Andreas Fischer auf dem Bezirksparteitag am Samstag in Bad Birnbach fest, während Wirtschaftsminister Martin Zeil mit Blick auf die Kandidatur von Münchens OB Christian Ude spöttelte: „Bayern braucht keine Auszubildenden in der Landespolitik.“ Mehrheitlich verabschiedeten die Delegierten den Leitantrag zur Energiewende in Niederbayern, zurückgestellt wurde dagegen die Abstimmung zum FDPMitgliederentscheid zur Euro-Schuldenkrise.
„Es wird keine Region aufgegeben“
Mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortete Bezirksvorsitzender Fischer die Frage, ob es in einer veränderten politischen Landschaft noch eine FDP brauche: „Bayern braucht keine CSUAlleinherrschaft, in der man alles unter den Tisch kehren kann.“ Stellvertretender Ministerpräsident Zeil stimmte zu: „Die Koalition hat zur Demokratisierung Bayerns geführt, die Liberalen sind in Bayern und im Bund unverzichtbar.”
Wenn Bayern die größte Wirtschaftskrise in Rekordzeit bewältigt habe, sei dies ein Erfolg der liberalen Wirtschaftspolitik. „Rot-Grün hat nicht das Führungspersonal, das Bayern für entschlossenes politisches Handeln braucht“, konstatierte Zeil.
Dem Zukunftsrat bescheinigte Zeil, die Lebenswirklichkeit Bayerns nicht verstanden zu haben: „Bayern besteht nicht aus sechs Zentren und ansonsten aus Naherholung und Natur. Solange wir regieren, wird keine Region aufgegeben, wir stehen zum ländlichen Raum, er ist die Innovationsschmiede.“ Vorrangige Ziele für Niederbayern seien die Gründung innovativer Unternehmen, um die jungen Menschen in der Region zu halten, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und der Breitbandausbau („eine Standortfrage ersten Ranges“). Als „Existenzfrage für Bayern“ wertete Zeil die Energiewende, übte Kritik an der schwarzgelben Bundesregierung, die sich „in unnötiger Hast auf Daten beim Atomausstieg eingelassen hat, ohne zuerst die notwendigen Rahmenbedingungen zur Gestaltung zu schaffen wie etwa die Sicherung der Standorte für unsere energieintensive Industrie.“
„Windenergie vorsichtig steigern“
Verabschiedet wurde der Leitantrag zur Energiewende in Niederbayern. Darin spricht sich die FDP für die Modernisierung und Nachrüstung bestehender Wasserkraftwerke und eine „vorsichtige Steigerung der Windenergieanlagen“ aus. Im Nationalpark Bayerischer Wald kämen sie allerdings nicht infrage. Die Niederbayern-FDP befürwortet indes Pleinting als Gaskraftwerk-Standort sowie das Pumpspeicherwerk Riedl.
Die Debatte um den Datenschutzskandal machte Bezirksvorsitzender Fischer zum Schwerpunkt seiner Ausführungen. „Dass der Trojaner in Bayern trotz einer bindenden Gerichtsentscheidung von der bayerischen Justiz und dem Innenministerium 25 Mal eingesetzt wurde, ist für uns Liberale nicht hinnehmbar. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das gilt auch für staatliche Organe.“
Expertenmeinungen zur Livestream-Debatte
„Der Demokratie einen Bärendienst erwiesen“
veröffentlicht von Esther Mischkowski
Lokalnews hat drei Experten nach ihrer Meinung zur Debatte um den Livestream aus dem Passauer Rathaus befragt.
Der Livestream aus den Stadtratsitzungen – was ging er schon durch die Medien. Mittlerweile wird auch überregional über die Politposse aus Passau gelacht. Die öffentliche Diskussionsrunde um Befürworter Dr. Max Stadler (FDP) und Verweigerer Markus Sturm von der SPD brachte gestern nicht wirklich Licht ins Dunkel – geschweige denn einen Kompromiss, mit dem beide Seiten einverstanden wären (nachzulesen hier). So bleibt es wohl dabei, dass sich rund die Hälfte der Stadtratsmitglieder in den Ausschussitzungen nicht live im Internet zeigen lassen. Bei den Bürgern sorgt die Verweigerungshaltung ihrer gewählten Vertreter überwiegend für Kopfschütteln. Doch wie sieht es denn bei denen aus, die sich allein schon aus beruflichen Gründen mit einer solchen Problematik auseinandersetzen?
Lokalnews hat drei Experten nach ihrer Meinung gefragt.
"Nicht mit einer solchen Akzeptanz und diesem Ansturm gerechnet"
Es fing ja noch harmlos an, als eher die schlechte Qualität der Übertragung an den Pranger gestellt wurde. Das eigentlich zu Unrecht, findet Dr. Ulrich Zukowski. Der Leiter des Zentrums für eLearning- und Campusmanagement der Universität Passau (kurz InteLeC) kann den ruckeligen Start nachvollziehen: „Die technischen Probleme am Anfang überraschen mich nicht, denn diese sind in der Tat nicht trivial.“ Zukowski spricht aus Erfahrung: An der Universität wird bei überfüllten Hörsälen die Vorlesung live in den Nachbarhörsaal übertragen, online sind zudem viele Vorlesungen als Aufzeichnung verfügbar. „Auch bei unseren Übertragungen gab es zu Beginn Startschwierigkeiten“, gibt er zu.
Und auch von Klaus Furtner kommen verständnisvolle Worte, und er muss es wissen. Der Chef der VSH Medientechnik aus Kellberg half nach den ersten Problemen der Stadt aus der Klemme: „Die technischen Probleme wurden durch mangelnde Bandbreite des Internetanschlusses hervorgerufen. Man hatte schlicht nicht mit einer solchen Akzeptanz und diesem Ansturm gerechnet.“ Furtner vermittelte der Stadt einen Streamingserver in Norddeutschland, den er kürzlich auch für die Liveübertragung des CSU-Parteitages genutzt hatte.
„Die Gründe sind ebenso karg dargelegt wie beachtlich“
So hat sich die Debatte rund um die Technik mittlerweile wohl erledigt. Die Verweigerungshaltung von Sturm und Co. dominiert sowieso stattdessen die mediale Berichterstattung. Und da hört auch bei unseren Experten das Wohlwollen weitestgehend auf. So wie bei Stefan Loebisch. Er ist Rechtsanwalt in Passau und auf IT-Recht spezialisiert. Von der gesetzlichen Warte her kann er diese Haltung zwar nachvollziehen, doch seine persönliche Meinung fällt nicht so verständnisvoll aus: „Datenschutzrechtliche Aspekte – welche überhaupt gemeint sein sollen, bleibt seltsam vage – und das bislang wohl noch gar nicht so wirklich in die Diskussion eingeworfene Recht am eigenen Bild, Furcht vor verzerrter Darstellung: Die Gründe verschiedener Stadträtinnen und Stadträte, sich gegen eine Videoübertragung der Passauer Stadtratssitzungen im Internet auszusprechen, sind ebenso karg dargelegt wie trotzdem beachtlich.“
„Ich persönlich finde es komisch“
„Parlamentarismus – nicht nur im Bundestag und in den Landtagen, sondern auch in den Gemeinderäten – lebt von seiner Öffentlichkeit und seiner Transparenz,“ gibt Loebisch weiter zu Bedenken, „unsere Volksvertreter sind keine gewählte Geheimloge, die im Verborgenen waltet. Aus diesem Grunde sind die Sitzungen öffentlich. Eine Übertragung per Livestream ist nur eine neue technische Form, diese Öffentlichkeit herzustellen.“ Dass Politiker mit ihrer Darstellung in der Öffentlichkeit leben müssen, findet auch Unternehmer Klaus Furtner: „Meiner Meinung nach haben Abgeordnete und Volksvertreter eine gewisse Pflicht, Aussagen in öffentlichen Sitzungen den Bürgern zugänglich zu machen. Ich sehe keinen Unterschied darin, ob dies durch Anwesenheit im Sitzungssaal oder vor dem Monitor passiert.“ Und die Angst der Politiker, dass ihre Aussagen durch die Liveübertragung im Netz verzerrt dargestellt werden könnten? Rechtsanwalt Loebisch: „Diese Gefahr besteht im Web 2.0 immer, ob als Videoveröffentlichung, als bloßes Wortzitat in einem Blog, über Twitter.“ Dieses Argument kann er sogar ins Gegenteil ummünzen: „Die Videoveröffentlichung schützt gerade vor dieser Gefahr: Der volle Beitrag ist für jeden, den es interessiert, verfügbar. Die verzerrte Darstellung kann jederzeit widerlegt werden. Das Argument der Video-Verweigerer zieht nicht.“ Oder wie es Furtner einfach ausdrückt: „Ich persönlich finde es komisch, wenn man sich bei der Tätigkeit als gewählter Volksvertreter bei der Erfüllung seiner Aufgabe nicht zusehen lässt.“
„Ein ganz heißes Thema“
Dass das Gesetz dennoch auf Seiten der Livestream-Gegner ist, kann Loebisch als Anwalt jedoch nur bekräftigen, das Recht am eigenen Bild und Ton gelte es zu akzeptieren. Dennoch muss er feststellen: „Der Demokratie wird dadurch ein Bärendienst erwiesen.“ Auch Unternehmer Furtner sieht ein: „Da scheinbar gesetzliche Grundlagen wie die Datenschutzrechte vorsehen, dem zu widersprechen, muss man die Entscheidung, sich nicht live im Internet zu zeigen, respektieren und akzeptieren.“ Der Datenschutz ist hier in Passau nicht nur bei den Liveübertragung aus den Stadtratsitzungen ein hochbrisantes Thema. Mit derselben Problematik musste sich auch Dr. Ulrich Zukowski auseinandersetzen: „Bei unseren Übertragungen aus dem Hörsälen ist der Schutz der Persönlichkeitsrechte auch ein ganz heißes Thema. Wir haben die strikte Vorgabe, dass Studierende ohne Einwilligung keinesfalls hör- oder sichtbar sein dürfen. Das lösen wir damit, dass der Dozent deren Fragen einfach nochmals für die Aufzeichnung wiederholt.“
Leider eine Lösung, die bei den umfangreichen Wortmeldungen in einer Stadtratssitzung schwer umzusetzen wäre. Und so bleibt es wohl derweilen beim Kleinklein ums Zeigen und Gezeigt werden. Unsere Experten dürfen somit auch weiterhin den Kopf schütteln.
Eine Livestream-Diskussion mit Zwischenrufen
"Sand'S dagegen? Dann sagen'S des klipp und klar"
veröffentlicht von Susanne Wax am 14.10.2011 11:24 Uhr im Ressort Politik
Zwei sachlich argumentierende Kontrahenten, ein nicht ganz unparteiischer Moderator und einige erhitzte Gemüter im Publikum: Drei Aspekte, die die Diskussion zum Thema Livestream gestern Abend auszeichnen.
"Sand's dagegen? Dann sagen'S des klipp und klar." Siegfried Bauer, links am Tisch neben dem Podium im Gasthof Bayerischer Löwe sitzend, in der Hand ein Weizenglas, war sauer. Zu langatmig waren ihm die Argumente von Markus Sturm, der als SPD-Fraktionsführer die Argumente gegen eine Live-Übertragung von Stadtratssitzungen schilderte. Drum schrie er dazwischen. Die Faust schlug geballt auf den Tisch, der Blick war grantig. Während der gesamten fast zwei Stunden langen Debatte.
Markus Sturm und Dr. Max Stadler von der FDP, die zu diesem Abend geladen hatte, bemühten sich umso mehr um Sachlichkeit. Ausführlich wurde argumentiert. Einen richtigen Kompromiss schlossen die beiden nicht. Die SPD will zwar über eine Übertragung im Plenum nachdenken. Die mehrfach vorgetragene Bitte von Stadler aber, es doch mit der Probephase zu versuchen und Passau nicht weiter nach außen zu blamieren, fand - noch? - keinen Anklang.
Den nächsten Zwischenruf aus dem Publikum, zu dem neben etwa 20 Stadträten nur wenige Bürger gehörten, betraf Moderator Alois Feuerer (FWG): Er ließ sich ein bisschen zu lange zum Argumentieren statt zum Fragen hinreißen. "Sind Sie Moderator oder Diskutant?", rief Hans Kriegl aus der vorderen Reihe. Ein einsichtiges Lächeln von Feuerer. Dann mehr Disziplin.
Die Argumente der beiden Seiten: Zitate und Auszüge
Markus Sturm, SPD und contra Livestream:
"Wir haben die berechtigte Sorge, dass der Mehrwert nicht in gerechtfertigtem Verhältnis zum Aufwand steht."
"Weder meine Kollegen noch ich haben Angst vor der Öffentlichkeit. Bedenken habe ich hinsichtlich der Mitarbeiter der Stadtverwaltung." Hier führte Sturm im Verlauf der Diskussion aus: Man dürfe die Mitarbeiter nicht dazu zwingen, auf ihr Recht an Wort und Bild zu verzichten. "Hier darf der Druck nicht so groß werden, dass sich ein Mitarbeiter auf hoher Position vielleicht auf eine andere Stelle bewirbt."
Verwaltungsmitarbeiter könnten im Gegensatz zu Stadträten in Sitzungen nicht selbst entscheiden, ob sie einen Redebeitrag liefern: "Sie werden gefragt, sie müssen Auskunft geben." Auch wenn sich kein Mitarbeiter verstecken müsste, wie Sturm betonte. Bei Referenten könne man wieder eine separate Entscheidung treffen.
"Mir scheint, Livestream lässt sich mit dem Wort ,lebenswichtig' übersetzen. Gerade wenn ich mir die mediale Aufmerksamkeit anschaue könnte ich meinen, es sei so."
"Als ich zum ersten Mal mit der Thematik konfrontiert wurde - in Weihenstephan von Sebastian Frankenberger - da habe ich, ungeachtet der Person Frankenberger, gesagt: Im Grunde genommen ist's mir wurscht."
Zum Argument, man müsse sich übertragen lassen, wenn man in ein öffentliches Amt gewählt wird: "Wir haben immer noch ein Ehrenamt. Keiner, der in den Stadtrat eintritt, gibt damit irgendwelche Rechte ab. Die Öffentlichkeit, die wir in einer Sitzung haben, ist nicht vergleichbar mit der, die wir in der Live-Übertragung haben." Er schätze es außerdem, wenn Bürger direkt an der Sitzung teilnehmen, sagte Sturm: Vor allem, wenn sie ein Thema direkt betrifft. Zum Beispiel bei der Donaubrücken- Angelegenheit war die Anwesenheit von Betroffenen sehr hilfreich."
"Wenn man sich die letzten Ausschüsse vor Augen führt: Es ist die Tendenz da, dass Dinge in einer Breite diskutiert werden, die nicht der Sache geschuldet sind." Es bestehe die Gefahr, dass die Zuschauer "Aufdringlichkeit und Selbstdarstellerei verwechseln mit Kompetenz".
"Ich habe Bedenken, dass spontane Redebeiträge verloren gehen, die oft viel zur Sache beitragen. Wenn mitgefilmt wird, besteht die Gefahr, dass man sich fünf Minuten vorher schon seine Worte überlegt."
Hier übrigens wieder ein grantiger Siegfried-Bauer-Zwischenruf: "Ja, des soin'sa se ah überlegen."
Sturm: "Wenn man die Berichterstattung der Medien verfolgt, beginnt man selbst, manches zu hinterfragen. Ich habe diese Tragweite der medialen Aufmerksamkeit nicht vorhergesehen."
"Wenn es negativ ist, dass man sich als Partei ernsthaft mit einem Thema beschäftigt und nicht gleich ,Ja' schreit, dann ist das bedauerlich."
In Gesprächen mit Bürgern habe er Bestätigung für den Kurs der SPD erhalten, sagte Sturm: Argumente der Leute seien die hohen Kosten, die bestehende Möglichkeit, an Sitzungen teilzunehmen, und die Bürgerversammlungen in den Stadtteilen, bei denen man sich ohnehin ausführlich am Stadtgeschehen beteiligen könne.
Dr. Max Stadler, FDP und pro Livestream:
"Wir wollen mehr Demokratie wagen", zitierte Stadler zu Beginn Auszüge aus der Regierungserklärung von Willy Brandt: "Dieses Postulat kann man auch auf die Kommunalpolitik übertragen." Demokratie hänge natürlich nicht von einem Livestream ab: "Aber es ist eine neue technische Möglichkeit, die es Bürgern ermöglicht, an der Stadtpolitik teilzuhaben."
"Die SPD hat überhaupt keinen Grund, sich mit ihren Beträgen im Stadtrat zu verstecken. Das sind sehr gehaltvolle Beiträge."
"Mit diesem Projekt hätte Passau eine Vorreiterrolle einnehmen können. So ist es eher eine Steilvorlage für den nächsten Starkbieranstich."
"Wir haben niemals gewollt, dass wegen dieser Sache so eine Spaltung in den Stadtrat kommt."
Stadler verwies auf die Übertragung von Debatten aus dem Bundestag: "Ich weiß, dass viele Bürger das nutzen. Es ist für sie eine Erleichterung." Die Möglichkeit, bei Stadtratssitzungen im Saal dabei zu sein, könnten und wollten nicht alle nutzen, "so mancher hat auch die Zeit nicht."
"Zu den Aufgaben eines Verwaltungsmitarbeiters gehört es, bei Bürgerversammlungen öffentlich Auskunft zu geben. Ich rede hier von Spitzenbeamten, von denen würde ich erwarten, dass sie sich zeigen lassen. Die wissen vorher: Wenn ich mich auf eine Führungsposition bewerbe, dann gehört Öffentlichkeit dazu."
Zum Schritt der SPD, sich im Plenum zeigen zu lassen, in den Ausschüssen weiterhin nicht, sagte Stadler: "Die wahren Diskussionen finden doch in den Ausschüssen statt. Im Plenum ist meist sowieso schon alles gesagt."
"Die SPD hat sich kompromissbereit gezeigt. Ich möchte vorschlagen, über einen weiteren Kompromiss nachzudenken", sagte Stadler. Sein Vorschlag: Die SPD gibt ihr Einverständnis für alle Sitzungsübertragungen für die Zeit der Probephase. Dann könne man eine abschließende Bewertung vornehmen: "Sie hätten dann auch die Chance zu bewerten, ob die eigene skeptische Haltung richtig war oder nicht", sagte er an Sturm gerichtet.
Das hatte das Publikum zu sagen:
Karl Synek, Grünen-Stadtrat, plädierte für eine Zusammenarbeit mit der Uni Passau in Sachen Livestream: Dort gebe es sowohl den Lehrstuhl für Medien und Kommunikation als auch den Lehrstuhl für Computervermittelte Kommunikation, beide mit der nötigen Technik ausgestattet. Man könnte sich zusammentun – und das oft kritisierte viele Geld für die Übertragungen sparen: „Ich habe von der Uni Signale bekommen, dass die Studenten gerne die Möglichkeit wahrnehmen würden, die Sitzungen zu übertragen. Qualitätvoll. Und kostenlos.“
Ralph Friedenberger, Mitarbeiter der Stadt Passau, nahm in seinem Wortbeitrag seine Verwaltungskollegen in Schutz: „Was ich vermisse, ist Toleranz.“ Einer seiner Kollegen sei wegen eines Beitrags in einer Sitzung von einer Zeitung „wie die Sau durchs Dorf getrieben worden“. Der Großteil der Presse, sagte Friedenberger, „will eine Schlagzeile, koste es, was es wolle.“ So könnte es auch Ziel der Presse sein, in Sitzungen zu schauen, „wer im Gremium im Moment nicht gerade so toll dreinschaut, wer sein Hosentürl offen hat oder wer Loriots vielzitierte Nudel am Kinn hat. Das findet man dann am nächsten Tag bei Youtube.“
Boris Burkert, Sprecher des Kreisverbandes der Grünen, entgegnete: "Als Politiker wird man ohnehin durch den Kakao gezogen." Die Sturm-Argumente verstehe er nicht: "Der Mehrwert ist nicht die Frage. Es ist eine Chance, Demokratie für den Bürger erfahrbar zu machen." Man müsse auch viel weiter gehen als schlicht zu übertragen: "Das muss gespeichert und verschlagwortet werden. Auch die Unterlagen zu den öffentlichen Sitzungen sollten vorab ins Internet: Damit der Zuschauer sich einlesen kann."
Korbinian Faltner, Kreisvorsitzender der FDP Passau-Stadt und Mitveranstalter gestern, sah das ähnlich: "Ich verstehe nach wie vor keines der Gegenargumente." Den Kosten-Nutzen-Aspekt könne man nicht abwägen, so lange es "diesen Fleckerlteppich" an Ausblendungen gebe. Nach FDP-Absicht hätte im Übrigen auch eine fest installierte Webcam mit guter Tonausrichtung im Sitzungssaal gereicht. Zur öffentlichen Rolle eines Stadtrats sagte Faltner: "Stadträte sind gewählt, damit sie Interessen der Bürger vertreten. Die Übertragungen ermöglichen dem Bürger zu schauen, wie ihr Stadtrat wirklich abgestimmt hat."
JU-Mitglied Hans Kriegl machte auf die maue Besetzung im Saal aufmerksam: "Wenn Sie Politiker und Pressevertreter abziehen können Sie sich ausrechnen, wie relevant das Thema Livestream für die Bevölkerung wirklich ist." Zu langatmig und zu einer Uhrzeit, zu der die meisten noch in der Arbeit seien: Er kritisierte die Übertragungen. Und den Umgang mit dem Begriff der Öffentlichkeit: "Es wird hier von Öffentlichkeit geredet als wäre das ein Wert an sich. Öffentlichkeit kann aber auch schädlich sein."
FDP/PaL-Stadtrat und Stadtfuchs Matthias Koopmann sprach das befürchtete "Schindluder" an, das laut SPD mit Übertragungsmaterial getrieben werden könnte: "Dann muss ich als Politiker so konsequent sein und sagen: Ich möchte gar keine Aufnahmen von mir, auch kein Wahlplakat, auf das dann eventuell ein Schnurrbart draufgeschmiert wird."
Peter Klimczak aus dem Publikum äußerte sich vor allem kritisch an Max Stadler gerichtet: "Sie sagen, die Übertragung ist die unmittelbarste Form der Information. Das stimmt nicht. Die unmittelbarste Form ist die Anwesenheit in der Sitzung." Er betonte den Unterschied zwischen etwas direkt Wahrgenommenem und etwas Gefilmtem: "Abfilmen verändert die Wirklichkeit." Wenn die Kanzlerin am Rande einer Sitzung gefilmt werde, wie sie Zeitung liest, wirke sie auf den Zuschauer desinteressiert - zu Unrecht, wie Klimczak findet: "Durch Filmen generieren Sie Bedeutung." Wenn jemand auch vor 250 Leuten öffentlich spreche, "so hat das Gesprochene dennoch eine Flüchtigkeit", sagte er. Die Hemmschwelle, etwas zu sagen, wenn es nicht dauerhaft archiviert wird, sei außerdem niedriger.
Kurz und knapp war der letzte Beitrag von Siegfried Bauer, dessen Empörung bis zum Schluss nicht abnahm: "Livestream, Livestream. Jeder redet immer von Livestream. Wir san hier eine bayerische Versammlung." Man könnte ja "Direkt-Übertragung" sagen, schlug Moderator Alois Feuerer vor.
Livestream: Stadler beschwört die SPD
Bei Podiumsdiskussion der FDP zu Internet-Übertragungen aus dem Stadtrat: „Es droht eine Blamage für Passau“Von Jörg Klotzek
Einen Kompromissvorschlag hat gestern Abend der FDP-Stadtrat und Bundespolitiker Dr. Max Stadler unterbreitet, wie man die aktuelle Streitdebatte über Live-Übertragungen via Internet aus dem Stadtrat beenden könnte. „Stimmen Sie doch zu, dass wir für die vereinbarte Probezeit vollständig mit Bild und Ton aus Ausschüssen und Plenum senden und danach völlig offen entscheiden“, sagte Stadler in Richtung SPD bei einer Podiumsdiskussion am Abend.
Man könne doch erst abschließend urteilen, wenn man genügend Erfahrungswerte habe, sagte er vor etwa 50 Zuhörern, darunter knapp 20 Stadträte aus den Reihen von FDP, Freien Wählern, Grünen, Passauer Liste und vor allem von der SPD. Deren Stadträte (und auch mehrere aus den Reihen der nicht vertretenen CSU) lehnen nach wie vor eine Direkt-Übertragung ins Internet, einen sogenannten Livestream, vehement ab.
SPD-Fraktionschef Markus Sturm führte eingangs noch einmal die Argumente seiner Kollegen auf, wie Persönlichkeitsrechte, hohe Kosten, geringer Nutzen, wenig Interesse der Bürger sowie die Gefahr, dass dies eine Plattform für politische Selbstdarsteller sein könnte. Angesichts der öffentlichen Debatte, die Passaus Politik mittlerweile als rückständig und kleinkariert dastehen lässt, räumte Sturm aber ein, dass man über Bild-Übertragungen aus den Stadtratsvollversammlungen, dem Plenum, nicht aber aus den Ausschüssen reden könne.
Moderiert wurde die Debatte von Alois Feuerer, Stadtrat der Freien Wähler, und hörbarer Anhänger der Direktübertragungen. Zwischenzeitlich beteiligte sich Feuerer sogar selbst ausführlich und lebhaft an dem ansonsten nüchternen Meinungsaustausch der Juristen Stadler und Sturm. Ein kritischer Zwischenruf eines Zuhörers bewirkte, dass sich Feuerer wieder weitgehend seiner Aufgabe eines Moderators widmete.
Max Stadler betonte, dass die neue Technik eine Chance für mehr und direktere Demokratie auch in der Kommunalpolitik mit sich bringe. Geschickt brachte er den Slogan „Mehr Demokratie wagen“ ins Gespräch. Den hatte einst SPD-Bundeskanzler am Beginn der Koalition von SPD und FDP als Motto seiner Regierungszeit ausgerufen. „Die Wortbeiträge der Passauer SPD-Fraktion brauchen sich doch vor der Öffentlichkeit nicht zu verstecken“, schmeichelte Stadler. Er könne ja die Bedenken von Verwaltungsmitarbeiter nachvollziehen, nicht jedoch die von gewählten Mandatsträgern. „Darauf wäre ich nie gekommen, als wir auf Initiative unseres Kreisvorsitzenden Korbinian Faltner den Antrag auf Livestream-Übertragungen gestellt hatten.“
Der war übrigens nahezu einstimmig angenommen worden, wie Moderator Feuerer erläuterte. Später hätten große Teile der SPD sowie einige andere Stadträte ihre schriftliche Zustimmung, in Bild und Ton übertragen zu werden, verweigert. Feuerer berichtete, maximal hätten sich bislang 150 Internet-Nutzer in die von der kommunalen Medienzentrale übertragenen Sendungen eingeklickt.
Nach dem Meinungsaustausch der beiden Diskutanten waren Wortmeldungen erwünscht. Mehrere Stadträte und Parteipolitiker nutzten diese Möglichkeit und beschworen die SPD, auf den Stadler-Kompromissvorschlag einzugehen. Matthias Koopmann von der Passauer Liste etwa warf der SPD vor, die Chancen zu verkennen, die die neue Technik bietet. Der Bürger könne die Bedenken nur schwer nachvollziehen, ein mündiger Wähler erwarte größtmögliche Transparenz. Auch Boris Burkert von den Grünen sah „eine Chance für mehr Demokratie“. Entwicklungen wie Livestream werden so oder so kommen, es werde noch weitaus mehr Information über politische Entscheidungen fließen. Alle Redner waren sich einig, dass die Passauer Politik derzeit eine schlechte Figur abgibt angesichts von Standbildern ohne Ton aus laufenden Sitzungen. Max Stadler: „Es droht eine Blamage für Passau.“
Staatssekretäre holen Entwarnung ein
Passauer MdBs bekommen von BA-Verantwortlichen Erhalt von 150 Arbeitsagentur-Stellen bestätigt
Von Christian Karl
Die beiden Passauer Staatssekretäre Dr. Max Stadler (FDP) und Dr. Andreas Scheuer (CSU) geben Entwarnung in Sachen möglichem Stellenverlust bei der Passauer Agentur für Arbeit.
„Mein Büro hatte heute Kontakt mit der Vorstandsebene der Bundesagentur für Arbeit (BA) und bekam versichert, dass es zwar eine Veränderung der Organisation geben wird, aber die Mitarbeiter in Passau bleiben können“, so Stadler. Bereits am Vorabend hatte sich auch Stadlers Passauer Amtskollege Dr. Andreas Scheuer mit maßgeblichen Stellen in Berlin und Nürnberg, dem Sitz der Bundesagentur, in Verbindung gesetzt und gestern positive Mitteilungen von Ralf Holtzwart, dem Vorsitzenden der BA-Regionaldirektion Bayern, erhalten. „Es geht um eine Strukturund Organisationsreform, aber nicht über eine Personalreform“, zitierte Scheuer gestern den BA-Verantwortlichen.
„Der OB freut sich über diese positive Entwicklung und hofft natürlich, dass die Antwort der zuständigen Ministerin genauso eindeutig und positiv ausfällt wie diese Verlautbarungen der Herren Staatssekretäre“, sagte gestern Abend OB-Sprecher Herbert Zillinger.
Wie berichtet, setzten sich OB Jürgen Dupper und mehrere Abgeordnete in Schreiben nach Berlin und Nürnberg für den Erhalt von 150 möglicherweise gefährdeten Stellen in der Passauer Agentur für Arbeit ein. Bei einer Personalversammlung in Pfarrkirchen soll von Eberhard Einsiedler, dem BA-Hauptpersonalrats-Vorsitzenden, angedeutet worden sein, dass es wegen größerer Strukturänderungen bei agenturinternen Verwaltungstätigkeiten, wie sie massiv auch in Passau abgewickelt werden, zu Konzentrationen und Reduzierungen kommen solle. Dem Vernehmen nach waren dabei auch 150 Stellen in Passau ein Thema. Der Passauer Personalratsvorsitzende Josef Meisinger, der bei der Versammlung dabei war, hat deswegen vergangene Woche OB und Abgeordnete informiert und um Hilfe gebeten.
Vorgestern bereits hatte Eberhard Einsiedler gegenüber der PNP mögliche Aussagen und Andeutungen in Pfarrkirchen teils relativiert und dementiert. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass nach wie vor in Passau vom selben Personal verwaltungsinterne Aufgaben erledigt werden sollen, auch wenn neue „virtuelle Verbünde“ geschaffen würden und die Federführung dafür in München oder Regensburg liege, so Einsiedler am Dienstag gegenüber der PNP.
Auch Passaus Landrat war gestern bei verantwortlichen Stellen aktiv geworden, um sich für die diskutierten Passauer Arbeitsplätze zu engagieren. „Sollte es tatsächlich solche Pläne geben, dann können wir den Rückzug aus der Fläche nicht akzeptieren“, fordert Franz Meyer, der sich deshalb auch schriftlich an die Bundesagentur für Arbeit, Bundesministerin Ursula von der Leyen, die bayerische Arbeitsministerin Christine Haderthauer und Ministerpräsident Horst Seehofer gewandt hat. Im Bereich der Wirtschaft und auf Behördenebene werde eine Verlagerung von Einheiten in den ländlichen Raum nicht nur befürwortet, sondern auch umgesetzt. Umso unverständlicher sei es, dass nun angeblich Überlegungen angestellt würden, Teile und vor allem in Passau abgewickelte Organisationsabläufe nach Regensburg und München zu verlegen, so Meyer.
Einladung zur öffentlichen Diskussion
Livestreaming: Stadler (FDP) fordert Sturm (SPD) heraus!Der zweite Versuch an diesem Montag klappte schon wesentlich besser: Der Livestream aus dem Finanzausschuss kam eine Woche nach der Premierenblamage in der PaWo-Redaktion an. OB Dupper ließ sogar kurzfristig 10.000 Euro an Sondermitteln mobilisieren, um künftig eine bessere Übertragungsqualität zu gewährleisten. Aber: Das Thema Zensur ist deshalb noch lange nicht vom Tisch!
Auch diesen Montag blieben bei Wortmeldungen von SPD-Stadträten oder von diversen Stadtbediensteten die Computermonitore kurzzeitig schwarz – Schutz der Persönlichkeitsrechte! Vor allem die zum Leidwesen der Passauer SPD-Fraktion will sich partout nicht filmen lassen – FDP, die den erfolgreichen Antrag auf das Livestreaming gestellt hatte. Staatssekretär Dr. Max Stadler lädt jetzt gemeinsam mit dem FDP-Kreisvorsitzenden Korbinian Faltner die SPD zu einer öffentlichen Diskussionsrunde ein
„Wir haben den Antrag auf Liveü̈bertragung von Stadtrats- und Ausschusssitzungen des Passauer Stadtrats im Internet gestellt, weil wir uns hiervon fü̈r die Passauer Bürgerinnen und Bürger mehr Informationsmöglichkeiten ü̈ber die Arbeit der Passauer Stadträte erwartet haben”, erklärt Korbinian Faltner. „Unser Ziel ist es, durch moderne Medien möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen und für Politik zu begeistern.”
Zum „großen Bedauern” der FDP hätten fast alle Mitglieder der SPD-Fraktion einer Liveü̈bertragung ihrer Redebeiträge im Internet widersprochen. „Entsprechend störend ist es für die Zuseher natürlich, wenn dementsprechend oft der Ton der Ü̈bertragung ausgeschaltet wird und auch nicht gezeigt werden darf, wer gerade spricht”, so Faltner. Er betont, dass die derzeitige Situation von vielen als „eher peinlich für unsere Stadt” empfunden werde.
Deshalb lädt Faltner im Namen von Dr. Max Stadler die SPD-Fraktion mit Markus Sturm als Vorsitzenden zu einer öffentlichen Diskussion in den Bayerischen Löwen (13. Oktober, 18.30 Uhr). Den Standpunkt der FDP soll Dr. Max Stadler höchstpersönlich vertreten. Titel der Veranstaltung: „Vorreiter oder Blockade – die Zukunft von Livestream aus dem Passauer Stadtrat”. Vor einem knappen Jahr hatte Stadler bereits im Bayerischen Löwen mit Sebastian Frankenberger eine interessante Diskussionrunde zum Thema Rauchverbot bestritten.
Um seine Persönlichkeitsrechte muss sich Markus Sturm übrigens nicht sorgen: Ein Livestreaming ist hier nicht geplant. Autor: Martin Reitmeier
Hartnäckiger Bürger aus Ostbayern erwirkt wichtige Gesetzesänderungen
David gezwingt Goliath
von CHRISTOPH EBERLE
Kann ein einzelner Bürger übermächtige Gegner wie große Versicherungskonzerne und die deutsche Justiz bezwingen? Ja, er kann. Das beweist der Fall von Horst Glanzer.
Der Niederbayer arbeitete früher als Polizist. Vor acht Jahren warf dann eine Krankheit sein Leben völlig aus der Bahn. Eine gefährliche Kieferhöhlenentzündung breitete sich in seinem Kopf immer weiter aus. Doch die Assekuranzen verweigerten ihm monatelang eine stationäre Behandlung in einer Spezialklinik. „Und das obwohl die Entzündung schon kurz vor dem Gehirn angekommen und ich fast tot war“, sagt Glanzer. Die Konsequenz der Verzögerung sind bleibende Schäden: „Die Knochen in meinem Kiefer sind zu einem großen Teil zerfressen und ich leide rund um die Uhr unter höllischen Schmerzen“, so der Betroffene.
Daraufhin wollte er zumindest Schmerzensgeld erstreiten. Doch die Gerichte lehnten in erster und zweiter Instanz ab und beim Oberlandesgericht war Endstation! Denn ein kleiner Paragraf versperrte den Weg zum Bundesgerichtshof: gemäß § 522 Abs. 2 Zivilprozessordnung (ZPO) dürfen Richter eine Berufung schriftlich ablehnen, wenn diese nach ihrer Ansicht keine Aussicht auf Erfolg hat. Eigentlich wäre diese Regelung dazu gedacht, um Verfahren zu beschleunigen, wenn diese ohnehin chancenlos sind. In der Praxis wird dieser „kurze Prozess“ dem ARD-Magazin „Ratgeber Recht“ zufolge je nach Gerichtsstandort in bis zu 30 Prozent aller Fälle angewendet, auch wenn es um komplizierte Sachverhalte geht - beispielsweise beim Arztrecht, in dem die Beweisführung oft sehr schwierig ist. Den Betroffenen wird druch § 522 von vornherein die Chance genommen, ihre Argumente erneut darzulegen - und etwa durch zusätzliche Gutachten zu untermauern.
Horst Glanzer begann deshalb einen erbitterten Kampf gegen Justiz und Versicherungen. Seine Waffen: Ein Telefon und ein Faxgerät. Seine Aussicht auf Erfolg: Eher dürftig. Bei zahlreichen Politikern sprach Horst Glanzer vor - auch Justizstaatssekretär Max Stadler und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) klagte er sein Leid. Durch Berichte in Nachrichtenmagazinen fand er außerdem weitere Mitstreiter, denen es ähnlich erging.
Die Hartnäckigkeit über mehrere Jahre zahlte sich nun endlich aus. Im Juli verabschiedete der Bundestag eine entsprechende Reform der Zivilprozessordnung. Am vergangenen Freitag gab es auch grünes Licht vom Bundesrat. Der Gesetzesänderung steht daher nichts mehr im Weg!
Max Stadler zeigt sich froh über diesen Beschluss: „Der Rechtsschutz der Bürger wurde dadurch verstärkt“, sagt der ehemalige Richter. „Außerdem ist es ein Musterbeispiel für Demokratie und der Beweis, das jeder Einzelne etwas bewegen kann.“
Für Horst Glanzer ist es sogar schon der zweite Erfolg. Vor gut einem Jahr erreichte er schon einmal eine Gesetzesänderung: Seitdem müssen Versicherer schneller über die sogenannte Deckungszusage entscheiden - also ob sie die Kosten etwa für eine notwendige Behandlung übernehmen. „Dank meiner Motivation habe ich so als kleiner Bürger Europas größte Versicherer besiegt“, sagt er.
Für den Niederbayern haben diese herausragenden Erfolge aber auch ihre Schattenseiten. Weil der mutige Einzelkämpfer bereits mehrmals bedroht wurde, befindet er sich in einem speziellen Schutzprogramm. Seinen Wohnort hält er streng geheim und er telefoniert nur über abhörsichere Handys. Doch obwohl ihm sein Engagement die Gesundheit nicht zurückbringen kann, kämpft Horst Glanzer gerne. „Ich war schon immer ein Gerechtigkeitsfanatiker“, erzählt der ehemalige Polizist.
Außenstelle des Patentamts bleibt in Hauzenberg
Justiz-Staatssekretär Max Stadler und Hauptpersonalrat in Granitstadt zu GastHauzenberg. Um das Thema Patentamt drehte sich einiges in den letzten Tagen in Hauzenberg. Unter anderem haben der parlamentarische Staatssekretär im Justizministerium Max Stadler und der Vizepräsident des Deutschen Patentamtes Günther Schmitz die Granitstadt besucht. Hintergrund: In Hauzenberg ist seit 18 Jahren eine Außenstelle des Deutschen Patent- und Markenamtes untergebracht.
1993 war diese Stelle von München aus in den Bayerischen Wald verlagert worden. 22 Mitarbeiterinnen aus der Region erledigen im Gebäude in der Florianstraße 8 Schreibdienste für das Amt.
„Diese Maßnahme hat sich sehr bewährt“, bilanzierte Staatssekretär Stadler. Das Justizministerium ist für das Patenamt zuständig. Die Motivation der Mitarbeiterinnen sei sehr hoch. Das zeige sich schon daran, dass bis auf eine alle Kräfte von der ersten Stunde seit 1993 noch dabei seien. Durch die Digitalisierung seien zwar in den letzten Jahren manche Papierarbeiten weggefallen, dafür aber neue Aufgaben dazugekommen, sagte Stadler. So seien die wertvollen Arbeitsplätze gesichert, in zwei Jahren werde die Stelle in Hauzenberg das 20-jährige Bestehen feiern können.
In Hauzenberg tagte vergangene Woche auch der Hauptpersonalrat des Justizministeriums. Die Versammlungen fanden im Sitzungssaal des Rathauses statt. Das war ein weiterer Grund für den Besuch des Staatssekretärs. Die Personalvertreter besuchten ebenfalls die Außenstelle des Patentamtes und versicherten, dass alle Angestellten ihre Arbeitsplätze behalten werden.
- red
„Unsicherheiten nicht zulassen“
„Digitalfunk: Seriöse Planung geht anders“ - unter diesem Titel beklagte die Passauer Feuerwehr gestern Defizite bei der Einführung des Digitalfunks für Rettungskräfte sowie bei der Informationslage. Mit Verweis auf den Bericht wurde gestern FDP-MdL Dr. Andreas Fischer aktiv: In einem Brief an Innenminister Joachim Herrmann bittet er diesen, den BOS-Digitalfunk zügig, flächendeckend und umfassend zu realisieren. „Bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten der Realisierung dieses bedeutsamen Projekts sorge ich mich, dass die Ziele der Einführung nicht wie gedacht erreicht und die Feuerwehren und Kommunen nicht ausreichend eingebunden werden“, so der Abgeordnete. Das Ministerium solle hier „mit offenen Karten spielen“ und vor allem auch über die Kosten der Umsetzung aufklären, so Fischer mit Verweis auf ausweichende Antworten des Ministeriums auf ein gemeinsames Schreiben von Gemeinde-, Städte-, Landkreistag und Landesfeuerwehrverband. Erst wenn nach einem Probebetrieb mit mehreren Teilnehmern positive Ergebnisse vorliegen, sollte die flächendeckende Umsetzung erfolgen. „Unsicherheiten dürfen nicht zugelassen werden“, schreibt der Abgeordnete. - red
Stadtgespräch
Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler konnte am Samstag in seiner Eigenschaft als Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung bei einer Matinee in München einen der bekanntesten Passauer als Hauptredner begrüßen: Prof. Dr. Heinrich Oberreuter. Der Politikwissenschaftler und Direktor der Politischen Akademie Tutzing hielt im Amerikahaus auf Einladung Stadlers einen mit großem Beifall bedachten Vortrag über die Bedeutung politischer Bildung in einer offenen Gesellschaft. Unter den Zuhörern waren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Martin Zeil. Anlass war ein Rückblick auf 40 Jahre politische Bildungsarbeit der Liberalen in Bayern, denn 1971 wurde das Thomas-Dehler-Institut als Vorläufer der heutigen Stiftung gegründet und nach dem ehemaligen Justizminister und FDP-Bundesvorsitzenden Dehler benannt. Max Stadler ist übrigens durch eine von Dipl.-Ing. Elsbeth Sturm geleiteten Veranstaltung des Thomas-Dehler-Instituts im Passauer Hotel Abrahamhof in Kontakt zu den Liberalen gekommen und schließlich 1972 der FDP beigetreten. - redStadler-Brief an Koschyk: Gewerbesteuer splitten
Seine Zusage aus der letzte Passauer Runde hat Staatssekretär Dr. Max Stadler eingehalten uns sich jetzt im Finanzministerium für eine gerechtere Gewerbesteueraufteilung stark gemacht. Derzeit fällt bei Solaranlagen die gesamte Gewerbesteuer am Betriebssitz der Projektfirma an, bei Windkraftanlagen dagegen gibt es laut Stadler seit einiger Zeit eine Aufteilung der Kommunalsteuer zwischen der Gemeinde des Betriebssitzes der Projektfirma und der Gemeinde, in der die Anlage errichtet wird. Eine „Zerlegen“ der Gewerbesteuer auch bei Solarfirmen würde den Kommunen einen Anreiz geben, entsprechende Flächen auszuweisen, dies wiederum sei „gerade nach der von der Bundesregierung eingeleiteten Energiewende äußerst wünschenswert“, so Stadler in seinem Schreiben an den Staatssekretär-Kollegen Hartmut Koschyk. - red
Bund entlastet Kommunen: FDP-Anfrage bringt konkrete Zahlen auf den Tisch Die Stadt Passau darf mit 3,5 Millionen Euro rechnen
Das ist doch mal eine gute Nachricht für das arg strapazierte städtische Haushaltssäckel: Der Beschluss der Bundesregierung, die Kosten für die so genannte Grundsicherung stufenweise zu übernehmen, beschert den Kommunen einen warmen Geldregen. Auch Passau profitiert davon enorm. „Bis 2014 werden es rund 3,5 Millionen Euro sein“, so die beeindruckende Antwort von OB Jürgen Dupper auf eine Anfrage der Stadt-FDP.Deren Bundestagsabgeordneter Max Stadler saß übrigens Mitte Juli mit am Berliner Verhandlungstisch, als sich die schwarz-gelbe Koalition darauf verständigte, die Kommunen bei den Sozialausgaben erheblich zu entlasten. Diese schlagen bei den Städten und Gemeinden derzeit mit fast vier Milliarden Euro jährlich zu Buche. Stadlers vehementer Einsatz und der seiner Kollegen hat sich offensichtlich gelohnt: Konkret übernimmt der Bund die Kosten im kommenden Jahr zu 45 Prozent, 2013 zu 75 Prozent und ab 2014 dann zu 100 Prozent - einschließlich zukünftiger Steigerungsraten, die auf rund fünf Prozent jährlich geschätzt werden.
„Einzige Sorge“, so der Passauer OB, „ist lediglich noch die Antwort auf die Frage, wie viel von der Erstattungsleistung tatsächlich bei den Kommunen ankommen wird.“ Denn zwischen Bund und den Städten und Gemeinden besteht keine direkte „Finanzschiene“. Dies bedeutet im Klartext, dass das Finanzministerium seine Leistungen an die Länder verteilt, die dann ihrerseits die Weiterleitung an die Kommunen vornehmen. Dupper: „Um hier zu den entsprechenden Sicherheiten zu kommen, fordern die kommunalen Spitzenverbände zu Recht Nachbesserungen des Gesetzentwurfs.“
Für die bayerische FDP ist der Fall klar: Die Kostenerstattung soll auf Heller und Pfennig an die Kommunen fließen. Das jedenfalls sichert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Liberalen in Bayern, Andreas Fischer, zu. Es hängt nun allein vom „mächtigen“ Koalitionspartner CSU ab, ob der Haushalt der Stadt Passau in den nächsten Jahren um Millionen Euro entlastet wird.
Stadtgespräch
Justiz-Staatssekretär Max Stadler ist zwar bekennender Fan des SV Schalding-Heining, kann aber nur scheinbar - wie ein FDP-Kampagnenfoto vermuten ließe - einen Fußball auf einem Finger balancieren. Die FDP-Bundestagsfraktion stellte für ihre Sommer-Info-Tour, die auch schon in Passau Station gemacht hat, ein Poster mit den liberalen Abgeordneten und mit Fußball-Motiven her. Für das Stadler-Foto hielt ein Assistent den Ball mit beiden Händen über dem Zeigefinger des Passauer MdBs. Der Assistent ließ dann den Ball aus und zog die Hände schnell aus dem Bildausschnitt. Genau in diesem Moment drückte der Fotograf auf den Auslöser. Erst einen Sekundenbruchteil später fiel der Ball zu Boden. So entstand die Illusion des Balancierens. Übrigens war die Aufnahme schon beim ersten Versuch im Kasten. - ckEnergiewende: Kommunen brauchen jetzt mehr Spielräume
Passauer Runde stimmt bei Treffen im Rathaus anstehende Maßnahmen ab - Wertschöpfung in der Region haltenVon W. Lampelsdorfer
Die Auswirkungen der Energiewende auf die Region waren ein zentrales Thema der Passauer Runde: Die Mandatsträger tauschten sich gestern im Rathaus über anstehende Probleme aus. Einig waren sich die Politiker, dass für eine Umsetzung der neuen Energiepolitik die Entscheidungsträger vor Ort größere Spielräume bräuchten. Die Kommunen müssten zudem versuchen, die Wertschöpfung durch die neuen Technologien in der Region zu halten, forderte OB Jürgen Dupper. Statt Offshore-Windparks solle man regionale Unternehmer unterstützen. Hier einige der wichtigsten Themen im Überblick.
Energiewende: Der Ausstieg aus der Atomkraft erfordert neue, dezentrale Konzepte. Einig waren sich die Politiker, dass sowohl bei der Freiflächennutzung von Solaranlagen als auch bei der Windenergie die Kommunen mehr Freiheiten bräuchten. Noch seien viele Flächen für Windräder nicht nutzbar, sowohl das Baurecht als auch das Umweltrecht müssten jetzt angepasst werden, forderte MdL Konrad Kobler. Eine Aufteilung der Gewerbesteuer wäre ein richtiger Ansatz, findet Staatssekretär Dr. Max Stadler; damit könnten die Standorte, in denen Anlagen betrieben werden, auch von diesen profitieren. MdL Bernhard Roos riet, bei der Finanzierung Genossenschaftsmodelle zu forcieren.
Das Kraftwerk Pleinting soll als Gaskraftwerk für Spitzenlasten reaktiviert werden; ein „wichtiges Projekt für alle“ sei zudem das Pumpspeicherwerk Riedl, so Landrat Franz Meyer. Alle Mandatsträger hätten ihre Unterstützung für Riedl signalisiert. Er fordert zum einen „Transparenz der Betreiber“, zum anderen müssten diese für einen „Mehrwert für die Region“ sorgen. MdL Eike Hallitzky brachte dazu ein Stiftungsmodell ins Spiel. Chancen auch für den Tourismus verspricht sich der Landrat von neuen Ladestellen für E-Bikes an den wichtigen Radwegen. Sämtliche Planungen zur Energiepolitik müssten landkreisübergreifend koordiniert werden, fordert MdL Alexander Muthmann. Von den schlechten Erfahrungen bei der Versorgung der Bürger mit Breitbandanschlüssen müsse man diesmal lernen.
Arbeitsmarkt: Alle Abgeordneten wollen sich dafür einsetzen, dass die derzeit laufenden Reformen keine negativen Auswirkungen auf die Arbeitsagentur Passau haben - dies soll in einem gemeinsamen Brief an Agenturchef Frank-Jürgen Weise auch so übermittelt werden.
Polizei. Bei deren Peronalausstattung wollen die Mandatsträger nicht lockerlassen. „Passau hat ein Problem mit der Überalterung. Wir müssen schauen, dass wir junge Beamte, die für den Schichtdienst taugen, in die Region bekommen“, so Konrad Kobler.
Bayerisches Landesmuseum. Hier herrscht ebenso wie bei der Bewerbung um den UNESCO-Welterbetitel großer Konsens. Dies habe schon bei der Bewerbung um die Landesausstellung in Aldersbach Erfolg gebracht, so Stadler.
Schifffahrt: Eine „Jahrhundertbaustelle“ wird die Sanierung der Schleuse Kachlet, ein Bundes-Projekt, auf das der zuständige Staatssekretär Dr. Andreas Scheuer verwies. 90 Millionen Euro werden investiert, der erste Spatenstich soll noch heuer gesetzt werden.
Straßenverkehr: Der Dauerbrenner Nordtangente war nur am Rande Thema - Dupper und Meyer verwiesen hier auf die gemeinsame „Arbeitsgruppe Verkehrssituation Raum Passau“ „Man kann ja auch dort beginnen, wo etwas nicht umstritten ist“, sagte OB Dupper mit Verweis auf Planungen für den Bereich Hundsdorf. Einhellige Unterstützung hat die Umfahrung für Vilshofen.
Ilztalbahn: Den Betreibern fehlt immer noch eine Bürgschaft für 1,5 Millionen Euro. Stichtag ist der 19. September, laut Dr. Max Stadler laufen derzeit Hintergrundgespräche, um das Problem zu lösen.
„Es gibt viele Schnittstellen, bei denen man gemeinsam etwas erreicht“, so das Fazit von OB Jürgen Dupper. Das Konzept Technik Plus für die Universität Passau, für das sich Politiker fraktionsübergreifend eingesetzt hatten, zeige beispielhaft, „dass man erfolgreich ist, wenn man geschlossen auftritt“, pflichtete Landrat Meyer bei.
Einstimmig: Korbinian Faltner bleibt FDP-Chef
Kreisvorsitzender: „Passauer FDP steht gut da“ - Stolz auf Bürgerbüro - Abgeordnete bauen auf Rückhalt aus der RegionBei der Kreishauptversammlung der FDP Passau im Bayerischen Löwen wurde der bisherige Kreisvorsitzende Korbinian Faltner einstimmig für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. In seinem Rechenschaftsbericht wies Faltner insbesondere darauf hin, dass trotz schlechter Umfragewerte und Mitgliederschwund im Bund die Mitgliederzahlen im Kreisverband stabil geblieben seien.
Als Erfolg verbuchte er die Eröffnung eines Bürgerbüros in der Bahnhofstraße als Anlaufstelle für Interessenten und als Organisationszentrale. Plakataktionen zum Thema Polizeimangel oder Vandalismus hätten ebenfalls für Aufsehen gesorgt. In die Bilanz falle auch der erfolgreiche Wahlkampf für Dr. Max Stadler, der bundesweit das zweitbeste Wahlergebnis für die Liberalen erzielt habe und zum Staatssekretär ins Bundesjustizministerium berufen wurde.
Die FDP habe sich für mehr Transparenz durch die Übertragung von Stadtratssitzungen im Internet starkgemacht und gegen ihrer Ansicht nach sinnlose Investitionen wie Wassertaxi oder Steg auf der Konzerthauswiese ausgesprochen, so Faltner. Ein Tunnel für Radfahrer neben dem Ilzdurchbruch sei zwar wünschenswert, Kosten und Nutzen stünden aber in keinem Verhältnis. Auch die Steigerung der Attraktivität des Oberhaus-Areals mit einer geeigneten „Aufstiegshilfe“ sei eine FDP-Forderung.
Als Stellvertreter stehen Faltner Ralf Wimmer, Stadtrat Andreas Dittlmann und Johann Haidl zur Seite. Schatzmeister ist weiterhin der Landtagsabgeordnete Dr. Franz Xaver Kirschner. Als Schriftführer wurde Armin Sedlmayr bestätigt. Weiterhin gehören dem Vorstand Ingrid Splitgerber, 3. Bürgermeister Dr. Anton Jungwirth, Frank Dinessen, Andreas Hindemith und Franz Josef Schildhammer an.
Staatssekretär Dr. Max Stadler und Bezirksvorsitzender MdL Dr. Andreas Fischer gaben in ihren Grußworten Einblick in die Koalitionsarbeit in Berlin und München und lobten die Arbeit des Kreisverbands in Passau. „Besonders in schwierigen Zeiten für die Liberalen ist es wichtig, dass es vor Ort einen so aktiven Kreisverband wie den Passauer gibt“, waren sich die beiden Abgeordneten aus Land und Bund einig. - red
Schon gehört, dass…
...Justizstaatsekretär Dr. Max Stadler, seit 30 Jahren Mitglied der Schachfreunde Haselbach, eine Einladung zum Schachspielen nach Moskau erhalten hat?Stadler vertrat das Bundesjustizministerium bei den 13. Deutsch-Russischen Regierungskonsultationen in Hannover. Dort lernte der Passauer FDP-Politiker den engsten Berater von Präsident Dmitrij Medwedew kennen, nämlich Arkadiy Dvorkowich. Es stellte sich heraus dass Dvorkowich zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Russischen Schachverbandes ist und daher auch über die aktuellen Spielstände bei der Schach-Mannschaftsweltmeisterschaft bestens informiert war.
Russland zählt nach wie vor zu den führenden Schach Nationen in der Welt. Dvorkowich betreibt in Moskau ein Schach-Cafe, ein Art Salon, in dem auch politische Diskussionen und kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Der Präsidenten-Berater bot Stadler an, bei den nächstjährigen Regierungskonsultationen einen Besuch im Schach-Cafe einzuplanen – klar, dass Schachfan Stadler diese Einladung angenommen hat!
Stadtgespräch
Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) hatte nach den Deutsch-Russischen Regierungskonsultationen erstmals seit seiner Berufung ins Bundesjustizministerium die Gelegenheit, ein internationales Abkommen zu unterzeichnen. In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Dmitrij Medwedew unterschrieb Stadler nach mehrstündigen Verhandlungen gemeinsam mit Justizminister Alexander Konovalov eine gemeinsame Erklärung über eine verbesserte rechtliche Zusammenarbeit. Diese ist vor allem für die deutsche Wirtschaft, die in Russland große Exportmöglichkeiten erwartet und dabei Rechtssicherheit wünscht, von großer Bedeutung. Am Rande der Konferenz kam auch zur Sprache, dass Minister Konovalov, der wegen seiner Körpergröße auch „Alexander der Große“ genannt wird, den Rudersport bevorzugt und abends auf dem Wannsee noch eine Trainingsfahrt einlegte. Kürzlich besuchte Konovalov sogar die berühmte Henley-Regatta in England. Schachspieler Max Stadler berichtete seinem Gesprächspartner, dass der Passauer Ruderverein eine traditionsreiche Geschichte und viele internationale Erfolge aufzuweisen hat. - redStadt kann sich für Solarparks nicht erwärmen
Einen Plan, wo in Passau Photovoltaikanlagen möglich wären, lehnt das Entwicklungsreferat abVon Thomas Seider
Die Energiewende muss kommen, das ist beschlossene Sache. Aber wenn’s um Solarparks geht, dann kommt sie nicht in Passau - das befürchten die FDP-Stadträte Dr. Max Stadler und Andreas Dittlmann. Die Stadt solle ihre bisher restriktive Haltung gegenüber Photovoltaik auf freier Fläche überdenken, meinen die beiden. Deshalb beantragen sie einen „Solarplan“, der ausweist, wo im Stadtgebiet solche Anlagen grundsätzlich möglich wären. Doch damit hat das Stadtentwicklungsreferat ein Problem: Der Plan sei zu aufwändig, zu teuer und womöglich bald überholt.
Wegen des besonderen Topografie Passaus sei der beste Platz für Solaranlagen eindeutig auf den Dächern von Gebäuden und nicht auf der freien Wiese - das bekräftigt OB Jürgen Dupper immer wieder, und er hat noch nie Widerspruch bekommen. Allerdings ist auch das mit den Dächern so eine Sache: Eben weil das Stadtbild auch so besonders ist, will die Stadt im historischen Kern auch keine Solaranlagen auf Gebäuden. Gegen Hausbesitzer, die sich ohne Genehmigung Photovoltaik aufs denkmalgeschützte Dach gesetzt haben, ist die Rathaus schon vorgegangen. Auch hier teilten die allermeisten Stadträte diese Linie.
Weil bei der Energiewende alle mitmachen müssen, ist aber auch von der Stadt Passau mehr Aufgeschlossenheit gefordert - mit dieser Ansicht zielen Stadler und Dittlmann auf die Freiflächen ab. Da soll auch in Passau mehr möglich sein als nach bisherigem Geschmack für verträglich erachtet, als noch Atomstrom dafür sorgte, dass man Solarparks für unansehnlich halten konnte („solar ja, aber nicht bei uns“).
„Wir sahen darin eine Vergeudung von hochwertigen Flächen“, schließen Stadler und Dittlmann sich in die bisherige Position ein, die es nun aufzugeben gelte. Nur zwei Freiflächen für Solarparks wurden genehmigt, erinnern sie: in Maierhof, um einer städtischen Stiftung als Grundstückseigentümerin zu helfen, und nach zähem Ringen in Stelzlhof, weil dort auf der Deponiefläche keine Lebensmittel angebaut werden können.
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Strikt abgelehnt wurden dagegen Anträge von Immobilienbesitzern, die an der Autobahn Solaranlagen aufstellen wollten, und auch von anderen, obwohl deren Anlagen weniger weit sichtbar gewesen wären als in Maierhof oder Stelzlhof. Gerade solche Flächen entlang der Autobahn, an Bahnstrecken oder auf den 40 anderen Mülldeponien aus den 70-er Jahren sollten künftig aber ebenfalls genehmigt werden, meinen die FDP-Stadträte. Freilich müsse jeder Standort dann im Detail geprüft werden. Aber die Stadt solle grundsätzlich eine Karte mit möglichen und wünschenswerten Flächen erstellen - den Solarplan. Über diesen Antrag spricht am kommenden Dienstag der Stadtentwicklungsausschuss unter Vorsitz von OB Dupper.
Der Solarplan sei problembehaftet, werden Stadtplaner Hans Freund und Stadtentwicklungsreferent Udo Kolbeck den Stadträten am Dienstag vortragen. Zum einen ändere sich womöglich Grundsätzliches auf höherer Ebene, das einen Passauer Solarplan über den Haufen werfen könnte. Denn bislang gelte vom bayerischen Innenministerium die strikte Vorgabe via Landesentwicklungsprogramm, Solaranlagen müssten sich als „Siedlungseinheit“ an andere Siedlungseinheiten anschließen, also an Bebauung. Sie sollen nicht völlig isoliert auf freiem Feld stehen. Gerade dies spielte bei der Ablehnung von Vorhaben in Passau immer wieder eine Rolle. Die Stadtverwaltung schließt aber nicht aus, dass diese Vorgabe des Freistaats sich „aufgrund der gegenwärtigen politischen Lage“ ändert. Und dann wären sämtliche darauf beruhenden Solarpläne nur noch eingeschränkt verwendbar oder gar Makulatur.
Eine pauschale Einschätzung über die Eignung von Flächen sei im Vorfeld unmöglich, meint das Entwicklungsreferat. Die Topografie erschwere das zusätzlich. Wegen der einsehbaren, das Stadtbild prägenden Hügellandschaft lägen technisch vielleicht geeignete Standorte im Bereich der von jeder Bebauung freizuhaltenden Flächen.
Viele Probleme, erheblicher Aufwand - da müsse zur Erstellung eines Solarplans auf externe Büros zurückgegriffen werden, sagt die Verwaltung. Kostenschätzung: 12 000 Euro. Die Ausgabe erscheine unverhältnismäßig, zweckdienlicher sei weiterhin die Einzelfallprüfung.
Nun gehen Stadler und Dittlmann in die Sitzung am Dienstag zusätzlich mit einem Kompromissvorschlag: Wenn eine Positiv-Karte nicht geht, dann eben eine Negativ-Karte. „Das ist weniger Aufwand und hilft auch: Dann weiß jeder schon mal, wo sich die Stadtverwaltung überhaupt keine Solaranlagen vorstellen kann“, sagt Andreas Dittlmann. „Es geht nicht am Kühberg, auf der Wiese unterhalb des Klosterbergs, an den Kanten der grünen Hügel - das war’s wohl. Aber der Eigentümer einer Wiese an der Autobahn sieht dann, dass eine Solaranlage dort jedenfalls nicht ausgeschlossen und sein Einzelantrag nicht völlig umsonst ist.“
Funkturm: Auch Umweltausschuss stimmt zu
ÖDP kann andere Fraktionen für Blockade-Beschluss nicht gewinnen
Von Thomas Seider
Nach einstündiger Diskussion endete gestern Abend der Umweltausschuss mit dem gleichen Ergebnis wie zwei Wochen zuvor der Bauausschuss: Auch der Umweltausschuss stimmte dem 44 Meter hohen Betonturm für Mobilfunk am Rennweg zu. Lediglich die drei ÖDP-Vertreter plädierten für ihren Antrag, die Erweiterung der Sendeanlagen abzulehnen. So lautete das Abstimmungsergebnis 9:3.
Der etwa fünf Meter höhere Betonturm wird anstelle der jetzigen Stahlmasts errichtet, damit auch Anlagen für den digitalen Behördenfunk (Tetra-Funk) eingebaut werden können. Um diese Technik drehte sich die Diskussion. Paul Kastner (ÖDP) warnte, bei Installation nur eines Tetra-Kanals sei die Sendeleistung mit 20 Watt vielleicht nicht höher als bei den vorhandenen Anlagen für die privaten Handynetze, die Situation wandle sich aber grundlegend bei einem Vollausbau - dann könne von dem Turm mit 316 Watt gesendet werden: „Die Anwohner bekommen dann nicht mehr vielleicht zehn Prozent des Grenzwerts ab, sondern vielleicht fünfzig. Und wer sagt uns, dass nicht irgendwann dieser Vollausbau kommt?“
Rechtlich hat die Abstimmung im Stadtrat keine Bedeutung. Die Genehmigung des Mobilfunkbetriebs liegt bei der Bundesnetzagentur, die auch die Einhaltung der zulässigen Werte prüft. Bürgermeister Urban Mangold (ÖDP) verwies aber auf das im Mobilfunk-Pakt vereinbarte Konsensgebot, nach dem die Stadt bei so einer Standortentscheidung durchaus wenigstens mitzureden habe. Sein Vorschlag: Passau solle wie Seeshaupt, Prien, Gräfelfing oder mehrere Kommunen im Landkreis Kehlheim selbst Vorschläge für Standorte machen, mit denen eine Grundversorgung möglich ist. Das wäre eine Abkehr von der Praxis, dass praktisch jeder Antragsteller eine Genehmigung erhält, weil die Grenzwerte nicht überschritten sind. Widerspruch von Josef Haydn (CSU): Die Methode der genannten Orte sei in Passau wegen der schwierigen Topografie nicht anwendbar. Die Vorgaben seien erfüllt, verantwortungsvolle Vorsorge getroffen und die Einführung der Tetra-Technik dringend geboten, betonte Dr. Max Stadler (FDP). Polizei und Sicherheitsdienste verlangten seit Jahren danach: „Wir reden nicht über Privatvergnügen, sondern unbedingt nötigen digitalen Behördenfunk im öffentlichen Interesse.“
77 Minuten zwischen Nostalgie und Zukunft
Die Ilztalbahn feierte am Wochenende ihre Wiederbelebung. Die Passagiere waren von der einzigartigen Strecke begeistert.Nun muss die Bahn beweisen, dass sich das Projekt auch rechnet.
Von Friederike Frantz
Andächtig schauen Heidi Geppert und ihre Schwester, Waltraud Weindl, am Samstagmorgen aus dem Fenster der Ilztalbahn - der ersten, die nach 30 Jahren von Passau nach Waldkirchen im regelmäßigen Personenverkehr fährt. Ab und zu zeigt eine der beiden hinaus, um auf einen altbekannten Punkt auf der Strecke hinzuweisen. „Als Kinder sind wir von Freyung mit der Bahn nach Passau gefahren“, erzählt Heidi Geppert. Die Erinnerungen an die vergangenen Jahre und die alten Holzsitze der Bahn werden wieder wach. „Aus Nostalgie sind wir hergekommen“, sagt sie.
Das ist der Grund für viele Passagiere der Ilztalbahn, die am Wochenende auf der wiederbelebten Strecke durch das Ilztal fahren. „Dies ist eine Planfahrt, kein Fotozug“, schallt es aus dem Zuglautsprecher. Immer wieder muss der Lokführer seine Fahrgäste daran erinnern, denn an jedem Haltepunkt springen die begeisterten Eisenbahner aus dem Zug, um diesen historischen Moment mit der Kamera festzuhalten.
50 Kilometer Schienen und 77 Minuten liegen zwischen Passau und Freyung, eine Busverbindung besteht sowieso. Lohnt sich die Ilztalbahn da überhaupt? Eine Grundsatzfrage, die sich Betreibern kleiner Regionalbahnen überall in Deutschland stellt.
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Für Prof. Thomas Schempf, den Geschäftsführer der Ilztalbahn-GmbH, soll die neue alte Bahn aber mehr sein als nur ein Liebhaberstück. „Der Bus fährt am Wochenende sehr selten, er ist ausgerichtet auf den Berufs- und Schülerverkehr“, verteidigt Schempf seine Bahn. „Mit Wanderrucksäcken kommen die Leute, bald fahren auch die Kurgäste mit der Bahn nach Passau rein“, wünscht er sich. Ausflügler und Touristen sind die Zielgruppe für die Ilztalbahn, die nun bis Ende Oktober am Wochenende und feiertags unterwegs ist.
Nach Nostalgiezügen schauen die gelb-grünen Wagen des Regioshuttles auch nicht aus, die jetzt auf der Strecke verkehren. Sie sind modern und schlicht - so wie es sich für eine typische Regionalbahn heute gehört.
Überhaupt nicht typisch, sondern im Gegenteil einzigartig ist die Strecke, die die Ilztalbahn befährt. Vom Passauer Hauptbahnhof überquert sie die Donau und taucht in den Wald ein. Kaum eine Straße ist zu sehen an der Strecke, dafür kommt der Bahnfahrer der schwarzfunkelnden Ilz so nah, dass er die einzelnen Steine im Flussbett erkennt. Tiefenbach, Fischhaus, Kalteneck, Fürsteneck heißen die Haltepunkte, die die Ilztalbahn passiert. Ländliche Bilderbuchidylle umhüllt den Zug, es geht am Kuhstall vorbei, an der Neuhausmühle, durch dunklen Wald und zwischen Felsen hindurch. Nach dem Halt in Röhrnbach bietet sich schließlich der Frontalblick auf Waldkirchen mit seiner prominenten Kirche.
Stefan Steidl und Frank Schmid sitzen sich gegenüber und reden über das gute Wetter. Sie wollen ihre Eltern in Fürsteneck besuchen. „Da hat sich die Bahn angeboten, das ist einfach eine wunderschöne Strecke“, schwärmt Schmid. „Wir kaufen uns eine Saisonkarte - dann können wir sogar öfters heimfahren, tanken kostet ja genauso viel“, stellt er fest.
Seit 1982 verkehrten auf der Strecke der Ilztalbahn keine regulären Personenzüge mehr. Langsam wurde auch der Güterverkehr weniger, bis der Betrieb 2002 ganz eingestellt wurde. Die Schneise der Ilztalbahn fand schnell neue Interessenten: Ein Radweg sollte gebaut werden, selbst die Kommunen gaben ihr O.K., schon stand der Baubeginn fest. Doch dafür hätte die Bahn der Entwidmung der Strecke zustimmen müssen, das lehnte sie ab. Langsam drehte sich der Wind zugunsten der Bahnbefürworter.
„Das sind so viele neue Möglichkeiten“, findet der Passauer Frank Schmid, „man kann auch das Radl mitnehmen und zurückradeln.“ „Ich finde die Bahn- und die Radwegbefürworter sollten da Hand in Hand gehen“, fügt Steidl hinzu, „das widerspricht sich ja eigentlich gar nicht.“
Der alte Streit zwischen Bahnbefürwortern und -gegnern spielt am Eröffnungswochenende nur ganz am Rande eine Rolle. Ludwig Lankl, Landrat von Freyung-Grafenau, gibt zu: „Ich stand der Sache am Anfang skeptisch gegenüber, wurde aber eines besseren belehrt.“ Auch er hat am Samstag wie seine Kollegen Staatsminister Helmut Brunner, Staatssekretär Dr. Max Stadler, MdL Eike Hallitzky sowie MdL Bernhard Roos an der ersten Fahrt der Ilztalbahn von Passau nach Freyung teilgenommen.
Viele haben die Ilztalbahner mittlerweile umgestimmt und auf ihre Seite gezogen. Dennoch, alle Signale sind noch nicht auf Grün geschaltet für eine erfolgreiche Zukunft des Zugs zwischen Passau und Freyung.
Den laufenden Betrieb kann die Ilztalbahn-GmbH in der ersten Saison selbst stemmen, so der Plan. Für die Instandhaltung der Strecke sind aber Investitionen nötig, die EU will Fördergelder in Höhe von 1,6 Millionen Euro zur Verfügung stellen - wenn bis 19. September eine entsprechende Bürgschaft vorliegt. Die bayerische Staatsregierung ist nicht überzeugt. „Das Wirtschaftsministerium reagiert zurückhaltend, weil es derzeit von keinem rentablen Konzept ausgeht“, erklärt Brunner.
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Bisher ging es auch ohne staatliche Hilfe. Unermüdliche Eigenarbeit in der Instandsetzung der Strecke war ein Teil davon, Darlehen und das Stammkapital der GmbH in Höhe von 770 000 Euro haben die Bahnfreunde vorgestreckt. „Die EU-Gelder brauchen wir jetzt, um die Substanz der Strecke zu verbessern, damit sie auch in 25 bis 30 Jahren noch in gutem Zustand ist“, erklärt Geschäftsführer Thomas Schempf.
Ob das Projekt Ilztalbahn zukünftig ausgebaut werden soll und etwa Werktagsverkehr eingeführt werden könnte, lassen die Gesellschafter offen. „Öffentlicher Personennahverkehr wird vom Staat bestellt - wir haben bisher keinen Cent vom bayerischen Staat“, betont Helmut Wast Streit, ebenfalls Geschäftsführer der Ilztalbahn-GmbH. Diesen Anspruch könne man also nicht stellen.
Ganz konnte die Ilztalbahn an ihrem ersten Betriebswochenende den Eindruck des Bummelzugs für Liebhaber noch nicht ablegen. Dennoch, die Aufregung vom Samstagmorgen ist am Nachmittag der Regionalbahn-Normalität gewichen. Gedämpfte Unterhaltungen, ein paar Kinderstimmen und müde Wanderer, die den Ausblick über die Höhen des Bayerischen Waldes nicht mehr genießen können, weil ihnen längst die Augen zugefallen sind. Für Heidi Geppert und ihre Schwester wird die Ilztalbahn dennoch immer ihre Nostalgiestrecke bleiben. Aber sie werden wiederkommen - und mehr wollen die Ilztalbahner doch gar nicht.
Staatssekretär Max Stadler (FDP):
„Ich bin glücklich, dass die Bahn jetzt fährt. Ich habe die Bemühungen von Anfang an unterstützt, war aber trotzdem skeptisch. Jetzt habe ich Vertrauen in die Bürger, die mit ungeheurem Engagement und großer Kompetenz an der Ilztalbahn gearbeitet haben - eine echte Bürgerbahn. Nostalgiefahrten werden überall angeboten und touristisch genutzt, warum nicht auch hier.“
Stadler leitet Spitzentreffen in Passau
Passau/Prag - Justizstaatssekretär Max Stadler (FDP) ist im Namen von Außenminister Guide Westerwelle zum Vorsitzenden des Beirates des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums ernannt worden. Die „Talkrunde“ aus hochrangigen Politikern ist seit ihrer Gründung durch die deutsch-tschechische Erklärung im Jahr 1979 zu einem etablierten Bestandteil der Beziehungen beider Länder geworden. Neben wirtschaftlichen und politischen Themen geht es auch um Tourismus, Kultur und die EU. Die nächste Jahreskonferenz wird zudem unter Leitung von Max Stadler in Passau stattfinden, wo die rund 100 Teilnehmer im November in der Universität zusammentreffen sollen. Das Thema lautet dann: „Identitäten und Bürgerschaften in Europa“. (sd)
Ein starker Partner des Mittelstands
Raiffeisenlandesbank Oberösterreich seit 20 Jahren in Passau aktiv - Empfang im FürstenbauVon Elke Zanner
Die Bank und ihre Kundschaft. In dieser Beziehung geht es nicht nur um Zahlen, sondern um Emotionen, lautet das Credo von Dr. Ludwig Scharinger. Der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich schätzt es deshalb, wenn die Leute zusammenkommen, aufeinander zugehen und darum gibt es in jeder Niederlassung auch jedes Jahr einen Kundenempfang. In Passau gab es am Dienstagabend einen besonderen Anlass, um den blauen Teppich zum Hacklberger Fürstenbau hin auszurollen: Seit 20 Jahren ist die österreichische Bank auch in Passau tätig. 300 Gäste waren da, um dies zu feiern, darunter viel Prominenz aus Wirtschaft, Kultur und Politik.
Die Raiffeisenlandesbank hat mittlerweile acht Niederlassungen in Süddeutschland. Bald werden es zehn sein, sagte Dr. Andreas Eichler, der zuständige Niederlassungsleiter, der von einer „Erfolgsgeschichte sondersgleichen“ sprach und Scharinger für den Mut und Weitblick dankte, den dieser vor 20 Jahren mit der Expansion ins Nachbarland bewiesen habe. In Bayern betreut die Raiffeisenlandesbank derzeit 8400 Firmenkunden vor allem im Mittelstand sowie mehr als 4000 Privatkunden. In der Passauer Niederlassung sind derzeit 87 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bank sieht sich nicht nur als starker Partner des Mittelstands. Mit kreativen Finanzierungsmodellen setzte sie in den vergangenen 20 Jahren auch Impulse als Eigeninvestor bzw. finanzieller Begleiter von Projekten wie etwa beim Messepark Kohlbruck oder dem Messe-Business-Center. Das Engagement für den Mittelstand hat der Bank schon zweimal den Titel „Bank des Jahres in Deutschland“ eingebracht.
„Ich habe gewusst, dass unsere Mentalität hier ankommt“, sagte Scharinger, als er seine Beweggrüne erläuterte, die einst für eine Niederlassung in Passau sprachen. Die Öffnung der Grenzen habe er sowohl als Chance als auch als Verpflichtung gesehen. In seiner ebenso leidenschaftlichen wie launigen Rede sprach der Vorstandsvorsitzende auch über Unternehmensphilosophie und den Umgang mit den Kunden. So habe er seinen Mitarbeitern das „Bank-Chinesisch“ und verwirrende EDV-Fachsprache verboten. „Wer kompliziert herumredet, weiß meist nicht, wovon er redet“, sagte Scharinger, der für Aussagen wie diese immer wieder Szenenapplaus erntete.
Zu lokal- wie bundespolitischen Fragen interviewte Moderatorin Sabine Lindorfer - eine ehemalige Mitarbeiterin der Bank und Miss Austria 1998 - die Staatssekretäre Dr. Max Stadler und Dr. Andreas Scheuer sowie Oberbürgermeister Jürgen Dupper. Alle drei waren sich einig, dass das Engagement der Raiffeisenlandesbank in Passau eine Bereicherung sei. Dupper würdigte den starken Marktauftritt der Bank, die in jeder Hinsicht einen starken Job gemacht habe. „Die Menschen mögen es, wenn sie einen loyalen Ansprechpartner vor Ort haben“, sagte Scheuer. Stadler lobte Ludwig Scharinger als „Ratgeber mit profunden Kenntnissen“.
Nach dem offiziellen Teil wartete auf die Gäste ein schmackhaftes Menü im schmucken Ambiente des Fürstenbaus. Die Musik von „Quin Tête-à-Tête“ im Ohr, wurde bis nach Mitternacht geplaudert.
Stadler lobt ASG-Engagement
Anfang des Jahres hatten Schüler des Adalbert-Stifter-Gymnasiums mit Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler über das Thema „Kindersoldaten“ diskutiert und dem FDP-Politiker einen Forderungskatalog übergeben. Jetzt machte Stadler darauf aufmerksam, dass am gestrigen Dienstag im UN-Sicherheitsrat eine Resolution hierzu diskutiert wurde. Stadler lobte das Engagement der Passauer Gymnasiasten: „Die Befassung im UN-Sicherheitsrat beweist, dass die Schüler mit ihrem Thema genau richtig gelegen sind“. Kindersoldaten seien in den letzten Jahren verstärkt in Bürgerkriegen zum Einsatz gekommen. Durch die UN-Resolution bestehe die Hoffnung, die Zahl von weltweit 250 000 Kindersoldaten endlich zu reduzieren. Stadler: „Kinder benötigen gerade in bewaffneten Konflikten und Kriegen einen besonderen Schutz. Sie werden durch körperliche und seelische Verletzungen, durch den Verlust ihrer Familie oder ihres Lebens, die unschuldigsten Opfer. Hinzu kommen die mittelbaren Auswirkungen von Kriegen: Hunger, Vertreibung und mangelnde schulische Bildung“. - redDenkmal für Passauer Widerstandskämpfer
Denkmal für Passauer Widerstandskämpfer: Dr. Eduard Hamm, der nach Meinung von Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) der „bedeutendste liberale Politiker aus Passau“ war, wird ein weiteres Mal gewürdigt. In Reit im Winkel wird am 23. September 2011 ein Gedenkstein für den 1879 in Passau geborenen Eduard Hamm gesetzt werden. Hamm war in der Weimarer Republik deutscher Wirtschaftsminister, zuvor auch schon Handelsminister des Freistaats Bayern. Er war ein entschiedener Gegner der Nazis und wurde 1944 wegen seiner Nähe zum Widerstand verhaftet. Nach Misshandlungen durch die Gestapo kam er ums Leben. In den 80er Jahren wurde auf Antrag Stadlers bereits eine Strasse in Passau nach Eduard Hamm benannt. Auch in Berlin existiert eine Hamm-Gedenktafel.Stadtgespräch
Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) erzielte gemeinsam mit dem deutschen EU-Botschafter Dr. Guido Peruzzo einen schönen Verhandlungserfolg auf dem Ministerrat in Luxemburg. Nach langjährigen Bemühungen einigten sich 25 EU-Mitgliedsstaaten über eine neue Patentverordnung. Davon wird nach Auffassung Stadlers vor allem Deutschland als Land mit den meisten Patentanmeldungen in der EU profitieren. Die Verfahren werden kostengünstiger, Deutsch bleibt als Anmeldesprache für Patente erhalten und der Schutzbereich wird erweitert. „Damit konnten wir einen entscheidenden Durchbruch erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken“, freute sich Stadler. - redStadler wirbt für Organspende
Passau/Berlin - Eine Idee seiner FDP-Fraktionskollegin Marina Schuster aus Mittelfranken hat jetzt Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler aufgegriffen. In Deutschland gibt es eine große Bereitschaft für Organspenden, aber dennoch unterschreiben zu wenige Menschen einen Spenderausweis.Kranke, die eine lebensrettende Organspende benötigen, müssen oft lange darauf warten. Stadler bat daher vor einigen Wochen die Stadt Passau, Bürgerinnen und Bürger bei Behördenbesuchen auf das Thema aufmerksam zu machen. MdB Marina Schuster macht dies schon seit längerem bei ihren Besuchergruppen. Auch Max Stadler schloss sich nun dieser Idee an. Er besorgte sich von Bundesgesundheitsministerin Daniel Bahr Informationsbroschüren und Ausweisvordrucke. Diese werden gleich der Besuchergruppe aus Niederbayern zur Verfügung gestellt, die sich ab kommenden Mittwoch in Berlin und im Reichstag aufhalten wird. Stadler: „Wie sich jemand entscheidet, ist seine ganz persönliche Sache. Aber jeder soll die notwendigen Informationen bekommen und eine einfache, praktikable Möglichkeit geboten bekommen, einen Spenderausweis auszufüllen.“ (red/mo)
59. Europäische Wochen eröffnet: ''Bedeutendes Kulturfest''
Nach dem Festakt vor der Veste Oberhaus in Passau: EW-Vorsitzender Willi Schmöller, Intendant Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg, Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, Staatskanzleichef Marcel Huber, Dekanin Edda Weise, Festredner Joachim Gauck, Oberbürgermeister Jürgen Dupper, Landrat Franz Meyer sowie Staatssekretär Max Stadler.Vor fast 700 Gästen hat Wolfgang Heubisch, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst am Freitagnachmittag im Passauer Rathaussaal die 59. Festspiele Europäische Wochen Passau eröffnet. Der Minister stufte die Festspiele als bedeutendes europäisches Kulturfest ein, das sich von Anfang an dem Europa-Gedanken verschrieben hat. "Seit dem Jahr 1952 hält man fest an der Vision einer grenzüberschreitenden Kultur-Veranstaltung – trotz zeitweise sehr schwieriger Bedingungen."
Der Minister machte dem scheidenden EW-Intendanten, Dr. Pankraz von Freyberg, der 16 Jahre lang die EW künstlerisch geleitet hat, das Kompliment, "die Festspiele sowohl vom Erscheinungsbild als auch inhaltlich einen gewaltigen Schritt nach vorne" gebracht zu haben. Hochkarätiger Schirmherr und Festredner war Joachim Gauck, der über "Vertrauen gewinnen" eine denkwürdige Rede hielt.
Einen dankbaren und schier nicht endenwollenden Applaus hat Gauck dafür erhalten. Der Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstands gegen das SED-Regime in der DDR und heute Bundesvorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie" machte "Vertrauen gewinnen" zum Thema seiner Rede und stellte sehr persönlich fest: "Ein gesegnetes Fleckchen Erde wie dieses hier in Europa kann auch Voraussetzung sein für Vertrauensfähigkeit."
Stadtgespräch
Justizstaatsekretär Dr. Max Stadler (FDP) war als Gastredner bei der Frühjahrstagung der Österreichischen Juristenkommission am Attersee eingeladen. Das Thema des Passauer Abgeordneten lautete: „Die Rolle der Staatsanwaltschaft im demokratischen Rechtsstaat“ - sehr passend, da Stadler früher selber als Staatsanwalt und Richter tätig gewesen ist. Max Stadler nutzte diese Möglichkeit, um gemeinsam interessierende Themen des nächsten EU-Justiz- und Innenministerrats anzusprechen wie etwa die umstrittene Vorratsdatenspeicherung oder die Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet. - redSolarplan-Forderung: Dittlmann macht einen auf Mangold!
Solarparks im Stadtgebiet – Erstellen eines „Solarplans“: Ein Antrag, der sich ganz nach der Handschrift von ÖDP-Bürgermeister Mangold anhört. Von wegen: Dahinter steckt die Passauer FDP mit ihrem Sprachrohr Andreas Dittlmann, zugleich Lieblingsfeind von Urban Mangold. Der ÖDP-Bürgermeister wird nicht schlecht staunen: Jetzt markiert plötzlich Dittlmann den Öko!In dem Antrag, unterzeichnet von Dr. Max Stadler und Andreas Dittlmann, wird die Stadtverwaltung aufgefordert, ihre bisherige Haltung zu überdenken und Vorschläge zu entwickeln, auf welchen Flächen im Stadtgebiet weitere Solaranlagen möglich wären.
Nach Meinung der FDPler sollte nach Möglichkeit für das gesamte Stadtgebiet ein „Solarplan“ (Karte) erstellt werden. Ziel sollte sein, die bisherige restriktive Haltung gegenüber Solaranlagen zu überdenken und auf geeigneten Flächen „Solarparks“ zuzulassen. Somit könnte laut FDP der Anteil der regenerativen Energiegewinnung im Stadtgebiet gesteigert werden.
Die Begründung der FDP: Bisher seien Photovoltaikanlagen auf Wiesen und Äckern abgelehnt worden. „Wir sahen darin eine Vergeudung von hochwertigen Flächen und hielten Dachflächen für geeigneter", so die FDP. Nur zwei Freiflächen (Mayerhof, Stelzlhof) seien bislang vom Stadtrat genehmigt worden.
Grundstückseigentümern, deren Anlagen sogar weniger weit sichtbar wären als in Mayerhof oder Stelzlhof, seien strikt abgelehnt worden. „Gerade diese Flächen sollten nun aber zukünftig ebenfalls genehmigt werden, wenn die Energiewende und damit der Atomausstieg möglichst rasch vollzogen werden soll", so die beiden Stadträte.
Ob sich die ÖDP und die Grünen darüber freuen werden, dass die FDP jetzt auf ihrem ureigensten Terrain zu wildern beginnt..?
Autor: -mr
Stadtteil-Stadträte äußern sich zu Schalding rechts der Donau
Dr. Max Stadler (FDP):„Schalding r.d.D. bezieht seine Stärke aus der hier noch sehr lebendigen Dorfgemeinschaft, also aus dem großen bürgerschaftlichen Engagement der Einwohner,“ sagt der Stadtrat und Justiz-Staatssekretär. Für die Politik sei es schwierig, bei den Problemen, die die Menschen beschäftigen, wirksam zu helfen. Das betreffe vor allem die vielfach geforderten Maßnahmen zum Lärmschutz. „Sowohl an der Bahnstrecke als auch entlang der Autobahn konnten Verbesserungen erreicht werden, aber eine hundertprozentige Lösung lässt weiter auf sich warten.“
Ein dichterer Takt der Stadtbusse wäre wünschenswert, doch werden die Schaldinger verstehen, dass die Stadtwerke nicht zusehen konnten, wie ihr Defizit ansteigt. Insgesamt, meint Stadler, sei das früher oft anzutreffende Gefühl, „die Stadt“ tue nichts für Schalding, dem Stolz gewichen ist, dass die Schaldinger selbst viel auf die Beine stellen. „Das Vereinsleben ist rege, die Kirchengemeinde sehr aktiv, der Kindergarten der Stolz des ganzen Stadtteils. Und trotz des Abstiegs aus der Bayernliga haben es die Schaldinger genossen, dass ihr SVS jahrelang die beste Fußballmannschaft Niederbayerns gestellt hat.“ Aber auch mehrere andere Vereine tragen zum Dorfleben viel bei, z. B. die Schützen. Schließlich bilde die Feuerwehr auch einen markanten Pfeiler der Dorfgemeinschaft.
Stadt soll Plan erstellen, wo Sonnenstrom erzeugt werden darf
von SEBASTIAN DAIMINGER
Dieser Vorstoß soll Schluss machen mit dem Solarpark-Wirrwarr in der Stadt Passau. Die FDP schlägt vor: Zur Orientierung von Immobilienbesitzern und Investoren soll die Verwaltung nun einen Solar-Atlas erstellen! Der Plan in Form einer Karte könnte dann zeigen, auf welchen Flächen grundsätzlich Solarparks möglich sind. Er soll aber auch ausweisen, wo man derartige Anlagen für undenkbar hält.
Einen entsprechenden Antrag haben Justiz-Staatssekretär Max Stadler und Stadtrat Andreas Dittlmann bereits im OB-Büro eingereicht. Darin heißt es: „Nach der angestrebten Energiewende müssen alle möglichen Ressourcen auch im Stadtgebiet Passau genutzt werden. Ziel sollte sein, die bisherige restriktive Haltung gegenüber Solaranlagen zu überdenken und auf geeigneten Flächen sogenannte Solarparks zuzulassen. Somit könnte der Anteil der regenerativen Energiegewinnung im Stadtgebiet gesteigert werden.“ Dem FDP-Antrag ging ein Sinneswandel voraus: „Bisher hat die Passauer FDP selbst Photovoltaikanlagen auf Wiesen und Äckern abgelehnt. Wir sahen darin eine Vergeudung von hochwertigen Flächen und hielten Dächer für geeigneter“, so Dittlmann. Das reiche künftig aber leider nicht mehr aus. Die neue Linie der großen Politik wolle man auf lokaler Ebene mittragen und konsequent umsetzen.
Im geplanten Solar-Atlas sehen Stadler und Dittlmann eine geeignete Orientierungshilfe für Hausbesitzer, Grundstückseigentümer sowie interessierte Betreiber von Solaranlagen. Bis dato war nicht immer klar, ob die Beantragung eines Solarparks in der Stadt auch Aussicht auf Erfolg hat. Zwar wäre auch der Solar-Atlas nicht rechtsverbindlich, da jeder Einzelfall geprüft werden müsse, dennoch hätte man darin einen übersichtlichen Leitfaden für Bürger, Politik und Verwaltung. Immer neue Grundsatzdiskussionen könne man sich damit (er)sparen.
Dass ausgerechnet die FDP einen derartigen Vorstoß liefert und nicht die bekannten Öko-Parteien, erstaunt. Offenbar ist es den Liberalen ein Dorn im Auge, dass beim Thema Solarparks bis dato quasi nach „Gutdünken“ entschieden wurde. Stadtrat Dittlmann erklärt: „In der Vergangenheit hat der Stadtrat nur zwei Freiflächen für Solarparks genehmigt. Einmal in Maierhof, um einer städtischen Stiftung zu helfen und einmal am Stelzlhof. Die Anlage dort wurde unter anderem damit begründet, dass die Fläche nur für den Anbau von Biomasse zur Verfügung stehe, da es sich um eine aufgeschüttete Mülldeponie handle. Anträge von Immobilienbesitzern, die im Bereich der Autobahn Solaranlagen aufstellen wollten oder von anderen Grundstückseigentümern, deren Anlagen sogar weniger weit sichtbar wären als in Mayerhof oder Stelzlhof, wurden strikt abgelehnt.“ Gerade diese Flächen sollten künftig im Sinne der Energiewende ebenfalls genehmigt werden. Genauso wie Standorte entlang der Autobahn, einer Bahnstrecke sowie den rund 40 anderen Ex-Mülldeponien aus den 70er Jahren, die es im Stadtgebiet gibt.
„Vernünftiger Mix“ bei Windenergie
Stadler reagiert auf offenen Brief von MangoldRegionale Nutzung der Windenergie werde durch Offshore-Winderzeugung nicht verdrängt, Deutschland brauche beides, davon ist Dr. Max Stadler (FDP) überzeugt. Er antwortete damit auf einen offenen Brief von Bürgermeister Urban Mangold (ÖDP), der Pläne der Bundesregierung kritisierte, Anlagen im Meer höher zu fördern als solche im Binnenland.
Die Meeresanlagen seien derart kapitalintensiv, dass sich dies nur Energiekonzerne leisten könnten, befürchtet Mangold. „Dem von Dir genannten Ziel, dass für die künftige Energieversorgung Bayerns der Windenergie erhebliche Bedeutung zukommen muss, stimme ich ausdrücklich zu. Deshalb wird es weiterhin eine beachtliche Förderung der dezentral erzeugten Windenergie geben“, versichert Stadler. Eine Konzentration auf Offshore-Windanlagen sei nicht die Absicht der Bundesregierung, wohl aber ein „vernünftiger Mix“ auch bei den erneuerbaren Energien. Wegen der technisch bedingt hohen Errichtungsinvestitionen offshore sei eine anfänglich relativ hohe Förderung gerechtfertigt. - red
Stadtgespräch
Ales Zalar, Justizminister Sloweniens (links), wurde in Berlin von seiner deutschen Amtskollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Staatssekretär Max Stadler zur Vorbereitung des EU-Justizministerrates empfangen. Denn Ales Zalar gehört ebenfalls einer liberalen Partei an, so dass das Bundesjustizministerium mit ihm einen engen Kontakt hält. Gemeinsam reisten Zalar und Stadler weiter zur EU-Tagung nach Luxemburg. Dort wurde die Europäische Ermittlungsanordnung beschlossen, eine Maßnahme zur grenzüberschreitenden Aufklärung von Straftaten. - redStadler will Abhilfe für mehr Transparenz
Die Forderung nach mehr Transparenz in den Aufsichtsgremien kommunaler Gesellschaften ist ein Dauerthema auch in der Passauer Kommunalpolitik. Auf Initiative von MdB Dr. Max Stadler (FDP) hat die Koalition im Bund vereinbart, den Kommunalpolitikern durch eine gesetzliche Klarstellung zu Hilfe zu kommen, weil die derzeitige Rechtslage strittig sei.Der Justizstaatssekretär teilte nun mit, dass Bundesjustizministerin Sabine Leutheussser-Schnarrenbgerger (FDP) in dieser Woche entschieden habe, einen entsprechenden Gesetzentwurf in die Ressortabstimmung innerhalb der Bundesregierung zu geben. Die Initiative des Bundesjustizministeriums sieht vor, dass die kommunalen GmbHs - also beispielsweise die Stadtwerke oder die WGP - künftig das eindeutige Recht erhalten sollen, Aufsichtsratssitzungen öffentlich abzuhalten.
Wie im Stadtrat auch würde es aber weiterhin Punkte geben, die etwa aus Gründen des Datenschutzes nicht-öffentlich zu behandeln wären. "Wenn unser Vorschlag die Zustimmung der Bundesregierung, des Bundestags und es Bundesrats findet, hätten wir bei den kommunalen GmbH's die gleiche Lage wie im Stadtrat und somit genau so viel Öffentlichkeit. Eine jahrelange Rechtsunsicherheit wäre damit beseitigt.", meinte Max Stadler.
Infos im Rathaus über Organspende
Bei der Stadt Passau ist eine Anregung von MdB und Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) aufgegriffen worden. OB Jürgen Dupper hat bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Info-Broschüren bestellen lassen, die über das Thema Organspende aufklären und nun in publikumsintensiven Dienststellen im Rathaus aufgelegt werden. – redStadtgespräch
Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler ist im Bundesjustizministerium nicht nur mit strafrechtlichen Themen befasst, sondern auch mit Wirtschaftsrecht. So vertrat der Passauer FDP-Politiker die Bundesregierung beim letzten EU-Rat für Wettbewerbsfähigkeit in Brüssel, wo es um die Einführung der Europäischen Privatgesellschaft und um die Befreiung kleiner Unternehmen von Bilanzierungs- und Offenlegungsverpflichtungen ging. Hierzu hielt Bayern ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber vor den EU-Ministern ein engagiertes Plädoyer für Bürokratieabbau. Auch einen seiner ehemaligen Schüler traf Stadler bei dieser Tagung: Jiri Burianek war in den 80-er Jahren Referendar am Landgericht Passau und ist nun Direktor bei der Europäischen Union. Burianek erzählte seinem früheren Ausbilder Max Stadler, dass er in Brüssel an einem „Passauer Stammtisch“ teilnehme und immer noch etwa fünfmal im Jahr in die Dreiflüssestadt zu Besuch komme.Stadträte live im Internet? Debatte Teil 2
Streitthema am Montag erneut diskutiert - Sendekosten fürs erste Jahr: rund 95 000 EuroVon Christian Karl
Die zu erwartende Debatte am kommenden Montag wäre gleich prädestiniert für das Vorhaben, das auch im Mittelpunkt des Sitzungsnachmittags steht: die Frage, ob sich Stadträte und Verwaltungsbeamte bei Stadtratssitzungen live mitgeschnitten im Internet (sog. „Live-Stream“) wiederfinden sollen. Schon bei der ersten Diskussion vor einem Monat gab es ein lebhaftes und durchaus kurzweiliges Hin und Her über den Antrag von Dr. Max Stadler (FDP), ehe das Thema und ein Beschluss darüber vertagt wurden. Nicht zuletzt auch deswegen, weil man in dem Gremium über mögliche Übertragungskosten von bis zu 300 000 Euro etwas erschrocken war.
Stadtrat Oliver Robl (ÖDP) hatte damals den Antrag gestellt, Internet-Übertragungen „grundsätzlich zu erlauben“, sofern - und das ist wohl der springende Punkt - „der Stadt keine Kosten entstehen“. Nach den mittlerweile erfolgten ersten Berechnungen der Verwaltungen aber würden solche Live-Mitschnitte von bis zu 100 Sitzungen im ersten Jahr nicht zuletzt wegen Anlaufinvestitionen knapp 100 000 Euro und danach rund 42 000 Euro kosten. Das ist die Ausgangslage für die Diskussion Teil 2 am Montag. Zugleich sollen die Stadträte in der Sitzung eine „kleine Demonstration“ erhalten, wie denn solche Live-Übertragungen ins Internet ausschauen könnten und welche Qualität zu erwarten sei.
Das Thema wurde seit Anfang Mai nochmals in den Fraktionen diskutiert. Bereits in der ersten Sitzung deutete sich aber eher eine Mehrheit auf politischer Seite an, während sich OB Jürgen Dupper und die Verwaltung vehement gegen das Vorhaben aussprachen. Der Rathaus-Chef erwähnte rechtliche Probleme, Datenschutz und vor allem den erheblichen Druck, der auf städtischen Beamten bei Aussagen in Live-Mitschnitten liege und der auch den Personalrat im Rathaus zur strikten Ablehnung bewegte. Antragsteller Dr. Max Stadler aber pochte auf eine
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mögliche Vorreiterrolle Passaus, wenn es darum gehe, „durch diese zusätzliche Möglichkeit vielen Bürgerinnen und Bürgern die Teilnahme an Stadtratssitzungen zu ermöglichen“.
Was beide Seiten damals aber ziemlich abschreckte, waren die Kosten, die die Verwaltung für so ein Vorhaben errechnet hatte und die - je nach Qualität - zwischen 100 000 und 300 000 Euro lagen. In einer detaillierten Berechnung werden am Montag Mindestkosten vorgestellt, die eine TV-Produktionsfirma aus dem Landkreis für die avisierten 100 Sitzungen und Sendungen geliefert hat. Dabei ist von einem Basis-Equipment („Mikrostudio“) mit vier Bildarbeitsplätzen und Lichttechnik die Rede - einmalige Anschaffungskosten rund 48 000 Euro. Hinzu kommen als einmalige Investition eine technische Plattform-Aufbereitung (incl. Programmierung, Freischaltung, Netzeinbindung) für rund 7000 Euro. Der Personaleinsatz für die rund 100 Termine jährlich belaufe sich auf rund 40 500 Euro. Damit werden bezahlt: ein Administrator, ein Bildregisseur mit zwei funkgesteuerten Kameras, ein Licht-/Ton-Assistent und ein Kamera-Mann. Im Anfangsjahr würden sich die Ausgaben auf 95 500 Euro belaufen, danach auf knapp über 40 000 Euro. „Anhand dieses Angebots kann in etwa abgeschätzt werden, welche Kosten eine Übertragung in vernünftiger Qualität verursachen würde“, so OB-Sprecher Herbert Zillinger vorab.
Und mit dieser Summe liegt man auch deutlich über der Forderung von Oliver Robl und der Voraussetzung für seine Zustimmung („keine Kosten“). Es wird interessant, wie sich der Verwaltungsausschuss am Montag in der (noch nicht live übertragenen) Sitzung bei Teil 2 der Debatte einigen wird.
KOMMENTAR
Der Phoenix vom Dreiflusseck
Von W. Lampelsdorfer
Phoenix. Ist das nicht der Sender, bei dem der Zapper allzu selten hängenbleibt? Rund ein Prozent Marktanteil hat der öffentlich-rechtliche Ereignis- und Dokumentationskanal, der uns Bundestagsdebatten und Pressekonferenzen aus Berlin live ins Wohnzimmer bringt. Jetzt soll also Passau seinen eigenen Rathaus-Sender bekommen, mit Live-Stream zu Rathaussaal-Sanierungsmaßnahmen oder Mietspiegel - um nur zwei der Themen von kommender Woche zu nennen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Infos aus erster Hand, auch wenn man gerade in Urlaub ist oder auf dem heimischen Sofa den verstauchten Fuß auskuriert. Dazu der Imagegewinn für eine Stadt, die damit bundesweit zu den Vorreitern in Sachen Offenheit und Transparenz werden könnte.
Die Nachteile? Gegner verweisen auf Haftungsprobleme, sollte jemand etwas ausplaudern, auf den zusätzlichen Druck, dem die städtischen Mitarbeiter dadurch ausgesetzt sind. Wer regelmäßig Sitzungen besucht, weiß aber: Referenten wissen schon jetzt ihre Worte sehr wohl zu wählen - schon um sich vor den lauernden Medienvertretern keine Blöße zu geben. Dass einzelne Stadträte ihre Monologe vor laufender Kamera noch inbrünstiger und zeitraubender gestalten - geschenkt. Das Argument, auf das es letztlich ankommt, sind die Kosten. Sind uns die Übertragungen wirklich jedes Jahr 40 000 Euro wert? Auch bei Sternstunden der Stadtratsarbeit sind derzeit die Besucherzahlen oft an zwei Händen abzuzählen. Was, wenn die teuer eingespielten Aufzeichnungen auch im Live-Stream nur 20 Zuschauer mitverfolgen? Eine Probephase, wie sie selbst Antragsteller Dr. Max Stadler als Möglichkeit angedeutet hat, scheint der einzig richtige Weg, den Kosten-Nutzen-Faktor näher zu beleuchten. Gestartet werden könnte im Plenum und mit den interessantesten Ausschüssen, vielleicht lassen sich auch die Anlaufkosten mit Miet-Equipment noch zusätzlich mindern. Rathaus-Reporter, die von der Parkbank an der sonnigen Innpromenade aus per Laptop die Sitzungen verfolgen, wird es jedenfalls trotz all der Technik so schnell nicht geben. Live ist eben live, und wer nicht nur das Gesagte, sondern auch das Gemeinte verstehen und transportieren will, der muss die Augen und Ohren aufsperren, auch dort, wo Kamera und Mikro gerade nicht hinzielen.
Heubisch: „Ich unterstütze Sie“
Landrat überreicht dem Minister für Wissenschaft und Kunst die Resolution zur Stärkung der UniVon Regina Ehm-Klier
Passau. „Jetzt haben wir’s sogar schriftlich“, freute sich gestern Landrat Franz Meyer über den Eintrag: „Ich unterstütze Sie“, hatte Wolfgang Heubisch (FDP), Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, im Goldenen Buch des Landkreises schwarz auf weiß hinterlassen. Das, was Heubisch da niederschrieb, hatte er zuvor schon bestätigt, als ihm Landrat Meyer die Resolution des Landkreises überreicht und darauf hingewiesen hatte, dass der Kreistag einmütig das TechnikPlus-Konzept der Universität Passau befürwortet. „Das ist ein Signal aus der Region, dass Stadt und Landkreis gemeinsam hinter dem Konzept stehen“, betonte Meyer. Das TechnikPlus Konzept sei nicht nur Bildungs-, sondern auch Wirtschaftsförderung. Denn so könnten junge Leute aus der Region auch hier blieben, finden Firmen vor Ort auch Arbeitskräfte.
Es war der versprochene offizielle Besuch im Landratsamt, den Wolfgang Heubisch gestern absolvierte. Dort spielten Schüler der Kreismusikschule auf, wurden Häppchen und Getränke gereicht, herrschte eine lockere Stimmung. „Die Geschenke gibt’s schon vorher, jetzt steh’ ich noch mehr unter Druck“, scherzte Heubisch als Landrat Meyer das gewichtige Paket - sämtliche Kataloge aus der Reihe „Kultur im Landkreis Passau“ - überreichte, womit er untermauern wollte, dass „wir der Kulturlandkreis in Bayern sind“.
Der Wissenschafts- und Kunstminister war zum wiederholten Mal in seiner erst zweieinhalbjährigen Amtszeit in der Region Passau, Anlass gestern war die Grundsteinlegung an der Universität. Warum er häufig hier ist - das nächste Mal zur Eröffnung der Europäischen Wochen am 24. Juni - das konnte der Minister auch erklären: „Eminent wichtig“ sei es, „dass wir Passau stärken“. Denn hier, so das Kompliment, „gehen die Uhren richtig“.
Vom TechnikPlus-Konzept der Universität, das deren Vizepräsident Prof. Dr. Burkhard Freitag jüngst im Kreisausschuss vorgestellt hatte, waren nicht nur die Kreisräte vor zwei Wochen beeindruckt. Auch im zuständigen Wissenschaftsministerium kommen die Pläne gut an, das gab Heubisch nicht nur schriftlich, er erklärte das auch gestern vor der versammelten Runde - bestehend unter anderem aus Staatssekretär Dr. Max Stadler sowie den Landtagsabgeordneten Eike Hallitzky, Konrad Kobler, Alexander Muthmann und Walter Taubeneder. In der Region müssten Einrichtungen geschaffen werden, die junge Leute hier halten. So zeigte sich Heubisch auch als „Fan der Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Deggendorf“, die das Konzept ebenfalls vorsehe. Eines sagte Heubisch aber auch deutlich: „Es wird keine Technische Universität geben.“ Insgesamt werde kein Projekt unterstützt, „das zum Scheitern verurteilt ist“. Dies sei hier aber absolut nicht der Fall, versicherte er.
Heubisch will Qualität, „und das bedeutet nicht unbedingt Größe.“ Das kann für die Universität gelten - in diesem Fall galt es für Aldersbach, den Ort der Landesausstellung 2016. Für die Unterstützung bei der Bewerbung war Heubisch gestern der Dank des Landkreises gewiss. Vom Markt im westlichen Landkreis zeigte sich Heubisch nach wie vor begeistert: Das Ambiente mit dem Kloster, der Asamkirche, dem Biergarten und der Brauerei: „Ein kleiner, feiner Diamant“, schwärmte Heubisch auch gestern wieder. „Das passt, das ist Bayern.“
90 Jahre DJK im Bistum: Wo der Glaube die Sportgemeinschaft prägt
33 000 Sportler in 77 Vereinen feiern in der Diözese Passau ihren katholischen Sportverband Deutsche Jugendkraft (DJK)von Josef Heisl
"Mein erstes überregionales Großereignis im Sport habe ich 1990 bei der DJK in Innzell erlebt", erinnert sich Ski-Schanzen-Rekordler Michael Uhrmann (32). Damals war der Ex-Profi-Springer als Elfjähriger in der Schülerklasse 12 über fünf Kilometer Langlauf angetreten und hatte den zweiten Platz geholt. "Es war ein wahnsinniges Erlebnis, als wir im Eisstadion zur Siegerehrung zusammenkamen. Ich habe da eine großartige Gemeinschaft erlebt."...
Zu den Aushängeschildern der DJK gehören neben den Skisportlern die Stockschützen, Staatssekretär Max Stadler vom Schachklub DJK Haselbach und Günther Zahn. Noch heute trainiert der Mittel- und Langstreckenläufer bei Eintracht Passau − 1972 hatte er in München das olympische Feuer entzündet....
Sicherheitsdienst kostet bis zu 300 000 Euro
Ernüchterung nach mäßig besuchter Info-Veranstaltung der Jungen Union - Betreiber stellte Konzept für Passau vorVon Jörg Klotzek
Lange Gesichter gab es am Mittwochabend bei den Angehörigen der Jungen Union, nachdem die Verantwortlichen eines Landshuter Sicherheitsdienstes ihr Konzept eines privaten Wachdienstes für die Passauer Innenstadt vorgestellt haben. Zwar wusste die Konzeption zu überzeugen, nicht aber der Preis.
Rund 100 000 Euro zahlt die Stadt Landshut im Jahr für die Dienste der LWS Security Group. Diese Summe sollen sich eigentlich öffentliche Hand und Gewerbe je zur Hälfte teilen, doch de facto trägt die Kommune rund 75 Prozent der Kosten. Einerseits hat die Stadt eigene Immobilien, die vor Vandalen-Hand geschützt werden, vor allem aber lassen Handel und Gastronomie mit ihrer Zahlungsbereitschaft zu wünschen übrig. Dennoch aber der Landshuter Stadtrat jüngst einstimmig beschlossen, am seit einem Jahr laufenden Projekt vorerst bis zum Herbst festzuhalten, so zufrieden mit dem Rückgang von Lärm und Vandalismus sei man. Das berichtete Peter Loder sen., Inhaber und Geschäftsführer des Sicherheitsdienstes, vor rund einem Dutzend JU-Mitgliedern sowie sechs Stadträten und zwei Gastwirten. Loder und sein Sicherheitsberater Nikolaus Pfeiffer stellten den weniger als zwei Dutzend Anwesenden ihre Vorstellungen eines Passauer Sicherheitskonzepts vor. Demnach müssten Fassaden, Auslagen und Passagen entlang von rund 3100 Meter Strecke an 365 Tagen im Jahr zwischen 23 Uhr abends und 6 Uhr morgens überwacht werden. Das ist mehr als doppelt so viel wie in Landshut, wo zudem der Überwachungsbereich relativ geradlinig und nicht verwinkelt wie in Passau ist. Deshalb würden die Kosten in der Dreiflüssestadt höher sein, rechnete Peter Loder vor.
Drei Modelle eines „Pro-Aktiv-Konzeptes“ stellte der Sicherheits-Chef vor, die sich im Wesentlichen in der Größe und Anzahl der Überwachungsbereiche und im Personalansatz unterscheiden: Basic, Premium und Superior.
Die Basic-Variante umfasse einen Gesamtbereich inklusive der vier Brennpunkte ZOB, Heuwinkel, Große/Kleine Klingergasse und Wittgasse, der von drei Mitarbeitern bestreift werde (was jedoch je nach Jahreszeit und Veranstaltungslage sehr flexibel gehandhabt werde) und koste rund 150 000 Euro im Jahr.
Für das Premium-Modell würde man zwei Überwachungsbereiche zwischen Inn, Donau und ZOB bilden und jeweils zwei ausgebildete Mitarbeiter auf Streife schicken. Kalkulierte Kosten hierfür: 200 000 Euro.
Schließlich die Superior-Version: Hier würden durchschnittlich jeweils drei Mitarbeiter in zwei Kontrollbereichen für Sicherheit und Ordnung sorgen. Das würde rund 300 000 Euro pro Jahr kosten.
Peter Loder hatte auch Vorschläge, wie diese Ausgaben verteilt werden könnten. Aus den Faktoren Fassadenlänge, Zahl der Wohneinheiten, Anzahl der Stühle im Freien sowie der Sitzplätze im Inneren ließen sich Punkte errechnen, die eine individuelle Kostenbeteiligung von Gastronomie, Hausbesitzern und Geschäftsleuten ermöglichen. Wenn alle Betroffenen mitmachen würden, wären lediglich 39 Euro pro Punkt und Jahr fällig, bei einer Mitmachquote von nur zehn Prozent käme jeder Punkt auf 392 Euro. Für ein kleines Café mit zehn Metern Fassadenlänge und 20 Stühlen im Freien errechnete der Geschäftsmann rund 1200 Euro Kosten im Jahr - vorausgesetzt alle machen mit.
Das bezweifelte in der anschließenden Diskussion nicht nur Gastronom Ernst Brenner: „Wir sind dabei, aber alleine können wir das nicht stemmen - ich bin enttäuscht, dass heute die nicht da sind, die am lautesten schimpfen.“
Am „Marketing-Profi“ scheiden sich die Geister
Antragsteller Andreas Dittlmann denkt an externen Experten und nicht an eine Umbesetzung im Rathaus - Debatte am DienstagVon Christian Karl
Die Stadt will einen Marketing-Experten suchen. Und zudem soll der Etat der Rathaus-Dienststelle Stadtmarketing um 94 000 Euro auf künftig 180 000 Euro angehoben werden. Dies schlägt die Verwaltung am Dienstag dem Ausschuss für Wirtschaft und Marketing vor und beruft sich dabei „in weiten Teilen“ auf einen Antrag von Andreas Dittlmann (FDP). Das mit den „weiten Teilen“ allerdings will der Antragsteller so nicht gelten lassen. Vielmehr sieht Dittlmann gravierende Unterschiede zu seinem Ansinnen. Und deswegen will er die Rathaus-Vorschläge so nicht mittragen.
Maßgebliche Forderungen Dittlmanns: Es muss ein externer Marketing-Profi sein und keine irgendwie geartete Personalsuche im Rathaus. Dieser „Profi“, wie ihn Dittlmann nennt, soll mit bis zu 100 000 Euro jährlich entlohnt werden. Im Rathaus will man die Bewertung und Entlohnung dieser Marketing-Position aber erst intern erörtern und in einer späteren Ausschuss-Sitzung vorstellen. Die Stelle soll laut Dittlmann vorerst befristet werden und nicht - wie von der Verwaltung vorgeschlagen - unbefristet sein. Und zum dritten pocht Dittlmann auf einen Sperrvermerk für die 94 000 Euro Etaterhöhung, die kein „Freibrief“, sondern erst genehmigt werden sollen, wenn der neue Marketing-Experte damit Konzepte umsetzen will und Sinnvolles im Sinne des entscheidenden Ausschusses bewegt.
„Einerseits freut es mich ja, dass mein Antrag in weiten Teilen durchgeht - ich hätte mir da viel mehr Widerstand erwartet. Aber wesentliche Bedingungen des Antrags wurden eben nicht erfüllt.“ Widerstände hätte Dittlmann nicht zuletzt auch deswegen erwartet, weil sein Ansinnen mit 194 000 Euro Mehrbelastung im Etat 2012 gut ins Geld geht. „Aber ein guter Marketing-Experte bringt das locker wieder rein - denke man nur an die vielen teuer bezahlten externen Studien, die dann wohl nicht mehr nötig sind.“ Primär aber denkt Dittlmann an das große Ganze mit Tourismus, Kultur und auch Wirtschaft, bei dem gute werbewirksame Konzepte „aus einem Guss“ viel an Profit in allen Sparten zurückbringen würden. Und das würde die Ausgaben im Stadtmarketing-Etat bei weitem übertreffen.
„Aber so einen Profi sehe ich nur im externen Bereich und nicht in der Stadtverwaltung. Auch wenn es oft heißt: Es gibt nichts, was ein bayerischer Verwaltungsbeamter nicht kann“, sagt Dittlmann. Der langjährige Stadtrat plädiert für eine mit einem Experten besetzte gehobene „Stabsstelle“, die bei OB Jürgen Dupper oder bei Wirtschaftsreferent Werner Lang angesiedelt sein sollte.
Das Betätigungsfeld des Bewerbers ist für Dittlmann ein beträchtliches. „Es ist unumgänglich, sowohl die Bereiche Tourismus und Marketing besser zu vernetzen als auch den Bereich Kultur und Wirtschaft miteinzubeziehen.“ Die gute Arbeit in der Stadt müsse laut Dittlmann „noch besser vermarktet werden, um von den bereits vorhandenen Gegebenheiten noch stärker zu profitieren“.
Momentan sei es laut Dittlmann eher „suboptimal“, dass Tourismus, Kultur, Stadtmarketing und auch Wirtschaftsförderung ziemlich unabhängig voneinander am Werbefaktor der Stadt arbeiten und sich in irgendwelchen Arbeitskreisen treffen. „Das von Haus aus in ein Gesamtkonzept zu bündeln erwarte ich mir von einem Marketing-Profi“, so der FDP-Stadtrat. „Und wenn es mit der Bewerbung Weltkulturerbe ernst wird, brauchen wir sowieso so einen professionellen Experten - siehe erfolgreiche andere Städte wie Regensburg.“ Der Profi solle laut Dittlmann „sicher nicht allein ein Auge auf Prospektgestaltung haben, sondern alle Potenziale, die die Stadt Passau hat, besser darstellen“. Freilich ist er dabei nach wie vor auf die Zuarbeit und Kooperation mit bestehenden Marketing-Einheiten im und ums Rathaus angewiesen.
„Aber man soll sich wirklich nur für jemanden entscheiden, wenn man entsprechende Bewerbungen vorliegen hat. Nicht dass man dort Personen durchzieht, wie man in der Vergangenheit Geschäftsführer so mancher städtischer GmbHs durchgezogen hat“, sagt Dittlmann vorab kritisch. Der „letzte Schritt“ bei mangelnden Bewerbungen wäre, mit einer externen Werbeagentur zusammenzuarbeiten. Grundsätzlich aber gehöre diese Marketing-Stelle laut Dittlmann zunächst zeitlich befristet, wie das jedes größere Unternehmen mache. „Ein Marketing-Profi muss doch zunächst die Struktur der Stadt ausloten, ehe er Konzepte erstellt. Und da sind die üblichen sechs Monate Probezeit schnell um."
Wirtschaftsschüler zeigen Courage
Zertifikat als Schule ohne Rassismus: Jugendliche und Lehrer aktiv gegen DiskriminierungDie Staatliche Wirtschaftsschule ist ausgezeichnet als „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Gestern überreichte im Rahmen einer kleinen Feier die Landeskoordinatorin der gleichnamigen Aktion, Dr. Chong-Sook Kang, die Urkunde mit dem Prädikat. Damit sind nach dem Adalbert-Stifter-Gymnasium und der Berufsschule II drei Schulen der Stadt Passau für besonderes Engagement gegen Diskriminierung ausgezeichnet.
Wenn es um Ausgrenzung, Rassismus oder Mobbing geht, erfordert es in vielen Situationen mehr Mut, jemandem die Hand zu reichen als Gemeinheiten oder Hänseleien einer Gruppe schweigend hinzunehmen. Die Schüler der Wirtschaftsschule wollen das ändern. Unter anderem haben sie Regeln aufgestellt, damit keiner wegen seiner Hautfarbe, Nationalität, Religion oder eines sonstigen Andersseins schlecht behandelt wird.
Die Erziehung zu aufrechten, toleranten und offenen Demokraten sowie die Persönlichkeitsbildung sieht Schulleiter Dieter SchönbuchZertifikat als Schule ohne Rassismus: Jugendliche und Lehrer aktiv gegen Diskriminierung ner mit als Aufgabe der Schule. Denn dort, wo sich ein Mensch gegen negatives Gedankengut stemme, gewinne er an Persönlichkeit. Es gehe laut Schönbuchner nicht um eine große Show, sondern mehr um Kleinigkeiten. „Mäßig aber regelmäßig“ wolle die Schule daran arbeiten, dass die jungen Menschen den Mut aufbringen, gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung vorzugehen. Und Schönbuchner unterstrich seine Worte mit dem Goethe-Zitat: „Das Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter.“
Mit Aktionen gegen Rassismus werde das Ideal des Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Würde des Menschen garantieren soll, in die Praxis umgesetzt, meinte Staatssekretär Dr. Max Stadler, der die Patenschaft für die Staatliche Wirtschaftsschule im Rahmen der Zertifizierung übernommen hat.
Dass es bei der Würde des Menschen immer auch um die Würde aller Menschen auf der Erde gehen müsse, merkte Bürgermeister Urban Mangold an. Deshalb müsste man auch daran denken, wie Global Player die Würde vieler Menschen überall auf der Welt verletzen, indem sie diese ausbeuten und unter gesundheits- und lebensbedrohlichen Bedingungen arbeiten lassen, damit internationale Aktiengesellschaften Produkte billig auf den Markt werfen können. „Viel hat auch mit dem ganz persönlichen Lebensstil zu tun“, gab Mangold zu bedenken.
Die Notwendigkeit und die Bedeutung des Engagements an inzwischen 180 ausgezeichneten bayerischen Schulen hob die Landeskoordinatorin Dr. Chong-Sook Kang hervor, die meinte:. „Rechtsextremes Gedankengut ist nirgends in Deutschland so verbreitet wie in Bayern.“ 39 Prozent seien laut einer Studie der Meinung Deutschland sei überfremdet, 17 Prozent meinten demnach, der Nationalsozialismus hätte auch seine guten Seiten gehabt. - sah
''Wir brauchen eine Prüfung im Detail''
Innenminister der Länder beraten über Anti-Terror-Gesetze
Max Stadler im Gespräch mit Tobias Armbrüster
Die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlassenen Anti-Terror-Gesetze seien befristete Ausnahmeregelungen, deren Fortbestand und Modifizierung genau geprüft werden müsse, so Max Stadler von der FDP, Staatssekretär im Bundesjustizministerium.
Stadler: "Wir sind selbstverständlich auch dafür, dass die Sicherheitsbehörden das notwendige Instrumentarium haben, um uns zu schützen." Stadler: "Wir sind selbstverständlich auch dafür, dass die Sicherheitsbehörden das notwendige Instrumentarium haben, um uns zu schützen."
Tobias Armbrüster: In Berlin beraten die Innenminister der Länder heute gemeinsam mit Bundesinnenminister Friedrich über die Anti-Terror-Gesetze. Innerhalb der Koalition hat es dazu in den vergangenen Tagen eine Menge Krach gegeben. Der Grund dafür: Die FDP will die meisten dieser Gesetze, die alle nach dem 11. September erlassen wurden, auslaufen lassen, also abschaffen. Das wäre deshalb möglich, weil diese Gesetze nur befristet gelten. Die FDP fordert außerdem die Abschaffung des Militärischen Abschirmdienstes, kurz MAD. Beides wird von Innenpolitikern der Union entschieden abgelehnt. - Am Telefon ist jetzt Max Stadler, Staatssekretär im Bundesjustizministerium. Schönen guten Morgen, Herr Stadler.
Max Stadler: Guten Morgen!
Armbrüster: Herr Stadler, Anti-Terror-Gesetze sollen den Terrorismus bekämpfen und abwehren. Warum ist die FDP dagegen?
Stadler: Wir sind selbstverständlich auch dafür, dass die Sicherheitsbehörden das notwendige Instrumentarium haben, um uns zu schützen, aber die Anti-Terror-Gesetze sind erlassen worden als Sondergesetze nach den Anschlägen vom 11. September 2001, sie sind also Ausnahmeregelungen, die können nicht dauerhaft bestehen, sondern da muss man immer fragen, sind sie noch erforderlich, was haben die Bestimmungen im Einzelnen eigentlich gebracht, sind sie vielleicht nur in einer modifizierten Form mit besserem Rechtsschutz noch weiterhin richtig und …
Armbrüster: Und ist die Zeit des Terrorismus in Deutschland dann vorbei?
Stadler: Nein! Ich sage, das muss von Zeit zu Zeit immer wieder überprüft werden, und deswegen hat ja auch die Vorgängerregierung die Bestimmungen befristet. Sie laufen jetzt aus, im Januar 2012. Und der Sinn der Befristung liegt doch gerade darin, dass man prüft, ob die Vorschriften noch notwendig sind, und genau in diesen Prüfungsprozess sind wir jetzt eingetreten. Wir haben unsere Vorstellungen dazu vorgetragen. Der Bundesinnenminister wollte ursprünglich, dass alle diese Gesetze unbefristet weiter gelten sollen. Das ist nicht die richtige Herangehensweise, sondern wir brauchen eine Prüfung im Detail, und die werden wir jetzt vornehmen, ganz ruhig und sachlich.
Armbrüster: Aber Sie wollen doch, so habe ich es verstanden, die Gesetze zumindest zum Teil auslaufen lassen, also nicht erneut verlängern?
Stadler: Wir wollen einen Teil der Bestimmungen nicht verlängern, bei einem anderen Teil wären wir mit einer befristeten Weitergeltung einverstanden, damit sie dann erneut überprüft werden können, und es steht auch zur Debatte, dass der Rechtsschutz von Betroffenen verbessert wird und nur unter diesen Voraussetzungen manche Bestimmungen weiter gelten sollen. Wir müssen nämlich immer sehen: Wir reden hier nicht über Befugnisse der Polizei, wo es um konkrete Verdachtsmomente einer Straftat geht, sondern wir reden über Befugnisse der Nachrichtendienste. Die dürfen ja bekanntlich tätig werden weit im Vorfeld von konkreten Gefahren. Das heißt, hier betrifft es naturgemäß dann viele Menschen, die in Wahrheit sich später als nicht verdächtig erwiesen haben, und da muss beispielsweise bei den Benachrichtigungspflichten, dass die Betroffenen erfahren von Maßnahmen, von Überwachungsmaßnahmen, nachgebessert werden und beim Rechtsschutz und bei der parlamentarischen Kontrolle. All dieses ist im Moment nicht ausreichend, und das ist Teil des Gesamtpakets der Verhandlungen.
Armbrüster: Herr Stadler, die Union bezeichnet die Bedenken Ihrer Partei als "Phantomschmerzen". Ist die FDP immer ein bisschen zu empfindlich, wenn es um die innere Sicherheit in Deutschland geht?
Stadler: Noch einmal: Eine Herangehensweise, die einfach sagt, da sind Ausnahmebestimmungen einmal erlassen worden und die verlängern wir jetzt unbesehen, die kommt für eine Bürgerrechtspartei wie die FDP wirklich nicht infrage. Es ist ja gerade unsere Aufgabe, dass wir klären, ob Grundrechtseingriffe, die ja sehr in den privaten Bereich hineingehen, ob die noch berechtigt sind oder nicht. Ich nenne mal ein Beispiel, das jetzt in der öffentlichen Diskussion nicht so oft gesehen wird. Natürlich muss es Sicherheitsüberprüfungen geben von Personen, die in sicherheitsrelevanten Einrichtungen arbeiten, beispielsweise in Flughäfen und Ähnlichem. Aber wenn da jemand abgelehnt wird und er erfährt überhaupt nicht warum, und er bewirbt sich an einem anderen Arbeitsplatz und wird dort deswegen wieder nicht genommen, und er hat gar keine Chance, dass er vielleicht klarstellt, dass die Verdachtsmomente unberechtigt waren, dann ist das doch nicht in Ordnung, und da ist es Aufgabe einer Bürgerrechtspartei wie der FDP, für rechtsstaatlichere Regelungen zu sorgen.
Armbrüster: Die SPD, Herr Stadler, hat jetzt schon angeboten, dass sie der Union zur Seite springen könnte, um die Gesetze noch einmal gemeinsam durch den Bundestag zu bringen. Was würden Sie dazu sagen?
Stadler: Wir brauchen die SPD dabei nicht, sondern wir führen Verhandlungen mit dem Bundesinnenminister und diese Verhandlungen haben ja gerade erst begonnen. Wir haben überhaupt keinen Zeitdruck, denn die Bestimmungen laufen im Januar 2012 aus. Das heißt, es sind noch mehrere Monate Zeit, dass wir uns Punkt für Punkt all die strittigen Vorschriften ansehen, und ich bin sicher, dass wir innerhalb der Koalition dann zu einem Verhandlungsergebnis kommen, und das wird nicht so aussehen, dass die gesamten Anti-Terror-Gesetze unbesehen durchgewunken werden, sondern wir werden eine differenzierte Lösung erreichen.
Armbrüster: Max Stadler war das, Staatssekretär im Bundesjustizministerium. Besten Dank für das Gespräch, Herr Stadler.
Stadler: Ich danke.
Rathaus soll Bürger auf Organspende ansprechen
Max Stadler schlägt vor: Gute Gelegenheit wäre bei Abholung von Personalausweisen und FührerscheinenVon Thomas Seider
Behörden sollten offensiv auf die Bürger zugehen, um sie als mögliche Organspender zu gewinnen. Das hat sich der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, MdB Dr. Max Stadler (FDP), überlegt. Das Rathaus seiner Heimatstadt Passau könnte da ein gutes Beispiel geben, meint er.
Stadler hat sich mit einer Idee an OB Jürgen Dupper gewandt. „Ich habe heute gehört, dass in anderen Städten darüber nachgedacht wird, bestimmte Kontakte, die Bürger mit Behörden haben, dazu zu nutzen, um sie auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen“, schrieb er diese Woche dem Rathaus-Chef. Düsseldorf etwa diskutiert gerade darüber, bei der Ausgabe von Personalausweisen und Führerscheinen besonders auf die Möglichkeit hinzuweisen, einen Organspendeausweis auszufüllen. Bei diesen Behördenkontakten könnte den Bürgern zum Beispiel eine Aufklärungsbroschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung übergeben werden.
„Ich halte dies für eine gute Idee und rege an, dass wir auch in Passau künftig so verfahren, falls dies nicht ohnehin schon gängige Praxis ist“, schreibt der Staatssekretär und Stadtrat dem OB. Gängige Praxis ist die Werbung fürs Organspenden bei der Pass-Ausgabe noch nicht, sagt Duppers Sprecherin Karin Schmeller. Es werde aber sofort geprüft, ob der Vorschlag für die Stadt in Frage kommt.
Warum er den Weg über das Rathaus und andere Behörden geht, erklärt Max Stadler: „75 Prozent der Bevölkerung stehen der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber. Aber nur 25 Prozent besitzen einen Organspendeausweis.“ Deshalb komme der Information der Bevölkerung eine wesentliche Bedeutung zu, um die Bereitschaft zur Organspende und zur Ausstellung eines Spenderausweises zu erhöhen.
Werbung für die Organspende tut laut Justiz-Staatssekretär bitter Not. Derzeit warten 12 000 Menschen in Deutschland auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Bei der Zahl der Organspenden liegt Deutschland statistisch im europäischen Mittelfeld. Doch nach wie vor übersteigt die Zahl der Patienten, die dringend ein Organ benötigen, bei weitem die Zahl der gespendeten Organe.
Schon gehört, dass...
...FDP-Staatssekretär Dr. Max Stadler die ÖDP-Ankündigung, ein Volksbegehren wegen der Abschaltung von Isar 1 organisieren zu wollen, als „voreilig und damit als Kampf gegen Windmühlen” bezeichnet hat?„Nachdem alle Fraktionen im Bayerischen Landtag einschließlich der FDP sich klar dagegen ausgesprochen haben, das AKW Isar 1 nach Ablauf des Moratoriums wieder ans Netz zu nehmen, ist doch die Tendenz der endgültigen Entscheidung schon ziemlich klar”, meinte Stadler. Der Justizstaatssekretär bittet zugleich noch um ein wenig Geduld.
„Die Aktivitäten von Bürgermeister Urban Mangold in allen Ehren, aber CDU/CSU und FDP arbeiten bereits intensiv an den notwendigen Entscheidungen”, betont der Staatssekretär Stadler. Bereits in zwei Wochen mit dem Kabinettsbeschluss vom 6. Juni sollen demnach die Würfel fallen.
Stadtgespräch
Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler hat angehende Bereitschaftspolizisten aus dem Landkreis im Reichstag willkommen geheißen. Das 6. Ausbildungsseminar der II. Bereitschaftspolizeiabteilung in Eichstätt bildet Beamte für den mittleren Vollzugsdienst aus und führte letzte Woche mit 180 Personen aus ganz Bayern eine Studienfahrt nach Berlin durch. Stadler erfuhr, dass sich darunter einige Teilnehmer aus Tittling, Neukirchen vorm Wald, Obernzell, Hutthurm und Neuburg am Inn befanden. Obwohl die Gruppe erst abends um 21 Uhr eine Führung durch den Reichstag bekam, ließ es sich der Passauer FDP-Politiker nicht nehmen, als einziger Abgeordneter dazuzustoßen, die Gäste aus der Heimat zu begrüßen und kurz über die aktuellen Vorhaben des Bundesjustizministeriums zu berichten. Stadler betonte: „Die Passauer FDP fordert seit langem, den Personalmangel bei der Passauer Polizei zu beheben. Stadtrat Andreas Dittlmann hat eine entsprechende Resolution im Rathaus eingebracht. Wir würden uns alle freuen, wenn die angehenden Polizistinnen und Polizisten bald nach Abschluss ihrer Ausbildung Dienst in Passau tun dürften. Daher wollte ich meine Verbundenheit mit ihnen demonstrieren.“ - redFDP stellt Grundsätze für Zukunft des ländlichen Raumes vor
Fachgespräch in Passau mit Landtagsfraktionschef Hacker und den örtlichen Abgeordneten - Region stärken, um Abwanderung zu verhindernVon Theresia Wildfeuer
Hochschulen ausbauen, Wirtschaft fördern und so mehr Arbeitsplätze in der Region schaffen. Thomas Hacker, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, zeigte bei einem Fachgespräch in Passau zur Zukunft des ländlichen Raums die Schwerpunkte liberaler Politik in Bayern auf. „Die FDP will keine Region aufgeben oder abhängen“, sagte Hacker im Blick auf das Gutachten des Zukunftsrats, das den Ostbayern empfohlen hatte, sich nach Österreich zu orientieren.
„Es ist nicht die Meinung der FDP, die ganze Kraft auf die Ballungsgebiete zu konzentrieren“, sagte Hacker. Er lobte alternative Vermarktungsstrategien, wie sie etwa „mymuesli“ realisiert. Der ländliche Raum biete mit günstigen Mieträumen und Lebenshaltungskosten Vorteile für Betriebe.
„Wir brauchen auch Forschung und Entwicklung in der Region“, sagte Hacker. Es gebe zu geringe Investitionen in den Randlagen des Freistaats. Passau konkurriere nicht nur mit Straubing, Regensburg und Bayreuth, sondern müsse weltweit vorne dabei sein. Das Modell der FDP: durch Förderung der Wissenschaft die Unternehmen vor Ort stärken.
Eine Herausforderung sah Hacker in Bildung und Schule. Er plädierte für kleinere Klassen und den Erhalt von Kleinschulen. Klassenübergreifender Unterricht berge auch Chancen. Die Kooperation zwischen Haupt- und Realschulen, um mehr Kindern den mittleren Schulabschluss zu ermöglichen, sei ein Modell der FDP. Er warb für zusätzliche Realschulen.
MdB Dr. Max Stadler hob die hohe Lebensqualität des ländlichen Raums hervor. Er teilte die Sorge um genügend Arbeitsplätze für junge Menschen und empfand es als Glücksfall, dass die bayerische FDP das Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium führe. Begrüßenswert seien die Vorschläge zum Ausbau der Uni Passau für technische Studiengänge.
Die FDP arbeite zudem an der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur weiter, sagte Stadler. Als Fortschritt bezeichnete er den Ein-Stunden-Takt bei der Bahn. Die Bahnstrecke müsse jedoch schneller werden. Er plädierte dafür, die Verbindungen und wirtschaftlichen Verflechtungen zu Österreich und Tschechien auszubauen. Sie beflügelten den Wettbewerb, etwa auf dem Bankensektor. Auch bei der Verkehrsplanung gelte es, über den Tellerrand zu schauen und die Anbindungen zu verbessern.
MdL Franz-Xaver Kirschner trat für eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft ein. Ziel sei, junge Menschen hier zu halten, um Produkte herzustellen, die international gefragt sind. Auch Ärzte und Lehrer müssten bleiben. Als größtes Gut des ländlichen Raums wertete er die Arbeitsmoral der Menschen. Sie sei ein bedeutender Wettbewerbsvorteil. Die Menschen seien mit der Gegend verwurzelt, betrachteten die Unternehmen als Familie.
In der Diskussion mit FDP-Kreischef Korbinian Faltner ging es um schnelleres Internet. Hier sahen die FDP-Vertreter Handlungsbedarf. Sie mahnten ein freies letztes Kindergartenjahr und flächendeckende Ganztagsangebote in Schulen an. Kirschner rief die Unternehmen auf, Praktikumsstellen zu schaffen. Faltner bat Hacker, sich für mehr Polizisten einzusetzen.
Stadlers Gasthaus
Am 27. Juni 1902, so der Poststempel, hat Therese Holzerland aus der Innocentiastraße 80 in Hamburg-Harvestuhude eine Postkarte des Gasthauses Stadler erhalten (siehe unten). Vermutlich hat Holzerland gewusst, wer ihr die Karte geschickt hat, denn es finden sich neben ihrer Postadresse keine weiteren Anmerkungen oder Grüße. Die Karte wirbt in besonderer Weise für die Stadler‘sche Wirtschaft: Es zeigt den Baubeginn des Winterhafens im März 1901. Die Insel „Racklau“ wurde zu diesem Zweck zuerst mit einem aus Bierfässern gebauten Steg erschlossen. Diese Großbaustelle zog viele Besucher aus Nah und Fern an und auch nach Fertigstellung des Hafens im Juni 1902 kamen viele Hafen- und Schifffahrtsinteressierte. Anschließend − so die Postkartenidee der Gastwirts- und Realitätenbesitzerseheleute Max und Rosina Stadler, Auerbach, Gemeinde Haidenhof − solle ihre Wirtschaft zum „angenehmen Aufenthalt“ aufgesucht werden.Die Geschichte des Hauses Auerbach 11, heute Regensburger Straße 23, Gasthaus „Dubrovnik“, lässt sich bis zum Wirt Gabriel Pfaffenberger ins Jahr 1732 zurückverfolgen. 1882 stellt Josef Stadler an die Gemeinde Haidenhof das Gesuch „um die Bewilligung zum Betreiben einer Tafernwirtschaft“. Josef Stadler, der auch im Gemeinderat von Haidenhof sitzt, wurde die Genehmigung erteilt. Wie Johann Pimsner, der als Hauptlehrer in Auerbach wirkte, herausgefunden hat, hatten nicht alle Gemeinderatsmitglieder von Haidenhof die gleiche Stimmenanzahl. Der Gastwirt und Realitätenbesitzer Stadler verfügte über acht Stimmen, andere nur über eine oder vier Stimmen. Am 18. Januar 1901 kommt es im Sägewerk Zeban in Auerbach zu einem Großbrand. Das Gasthaus Stadler in unmittelbarer Nähe konnte durch den Einsatz der Feuerwehr gerade noch gerettet werden. Obwohl der Bierumsatz mit über 500 Hektoliter im Jahr hervorragend war, verkaufen Max und Rosina Stadler, die Großeltern des heutigen Staatssekretärs Dr. Max Stadler, das Haus mit Gaststätte an die Stockbauer-Brauerei.
Mit der Fertigstellung des Donaukraftwerks in unmittelbarer Nähe nannte sich das Wirtshaus ab 1927 „Zum Kachlet“. Auf Anregung von Johann Pimsner wurde die kleine Gasse zwischen Regensburger Straße und Stelzhamerstraße am 18. September 1985 mit „Stadlergasse“ benannt und damit der bedeutenden Auerbacher Familie ein kleines Denkmal gesetzt. − rmf
Innstraßen-Stau: Ampel soll helfen
Sind die Rekord-Studentenzahlen schuld? Stadtrat Andreas Dittlmann (FDP) hat beobachtet, dass sich in den vergangenen Tagen häufig Staus in der Innstraße bildeten, deren Ausgangspunkt der Fußgängerüberweg vor dem Nikolakloster ist. Er bittet in einem Antrag die Stadtverwaltung, die Situation prüfen zu lassen und im nächsten Ordnungsausschuss Lösungsvorschläge aufzuzeigen.„Eventuell muss dieser Überweg zumindest tagsüber mit einer Ampel ausgestattet werden“, findet Dittlmann. Der Überweg entwickle sich immer mehr zum Nadelöhr, da der Autofahrer hier bei einem fast permanenten Strom von Passanten den Fußgängern Vorrang gewähren muss. Eine Ampel könne auch gefährliche Situationen durch Radfahrer vermeiden helfen, die aus dem Torbogen des Nikolaklosters über den Fußgängerweg fahren, ohne auf den Straßenverkehr zu achten. - red
Gesunde Betriebe schmecken den FDP-Politikern
Eindrücke aus der betrieblichen Praxis hat eine Delegation der Passauer FDP zusammen mit Thomas Hacker, dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, in zwei Passauer Betrieben gesammelt.
„My Muesli“ und die Spenglerei Johann Haidl verkörpern die große Bandbreite heimischer Wirtschaft: Das Start-Up-Unternehmen dreier ehemaliger Studenten hier, die Handwerker-Firma dort. Beide grundsolide geführt, wie sich die Politiker überzeugten.
Max Wittrock und Philipp Craiss stellten ihre Müsli-Firma - die sie zusammen mit Hubertus Bessau betreiben - in ihrem Logistikzentrum in der Sperrwies vor. Vom Abfüllen in der WG-Küche ist man im Jahre fünf der Unternehmensgründung weit entfernt. 90 Mitarbeiter umfasst der Stab mittlerweile, „viele davon aber auf 400-Euro-Basis“, bemüht sich Wittrock um Relation. „In Passau sind die Bedingungen sehr gut“, erklärte er, warum das Trio nach dem Studium an der Uni Passau hier blieb.
Heimatverwurzelt ist auch die Firma von Spenglermeister Johann Haidl. Und hat Erfolg damit: „Wir leben von unseren Stammkunden“, erklärte der Firmenchef der Delegation, „und die erhält man sich nur, wenn man gute Arbeit abliefert.“ Neun Mitarbeiter umfasst die Firma nun, die auch in der Krise ihren Wachstumskurs fortsetzen konnte. Und weiter nach oben will: „Wir suchen Fachkräfte“, bestätigt Haidl. - dan
Ex-CSUler Dittlmann jetzt offiziell ein FDPler
Einstimmiges Ja im Stadtverbands-VorstandPassau - „In der Vorstandssitzung wurde Andreas Dittlmann durch einstimmigen Vorstandsbeschluss bei uns in der FDP aufgenommen“, sagte Stadtverbands-Vorsitzender Korbinian Faltner gestern mit Blick auf das Neumitglied, das ab 1992 16 Jahre für die CSU im Passauer Stadtrat gesessen war. „Wir freuen uns sehr, dass Andreas Dittlmann den Weg zu uns Liberalen gefunden hat und sind der Überzeugung, dass er uns und unsere Arbeit vor Ort bereichern wird.“
Seit der letzten Bundestagswahl habe man im Kreisverband dadurch, dass der langjährige CSU- und zwischenzeitliche Passauer Liste-Stadtrat Andreas Dittlmann (43) für MdB und Staatssekretär Dr. Max Stadler tätig ist, die Möglichkeit gehabt, ihn und seine Stärken kennen und schätzen zu lernen, sagt Faltner. „Zusammen mit unseren Mandatsträgern freuen wir uns auf die aktive Zusammenarbeit mit Andreas Dittlmann und werden vor Ort sehr gerne auf seine unbestrittene politische Erfahrung zurückgreifen.“ Aus den Händen von Bayerns FDP-Generalsekretärin MdB Miriam Gruß, die zu Gast bei FDP-MdB Dr. Max Stadler war, erhielt Dittlmann das Buch „Liberaler aus Leidenschaft“ von Karl-Hermann Flach (ehemaliger FDP-Generalsekretär Anfang der 70er Jahre) überreicht.
Der Kreisverband freue sich, dass entgegen dem kürzlich bekannt gewordenen FDP-Bundestrend neben Dittlmann noch drei weitere Mitglieder aufgenommen werden konnten. Über den aktuellen Mitgliederstand aber wolle man, so Faltner, ähnlich wie andere Passauer Parteien, keine Angaben machen. Nur so viel: „Gerade im letzten Jahr mussten auch wir Austritte verzeichnen. Diese hatten wir aber bereits vor den Eintritten am Samstag wieder ausgeglichen.“
FDP-Urgestein und soziales Gewissen
Elsbeth Sturm feiert 90. GeburtstagInitiatorin des Kinderschutzbundes und Seniorenbeirats - Dr. Max Stadler ihr politischer Ziehsohn
Von ihren Parteikollegen wird sie liebevoll „liberale Urgroßmutter“ genannt. Die Passauer Grande Dame der FDP, Elsbeth Sturm, hat dieser Tage ihren 90. Geburtstag gefeiert. Bereits in den 50er- Jahren des letzten Jahrhunderts hatte die damalige Architektin die FDP in Passau wieder aufgebaut. Zwischen 1979 und 1984 war sie im Passauer Stadtrat für ihre FDP vertreten.
In ihrem langen Leben war Elsbeth Sturm in höchstem Maße sozial und gesellschaftlich engagiert. So war sie Gründungsmitglied des Passauer Seniorenbeirats und des Passauer Kinderschutzbunds. In diesen beiden Institutionen war sie jeweils auch die erste Vorsitzende nach der Gründung. Politisch war Elsbeth Sturm lange Jahre Mitglied im Landesvorstand der FDP Bayern. Der jetzige Staatssekretär Dr. Max Stadler ist so etwas wie ihr politisches Ziehkind. „Es freut mich so zu sehen, was aus dem Max geworden ist und wie gut er seine Sache macht“ erzählte die rüstige Urgroßmutter ihren Parteifreunden, die sie an ihrem Geburtstag am Montag in ihrer Wohnung am Schönleitnerweg besuchten. Elsbeth Sturm führt dort nach wie vor allein ihren Haushalt und ist auch gesundheitlich noch in der Lage, sich selbst zu versorgen.
In den letzten Jahren ist es ruhig geworden um die Ehrenvorsitzende der Passauer Liberalen, doch das war einmal ganz anders. Elsbeth Sturm, die heute zurückgezogen lebt, war und ist eine energische und emanzipierte Frau. Das war die gebürtige Böhmerwäldlerin schon zu einer Zeit, als von Emanzipation noch keiner sprach. Nach dem Abitur 1938 studierte sie in München Architektur mit dem Diplom-Ingenieur als Abschluss. Nachdem das Münchner Büro ausgebombt war, arbeitete sie im thüringischen Saalfeld im Stadtbauamt. 1958 kam sie mit ihrem Mann nach Passau. Hier war sie nach der Geburt ihrer Tochter freischaffende Architektin. Gleichzeitig brachte sie in Passau vieles voran.
In den 60er-Jahren baute sie den damals nicht mehr existenten Kreisverband der FDP wieder auf. Von 1979 bis 1984 war sie Stadträtin. Vor allem die sozialen Belange lagen ihr am Herzen. Sie gründete den Ortsverein des Kinderschutzbunds, und auf ihre Initiative hin entstand der Seniorenbeirat. Mit ihrer Umtriebigkeit stieß Elsbeth Sturm in den 60er und 70er Jahren zunächst nicht nur auf Wohlwollen. Als Frau in der Politik und bei dieser Partei spürte sie Widerstand. „Wenn ich in einen Pornoverein gegangen wäre, hätte man mir das wahrscheinlich eher verziehen“, erzählt sie im Buch „. . . obwohl sie eine Frauensperson ist . . .“, in dem 1997 couragierte Passauerinnen porträtiert wurden.
Die Anerkennung für ihre Aktivitäten bekam Elsbeth Sturm erst später. Ihr Engagement auf lokaler und Landesebene brachte ihr unter anderem das Bundesverdienstkreuz, den Bayerischen Verdienstorden und den sozialen Ehrenbrief der Stadt Passau ein.
An der Stadt- und an der großen Bundespolitik ist Elsbeth Sturm noch immer interessiert. Sie ist durchaus stolz, was aus der Passauer FDP geworden ist. Und aus MdB Dr. Max Stadler, ihrem politischen Ziehkind. „Er ist ein Politiker, wie man sich ihn wünscht“, sagt Elsbeth Sturm über den Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär. „Einer von den Glaubwürdigen.“ Einer mit einer „wunderbaren Formulierungsgabe. Er bringt in drei Sätzen auf den Punkt, was andere in einer halben Stunde salbadern“, sagt sie. - ck/ez
Gebt ihnen ihr Recht
In ihrem epochalen Urteil schreiben die Karlsruher Richter den Politikern genau vor, wie die Sicherungsverwahrung zu regeln istVon Wolfgang Janisch
Dass Außergewöhnliches vor sich geht, konnte man bei der Verlesung des Tenors nur ahnen, vermutlich war es eine der längsten und unverständlichsten Urteilsformeln in der Geschichte des Bundesverfassungsgerichts. Quälende 11 Minuten lang zitierte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle dem geduldig stehenden Publikum im Karlsruher Gerichtssaal so ziemlich jeden Paragraphen, der seit anderthalb Jahrzehnten zum Thema Sicherungsverwahrung erlassen worden ist. Und weil die deutsche Grammatik die Auflösung immer ans Ende stellt, fiel das Wörtchen, das nicht weniger als einen Paradigmenwechsel bedeutet, erstmals nach 4 Minuten und 16 Sekunden: All dies sei mit dem Grundgesetz 'unvereinbar'.
Die Sicherungsverwahrung, das Schmuddelkind der deutschen Rechtspolitik, muss vollständig überarbeitet werden. Und sie darf nie mehr so ausschauen, wie sie vielfach bis heute aussieht: nach bloßem Verwahrvollzug, nach einem Abstellgleis, auf das man gefährliche Straftäter bis ans Ende ihrer Tage abschiebt. Mit einem neuen Gesamtkonzept müssen Bund und Länder die Sicherungsverwahrung auf Therapie und Behandlung ausrichten, mit anderen Worten: darauf, dass der Straftäter möglichst wieder freigelassen werden kann. 'Die Perspektive der Wiedererlangung der Freiheit muss sichtbar die Praxis der Unterbringung bestimmen', formulieren die Richter. Gerhard Schröders vielzitierte Forderung 'Wegsperren, und zwar für immer' ist damit höchstrichterlich atomisiert worden.
Zwar gehört Max Stadler zu denen, die den Karlsruher Spruch ausbaden müssen, dennoch jubelte der Staatssekretär aus dem Bundesjustizministerium, dies sei ein 'epochales Urteil'. Das ist nicht übertrieben. Denn was der Zweite Senat dem Bund und den Ländern bis ins Detail vorschreibt, kommt einer Revolution von oben gleich. Schon im Strafvollzug müssen die therapeutischen Bemühungen einsetzen, und spätestens nach dessen Ende - also wenn die Sicherungsverwahrung beginnt - muss der Betroffene untersucht, seine Gefährlichkeit analysiert und ein Maßnahmebündel geschnürt werden: berufliche Bildung, familiäre Kontakte, Psycho- oder Sozialtherapie, Arbeits- und Freizeitangebot - all das, was die Rückfallgefahr mindert und eine Entlassung wahrscheinlicher macht, muss zum Einsatz kommen. Derzeit schaut es da eher düster aus: Das Gericht zitiert Studien, wonach 80 Prozent der rund 500 Sicherungsverwahrten behandlungsbedürftig seien - doch nur 30 Prozent würden therapiert.
Dass der Zweite Senat einen modernen Behandlungsvollzug bis hinters Komma in eigener Hoheit dekretiert, hat natürlich auch mit dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zu tun, der die deutsche Sicherungsverwahrung 2009 als Etikettenschwindel bezeichnet und damit Politik sowie Gerichte auf Trab gebracht hatte. Den vom EGMR geforderten 'Abstand' zur Strafhaft - Sicherungsverwahrte haben ihre eigentliche Strafe ja schon verbüßt und deshalb Anspruch auf bessere und behandlungsorientierte Unterbringung - hatte Karlsruhe zwar bereits schon 2004 erwähnt, aber eben doch so leise, dass Bund und Länder getrost weghören konnten. Vor allem aber ist den Richtern in der Anschauung des - so nennt es Max Stadler - 'gesetzgeberischen Flickwerks' der vergangenen Jahre klar geworden, dass allein das Bundesverfassungsgericht hinreichend gegen populistischen Druck resistent ist, um den großen Wurf zu wagen; die Politik knickt regelmäßig ein, sobald der Ruf nach der harten Hand gegen Kinderschänder und Vergewaltiger ertönt. Da traf es sich gut, dass Herbert Landau - zusammen mit Voßkuhle federführender 'Berichterstatter' in dem Verfahren - als ehemaliger hessischer Justizstaatssekretär fachlich im Stoff war.
Freilich scheute auch Karlsruhe die allerletzte Konsequenz aus dem Straßburger Urteil - nämlich sämtliche rund 120 Sicherungsverwahrte auf freien Fuß zu setzen, die menschenrechtswidrig hinter Gittern sitzen. Einige Dutzend werden aber in den nächsten Monaten wohl freigelassen werden müssen, denn die Vorgaben für ihre weitere Verwahrung sind streng: Eine hochgradige Gefahr für schwerste Gewalt- oder Sexualstraftaten muss festgestellt werden, dazu eine 'psychische Störung'.
Für die Politik wird die Umsetzung der Karlsruher Vorgaben nicht leicht sein. Der Bund soll die Leitlinien vorgeben, allerdings sind die Länder seit der Föderalismusreform von 2006 für den Strafvollzug zuständig. Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) rief nach der Urteilsverkündung zur Kooperation auf: 'Es ist wichtig, dass Bund und Länder an einem Strang ziehen.'
Spannungsgeladen dürfte dabei vor allem die Zusammenarbeit mit den Finanzministern werden. Denn was Karlsruhe fordert, kostet Geld: Zusätzliches Personal muss her, außerdem Neubauten, weil Strafvollzug und Sicherungsverwahrung räumlich deutlicher getrennt werden müssen. Merk veranschlagt allein den geplanten Neubau der Justizvollzugsanstalt Straubing mit 20 Millionen Euro.
Der eigentliche Auslöser des Verfahrens - der umtriebige EGMR aus Straßburg - wird in dem Urteil mit einigen schmallippigen Freundlichkeiten auf Distanz gehalten. Dessen Entscheidungen hätten eine 'jedenfalls faktische Orientierungs- und Leitfunktion' und seien als 'Auslegungshilfen' zu berücksichtigen, natürlich nur, wenn sie dem deutschen Grundrechtsschutz nicht abträglich seien. Dabei wäre auch ein wenig Dankbarkeit angezeigt: Ohne den Anstoß aus Straßburg wäre Schröders Wegsperr-Doktrin immer noch in Kraft.
Bundesverfassungsgericht kippt Sicherungsverwahrung
Verwahren, nicht wegsperrenVon Wolfgang Janisch, Karlsruhe
"Die Wiedererlangung der Freiheit muss die Praxis der Unterbringung bestimmen": Das Bundesverfassungsgericht hat die Sicherungsverwahrung für verfassungswidrig erklärt. Allerdings führt die Karlsruher Entscheidung nicht zu einem Entlassungs-Automatismus: Bis der Gesetzgeber neue Regelungen geschaffen hat, gelten die alten Vorschriften weiter - mit strengen Vorgaben.
Die Sicherungsverwahrung muss nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts komplett neu geregelt werden. Sowohl die früheren als auch die jüngst reformierten Vorschriften, nach denen gefährliche Straftäter über den eigentlichen Entlassungstermin hinaus eingesperrt werden können, verletzen das Grundrecht auf Freiheit, entschied der Zweite Senat.
Für eine Neuregelung hat der Gesetzgeber zwei Jahre Zeit, bis dahin gelten die alten Vorschriften weiter - allerdings mit strengen Vorgaben: "Hochgefährliche Straftäter dürfen unter engen Voraussetzungen weiter verwahrt werden, die anderen müssen freigelassen werden", sagte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle bei der Urteilsverkündung. Bei der Reform müssen Bund und Länder ein Gesamtkonzept für einen "freiheitsorientierten und therapiegerichteten Vollzug" schaffen.
Damit reagierte das Gericht auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR). Der Straßburger Gerichtshof hatte den nachträglichen Wegfall der zehnjährigen Höchstdauer, die bis 1998 für die Sicherungsverwahrung galt, als Verstoß gegen das Rückwirkungsverbot gerügt. Anders als das deutsche Recht stufte er die Sicherungsverwahrung als Strafe ein, weil sich ihr Vollzug in der Praxis kaum von der Strafhaft unterscheide. Betroffen von dem Straßburger Urteil sind etwa 120 Straftäter, deren Sicherungsverwahrung bereits vor 1998 verhängt worden war; mehr als 30 davon wurden bereits auf freien Fuß gesetzt.
Die Karlsruher Entscheidung führt nicht zu einem Entlassungs-Automatismus. Urteile des EGMR dienten zwar als "Auslegungshilfe" für das Grundgesetz, seien aber nicht schematisch umzusetzen. Von der Straßburger Entscheidung betroffene Straftäter können allerdings nur dann weiter in Verwahrung bleiben, wenn aus konkreten Umständen eine "hochgradige Gefahr schwerster Gewalt- oder Sexualstraftaten" abzuleiten ist und sie an einer "psychischen Störung" leiden, wie dies im seit Anfang des Jahres geltenden Therapieunterbringungsgesetz vorgeschrieben ist. Diese deutlich strengeren Voraussetzungen dürfte nur ein Teil der Sicherungsverwahrten erfüllen, so dass mit weiteren Entlassungen zu rechnen ist. Die Gerichte müssen dies "unverzüglich" prüfen, sonst müssen die Betroffenen bis zum Jahresende entlassen werden.
Eine Neuregelung der Sicherungsverwahrung ist nach dem Urteil nur zulässig, wenn der Freiheitsentzug sehr viel stärker als bisher auf Behandlung und Therapie ausgerichtet ist als der normale Strafvollzug. Dieses "Abstandsgebot" hatte das Gericht bereits 2004 formuliert. Ziel müsse sein, die von dem Untergebrachten ausgehende Gefahr zu verringern und dadurch die Dauer der Freiheitsentziehung auf das unbedingt erforderliche Maß zu reduzieren.
"Die Perspektive der Wiedererlangung der Freiheit muss sichtbar die Praxis der Unterbringung bestimmen", befanden die Richter. Dazu macht das Urteil detaillierte Vorgaben: Therapien müssten schon im Strafvollzug beginnen und möglichst vor Strafende abgeschlossen sein.
Bei Beginn der Sicherungsverwahrung müsse ein Vollzugsplan mit einer "realistischen Entlassungsperspektive" aufgestellt werden. Notwendig seien vom Strafvollzug getrennte Gebäude, Möglichkeiten für soziale Kontakte nach draußen sowie Vollzugslockerungen zur Vorbereitung der Entlassung. Der Senat - federführend waren Andreas Voßkuhle und Herbert Landau - erinnerte eindringlich daran, dass die Sicherungsverwahrung allein präventiven Zwecken diene und nicht, wie die Strafhaft, der Vergeltung schuldhaft begangener Taten.
Max Stadler, FDP-Staatssekretär im Bundesjustizministerium, wertete die Entscheidung positiv. Die Freiheitsentziehung sei danach das "letzte Mittel" - dies sei ein zentraler Leitgedanke auch der jüngsten Reform der Sicherungsverwahrung gewesen. Das Urteil habe gezeigt, dass das über Jahre hinweg vom Gesetzgeber produzierte "Flickwerk" bei der Sicherungsverwahrung nicht haltbar sei. Auch Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) begrüßte das Urteil: "In einer schwierigen Frage wurde jetzt endlich Klarheit geschaffen", sagte der Minister in Hannover.
Die beiden großen Polizeigewerkschaften DPolG und GdP bedauerten den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts hingegen - und wiesen auf die Folgen des Urteils hin. Aufgrund der Entscheidung könne es zu weiteren Freilassungen kommen, die die Polizei vor enorme Probleme stellten, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Hermann Benker, in Berlin. In letzter Konsequenz seien die Freiheitsrechte der Betroffenen über die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung gestellt worden. Es gehe hier immerhin um "extrem gefährliche Straftäter" und "nicht um Eierdiebe".
Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) forderte den Bundesgesetzgeber auf, sich "schnellstmöglich" mit den Ländern zusammenzusetzen, um die Konsequenzen des Urteils abstimmen zu können.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sieht die jüngste Reform der Sicherungsverwahrung indes durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bestätigt. Die Karlsruher Richter hätten die zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Regelungen nicht infrage gestellt, erklärte sie in Berlin. Jedoch seien Bund und Länder nun gefordert, dafür zu sorgen, dass sich Strafhaft und Sicherungsverwahrung stärker voneinander unterscheiden. Das Gericht habe vor allem angemahnt, dass die Sicherungsverwahrung mehr Therapieangebote für die Täter beinhalten müsse.
Stadträte live im Internet: Beschluss vertagt
Lebhafte und sachliche Diskussion - OB Dupper dünnhäutigVon Christian Karl
„Das war ja jetzt eigentlich die beste Werbung für interessante Debatten live im Internet“, meinte CSU-Stadtrat Armin Dickl gestern am Ende einer gut einstündigen sachlichen und sachdienlichen Debatte im Verwaltungsausschuss. Am Ende aber wurde ein Beschluss über einen Antrag von Dr. Max Stadler, Stadtratssitzungen in Zukunft live im Internet zu übertragen, vertagt. Zuerst wolle man dieses sensible Thema nochmals in den Fraktionen diskutieren.
OB Jürgen Dupper müsste mit seiner Eloquenz und Schlagfertigkeit eigentlich die wenigsten Berührungsängste mit der modernen Medien-Variante haben. Der Rathaus-Chef aber machte sich die Gegenargumente zueigen, die die Verwaltung erarbeitete und die OB-Sprecher Herbert Zillinger auflistete: stets die Einholung der Zustimmung bei allen Livemitschnitt-Beteiligten, Ausblendung der Zuhörer-Reihen, Haftungsprobleme bei fahrlässiger Kundgabe nichtöffentlicher Daten, Probleme bei der technischen Machbarkeit. Vor allem aber erwähnte Zillinger den Druck, der auf städtischen Bediensteten bei Live-Mitschnitten liege und der auch den Personalrat im Rathaus zur strikten Ablehnung bewegte. Und außerdem die drohenden Kosten, die sich bei halbwegs kompetenten Kamerateams und bei 100 jährlichen Sitzungen zwischen 100 000 und 300 000 Euro bewegen würden. „Das hat nichts mit mehr Transparenz zu tun, sondern mit Unterstützung der Faulheit derjenigen, die den Weg ins Rathaus nicht finden“, meinte Jürgen Dupper ungewohnt dünnhäutig mit Blick auf die ohnehin vorhandene Möglichkeit, als Zuhörer stets öffentliche Sitzungen zu verfolgen.
Antragsteller Dr. Max Stadler dankte für die „Argumente, die man ernst nehmen sollte“. Aber der Justiz-Staatssekretär pochte trotzdem auf das Ansinnen, mit dem man unter Bayerns Kommunen eine Vorreiterrolle übernehmen würde. Die Gegenargumente seien nicht so stichhaltig, als dass man das Experiment nicht probieren sollte. „In zehn Jahren würde die Debatte so sicher nicht mehr stattfinden“, meinte der FDP-Stadtrat und verwies auf die modernen Techniken. „Für viele, die nicht die Möglichkeit zur Teilnahme an Stadtratssitzungen haben, wäre es eine zusätzliche Möglichkeit“, konterte Stadler das „Faulheit“-Argument Duppers. Stadler könne sich in seiner langjährigen Stadtrats-Tätigkeit bis auf eine Ausnahme auch nicht erinnern, dass irgendwann jemand eine Zustimmung zu Foto- und TV-Aufnahmen verweigerte. Allerdings ließ Stadler die Einwände „Kosten und gewisse Umstände“ gelten und plädierte deswegen für eine Probephase in zwei Sitzungssälen. „Die Praxis wird dann zeigen, ob wir es ausbauen sollen.“
Erika Träger (Grüne) konnte sich Stadlers Argumentation anschließen, pochte aber vor einem Probelauf auf eine Vertagung, um die Thematik „Kosten-Nutzen“ nochmals parteiintern zu beraten. SPD-Fraktions-Chef Markus Sturm meinte mit Blick auf den Auftritt Rathaus-Bediensteter in Sitzungen, „die Interessen der Betroffenen sind vorrangig zu behandeln“. Zudem zeigte er sich mit der aktuellen Berichterstattung aus den Sitzungen durchaus zufrieden. Hier würde auch kein Betroffener mal vorgeführt, wie es passieren könnte, wenn Live-Mitschnitte später mal im Internet-Portal YouTube landen würden. Zudem bliebe es jedem Stadtrat unbenommen, seine Redebeiträge freiwillig ins Internet zu stellen. Armin Dickl (CSU) meinte, man solle keine Angst schüren vor dem „großen Riesen“ Internet. „Mit unseren Sitzungen werden wir wohl kein Interesse in Afrika schüren können“, so der Jung-Stadtrat, der das Ansinnen als „Beitrag zur möglichen Steigerung des Polit-Interesses der Bürger“ sieht. Das Vorhaben aber wird nun zuerst nochmal parteiintern erörtert, ehe es wieder auf der Tagesordnung landet.
ASG-Schüler beim „Red Hand Day“ dabei
„Auf Initiative von Studiendirektorin Andrea Carl beteiligten sich die Schüler der Klasse 6a/e des Adalbert-Stifter-Gymnasiums am internationalen „Red Hand Day“. Dieser Tag ist der Durchsetzung der Kinderrechte gewidmet. Die ASG-Schüler setzten sich besonders mit der Thematik der „Kindersoldaten“ auseinander und übergaben die Ergebnisse ihrer Arbeit in Anwesenheit von Oberstudiendirektor Guntram Kraus an Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Max Stadler. Der Passauer FDP-Politiker lobte das Engagement der Klasse und machte darauf aufmerksam, dass es Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gelungen sei, Bedenken gegen die UN-Kinderrechtskonvention auszuräumen. Daraufhin habe die Bundesrepublik im letzten Jahr endlich nach langem Zögern die Vorbehalte gegen diese Konvention offiziell zurückgenommen.Darf Passauer Politik live im Internet erscheinen?
Stadträte diskutieren am Montag über Stadler-Antrag - Verwaltung spricht sich klar dagegen aus, Fraktionen eher dafürVon Christian Karl
Soll jedermann am Computer Passauer Politik live miterleben können? Über diese Möglichkeit, die vor allem Antragsteller und FDP-Stadtrat Dr. Max Stadler gutheißt, diskutieren und beschließen die potenziellen Hauptdarsteller von Internet-Übertragungen am kommenden Montag. Die Verwaltung ist aus mehreren Gründen gegen dieses Vorhaben, mit dem die Stadt ein Vorreiter in Bayern wäre. Auf Seiten der Stadträte aber deutet sich eher Zustimmung an.
Die Gegenargumente, die von der Verwaltung vorgebracht werden, sind vielfältig: Da gäbe es zunächst den rechtlichen Aspekt. Der Landesdatenschutz-Beauftragte nämlich legt nahe, dass Sitzungsbeiträge von Stadträten oder Bediensteten im Internet nur zulässig seien, wenn diese der Übertragung ausdrücklich zugestimmt haben. Der Personalrat habe sich ausdrücklich gegen eine solche Übertragung ausgesprochen, auch weil er Bedienstete unter Druck gesetzt sieht. Auch könnten in einer Sitzung fahrlässig Tatsachen genannt werden, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht seien, was schnell zu haftungsrechtlichen Ansprüchen führen könnte. Im Rathaus sehe man zudem den großen technischen und auch finanziellen Aufwand für solche Live-Übertragungen. Eine installierte Webcam würde eher unbefriedigende Aufnahmen bieten. Ein professionelles Kamerateam würde bei 100 Sitzungen pro Jahr mit bis zu 300 000 Euro zu Buche schlagen, wie Anfragen ergaben.
„Es ist richtig, dass Livestream-Übertragungen mit einem gewissen Aufwand verbunden sind. Aber sie würden interessierten Bürgern eine zusätzliche Informationsquelle bieten“, meint Dr. Max Stadler (FDP/PaL). „Wer nicht Zeit hat, sich eigens als Zuhörer ins Rathaus zu begeben, könnte dann doch online Stadtratssitzungen verfolgen. Damit wäre wieder ein Stück mehr Transparenz in der Kommunalpolitik verbunden. Deshalb sollte Passau eine Vorreiterrolle bei der Nutzung dieser neuen technischen Möglichkeit einnehmen.“
„Die CSU-Fraktion kann sich eine Livestream-Übertragung von Stadtratssitzungen durchaus vorstellen“, gibt Sprecher Armin Dickl die Meinung seiner Kollegen wieder. „Die Politik sollte näher am Menschen stattfinden, dies könnte dabei helfen, Vorurteile gegenüber der Politik im Allgemeinen abzubauen. Sollte sich die Realisierung in einem finanziell überschaubarem Rahmen darstellen, sollte man das Ganze als einen Beitrag zur Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz-Steigerung sehen.“ Das Argument, man würde dabei den Druck auf die Beteiligten erhöhe, will Dickl nicht gelten lassen, „denn jeder interessierte Bürger hat schon jetzt die Möglichkeit, an öffentlichen Stadtratssitzungen teilzunehmen“. Aber nicht jeder habe unter der Woche um 16.15 Uhr die Zeit, ins Rathaus zu fahren.
„Wir haben unterschiedliche Tendenzen in der Fraktion und noch keine abschließende Mehrheitsmeinung. Unabhängig davon aber: Ich bin eher dagegen“, meinte Manfred Springinklee, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD. „Wenn die Presse mit im Raum ist, dauern Sitzungen oft schon länger, weil bestimmte Kollegen dann unbedingt auch ihre Statements noch abgeben müssen. Ich weiß nicht, ob das der sachdienlichen Politik so zuträglich ist und fürchte, dass die Selbstdarstellung dadurch eher noch zunimmt. Vieles wird da sicher dann drei-, viermal wiedergekaut.“
„Mit Ausnahme von Fraktionskollege und Bürgermeister Urban Mangold, der eine Livestreamübertragung positiv findet, gibt es seitens der restlichen Fraktionsmitglieder vielfältige Bedenken zu Live-Übertragungen aus dem Plenum“, erklärt ÖDP-Fraktions-Chef Paul Kastner. „Bedenklich werden die zu erwartenden hohen Kosten sowie die rechtlichen Aspekte bezüglich des Datenschutzes und die Gefährdung der Persönlichkeitsrechte Einzelner gesehen. Es besteht aber auch die Gefahr, dass Stadtrats-Debatten zu Showveranstaltungen Einzelner verkommen. Dass die FDP/Passauer Liste mit Internetübertragungen ohnehin öffentlicher Diskussionen vorgibt, für Transparenz zu kämpfen, erstaunt uns. Gerade aus dieser Fraktion kam der größte Widerstand gegen die Zulassung der Öffentlichkeit bei den GmbH-Sitzungen.“
„Die Fraktion der Grünen ist der Meinung - und war dies immer schon -, dass Bürger ein Anrecht auf Informationen haben, die kommunalpolitischen Inhalts sind. Schließlich ist es ihre und unsere Stadt und wir sind die gewählten Vertreter, die Entscheidungen fällen“, meint Erika Träger. „Ich kann mir vorstellen, dass es für den Bürger durchaus von Interesse ist, zu sehen, wie sich einzelne Politiker und Politikerinnen Entscheidungen stellen.“ Vorab aber gelte es laut der Grünen-Fraktions-Chefin, die Kostenfrage abzuklären. „Ein grundsätzliches Ja zum Antrag der FDP. Jedoch besteht durchaus noch Klärungsbedarf. Deshalb wird von meiner Seite ein Antrag auf Verweisung in die Fraktion zu erwarten sein.“
„Die sich seit langem für größtmögliche Öffentlichkeit der Stadtratsarbeit einsetzende FWG-Fraktion sieht in Live-Übertragungen der Stadtrats-Sitzungen grundsätzlich einen Beitrag zur schnellen, aktuellen und objektiv-umfassenden Information der an kommunalen Entscheidungsprozessen interessierten Bürger“, sagt Alois Feuerer. „Der Bürger könnte sich dabei selbst ein Bild von der Argumentation und der Haltung der Stadträte wie auch von Seiten der Bürgermeister und der Verwaltung machen.“ Allerdings habe die Sache für Feuerer nach derzeitig vorliegenden Informationen einen großen Nachteil: „Die dabei entstehenden hohen Kosten, die momentan - bei fragwürdiger Kosten-Nutzen-Relation - eine nicht unerhebliche Belastung für den Stadtsäckel bedeuten und an anderer Stelle wieder fehlen würden.“
Stadtgespräch
Justizstaatsekretär Dr. Max Stadler hat am gestrigen Dienstag eine ebenso ehrenvolle wie wichtige Aufgabe wahrgenommen: Der Passauer FDP-Politiker leitete die deutsche Delegation bei einer Konferenz des Europarates in Izmir. Thema war die Reform des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Die Straßburger Richter leisten einen entscheidenden Beitrag für den Schutz der Grund- und Menschenrechte in Europa. Wegen der großen Zahl an Eingaben dauern aber manche Verfahren bis zu acht Jahren. Es ist dringend erforderlich, die Dauer der Prozesse zu verkürzen und den Menschenrechtsschutz effektiver auszugestalten. Den Auftrag hierfür erteilte im vorigen Jahr unter Mitwirkung von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Konferenz von Interlaken. In der Türkei wurde nun über die Zwischenergebnisse der Reformbemühungen beraten. - redPlenum live im Netz: Antrag der FDP sollabgeschmettert werden - Angst vor zu viel Öffentlichkeit? Stadt will Internet-Übertragungen verhindern
von SEBASTIAN DAIMINGER
Wo bleibt die neue Transparenz im Rathaus, die OB Jürgen Dupper (SPD) und sein Vize Urban Mangold (ÖDP) vor ihrer Wahl so gerne predigten? Das Thema scheint aktuell etwas unliebsam geworden. Es geht um die geplante Live-Übertragung von Stadtratssitzungen im Netz. Der Plan: Mehr Bürgerbeteiligung durch mehr Information via Internet. Die FDP brachte diese Idee im Dezember letzten Jahres per Antrag ein. Die Stadt selbst ist nun redlich bemüht, das Thema im nächsten Ausschuss für Verwaltung und Personal (2. Mai) abzuschmettern. In einer fünfseitigen Beschlussvorlage ergießt sich die Rathausspitze in Gegenargumenten und versucht sich mit juristischen Finessen und viel Bedenkenträgerei geschickt rauszuwinden.
So finden die Verantwortlichen gleich mehrere Gründe, warum die Räte dem Antrag für mehr Transparenz bei Stadtratssitzungen nicht zustimmen sollten. Vor allem habe man rechtliche Bedenken, weil Stadtratsmitglieder und Referenten aus der Verwaltung einer Übertragung der Sitzungen im Internet ausdrücklich zustimmen müssten. So eine Entscheidung könne bei manchen „psychischen Druck“ auslösen. In der Beschlussvorlage heißt es: „Rückfragen bei den Bediensteten der Stadtverwaltung haben so gut wie ausschließlich negative Rückmeldungen ergeben.“ Der Personalrat gab zu bedenken: „Ich sehe unser Personal Drucksituationen ausgesetzt, sollte der Stadtrat einstimmig zustimmen.“ Sonderbar nur, dass Beförderungen und finanzielle Zulagen diverser Stadtbediensteter gerne damit begründet werden, dass diese schließlich stärker in der Öffentlichkeit stehen.
Ein Stadtratsmitglied sagte gegenüber der AS: „Offenbar haben da einige Angst, dass sie künftig intensiver kontrolliert werden, wenn sie Halbwahrheiten oder fachlichen Müll von sich geben!“ Ähnliches befürchtet man offenbar auch bei der Stadt - formuliert es nur anders: „Sollten in einer öffentlichen Sitzung rein fahrlässig bestimmte Tatsachen genannt werden, die für die Öffentlichkeit nicht bestimmt sind, kann dies schnell zu haftungsrechtlichen Ansprüchen führen.“
Weitere Begründungen der Stadt gegen die Live-Übertragungen im Internet: Technisch sei die Sache schwer umsetzbar und teuer. Die Installation einer festen Webcam an der Decke sei für eine Bildübertragung zu statisch. Die Beauftragung einer Spezialfirma würde hingegen 300 000 Euro pro Jahr kosten. Der Lokalsender TRP1 habe allerdings angeboten, für 1050 Euro pro Sitzung eine Übertragung zu ermöglichen, plus einer einmaligen Gebühr von zusätzlich 6500 Euro. Offenbar hat die Stadt Passau keine Lust, in der Sache eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Die negative Einstellung wird auch damit begründet, dass noch keine andere kreisfreie Stadt in Bayern derzeit Live-Debatten ihres Plenums weltweit ins Internet stellt.
Justiz-Staatssekretär Max Stadler (FDP) sagte gestern zur AS: „Die Gegenargumente überzeugen mich nicht. Da wir nur von öffentlichen Sitzungen reden, sehe ich juristisch kein Problem. Ich denke, die Verantwortlichen haben nur Sorge vor etwas Neuem und dem damit verbundenen Aufwand.“
In eine ähnliche Richtung schießt sein neuer Parteikollege: „Offenbar will man Transparenz immer nur dort haben, wo man sie selbst brauchen kann“, frotzelt FDP-Mitglied Andreas Dittlmann und nimmt dabei vor allem Transparenz-Verfechter Urban Mangold (ÖDP) ins Visier. Dieser erklärte: „Ich bin grundsätzlich nicht gegen den Vorschlag, möchte mich aber noch mit meiner Fraktion beraten. Mit Transparenz hat das für mich aber nichts zu tun. Denn schon jetzt kann ja jeder Bürger die öffentlichen Sitzungen besuchen.“n
CSU-Herkunft, PaL-Intermezzo, FDP-Zukunft
Andreas Dittlmann tritt den Stadt-Liberalen bei - Aus "liberalem Konservativen" wir "konservativer Liberaler"Von Christian Karl
„Wer weiß, ob sie sich das mit mir antun wollen. Vielleicht nehmen sie mich ja gar nicht“, sagt Andreas Dittlmann und muss lachen. Man merkt dem langjährigen und für seine direkte Art bekannten Stadtrat an, dass er es nicht gewohnt ist, auf eine Antwort länger zu warten. Seinen Teil, den FDP-Aufnahmeantrag abzuschicken, hat er auf alle Fälle beigetragen. Jetzt muss der FDP-Stadtverband in seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung entscheiden, ob sie den kritisch-eloquenten Lokalpolitiker aufnimmt, der zuvor 16 Jahre für die CSU im Plenum saß. Der Vollzug ist dem Vernehmen nach aber so gut wie sicher.
„Viele gehen ja eh schon länger davon aus, dass ich bei der FDP bin. So oft, wie ich mich zuletzt auch auf der Straße wegen FDP-Dingen rechtfertigen und erklären habe dürfen und müssen“, meint der 42-Jährige und spielt damit darauf an, dass ihm die Partei bereits sehr ans Herz gewachsen ist - oder vielmehr der Hauptdarsteller der regionalen FDP. Für Staatssekretär Dr. Max Stadler, den er privat wie politisch sehr schätzt, machte er bereits im Sommer 2009 Bundestagswahlkampf. Mit ihm teilt er auch das neue Passauer FDP-Büro in der Bahnhofstraße. Just in dem ihm bestens bekannten Haus, wo Jahrzehnte lang auch das spielzeugreiche Familienunternehmen Dittlmann daheim war. Warum jetzt der offizielle Schritt zur FDP? Gerade jetzt, wo die Partei bundesweit wenig Lob und Lorbeeren einheimst und in Umfragen auf beängstigende 3 Prozent abgesackt ist? „Das klingt jetzt vielleicht ziemlich unglaubwürdig. Aber als die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke zurückgenommen wurde, ist das Argument, das für mich immer gegen die FDP gesprochen hat, weggefallen“, sagte Dittlmann. „Und außerdem hat mich dann der Max bei der Ehre gepackt und gemeint, ich könne nicht immer nur mosern, sondern müsse auch mal Verantwortung in der Partei übernehmen und gefälligst mitarbeiten.“ Wenige Tage darauf wurde der Mitgliedsantrag ausgefüllt und abgeschickt. „Wenn ich nach dem Hype und nach der Bundestagswahl zur FDP gegangen wäre, hätte man mir den Vorwurf machen können, Karriere machen zu wollen. Das dürfte ja jetzt, bei den aktuellen Umfragewerten, wohl obsolet sein.“
16 Jahre lang war Dittlmann seit 1992 für die CSU im Stadtrat gesessen - am Ende durchaus mit Optionen wie Fraktions-Chef oder Bürgermeister. Nach dem bitteren Mehrheits- und OB-Sesselverlust 2008, einem verspielten Bürgermeister-Posten, für den auch er gehandelt worden wäre, und dem für ihn in seiner Partei nicht erkennbaren Generationswechsel hat Dittlmann zusammen mit vier CSU-Kollegen die Fraktion verlassen und die Nähe zur Wählergruppierung Passauer Liste und deren Fraktionsgemeinschaft mit der FDP gesucht. 2009 hat er auch sein CSU-Parteibuch abgegeben.
„Ja, bei diesem Thema bin ich gar nicht so weit von den Grünen weg“, sagt Dittlmann angesprochen darauf, dass er mit dem vorher erwähnten Atomausstiegs-Argument eigentlich bei der Öko-Partei hätte unterschreiben müssen. „Der Höhenflug der Grünen wegen der Sicherheitsdebatte nach den Vorfällen in Japan ist sicher berechtigt. Aber es gibt halt auch etliche Punkte im Parteiprogramm der Grünen, die nicht unbedingt ein Viertel Zustimmung
der Bevölkerung finden. Da ist vieles mit meiner Sicht nicht vereinbar.“ Unvereinbar ist für ihn - bundespolitisch - aber auch die aktuelle Linie der Union, die ihm unter Merkel und Seehofer zu linkslastig geworden ist. Unions-Politik, wie sie der mittlerweile von Merkel entmachtete Friedrich Merz vorangetrieben hatte, wäre hingegen durchaus im Sinne Dittlmanns gewesen. „Ich war immer auch ein liberaler Konservativer. Und demnächst wahrscheinlich ein konservativer Liberaler. Vor allem wenn es um die Eigenverantwortung der Bürger, Stärkung der Bürgerrechte, Schuldenabbau und wirkliche Mittelstandspolitik geht - alles, für was die FDP nach wie vor steht.“
„Zuletzt war ich parteilos, aber schon sehr FDP-affin“, sagt der Lokalpolitiker, der in Passau nicht nur wegen seiner Unternehmervergangenheit, sondern auch seines Ehrenamts als Stadtbrandinspektor bekannt ist. Aus der Wählergruppierung der Passauer Liste, die mit fünf Köpfen im Stadtrat sitzt, muss Dittlmann jetzt aber nicht offiziell austreten. „Dort sitzen ja auch Parteilose und auch zwei Kolleginnen mit CSU-Parteibuch“, verweist der FDPler in spe auf die politische Interessengemeinschaft, die den vier enttäuschten CSUlern vor zweieinhalb Jahren als willkommenes Auffangbecken diente. „Es wird sich da jetzt auch nicht viel ändern, wir sind ja nach wie vor eine gemeinsame Fraktion mit gemeinsamen Sachthemen. Aber bei FDP-Diskussionen kann ich halt jetzt, als Mitglied, meinen Mund etwas mehr aufmachen.“ Und freilich liegt auch die Frage nahe, ob sich der bereits bei der CSU oft als Hoffnungsträger Gehandelte jetzt mehr Chancen auf höhere Ämter wie Bürgermeister oder gar OB ausrechnet. „Das mit den Ämtern ist immer von den Medien aufgebracht worden, nie von mir. OB Jürgen Dupper macht doch bis jetzt einen guten Job. Und wenn man so ein Amt anstreben würde, müsste man der festen Überzeugung sein, dass man es besser machen würde als der, der es momentan ausübt“, sagt Dittlmann in einer Art, wie es FDP-Granden wie Hans-Dietrich Genscher und Walter Scheel nicht diplomatischer hätten ausdrücken können.
Rösler und die Rolle der Kurorte
Delegation des Heilbäderverbandes zu Gesprächen in BerlinBad Füssing. Die Kur hat Zukunft - mit dieser Erkenntnis sind Kurdirektor Rudolf Weinberger und Bürgermeister Alois Brundobler kürzlich aus Berlin zurückgekehrt. Dort hatten sie sich mit Gesundheitsminister Philipp Rösler und Gesundheits-Staatssekretär Daniel Bahr getroffen, um über die künftige Rolle der Kurorte im Gesundheitssystem zu diskutieren. Die Delegation des Bayerischen Heilbäderverbandes hielt dabei ein Plädoyer für Kur und Reha.Das Treffen mit den beiden FDP-Politikern kam auf Vermittlung der Staatssekretäre Andreas Scheuer und Max Stadler zustande. Mit Brundobler und Weinberger machte sich auch eine Delegation des Bayerischen Heilbäderverbandes mit dessen Vorsitzendem Klaus Holetschek mit auf den Weg nach Berlin.
Andreas Scheuer wies auf die besondere Bedeutung der Heilbäder und Kurorte als Gesundheitskompetenzzentren im ländlichen Raum hin. „Die hohe Kompetenz an medizinischem und therapeutischem Fachwissen, basierend auf den ortsgebundenen Heilmitteln und Naturheilverfahren, sind gerade unter dem Blickwinkel der künftigen demographischen Entwicklung von unschätzbarem Wert“, so der Staatssekretär. Die Kurorte hätten sich weiterentwickelt und böten auch bei der Vorsorge attraktive Programme.
Der Gesundheitsminister betonte, „dass bei der vorgesehenen Präventionsstrategie auch die Kurorte eine Rolle spielen“. Die bewährten Strukturen im Kurort böten sowohl dem Patienten als auch dem Selbstzahler einen gesundheitlichen Mehrwert. „Aufgrund der hohen Qualitätsstandards gibt es für die Heilbäder und Kurorte keinen Grund, den Wettbewerb zu scheuen“, so Philipp Rösler. Ein besonderes Anliegen war dem Minister das Thema betriebliche Gesundheitsförderung. Es sei zu prüfen, wie es im Zusammenhang mit der Gesundheitsförderung gelingen kann, der mittelständischen Wirtschaft das Thema Kurorte näher zu bringen. - red
Stadler: Keine Hektik beim Donauausbau
Nach Auffassung des Passauer FDP-MdB Max Stadler brechen die Grünen und die SPD eine neuerliche Debatte zum Donauausbau zum falschen Zeitpunkt vom Zaune. Stadler betonte: „Die bayerische FDP vertritt seit langem die Auffassung, dass nur der sanfte Donauausbau realistisch ist.“ Dies gelte nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen. Andere Varianten hätten keine Chance auf eine zeitnahe Verwirklichung und nützen daher faktisch der Schifffahrt nicht. Es gebe jedoch keinen Anlass für „künstliche Hektik“. Eine Entscheidung stehe laut Stadler momentan gar nicht an, da ein abschließendes Gutachten abgewartet werde. Richtig sei, schreibt Stadler, dass die Politik insgesamt nach „Stuttgart 21“ auf mehr Bürgerbeteiligung ausgerichtet werden müsse. Die FDP stelle Vorschläge zur Debatte, wie bei Großprojekten eine bessere und frühzeitigere Diskussion mit den Betroffenen stattfinden könne und dennoch raschere Entscheidungen zustande kommen. Nur dann würden beispielsweise neue Stromstraßen akzeptiert, auf denen man Ökostrom transportiert. Langjährige Verwaltungsverfahren würden niemandem nützen. - redStaatssekretäre erhalten Post für Ministerin
2000 Passauer Unterschriften für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männer und FrauenBei den beiden Passauer Staatssekretären Dr. Max Stadler (FDP) und Dr. Andreas Scheuer (CSU) war das kleine Paket mit über 2000 Unterschriften, die mehr Entgelt-Gleichheit für Frauen fordern, gut aufgehoben. „Ich habe im Büro ausschließlich Frauen als Mitarbeiter - und neben und über mir stehen eine Staatssekretärin und eine Ministerin“, sagte Stadler. „Und bei mir sind fünf von sechs Personen im Büro Frauen“, ergänzte Scheuer. „Ihr Engagement macht sicher weiter Druck“, sagten beide unisono mit Blick auf die acht Vertreterinnen von Institutionen, die gestern bei der Übergabe mit dabei waren. Sie und ihre Institutionen fordern alle mehr Gleichberechtigung bei der Entgeltzahlung und untermauerten eine bundesweite Unterschriftenaktion gegen Lohn-Ungerechtigkeit in Passau. Laut Erhebungen verdienen Frauen nach wie vor rund 23 Prozent weniger als Männer - für die gleiche Arbeit wohlgemerkt.
Die beiden Passauer Staatssekretäre sollen das gestern im Ordinariat übergebene Paket an ihre Berliner Kollegin, Dr. Kristina Schröder (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), übergeben.
In Passau haben sich insgesamt elf Verbände und Institutionen an der Aktion und Forderung nach Entgelt-Gleichheit von Männern und Frauen beteiligt. Koordinatorin war Helga Weinberger, Assistentin des Hauptabteilungsleiters für Räte, Verbände und Erwachsenenbildung des Bischöflichen Ordinariats. Sie war auch federführend bei einer großen Werbeaktion vor einer Woche mit einem knallroten Stand in der Passauer Fußgängerzone, die am sogenannten „Equal Pay Day“ unter dem Motto „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ stattfand.
„Es haben sich mittlerweile so viele Frauenverbände zusammengeschlossen, dass da jetzt sicher was weitergeht“, meinte Helga Weinberger gestern optimistisch, ehe sie zunächst einmal die beiden Männer für ihr Vorhaben gewann. „Wir sind ja selber Arbeitgeber und bemühen uns da sicher entsprechend“, sagte Dr. Max Stadler mit Blick auf die vielen Mitarbeiterinnen in den beiden Ministerien von ihm und Kollege Scheuer. – ck
Staatssekretär Stadler begrüßt Initiative gegen Abo-Fallen
Der Passauer Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) begrüßt die Initiative der Verbraucherberatungsstelle Passau gegen Abo-Fallen im Internet (die PNP hat darüber am Dienstag berichtet). Stadler: "Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat dazu bereits einen Referentenentwurf vorgelegt." Kern der Regelung ist, dass vor einem wirksamen Vertragsabschluss im Internet der Kunde besonders auf die Preisgestaltung hingewiesen werden muss und eine Bestätigung per Mausklick erforderlich ist. Man spricht deshalb von einer "Button-Lösung."Stadler teilte mit, dass er dazu am Freitag im Bundesrat Stellung genommen habe. Er habe in der Länderkammer darauf aufmerksam gemacht, dass die Debatte über Internet-Abo-Fallen auch auf europäischer Ebene Fahrt aufgenommen habe. "Die ungarische Ratspräsidentschaft strebt an, schon im Mai 2011 zu einer Entscheidung über eine entsprechende EU-Richtlinie zu kommen." Die Bundesregierung unterstütze diese Bestrebungen und stelle bis dahin den eigenen Entwurf zurück. Stadler: "Es würde keinen Sinn machen, jetzt ein nationales Gesetz zu beschließen, wenn zwei Monate später eine EU-weite Regelung kommt, die dann vielleicht in manchen Details etwas anders ausgestaltet ist und bei uns wieder eine Änderung veranlassen würde." Der Staatssekretär betonte aber zugleich: "Wenn sich die EU auf keine einheitliche Lösung einigen sollte, wird die Bundesjustizministerin unser eigenes Gesetzgebungsverfahren zur Button-Lösung zügig voranbringen." Die Unterstützung von Verbraucherberaterin Marianne Sangl und Umweltberaterin Marianne Wolf aus Passau, über die die PNP informiert hat, sei daher sehr willkommen.
Ökopartei nicht mehr gegen Pumpscpeicher Riedl?
von SEBASTIAN DAIMINGERBerlin/Passau - Die Grünen machen derzeit eine Rolle rückwärts, wenn es um die umstrittene Thematik Pumpspeicherwerke geht. Aktuell ist so ein Großprojekt in Riedl bei Untergriesbach (Lkr. Passau) geplant. Bis dato zeigten sich die Grünen unmissverständlich als Gegner des gigantischen Bauwerks der Stromindustrie, das wertvolle Flora und Fauna zerstöre. Kritisiert wird dabei vor allem der 4,2 Millionen Kubikmeter große Stausee.
Den plötzlichen Meinungsumschwung innerhalb der Partei manifestierte diese Woche Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Bei einer Debatte zum Atomausstieg sagte er: „Es ist unbequem für die Grünen, weil es jetzt nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie von mehr Strom aus Biogas geht. Es ist unbequem für uns alle, weil wir Leitungen bauen und Pumpspeicherkraftwerke errichten müssen.“ Die Regierung wirft der Öko-Partei vor, die für den Ausbau der erneuerbaren Energien notwendigen Stromtrassen zu blockieren. Trittin räumt ein: „Da werden wir uns mit unserer Partei vor Ort unterhalten müssen.“
Für das Pumpspeicherwerk in Riedl, welches bis zum Jahr 2018 mit einer Investition von rund 350 Millionen Euro fertiggestellt werden soll, bedeutet das konkret: Die Grünen sind nicht mehr generell gegen den Bau der Anlage - vorausgesetzt, der Atomausstieg kommt und es gibt keine anderen technischen Lösungen. Politisch hatten sie kürzlich bei einer Abstimmung im Kreistag noch geschlossen mit der ÖDP gegen das Projekt gestimmt.
Die neue Linie bestätigte gestern aber auf AS-Anfrage Karl Synek, Fraktions-Chef der Grünen in Passau: „In der Tat gibt es hier eine neue Diskussionsbereitschaft. Wir verfolgen keine absolute Ablehnung mehr. Wir müssen Pumpspeicherwerke künftig ins Kalkül ziehen und Riedl ist somit für uns nicht mehr ausgeschlossen.“ Laut Synek wären die Pumpspeicherwerke im Hinblick auf die derzeitigen Atomreaktoren das weitaus kleinere Übel. „Diese Kröte müssen wir dann leider Schlucken“, sagte er.
Nicht so leicht erweichen kann sich dafür MdL Eike Hallitzky: „Es ist für uns eine Standortfrage. Ausgerechnet in Riedl haben wir ein sehr wertvolles Naturschutzgebiet. Wir fordern den Vorschlag alternativer Standorte.“
Noch resoluter sieht es Boris Burkert, Kreisvorsitzender der Grünen. Er gibt sich absolut ablehnend zu Riedl und sagt: „Energiepolitisch macht das Projekt keinen Sinn, man kommt auch ohne aus.“ Offenbar ist man sich parteiintern über die neue Linie selbst noch nicht einig und präsentiert sich nach außen widersprüchlich.
Kritik hagelt es prompt aus der Opposition. FDP-Staatssekretär Max Stadler gibt zu bedenken: „Bisher betreiben die Grünen eine Doppelstrategie. Im Bundestag sind sie für Speichertechnik, vor Ort protestieren sie dagegen. Wenn sich die neue Linie von Jürgen Trittin wirklich durchsetzt, wird es das nicht mehr geben. Das wäre erfreulich, aber ich bin noch misstrauisch, ob es so kommen wird.“
Promi-Spatenstich: Neubauer in Salzweg
Schauspielerin reist mit Ex-Mann Dinzinger an - Beteiligt sie sich am Kusser-Projekt? - Unfall überschattet FesttagVon Theresia Wildfeuer
Salzweg. Aus seiner Verbundenheit zu Filmstar Christine Neubauer hat Rudolf Kusser nie ein Geheimnis gemacht. Für sein neues Projekt, einen Wohnpark in Salzweg, schaffte es der agile 85-Jährige sogar, sie für den Spatenstich zu gewinnen. Die Neubauer kam am Samstagmittag mit ihrem Ex-Mann Lambert Dinzinger, Sportjournalist und BR-Moderator, angereist. Auch das ZDF war mit dabei. Vor Ort wartete die lokale Prominenz: Justiz- Staatssekretär Dr. Max Stadler, MdL Konrad Kobler, Landrat Franz Meyer und Bürgermeister Horst Wipplinger und viele Autogrammjäger waren Zeuge, als die Schauspielerin auf dem Baugelände am Praßberg Staub aufwirbelte.
Überschattet wurde der Festtag von einem Unfall, bei dem Rudolf Kusser sich eine Fußverletzung zuzog. Er hatte bei seiner Luxuslimousine den Leergang eingelegt. Beim Ausstiegen machte sich das Fahrzeug auf der leicht abschüssigen Franklbachstraße selbstständig und prallte auf das geparkte Fahrzeug eines Pflegedienstes, das Martin Schichl fuhr; dieses wiederum wurde auf das geparkte Auto von Raimund Kneidinger geschoben.
Zunächst trug sich die Schauspielerin ganz ohne Starallüren im Sitzungssaal des Rathauses in das goldene Buch ein. „Heute ist der einzige Tag, an dem ich Zeit habe“, erzählte sie locker. Sie kam gerade aus Berlin und Rostock zurück, um am gestrigen Sonntag schon wieder zu Dreharbeiten nach Thailand zu reisen. Eigentlich sollten diese auf Taiwan stattfinden. Erst vor einer Woche wurde das Programm der geplanten Filmproduktion geändert. „Das war Fügung“, fand die Schauspielerin. Nach der Erdbebenkatastrophe in Japan und dem folgenden Tsunami „wäre es nicht möglich gewesen, dort zu drehen“.
Die Schauspielerin machte den Abstecher nach Salzweg ihrem Freund Rudolf Kusser zuliebe, der vor 14 Jahren ihr Haus in Spanien gebaut hatte. „Das ist ein Ort für mich, an dem ich mich richtig wohl fühle“, sagte sie. Deshalb unterstütze sie sein Projekt. Kusser sei aber vor allem jung geblieben. „So voller Ideen und Tatendrang wie er ist, ist er Vorbild für mich“, schwärmte Christine Neubauer. Auf die Frage, ob sie sich auch finanziell an dem Vorhaben beteiligt, antwortete sie: „Ich bin mit dem Rudi im Gespräch.“
In Thailand dreht der Filmstar eine Komödie über „drei Monate in Bangkok“. Doch noch wichtiger sei ihr der zweiteilige Streifen „Gottes mächtige Dienerin“ mit einem bayerischen Thema, der am Karfreitag und Karsamstag ausgestrahlt wird.
„Wir freuen uns riesig“, versicherte Bürgermeister Horst Wipplinger „Deutschlands beliebtester Filmschauspielerin“. Sie habe in der Region viele Verehrer. Sie verkörpere mit ihrer sympathischen, natürlichen Art die Heimat, schwärmte Wipplinger und überreichte ihr das Gemeindewappen, Lambert Dinzinger bekam eine Schnupftabakdose.
Der Bürgermeister würdigte das Engagement von Rudolf Kusser. Er habe in Salzweg bereits rund 100 Wohnungen gebaut, Millionen von Euro investiert und tausenden von Menschen Beschäftigung ermöglicht. Wipplinger hob auch das soziale Wirken des Hauzenberger Ehrenbürgers
hervor. Kusser plant in „idyllischer Lage am Waldrand“ einen Wohnpark, erklärte Wipplinger das Objekt. Die Nachfrage nach Wohnungen sei angesichts der Nähe zur Stadt Passau groß.
Rudolf Kusser bezeichnete den Besuch von Christine Neubauer und Lambert Dinzinger als „großes Zeichen der Freundschaft und als große Ehre“. Er habe mit dem Ehepaar so manch amüsante Stunde erlebt. Landrat Franz Meyer nutzte die Gelegenheit, für die Region zu werben:
„Passau ist der schönste Landkreis Bayerns“, sagte er und übergab Christine Neubauer das Landkreisbuch und Lambert Dinzinger die Landkreis-Krawatte. Ex-Staatssekretär Klaus Rose hatte nach eigenen Worten das „falsche Buch dabei“. Dennoch schenkte er Neubauer den Taiwan-Band.
An der Feier nahmen der Hauzenberger Bürgermeister Josef Federhofer und sein Vize Josef Wipplinger, Prof. Dr. Gerhard Waschler, die Salzweger Bürgermeister-Stellvertreter Rudolf Gibis und Dr. Bruni Heidersberger, Bundeswahlkreis-Geschäftsführer und Gemeinderat Raimund Kneidinger, Gemeinderäte, Bauamtsleiter a.D. Alois Probst, die Kusser-Partner Willi Bauer und Andi Holler sowie Freunde des Investors teil. Anschließend ging’s zum Gulasch-Essen in den „Salzweger Hof“.
UNESCO-Erbe: Auch Max Stadler schiebt an
Staatssekretär beantragt bei FDP-BezirkstagUnterstützung durch Niederbayerns Liberale
Wenn es nach dem Passauer Stadtrat und Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler geht, unterstützt seine FDP heute auf ihrem Bezirksparteitag in Regen die Bewerbung Passaus zur Aufnahme in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Jedenfalls hat Stadler vergangene Woche einen entsprechenden Antrag an seine Parteifreunde gestellt. Stadler begründet diesen Antrag an die Niederbayern-FDP damit, dass eine Aufnahme Passaus ins Unesco-Register für die ganze Region enorme Werbewirkung haben könnte. Allerdings wiederholt der Fraktionschef von FDP/Passauer Liste in seinem Antragsschreiben auch die Bedingungen, dass im weiteren Bewerbungsverfahren die Bürger umfassend beteiligt, der komplette Stadtrat (und nicht nur ein Ausschuss) gefragt und auch die Kosten beziffert werden müssen. - jkl
Bezirks-FDP wird zur Land-Partei
Leitantrag fordert Stärkung des ländlichen Raumes - MdB Thomae lobte FDP-Erfolge im BundVon Johannes Fuchs
Regen. Eine Nachwahl in den Vorstand, der Leitantrag „Zukunftsregion Niederbayern“ und Berichte aus der Bundespolitik standen im Mittelpunkt des FDP-Bezirksparteitag, der am Samstag in Regen stattfand.
Mit dem Leitantrag will der Bezirksvorstand erreichen, dass die Formel von der „Zukunftsregion Niederbayern“ mit Leben gefüllt wird. Keine Region in Bayern dürfte im Hinblick auf ihre Zukunftschancen abgehängt werden, heißt es in der Präambel - ein Seitenhieb auf das viel gescholtene Gutachten des „Zukunftsrats“ der Staatsregierung. Vielmehr müssten gleichwertige Arbeits- und Lebensbedingungen in allen Regionen geschaffen werden.
Zehn Kernpunkte führt der Leitantrag auf: Bildung, Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, Erhalt der Bundeswehrstandorte, wohnortnahe Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung, Verkehrsinfrastruktur, Internet- Versorgung, Umwelt und Tourismus. Regionale Leistungszentren wie Landshut, Straubing, Deggendorf und Passau sollen eine Lokomotivfunktion übernehmen und stärker mit dem umliegenden Raum vernetzt werden, sagte Prof. Christoph Zeitler vom Bezirksvorstand.
Niederbayern hat Zeitler zufolge im Vergleich zu anderen bayerischen Regionen einen Nachholbedarf bei weiterführenden Schulen und Studienplätzen sowie bei der Kinderbetreuung. Als Standort für ein neues Gymnasium schlägt die FDP unter anderem Plattling vor. Zudem will die FDP eine Marke „Hochschule Bayerischer Wald“ entwickeln, die weitere qualifizierte Arbeitsplätze nach sich ziehen soll. „Die Arbeit soll zu den Menschen und nicht umgekehrt“, forderte Zeitler.
Die Nachwahl war nötig geworden, weil einer der stellv. Bezirksvorsitzenden, Alexander Fürter (Kreisverband Deggendorf), aus dem Vorstand ausgeschieden war. Als einzige Kandidatin für die Nachfolge wurde Sandra Pacher aus Bogen vorgeschlagen, sie erhielt 38 von 42 abgegebenen Stimmen. Auch der Kreisverband Deggendorf ist wieder im Vorstand vertreten: Evi Knaus (Plattling) wurde als neue Beisitzerin gewählt.
MdB Stephan Thomae (Kempten) lobte das in der schwarz-gelben Koalition in Berlin Erreichte: Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz sei eine Steuerentlastung von 24 Milliarden Euro bei den Bürgern angekommen, die Mehrwertsteuersenkung für Hotels habe Investitionen möglich gemacht. Mit Beifall quittierte die Versammlung Thomaes Feststellung, dank der FDP habe es 2010 erstmals seit Jahren keine neuen Sicherheitsgesetze im Bund gegeben. Er nahm in seinem Referat auch auf ein ganz aktuelles Thema Bezug: Das Erdbeben in Japan. Nach der Explosion im Kernkraftwerk Fukushima werde auch in Deutschland die Debatte über den Atomausstieg wieder aufflammen. Trotzdem halte er das Eintreten der FDP für die Verlängerung der Laufzeit der deutschen AKW für vertretbar. „Und ich betone: Die Verlängerung war kein Ausstieg aus dem Atomausstieg.“
Einblicke in die Verwaltung
DP/PaL will Infos über die neue Informationsfreiheits-SatzungDie Stadtratsfraktion von FDP und Passauer Liste (PaL) beantragt einen Bericht über die praktischen Erfahrungen mit der neuen städtischen Informationsfreiheits-Satzung - einer Rechtsvorschrift, die seit Ende Oktober 2010 Bürgern den Einblick in Rathaus-Unterlagen gewährt. „Wir bitten in dem Bericht darauf einzugehen, ob einerseits die Erwartungen, andererseits die Befürchtungen, die in der Debatte um diese Satzung geäußert worden sind, eingetreten sind“, fordern Dr. Max Stadler (FDP) und Dr. Renate Zehner (PaL) in ihrem Antrag. Es bestand vor der Einführung und Umsetzung des damaligen ÖDP-Antrages die Hoffnung, dass mit den Möglichkeiten dieser neuen Satzung mehr Transparenz geschaffen würde und sich Passauer Bürger noch stärker als bisher für das kommunale Geschehen interessieren würden. Zugleich gab es Befürchtung, dass die Verwaltung durch viele Anfragen und teilweise kostenpflichtige Auskünfte stark belastet werden könnte. Deswegen interessiere vor allem die Zahl der Anfragen aufgrund der neuen Satzung und auch, ob sich die Gebühren als zweckmäßig oder abschreckend gegenüber auskunftsinteressierten Passauern herausgestellt haben. Zudem wolle man in der FDP/PaL-Fraktion wissen, welche Erfahrungen im Rathaus mit dem Spannungsfeld zwischen Transparenz und Datenschutz gemacht wurden. - ck
Die PaWo-Gesetzesänderung
Staatssekretär Stadler gab nach PaWo-Artikel Gas und kann jetzt Vollzug
melden.
Gut Ding will Weile haben! Der Passauer Bundestagsabgeordnete Dr. Max Stadler zeigt sich zufrieden damit, dass die Berichterstattung in der PaWo nun zu einer Änderung im Kommunalrecht führt. Die „Passauer Woche” hatte bereits 2008 einen Vorgang aus Thurmansbang kritisch dargestellt: Der Kommunalpolitiker und damalige CSU-Fraktionschef Andreas Bauer war nach 22 Jahren aus dem Gemeinderat geworfen worden, weil er zusätzlich einen Wohnsitz in Grainet angegeben hatte. Dieser wurde als Hauptwohnsitz gewertet. Nach altem Gemeindewahlrecht darf man aber nur an seinem Hauptwohnsitz Gemeinderat sein. Die PaWo berichtete seitdem mehrfach und Dr. Max Stadler nahm sich der Thematik an. Der Einsatz hat Früchte getragen.
Justizstaatssekretär Dr. Stadler: „Ich habe diese Regelung immer für veraltet angesehen. Denn heutzutage ist es nicht mehr selten, dass die Menschen mehrere Wohnsitze haben, sei es aus beruflichen oder privaten Gründen. Das muss der Gesetzgeber akzeptieren!” Auch im Passauer Stadtrat hatte es in den Neunziger Jahren einen ähnlichen Vorgang gegeben. Laut Stadler sei es generell landauf, landab zu „unwürdigen Nachforschungen” gekommen, ob sich jemand drei Tage an dem einen und vier Tage an dem anderen Wohnsitz aufgehalten habe. „Unser früherer Landtagsabgeordneter Dietrich von Gumppenberg durfte sogar in seiner Heimatgemeinde Bayerbach bei Landshut nicht für den Gemeinderat kandidieren, obwohl er dort Schlossherr war und das Schloss Peuerbach seiner Familie bewohnte, weil er zugleich eine Werbeagentur in München betrieben hat und sich daher beruflich viel in der Landeshauptstadt aufgehalten hat.” Nach Stadlers Auffassung sei entscheidend, ob die Wähler dem Kandidaten das Vertrauen schenken. „Wer sich nur an dem einen von beiden Wohnsitzen aufhält und sich nie dort sehen lässt, wo er kandidiert, wird sowieso von der Bevölkerung nicht gewählt”, meint der Staatssekretär.
Im Fall Thurmansbang konnten auch die Verwaltungsgerichte nichts ändern.
Daher brachte Stadler gemeinsam mit dem FDPLandtagsabgeordneten Dr. Andreas Fischer das Thema in die Koalitionsverhandlungen in Bayern ein. Mit der CSU wurde vereinbart, das Kommunalwahlrecht der Realität anzupassen. Man wollte aber keinen Schnellschuss machen, sondern diese Änderung dann anpacken, wenn ohnehin eine Reform des Gemeindewahlrechts anstand.
Nun ist es endlich so weit. Vor kurzem entschied die Staatsregierung, dass nicht mehr der Hauptwohnsitz in der Kommune oder dem Landkreis Voraussetzung für die Wählbarkeit sei. Es genügt künftig ein Nebenwohnsitz. Stadler: „Es freut mich, dass die PaWo mit ihrer Berichterstattung Auslöser für diese vernünftige Änderung war. Ich bin überzeugt, dass sich der Landtags zügig dem Vorschlag des Kabinetts anschließen wird!”
Die Neuregelung gilt allerdings erst für die Zukunft. Für den geschassten Thurmansbanger Ex-Gemeinderat Andreas Bauer dürfte die Entscheidung auf jeden Fall eine späte Genugtuung sein
Interview Deutschlandradio: Dr. Max Stadler über Vorratsdatenspeicherung
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), rechnet mit guten und sachgerechten Verhandlungen mit dem neuen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) über eine Lösung für die Vorratsdatenspeicherung.Datum 04.03.2011
André Hatting: Zwei neue Minister und viele Baustellen - Thomas de Maizière hat eine riesige, und die heißt Bundeswehrreform. Für seinen Nachfolger im Amt des Innenminister, Hans-Peter Friedrich, CSU, sind es eher viele kleinere - Polizeireform, Integrationspolitik und vor allem die Terrorismusbekämpfung. Hier gibt es Streit mit dem Koalitionspartner FDP. Das Reizwort heißt Vorratsdatenspeicherung.
Gudula Geuther über den Diskussionsstand in Sachen Vorratsdatenspeicherung. Mitgehört hat Max Stadler, er ist parlamentarischer Staatssekretär im FDP-geführten Bundesjustizministerium. Guten Morgen, Herr Stadler!
Max Stadler: Guten Morgen!
Hatting: Herr Stadler, das Bundesverfassungsgericht verlangt eine neue Regelung des Gesetzes. Warum gibt es bis heute keinen Entwurf dazu aus Ihrem Haus?
Stadler: Eigentlich verlangt nicht das Bundesverfassungsgericht eine neue Regelung, sondern wir haben die Situation, dass es eine EU-Richtlinie gibt. Die erste Umsetzung ist ja gescheitert beim Bundesverfassungsgericht, und das Bundesverfassungsgericht hat sehr hohe Hürden aufgestellt für den Fall, dass der Gesetzgeber es für notwendig hält, eine neue Fassung der Vorratsdatenspeicherung einzuführen.
Wir vom Bundesjustizministerium sind allerdings der Auffassung, dass wir einen Gesichtspunkt dabei immer beachten sollten: Uns geht es zu weit, wenn Millionen Telefonverbindungsdaten von völlig unverdächtigen Bürgerinnen und Bürgern, nämlich von allen, die in Deutschland wohnen und hier telefonieren, gespeichert werden ohne Anlass, ohne Verdacht. Und deswegen hat die Justizministerin einen Vorschlag gemacht, dass bei begründetem Anlass Daten gespeichert werden. Das ist eigentlich der Sinn dieser Maßnahme, und darüber verhandeln wir, sowohl auf der EU-Ebene, als auch jetzt mit dem neuen Innenminister Friedrich.
Hatting: Der alte, de Maizière, hat aber schon mal angedeutet, dass er die nicht mittragen will. Sein Gegenvorschlag ist: weniger als sechs Monate speichern. Warum lassen Sie sich darauf nicht ein?
Stadler: Das ist ja genau ein Vorschlag, der das Grundproblem nicht anpackt, denn bei dem Vorschlag von Herrn de Maizière ging es ja nur um eine Verringerung der Speicherdauer. Was uns als Liberale stört, ist, dass eine völlig rechtmäßige Betätigung des Alltags - nämlich man telefoniert mit jemandem, man schickt jemandem eine Mail, das ist ja nichts Verbotenes -, dass das gespeichert wird für staatliche Zwecke, obwohl man selber nicht in Verdacht ist und keinen Anlass gegeben hat für eine Überwachung.
Da, wo sich jemand verdächtig gemacht hat, ist es ja richtig, dass man auch in das Fernmeldegeheimnis eingreift, und dieses Grundproblem wollen wir eben lösen, indem wir das sogenannte Quick-Freeze-Verfahren, also das sofortige Einfrieren von Daten bei Verdacht, einführen wollen, und darüber hinaus ja auch noch Bestandsdaten für eine Woche sichern wollen, um vor allem gegen die Nutzung von Kinderpornografie im Netz vorzugehen.
Hatting: Aber Hans-Peter Friedrich, der Nachfolger von de Maizière, hat da schon ganz klar gesagt, er stimme im Wesentlichen mit seinem Vorgänger überein. Warum wollen Sie jetzt den alten Kompromissvorschlag dem neuen Innenminister vorliegen, wenn klar ist, dass er ihn ablehnen wird?
Stadler: Ja, der neue Innenminister ist jetzt gerade im Amt. Ich kenne ihn übrigens persönlich gut, weil wir in einer früheren Legislaturperiode gemeinsam in einem Untersuchungsausschuss tätig waren. Dort war Herr Friedrich stellvertretender Vorsitzender. Ich habe ihn kennen und schätzen gelernt als einen sehr sachlichen Politiker. Ich glaube, dass man mit ihm gute und sachgerechte Verhandlungen führen kann, und die führen wir natürlich jetzt dann intern, und dann wird man sehen, was dabei herauskommt.
Zugleich darf man aber nicht übersehen, dass ja auf der europäischen Ebene auch Bewegung in die Debatte gekommen ist. Sieben Staaten haben diese Richtlinie nicht umgesetzt, weil sie ebenfalls Bedenken haben, und in der EU wird eine Evaluierung durchgeführt, also es wird überprüft: Wie hat sich denn die Richtlinie in den Staaten, die sie schon umgesetzt haben, eigentlich bewährt? Welche Folgerungen muss man daraus ziehen? Und ich glaube schon, dass der Vorschlag von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit der Speicherung bei begründetem Anlass auch die Debatte in der EU befruchten wird. Man muss also auch abwarten, wie dort der weitere Verlauf der Debatte ist und welches Ergebnis auf der EU-Ebene erzielt wird, denn die Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie kommt ja von der EU, allerdings mit Zustimmung der seinerzeitigen Bundesregierung, der Großen Koalition.
Hatting: Ja, Herr Stadler, Sie haben gesagt, man müsse abwarten, wie sich das bewährt habe in Deutschland, bevor das Bundesverfassungsgericht das kassiert hat. Hat es sich ja offensichtlich bewährt? Zumindest sagen die Polizeien der Länder, beispielsweise NRW oder Sachsen-Anhalt, dass, seitdem dieses Gesetz nicht mehr angewandt werden kann, die Zahl der aufgeklärten Straftaten, zum Beispiel wegen Kinderpornografie, stark zurückgegangen sind, und der Innenminister von NRW hat sogar von Strafvereitelung gesprochen.
Stadler: Bei Kinderpornografie haben wir in der Tat einen Sonderfall, weil man da sehr schnell feststellen können muss, wer derjenige war, der eine inkriminierte Webseite besucht hat. Da gibt es ja nur einen Zahlencode, und da muss man in der Tat - das sehen wir auch vor - vorhalten für einige Tage, welche natürliche Person das gewesen ist. Das ist ein Punkt, den wir in unserem Vorschlag bedacht haben.
Im Übrigen zeigen aber die Zahlen, dass in der Zeit, als die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland praktiziert wurde, keineswegs die Aufklärungsraten in die Höhe gegangen sind. Wir haben ja auch sonstige Instrumentarien für Polizei und Justiz, die Vorratsdatenspeicherung ist ja beileibe nicht das einzige Mittel, und im Gegenteil: In vielen Fällen benötigt man sie eben nicht. In anderen mag sie hilfreich sein, das ist dann eine Abwägung. Wir haben im Übrigen ein Gutachten in Auftrag gegeben beim Max-Planck-Institut, das uns aufzeigen soll, ob es wirklich die behaupteten Schutzlücken gibt oder nicht. Auch dies wird für die weitere Debatte Bedeutung haben.
Hatting: Das war ein Gespräch mit dem parlamentarischen Staatssekretär im FDP-geführten Bundesjustizministerium, das war Max Stadler. Herr Stadler, ich danke Ihnen für das Gespräch!
Stadler: Dankeschön!
Stadler: Hartz IV verschafft Stadt jetzt mehr Luft
Die in einer langen Berliner Nachtschicht erarbeiteten Ergebnisse bei den Hartz IV-Verhandlungen haben auch finanzielle Auswirkungen auf die Stadt. Zur Umsetzung des Bildungspakets für Kinder sollen die Kommunen von 2011 bis 2013 insgesamt 400 Millionen Euro erhalten, um damit Schulsozialarbeit oder Mittagessen in Horten zu finanzieren. Zur Finanzierung des Bildungspakets übernehme der Bund schrittweise die Grundsicherung im Alter, so Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler (FDP). „Gerade dieser Teil des Kompromisses ist sehr zu begrüßen“, erklärte der Passauer FDP- Abgeordnete. „Ab 2014 trägt der Bund hierfür die vollen Kosten, die sich derzeit bundesweit auf 3,5 Milliarden Euro belaufen.“ Stadler erklärte, dass es damit endlich eine deutliche Entlastung für die Kommunen gebe. „Die Neuregelung wird auch der Stadt Passau mehr Luft für die Finanzierung anderer Aufgaben lassen.“ - ckEinblick in Wohl und Wehe einer Welterbe-Stadt
FDP/Pal befragt Regensburger Koordinator"„Die Veranstaltung war Von Christian Karl Anzeige sehr informativ und könnte der Stadt durchaus als Vorbild dienen.“ Stadtrat Dr. Max Stadler (FDP) sparte nicht mit Lob für den Auftritt von Matthias Ripp, Welterbe-Koordinator der Stadt Regensburg, der sich am Donnerstagabend den Fragen von rund 30 Zuhörern zu Wohl und Wehe eines werbewirksamen Prädikats UNESCO-Welterbe stellte. Wie berichtet, will sich Passau auch mit dem Altstadt-Ensemble um diesen Titel bemühen. „Alle Anwesenden wissen jetzt besser Bescheid, was auf uns zukommt“, bilanzierte Dr. Max Stadler, Fraktions-Chef der Stadtratsfraktion FDP/Passauer Liste (PaL), die zu dem parteiinternen Gespräch Ripp habe bestätigt, dass die Touristen-Zahl seit dem geladen hatte. UNESCO-Titel 2007 deutlich gestiegen sei. Mit dem Prädikat sei ein hoher Werbewert verbunden. Er sehe keine großen negativen Auswirkungen auf Regensburg. Allenfalls habe es die Stadt Regensburg als nötig erachtet, zusätzliches Personal einzustellen, um den Titel entsprechend zu verwalten. Ein Kostenfaktor, der schwer zu vermeiden sei, so Stadler auch mit Blick auf Passauer Belange. „Die Mietpreise haben sich zuletzt rasant nach oben entwickelt“, zitiert Stadlers Fraktionskollege Andreas Dittlmann (PaL) eine Ripp-Auskunft. Das gehe sogar soweit, dass sich Investoren bei Haussanierungen nicht mehr um Städtebaufördermittel bewerben, um später bei ihrer Mietpreisgestaltung Die erhebliche Belebung des Fremdenverkehrs habe in flexibler zu sein. Regensburg zudem Infrastruktur-Maßnahmen erforderlich gemacht. So erhalte die Stadt jetzt ein eigenes Besucherzentrum, das viel Infos − auch mit Bezug auf den UNESCO-Titel − bietet. Die Aussage über deutlichen Touristenzuwachs habe einige Zuhörer etwas verunsichert, so Dittlmann, „Wie soll man denn das in Passau noch bewerkstelligen, wenn die Besucherströme ohnehin zu mancher Jahreszeit schon „Die Befürchtungen mancher Hausbesitzer, dass die UNESCO in Oberkante sind?“ Kleinigkeiten hineinregieren würde, hat sich nicht bewahrheitet. Die UNESCO habe vielmehr nur Interesse an Großprojekten, die das Stadtbild beeinträchtigen könnten“, so Stadler. Dabei wurde auch das Seilbahn-Projekt in Passau thematisiert. „Die allgemeine Erfahrung aus Regensburg zeigt: Wenn man mit einem Großprojekt frühzeitig den Kontakt mit der UNESCO sucht, ist ein modernes Ein Fehler sei in Projekt keineswegs ein Ausschlussgrund“, bemerkt Stadler. Regensburg laut Dittlmann aber aufgetreten: die fehlende Bürgerbeteiligung. Das versuche man jetzt mit Veranstaltungen und Work-Shops nachzuholen."
Bald Halbzeit: Stadtrat Passau – ein instabiler Wechselverein!
Fünf Wechsel, zwei Rücktritte und zwei TodesfälleBösen Zungen, die behaupten, der Passauer Stadtrat sei so langweilig und fad wie selten zuvor, kann man nur bedingt recht geben. Während es in der Ära Zankl munter hin und her ging, was nicht zuletzt an der polarisierenden Persönlichkeit des Ex-OBs lag, wirkt der Stadtrat unter OB Dupper in seiner Außendarstellung zwar lethargisch, aber unter der Decke brodelt es seit März 2008 vor sich hin: Spektakuläre Fraktionswechsel, überraschende Rücktritte und tragische Todesfälle haben in den letzten drei Jahren die Schlagzeilen bestimmt. Das Gesicht des Passauer Stadtrates hat sich seit der Kommunalwahl im März 2008 grundlegend verändert. Dies spricht nicht unbedingt für dessen Stabilität in den nächsten drei Jahren. Die PaWo zieht eine Zwischenbilanz!
FDP/PaL: Die Senkrechtstarter
Dr. Max Stadler, der Polit-Pfiffikus: Aus drei wurden acht! Stellt mit den vier CSU-Flüchtlingen Dittlmann, Pell, Karl-Hellwing und Zehner plus ÖDP-Abgänger Koopmann die drittgrößte Fraktion. Durchdachte Anträge, Dittlmann als Scharfmacher: Da rührt sich was!
CSU: Die größten Verlierer
Ein Schatten ihrer selbst! Vier (!) Stadträte an die Passauer Liste verloren. Dann die tragischen Todesfälle Plenk und Burke, zudem Zankls Abgang. Wirken führungs- und kopflos. Hoffnungsschimmer: Die Neulinge Thuringer und Wösner. Kann nur besser werden.
SPD: Es gibt nur den Jürgen
Ein übermächtiger Oberbürgermeister, der als Polit-Vollprofi alle Fäden in der Hand hält! Dupper überstrahlt komplett die eigene blasse Fraktion. Markus Sturm als Fraktionschef darf sich hin und wieder zu Wort melden. Ansonsten weitgehend Fehlanzeige! Ohne OB? Oh weh!
FW: Seit Jahren ein solider Job
Das Freie Wähler-Trio Feuerer, Schürzinger und Kapfer, liefert eine solide Bürgerarbeit ab, beißt sich immer wieder mal in Themen fest. Häuptling Feuerer polarisiert – auch innerhalb des Stadtrates. Eine konstante Größe, und das seit Jahren.
ÖDP: Seit 2008 ruhig gestellt
Im Bürgermeister-Schockzustand seit 2008, als Dupper Urban Mangold zu seinem Stellvertreter zähmte. Fraktionsmitglied Koopmann wechselte entnervt zur PaL. Shooting-Star Frankenberger wurde rausgemobbt und trat zurück. Es hat sich ausgereißnagelt.
Grüne: Nur noch Mauerblümchen
Vom einstmals bissigen Karl Synek hört man nicht mehr viel – als WGP-Aufsichtsratsvorsitzender von OB Dupper ruhig gestellt. Trägt Erika Träger eigentlich einen Tarnumhang? Jungstadtrat Bauer mal hui, dann wieder pfui. Grüne Mauerblümchen.
Weltkulturerbe: FDP/PAL stellt Bedenken vorerst zurück
Von Christian Karl Die Fraktion FDP/Passauer Liste hat in ihrer Sitzung am Montagabend einen Ergänzungsantrag für den Kulturausschuss am morgigen Donnerstag zum Thema „Weltkulturerbe“ beschlossen und gestern bei OB Jürgen Dupper eingereicht. Darin pocht man auf deutlich mehr Bürgerbeteiligung, Aufklärung und Erfahrungen anderer Städte, ehe man eine auf mindestens 300 000 Euro geschätzte formelle Bewerbung in Angriff nimmt.
In den vergangenen Tagen hatte es einige verbale Scharmützel gegeben, weil FDP und Passauer Liste (PaL) einen Antrag zur Vertagung eines Beschlusses zu dem durchaus bedeutenden Vorhaben andeuteten. Dies allerdings hätte massive Konsequenzen gehabt, weil die Frist zum notwendigen sogenannten „Interessensbekundungsverfahren“ gegenüber der Staatsregierung am 1. März endet.
Vor allem Weltkulturerbe-Befürworter Urban Mangold und Stadtrat Andreas Dittlmann (PaL) gerieten zuletzt ziemlich aneinander. Der PaL-Stadtrat legte gestern nochmals nach: „Ist ja schon erstaunlich, dass der Kollege Mangold früher unter OB Zankl bei jedem Thema ein großer Anhänger der Bürgerbeteiligung war. Da mussten wegen einer Tempo-30-Diskussion in einem Straßenzug von der Verwaltung Hunderte von Fragebögen versendet werden. Und bei einem solch wichtigen Thema wie ,Weltkulturerbe‘ wird eine Beteiligung der Bürger außen vor gelassen“, so Dittlmann. „Nicht nur die Kosten werden nicht exakt ermittelt, sondern auch andere negative Auswirkungen und Beeinträchtigungen für Bürger werden nicht näher genannt.“ In Richtung Aufklärung und Beteiligung geht deswegen auch der Änderungsantrag der FDP/PaL.
Fraktionsvorsitzender Dr. Max Stadler teilte gestern zunächst mit, dass Passau zweifellos die städtebauliche und historische Qualität aufweise, um den Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ zu erlangen. Der Imagegewinn und Werbewert wäre beträchtlich. Derzeit gehe es aber erst einmal daran, bis spätestens 1. März gegenüber der Bayerischen Staatsregierung das Interesse daran zu bekunden. Dieser Schritt sei zunächst auch nicht mit größeren Kosten verbunden. „Es ist wünschenswert, dass die Stadt Passau hierbei nach außen einheitlich auftritt, damit die Bekundung des Interesses angesichts der beachtlichen Mitbewerber bestmögliche Chancen hat“, sagte Stadler. „Daran möchte die Fraktion FDP/Passauer Liste mitwirken und stellt daher derzeit noch bestehende Bedenken zurück.“
Morgen soll in der Kulturausschuss-Sitzung das Gremium zunächst über das Procedere und mögliche Kosten informiert werden und die Teilnahme am bayernweiten „Interessenbekundungs-Verfahren“ beschließen.
Die FDP/PaL beantragt aber jetzt folgende Zusatzformulierung, die mitbeschlossen werden soll: „Sollte das Interessensbekundungsverfahren der Stadt Passau Erfolgsaussichten eröffnen, sind von der Verwaltung die Kosten der Bewerbung, von zusätzlichem Personal und weiteren Maßnahmen der Stadt als Folge der Bewerbung detailliert aufzuzeigen. Ebenso sind die Folgen für Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer zu nennen. Die fehlende Beteiligung, Information und Anhörung der betroffenen Bürger ist nachzuholen. Eine endgültige Entscheidung über die Abgabe der Bewerbung ist dann vom Stadtratsplenum zu fällen.“
Stadler begründet diesen Zusatz damit, dass bisher das Stadtratsplenum keine Entscheidung getroffen habe, obwohl es sich um eine äußerst wichtige Angelegenheit handle. Dies solle nach Auffassung von FDP/Passauer Liste nachgeholt werden, wenn das jetzt vorerst in Angriff genommene „Interessensbekundungsverfahren“ Erfolg habe und es darum gehe, die endgültige Entscheidung über die eigentliche Bewerbung zu treffen. Die Fraktion FDP/Passauer Liste wolle, dass die Kosten und Folgekosten vor einer Plenarentscheidung detailliert dargestellt werden.
Zudem herrsche derzeit laut Stadler bei vielen Bürgern Unsicherheit, was denn das Prädikat „Weltkulturerbe“ bedeuten würde, beispielsweise für Hauseigentümer und Gewerbetreibende in der Altstadt. Es bestehe die Sorge, dass keinerlei Veränderungen vorgenommen werden dürften. Eine Bürgerbeteiligung in Form von Gesprächen mit Betroffenen und einer Bürgerversammlung, in der über Vor- und Nachteile aufgeklärt werde, sei aber für die FDP/PaL unabdingbar, so Stadler. Dies alles müsse selbstverständlich in einem späterem Verfahrensstadium nachgeholt werden.
Mehr Bürgerbeteiligung beim Thema Weltkulturerbe
Die Fraktion FDP/Passauer Liste hat in ihrer Sitzung am Montagabend im Scharfrichterhaus einen Ergänzungsantrag für den Kulturausschuss am Donnerstag zum Thema "Weltkulturerbe" beschlossen und am Dienstag schriftlich bei Oberbürgermeister Jürgen Dupper eingereicht. Fraktionsvorsitzender Dr. Max Stadler teilte mit, dass Passau zweifellos die städtebauliche und historische Qualität aufweise, um den Titel "Unesco-Weltkulturerbe" zu erlangen. Der Imagegewinn und Werbewert wäre beträchtlich. Derzeit gehe es erst einmal daran, bis spätestens 1. März 2011 gegenüber der Bayerischen Staatsregierung das Interesse daran zu bekunden. Dieser Schritt sei zunächst auch nicht mit größeren Kosten verbunden.Stadler: "Es ist wünschenswert, dass die Stadt Passau hierbei nach außen einheitlich auftritt, damit die Bekundung des Interesses angesichts der beachtlichen Mitbewerber bestmögliche Chancen hat. Daran möchte die Fraktion FDP)Passauer Liste mitwirken und stellt daher derzeit noch bestehende Bedenken zurück."
Die Fraktion FDP/Passauer Liste wolle aber den Beschlussvorschlag der Verwaltung um einen Punkt ergänzen, der in einem konkreten Antrag ausgeführt worden sei:
"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!
Zum Tagesordnungspunkt 1 (Weltkulturerbe) der Sitzung des Kulturausschusses am Donnerstag, 17.2.2011, stellt die Fraktion FDP/Passauer Liste folgenden ergänzenden Antrag zu dem bisher zwei Punkte umfassenden Beschlussvorschlag der Verwaltung:
„3. Sollte das Interessebekundungsverfahren der Stadt Passau Erfolgsaussichten eröffnen, sind von der Verwaltung die Kosten der Bewerbung, von zusätzlichem Personal und weiteren Maßnahmen der Stadt als Folge der Bewerbung detailliert aufzuzeigen. Ebenso sind die Folgen für Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer zu nennen. Die fehlende Beteiligung, Information und Anhörung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger ist nachzuholen. Eine endgültige Entscheidung über die Abgabe der Bewerbung ist dann vom Stadtratsplenum zu fällen.“
Begründung:
Ich werde den Ergänzungsantrag in der Sitzung mündlich begründen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Max Stadler, Vorsitzender der Fraktion FDP/Passauer Liste"
Stadler wies zur Erläuterung darauf hin, dass bisher das Stadtratsplenum keine Entscheidung getroffen habe, obwohl es sich um eine äußerst wichtige Angelegenheit handle. Dies solle nach Auffassung von FDP/Passauer Liste nachgeholt werden, wenn das "Interessebekundungsverfahren" Erfolg habe und es darum gehe, die endgültige Entscheidung über die eigentliche Bewerbung zu treffen. Diese förmliche Bewerbung werde nach Schätzung der Stadtverwaltung etwa 300.000 Euro kosten. Die Fraktion FDP/Passauer Liste wolle, dass die Kosten vor einer Plenarentscheidung noch einmal detailliert dargestellt werden, und zwar nicht nur die Kosten der Erstellung einer förmlichen Bewerbung, sondern insbesondere auch die Frage der Folgekosten.
Zudem herrsche derzeit bei vielen betroffenen Bürgerinnen und Bürger Unsicherheit, was denn das Prädikat "Weltkulturerbe" für sie persönlich bedeuten würde, beispielsweise für Hauseigentümer und Gewerbetreibende in der Altstadt. Es bestehe die Sorge, dass keinerlei Veränderungen vorgenommen werden dürften. Bisher habe es keine "Mediation" gegeben. Eine Bürgerbeteiligung in Form von Gesprächen mit den Betroffenen und einer Bürgerversammlung, in der über Vor- und Nachteile sachlich aufgeklärt werde, sei aber für die FDP)Passauer Liste unabdingbar, so Max Stadler. Dies alles müsse selbstverständlich in einem späterem Verfahrensstadium nachgeholt werden.
MdB M@x Stadler als App für unterwegs
Passau. Seit dieser Woche hat der Passauer MdB Max Stadler (FDP), Staatssekretär bei der Bundesministerin der Justiz, als erster seiner Politiker-Kollegen ein App für Internethandys und iPads. Das heißt: Interessierte können Termine, Reden und das persönliche Profil von Max Stadler überall und zu jeder Zeit per Handy oder eben iPad abrufen. Ein App ist eine Software, die dem Benutzer in kompakter Form Infos bietet. „Ich selbst habe seit kurzem ein iPad und nutze es, um mich in Berlin über die Heimat zu informieren“, sagt Stadler. Dass auch Politiker, die schon zu den „älteren Semestern“ gehören mit der Zeit gehen müssen, da ist der 61-Jährige sicher: „Jeder informiert sich heute über das Internet. Durch die App kann sich der Bürger gezielter über mich kundig machen.“ Der einzige unter den Abgeordneten mit eigener App wird Stadler nicht bleiben. „Irgendwann hatte der erste eine eigene Homepage und alle zogen nach. Jetzt habe ich wohl als erster ein eigenes App. Die Kollegen werden bald auf den Geschmack kommen“, glaubt der Jurist. – köx
Stadler vs. Frankenberger: verschiedene Wege, gleiches Ziel
Öffentliche Diskussion der Politiker drehte sich gestern Abend um mehr direkte DemokratieEs war als Streitgespräch angekündigt und hat wohl nicht zuletzt wegen des Bekanntheitsgrades der beiden Diskutanten Dr. Max Stadler (FDP) und Sebastian Frankenberger (ÖDP) gestern Abend knapp 100 Interessenten angelockt. Doch nach eineinhalb Stunden lebhafter Debatte war klar: Zwischen zwei klugen Köpfen, die sich im Prinzip über das Ziel ihres Handelns einig sind, kann es keinen packenden Streit geben. Herauskam ein informativer Abend zum Thema „Mehr Demokratie“ − nicht mehr und nicht weniger.
Götz Amann, der 21-jährige Vorsitzende der Jungen Liberalen, hatte gestern wohl noch den schwersten Job zu bewältigen. Galt es doch eine Gaststätte in Passau zu finden, in der Sebastian Frankenberger, der Macher des Nichtraucher- Volksentscheids, kein Lokalverbot hat.
Weniger schwierig war da bereits die Aufgabe des Moderators: Karl-Heinz Hasenöhrl, Werbefachmann und Betreiber eines virtuellen Polit-Stammtischs namens „Wahlinfo“, blieb im Endeffekt neben einer kurzen Vorstellung der Diskutanten die Rolle eines Wort-Erteilers. Das lag im Wesentlichen an den wenig streitlustigen Politikern, die sich nach einem öffentlichen Briefwechsel via Medien vor Wochen geeinigt hatten, die Debatte zum Thema „Mehr Demokratie“ von Angesicht zu Angesicht zu führen. Sebastian Frankenberger, der die in Passau und in Bayern schon mehrfach erprobten Instrumente Bürger- und Volksentscheid gerne auf Bundesebene übertragen möchte, stellte seine Pläne vor. Man müsse die Bürger vor Großprojekten wie zum Beispiel Stuttgart 21 einbinden, dann komme es gar nicht erst zu Situationen wie der in Baden-Württemberg, wo die Landtagswahl in wenigen Wochen, die über die gesamte Politik von vier Jahren entscheiden soll, auf dieses eine Thema reduziert werde. Sein Credo: Bei grundsätzlichen Entscheidungen vorher das Volk fragen, dann ist es für die Politik leichter, Details zu klären.
Max Stadler räumte ein, dass auch er ein Anhänger von Formen direkter Demokratie sei, doch habe zum Beispiel der von Frankenberger initiierte Volksentscheid zum Rauchverbot eine dafür erforderliche Grundgesetzänderung in weite Ferne rücken lassen. Stadler: „Dafür brauchen wir im Bundestag eine Zwei-Drittel-Mehrheit, doch die meisten Kollegen sagen: Ihr seht doch, wozu das in Bayern geführt hat.“ Stadler stellte als Gegenentwurf sein Modell einer Volksinitiative vor, die im Online-Verfahren bei einer Zustimmung von 100 000 Bürgern das Parlament zur Behandlung bestimmter Themen zwinge. Das Projekt steht bereits im Koalitionsvertrag.
Spätestens da war klar, dass beide Politiker, die sich wie gewohnt rhetorisch versiert und argumentativ sattelfest zeigten, zumindest an diesem Abend kein Streitgespräch zu Stande bringen werden. Denn im Ziel waren sich letztlich beide einig: mehr Demokratie ja, nur über den Weg dorthin herrscht noch Uneinigkeit.
Da die Liberalen als Veranstalter die Mehrheit der Zuhörer stellten, kam es bei der anschließenden Fragerunde im Publikum zu der für eine Partei paradoxen Situation, dass FDP-Matador Stadler kaum noch zu Wort kam, weil die meist kritischen Wortmeldungen ausschließlich in Richtung Frankenberger gerichtet waren: Rauchverbot, Sperrzeitverlängerung oder Stuttgart 21. Doch der ist dies seit Monaten gewöhnt. Geschickt wich er jeglicher Kritik aus.
Streitgespräch: Stadler (FDP) contra Frankenberger (ÖDP)
Volksentscheid, Rauchverbot, Stuttgart 21, Castor-Transporte - in der Republik wird der Aufstand geprobt. Zum Wohl oder Wehe unserer demokratischen Gesellschaft?
Über diese Frage diskutieren Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) und Sebastian Frankenberger (Initiator Volksentscheid Rauchverbot und Bundesvorsitzender der ÖDP) am
Donnerstag, 3. Februar, ab 19 Uhr im Gasthaus „Bayerischer Löwe“.
Stadtgespräch
Die Februar-Ausgabe des renommierten Schach-Magazins 64 berichtet über Großmeister-Turniere und die Frauen-Weltmeisterschaft. Es findet sich darin aber auch ein doppelseitiger Artikel mit dem Titel: „Max Stadlers Rezept: Vernunft in der Politik − Leidenschaft im Schach“. Obwohl der Passauer FDP-Politiker, der seit drei Jahrzehnten bei den Schachfreunden Haselbach das „königliche Spiel“ pflegt, nie über Bezirksliga-Niveau hinaus gelangt ist, sah der Berliner Journalist Norbert Wallet doch genug Anlass für ein Porträt, denn es ist nicht alltäglich, dass sich ein Politiker für Schach interessiert. Eine besondere Ehre für den Justiz-Staatssekretär bestand darin, dass Chefredakteur Otto Borik, selber Internationaler Meister und deutscher Nationalspieler, drei Partien Stadlers aus der Niederbayernliga in die Zeitschrift aufnahm und wohlwollend kommentierte.
Ungarn
Regierung zu weiteren Änderungen an Mediengesetz bereit
Nach Angaben des stellvertretenden Regierungschefs und Justizministers Tibor Navracsics am Freitag in Gödöllö, beanstandet die EU-Kommission drei Punkte im umstrittenen Mediengesetz. Die Regierung Ungarns sei zu weiteren Änderungen an dem Gesetz bereit.
Die ungarische Regierung erwartet nur wenige Beanstandungen der EU-Kommission an dem umstrittenen Mediengesetz des Landes. Der stellvertretende Regierungschef und Justizminister Tibor Navracsics sagte am Freitag im ungarischen Gödöllö, dass er von der EU-Kommission darüber unterrichtet worden sei, dass drei Punkte in dem Gesetz beanstandet würden. Die ungarische Regierung zeigte sich erneut zu Änderungen an dem Gesetz bereit.
...
Kritiker befürchten, dass die Neuregelung zu einer Selbstzensur der Medien führen wird. Ungarn, das zum Jahresbeginn turnusmäßig die EU-Ratspräsidentschaft übernahm, steht wegen des Mediengesetzes seit Wochen in der Kritik.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler, äußerte sich bei dem Treffen nicht ausdrücklich zu dem Gesetz und verwies auf die Prüfung der Kommission. Die Bundesregierung lege jedoch „sehr großen Wert darauf, die Pressefreiheit umfassend zu schützen“, fügte er hinzu.
Bundesjustizministerium wirbt in EU für Vorschlag zu Datenspeicherung
In der Diskussion um die Datenspeicherung hat das Bundesjustizministerium auf europäischer Ebene um Unterstützung geworben.In der Diskussion um die Datenspeicherung hat das Bundesjustizministerium auf europäischer Ebene um Unterstützung geworben. "Zum Schutz der Grundrechte gehört es auch, dass wir bei Maßnahmen der Strafverfolgung nur so weit in die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger eingreifen, als es unbedingt erforderlich ist", sagte der Parlamentarische Staatssekretär, Max Stadler, am Freitag im ungarischen Gödöllö, wo er Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bei einem Treffen der EU-Justizminister vertrat. "Die derzeitige EU-Richtlinie für Vorratsdatenspeicherung geht unserer Meinung nach über dieses Ziel hinaus."
Max Stadler (FDP): Kein handlungsbedarf bei der Sicherungsverwahrung
Justiz-Staatssekretär zur erneuten Rüge des EuGHMax Stadler im Gespräch mit Christoph Heinemann
Der FDP-Politiker Max Stadler sieht nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zur nachträglichen Sicherungsverwahrung keinen Handlungsdebarf. Die Entscheidung betreffe ausschließlich das alte Recht.
Christoph Heinemann: Wenn ein Schüler auch im zweiten Anlauf die Hausaufgaben fehlerhaft abliefert, dann weiß der Lehrer spätestens, er hat den Stoff grundsätzlich nicht verstanden, oder aber, er nimmt die Aufgaben nicht ernst. Ein Eintrag ins Klassenbuch ist dann fällig, Rüge oder Tadel.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die deutsche Praxis der Sicherungsverwahrung abermals gerügt. Das Gericht gab gestern in Straßburg vier Sexualstraftätern recht, die, trotz Verbüßung ihrer Freiheitsstrafen, nicht auf freien Fuß gesetzt wurden. Drei Klägern muss Deutschland insgesamt 125.000 Euro als Entschädigung zahlen. Und am Telefon ist Max Stadler (FDP), Staatssekretär im Bundesjustizministerium. Guten Morgen.
Max Stadler: Guten Morgen!
Heinemann: Was nun?
Stadler: Ja, ich kann nur sagen, glücklicherweise hat die Bundesregierung - übrigens schon vor der allerersten Straßburger Entscheidung - erkannt, dass das Recht der Sicherungsverwahrung völlig neu geregelt werden muss. Es ist in den letzten zehn Jahren ständig aufgrund von Einzelfällen reformiert worden. Es war kein in sich stimmiges Konzept mehr und deswegen hat die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ein neues Konzept auf den Weg gebracht, das auch die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat gefunden hat und seit 1. Januar gilt. Das bedeutet, dass für die Zukunft die von Straßburg problematisierte nachträgliche Sicherungsverwahrung ausgeschlossen wird, dass wir aber die Anordnung der vorbehaltenen Sicherungsverwahrung schon im Urteil und die Anordnung überhaupt der Sicherungsverwahrung im Urteil ausgebaut haben und dass es zusätzlich für diejenigen Fälle, die jetzt aufgrund der Straßburger Rechtsprechung womöglich in Freiheit kommen werden, eine neue Unterbringungsmöglichkeit gibt, eine therapeutische Unterbringungsmöglichkeit, die speziell dafür geschaffen worden sind.
Ich kann nur sagen, wir fühlen uns durch die Straßburger Rechtsprechung darin bestätigt, dass es höchste Zeit war, das Recht der Sicherungsverwahrung in Deutschland zu reformieren und es ist eine umfassende Reform jetzt geschaffen worden aus einem Guss wie seit 1970 nicht mehr.
Heinemann: Herr Stadler, Sie haben das Therapieunterbringungsgesetz angesprochen, dessen Kompliziertheit ja allein durch die 28 Buchstaben schon unterstrichen wird. Da gibt es auch andere Stimmen, zum Beispiel der Tübinger Rechtsprofessor Jörg Kinzig, Fachmann für Sicherungsverwahrung, den die Süddeutsche Zeitung heute zitiert mit dem Satz, "das neue Urteil verstärkt die Zweifel an dieser Regelung". Droht da die nächste Schlappe in Straßburg?
Stadler: Das sehe ich nicht so, denn Straßburg hat sich ja befasst mit dem alten Recht. Das ist ganz wichtig, dass man das erkennt. In Ihrem Vorspann hieß es ja auch, wer zweimal seine Hausaufgabe schlecht macht, bekommt einen Eintrag ins Klassenbuch. Die Straßburger Entscheidungen betrafen allesamt das alte Recht. Es ist dort keine Aussage getroffen zu dem neuen Recht, das ja eben erst auch seit 1. Januar gilt. Und diese therapeutische Unterbringung betrifft diejenigen Straftäter, bei denen eine psychische Störung vorliegt und bei denen die große Gefahr besteht, dass sie aufgrund dieser psychischen Störung erhebliche schwere Straftaten auch künftig begehen werden, und dafür wird eben keine Sicherungsverwahrung angeordnet werden, sondern eine neue Form der Unterbringung, die auf Therapie abzielt, damit aber zugleich natürlich auch der Sicherung vor diesen Tätern dient, und ich bin überzeugt, dass wir uns hier an die Vorgaben der europäischen Menschenrechtskonvention strikt gehalten haben.
Heinemann: Und wenn der Täter nicht in Therapie will, dann ist sein Grundrecht auf Freiheit doch weiterhin eingeschränkt. Dieses Grundrecht heißt Grundrecht auf Freiheit und nicht Grundrecht auf ein bisschen Freiheit.
Stadler: Ja, aber das Grundrecht auf Freiheit ist unter bestimmten Voraussetzungen einschränkbar. Es gibt auch im deutschen Recht andere Fälle, beispielsweise zwangsweise Therapien bei drogenabhängigen Straftätern nach § 64 Strafgesetzbuch. Das ist also nichts völlig Neues. Und demgemäß stimme ich Wolfgang Bosbach zu, dem Vorsitzenden des Innenausschusses des Bundestags, einem profilierten CDU-Politiker, der ja selber heute in einem Interview sagt, dass man über das neue Recht hinaus derzeit keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf hat. Wir haben eine umfassende Reform geschaffen. Unabhängig übrigens von den Straßburger Entscheidungen war dies zwischen Union und FDP schon im Koalitionsvertrag vereinbart. Aber nach den Straßburger Entscheidungen bin ich erst recht froh, dass wir dieses schwierige Thema angegangen haben und ein neues Konzept erarbeitet haben.
Heinemann: Herr Stadler, müssen rund 20 Straftäter, die in nachträglicher Sicherungsverwahrung sitzen, jetzt freigelassen werden?
Stadler: Das werden die Gerichte entscheiden. Hier gibt es nach dem ersten Urteil aus Straßburg vom Dezember 2009 schon unterschiedliche Auffassungen verschiedener Oberlandesgerichte. Deswegen haben wir eine weitere gesetzliche Neuerung eingeführt, dass nämlich in diesen Fällen im Gegensatz zur Vergangenheit bei unterschiedlicher Rechtsprechung die Oberlandesgerichte den Fall dem Bundesgerichtshof vorlegen müssen. Damit wird es eine einheitliche Entscheidungspraxis in Deutschland geben.
Wir rechnen jetzt mit einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs, auch das Bundesverfassungsgericht ist mit diesen Fragen befasst, und dies ist eben jetzt eine Entscheidungsbefugnis der Rechtsprechung. Aber eben gerade falls es zu Entlassungen kommt, dann wird in diesen Fällen zu prüfen sein, ob die neue therapeutische Unterbringung bei diesen Tätern eingreift, und das ist in jedem Einzelfall zu entscheiden, sodass man nicht sagen kann, die werden jetzt alle entlassen werden, sondern es wird im Einzelfall geprüft.
Heinemann: Herr Stadler, mutiger als Sie äußert sich da der niedersächsische Landesjustizminister Bernd Busemann von der CDU. Er sagt, ich lasse keinen raus, klare Ansage. Begründung: Der Bundesgerichtshof habe schließlich erst im vergangenen November entschieden, dass ein früheres Urteil des Straßburger Gerichts keine Entlassungsautomatik beinhaltet. Sticht dieses Argument?
Stadler: Dieses Argument sticht aus einem Grund nicht: Auch innerhalb des Bundesgerichtshofs gibt es zu diesen Problemen unterschiedliche Auffassungen. Dafür ist vorgesehen, dass dann der Große Senat für Strafsachen eine einheitliche Rechtsprechung herbeiführt, und auf diese Entscheidung warten wir. Es mag ja sein, dass Herr Busemann selber nicht die Absicht hat, Straftäter freizulassen, aber darüber entscheiden eben die unabhängigen Gerichte und das wird jetzt eine Grundsatzentscheidung geben des Bundesgerichtshofs, gegebenenfalls auch des Bundesverfassungsgerichts. Das ist jetzt abzuwarten.
Ich darf aber darauf aufmerksam machen, dass es natürlich nach den gestrigen Entscheidungen aus Straßburg und auch nach einer Entscheidung vom Dezember 2009 sehr wohl möglich ist, dass manche der Betroffenen zu Unrecht in Unfreiheit weiterhin sich befinden, weil nämlich die Sicherungsverwahrung nachträglich verlängert worden ist. Das hat ja Straßburg gerügt schon im Dezember 2009. Aus diesem Grund haben wir eine weitere Vorsorge getroffen. Wenn es denn zu Entlassungen kommen wird aufgrund von Gerichtsentscheidungen, dann wird ja seit 1. Januar es auch möglich sein, eine elektronische Aufenthaltsüberwachung durchzuführen, sogenannte elektronische Fußfessel. Das ist ja kein Allheilmittel, aber es ermöglicht es der Polizei, solche Täter doch intensiver zu überwachen als in der Vergangenheit. Und wenn ich das noch schnell sagen darf?
Heinemann: Aber ganz schnell!
Stadler: Wenn es dann Verstöße gegen Aufenthaltsanordnungen gibt, die man mit der Fußfessel beweisen kann, wäre das eine eigene Straftat, die zu einer erneuten Inhaftierung führt. Also da ist eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme jetzt auch geschaffen worden.
Heinemann: Max Stadler, FDP, Staatssekretär im Bundesjustizministerium. Danke schön für das Gespräch und auf Wiederhören.
Stadler: Ich danke.
Talkrunde mit Azubis
OB Dupper und Staatssekretär Dr. Stadler diskutieren mit NachwuchsVon Sandra Schülein
Tagtäglich lernen die Auszubildenden in der Sparkasse Passau, wie man Kunden rund ums Geld richtig berät. Doch beim Polit-Talk am Montagabend, den Auszubildende für ihre Kollegen organisiert hatten, standen im Sparkassen-Saal politische Themen im Mittelpunkt. Die Diskussionsrunde mit OB Jürgen Dupper, Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler und der Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Renate Braun, stellte sich aktuellen Fragen und Themen.
Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und gespannte Gesichter warteten auf die Antworten der Gäste - zuerst zur Abschaffung der Wehrpflicht. Dr. Max Stadler ist der Meinung, dass dies schon lange nötig und die richtige Entscheidung war, da sich die Aufgaben innerhalb der Bundeswehr geändert hätten. Die Abschaffung der Wehrpflicht hält auch OB Jürgen Dupper für eine gute Entscheidung. Vorstandsvorsitzende Renate Braun sieht dieses Thema zweiseitig. Auf der einen Seite seien Männer und Frauen nun gleichgestellt. Jedoch sei die Wehrpflicht auf der anderen Seite auch ein Dienst an der Gesellschaft.
Die jüngsten Terrorwarnungen in Deutschland beschäftigten auch die Auszubildenden der Sparkasse. Stadler bekräftigt: „Kaum ein Land kann sich von Terroranschlägen ausnehmen. Das kann uns in Deutschland jederzeit leider auch passieren.“ Neben der Sicherheit in Deutschland waren auch die Sicherheit und der Umgang mit dem Internet und Social Networks ein großes Thema. Renate Braun will das Medium Internet mit all seinen Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr missen. „Unsere Kunden erwarten es, dass wir übers Internet mit ihnen kommunizieren.“ Sogar bei Xing ist sie angemeldet. Hier seien neue Formen von Recruiting möglich. Auch Max Stadler weiß, dass das Internet und die private Darstellung, sei es nur auf einer Homepage, heutzutage nicht mehr wegzudenken sind. OB Dupper betonte, dass er nicht mit dem Internet aufgewachsen sei wie die Azubis, dennoch lese er mehrere Tageszeitungen aus Deutschland übers Internet.
Wie geht es Deutschland nach der Wirtschaftskrise? Stadler ist froh darüber, dass sich das Land nach der Krise so schnell und gut erholt hat. Passaus OB hätte gehofft, dass die Lehren aus der Krise stärker gewirkt hätten. Jetzt scheine es, als würden alle so weitermachen wie zuvor. Über den Wirtschaftsaufschwung und die guten Zahlen ihres Unternehmens ist auch Renate Braun erleichtert. Mitbestimmung, Raucherverbot, Integrationsdebatte und die Sicherheit der Einlagen waren weitere Themen des Abends, der mit einem bayerischen Imbiss ausklang.
Stadler will Debatte mit Frankenberger
Dr. Max Stadler, Parlamentarischer Staatssekretär und als Stadtrat auch Kollege von Sebastian Frankenberger, akzeptiert das Angebot des jungen ÖDP-Bundesvorsitzenden, sich bei einer Podiumsdiskussion über das Thema Basisdemokratie und Bürgerbeteiligung auszutauschen. Dies hatte Frankenberger dem FDP-Kollegen vorgeschlagen, nachdem der zuvor dessen Vorgehen beim bayernweiten Volksentscheid Nichtraucherschutz etwas gerügt hatte. „Lieber Herr Kollege Frankenberger, hiermit schlage ich Ihnen konkret vor, dass wir im Februar oder spätestens im März eine öffentliche Diskussion über das Thema führen“, teilte Stadler Frankenberger mit. „In unserem Schriftwechsel vor dem Jahreswechsel hat sich gezeigt, dass sowohl Sie als auch ich die Frage, wie man die Bürger sinnvoll stärker an politischen Entscheidungen beteiligen kann, für ein sehr wichtiges Thema halten. Sie haben als ÖDP-Politiker erfolgreich ein Volksbegehren organisiert. Ich habe in die Koalitionsverhandlungen im Bund Verbesserungen des Petitionsrechts eingebracht, die Elemente einer Gesetzesinitiative durch die Bevölkerung beinhalten. Auch das FDP-Präsidium hat am 22. Dezember neue ,Perspektiven liberaler Demokratiepolitik’ beschlossen. Darin wird aufgrund der Erfahrungen mit ,Stuttgart 21’ auch die Option von Volksentscheiden erwähnt. Es gibt also Diskussionsstoff genug. Die Liberale Hochschulgruppe hat bereits Debatten zu aktuellen Fragen im Scharfrichterhaus durchgeführt und sich bereit erklärt, auch unser Gespräch zu organisieren, wenn dies Ihr Einverständnis findet. (...) Die Leitung des Gesprächs sollten wir einem ,neutralen‘ Moderator übertragen“, bot Stadler an. - ck
Ein schwarz-gelber Streit
Die Vorratsdatenspeicherung sorgt derzeit für Streit in der schwarz-gelben Regierung. Laut Justizstaatssekretär Max Stadler (FDP) verfolgt seine Partei einen „völlig anderen Ansatz“ als das Innenministerium.Der Streit über die Vorratsdatenspeicherung reißt immer tiefere Gräben zwischen Union und FDP. Das Bundesjustizministerium wies am Donnerstag in Berlin heftige Kritik aus CDU-Reihen zurück und beharrte auf seiner Position. Man verfolge einen „völlig anderen Ansatz“ als das Bundesinnenministerium, erklärte Justizstaatssekretär Max Stadler (FDP). Zuvor hatte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) scharf angegriffen.
Stadler sagte, während Bundesinnenminister Thomas de Maizière „nach wie vor ohne konkreten Anlass“ die Verbindungsdaten aller Bürger über Monate speichern wolle, verfolge sein Ministerium einen komplett anderen Weg. Statt einer umfassenden pauschalen Überwachung wolle man den Strafverfolgern eine Nutzung von Verbindungsdaten nur bei konkreten Verdachtsmomenten „in engen, grundrechtsschonenden Grenzen ermöglichen“, erklärte Stadler. „Wir fordern die Abkehr von einer anlasslosen flächendeckenden Speicherung. Das ist auch der Standpunkt der FDP-Fraktion.“ Details eines Kompromissvorschlages seines Hauses würden jetzt ausgearbeitet.
De Maizière hatte am Mittwoch angekündigt, er sei bei der Mindestspeicherfrist für Telefon- und Internetverbindungsdaten, dem Umfang der Speicherung sowie möglichen Zugriffshürden für die Strafverfolger kompromissbereit.
Schünemann sieht Untätigkeit der Ministerin
Schünemann lastete Leutheusser-Schnarenberger Versäumnisse im Kampf gegen den Kindesmissbrauch und den Terrorismus an und hielt ihr Untätigkeit vor. „Auch wer nicht handelt, macht sich schuldig: Obwohl die Terrorbedrohung wächst, weigert sich die Bundesjustizministerin seit Monaten hartnäckig, die Vorratsdatenspeicherung zu ermöglichen“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Auch auf jüngste Kompromisssignale des Bundesinnenministeriums habe das Justizministerium zurückhaltend reagiert. „Selbst wenn sie die Terrorgefahr ignoriert, muss sie doch wenigstens das Schicksal missbrauchter Kinder berühren“, sagte Schünemann. Wer den Sicherheitsbehörden notwendige Befugnisse verwehre und Gefahren ignoriere, der handele verfassungswidrig.
Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Ferdinand Kirchhof, erklärte, das Gericht habe die umstrittene Vorratsspeicherung in seinem Urteil vom März nicht grundsätzlich untersagt. „Die Vorratsdatenspeicherung für sechs Monate kann unter strengen Voraussetzungen durchaus im Einklang mit dem Grundgesetz stehen, etwa wenn es um die Aufklärung besonders schwerer Straftaten oder um die Gefahrenabwehr geht“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. Verfassungswidrig sei jedoch „das anlasslose pauschale Speichern von Daten“.
Opposition und DJV warnen
Für die Linksfraktion erklärte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, Schünemann agiere erneut als „Verfassungs-Risiko“. Die anlasslose Vorratsspeicherung von Kommunikationsdaten berge einen Generalverdacht gegen alle Bürger und zudem einen massiven Einbruch in den Datenschutz, erklärte die Abgeordnete.
Grünen-Parteichefin Claudia Roth sagte, Schünemanns „Keulereien“ gegen Leutheusser-Schnarrenberger seien „unsäglich und eine bemerkenswerte politische Entgleisung gegenüber dem eigenen Koalitionspartner“. Nach den Vorschlägen de Maizières würden unverändert 82 Millionen Bürger unter Generalverdacht gestellt. „Wir stellen uns deswegen konsequent gegen jede Form der verdachtslosen Speicherung persönlicher Daten“, sagte Roth.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, eine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung mit geringfügigen Änderungen sei mit der Notwendigkeit eines umfassenden Informantenschutzes nicht vereinbar. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken sagte, „de Maizières Kompromissvorschlag, die Speicherdauer je nach elektronischem Medium zu staffeln, macht das Gesetz für Journalisten und ihre Informanten nicht besser“. Auch das Angebot, auf die Speicherung von Standortdaten beim Telefonieren mit Handys zu verzichten, nütze nichts. „Dann können Ermittler immer noch in Erfahrung bringen, mit welchem Informanten ein Journalist telefoniert hat.“
Schon gehört, dass
Schon gehört, dass....Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) der letzte Redner im Bundesrat für dieses Jahr war? Die Länderkammer befasste sich in ihrer letzten Plenarsitzung am Freitag, 17. Dezember mit der Reform der Sicherungsverwahrung.
Stadler verteidigte den Entwurf der Bundesregierung als die „umfassendste Neuordnung der Sicherungsverwahrung aus einem Guss seit 1970”. Der Bundesrat ließ das Reformvorhaben von Bundesjustizministerin Leutheusser- Schnarrenberger unverändert passieren. Wegen der katastrophalen Verkehrsverhältnisse wurden alle weiteren vorgesehenen Reden zu Protokoll gegeben und die Sitzung vorzeitig beendet, damit die Ländervertreter noch nach Hause reisen konnten. Genützt hat es nicht allzuviel: Stadlers Flug nach München wurde ebenso gestrichen wie die Reisemöglichkeiten vieler anderer Minister und Abgeordneten. Erst am Samstagmittag erreichte der Staatssekretär das heimatliche Passau.
Aufgespießt und festgenagelt
Recht-BotschafterÜbrigens hat Recht-Botschafter Dr. Max Stadler bei dem EU-Festakt auch eins der extra gedehnten Grußworte gesprochen. Er ist in Übung: Kürzlich hielt der Herr Justizstaatssekretär in der Wirtschaftskammer Schärding den Festvortrag zum 20-jährigen Bestehen der Deutsch-Österreichischen Juristen-Vereinigung DÖJV. Eingeladen vom Passauer Arbeitsrechtler und DÖJV-Präsidenten Dr. Ewald Helml sprach Stadler bereits dort über Freiheit, Sicherheit und Recht in der EU und die enge Zusammenarbeit der Justizministerien von Berlin und Wien.
Frankenberger antwortet auf Stadlers offenen Brief
Angebot für Gespräch über Direkte DemokratieDie Replik ließ etwas auf sich warten - aber sie kam, wie es in der etwas aus der Mode gekommenen Art des Briefschreibens üblich ist. Auf einen offenen Brief seines Polit- und Stadtratskollegen Dr. Max Stadler (FDP) hat nun Sebastian Frankenberger (ÖDP) geantwortet.
Nochmal kurz zum Hintergrund: Das „ÖDP Bayern Aktionsbündnis“ mit seiner Gallionsfigur Frankenberger war in Würdigung des Nichtraucherschutz-Volksbegehrens für den Politik-Award 2010 nominiert, eine Auszeichnung für erfolgreiche Polit-Kampagnen. Bei der Preisvergabe ging Frankenberger allerdings leer aus. Dafür erhielt er einen Brief von Dr. Max Stadler (FDP). Darin würdigt der Bundespolitiker das „politische Talent“ Frankenbergers und dessen Organisation der Nichtraucher-Kampagne, die Stadler selbst allerdings „inhaltlich falsch“ gehalten habe. „Mein Wunsch an Sie wäre, dass Sie in Ihrer politischen Arbeit mehr als bisher den Aspekt berücksichtigen, dass es in einer Demokratie wichtig ist, verschiedene Interessen zum Ausgleich zu bringen“, lautete einer der Kernsätze in Stadlers offenem Brief, auf den Frankenberger nun ebenso offen (veröffentlicht) antwortet.
Auszüge:
Sehr geehrter Herr Stadler,
vielen Dank für Ihre offenen Worte. Erlauben Sie mir zunächst den Hinweis, dass nicht ich persönlich nominiert war, sondern die Kampagne an sich. Sie hat sich in einem grundlegendem Punkt von allen anderen unterschieden: Sie wurde nicht von einer großen Werbeagentur getragen, sondern war eine „Volkskampagne“, die von vielen Aktiven vor Ort oder via Web 2.0 entwickelt und getragen wurde.
(...) Was die Direkte Demokratie angeht, schreiben Sie, treibe Sie die „Sorge um, wie man dabei von holzschnittartigen Scheinlösungen wegkommt.“ Dieser Sorge begegne ich sowohl als Bundesvorsitzender der ÖDP und als Landesvorstand des Vereins „Mehr Demokratie“ immer wieder und ich beschäftige mich intensiv damit, wie Bürger- und Volksentscheide und Beteiligungsverfahren bei Planungen aussehen müssten. Ich bin aber zum Entschluss gekommen, dass wir die Direkte Demokratie als Ergänzung der Repräsentativen Demokratie auf allen Ebenen brauchen, wo Entscheidungen getroffen werden, also auch auf Bundes- und Europaebene. (...)
Für mich ist die Direkte Demokratie nur ein Spiegel der Probleme unsere Gesellschaft, nicht deren Ursache. Gerade beim Volksentscheid zum Gesundheitsschutzgesetz wurde dies sehr deutlich. Aus meiner Sicht, war er die einzige Möglichkeit, das Hin und Her der Parteien zu beenden und eine Entscheidung herbeizuführen, die von der breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen wird. Gerne würde ich mit Ihnen zu Fragen Direkter Demokratie ausführlicher austauschen als dies in einem Briefwechsel möglich ist. Entweder in einem Vier-Augen-Gespräch, einer Podiumsdiskussion oder einem Redaktionsgespräch mit einem der Medien, an die Sie auch Ihren offenen Brief gesandt haben.
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Frankenberger
ÖDP-Bundesvorsitzender
„Wasserbus“-Studie: Fall für Steuerzahlerbund?
GEVAS-Studie bestätigt FDP/PaL-Kritik - Trotzdem soll eine auf bis zu 30 000-Euro veranschlagte Untersuchung folgenVon Christian Karl
Die Stadtratsfraktion der FDP und Passauer Liste (PaL) erhält in ihrer Kritik an den mit bis zu 30 000 Euro veranschlagten Planungen für ein Wassertaxi/-bus-Projekt in Passau unverhofft Unterstützung. Das Verkehrsinstitut GEVAS erachtet das Vorhaben in der Dreiflüssestadt im Rahmen einer gerade laufenden anderweitigen Untersuchung als wenig realisierungswert. Die „Konkurrenz zu bestehenden Angeboten von Schiff und Bus“ sowie eine „problematische Wirtschaftlichkeit“ sprächen dagegen. Für die FDP/PaL Argumente für ihre Forderung, von weiteren teuren Planungen abzulassen. Andernfalls sorge man wohl für ein wenig ruhmreiches „Kapitel im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler“, wie PaL-Stadtrat Andreas Dittlmann unkt. Rathaus-Sprecherin Karin Schmeller hingegen erinnert an Stadtratsbeschlüsse, die abgearbeitet werden müssen, ehe es zu einer Entscheidung pro oder contra Wasserbus kommt. Heute Nachmittag tagt die Projektgruppe „Verkehrsentwicklungsplan Passau“. Dabei stellt das Institut GEVAS Untersuchungen zu verschiedenen Themen vor. Darunter mögliche Vorhaben wie Kreisverkehre, P+R-Angebote oder Verbesserungen im ÖPNV. Aber auch das Thema „Wasserbus“ wurde untersucht. „Das Fazit überrascht nicht“, meint Kritiker Andreas Dittlmann vorab. „So wird keine Einführung empfohlen, da es nur einen zusätzlichen Kostenfaktor darstellt und als Konkurrenz zu bestehenden Bus- und Schifffahrtsangebot in der Dreiflüssestadt angesehen wird.“ Vor allem die FDP war es, die gegen die Vergabe einer anstehenden externen Studie zum Thema Wasserbus bei den Haushaltsberatungen Mitte November gestimmt hatte. 30 000 Euro wurden dabei für eine mögliche weitere Untersuchung beschlossen. Im Rahmen der abschließenden Etat-Abstimmung im Gesamtplenum Anfang dieser Woche hatten Befürworter dieses diskutierten Verkehrsprojekts nochmals Werbung gemacht. ÖDP-Fraktions-Chef Paul Kastner pochte darauf, „dass das Wasser-Taxi eine Chance bekommt“. FWG-Kollege Alois Feuerer warb in einer amüsanten Forderung ebenfalls für das Pilotprojekt „H2O-ÖPNV“.
Bestätigt in ihrem Zweifel sah sich nach Bekanntwerden der GEVASEinschätzung einen Tag nach dem Ja zum Haushalt aber die Stadtratsfraktion der FDP/PaL Die hatte sich zum einen stets vehement an den veranschlagten Kosten einer Studie zum Thema „Wasser-Taxi/-Bus“ gestoßen. Und zum anderen auch moniert, dass es keiner externen Studie bedürfe. „Aus unserer Sicht wäre ein Runder Tisch mit der Passauer Personenschifffahrts-Reederei und den Stadtwerken ebenso zielführend wie abermals eine externe Studie“, meinte Dittlmann zusammen mit Fraktionskollege Peter Pell bereits Anfang November in einem Brief an OB Jürgen Dupper. Zudem fühle man sich in der FDP/PaL-Fraktion nun auch etwas hintergangen.„Es ist unglaublich, dass man nicht bereits bei den Haushaltsberatungen von der Stadtverwaltung auf diese Studie von GEVAS verwiesen hat“, sagt Dittlmann. „Alleine die Zahlen und die negative Empfehlung reichen doch jetzt aus, sich von diesem Thema zu verabschieden“, meint Dittlmann.
Argumente, die Rathaus-Sprecherin Karin Schmeller so nicht stehen lassen will. „Es gibt ja einen Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses, in dem festgelegt wurde, das Thema Wassertaxi zuerst im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans mit geprüft wird - und wenn das Ergebnis ergeben sollte, dass es eine sinnvolle Ergänzung sein könnte, dann eine weitere Untersuchung mit einer genaueren Kostenschätzung in Auftrag gegeben wird. Das ist die aktuelle Grundlage, an die sich natürlich die Verwaltung hält“, erinnert Schmeller. „Und deswegen hat man auch die möglichen Untersuchungskosten von 30 000 in den Haushalt eingestellt.“ Freilich möchte Schmeller jetzt auch nicht ausschließen, dass der Stadtentwicklungsausschuss am 21. Dezember das Thema Wassertaxi und weitere Untersuchungen dazu ablehnt. „Wir befinden uns aber noch mitten im Entscheidungsprozess“, so Schmeller.
Kritiker Dittlmann allerdings denkt schon weiter: „Es ist schön von Wasserbussen im bayerischen Venedig zu träumen, aber irgendwann muss man den Realitäten ins Auge sehen“, sagt Dittlmann. Und wenn der Stadtrat jetzt noch weitere Mittel freigebe, dann werfe man wirklich Gelder mit beiden Händen zum Fenster hinaus. „Ein Kapitel im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler wäre uns sicher“, meint Dittlmann.
In China hilft Diplo matie aus Passau
Ehemaliger Uni-Absolvent Markus Ederer(53) wird erster EU-Botschafter in Peking
von SEBASTIAN DAIMINGER
Ein Top-Diplomat, der seine Karriere in Passau begann, tritt einen der wichtigsten Posten für die Europäische Union im Ausland an. Und das Mitten im Wikileaks-Skandal um peinliche Äußerungen von Botschaftern über fremde Regierungspolitiker. Kein leichter Start für Markus Ederer (53), den künftigen Leiter der EU-Vertretung in Peking. Als neuer Botschafter der EU in China besetzt er einen sensiblen Schlüsselposten im neuen Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD), der diese Woche offiziell seine Arbeit aufnahm. Bundesaußenminister Guide Westerwelle erklärte es so: „Durch ihn kann Europa mit einer Stimme in der Welt sprechen. Die EU erhält dadurch neues Gewicht in ihrer Rolle als globaler Akteur.“
Ederer startete seine erfolgreiche Laufbahn in Passau. Er studierte Jura an der Universität, war später Referendar beim heutigen Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP). Dieser erinnert sich: „Ich habe ihn als politisch außerordentlich interessiert kennen gelernt und er schien mir ein exzellenter Jurist zu werden. Ich selbst war damals noch Richter. Nach dem zweiten Staatsexamen hat er sich für den diplomatischen Dienst beworben.“ Ederer bekam einen Posten im Außenministerium, wo er schnell zum Leiter des Planungsstabs aufstieg. Immer wieder kreuzten sich die Wege der beiden Juristen aus Passau. Nun nimmt Ederer als erster EU-Botschafter in China einen absoluten Top-Posten ein. Stadler dazu: „Er genießt hohes Ansehen - es hat mich sehr gefreut, dass er dieses Amt bekommt.“ Für Stadler aber auch ein Zeichen für die gute Ausbildung der Passauer Uni, die besonders viele Diplomaten hervorbringt: „Mit Fremdsprachen und zahlreichen ausländischen Beziehungen wird hier einfach das richtige Rüstzeug für diesen besonderen Beruf vermittelt.“ Aus Ederers Jahrgang sind zwei weitere Absolventen in den Auswärtigen Dienst gegangen.
Keine Frage: Mit der Leitung der EU-Vertretung in China wird Markus Ederer eine Position von enormer strategischer Bedeutung innehaben: „Gerade in einer kritischen Region gilt es, hervorragende Fachleute zu entsenden, die sowohl Menschenrechte einfordern als auch wirtschaftliche Interessen vertreten“, erklärte beispielsweise der österreichische EU-Parlamentarier Hannes Swoboda diese Woche.
Angesichts der jüngsten Wikileaks-Veröffentlichungen stelle sich auch die Frage nach einer sicheren Kommunikation. Es wird also eine besonders heikle Mission für den Spitzen-Diplomaten Markus Ederer. Sein ehemaliger „Lehrmeister“ Max Stadler ist sich sicher, dass er die Herausforderungen gut meistern wird: „Ederer tritt seinen Dienst in einer schwierigen Phase an, in der die Kunst des Formulierens besonders gefragt ist. Er ist dafür aber bestens prädestiniert!“
Kriminelle künftig krank
UNTERBRINGUNG Mehr als 100 Sicherungsverwahrte müssten freikommen. Die Regierung etikettiert die Gefangenen daher umAUS FREIBURG CHRISTIAN RATH
Psychisch gestörte Gewalttäter sollen nicht aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden - auch wenn sie eigentlich von einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) profitieren könnten. Das beschloss gestern der Bundestag mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition und der SPD. Der Linke Wolfgang Neskovic sagte: "Hier wurde dem Ruf der fünften Gewalt - der Stammtische - nachgegeben." Die Grünen zeigten sich "enttäuscht.
Bei der Sicherungsverwahrung muss ein Täter auch nach Verbüßung seiner Strafe im Gefängnis bleiben - so lange, bis er nicht mehr als gefährlich gilt. Derzeit sitzen in Deutschland mehr als 500 Personen in Sicherungsverwahrung, Tendenz stark steigend. Alle zwei Jahre muss überprüft werden, ob der Täter noch gefährlich ist. Justizstaatssekretär Max Stadler (FDP) nannte die Sicherungsverwahrung gestern im Bundestag das "letzte und einschneidendste Mittel des Strafrechts". Es wurde gestern grundlegend reformiert (siehe unten).
Im Mittelpunkt der letzten Monate stand aber eine "Sondersituation" (Stadler), die durch ein EGMR-Urteil aus dem letzten Dezember ausgelöst wurde. Der Straßburger Gerichtshof hatte auf Klage eines hessischen Gewaltverbrechers die rückwirkende Verlängerung der Sicherungsverwahrung im Jahr 1998 beanstandet. Bis dahin war die Verwahrung auf zehn Jahre befristet, jetzt kann sie unbefristet verhängt werden - auch für Taten, die vor 1998 begangen wurden. Der EGMR sah darin einen Verstoß gegen das Rückwirkungsverbot für Strafgesetze, denn die Sicherungsverwahrung sei nach ihrer Ausgestaltung kaum von einer Freiheitsstrafe zu unterscheiden.
Auf dieses Urteil können sich in Deutschland zurzeit 122 Verwahrte berufen. Nach und nach kommen noch 230 weitere Personen hinzu, sobald sie ihre Haftstrafe und anschließend zehn Jahre Verwahrung abgesessen haben. Entlassen wurden bisher aber nur 17 Personen. Teilweise werden sie rund um die Uhr von Polizisten bewacht, zusätzlich soll künftig auch die elektronische Fußfessel eingesetzt werden können. Boulevardmedien brandmarkten jede Entlassung als "Irrsinn".
In der Politik hatte sich deshalb schnell die Stimmung durchgesetzt, dass eine Entlassung der betroffenen Altfälle nach Möglichkeit verhindert werden soll. Auf Druck der CDU/CSU legte deshalb Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ein "Gesetz zur Therapierung und Unterbringung psychisch gestörter Gewalttäter" (ThUG) vor, das gestern im Bundestag beschlossen wurde. Es gilt auch für Personen, die bereits aus der Verwahrung entlassen wurden.
Das ThUG will eine neue Rechtsgrundlage für die Inhaftierung der Personen schaffen, die eigentlich entlassen werden müssten. Es stellt darauf ab, dass die Europäische Menschenrechtskonvention, die zwangsweise Unterbringung von psychisch Kranken erlaubt, auch ohne vorherige Verurteilung.
Kritiker wie Neskovic kritisieren: "Man darf Straftäter nicht einfach zu psychisch Gestörten erklären, nur um sie einsperren zu können. Das ging in der Sowjetunion, nicht aber im Rechtsstaat." Tatsächlich wurden die Betroffen einst vor Gericht als voll schuldfähig eingestuft. Das Justizministerium geht aber davon aus, dass es psychische Störungen gibt, die die Täter gefährlich machen, ohne ihre Schuldfähigkeit zu beeinträchtigen. Gemeint ist vor allem die dissoziale Persönlichkeitsstörung, die zu abnormer Aggressivität und mangelnder Empathie mit Opfern führt.
Ob Straßburg das ThUG sicher kassieren wird, wie Linke und Grüne meinen, ist noch nicht sicher. Dort wird man nicht das Gesetz, sondern konkrete Fälle prüfen. Entscheidend dürfte also zum einen die Praxis der Gutachter, zum anderen die Art der Unterbringung sein. Im Gesetz heißt es, die Unterbringung solle "räumlich und organisatorisch" getrennt vom Strafvollzug erfolgen.
Sicher ist jedenfalls, dass nicht alle vom Straßburger Urteil Betroffenen hinter Gitter bleiben werden. Doch wie die übrigen in Freiheit kommen, ist noch offen. Einige Oberlandesgerichte haben unter Berufung auf Straßburg bereits Entlassungen angeordnet, andere haben sie abgelehnt. Der als Oberschiedsrichter eingesetzte Bundesgerichtshof (BGH) kam im November zu dem Schluss, dass die Gerichte das Straßburger Urteil nicht selbst umsetzen könnten. Das letzte Wort hat wohl der Große Strafsenat des Bundesgerichtshofs. Am einfachsten wäre es gewesen, wenn nun der Gesetzgeber die Freilassung anordnet. Doch Leutheusser-Schnarrenberger hat in ihrem Gesetzentwurf darauf verzichtet. Ein solcher Antrag der Grünen zur Änderung des Strafgesetzbuches wurde jetzt abgelehnt. So schieben sich Politik und Justiz den Schwarzen Peter zu.
Keine befriedigende Lösung
Zur Neuordnung der SicherungsverwahrungVon Gundula Geuther, Hauptstadtstudio
Die Sicherungsverwahrung neu zu ordnen, sei eines der größten und wichtigsten rechtspolitischen Projekte der Legislaturperiode, rühmte heute der parlamentarische Staatssekretär Max Stadler. Das ist so. Ob es gelungen ist, steht auf einem anderen Blatt.
Klar ist: Befriedigende Lösungen für diese vielleicht sensibelste Frage der Rechtspolitik kann es kaum geben. Wie geht der Rechtsstaat um mit seinen schwierigsten Klienten? Dabei sind sich heute die meisten einig in Deutschland, dass Straftäter aus dem Verkehr gezogen werden müssen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder Töten oder Vergewaltigen würden. Damit aber ist wenig gesagt. Denn wer zu diesem hoch gefährlichen Kreis gehört, kann niemand sicher vorhersagen. Welcher Maßstab an Wahrscheinlichkeit anzulegen ist, durch welche und wie viele Delikte ein Straftäter seine Gefährlichkeit unter Beweis gestellt haben muss, ist eine politische Entscheidung. Auf der einen Seite steht die Sicherheit, auf der anderen die Gefahr, dass ein Mensch möglicherweise nie wieder in Freiheit kommt, obwohl er seine Strafe verbüßt hat. Und vor allem: Obwohl er vielleicht nie wieder schlimme Taten begangen hätte. Wie viele - wenn man so will - zu Unrecht verwahrt werden, kann man nur raten.
Hochrechnungen gehen davon aus, dass es acht oder neun von zehn sind. Das kann, wer will, bezweifeln. Sicher ist: In den letzten zwölf Jahren, in denen alle Koalitionen den Schwerpunkt immer weiter hin zur Sicherheit verlagert haben, ist die Zahl derer, die nach verbüßter Haft weiter einsitzen um mehr als 160 Prozent gestiegen, auf mehr als 520 Personen. Und nach der heutigen Entscheidung des Bundestages ist es wahrscheinlich, dass es noch einmal sehr viel mehr werden.
Dabei ist der Bundesjustizministerin, zusammen mit der FDP und auf den letzten Metern zusammen mit der SPD, eine wesentliche Weichenstellung gelungen: Für notorische Betrüger oder Einbrecher wird es keine Sicherungsverwahrung mehr geben. Und - nach einer langen Übergangszeit von zehn und mehr Jahren - wird nur noch der Tatrichter die Verwahrung anordnen können, mindestens unter Vorbehalt. Der Preis dafür ist, dass Gewalt- oder Sexualverbrecher in Zukunft viel leichter weiter festgehalten werden können. Und die Gefahr besteht, dass Richter das auch mindestens vorläufig regelmäßig so sehen werden. Denn ihre Entscheidung kann ja später noch revidiert werden.
Das Problem: Wird die Sicherungsverwahrung weiter so vollzogen, wie bisher, dann wird es sehr oft dabei bleiben. Nicht jeder, der will, bekommt eine Therapie. Wer mit seinem Therapeuten nicht zurechtkommt, hat oft keine Alternative. Wer keinen Freigang hat, kann sich nicht bewähren. Und kann so den ersten Eindruck der Gefährlichkeit kaum widerlegen. Die Länder müssen ihren Vollzug ändern, das steht ohnehin fest. Was die Reform wert ist, wird davon abhängen, ob sie das wirklich umfassend tun. Und es wird davon abhängen, wie Richter und Gutachter mit dem neuen Gesetz umgehen. Das hat die Verantwortung für die Abwägung zwischen Sicherheit der Bevölkerung und Rechten der Straftäter noch viel weiter auf Gutachter und Richter abgeschoben als es bisher der Fall war. Die brauchen in Zukunft mehr Zivilcourage, wenn sie ihre Entscheidung verantwortungsvoll treffen wollen. Jeder von ihnen weiß, was noch vor wenigen Jahren Gemeingut war: Absolute Sicherheit kann es nicht geben. Danach zu handeln wird schwieriger in einer Zeit, in der dieser gesellschaftliche Konsens geschwunden ist.
Wikileaks: Botschaftsdepeschen auch über Staatssekretär Max Stadler
Die jüngste Internet-Veröffentlichung geheimer Dokumente des US-Außenministeriums sorgt für Aufregung. Die Internetplattform Wikileaks hatte am Wochenende mehr als 250.000 teils geheime Dokumente veröffentlicht. In zwei Botschaftsdepeschen wird auch der Passauer FDP-Politiker Max Stadler genannt. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen kommt er dabei recht gut weg.In einem Dokument auf Wikileaks wird über die neue Bundesregierung und den gestiegenen Einfluss aus Bayern berichtet. Bei der Aufzählung der Kabinettsmitglieder aus dem Freistaat wird auch Staatssekretär Max Stadler genannt: „A well-respected lawyer from Passau, Stadler is an excellent choice and a real legal expert with American experience as a 1993 International Visitor Program alumnus.“ Die „exzellenten Wahl“ und der „Rechtsexperte“ werden Stadler freuen. Die Informationen zum Aufenthalt in den USA treffen Stadler zufolge zu: „Stimmt! Im Jahr 1993 verbrachte ich einen vierwöchigen Studienaufenthalt in den USA.“
In einer Depesche zur Debatte über die Sammlung von Daten von Flugpassagieren heißt es: „FDP parliamentarian Max Stadler called the measures „constitutionally questionable“, and in a meeting with EMIN, Stadler feared that authorities would carry out surveillance without sufficient evidence of wrongdoing.“ Stadler dazu: „Auch das ist richtig. Mir geht es hier um den Datenschutz. Ich sehe nicht ein, warum diese 36 zum Teil sehr persönlichen Daten über jeden Passagier gesammelt werden müssen.“
Das Fazit des Staatssekretärs: „Mit dieser Beschreibung meiner Person habe ich kein Problem. Auch was an mir kritisch gesehen wurde, ist zutreffend dargestellt.“
Über Verkehrsstaatssekretär Andreas Scheuer (CSU) aus Passau ist übrigens nur ein Satz auf Wikileaks zu finden: „The 35-year old Andreas Scheuer from Passau will assist Peter Ramsauer at the Transportation Ministry.“
Bei den von Wikileaks publizierten Unterlagen hatten US-Diplomaten auch eine harsche Einschätzungen deutscher Spitzenpolitiker vorgenommen.In den Wikileaks-Berichten wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „Angela „Teflon“ Merkel“ genannt, weil viel an ihr abgleite. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wird eine „überschäumende Persönlichkeit“ nachgesagt, wobei Begriffe wie „inkompetent“ und „eitel“ fallen. CSU-Chef Horst Seehofer wird bescheinigt, ein „unberechenbarer Politiker“ zu sein. Dem ehemaligen SPD-Chef Kurt Beck sagen die Berichte Distanz zu den USA nach. Und Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wird „nicht als bedeutende Persönlichkeit“ angesehen. - dpa/pnp-online
Stadtgespräch
Das „ÖDP Bayern Aktionsbündnis“ mit seiner Gallionsfigur Sebastian Frankenberger war in Würdigung des Nichtraucherschutz-Volksbegehrens für den Politik-Award 2010 nominiert, eine Auszeichnung für erfolgreiche Polit-Kampagnen. Bei der Preisvergabe ging Frankenberger leer aus, dafür bekam er einen Brief vom Justiz-Staatssekretär, seinem Stadtratskollegen Dr.Max Stadler (FDP). Der schlägt eine Mischung aus Trost, Ratschlägen und milder Zurechtweisung an. Einige Auszüge daraus: „Lieber Herr Kollege Frankenberger! Wie ich gehört habe, sind Sie beim Politiker-Award nicht zum Preisträger gewählt worden. Dennoch ist es eine hohe Ehre, dort nominiert gewesen zu sein. Das hat mich auch nicht verwundert, denn Sie haben die Kampagne zum Rauchverbot in Bayern, die ich inhaltlich für falsch gehalten habe, bestens organisiert. Damit haben Sie Ihr großes politisches Talent unter Beweis gestellt. Mein Wunsch an Sie wäre, dass Sie in Ihrer politischen Arbeit mehr als bisher den Aspekt berücksichtigen, dass es in einer Demokratie wichtig ist, verschiedene Interessen zum Ausgleich zu bringen. Politik ist nicht nur die Kunst des Möglichen, wie oft gesagt wird. Politik sollte auch das Ziel haben, differenzierte Lösungen herbeizuführen. Lösungen, die einer Mehrheit entsprechen, aber eben auch Minderheitsinteressen berücksichtigen. Es ist meiner Meinung nach wenig damit gewonnen, die von einem selbst als richtig erkannte Position anderen aufzudrängen. Es kommt auch darauf an, die Interessen anderer zu einem vernünftigen Ausgleich zu bringen. Meinen Respekt für Ihre Nominierung für den Kampagnen-Award verbinde ich daher mit der Bitte, die Schwarz-Weiß-Malerei von Kampagnen nicht absolut zu setzen, sondern offen zu sein für eine differenzierte Politik. Mit den besten Wünschen für Sie, Ihr Max Stadler.“ − sdr
Enthüllte US-Dossiers: Was über wen drinsteht
Banal, peinlich, hochbrisant − rund 250 000 Dokumente hat die Plattform Wikileaks ins Internet gestellt: Die PNP gibt einen Überblick zu den wichtigsten Einschätzungen, die US-Diplomaten über deutsche und internationale Politiker nach Washington gesandt haben.Die Berufung des Passauers Max Stadler (FDP) zum Justiz-Staatssekretär wird in den Papieren als „exzellente Wahl“ bezeichnet. Mit ihm besetze ein ausgewiesener Rechtsexperte das Amt, der zudem Amerika-Erfahrung habe. Vermerkt wird zudem, dass er ein heftiger Kritiker des Abkommens über die Sammlung von Daten von Flugpassagieren sei. Stadler betonte gestern gegenüber der PNP: „Mit dieser Beschreibung meiner Person habe ich kein Problem. Auch was an mir kritisch gesehen wurde, ist zutreffend dargestellt.
„Wir sehen uns wieder am Reuthinger Weg!”
Flammender Appell des „Schaldinger Bundestagsabgeordneten” Dr. Stadler
Nach der Serie von überwiegend unglücklichen Niederlagen des SV Schalding-Heining kann es nur eine Reaktion geben: Am Samstag muss die ganze Stadt, ja die ganze Region auf den Beinen sein und um 14 Uhr im Stadion am Reuthinger Weg zeigen: Wir stehen wie ein Mann hinter unserem SV Schalding-Heining! Die Mannschaft hat wiederholt bewiesen, dass sie auf gleicher Augenhöhe mit den Spitzenteams der Bayernliga spielen kann. Sie hat das Potential, mit Unterstützung der Zuschauer gegen Unterhaching II die Wende zu schaffen. Außerdem erinnern wir uns daran, dass im letzten Jahr die Schaldinger im Sportpark Unterhaching, dort wo schon viele Bundesliga-Kämpfe über die Bühne gegangen sind, eines ihrer besten Spiele überhaupt gezeigt haben und mit einem stolzen 3:0-Auswärtssieg nach Passau zurückgekehrt sind. Unterhaching II ist sicher ein starker Gegner. Aber warum sollte es nicht gelingen, an die damalige Galavorstellunfg anzuknüpfen? Es gab eine ähnliche Lage wie jetzt vor einigen Jahren in der Landesliga. Damals war der SV Schalding-Heining die Mannschaft mit der besten Rückrunden-Bilanz und ist nur knapp am Aufstieg gescheitert, und in der Saison darauf kämpfte man plötzlich gegen den Abstieg. Die tüchtigen Schaldinger Fussballer haben es damals geschafft, sich wieder nach oben zu kämpfen. Dasselbe kann auch diesmal wieder gelingen. Die erste Bayernliga-Saison 2009/2010 wurde respektabel absolviert. Das zweite Jahr ist immer das schwerste. Aber ähnlich wie damals in der Landesliga ist noch nichts verloren. Vielmehr heißt die Devise: Jetzt erst recht! Wir sehen uns wieder am Samstag am Reuthinger Weg.
Stadler und seine Fraktion sehen große Chancen für Passau
FDP: „Ja“ zur Seilbahn!von SEBASTIAN DAIMINGER
In der neuen Diskussion um eine Seilbahn zur Veste Oberhaus haben Max Stadler, Justiz-Staatssekretär, und seine Fraktion aus FDP und Passauer Liste nun ihre volle Unterstützung signalisiert.
Stadler gegenüber der AS: „Wir sehen eine große Chance, die Attraktivität Passaus noch weiter zu steigern!“ Das Areal um die Veste Oberhaus sei ein Juwel, das allerdings viel zu wenig genutzt werde. Dies würden auch die Besucherzahlen des Museums zeigen. Diese sind nur mäßig, obwohl die Stadt hier bereits jährlich rund eine Million Euro investiert. PaL-Stadtrat Andreas Dittlmann erklärt dazu: „Da ist viel ungenütztes Potential.“ Zudem werde der Thingplatz als Veranstaltungsgelände viel zu wenig genutzt. Man könnte hier sogar in der Zukunft über den Standort eines Europäischen Hauses diskutieren, sollte dieses einmal als notwendig erachtet werden.
Jedenfalls ist die Fraktion um Max Stadler „von den großen Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Georgsberg überzeugt und sieht eine Chance, die Attraktivität Passaus noch weiter zu steigern.“
Doch die FDP erkennt hier auch klar das Problem: „Voraussetzung ist eine bessere Erreichbarkeit als bisher“, so Stadtrat Dittlmann. Eine Verbesserung der Anbindung durch Busverkehr sei nicht zielführend im Hinblick auf das enorme touristische Potential. Die FDP/PaL-Fraktion begrüßt daher mehrheitlich die Weiterverfolgung des Projektes und sagt klar „Ja!“ zur Seilbahn.
Natürlich ist die bauliche Ausführung der Seilbahn mit ihrer Tal- und Bergstation und deren städtebaulichen Verträglichkeit laut Stadler und Dittlmann ein entscheidender Faktor.
In einem Schreiben an die AS-Redaktion erklären sie dazu: „Wir fordern die Stadt auf, Vorgaben zu machen, wie diese auszusehen haben.“ Vor allem Andreas Dittlmann ist über die seiner Meinung nach latente Negativ-Stimmung aus der Stadtverwaltung verwundert: „Ich würde erwarten, dass von der Verwaltung nicht dauernd gesagt wird, dass es nicht geht - sondern wie es ginge!“ Es liege dann an einem Investor, zu versuchen, diese Vorgaben umzusetzen und eine entsprechende Planung vorzulegen. Die Stadt setze den Rahmen - Realisierung und Betrieb müssten in der Hand eines Investors liegen.
„Wir sind überzeugt, dass die Mehrheit der Bevölkerung bei Vorliegen einer vernünftigen Planung auch in einem von ÖDP und SPD angekündigten Ratsbegehren die Entwicklungs-Chancen für unsere Stadt sieht und einer Genehmigung des Baus einer Seilbahn zustimmt“, so Dittlmann. Einen Seitenhieb auf politische Bedenkenträger kann er sich dabei nicht verkneifen: „Gott sei Dank waren unsere Vorfahren offener für neue Ideen. Der Dom wäre sonst nie gebaut worden.“
Aus dem OB-Büro hieß es auf AS-Anfrage zum Thema Seilbahn von Sprecher Herbert Zillinger: „Wir haben das Projekt in der Sitzung am 4. Oktober dem Stadtrat vorgestellt. Die Fraktionen wollten dem OB anschließend Rückmeldung geben, wie sie das Projekt bewerten - dies ist noch nicht von allen geschehen.“ Nach AS-Informationen haben beispielsweise CSU und die eigene SPD-Fraktion noch keine Antwort an Oberbürgermeister Jürgen Dupper geschickt.
Jetzt erst recht!
Zur aktuellen Situation des SV Schalding-Heining in der Bayernliga erklärt der Schaldinger Bundestagsabgeordnete Dr. Max Stadler:Nach der Serie von überwiegend unglücklichen Niederlagen des SV Schalding-Heining kann es nur eine Reaktion geben: Am Samstag muss die ganze Stadt, ja die ganze Region auf den Beinen sein und um 14 Uhr im Stadion am Reuthinger Weg zeigen: Wir stehen wie ein Mann hinter unserem SV Schalding-Heining!
Die Mannschaft hat wiederholt bewiesen, dass sie auf gleicher Augenhöhe mit den Spitzenteams der Bayernliga spielen kann. Sie hat das Potential, mit Unterstützung der Zuschauer gegen Unterhaching II die Wende zu schaffen.
Außerdem erinnern wir uns daran, dass im letzten Jahr die Schaldinger im Sportpark Unterhaching, dort wo schon viele Bundesliga-Kämpfe über die Bühne gegangen sind, eines ihrer besten Spiele überhaupt gezeigt haben und mit einem stolzen 3:0-Auswärtssieg nach Passau zurückgekehrt sind. Unterhaching II ist sicher ein starker Gegner. Aber warum sollte es nicht gelingen, an die damalige Galavorstellunfg anzuknüpfen?
Es gab eine ähnliche Lage wie jetzt vor einigen Jahren in der Landesliga. Damals war der SV Schalding-Heining die Mannschaft mit der besten Rückrunden-Bilanz und ist nur knapp am Aufstieg gescheitert, und in der Saison darauf kämpfte man plötzlich gegen den Abstieg. Die tüchtigen Schaldinger Fussballer haben es damals geschafft, sich wieder nach oben zu kämpfen. Dasselbe kann auch diesmal wieder gelingen. Die erste Bayernliga-Saison 2009/2010 wurde respektabel absolviert. Das zweite Jahr ist immer das schwerste. Aber ähnlich wie damals in der Landesliga ist noch nichts verloren.
Vielmehr heißt die Devise: Jetzt erst recht!
Wir sehen uns wieder am Samstag am Reuthinger Weg.
Passaus Berlin-Politiker in Zeiten von Terror- Alarm
Die Abgeordneten Dr. Max Stadler und Dr. Andreas Scheuer nehmen die Gefahrenlage vor Ort eher gelassen hinVon Christian Karl
„Mulmig ist mir nicht, aber wachsam bin ich schon“, sagt CSU-Bundestagsabgeordneter Dr. Andreas Scheuer mit Blick auf aktuelle Terrorwarnungen und Medienberichte über mögliche Aktionen, bei denen auch der Berliner Reichstag als symbolträchtiges Attentatsziel ganz oben rangiert. Der Staatssekretär aus Passau, der dieser Tage zusammen mit Verkehrsminister Peter Ramsauer eine große Studie in Reichstags-Nähe präsentiert, nimmt die Bedrohungslage rund ums deutsche Demokratie-Herz allerdings eher gelassen. Ähnlich verhält es sich bei Staatssekretärs-Kollege Dr. Max Stadler, der gestern am frühen Morgen wegen einiger Sperrungen rund um den Reichstag zehn Minuten zu spät zu einer Sitzung kam - wie die meisten seiner Kollegen. „Aber das sind kleine Einschränkungen, die man im Sinne der Sicherheit gerne in Kauf nimmt“, sagt der FDP-MdB.
Die PNP hat die beiden Passauer Top-Politiker gestern zu deren Umgang mit der Berliner Gefahrenlage und Auswirkungen auf ihre Arbeit gefragt.
Ein angedeutetes Blutbad im Reichstag, mögliche Terror-Attacken in Flughäfen und Bahnhöfe in Berlin oder München - geht man da als viel reisender Passauer MdB derzeit nicht etwas verunsichert „zur Arbeit“?
Andreas Scheuer: „Das fragen mich diese Tage auch mehrere aus meinem Familien- und Freundeskreis. Aber meine Gewohnheiten, zum Büro oder zum Reichstag zu kommen, haben sich - natürlich - nicht geändert. Ich halte es in Anbetracht der jetzigen Mutmaßungen auch für nicht angebracht, Panik zu verbreiten. Ich habe für mich keine speziellen Maßnahmen ergriffen und freue mich jeden Morgen auf den Weg zur Arbeit. Und das auf Wegen, die ich schon immer eingeschlagen habe.“
Max Stadler: „Ich habe kein ungutes Gefühl und vertraue voll unserer Polizei und den Nachrichtendiensten. Sie haben ja auch in der Vergangenheit bereits versuchte Anschläge mit Erfolg verhindert - auch in Deutschland. Ich habe keinerlei Sorge, mich an meinen Arbeitsplatz am Reichstag zu begeben. Heute ist allerdings ein Tag, wo ständig Kollegen und ich auch zu Besprechungen zu spät kommen, weil bestimmte Wege und Strecken abgesperrt sind. Man muss sich erst daran gewöhnen und halt jetzt ein paar Meter mehr zu Fuß gehen - was aber eh nicht schadet.“
Haben Sie in diesen Tagen in ihren Staatssekretär-Funktionen auch vermehrt mit dem Thema Terrorismus zu tun?
Andreas Scheuer: „Ich bin eng eingebunden in verschiedene Abstimmungs- und Koordinationsrunden einer Arbeitsgruppe, die verschiedene Ministerien abdeckt.
Die Hausleistung unseres Ministeriums ist ja auch, die Modalitäten und Bedingungen für Gepäckkontrollen und die Kontakte zu verschiedenen Logistikern und den Umgang mit Paketen zu behandeln. Und da geht man derzeit und nach den Vorkommnissen mit den Frachtpaketbomben zum Beispiel im Bereich der Sicherheit bessere
Identifizierungen durch. Man will da vor allem bei ausländischen Paketdiensten den hohen Standard der deutschen Paketdienste mit der hohen Verlässlichkeit und Kontrolldichte erhalten.
Max Stadler: „Wir von der FDP werden dieser Tage verstärkt wegen der Vorratsdaten-Speicherung befragt. Ich habe dazu bereits am Morgen einer großen Zeitung ein Interview geben müssen. Richtig ist, dass die FDP nach wie vor die Vorratsdaten-Speicherung sehr kritisch sieht. Aber wir arbeiten als Bundesjustizministerium an einer Lösung für eine anlassbezogene Erfassung von Daten. Der Unterschied ist der: Bei einer Vorratsdaten-Speicherung werden alle Telefondaten von 75 Millionen Einwohnern ohne den geringsten Anlass einfach gespeichert. Wir aber wollen eine Lösung vorschlagen, wo nur Daten gespeichert werden, bei denen ein konkreter Sicherheitsanlass besteht. An diesem Gesetz aber arbeitete unser Ministerium schon, bevor die aktuelle Bedrohungslage eingetreten ist. Aber das Thema ist durch die jetzige akute Situation nochmals aktueller geworden.“
Sehnt man sich da nicht ab und zu nach vermeintlich ruhigen Stadtratssitzungen, wo es derzeit eher wenig turbulent zugeht und Brückenbauten, Haushaltszahlen oder Lärmschutz auf der Tagesordnung stehen?
Andreas Scheuer: „Das Kommunalpolitische ist mir ganz wichtig, aber grundsätzlich freue ich mich, wenn ich daheim bin und in ein paar ruhigen Minuten spazieren gehe oder rumschau. Das würde mich vielleicht derzeit mehr in Ruhe versetzen als Stadtratssitzungen. Aber Rathaus-Sitzungen und Bürgeranliegen sind meine politische Basis - Sachen, um die ich mich gerne kümmere. Das hat genauso seinen Reiz wie das anspruchsvolle und manchmal turbulente Berlin.“
Max Stadler: „Auf die Stadtratssitzungen freu ich mich unabhängig von den heftigen Zeiten in Berlin, weil das ganze andere und auch konkretere Themen sind, die dort zu entscheiden sind. Da wird direktentschieden, ob eine Brücke gebaut wird oder nicht. Gesetzgebung in Berlin ist da eher was Abstraktes. Insofern freu ich mich immer, im Stadtrat mitzuwirken. Passau und Berlin sind zwei ganz verschiedene Ebenen - aber beide machen Freude.“
Wegen Vandalismus: Stadler (FDP) will Gaststättengesetz ändern Strengere Sperrstunden?
von SEBASTIAN DAIMINGER
Passau/Berlin - Im Kampf gegen den zunehmenden Vandalismus wagt Max Stadler, Staatssekretär im Justizministerium, einen Vorstoß: Er will betroffenen Kommunen künftig die Möglichkeit geben, die Sperrzeiten im Gastgewerbe leichter auszuweiten. Bayernweit müssen Discotheken, Bars und Kneipen derzeit laut Gaststättengesetz nur in der Zeit zwischen 5 Uhr und 6 Uhr (Putzstunde) schließen.
Hintergrund der neuen Bemühungen sind unter anderem Erkenntnisse der Passauer Ordnungsbehörden, nach denen es vor allem in der Zeit zwischen zwei und vier Uhr nachts zu Vandalismus und heftigen Lärmbelästigungen in der Innenstadt kommt. Schuld daran sind meist stark alkoholisierte Partygänger. Vor allem an den Wochenenden hinterlassen diese immer wieder eine Spur der Verwüstung: Demolierte Autos, zerstörte Schaufenster, ausgerissene Pflanzen, umgeworfene Mülltonnen, beschädigte Straßenlaternen...
Zwar werde zuerst ein Gespräch mit den Passauer Wirten am Runden Tisch (30. November) gesucht. Doch ist nach Ansicht von Max Stadler auch eine Änderung in den Gesetzbüchern nötig, die den Kommunen mehr Möglichkeiten einräumt. „Ich werde anregen, dass die FDP-Landtagsfraktion mit dem Innenminister über dieses Thema spricht“, so Stadler gegenüber der AS-Redaktion. Die FDP und Passauer Liste unterstützen seine Idee vor Ort.
Momentan ist es Kommunen nur gewährt, die allgemeinen Sperrzeiten zu ändern, wenn dies „durch Vorliegen eines öffentlichen Bedürfnisses oder besonderer örtlicher Verhältnisse“ notwendig ist. Genau bei dieser Ausnahmeregelung will Stadler ansetzen. Sie soll künftig für die Behörden viel leichter anwendbar sein. Zum Beispiel durch die Aufhebung oder Erleichterung der Beweislast. Ziel sei es laut Stadler dabei nicht, eine generell landesweit verlängerte Sperrzeit einzuführen, sondern den Kommunen flexible Lösungen zu ermöglichen.
Die FDP/Passauer Liste wird zudem einen Antrag einbringen, wonach die Stadt Passau schon jetzt die vorhandenen Rechtsmittel mit voller Konsequenz ausschöpfen soll. „Aufgrund der Zustände halten wird das auch für nötig, sollten die Wirte keine Bereitschaft zur Kooperation signalisieren“, erklärte Stadtrat Andreas Dittlmann. Oberbürgermeister Jürgen Dupper begrüßte die geplante Unterstützung der Behörden und erklärte: „In der Passauer Innstadt haben wir die Sperrzeit bereits verlängert.“
Max Stadler neuer Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung
Passau/München. Der Passauer FDP-Politiker und Staatssekreträr im Bundesjustizministerium, Max Stadler, ist gestern zum Präsidenten der Thomas-Dehler-Stiftung gewählt worden. Er löst Hermann Rind an der Spitze ab. Vizepräsidentin bleibt Cornelia Schmalz-Jacobsen. Die 1979 unter Hildegard Hamm-Brücher und Josef Ertl gegründete Thomas-Dehler-Stiftung ist das liberale Bildungswerk in Bayern. Sie bietet in enger Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit politische Erwachsenenbildung an. - pnp
Kommunen wollen die Lizenz zum Regeln
Alkoholverbot, Sperrzeiten oder Größe von Supermärkten: Oberbürgermeister und Landrat beklagen EinengungenVon Regina Ehm-Klier
Passau. „Spaßbremsen“ wollen sie nicht sein, weder die Stadt Passau mit Oberbürgermeister Jürgen Dupper noch Landrat Franz Meyer. Aber mit Betrunkenen spät in der Nacht, mit Lärm und Sachbeschädigungen mögen sich die Politiker nicht abfinden. Nur: Die betroffenen Städte und Gemeinden sind machtlos, obwohl die Randale „den Frieden des Zusammenlebens empfindlich stört“, wie es Jürgen Dupper beschreibt. Seine Forderung gestern bei der Passauer Runde: die Sache selbst regeln dürfen.
Ausgangspunkt des Themas ist die Polizeipräsenz in der Region. Diese, so fordert Landrat Franz Meyer, müsse durch Polizeiinspektionen und -stationen in der derzeitigen Stärke unbedingt erhalten - und der Altersdurchschnitt entsprechend angepasst werden.
Denn die Freiheit der Menschen wächst und damit der Berg der Probleme. Bayerns Sperrzeitenregelung, so OB Jürgen Dupper, sehe mittlerweile noch eine „Putzstunde“ zwischen 5 und 6 Uhr morgens vor. Es wird mehr gefeiert, mehr getrunken: „Die Straftaten durch Alkohol nehmen ab 2 Uhr eklatant zu“, zitiert Dupper die Polizeistatistik. Und es wird vorgeglüht und nachgeglüht. Und wenn der Nachschub ausgeht, wird neuer an der „Tanke“ geholt: „Es gibt bis dato keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen“, ärgert sich Dupper, auch darüber, dass in der Öffentlichkeit munter der Alkoholpegel gepflegt werden kann. „Bei uns werden die Themen abgeladen, ohne dass wir in der Lage wären, dagegen vorzugehen.“ Er will die Möglichkeit haben, am Ort mit entsprechenden Satzungen Auswüchse in den Griff zu bekommen.
Das koste Geld und sei darum „nicht leicht umzusetzen angesichts der begrenzten Mittel“, meinte Bernhard Roos (SPD). Kommunen Kompetenzen an die Hand zu geben, sei keine Frage des Budgets, so Alexander Muthmann (Freie Wähler). Er hat aber bei der Staatsregierung auch nicht den Willen ausgemacht, den Kommunen hier mehr Spielraum einzuräumen.
Dr. Max Stadler, Staatssekretär im Bundesjustizministerium, weiß von der „liberaleren Haltung“ in der FDP-Landtagsfraktion, kennt aber durchaus auch das Problem und verspricht, es mit aufzunehmen. Auch Dr. Andreas Scheuer will sich für „die Lizenz zum Regeln“, wie er es nennt, einsetzen.
Nicht nur in Sachen Nachtleben setzt die Staatsregierung den Kommunen Grenzen in ihrer Gestaltungsfreiheit. Auch der Landesentwicklungsplan ist ein Regelungsinstrument. Hier ist festgelegt, was in Städten, Großstädten oder Dörfern zum Beispiel gebaut werden darf. Der Plan wird derzeit überarbeitet. Doch das dauert - für Landrat Meyer zu lange. Er fordert eine schnelle Entscheidung, zumindest in einem Punkt: Bei der Größe von Geschäftsansiedlungen solle vorzeitig entschieden werden. Es besteht Handlungsbedarf, das wurde übereinstimmend festgestellt. Denn: 800 Quadratmeter Geschäftsfläche lässt der LEP in Orten, die nicht Oberzentrum sind, zu. Aktuelle Beispiele sind Salzweg, aber auch Eging, wo ein 1200-Quadratmeter-Markt im Ort demnach nicht gebaut werden dürfte. Das will Landrat Meyer so nicht hinnehmen - und auch nicht warten, bis der Landesentwicklungsplan insgesamt fortgeschrieben wird. „Wenn das ein Jahr dauert, dann ist ein Investor weg“, so der Landrat.
Die Landtagsabgeordneten unterstützen das: Denn Ziel und tatsächliche Entwicklung, so Alexander Muthmann, klafften auseinander. Die Nahversorgung des ländlichen Raums bleibe auf der Strecke. Auch er fordert in diesem Punkt mehr Entscheidungsfreiheit für Gemeinden, denen „schon zuzutrauen ist zu klären, wie und wo so ein Markt platziert wird“. Mit gemischten Gefühlen sieht das Eike Hallitzky, der es „eine Unverschämtheit“ nennt, „dass die Politik von den Unternehmen gezwungen wird, Riesenstandorte zuzulassen“. Er befürchtet die Ausdünnung von Versorgungsstrukturen im Ort. Dennoch: „Die Größe werden wir nicht verhindern können“, gab er zu.
Großes Thema gestern war auch die Städtebauförderung, vor allem der Erhalt der Programme. Die Streichungen fielen „nicht so drastisch aus wie befürchtet“, so Franz Meyer. 150 Millionen Euro wurden auf das bereits gekürzte Paket noch einmal draufgepackt.
Und wenn in Berlin gestrichen wird, trifft das natürlich die Regionen. Bürgermeister Jürgen Dupper erinnerte, dass im Passauer Haushalt 1,3 Millionen Euro für Veränderungen in der Stadt eingeplant sind, zum Beispiel der in dieser Woche eingeplante Natterhof. Ohne Städtebaufördermittel ginge das nicht, so Dupper erleichtert. Nicht nur Passau wäre von den argen Kürzungen betroffen gewesen, sondern auch der Landkreis: Tittling, Pleinting, Bad Griesbach, Neukirchen am Inn - überall wird und wurde mit Städtebaufördermitteln gebaut. Insgesamt, so Horst Wipplinger, als Bezirksrat in der Runde, sei die Städtebauförderung „für den ländlichen Raum von großer Bedeutung“. Großes Lob von Staatssekretär Max Stadler gab es für Andreas Scheuer, der sich für den Erhalt der Mittel eingesetzt hatte - und das mit Erfolg. Eine „Bewährungsprobe“ sowohl für ihn als auch für Scheuer, denn die Frage war, ob man bei solch schwerem Brocken „tatsächlich etwas gemeinsam bewegen kann“, wie Stadler erinnerte.
Zweimal schon wurde es verhindert, dass vier Orte - Hofkirchen, Eging, Aicha v. W. und Fürstenstein - aus dem Bundeswahlkreis Passau nach Deggendorf verlagert wurden. Und wieder gibt es Bestrebungen für eine Umstrukturierung. Die Passauer Runde will das verhindern und „die Einheit von Stadt und Landkreis Passau beibehalten“. Landrat Franz Meyer hat auch schon entsprechende Schreiben an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und an den Vorsitzenden des Innenausschusses MdB Wolfgang Bosbach gesandt.
Aufg´schnappt
Beim Empfang für den Scheich von Sharjah, Dr. Sultan bin Mohamed al-Quasimi, am Montag im Großen Rathaussaal machte Verlegerin Angelika Diekmann den Justizstaatssekretär Dr. Max Stadler mit Eske Nannen bekannt, der Witwe des "Stern"-Verlegers Henri Nannen und Mäzenin der renommierten Kunsthalle Emden. Zur Überraschung Stadlers kam es zwei Tage später zufällig zu einer erneuten Begegnung. Unter der Schirmherrschaft von Barbara Genscher und in Anwesenheit des FDP-Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher wurde in Berlin der Bürgerinnenpreis „Liberta“ verliehen. Damit würdigen die Liberalen außergewöhnliche Frauen, die durch ihr wissenschaftliches, soziales, gesellschaftspolitisches oder unternehmerisches Engagement Herausragendes für die Bürgergesellschaft geleistet haben. Mit dem Liberat-Ehrenpreis wurde dieses Jahr Eske Nannen ausgezeichnet.
Aufatmen bei Rettungsdiensten
Passau/Berlin. Das Bundesjustizministerium erhebt keinen Widerspruch mehr gegen die Gesetzesvorlage des Bundesverkehrsministeriums zum Feuerwehrführerschein für Fahrzeuge bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 t. Dies teilte Staatssekretär Dr. Max Stadler Feuerwehrführungskräften aus Niederbayern in einem gemeinsamen Gespräch mit. Der Passauer Liberale betonte, dass selbstverständlich auch das Bundesjustizministerium an einer Neuregelung interessiert sei. Das Bundesverkehrsministerium habe dargelegt, dass Ausnahmen von einer entsprechenden EU-Richtlinie möglich seien. Daraufhin habe das Bundesjustizministerium “grünes Licht“ gegeben in der Erwartung, dass das Verkehrsministerium seine Rechtsauffassung in Brüssel erfolgreich durchsetzen werde.
Der ebenfalls aus Passau stammende CSU-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Andreas Scheuer, hatte sich im Lauf der letzten Monate ebenfalls verstärkt dafür eingesetzt, den Rettungsdiensten und Wehren hier eine Sonderregelung zu ermöglichen. Nun kann die Gesetzesvorlage im Gesetzgebungsverfahren zügig umgesetzt werden.
Der Passauer Stadtbrandrat und Vorsitzende der 1058 niederbayerischen Feuerwehren, Dieter Schlegl, zeigte sich gestern erleichtert. Die Hälfte aller Feuerwehren in Niederbayern würde von diesem Feuerwehrführerschein bis 7,5 t profitieren. Insgesamt fielen 646 Fahrzeuge der Feuerwehren in Niederbayern in diese Gewichtsklasse. Insbesondere für große Flächenlandkreise in Bayern sei es eine Erleichterung der Sicherung der Einsatzbereitschaft der Feuerwehren, stellten die Kreisbrandräte aus dem Landkreis Passau, Josef Ascher, und aus dem Landkreis Rottal-Inn, Johann Prex, fest.
Dr. Stadler sieht im „Feuerwehrführerschein“ auch eine deutliche Kosteneinsparung für die Kommunen und sicherte den Feuerwehren auch weiterhin vollste Unterstützung aus dem Bundesjustizministerium zu. -
Stadtgespräch
Der renommierte Max-Friedlaender-Preis des Bayerischen Anwaltverbandes wurde am Freitagabend in einem feierlichen Festakt in der Münchner Residenz an Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber, den langjährigen Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, verliehen (Laudator: Erzbischof Dr. Reinhard Marx). Der Abend stand unter dem Leitgedanken „Eintreten für Gerechtigkeit in der Gesellschaft“. Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler setzte sich in seinem Grußwort mit dem bekannten Zitat von DDR-Bürgerechtlerin Bärbel Bohley auseinander: „Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat“. Anwaltspräsident Anton Mertl überreichte an den Preisträger eine Glasfigur, die von der Glaskünstlerin Barbara Zehner geschaffen worden ist, der Tochter des ebenfalls anwesenden Fürstenzeller Anwalts Klaus Zehner. Mit dabei war auch der Vorsitzende des Passauer Anwaltvereins, Rechtsanwalt Sebastian Kahlert.„Steuersenkungen wären jetzt verfrüht“
Der Passauer Justiz-Staatssekretär Max
Passau. Staatssekretär Max
Herr
Sicherungsverwahrung: „Positiver Druck auf Täter durch neue Regeln“
Gerade bei der Sicherungsverwahrung gibt es viele Ängste bei den Bürgern. Sind die nicht gerechtfertigt?
Was ist juristisch bei den Missbrauchsfällen noch aufzuarbeiten?
Das Bild der Koalition ist vor allem von Streit geprägt. Die CSU stellt sich gegen ein Punktesystem für Zuwanderer. Ist der nächste Konflikt schon wieder programmiert?
Da die Steuereinnahmen derzeit wieder zulegen, hätte vor allem in der FDP so mancher gerne eine neue Entscheidung für Steuersenkungen. Ist das realistisch?
Wie will Ihre Partei dann aus dem Umfragekeller kommen? Und was passiert mit dem Parteivorsitzenden Westerwelle, wenn die Landtagswahlen 2011 für die FDP böse ausgehen?
„Ich werde wohl für Möglichkeit zur PID stimmen“
Uneinig ist die Koalition auch beim Thema Präimplantationsdiagnostik (PID). Die FDP will sie in engen Grenzen erlauben, die CDU am liebsten verbieten. Wahrscheinlich wird die Abstimmung aber freigegeben. Wie werden Sie entscheiden?
Nach der Entdeckung von Paketbomben ist die Terrorangst zurück. Sehen Sie Lücken im Sicherheitssystem? Müssen neue Gesetze her?
Abschließend: Worauf sind Sie nach einem Jahr als Staatssekretär persönlich besonders stolz?
Interview: Ernst Fuchs und Martin Wanninger
Er will Reporter besser vor Ermittlern schützen
Stadler kämpft für die Pressefreiheit
Berlin - Journalisten und Medienschaffende sind nach Ansicht von Max Stadler (FDP), Staatssekretär im Justizministerium, noch nicht ausreichend rechtlich geschützt.
Auf Initiative des Passauers hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der hier Abhilfe schaffen könnte. Dieser soll klarstellen, dass sich Journalisten nicht strafbar machen, wenn sie behördeninterne Informationen verwenden. Außerdem sollen die Hürden für Durchsuchungen in Redaktionsräumen noch deutlich erhöht werden.
Entgegen ursprünglicher Einwände ließ der Bundesrat den Entwurf passieren. Stadler hofft nun, dass das Gesetz auch seine letzte Hürde nimmt: „Ich erwarte demnächst eine breite Mehrheit im Bundestag.“
Wenn das gelingt, werden nach Meinung Stadlers die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen kritischen Journalismus in Deutschland erheblich verbessert. (vp)
Stadtgespräch
Drei kulturelle Botschafter Passaus sind derzeit wieder im Rahmen des vor fünf Jahren etablierten Künstleraustauschs in der Passauer Partnerstadt Malaga aktiv. Bis 6. November noch lassen sich Stefan Meisl (v.l.), Verena Schönhofer und Anja Kutzki auf Einladung der andalusischen Stadt bei spätsommerlichen Temperaturen inspirieren für ihre Werke. Am 3. November werden sie in Málaga im Rahmen einer Vernissage, in Anwesenheit von Stadtrat und parlamentarischem Staatssekretär Dr. Max Stadler, ihre vor Ort entstandenen Arbeiten präsentieren. „Die vor ihnen liegenden knapp drei Wochen wollen sie neben intensiver künstlerischer Arbeit auch dazu nutzen, viele Kontakte mit Künstlern in der Partnerstadt zu knüpfen und so weiter zu arbeiten an dem Künstler-Netzwerk, das vor nunmehr schon fünf Jahren ins Leben gerufen wurde“, sagte Rita Loher-Bronold, die stellvertretende Leiterin des Passauer Kulturamts.
Insgesamt elf Passauer Künstler haben bisher am Künstleraustausch teilgenommen Der Künstleraustausch hat sich mittlerweilen als fester Bestandteil der städtepartnerschaftlichen Aktivitäten zwischen Passau und Málaga etabliert. So ist momentan auch der Passauer Künstler Francesco Sacripanti auf Vermittlung spanischer Künstlerfreunde mit einem Ausstellungsprojekt in Málaga zu Gast. Die Kuratorin des Künstleraustauschs auf spanischer Seite, Veronika Romero, und Ernst Kraft, der in der Nähe von Málaga lebende Künstler mit holländischer Abstammung, der im Jahr 2007 das Steinlabyrinth an der Passauer Ortspitze geschaffen hat, sind in diesem Jahr auf Einladung von Passauer Künstlerfreunden mit Ausstellungen in Passau präsent. - ck
Staatssekretär Dr. Max Stadler hat das Kunststück fertig gebracht, seinen Lieblingsverein SV Schalding-Heining sogar in einem juristischen Fachvortrag zu erwähnen. Der FDP-Politiker sprach am Freitag in Würzburg auf der hochkarätig besetzten Jahrestagung der Internationalen Juristenkommission. Dort war auch der Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal anwesend, der zugleich Vorsitzender des Würzburger FV ist. Dies gab Stadler die Gelegenheit, nach seinen rechtspolitischen Ausführungen auch noch anzumerken, dass Rosenthals Verein zufällig das nächste Bayernliga-Spiel in Schalding bestreite. Die anwesenden Verfassungsrichter und Hochschulprofessoren nahmen es schmunzelnd zur Kenntnis, dass sich ein Staatsekretär auch noch für Fußball interessiert, der Würzburger Oberbürgermeister zeigte sich erfreut, dass Stadler über seine Vorstandstätigkeit informiert war. - red
Liberale unter sich
Erstmals seit Jahrzehnten regieren die Liberalen im Vereinigten Königreich (United Kingdom) wieder mit. Mit seinem liberalen Kollegen aus dem britischen Justizministerium, Minister of State Lord Tom McNally (l.), traf sich Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Max Stadler am Mittwoch am Rande einer EU-Tagung vor dem Palais Egmont in Brüssel zu einem Meinungsaustausch. Bei derselben Gelegenheit zeichnete sich der polnische Justiz-Staatssekretär Igor Dzialuk durch Kenntnisse über Passau aus. Er erwähnte gegenüber Max Stadler, dass in Warschau in der Krakauer Vorstadt unweit der Altstadt das „Passauer Marienbild“ steht. Die Figur wurde 1683 durch den in Warschau ansässigen italienischen Bildhauer Giuseppe Bellotti nach dem Vorbild des Gnadenbilds der Passauer Wallfahrtskirche Mariahilf geschaffen.
Aufgespießt und festgenagelt
Sparhelfer Stadler
Verbot und Knast - da denke ich an Justiz und an den Justiz-Staatssekretär: Dr. Max Stadler vertritt immer öfter sein Ministerium auf europäischer Ebene. So setzte der FDP-Mann sich diesen Montag beim EU-Wettbewerbsrat in Luxemburg dafür ein, dass das Anmelden des geplanten EU-Patents auf Deutsch erfolgen kann. Einige Staaten fordern Englisch. Dr. Stadlers Argument: „Europaweit kommen aus Deutschland erfreulicherweise die meisten Patentanmeldungen. Das Europäische Patentamt sitzt in München. Das sind gute Gründe, die Patentanmeldung auf Deutsch zuzulassen. Das erspart gerade den mittelständischen Betrieben teures Übersetzen.“ Die EU-Kommission und die meisten Mitgliedsstaaten sehen das genauso, hat unser Stadler Max mir verraten. Jetzt hofft er auf einen positiven Beschluss in der nächsten Ratstagung im November. Vorgestern war der Passauer Jurist schon wieder in Brüssel, erklärte der Konferenz der Justizminister „Mediation bei Kindsentführungen“.
Stadtgespäch
Ausgerechnet mit einer Stellungnahme zu einem Bericht in seiner Heimatzeitung wurde Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler vergangene Woche bei einer parlamentarischen Fragestunde im Bundestag konfrontiert. Jerzy Montag von den Grünen nahm Bezug auf ein PNPInterview mit dem Vorsitzenden der Fraktion der CDU/CSU Volker Kauder, in dem dieser den früheren Präsidenten des Verfassungsgerichts Hans Jürgen Papier wegen öffentlich geäußerter Bedenken am Atom-Deal rüffelte. Es gebe eine moralische Pflicht, sich nach dem Ausscheiden aus einem hohen Staatsamt erst einmal zurückzuhalten, fand Kauder. Rein juristisch sei alles in Ordnung, befand Dr. Max Stadler: Papier lehre jetzt an der LMU München, es sei nicht zu beanstanden, wenn sich der Professor zu einer aktuellen verfassungsrechtlichen Frage wissenschaftlich äußere. - redAufg´schnappt
+++ Dr. Max Stadler (FDP) als Medienprofi: Der Passauer Staatssekretär nahm beim Zeitungskongress in Essen teil. Er diskutierte dort mit Spitzenvertretern des deutschen Journalismus. Thema war die Auswirkung des Internets auf die Presselandschaft. Das Podium wurde moderiert von Frank Plasberg („Hart aber fair“). Mit dabei waren unter anderem der FAZHerausgeber Dr. Frank Schirrmacher und der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Dr. Mathias Döpfner. A propos FDP: Kreisvorsitzender Korbinian Faltner hat Thilo Sarrazin zur Diskussion seiner veröffentlichten Thesen nach Passau eingeladen. Sarazzin freute sich über die Einladung, hatte aber schon etwas vor. Aber aufgeschoben ist ja nicht unbedingt aufgehoben... +++Ein Atomfass für den Staatssekretär
Grünen-Protest gegen Politik der schwarz-gelben RegierungBesuch von den Grünen hat Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) gestern in der Bahnhofstraße 11 bekommen. Boris Burkert karrte ein gelbes Atomfass in Stadlers Büro, dabei unterstützten ihn u.a. Stadtrat Stephan Bauer sowie Thea Schmuck.
Mit dem gelben Fass protestieren die Grünen gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Regierung. Laut Burkert sollte das Fass sowohl hochradioaktiven Abfall symbolisieren als auch das ungelöste Problem eines Atomendmülllagers. „Das Zeug ist unverantwortlich“, sagte Burkert. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, über die der Bundestag demnächst abstimmen wird. Stadler wiederum kritisierte, dass die Erforschung eines möglichen Endlagers Gorleben unter der rot-grünen Regierung durch ein Moratorium gestoppt wurde. „Dadurch sind zehn Jahre verloren gegangen“, sagte Stadler. Burkert wiederum forderte, dass parallel dazu auch andere Standort untersucht werden sollten. Trotz der Kontroversen hätten FDP und Grüne aber auch gleiche Ziele, betonte Stadler. „Wir sind uns einig, dass wir ein absolut sichere Endlager brauchen, dass der CO2-Ausstoß reduziert werden muss und erneuerbare Energien die Zukunft sind.“ - ez
Max Stadler (FDP) will Internet-Nutzer bei Facebook, Twitter & Co. besser schützen Verfallsdatum für Online-Profile?
von VERONIKA PREE
Ein Albtraumszenario für jeden Jobanwärter: Die fachliche Qualifikation passt haargenau auf die ausgeschriebene Stelle und auch der Personalchef ist nach der persönlichen Unterhaltung begeistert. Dann kommt die Absage - scheinbar aus dem Nichts. Was der Bewerber nicht ahnt: Der Personalchef hat sich nach dem Vorstellungsgespräch im Internet schlau gemacht. Dabei ist ein Foto aufgetaucht, das ihn mit seinen Kumpels beim hemmungslosen Feiern zeigt. Der Personalchef denkt: „So soll die Firma nicht repräsentiert werden“. Das Bild ist bereits fünf Jahre alt, der Jobanwärter hat seine „wilde Zeit“ längst hinter sich. Aber die potenzielle Arbeitsstelle ist trotzdem futsch.
„So etwas darf nicht passieren. Vor allem die Privatsphäre von Jugendlichen muss im Internet besser geschützt werden“, sagt FDP-Politiker Max Stadler. Der Passauer Staatssekretär im Justizministerium fordert: „Daten in sozialen Netzwerken wie beispielsweise Facebook sollen mit einem Verfallstermin versehen werden.“ Stadler will das zwar nicht gesetzlich regeln lassen, appelliert aber an die Netzwerkbetreiber, dies freiwillig umzusetzen.
In der Praxis könnte so ein Schutz folgendermaßen funktionieren: Vor Ablauf des Verfallsdatums bekommt der Nutzer eine E-Mail zur Erinnerung. Er muss dann ausdrücklich bestätigen, dass er seine Daten (wie persönliche Interessen, Adresse und Bilder) weiter im Netz behalten will. Ansonsten werden sie automatisch gelöscht. Laut Stadler ist dies technisch machbar. Beispielsweise würden solche Verfalls-Optionen auch von Betreibern von Online-Spielen angeboten. Selber alle möglicherweise schädlichen Dinge aus dem Netz zu entfernen, kann schwierig sein. Denn man erinnert sich oft gar nicht mehr an alte Online-Profile, geschweige denn an die dazugehörigen Passwörter. Sehr lästig ist es auch, wenn andere Personen pikante Fotos, private Informationen oder Gerüchte zu einer Person verbreiten. Das können beispielsweise peinliche Urlaubsfotos, intime Unterhaltungen mit dem Ex-Freund oder böswillige Anschuldigungen sein. Im Netz können sich solche Dinge rasend schnell verbreiten. Für den einzelnen ist das nicht mehr kontrollierbar.
Eine Lösungs-Möglichkeit: Es gibt spezielle Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, das „Internet-Ich“ einer Person wieder zu bereinigen. Sie bieten an, Fotos, Profile und andere ungewünschte Daten aus dem weltweiten Netz zu entfernen.
Als Internet-Nutzer kann es schwierig sein, sich im Dschungel der technischen und rechtlichen Möglichkeiten zurechtzufinden. Die Bundesregierung will hier Abhilfe schaffen. Stadler erklärt: „In absehbarer Zeit wird es eine Stiftung Datenschutz geben. Sie soll den Bürgern - ähnlich wie die Stiftung Warentest - Orientierungshilfe geben.“
Momentan werde noch daran gearbeitet, Geld für die Finanzierung der Stiftung in den Bundeshaushalt einzustellen. Der dafür zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und die FDP hätten sich aber bereits auf die Ausführung geeinigt. Einige Details wie etwa der Sitz der Stiftung müssten aber noch geklärt werden.
Die Stiftung wird drei Aufgaben haben. Sie soll die Bürger über Datenschutz aufklären, vergleichende Untersuchungen durchführen und Produkte sowie Unternehmen zertifizieren, wenn sie ein bestimmtes Datenschutzniveau einhalten
.
Stadler sagt, warum er die Aufklärungsarbeit der Stiftung für wichtig hält: „Die Debatte über den geplanten Dienst Google Street View hat noch einmal einen Schub für das Bewusstsein um den Datenschutz gebracht. Die Gefahr besteht darin, dass Daten verknüpft und so ganze Bewegungsprofile von Bürgern erstellt werden können. Die Bürger müssten selbstständig und selbstverantwortlich entscheiden können, was sie über sich selbst im Internet lesen wollen.“
Gesundheitspolitik im Fokus
Auf Initiative von Stadträtin Dr. Renate Zehner Mitglied der Stadtratsfraktion FDP/PaL, informierte Ulrike Flach, Gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, über die Eckpfeiler der Gesundheitsreform. Vor zahlreichen Zuhörern, darunter FDP-Kreisvorsitzender Korbinian Faltner, verwies sie darauf, dass die jetzige Regierung Altlasten aus der Vergangenheit zu bewältigen habe. Der Zusatzbeitrag zur Krankenkasse stamme noch aus der Zeit der großen Koalition, erst jetzt werde dieser für Sozialschwache ausgeglichen. Wesentliche Forderungen der FDP nach einer grundlegenden Reform im Gesundheitssystem könnten nicht umgesetzt werden, da sich vor allem der Koalitionspartner CSU dagegen ausspreche. Wichtig sei, dass für alle Menschen auch in Zukunft die notwendige medizinische Versorgung qualitativ hochwertig und wohnortnah erhalten bleibe. - red
Jetzt ist die Zeit der Entscheidungen im Stadtrat
Von Donaubrücke bis Marketing-Initiative: In den nächsten Wochen stimmen die Politiker über Projekte ab, die seit Jahren diskutiert werdenVon Thomas Seider
Die großen Ferien sind heute vorbei, und damit sind neben den Schulkindern nun auch die Stadträte wieder „im Dienst“. In Kürze erhalten sie die Tagesordnungen für die ersten Ausschüsse des letzten Sitzungsabschnitts 2010. Die PNP hat OB Jürgen Dupper um einen Überblick zu den anstehenden Themen gebeten. Diese Vorschau zeigt: In den kommenden Wochen wird der Stadtrat nun einige Projekte entscheiden, die teils schon seit Jahren diskutiert werden.
Haushalt beschließen
Die erste Ausschusssitzung nach der Pause ist die des Finanzausschusses am 27. September. Sie ist Auftakt zur Vorberatung des Haushalts 2011: Die Stadträte erfahren dessen Eckdaten. Daraufhin beschäftigen sich die Fachausschüsse mit den Einzelhaushalten. Mitte November folgt die intensive Beratung des Gesamthaushalts wiederum im Finanzausschuss. Die Etatverabschiedung im Plenum ist für 6. Dezember vorgesehen. Dupper hat bereits durchblicken lassen, dass er die Voraussetzungen neuerlich für schwierig erachtet. Es gelte, „wieder einmal den Spagat zu schaffen zwischen sparsamer Haushaltsführung und keiner Nettoneuverschuldung“.
Stadtteile planen
Bei der Arbeit am Stadtentwicklungskonzept allerdings steht eine abschließende Entscheidung nicht unmittelbar an. Hier gibt es erstmal eine weitere Runde mit den Bürgern, die „Stadtteil-Workshops“ im Oktober. Die Stadtteile sollen der Schwerpunkt des Konzepts werden.
Donaubrücke abhaken
Bauen oder sein lassen: Um diesen Beschluss zu einer neuen Donaubrücke hat der Stadtrat schon mehrfach einen Bogen gemacht, nun aber soll er fallen. Mit einem klaren Ja oder Nein soll das Thema positiv oder negativ abgehakt werden. Die Fraktionen beraten bereits, und nach Abschluss dieser internen Diskussion wird der Stadtrat die Entscheidung über die weitere Vorgehensweise treffen.
Verkehrsziele festlegen
Wo will Passau hin, wenn es um den Verkehr der Zukunft geht? Auch zu diesem intensiv vorbereitete Thema soll es noch heuer eine konkrete Entscheidung geben. Im Herbst wird der endgültige Bericht zur Bestandsanalyse für den Verkehrsentwicklungsplan vorgestellt. Dessen erste Stufe steht damit kurz vor dem Abschluss. Daraus ergeben sich Ziele und Leitlinien für die Zukunft, die der Stadtrat noch heuer festlegen soll.
Marketing definieren
Das Referat Wirtschaft und Arbeit hat sich die Fortsetzung der JOPOffensive ins Pflichtenheft geschrieben. Damit sollen in der Stadt Jobs für Passauer geschaffen werden, die sonst keine bekommen würden. Beim Stadtrat liegen die weiteren Entscheidungen über die Fortführung eines neuen Marketingkonzepts, an dem gemeinsam mit Partnern gearbeitet wird. Und noch ein oft debattiertes Thema wird nun letztlich zu einer Stadtratsentscheidung: die Vernetzung von Tourismus und Marketing unter Einbindung aller bisher schon mit Marketingaufgaben befassten Stellen.
Streetworker finden
„Oberste Priorität in den kommenden Wochen“ ist im Bereich Jugend und Familie der Besetzung der freien Stelle eines neuen Streetworkers zugewiesen. Zudem steht die Umsetzung von „Leuchtturm-Projekten“ des Projekts FamilienLeben an. Auch hier macht die Verwaltung Vorschläge und der Stadtrat beschließt dann über die Ausführung.
Weltkulturerbe werden
Soll Passau sich um die Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste bewerben? Das wäre verlockend, aber natürlich mit hohem Aufwand verbunden. Das Kulturreferat hat Chancen und Risiken ausgelotet. Die Erkenntnisse sind die nächsten Monate im Kulturausschuss zu diskutieren, und am Ende bestimmen die Stadträte, ob aus der möglichen Bewerbung eine tatsächliche wird.
Überführung bauen
Entschieden ist schon, aber jetzt muss das Projekt in die Tat umgesetzt werden: Im November beginnt der Bau der Überführung über die Staatsstraße an der Strauß-Brücke. Dieses neue Brückenbauwerk vom Hornbach-Baumarkt hinunter zur Strauß-Brücke entlastet den Knotenpunkt. Es kostet 1,8 Millionen Euro, davon bekommt die Staat 1,3 Millionen als staatlichen Zuschuss. In einem Jahr soll Fertigstellung ein.
Schulhaus sanieren
Die Generalsanierung der Volksschule Neustift ist die größte Baustelle der Stadt. 2009 begonnen und 5,5 Millionen Euro teuer, läuft sie fünf Jahre - und das derzeit auf Hochtouren. Der erste Bauabschnitt der Innensanierung umfasst die Eingangshalle im Erdgeschoss und die Aula im ersten Stock, wo das Gebäude nun fast in den Rohbauzustand zurückversetzt wird.
Sonstiges erledigen
Mit diesem Auszug aus den größeren Themen mit längerem Vorlauf, die im Herbst anstehen und dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden, wolle er der Politik nicht vorgreifen, betont OB Dupper: „Darüber hinaus gehen sicher Anträge aus den Reihen des Stadtrats ein, die es selbstverständlich abzuarbeiten gilt.“ Dazu kommen die Aufgaben des Alltags, die für den Bürger oft nicht gleich ersichtlich seien, aber erhebliche Vorbereitung im Hintergrund erforderten. Zum Beispiel seien das die bevorstehende Einführung des neuen elektronischen Personalausweises, die Investorenbetreuung und Verbesserungen
Stadtwerke bleiben ''konkurrenzfähig''
Kommunale Versorger hätten durch das neue Energiekonzept der
Bundesregierung wenig zu befürchten, versicherte Staatssekretär Dr. Max
Stadler (FDP) bei einem Treffen mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke
Passau Gottfried Weindler. Weindler hatte befürchtet, dass sich durch den
Atom-Kompromiss die Wettbewerbsfähigkeit der Stadtwerke gegenüber
den großen Energiekonzernen verschlechtern könnte; Stadler dagegen
verwies im Gespräch darauf, dass der Einspeisevorrang für erneuerbare
Energien und die garantierte Vergütung für 20 Jahre Eckpfeiler der
Energiepolitik blieben. Im Sinne eines fairen Wettbewerbs müssten die
kommunalen Versorger gestärkt werden, so der Staatssekretär. Die
Anregungen der Stadtwerke will Dr. Stadler bei einem Expertengespräch
der FDP-Fraktion mit dem Verband der kommunalen Energieversorger in
der Hauptstadt in den nächsten Tagen einfließen lassen. - red
Stadtgesrpäch
Seit Sonntag ist die Ilztalbahn zwischen Freyung und Waldkirchen wieder eröffnet. "Im nächsten Sommer könnte ein Personenzug bis Passau unterwegs sein", hofft Bürgermeister Urban Mangold (ÖDP), der mit anderen Passauer Politikern beim Bahnhofsfest in Freyung war. Gefeiert wurde die Wiederinbetriebnahme am Tag des offenen Denkmals unter der Schirmherrschaft von Landrat Ludwig Lankl. Bei der ersten Fahrt von Freyung nach Waldkirchen überzeugten sich neben Lankl (CSU) eine Passauer Delegation aus MdL Bernhard Roos (SPD), Bürgermeister Urban Mangold (ÖDP), Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP), MdL Eike Hallitzky (Grüne) und Stadtrat Stephan Stadler (Grüne) von der Qualität des eingesetzten Wagenmaterials. "Das muss jetzt endlich auch die Kritiker in Stadt und Landkreis Passau überzeugen", hofft Urban Mangold. Die Ilztalbahn-GmbH und der Ilztalbahn-Förderverein haben mit ihrem großen Einsatz für die Bewahrung der Bahntrasse "unserer Region einen großen Dienst erwiesen. Sie haben Dank verdient und nicht weitere Störmanöver", meinte Mangold vor allem an die Adresse des CSU-Kreisvorsitzenden Dr. Gerhard Waschler. In 15 bis 20 Jahren werde man angesichts der weltweiten Rohstoffverknappung über jede erhaltene Bahnnebenstrecke froh sein. Die Strecke sei landschaftlich wunderschön, habe ein enormes touristisches Potenzial und könne in einigen Jahren auch für den öffentlichen Personennahverkehr eine Rolle spielen, so Mangold. Bereits am Freitag fuhr ein Zug von Freyung bis zum Passauer Güterbahnhof. Die Strecke wurde von der Rhein-Sieg-Eisenbahn als Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen abgenommen. Mit dem Personenverkehr nach Passau wird es voraussichtlich noch bis nächsten Sommer dauern. - redNostalgie-Express dampft von Passau nach Straubing
Doppelte Jubiläumsfeier: Hauptbahnhof und Ostbahnstrecke sind 150 Jahre alt -
450 Fahrgäste erlebten Dampflok bei Sonderfahrt
Von Anna Mirecki
Den lauten Klang und rauchigen Atem einer mehr als sechzig Jahre alten
Dampflok konnten am Wochenende die Besucher beim Bahnhofsfest
bestaunen. Der Passauer Hauptbahnhof und die Ostbahnstrecke Passau-
Straubing feierten ihr 150-jähriges Bestehen. Von der Hüpfburg in Form
eines Schnellzugs über exklusive Einblicke in ein fahrendes Postamt bis
hin zur Jubiläumsfahrt mit einem Sonderdampfzug - für kleine und große
Bahnbegeisterte gab es im Bahnhofsgebäude und im Betriebswerk der
Passauer Eisenbahnfreunde jede Menge zu entdecken. An den zwei Tagen
kamen 5500 Besucher, hat Stadtarchivar Richard Schaffner gestern
gemeldet: „Wir sind sehr zufrieden.“
Nostalgiefahrt nach Straubing und zurück
Wie in einem Bienennest muss es früher in den Bahnpostwägen
zugegangen sein: Beutelweise wurden hier Sendungen je nach
Zielbestimmung in die wabenartigen Regalfächer an den Zugwänden
verteilt - und das während der Fahrt. „Bis 1997 stellte man Briefe und
Päckchen mit der Bahn zu“, erklärte Josef Steindl, ehemaliger Dienstleiter,
den Gästen im Original-Postwaggon des Jubiläumszugs. Manch ein
Besucher erinnerte sich an Zeiten, als er seine Sendung kurz vor dem
Pfeifen der Lok noch in den Briefschlitz des anfahrenden Zuges warf. „Das
Innenleben den Wagens durfte damals niemand kennen“, sagte Steindl.
„Wegen des Briefgeheimnisses.“
Ob im Bahnpostwagen, im Speisewaggon oder einer einfachen
Passagierkabine - rund 450 Passauer nutzten am Samstag die Gelegenheit
der Nostalgiefahrt von Passau nach Straubing. Bei einem der
Zwischenstopps in Vilshofen, Osterhofen oder Plattling konnten die
Fahrgäste den glühenden Kessel und das Kohlelager aus nächster Nähe
inspizieren, den Lokführer mit Fragen löchern und in Straubing das
Abkoppeln und Rangieren der Lok erleben.
„Die Eröffnung der Ostbahnstrecke 1860 war für die gesamte Region ein
großer Tag“, freute sich Oberbürgermeister Jürgen Dupper, bei seiner
Ansprache im Bahnhofsgebäude. Die zukunftsträchtige Bedeutung der
Donau-Magistrale als Hauptschlagader unterstrichen auch die
Staatssekretäre Andreas Scheuer und Max Stadler, die ebenfalls zur Feier
gekommen waren. „Die Strecke liegt uns am Herzen“, sagte Scheuer, und
Stadler warnte: „Eine Stilllegung ist immer eine unwiderrufliche
Entscheidung. Wo immer man eine Strecke erhalten kann, sollte man das
tun.“
Welche Ausbauprojekte in nächster Zukunft eine Rolle spielen werden,
stellte Landrat Franz Meyer vor: Neben weiteren Fernzügen seien ihm der
zweigleisige Ausbau zwischen Plattling und Landshut und eine direkte
Anbindung an den Flughafen Erding ein Anliegen.
Bei Kaffee und Kuchen auf dem Bahngleis und einem Ständchen der
Stadtkapelle gab es für die Geburtstagsgäste außerdem den aus diesem
Anlass entworfenen Sonderstempel und eine Sonderbriefmarke zu sehen.
Wie eine „ausrangierte“ Dampflok immer und immer wieder zu neuem
Leben erwacht oder wie ein Schneepflug für Bahngleise aussieht, zeigte
Werner Kummer von den Passauer Eisenbahnfreunden bei Führungen
durch das alte Betriebswerk. Kartenspiele rund um die Dampflok,
Schaffnerzubehör oder lustige Bahnschilder - bis zum Sonntagnachmittag
blieb bei den Werksbesuchern zum Thema Elektrolok, Kleinlok oder
Rangierlok nahezu kein Wunsch unerfüllt.
Engagement für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet
Sieben bayerische Projekte erhielten den Preis
Burghausen. „Wer, wenn nicht wir“, diesen Projektnamen von Burghauser Jugendlichen machen sich viele Initiativen im Land zum Motto. Einige von ihnen wurden gestern im Rahmen des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ in Burghausen ausgezeichnet.
Über 400 Projekte hatten sich in diesem Jahr bundesweit für den Preis beworben, 81 wurden nun mit einer Urkunde und einem Preisgeld zwischen 1500 und 5000 Euro ausgezeichnet. Staatssekretär Max Stadler und Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer haben gestern in Burghausen die Auszeichnung an die sieben bayerischen Preisträger verliehen. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz, das vor zehn Jahren von den Bundesministerien des Innern und der Justiz gegründet wurde, vergibt den Preis jährlich an Projekte, die sich durch ihre Wirkung nach außen, das effektive und dauerhafte Engagement und als Anregung für andere auszeichnen. Geehrt wurden Projekte aus München, Würzburg, Nürnberg, Mühldorf, Burgkirchen und Burghausen.
Für den mobilen Familienservice der Arbeiterwohlfahrt in Mühldorf nahmen Christine Fuchs und Hedi Schratt die Urkunde für Demokratie und Zivilcourage entgegen. Bei ihrem Frauenintegrationsprojekt geht es darum, Frauen, die Arbeitslosengeld II beziehen, wieder an den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. „Das Tätigkeitsfeld Familie dient dazu, dass die Frauen sich beweisen können“, erklärt Christine Fuchs. Neun Monate helfen die Frauen in anderen Familien bei der Kinder- oder Seniorenbetreuung und können so wieder an Arbeitgeber vermittelt werden. „Im Jahr 2008 haben 92 Prozent unserer Frauen eine feste Stelle gefunden“, belegt Fuchs den Erfolg des Projekts.
Eine multikulturelle Gemeinde ist Burgkirchen an der Alz, unter den 10 000 Einwohnern sind fast 50 Nationen vertreten. Seit zwölf Jahren engagiert sich der Arbeitskreis Bürgerintegration dort im Rahmen der „Kommunalen Agenda 21“, um das Verhältnis zwischen Deutschen und Migranten zu verbessern. Rudolf Zeiler, der den Preis gestern entgegennahm, und seine 50 Mitstreiter helfen Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei dem Übergang von der Schule ins Berufsleben. Zeiler, der von Anfang an dabei war, freut sich „über die Kultur des Miteinanders, die wir gefunden haben.“ Auch ein heikles Thema wie der EU-Beitritt der Türkei könne unter Freunden diskutiert werden.
Rechtsextreme Ideologie bekämpfen, bevor sie überhaupt Fuß fassen kann, dieses Ziel hat sich ein Projekt des Jugendbüros in Burghausen gesetzt. „Wer, wenn nicht wir“, mit diesem Motto haben unter der Leitung von Hannes Schwankner die Jugendlichen Veranstaltungen wie ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen organisiert. Auch eine CD mit dem Titel „Burghausen gegen Rechts“ mit lokalen Bands ist im Rahmen des Projekts entstanden.
Max Stadler betonte, wie wichtig das Engagement der Preisträger sei, die im Vergleich zur Politik im Einzelnen wirklich etwas bewirkt hätten. „Damit verwirklichen sie das Grundgesetz“, sagte er. - fra
''Die Hälfte der Eltern sind Väter''
Gemeinsame Obsorge: Was sich Österreich von Deutschland abschauen will. Und welchen Reformbedarf beide Länder noch haben.
Claudia Bandion-Ortner, Max Stadler Sorgerecht auch für die Väter: Justizministerin Bandion-Ortner (ÖVP) und Deutschlands Justiz-Staatssekretär Max Stadler (FDP).
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner will, dass das Sorgerecht auch nach einer Trennung von beiden Elternteilen gemeinsam ausgeübt wird. Bei unseren Nachbarn hat man damit gute Erfahrungen gemacht, wie der Staatssekretär im deutschen Justizministerium, Max Stadler, berichtet.
KURIER: Seit zehn Jahren können geschiedene Eltern in Österreich die gemeinsame Obsorge beantragen. Nur jedes zweite Paar wählt den Weg. Warum wollen Sie trotzdem die automatische gemeinsame Obsorge einführen?
Bandion-Ortner: Wir müssen auch überlegen, wieso sie nicht für die gemeinsame Obsorge sind. Im Trennungsstreit wird oft abgetauscht: Unterhaltsforderung gegen Obsorge. Man verzichtet auf Obsorge, um dafür was anderes zu bekommen. Der natürliche Zustand ist die gemeinsame Obsorge. Ich bin gegen das Wort automatisch, weil es einfach der natürliche Zustand ist. Der unnatürliche ist, wenn sie einem Elternteil entzogen wird. Wenn einer sagt, er will sie nicht mehr, ist sie derzeit weg. Ohne Begründung. In Zukunft kann sie einem Teil entzogen werden, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Aber sie wird nicht schon entzogen, nur weil einer nicht will.
Stadler: In 90 Prozent aller Fälle halten die Paare in Deutschland nach einer Trennung am gemeinsamen Sorgerecht fest. Und das hat auch positive Auswirkungen auf andere Bereiche, die über das Sorgerecht hinausgehen. Wir haben festgestellt, dass bei der gemeinsamen Sorge der Kontakt des Kindes mit dem Elternteil, mit dem es nicht ständig zusammenlebt, in stärkerem Maß aufrecht erhalten bleibt. Und: In über 75 Prozent der Fälle des gemeinsamen Sorgerechts funktionieren die Unterhaltszahlungen problemlos, was früher weitaus weniger der Fall war.
Frauenorganisationen sagen, die Väter putzen sich ab, daher brauchen sie auch nicht das Recht, mitzureden.
Bandion-Ortner: Es geht nicht um die Rechte der Frauen oder der Männer, es geht um die Kinder, die keine Lobby haben, und diese Lobby müssen wir schaffen. Ich verstehe nicht, warum sich Frauenorganisationen so gegen die Lösung wenden, zumal man doch die Väter in die Verantwortung nehmen will. Man will mehr Väterkarenz und den Papa-Monat, dann ist es doch ein falsches Signal, wenn man ihnen die Verantwortung vorenthalten will. Die Schweiz führt übrigens jetzt dieses Modell der gemeinsamen Obsorge ein, auch für uneheliche Kinder, quasi als Automatismus. Vor fünf Jahren war das nicht durchsetzbar, weil die Frauenorganisationen so stark dagegen aufgetreten sind. Mittlerweile haben die erkannt, dass es die bessere Lösung ist. Ich hoffe, dieser Prozess dauert bei uns nicht so lange. Das Rollenbild der Väter hat sich geändert. Männer sind mehr bereit und wollen väterliche Verantwortung übernehmen. Und man muss ihnen diese Möglichkeit geben. Die Hälfte der Eltern sind nun einmal Väter. Dem Kind den leiblichen Vater vorzuenthalten ist schlimm. Oder umgekehrt, es gibt auch Fälle, wo die Väter das Kind haben und die Mütter nicht herankommen.
Stadler: Bei uns hat sich die Sicht durchgesetzt, dass nicht den Müttern ein Recht weggenommen wird, sondern die Väter mehr eingebunden werden. Das dient dem Kindeswohl mehr, das ist unsere Erfahrung.
Wie verhindert man, dass gewalttätige Väter Mitsprache bekommen?
Bandion-Ortner: Es werden immer Extremfälle herangezogen: Wenn Väter gewalttätig sind, muss die Obsorge entzogen werden, das ist klar. Aber man kann nicht immer davon ausgehen, dass Männer gewalttätig sind. Es gibt auch gewalttätige Frauen gegenüber Kindern. Das muss man geschlechtsneutral sehen. Außerdem geht es nicht um den tägliche Kontakt. Es heißt nicht, dass der Vater ständig bei der Familie sitzt. Das ist ein großer Irrtum. Das Besuchsrecht ist eine ganz getrennte Frage. Gemeinsame Obsorge bedeutet nur Mitsprache in wichtigen Angelegenheiten wie Schulauswahl, ärztliche Behandlung. Auch bei gemeinsamer Obsorge kann es vorkommen, dass ein Elternteil sein Kind monatelang nicht zu Gesicht bekommt.
Stadler: Auch in Deutschland kann natürlich das Sorgerecht einem gewalttätigen Elternteil entzogen werden. Ebenso das Besuchsrecht. Übrigens gibt es immer wieder Klagen, dass ein berechtigtes Besuchsrecht nicht durchsetzbar ist. Wir haben vor einem Jahr eingeführt, dass ein Ordnungsgeld verhängt werden kann, wenn das Besuchsrecht schuldhaft vereitelt wird.
* » Kommentar: Sieger und Verlierer
Claudia Bandion-Ortner Die Familienrichter wollen, dass Mütter, die das Besuchsrecht verhindern, vom Kindesvater weniger Unterhalt bekommen.
Bandion-Ortner: Ich bin skeptisch, wenn dadurch der Unterhalt des Kindes gefährdet wird. Wir haben ja auch Ordnungsstrafen, aber es wird wenig Gebrauch gemacht, weil auch dadurch schadet man indirekt dem Kind. Wenn man der Mutter eine Geldstrafe gibt, spürt es wieder das Kind. Da müssen wir bei Schlichtung und Mediation ansetzen. Wir haben einen Bonus in Österreich, den Kinderbeistand, das Sprachrohr für die Kinder, das bewährt sich gut. Schon allein die Bestellung des Beistandes wirkt deeskalierend. Schlichtung ist das Zauberwort. Wir müssen die Ressourcen von aufwendigen Sachverständigen-Gutachten ins Vorfeld verlagern. Die Gutachten dauern sehr lang, und in dieser Zeit kommt es oft zu keinen Kontakten zwischen Kindern und dem jeweilige Elternteil.
Stadler: Wir haben voriges Jahr eingeführt, dass für das Umgangsrecht ein amtlicher Pfleger bestellt werden kann, der zwischen den Streitparteien vermitteln soll. Nach meiner Erfahrung ist die Vereitelung des Besuchsrechts ein häufig angesprochenes Thema.
* » Interview: "Das Rollenbild der Väter hat sich geändert"
Max Stadler Wo liegt für das Kind der Unterschied, ob es ehelich oder unehelich geboren wurde?
Stadler: Diese Frage ist völlig berechtigt. Da das Kindeswohl und nicht die eheliche Geburt im Vordergrund steht, kann die bisherige unterschiedliche Regelung beim Sorgerecht keinen Bestand mehr haben. Bei Ehepaaren ist es in Deutschland so, dass das gemeinsame Sorgerecht auch nach der Trennung der Regelfall ist, weil die Eltern vorher zusammengelebt haben. Bei nicht verheirateten Ehepaaren ist es häufig so, dass sie nicht zusammen gelebt haben. Deshalb ließ es das Gesetz für Nichtverheiratete nicht zu, dass Väter gegen den Willen der Mutter das Sorgerecht bekommen konnten. Und da hat sich zu Recht jetzt eine andere Betrachtungsweise durchgesetzt, nämlich, dass auch hier das Kindeswohl der Ausgangspunkt ist. Und dem ist mit der gemeinsamen Sorge besser entsprochen. Nach den Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte und dem Bundesverfassungsgericht müssen und wollen wir eine Neuregelung machen. Es gibt zwei Grundmodelle: Wenn der Vater die Vaterschaft anerkennt und erklärt, dass er sie ausüben möchte, dann gilt es. Wenn die Mutter Widerspruch erhebt, trifft das Gericht die Entscheidung. Das andere Modell ist umgekehrt, da müsste der Vater den Antrag ans Gericht stellen. Wenn sich beide Elternteile einig sind, braucht man das Gericht überhaupt nicht.
Bandion-Ortner: Auch wir haben ein Verfahren im Laufen. Ohne dem Ausgang vorgreifen zu wollen: Natürlich kann ein Kind nichts dafür, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht. Aber die Lebenssituation kann eine andere sein. Ich sehe es kritisch, dass die Mutter einfach durch ein unbegründetes Nein verhindern kann, dass der Vater des unehelichen Kindes Verantwortung übernehmen kann. Die Modelle aus Deutschland sind recht ansprechend. Man muss sich überlegen, ob es bestimmter Voraussetzungen bedarf, etwa eines gemeinsamen Wohnsitzes oder regelmäßiger Unterhaltszahlungen. Denn was macht man, wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt, aber mitreden will er schon? Ist das bei euch in Deutschland ein Thema?
Stadler: Ja. Man kann sich ja gewisse Lebenssituationen vorstellen, wo ausnahmsweise das gemeinsame Sorgerecht nicht dem Kindeswohl entspricht - eben, wenn kein Unterhalt gezahlt wird. Oder aber, die Beziehung war so kurzfristig, dass eine gemeinsame Sorgerechtsausübung eher unwahrscheinlich ist. Im Streitfall muss dann das Gericht entscheiden, welche Lösung dem Kindeswohl angemessen ist. Im Herbst soll es in der Regierungskoalition eine Einigung geben, wie die Reform genau aussehen soll
Bandion-Ortner: Die deutschen Erfahrungen werden bei uns sicher mit einfließen.
Sorgerecht: Die Unterschiede
Österreich
Gemeinsame Obsorge nach Scheidung nur auf Antrag. Zieht ein Elternteil die Zustimmung zurück, bestimmt das Gericht, wem das Sorgerecht zusteht. Bei unehelichen Kindern hat der Vater ohne Zustimmung der Mutter nichts zu plaudern.
Deutschland Elternteil
Auch geschiedene Eltern üben gemeinsam das Sorgerecht aus. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat beanstandet, dass Väter von unehelichen Kindern ausgeklammert werden; im Herbst soll es eine Reform geben.
Verfallsfrist für Daten in Netzwerken angeregt
Berlin (dpa) - Justizstaatssekretär Max Stadler hat angeregt, Daten in sozialen Netzwerken im Internet mit Verfallsterminen zu versehen. Man strebe hier aber keine gesetzliche Regelung an.«Ein erster Schritt zu mehr Netzsicherheit, vor allem für Jugendliche, wäre, wenn die Netzwerkbetreiber solche Lösungen freiwillig anbieten würden», sagte der FDP-Politiker der Nachrichtenagentur dpa.
Vor Ablauf des Verfallsdatums könnte der Nutzer eine E-Mail zur Erinnerung bekommen. Er müsste dann ausdrücklich bestätigen, dass er seine Daten weiter im Netz behalten wolle. «Das ist technisch machbar», sagte Stadler. Beispielsweise würden solche Verfalls- Optionen auch von Betreibern von Online-Spielen angeboten.
Laut Stadler wird die von der Bundesregierung geplante Stiftung Datenschutz in «absehbarer Zeit» kommen. Über das Thema sei sich die FDP mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der hier die Federführung habe, einig. Nun werde daran gearbeitet, Geld für die Finanzierung der Stiftung in den Bundeshaushalt einzustellen.
Die Stiftung werde drei Aufgaben haben: Sie solle die Bürger über Datenschutz aufklären, vergleichende Untersuchungen durchführen und Produkte und Unternehmen zertifizieren, wenn sie ein bestimmtes Datenschutzniveau einhalten. Weitere Details wie etwa der Sitz der Stiftung müssten aber noch geklärt werden.
Die Debatte über den geplanten Dienst Google Street View habe noch einmal einen Schub für das Bewusstsein um den Datenschutz gebracht, sagte Stadler. Die Gefahr bestehe darin, dass Daten verknüpft und so ganze Bewegungsprofile von Bürgern erstellt werden könnten.
«Hier sehe ich eine wichtige Aufgabe für die Stiftung Datenschutz, Aufklärungsarbeit zu leisten», sagte der FDP-Politiker. Die Bürger müssten selbstständig und selbstverantwortlich entscheiden können, was sie an Datensammlungen über sich selbst zuließen.
Union und FDP hatten bereits in ihrem im Herbst 2009 geschlossenen Koalitionsvertrag vereinbart, eine Stiftung Datenschutz zu schaffen. Sie soll den Bürgern - ähnlich wie die Stiftung Warentest - Orientierungshilfe geben.
Zum Volksfest in Keferloh
Nicht Bundesaußenminister und Parteichef Guido Westerwelle kommt, wie bisher, sondern der Niederbayer Max Stadler, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium. „Wir wollten jemand Neues bringen“, sagt Landtagsabgeordneter Tobias Thalhammer: „Stadler war mein Wunschkandidat. Ich bin ein Fan von ihm. Er ist ein ganz großer gestandener Niederbayer und mein Vorbild.“ So freue er sich schon auf die Rede Stadlers, die sich um Themen wie Sicherungsverwahrung, „Google Street View“ und andere Aspekte der „Freiheit und Sicherheit“ drehe. Außerdem wird Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch erwartet. Ab 18 Uhr geht es im Festzelt los. Auch Thalhammer hat einiges zu berichten. Seine Forderung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke nicht zu verlängern, hat diese Woche für viel Wirbel gesorgt."
Aufg´schnappt
Juristen-Treffen am Fußballplatz: Der Passauer Staatssekretär Max Stadler war beim spannenden Bayernliga-Sieg des SV Schalding-Heining gegen Tabellenführer 1860 Rosenheim dabei. Dabei traf Stadler den Präsidenten den Bayerischen Fußballverbandes (BFV), Rainer Koch. Dieser hatte als Gast die erstklassige Partie verfolgt. Es stellte sich heraus, dass Stadler und Koch Kollegen sind. Denn der FDP-Politiker war vor seiner Wahl in den Deutschen Bundestag zuletzt Richter am Oberlandesgericht München. Genau diesen Beruf übt auch der Fußballpräsident aus. Am Ende der Unterhaltung lud Koch den Staatssekretär ein, sich bei nächster Gelegenheit mit der BFV-Spitze zu treffen. Dabei sollen juristische und sportpolitische Themen diskutiert werden.
Staatssekretär schleust Passauer in die USA
Aufenthalt mit Patenschaft des Parlaments
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium gesteht:
Er hat schon wiederholt junge Menschen aus dem Raum Passau in die USA
eingeschleust - aber ganz legal und sogar mit dem Segen und im Auftrag
des Parlaments, versichert Dr. Max Stadler. Er macht Werbung für den
deutsch-amerikanischen Austausch im Rahmen des „Parlamentarischen
Patenschafts-Programms PPP“.
Nach der Ausbildung ein Jahr ans College
Damit haben erneut auch Passauer die Chance, nach einer
abgeschlossenen Berufsausbildung ein Jahr auf Staatskosten an einem
amerikanischen College zu verbringen. Als Mitglied des Bundestags
übernimmt Max Stadler jedes Jahr die Patenschaft für einen
Auslandsaufenthalt in den USA, den er vermittelt. „Davon haben schon
zahlreiche junge Menschen aus der Region Gebrauch gemacht“, berichtet
er. Jetzt sind wieder Bewerbungen möglich, sie gelten fürs nächste, im
August 2011 startende Austauschjahr.
Der Bundestag hat zusammen mit dem amerikanischen Kongress in den
vergangenen 25 Jahren 4000 jungen Berufstätigen die Chance gegeben,
mit einem PPP-Auslandsaufenthalt ihre Zukunfts- und Karriereaussichten
zu verbessern. Nächstes Jahr können erneut 75 Deutsche den American
Way of Life bei einem einjährigen USA-Aufenthalt mit einer Kombination
aus Collegebesuch und berufsbezogenem Praktikum erleben. Die
Parlamente wollen, dass die Teilnehmer als junge Botschafter ihres Landes
zur Verständigung beider Nationen beitragen.
Abgeordnete und Kongressmitglieder übernehmen für die Dauer des
Aufenthalts die Patenschaft für die Teilnehmer. Für die Durchführung ist
die „Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH“ zuständig, bei
der es Informationen und Bewerbungsunterlagen gibt, anzufordern über
InWEnt - Abteilung Amerika - PPP, Friedrich-Ebert-Allee 40, 53113 Bonn,
Tel. 0228/ 4460 1339, usappp@inwent.org, www.inwent.org/usappp.
Kosten werden übernommen
Die Kosten für Vor- und Nachbereitung, College, Unterbringung in
Gastfamilien sowie Reise- und Versicherungskosten werden von
Bundestag und US-Kongress übernommen. Die Bewerbungsunterlagen
können bis 3. September angefordert werden. Wer sich bewirbt, sollte
nach dem 31. Juli 1986 geboren sein und über einige Jahre Englisch-
Unterricht sowie eine bei der Ausreise abgeschlossene Berufsausbildung
verfügen. - sdr
Aufhebung der Sicherungsverwahrung: ''Die elektronische Fußfessel ist kein Allheilmittel''
Nach einem EU-Urteil muss Deutschland zirka 80 gefährliche Verbrecher aus der Sicherungsverwahrung entlassen. Was nun? Ein stern.de-Interview mit FDP-Justizexperte Max Stadler.Max Stadler, FDP ... in Passau geboren, mittlerweile 61 Jahre alt, verheiratet, ein Sohn, ist parlamentarischer Staatssekretär im Justizministerium seiner Parteikollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Stadler ist promovierter Jurist.
Viele Menschen, Herr Stadler, haben Angst, das Opfer von einigen Dutzend Schwerverbrechern zu werden, die bisher in Sicherungsverwahrung gesessen haben, aber jetzt freigelassen werden.
Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung sehr ernst.
Aber sie lassen diese Verbrecher trotzdem frei. Muss das denn sein?
Die Justiz muss in jedem Einzelfall sorgfältig prüfen, ob die Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte für den konkreten Straftäter zutrifft. Es geht um Personen, die vor 1998 in Sicherungsverwahrung gekommen sind, als diese Maßnahme gesetzlich noch auf zehnjährige Dauer beschränkt war. Aber der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat festgestellt, dass diese Zehnjahresfrist 1998 nicht nachträglich hätte verlängert werden dürfen. Es mussten und müssen daher möglicherweise zirka 80 Personen aus der Sicherungsverwahrung in die Freiheit entlassen werden. Dies geschieht gegen den Willen der Bundesregierung, die gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt hatte, leider ohne Erfolg. Jetzt muss diese Rechtssprechung beachtet werden. Im Strafrecht dürfen Gesetze eben nicht rückwirkend verschärft werden.
Ist damit das Rechtsinstitut der Sicherungsverwahrung denn nicht vollkommen aufgegeben?
Nein. Bei Tätern, die nach der Aufhebung der Zehnjahresfrist verurteilt wurden und bei denen Verurteilung zur Sicherungsverwahrung für unbestimmte Dauer möglich war, bleibt alles beim Alten. Also für die große Mehrheit der rund 500 in Sicherungsverwahrung lebenden Straftäter.
Noch einmal Herr Stadler, was sagen Sie als Justiz-Staatssekretär den Bürgern, die Ihnen vorwerfen, Sie stellten das Freiheitsrecht von Schwerverbrechern über das Recht auf Sicherheit von rechtstreuen Bürgern, die hinnehmen müssen, dass so ein Schwerverbrecher nach seiner Freilassung in die Wohnung gegenüber einzieht?
Wir sind gezwungen, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu beachten. Deshalb ist das Gebot der Stunde, die Möglichkeiten der Überwachung dieser Personen zu verbessern. Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schlägt daher ebenso wie die Länder die Einführung einer elektronischen Aufenthaltsüberwachung vor. Über ein Satellitensystem wird dabei festgestellt, wo sich der Betreffende befindet. Damit wird die Kontrolle, die von der Polizei ohnehin zusätzlich durchgeführt werden muss, technisch wirksam verbessert.
Aber dieses Satellitensystem gibt es noch nicht. Und bei den bereits möglichen elektronischen Fußfesseln weiß man zwar, wo der Überwachte ist, aber nicht, was er tut. Die Vergewaltigung durch einen Sexualverbrecher im Zimmer könnte immer noch stattfinden.
Ich sehe in der elektronischen Aufenthaltsüberwachung daher auch kein Allheilmittel. Aber ihr Funktionieren kann noch verbessert werden. Die ohnehin notwendige Überwachung durch Polizisten erübrigt sich dadurch nicht.
Experten behaupten, ein entlassener Schwerverbrecher mit Fußfesseln müssten mit 12 Polizisten zusätzlich überwacht werden. Das ist doch ein absurder Aufwand.
Noch einmal. Die Länder haben dieses Instrument als Hilfe für die polizeiliche Arbeit gefordert. Außerdem habe ich noch keinen anderen praktikablen Vorschlag gehört. Die Ministerin ist aber offen für Vorschläge, wie die Führungsaufsicht weiter verbessert werden kann, um den Schutz der Bevölkerung zu optimieren.
Aber was macht man, wenn ein Fußgefesselter zum Sommerurlaub nach Italien reist?
Zu so einem Fall wird es nicht kommen: Wer aus Sicherungsverwahrung entlassen wird, steht automatisch unter Führungsaufsicht. Die Behörden können ihn anweisen, wo er sich aufhalten darf und wo nicht. Möglich ist auch, ihm zu verbieten, ein bestimmtes Stadtviertel überhaupt zu verlassen. Solche Weisungen wird es ganz sicher geben. Und sie können durch das kommende Sattelitensystem überwacht werden. Hält die Person sich nicht daran, kommt es zu einem neuen Strafverfahren und neuer Freiheitsstrafe. Somit entfaltet die elektronische Aufenthaltsüberwachung eine vorbeugende Wirkung.
Die CDU/CSU schlägt vor, solche Täter in so genannte Sicherungsunterbringung zu nehmen. Das sei der einzige wirklich sichere Weg. Was halten Sie von diesem Vorschlag? Was ist denn der Unterschied dann zur Sicherungsverwahrung?
Hinter dem Vorschlag der CDU/CSU steht der Gedanke, diese Sicherungsunterbringung nicht mehr im Gefängnis, sondern in neuen, noch zu bauenden Anstalten zu vollziehen. Doch bei den Schwerverbrechern, die jetzt aus der Sicherungsverwahrung frei gelassen werden müssen, nützt der Gedanke der CDU/CSU nichts. Juristisch betrachtet wäre er eine Umgehung des Urteils des Menschengerichtshofs. Man kann dieses Urteil doch nicht schlicht mit dem Namen "Sicherungsunterbringung" umgehen. Das würde sofort als neuer Rechtsverstoß beanstandet werden. Der Vorschlag der CDU/CSU könnte nur in Fällen neuer Verurteilungen umgesetzt werden.
Wie wäre es mit der Zwangseinweisung in eine psychiatrische Anstalt? Ginge das denn überhaupt?
Dafür existieren in den Bundesländern entsprechende Gesetze. In Einzelfällen kann das möglich sein, aber nur dann, wenn es ein entsprechendes Krankheitsbild gibt. Die Fälle, über die wir hier reden, betrifft es so gut wie gar nicht.
Als künftige Lösung schlägt die FDP-Bundesjustizministerin vor: Sicherungsverwahrung geht nur, wenn sie bereits im Urteil verhängt worden ist oder zumindest die Verhängung für später vorbehalten wird. Wird das denn dann nicht sozusagen in jedem Fall eines schweren Verbrechens geschehen müssen?
Die Möglichkeiten, die Sicherungsverwahrung für später vorzubehalten, sollen dabei erheblich ausgeweitet werden. Der Vorschlag der Ministerin wird daher mehr Sicherheit bewirken. Er sollte jetzt zügig beraten werden, weil die Menschen nicht verstehen, warum die Politik bei dieser sensiblen Frage gegenseitig blockiert.
Den Zollstandort Passau sichern
Anton Eberle (r.) und Alexander Breuherr (l.) als Vertreter der "Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ)" nutzen die Bürgersprechstunde von Dr. Max Stadler, um den Staatssekretär über die aktuelle Situation der Zollbediensteten in Passau zu informieren. Das Hauptzollamt Passau wurde 2004 aufgelöst, so dass die hier Tätigen der Leitung des Hauptzollamtes Landshut unterstehen. Es bestand Einigkeit darüber, dass es aus regionalpolitischer Sicht überaus wichtig ist, den Zollstandort Passau dauerhaft für die Zukunft zu sichern.
Stadler informiert sich über Temelin-Ausbau
Er sah als einer der ersten die Unterlagen einSeit dieser Woche liegen im Passauer Rathaus die Unterlagen zur geplanten Erweiterung des tschechischen Atomkraftwerks Temelin aus. Jeder kann in diese Dokumentation zu den Umweltauswirkungen des Temelin-Ausbaus Einsicht nehmen. Die Möglichkeit nutzte als einer der ersten im Rathaus seiner Heimatstadt Dr. Max Stadler, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium und Vorsitzender der Stadtratsfraktion FDP/ Passauer Liste.
Die amtliche Dokumentation liegt in deutscher Sprache vor. Max Stadler fand sie wie für jedermann möglich zu den üblichen Öffnungszeiten in den Räumen des städtischen Umweltamts im Alten Rathaus. Noch bequemer zu finden ist sie eigentlich im Internet unter www.reaktorsicherheit.bayern.de auf den Seiten des Bayerischen Umweltministeriums. Stadler ging es aber darum, durch einen persönlichen Besuch zu dokumentieren, dass deutsche und speziell Passauer Politiker Interesse an diesen Vorgängen im grenznahen Gebiet haben.
Alle Bürger in Bayern können bis 31. August Einsicht in die Dokumentation nehmen und bis zu diesem Stichtag auch Stellungnahmen in deutscher Sprache direkt dem tschechischen Umweltministerium oder aber dem bayerischen Umweltministerium zu übermitteln. - sdr
''Aufg'schnappt''
Erst vor kurzem war es schwarz auf weiß nachzulesen: Bürger und Experten bescheinigten, dass die Stadt Passau Defizite in Marketing und Tourismus hat. Was die dafür zuständigen Stellen offenbar nicht hinkriegen, schaffte diese Woche Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler: Er machte vor einem Millionenpublikum bundesweit Werbung für die Dreiflüssestadt. Am Donnerstagabend erläuterte der Passauer Politiker in den ARD-Tagesthemen, warum die Regierung die Einführung der elektronischen Fußfessel eintritt. Im Hintergrund war dabei eine eindrucksvolle Nachtaufnahme seiner Heimatstadt zu sehen.
Stadler in Tagesthemen
Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) erläuterte am Donnerstagabend in den ARD-Tagesthemen, warum er für die Einführung von zum Thema "elektronischen Fußfesseln" eintritt. Aufgenommen wurde das Interview in Kohlbruck im Studio von Tele Regional. Als Hintergrund war ein eindrucksvolles Bild von Passau zu sehen - eine schöne Werbung für die Dreiflüssestadt vor einem Millionenpublikum! Unter dem Link
http://www.tagesschau.de/inland/sicherungsverwahrung134.html
kann man dies im Internet (im wahrsten Sinne des Wortes) "nachschauen".
„Ich teile die Ängste der Bevölkerung“
Der Passauer MdB und Staatssekretär im Justizministerium, Max Stadler, verteidigt den Reformentwurf zur Sicherungsverwahrung als Weg zu mehr Sicherheit.
Max Stadler (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium, ist überzeugt, dass gefährliche Sexualtäter mit Hilfe elektronischer Fußfesseln deutlich besser als bisher überwacht werden können.
Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes ringt die schwarz-gelbe Koalition um eine Reform der Sicherungsverwahrung. In Hamburg ist jetzt ein gefährlicher Serien-Sexualtäter auf freiem Fuß. Können Sie die Ängste der Bevölkerung verstehen?
Stadler: Ich teile die Sorgen und Ängste der Bevölkerung vor möglichen neuen Straftaten - auch wenn ich zu Einzelfällen, für die die Landespolitik zuständig ist, nicht Stellung nehmen kann. Bund und Länder müssen aber nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) den Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Straftätern, die aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden, gewährleisten und weiter verbessern. Die Bundesjustizministerin hat vorgeschlagen, künftig im Rahmen der Führungsaufsicht die elektronische Aufenthaltsüberwachung einzuführen. Damit kann der Aufenthaltsort deutlich besser als bisher überwacht und das berechtigte Sicherheitsinteresse der Bevölkerung gewahrt werden. Die Justizministerkonferenz hat diesen Vorschlag fast einstimmig begrüßt.
Unionspolitiker lehnen die Pläne ab. Droht da der nächste Koalitionsstreit?
Stadler: Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat bereits vor einigen Wochen Eckpunkte zur Reform der Sicherungsverwahrung vorgelegt, die vom Kabinett gebilligt worden sind. Auch die Minister der Union haben zugestimmt. Deswegen verstehe ich nicht, warum der Bundesinnenminister und die Union insgesamt den Gesetzentwurf der Ministerin, der ja auf den Eckpunkten beruht, jetzt blockieren. Die Reform wird für mehr Sicherheit sorgen. Wir wollen die Möglichkeit deutlich ausweiten, in einem Strafurteil die Sicherungsverwahrung vorzubehalten und später dann die endgültige Entscheidung zu treffen. Damit werden die kritischen Fälle frühzeitig erfasst. Die nachträgliche Sicherungsverwahrung dagegen birgt erhebliche verfassungsrechtliche Risiken und hat zu großen Unsicherheiten in der Praxis geführt.
Wie groß ist der Kreis derer, die in der nächsten Zeit aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden?
Stadler: Eine verlässliche Zahl - es wird von 80 Personen gesprochen - können nur die zuständigen Länder angeben. Bisher haben die Oberlandesgerichte keine einheitliche Entscheidungslinie gefunden, wie mit dem EGMR-Urteil umzugehen ist. Daher ist jetzt eine von der Bundesjustizministerin vorbereitete Gesetzesänderung in Kraft getreten. Seit gestern müssen Fälle, in denen ein OLG von der Entscheidung eines anderen OLGs abweichen will, dem Bundesgerichtshof vorgelegt werden. So wird hier die Einheitlichkeit der Rechtsprechung gesichert. Die Politik ist gut beraten, sich darauf einzustellen, dass es zu Entlassungen kommen wird. Die Bundesjustizministerin hat daher veranlasst, dass Ende nächster Woche in einer Fachbesprechung das Ministerium gemeinsam mit Vertretern der Bundesländer darüber berät, wie eine einheitliche Linie in diesen Fragen herbeigeführt und präventiv alles für den Schutz der Bevölkerung getan werden kann.
Benötigen die Bundesländer jetzt mehr Polizeikräfte?
Stadler: Wie Überwachung und Schutz konkret gewährleistet werden, ist Sache der Länder. Wir wollen keine Vorgaben machen, aber den Ländern Gelegenheit geben, dass wir uns über das weitere Vorgehen abstimmen.
Die Union will sich nicht mehr an die gemeinsam vereinbarte Linie halten.
Stadler: Die Argumente der Union sind nicht ganz neu. Das Positionspapier von CDU und CSU zur Sicherungsverwahrung nähert sich unseren Vorstellungen an. Unser Vorschlag liegt schon seit längerem auf dem Tisch. Wir werden jetzt auf Basis der vom Bundeskabinett beschlossenen Eckpunkte mit der Union beraten. Ich bin zuversichtlich, dass der Gesetzentwurf der Ministerin zur Reform der Sicherungsverwahrung, so wie im Koalitionsvertrag vereinbart, zügig umgesetzt wird.
Gespräch: Andreas Herholz
Ende der Sicherungsverwahrung
Überwachung mit elektronischer Fußfessel?
Weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die deutsche Praxis der nachträglichen Sicherungsverwahrung für unzulässig erklärt hat, können Straftäter nun gerichtlich ihre Freilassung durchsetzen. In einigen Fällen ist dies bereits geschehen. Polizisten müssen sie auf Schritt und Tritt überwachen - eine für Städte und Kommunen zeit- und kostspielige Maßnahme.
Das Bundesjustizministerium will deswegen künftig Täter, die aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden, mit elektronischen Fußfesseln überwachen lassen. Das kündigte der parlamentarische Staatssekretär Max Stadler in den Tagesthemen an. Für entlassene Strafgefangene, die eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen könnten, solle es eine satellitengestützte Überwachung geben, sagte Stadler. Auf diese Weise könne festgestellt werden, ob sie sich an Auflagen und Verbote hielten. Solange die elektronische Fußfessel noch nicht installiert sei, müsse die Polizei "größtes Augenmerk" auf diese Personen richten.
Rechtsprechung wird vereinheitlicht
Heute tritt zunächst ein Gesetz in Kraft, dass eine einheitliche Rechtsprechung zum Umgang mit Tätern in Sicherungsverwahrung garantieren soll. Bislang entschieden die Oberlandesgerichte unterschiedlich, ob ein Täter aus der Sicherungsverwahrung zu entlassen ist.
Nun muss der erste Fall, mit dem ein Oberlandesgericht nach dem Inkrafttreten des Gesetzes befasst ist, dem Bundesgerichtshof (BGH) vorgelegt werden. Dieser soll dann eine Grundsatzentscheidung treffen, die verbindlich für die nachfolgenden Fälle ist. "Es geht darum, einen Flickenteppich zu vermeiden, da unterschiedliche Rechtsauffassungen bestehen", erklärte ein Ministeriumssprecher.
Reform der Sicherungsverwahrung - aber wie?
Derweil schwelt der Streit in der Koalition um die Reform der Sicherungsverwahrung weiter. Nach einem Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger soll es eine Sicherungsverwahrung künftig nur noch geben, wenn diese bereits im Urteil vorgesehen ist oder wenn sich das Gericht eine spätere Anordnung zumindest vorbehalten hat. Die nachträgliche Sicherungsverwahrung, bei der die Maßnahme nach dem Urteil angeordnet wird, soll dagegen abgeschafft werden.
Union fordert "Sicherungsunterbringung"
Der Union gehen die Pläne der FDP-Ministerin nicht weit genug. Die Justiz- und Innenminister der Unions-regierten Bundesländer sowie die Rechts- und Innenexperten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion kritisierten den Gesetzentwurf als an vielen Stellen ergänzungs- und verbesserungsbedürftig. Wie die Zeitung "Die Welt" berichtet, wehrt sich die Union vor allem gegen die von Leutheusser-Schnarrenberger geplante Abschaffung der nachträglichen Sicherungsverwahrung.
Die Union schlug als neues Instrument eine "Sicherungsunterbringung" vor, die mit der Europäischen Menschenrechtscharta vereinbar sei und trotzdem die Verwahrung von Gewalttätern ermögliche. Sie solle bei konkreter Gefahr und bei Tätern mit einer psychischen Störung nach der Haft angeordnet werden können.
FDP-Ministerin für "vorbehaltene Sicherungsverwahrung"
Dagegen verteidigte Leutheusser-Schnarrenberger ihre Pläne: "Nach meinem Konzept wird die nachträgliche Sicherungsverwahrung überflüssig, weil quasi ein Filter - die vorbehaltene Sicherungsverwahrung - dafür sorgt, dass die Gefährlichkeit von Straftäter schon sehr früh, nämlich bei Verurteilung, erkannt wird."
„Union hält an nachträglicher Sicherungsverwahrung fest“
Von Laurent Martinez
Passau. In der schwarz-gelben Koalition bahnt sich neuer Streit um die Sicherungsverwahrung an. Bei einem Treffen in Berlin haben sich Innen- und Rechtspolitiker von CDU und CSU gestern nach PNP-Informationen auf eine gemeinsame Linie verständigt, die klar gegen die Pläne von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gerichtet ist. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte der PNP: „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir unbedingt an der nachträglichen Sicherungsverwahrung festhalten müssen. Das ist jetzt klare Haltung der Union.“
Das Bundeskabinett hatte noch im Juni Eckpunkte für einen Gesetzentwurf beschlossen, demzufolge eine nachträgliche Sicherungsverwahrung nicht mehr angeordnet werden kann. Die CSU hatte jedoch Widerstand gegen diese Entscheidung angekündigt.
„Die nachträgliche Sicherungsverwahrung ist ein Knackpunkt im Interesse der Sicherheit der Menschen. Da werden wir auf keinen Fall lockerlassen“, sagte Herrmann zu der jetzigen Festlegung der Unionspolitiker. „Wir werden auf eine unverzügliche Umsetzung dieser Linie drängen“, sagte Herrmann. Die Zeit sei knapp, denn es drohe die Freilassung weiterer von Psychiatern als hochgefährlich eingestufter Häftlinge.
Mit der Reform der Sicherungsverwahrung reagiert Deutschland auf Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Das Straßburger Gericht hatte im Dezember 2009 geurteilt, dass die rückwirkende Sicherungsverwahrung gegen die Menschenrechtskonvention verstößt.
Um an der nachträglich verhängten Sicherungsverwahrung festzuhalten und gleichzeitig die Einwände des Gerichts auszuräumen, plant die Union nach Angaben Herrmanns einige formale Änderungen. So solle die Sicherungsverwahrung künftig als Sicherungsunterbringung bezeichnet werden und nicht mehr als Vollzugsmaßnahme gelten, sondern als präventive Sicherungsmaßnahme. Auch sollten künftig eigens Richter für Entscheidungen zur nachträglichen Sicherungsverwahrung zuständig sein, um den Vorwurf zu entkräften, die Richter, die die Straftäter zuvor verurteilt hatten, könnten voreingenommen sein.
Max Stadler (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesjustizministerium, wies die Kritik Herrmanns im Gespräch mit der PNP zurück. Im FDP-Entwurf seien Sicherheitsinteressen der Bevölkerung „vollauf gewahrt“. „Nach unserem Gesetzentwurf wird nämlich die sogenannte, vorbehaltene Sicherungsverwahrung‘, bei der in einem Strafurteil die Entscheidung über eine Sicherungsverwahrung für einen späteren Zeitpunkt vorbehalten wird, erheblich ausgeweitet. Die Eckpunkte seien auf der letzten Justizministerkonferenz von allen mit Ausnahme Bayerns gebilligt worden.
Zehn Fragen der Bayerischen Staatszeitung an den Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Max Stadler
1. Welche kleinen Dinge des Alltags können Sie glücklich machen?Das Sonntagsfrühstück mit meiner Familie zu Hause in Passau, einer der „sieben schönsten Städte der Welt“ (Zitat Alexander von Humboldt)
2. Wie motivieren Sie sich, wenn mal alles schief läuft?
Das Problem kenne ich nicht, denn ich bin Optimist und würde noch am Tag vor dem Weltuntergang ein Bäumchen pflanzen
3. Welche menschliche Eigenschaft fordert Ihnen am meisten Respekt ab?
Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, Vorurteile zu revidieren
4. Gibt es für Sie noch einen großen unerfüllten Lebenswunsch?
Nicht mehr, da ich die Rolling Stones schon viermal live gesehen habe
5. Wie entspannen Sie sich nach einem langen Arbeitstag?
Ich gehe mit meiner Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vom BMJ in der Mohrenstraße in Berlin die paar Schritte zum Gendarmenmarkt; wir setzen uns auf eine Terrasse und reden bei einem Glas Aperol Sprizz über Gott und die Welt
6. Ihre Lieblingslektüre?
Der Grundrechtsteil der Bayerischen Verfassung und des Grundgesetzes sowie Garri Kasparow: „Meine großen Vorkämpfer – Die bedeutendsten Partien der Schachweltmeister“
7. Welchen Luxus gönnen Sie sich hin und wieder?
Ich verlasse das Haus, ohne eine Uhr zu tragen
8. Wie stellen Sie sich einen perfekten Urlaub vor?
Meine Frau und ich spielen eine Woche lang Golf in der Steiermark und ich lerne dabei so viel von ihr, dass ich den Ball genau so gut treffe wie sie (wird demnächst stattfinden!)
9. Was würden Sie einem jungen Menschen gern mit auf den Weg geben?
Geh Deinen eigenen Weg! (oder erreicht man junge Menschen eher, wenn man ihnen sagt: Denk an „Go your own way“ von Fleetwood Mac!)
10. Welche Persönlichkeit aus Ihrem Umfeld hat Sie am meisten beeindruckt?
Hans-Dietrich Genscher
Hoher Besuch
Der Justiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler hat sich gestern ins Goldene Buch der Stadt Landau eingetragen. Bürgermeister Josef Brunner freute sich einen „alten“ Bekannten aus der Kommunalpolitik wiederzusehen. „Wir haben uns schon öfter getroffen und uns über die kommunalpolitischen Themen unterhalten. Vieles davon ist nach wie vor aktuell,“ sagte Brunner und wies Stadler und den stv. FDP-Fraktionsvorsitzenden Dr. Andreas Fischer auf die Probleme im ländlichen Raum hin. Besonders wies er auf das Problem der Entvölkerung hin. Dr. Max Stadler, der früher kommunalpolitisch tätig war, bekundete sein Interesse und versprach, sich für den Raum Niederbayern einzusetzen. Das nächste Projekt das ansteht ist der Lärmschutzwall an der B20. „Wir warten noch auf das grüne Licht der obersten Baubehörde, aber demnächst soll ein Brief kommen,“ hoffte Brunner. Stadler, der selbst kürzlich auf der B20 unterwegs war, konnte das Problem sehr gut nachvollziehen. „Aber dennoch ist Landau eine sehr hübsche Stadt,“ meinte Stadler.
Das ist sein Arbeitsplatz in Berlin
Darüber hat sich Staatssekretär Dr. Max Stadler besonders gefreut: Sein Platz auf der Regierungsbank im Deutschen Bundestag ist derzeit in Passau zu betrachten. Stadler stattete dem Info-Mobil des Parlamentes, das noch bis Samstag Station in Passau macht, in Begleitung von Kreisvorsitzendem Korbinian Faltner und des Passauer FDPEhrenvorsitzenden Rolf Frommelt einen Besuch ab. In dem fahrbaren Ausstellungsraum im Klostergarten trafen sie auf Ex-Stadtrat Ludwig Lindmeier. Der Berufsschullehrer führte gerade im Rahmen des Sozialkundeunterrichts eine Klasse junger Damen ins Info-Mobil. Die angehenden medizinischen Fachangestellten nutzten die Gelegenheit und diskutierten mit Max Stadler eine gute Stunde lang über Themen wie Atomausstieg oder mehr Bürgerbeteiligung.
MdB Stadler setzt sich für Ausstellung Aldersbach ein
München/Aldersbach. Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin der Justiz, Dr. Max Stadler (FDP), absolvierte am Montag in München seine Antrittsbesuche beim Bundespatentgericht und beim Bundesfinanzhof. Stadler (rechts im Bild) nutzte diese Gelegenheit, um sich von Dr. Jörg Haller (l.), dem Inhaber der Münchner Agentur „Argus! KulturKommunikation“, die Ideen für eine Landesausstellung in Aldersbach erläutern zu lassen. Dr. Haller bereitet derzeit die Bewerbungsmappe vor. Die Landesausstellung 2016 wird unter dem Motto „500 Jahre bayerisches Reinheitsgebot“ stehen. Neben Aldersbach gibt es auch mehrere andere Interessenten. Nach Präsentation der bisher entwickelten Vorstellungen sagte Staatssekretär Dr. Stadler seine volle Unterstützung zu. - redRegion soll mehr aus ihren Vorzügen machen
Politfrühschoppen: Hoffnungen auf EuroparegionVon Wolfgang Lampelsdorfer
Die Region ist hervorragend aufgestellt, muss dies aber nach außen hin noch besser „rüberbringen“. So eine Erkenntnis eines von Rudi Fellner, Wirtschaftsbeirat der Union, organisierten Politfrühschoppens am Samstag mit den Staatssekretären Dr. Andreas Scheuer (CSU) und Dr. Max Stadler (FDP) sowie MdL Bernhard Roos (SPD).
Wenn österreichische Unternehmer die Landesgrenze überschreiten, klagten sie nicht über Probleme, sondern schwärmten in den höchsten Tönen von Erfolgen und betrieben so kostenlos Werbung für den Wirtschaftsstandort, weiß Scheuer. Doch wie kann die Region Passau mit ihren Vorzügen punkten? Man müsse Werbung verstärkt auf den Empfänger abstellen, so Scheuer, mit deutlich auf die jeweilige Region abgestimmten Botschaften. So wie in Franken jeder von der Metropolregion rede, müssten auch hier positiv besetzte Schlüsselbegriffe wie Passau, Donau oder Bayerischer Wald nicht nur touristisch, sondern auch für die Wirtschaft verstärkt genutzt werden: „Unsere Region muss sich so darstellen, wie sie ist, dass hier die Lebensqualität höher ist als anderswo“, so auch Stadler. Dies gelte auch für die hervorragende Verkehrsinfrastruktur mit Straßen, Bahn, guter Flughafen-Anbindung und Schiff. Verstärkt werden sollten auch die Bemühungen um die Personen, die die Vorzüge der Region schon kennen, beispielsweise als Absolventen der Uni. Hier könnte die „Anschlussbetreuung“ noch verbessert werden, regte Scheuer an. Ein gutes Beispiel ist hier der Alumniverein, der zwischen den Ehemaligen der Universität Kontakte hält und vermittelt. Unverständlich ist für Scheuer, dass der „Tag der Region Passau“ in der Landesvertretung nach seiner erfolgreichen Premiere im Herbst 2007 keine Neuauflage erlebte: Diese wäre eine hervorragende Gelegenheit für Stadt und Land, sich gemeinsam zu präsentieren. Große Hoffnungen setzten alle Gesprächsteilnehmer auf verstärkte internationale Zusammenarbeit, ob in der Europaregion Donau-Moldau oder der Donaustrategie. Der Blick müsse verstärkt Richtung Südosten gehen, diese für die Wirtschaft so wichtige Entwicklungsachse.
Mehr Instrumente, um auch kleinere Unternehmen zu fördern, forderte SPD-Mann Roos. Beispiele wie die XperRegio Arnstorf mit ihrer strategischen Partnerschaft für mehr Wirtschaft, Arbeitsplätze und Lebensqualität sollten Schule machen. Bei Rudi Fellner stieß er da auf offene Ohren: Statt immer nach großen Ansiedlungen zu schielen, sei es oft vielversprechender, sich um die vielen „Champions im Verborgenen“ zu bemühen, die sich oft „sensationell entwickeln“.
Weiteres Thema: noch immer fehlen vielerorts im ländlichen Gebiet die schnellen DSL-Verbindungen. Schon vor zehn Jahren habe klar sein müssen, dass diese ein entscheidender Zukunftsfaktor für die Wirtschaft sind, so Fellner, getan habe sich jedoch nur wenig. Bei Firmenneuansiedlungen sei die Frage des schnellen Internet durchaus entscheidend, so Dr. Max Stadler. Auf die Möglichkeit für Eigenlösungen von Betrieben verwies Andreas Scheuer. Bernhard Roos forderte mehr Unterstützung vom Staat für die Kommunen, allein seien diese für die Konzerne ein „zu schwacher Verhandlungspartner“. Einig waren sich die Vertreter aller Parteien, dass der weitere Ausbau möglichst zügig vorangetrieben werden müsse, ob per Kabel oder Funk. Lob gab es für den Landkreis Passau, der mit seiner Initiative „einer der schnellsten war“, so Roos.
Sowohl Stadler als auch Scheuer verwiesen darauf, dass die wirtschaftliche Lage derzeit besser sei als das Stimmungsbild in der Öffentlichkeit. Stadler verwies auf die guten Arbeitsmarktzahlen, Scheuer auf die Erfolge des Kurzabeitergelds, das geholfen habe, das Know-how in den Betrieben zu halten. Nach der Premiere sollen die parteiübergreifenden Gespräche in regelmäßigen Abständen mit Gesprächspartnern aus der Wirtschaft fortgesetzt werden.
„Klimakiste“ zeigt, wo man Energie sparen kann
Hauzenberg. Sie heißt Klimakiste, ist grün und gar nicht so groß. Aber ihr Inhalt hat es in sich: Da gibt es ein CO2-Messgerät, ein Infrarotthermometer, mehrere Energiekosten-Messgeräte, Thermometer mit USB-Anschluss, um Temperaturverläufe mit dem Computer aufzeichnen zu können, Beleuchtungsmessgeräte und vieles mehr. Jetzt hat Staatssekretär MdB Dr. Max Stadler im Auftrag des Umweltministeriums diese Kiste im Beisein von Realschulrektor Lothar Leyerseder an Lehrer Bernhard Resch übergeben. Dieser hatte sich mit seinen Schülern aus der 9b und 7a an der „Aktion Klima“ des Vereins „BildungsCent“ beteiligt (PNP berichtete), das vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Und für ihr Engagement wurde die Realschule mit der Klimakiste belohnt.
Stadler ließ sich von den Schülern über ihre Projekte informieren und hob hervor, wie wichtig es sei, nach Lösungen zum Energiesparen zu suchen, um die Umwelt zu schützen.
Was Bernhard Resch besonders freut: „Mit diesen Geräten können wir uns jetzt unkompliziert und praxisnah mit dem Thema Klimaschutz beschäftigen.“ - fl
Stadtgespräch
Aufg´schnappt
+++ Sicherheitspolitik an der Hochschule: Im nächsten Semester soll es an der Universität Passau eine Sicherheitspolitische Hochschulgruppe geben. Max Stadler, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium, will diesen Arbeitskreis selbst unterstützen. Mit zwei Studenten werden dann Fragen der inneren und äußeren Sicherheit diskutiert. Bereits jetzt gibt es eine eigene Homepage unter www.passau.sicherheitspolitik.de +++
Schon gehört, dass
...Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) die Bewerbungvon Aldersbach als
Veranstaltungsort der bayerischen Landesausstellung 2016 nach Kräften unterstützt?
Nach Stadlers Informationen ist es keineswegs eine ausgemachte Sache, dass der
Favorit Ingolstadt den Zuschlag bekommen wird. Die Landesausstellung, zu der
mindestens 250 000 Besucher erwartet werden, würde nicht nur für Aldersbach,
sondern für die ganze Region Passau und Niederbayern von großer Bedeutung sein.
Staatssekretär Dr. Stadler, der auch von seinem Stadtratskollegen Waschler um
Mithilfe gebeten wurde, wandte sich in dieser Angelegenheit an das Bayerische
Wissenschaftsministerium.
Am Rande der Bundespräsidentenwahl letzten Mittwoch im Berliner Reichstag
sprach der Passauer FDP-Abgeordnete dann auch noch mit seinem Parteifreund
Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch persönlich über dieses Thema.
Demnächst ist auch ein Treffen Stadlers mit Dr. Jörg Haller aus München
vorgesehen, der die Bewerbung vorbereitet.
Auch FDP kritisiert Gesetzentwurf zum Arbeitnehmerdatenschutz heftig
Das geplante Datenschutzgesetz für Arbeitnehmer stößt auch in der FDP auf heftige Kritik: "Der Entwurf enthält gravierende Mängel bei der Frage, unter welchen Voraussetzungen Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz überwacht werden dürfen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Justizministerium, Max Stadler (FDP), dem "Spiegel". Zuvor hatten schon Datenschützer moniert, die vom Bundesinnenministerium vorgelegten Pläne gingen hinter die bisherigen Standards zurück. Nach Ansicht des Bundesbeauftragten für Datenschutz, Peter Schaar, besteht sogar die Gefahr, dass bisherige Skandale damit nachträglich legalisiert werden könnten.
Bahn-Ärger: Max Stadler drängt auf Verbesserungen
Nach den Berichten und Leserbriefen in der PNP, in denen Bahnkundenihre schlechten Erfahrungen schildern, hat sich Staatssekretär Dr. Max
Stadler (FDP) an den Geschäftsführer der DB Regio Ostbayern Walter Karr
gewandt. Der konnte immerhin einige Verbesserungen in Aussicht stellen:
Die Gleisbauarbeiten auf der Strecke München-Plattling seien inzwischen
soweit abgeschlossen, nur mehr an den beiden kommenden Wochenenden
müsse hier noch gearbeitet werden. Noch länger werde zwischen Plattling
und Osterhofen gebaut, hier seien jedoch keine Auswirkungen auf den
Donau-Isar-Express zu erwarten. Er habe im Gespräch mit Karr vor allem
auf das Anliegen der Bahnkunden verwiesen, mehr Informationen zu
erhalten; die DB Regio habe hier Besserung gelobt. „Wir müssen am Ball
bleiben“, so Stadler. - lam
Erneuter liberaler Coup in Straubing!
Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Max Stadler ist Schirmherr von Jazz ander Donau 2010
Für das Jazz an der Donau-Festival 2010 (16. bis 18. Juli) konnte ein prominenter Fürsprecher gewonnen werden: Dr. Max Stadler, Parlamentarischer Staatssekretär der Justiz, ist der diesjährige Schirmherr des Festivals. Eine Idealbesetzung. Denn der aus Passau stammende Politiker gereicht nicht nur als Patron jeder Veranstaltung zur Ehre. Er hat das Festival auch von Beginn an aufmerksam verfolgt. "Aus relativ kleinen Anfängen vor über 20 Jahren ist ein international anerkanntes Großereignis geworden", sagt Dr. Max Stadler und fügt hinzu: "Ich habe die Hoffnung, dass es auch in Zukunft gelingen wird, dem anspruchsvollen Publikum alljährlich neue Highlights zu präsentieren." Heinz Huber, erster Vorstand von Jazz an der Donau: "Ich freue mich, dass wir mit Dr. Max Stadler einen so prominenten Fürsprecher für unser Festival gewinnen konnten. Es ist für uns ein weiterer Beleg, dass Image und Renommier von Jazz an der Donau stimmen. Das macht uns schon ein bisschen stolz."
Algerien kickt sich zum ersten WM-Titel
Beim PNP WM-Kick lassen Manuel Eisner und Alexander Url für das afrikanische Land auch Gegnern wie Italien und Deutschland keine Chance und gewinnen ein Profi-Kicker - Teilnehmer von der Weltmeisterschaft im Mini-Format begeistert
Erfolgreiches Doppel am Kicker: Manuel Eisner und Alexander Url gewannen nicht nur Platz 1 beim PNP WM-Kick, sondern auch einen einzigartigen Profi-Tisch mit dem Branding der Hacklberger Brauerei
Ein Kick von heimatsport.de: Bei herrlichen Temperaturen hat am Samstag beim Finale des PNP WM-Kicks im Hacklberger Biergarten Außenseiter Algerien den Titel geholt. Zwar gewannen Manuel Eisner und Alexander Url keinen Weltpokal, aber über ihren Preis, einen Profi-Tischkicker im Wert von 1000 Euro, war die beiden Ringelaier völlig aus dem Häuschen. Im Finale der niederbayerischen Tischkicker-WM ließ das Doppel der Vertretung „Italiens“ keine Chance - glatt in drei Sätzen musste das Geschwisterpaar Stefanie und Michael Kojer (Passau) die Segel streichen. Traurige Mienen gab es dennoch nicht: weder bei den „Azzurris“ noch bei einem anderen Team, denn die besten neun Teams wurden mit wertvollen Preisen für ihre Leistung belohnt und erhielten - wie alle Final-Teilnehmer - ein Fünf-Liter-Fass Bier vom Hauptsponsor, der Hacklberger Brauerei.
Auf den Weg hatte das Turnier heimatsport.de und der Bayerische Tischfußballverband, in Person dessen Präsidenten Thomas Przesdzink, gebracht. Bei vier Vorrunden-Turnieren in Passau, Simbach, Viechtach und Deggendorf hatten sich rund 100 Amateur-Teams für das Finale in Passau beworben, wo nach dem WM-Spielplan gespielt wurde. Eigens dafür hatten die Veranstalter Länder-Shirts organisiert, in denen die Kicker an die Tische gingen. Durch die Bank lobten die Freizeit-Kurbler die „großartige Organisation von heimatsport.de“, wie es Stefan Mitterdorfer ausdrückte, der am Samstag für „Argentinien“ ins Rennen ging, dort aber schon im Achtelfinale an einem äußerst starken „Frankreich“ scheiterte. Wie in Südafrika kam es auch beim PNP WM-Kick zum Klassiker zwischen Deutschland und England. Und wie in Südafrika behielt auch im Hacklberger Biergarten die deutsche Mannschaft mit Ernst Moser und Josef Winter die Oberhand. Überhaupt zeigten sich die „Deutschen“ von ihrer Schokoladenseite: Die Vorrunden-Sieger von Viechtach marschierten problemlos durchs Turnier und scheiterten erst in einem an Dramatik nicht mehr zu überbietenden Halbfinale am späteren Sieger „Algerien“. Über drei spannenden Sätze mit allerlei Kicker-Finessen und -Finten gewannen die „Nordafrikaner“ am Ende mit 8:7 im dritten Satz, dem knappsten aller möglichen Ergebnisse.
Auch das andere Halbfinale stand lange auf des Messers Schneide, bei dem sich „Italien“ (Stefanie und Michael Kojer) und „Japan“ (Benjamin Brandl - Raphael Köck) gegenüberstanden. Nach dem 1:0 nach Sätzen für das Team aus Ringelai und Perlesreut, drehten die Geschwister mit beherztem Angriffsschwung Spiel noch das Spiel.
Weniger spannend, dafür umso unterhaltender verlief der von Radio-Galaxy-Moderator Moritz Hücher moderierte Promi-Kick zwischen PNP-Chefredakteur Ernst Fuchs und Dr. Max Stadler (parlamentarischer Staatssekretär im Justizministerium/FDP) auf der einen und Brauerei-Direktor Stephan Marold und BTFV-Präsident Przesdzink auf der anderen Seite. 4:10 hieß es am Ende für das gemischte Doppel von Politik & Presse, doch Dr. Stadler schien aber nicht unzufrieden über das Ergebnis: „4 von 10, das sind 40 Prozent, und wenn wir so ein Ergebnis bei der nächsten Wahl schaffen, freue ich mich.“
Rundum zufrieden war natürlich auch das Sieger-Doppel, die ihren Kicker gleich mit nach Hause nahmen. Dennoch hatte das glückliche Duo Eisner/Url noch einen Wunsch: „PNP WM-Kick, da würden wir jedes Jahr mitspielen“. - mis
Sieger und Preise
1. Algerien (Tischkicker), 2. Italien (Wochenende in einem Wellness-Hotel für zwei Personen), 3. Deutschland (Wochenende in einem Wellness-Hotel für zwei Personen), 4. Japan (Bayern-Outfit mit Lederhose, Hemd, Strümpfe, Schuhe), 5. Frankreich (2 Karten für ein Spiel des FC Bayern in der Allianz-Arena), 6. Südafrika (2 Original WM-Trikots), 7. Honduras (2 Trikots 1860 München), 8. Brasilien (Micro-Anlage mit Plattenspieler), 9. England (2 Karten für eine MiE-Veranstaltung), 10. Serbien, 11. Portugal, 12. Kamerun, 13. Argentinien, 14. Paraguay, 15. Schweiz, 16. Südkorea.
Stadler war der ''Hahn im Korb''
Bei einer Konferenz in der Schweiz stellte Staatssekretär Dr. Max Stadler kürzlich fest, dass Justitia nicht nur in Deutschland fest in weiblicher Hand ist. Auch in Liechtenstein, der Schweiz und Österreich stehen jeweils Frauen an der Spitze des Justizministeriums. Weil Stadlers Chefin, Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, nicht kommen konnte, sprang er ein - und war prompt der „Hahn im Korb“.Rückreise per Bahn
Was das Thema Bahn anbelangt, schreibt mir unser Freund Max
Satelliten-Überwachung von gefährlichen Straftätern
Schon gehört, dass in der ersten Kabinettssitzung, in der Staatsekretär Dr. Max
Deutschland : Serbien
Da sage noch einer, die Koalition stecke in einer Krise. Staatssekretär Dr. Max
''Da haben wir geliefert''
Justiz-Staatssekretär Max Stadler über seine Hoffnung auf einen Paradigmenwechsel in der Rechtspolitik
Die FDP will in der Innen- und Rechtspolitik einen Paradigmenwechsel durchsetzen - und sieht sich dabei auf einem guten Weg. Mit Max Stadler, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium, sprachen Thorsten Jungholt und Martin Lutz.
Die Welt: Herr Stadler, von Steuersenkungen bis Gesundheitsreform: Die FDP konnte bislang keines dieser Wahlversprechen umsetzen.
Wie sieht es mit dem angekündigten Paradigmenwechsel in der Innen- und Rechtspolitik aus?
Max Stadler: Da haben wir geliefert. Es sind Gesetzentwürfe eingebracht, die die Ungleichbehandlung von Strafverteidigern und anderen Anwälten in der Strafprozessordnung beseitigen und die Pressefreiheit stärken werden, und wir sind in guten Gesprächen mit der Union, das Aufenthaltsrecht zu reformieren. Es gibt noch viel zu tun, aber die liberale Handschrift ist schon gut erkennbar. Der Paradigmenwechsel ist eingeleitet.
Die Welt: Warum spielt das in der öffentlichen Debatte über die Regierungsbilanz der FDP keine Rolle?
Stadler: Weil die Menschen im Moment von Themen wie dem Haushaltsloch oder der Euro-Krise unmittelbarer betroffen sind. Aber bei unseren Anhängern werden die guten Ergebnisse in der Innen- und Rechtspolitik durchaus registriert, die die Justizministerin durchgefochten hat.
Die Welt: Ist das nur Verdienst von Frau Leutheusser-Schnarrenberger - oder liegt es nicht auch daran, dass Innenminister Thomas de Maizière (CDU) pflegeleichter ist als sein Vorgänger Wolfgang Schäuble?
Stadler: Herr de Maizière schlägt in seinen Reden einen moderateren Ton an als sein Vorgänger, und die Arbeitsatmosphäre mit ihm ist angenehm sachlich. Er verlangt nicht ständig neue Gesetze, sondern denkt lieber mit uns über einen besseren Vollzug der bestehenden Regeln nach. Das ist in der Tat ein deutlicher Kurswechsel. Es hat doch keinen Sinn, den Bürgern unentwegt neue Bedrohungsszenarien vor Augen zu führen - bis dann keiner mehr daran glaubt.
Die Welt: Andere Unionsvertreter sind weniger zurückhaltend. Wolfgang Bosbach hat der Ministerin gerade vorgeworfen, die nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem März nötige Reform der Vorratsdatenspeicherung nur lustlos anzugehen. So entstünden unverantwortliche Sicherheitslücken.
Stadler: Hektisches Handeln ist hier völlig fehl am Platze. Die FDP hat durchgesetzt, dass nach diesem Urteil nicht einfach ein Gesetz übers Knie gebrochen wurde. Denn für eine moderne Rechtspolitik reicht es nicht mehr, nur nach Deutschland zu schauen. Es gibt eine Richtlinie der EU, die alle Mitgliedsstaaten zur Vorratsdatenspeicherung verpflichtet. Die wird bis zum Herbst evaluiert. Wir müssen also auf EU-Ebene Einfluss nehmen und Verbündete aus anderen Ländern finden, um unsere Vorstellungen von einer neuen Datenschutzkultur durchzusetzen. Die fordert ja nicht nur Karlsruhe, auch die Bürger achten zunehmend auf ihre Freiheitsrechte in diesem Bereich. Und zu den behaupteten Sicherheitslücken ist zu sagen: die sind bislang schlicht nicht erkennbar.
Die Welt: Blockade wird der FDP auch bei der Verbesserung des Schutzes von Polizisten vorgeworfen. Immerhin gab es in Berlin gerade einen Sprengstoffanschlag auf Beamte.
Stadler: Da ist viel Unwissenheit im Spiel. Die Gerichte können schon nach dem geltenden Recht bei Körperverletzungen gegen Beamte hohe Strafen von bis zu zehn Jahren verhängen. Versuchter Totschlag oder Mord wird sogar noch weitaus höher bestraft. Denn alle Strafvorschriften, die vor Gewalttaten schützen, gelten ja selbstverständlich auch für Polizisten. Sie sind strafrechtlich also ausreichend geschützt.
Die Welt: Die Union fordert eine Verschärfung des Paragrafen 113, dem des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Reine Symbolpolitik?
Stadler: Weil es den notwendigen und auch wichtigen Schutz von Repräsentanten des Staates bereits gibt, sieht die FDP für eine grundlegende Neugestaltung des Paragrafen 113 keinen Bedarf. Bei dieser Vorschrift sind lediglich Einzelheiten neu zu regeln.
Die Welt: Ihr Koalitionspartner versteht das Gesetzbuch nicht?
Stadler: Er versteht es in diesem Punkt anders als wir Liberale. Wir wollen ja durchaus Veränderungen - aber eben an der richtigen Stelle. Zum Beispiel werden wir dafür sorgen, dass gefährliche Werkzeuge sich bei einer Widerstandshandlung wieder strafverschärfend auswirken.
Die Welt: Bislang konnten Sie sich oft durchsetzen. Mal eine Prognose: Wie viele Sicherheitsgesetze verabschiedet die Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode?
Stadler: Kein einziges. In Gesetzen, an denen die FDP mitwirkt, geht es immer um Sicherheit und um Freiheit.
Ministerin wirbt für Datenschutz-Gütesiegel
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zu Gast bei der Liberalen Hochschulgruppe
Möglicherweise noch vor der parlamentarischen Sommerpause sollen Justiz- und Innenministerium ein Eckpunktekonzept für die geplante "Stiftung Datenschutz" vorlegen. Bei einem Vortrag auf Einladung der Liberalen Hochschulgruppe warb Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gestern Abend für ein Gütesiegel im Netz, das den Nutzer darauf hinweist, bei welchen Anbietern seine Daten sicher sind.
In ihrem Vortrag hatte die Justizministerin das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit näher beleuchtet - ob beim Lauschangriff, der Vorratsdatenspeicherung oder der Sicherungsverwahrung. Besonders wichtig ist Leutheusser-Schnarrenberger die Selbstbestimmung des Einzelnen im Umgang mit seinen Daten: "Nie war es wichtiger, die Bürger über Datenschutzanforderungen aufzuklären und sie mündig zu machen". Eine "Stiftung Datenschutz" könne als eine Art Gütesiegel für die Einhaltung von Datenschutzstandards dienen - Anbieter könnten sich dadurch durchaus auch im Wettbewerb Vorteile verschaffen. Die Stiftung solle aber auch möglichst früh Medienkompetenz und Datenschutzbewusstsein schärfen - schon in den Schulen solle da Aufklärungsarbeit betrieben werden.
Der Kampf gegen Kinderpornographie war eines der Themen in der Diskussion mit den Studenten. Da Sperren von Bildern und Filmen leicht umgangen werden könnten, sollten einschlägige Seiten gelöscht werden. Man müsse hier auch im Gespräch mit den Providern nach Mitteln und Wegen suchen. Keinen Kommentar gab´s auf die Frage nach einer Bewertung des Rücktritts von Horst Köhler, "aus Respekt vor dem hohen Amt", so die Justizministerin. Sie machte allerdings klar, dass der Schritt des Bundespräsidenten die Politik jetzt vor neue Herausforderungen stelle. "Das nimmt uns Kapazität", so die Ministerin, eigentlich habe man sich in den nächsten Wochen auf die schwierigen Haushaltsberatungen konzentrieren wollen.
Eingeladen hatte die Ministerin die Liberale Hochschulgruppe; Vizepräsident Prof. Dr. Wolfgang Hau lobte bei der Begrüßung der Gastrednerin die Studenten, dass diese nicht nur konsumieren, sondern auch selbst zu einem facettenreichen Angebot beitragen. - lam
Stadler weist Kritik zurück
*Passau* - Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) weist die Kritik des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) am Bundesjustizministerium zurück. Dieser behauptete Mitte der Woche, dass man in Berlin mit der Neuregelung der Sicherungsverwahrung für gefährliche Straftäter im Verzug sei. Gegenüber der AS klärt Max Stadler auf: „Das Konzept steht und wird mit allen Beteiligten in Bund und Ländern abgestimmt.“ Auch mit der bayerischen Justizministerin Beate Merk sei man seit längerem im Gespräch. *(ce)*
Carossa-Freunde
Unser braver Dr. Stadler war doch glatt in der Hans-Carossa-Oberschule in Gatow, im Berliner Bezirk Spandau. Der Max hat sich mit Schulleiterin Oberstudiendirektorin Maria Meyer getroffen. Sie war total überrascht und verblüfft, als plötzlich ein aus Bayern kommender Staatssekretär vor der Tür stand. Als er erzählt hat, dass er auch in einer Hans-Carossa-Schule war, nämlich der in Passau-Schalding, war schnell ein Insider-gespräch im Gange. Die lange namenlose Schule hat Ende der 50er-Jahre einen Namen gesucht, und ein Carossa-Verehrer schlug Hans Carossa vor. In der Gründungsurkunde heißt es, er sei ein „Künder wahrer Menschlichkeit“. Zum 50 Todestag des Dichters 2006 hat der Schulförderverein sogar einen Hans-Carossa-Förderpreis gestiftet. Die Schule mit ihren 1062 Schülern steht seit dem Jahr 2000 auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens der Briten, in einer hübschen ländlichen Gegend, wie Dr. Stadler mitteilt.
FDP kämpf für ''Passauer Modell''
„Passauer Modells“ bei der Betreuung der Langzeitarbeitslosen ein. „Die
Landesgruppe hat auf meine Initiative hin einstimmig beschlossen, in den
bevorstehenden Ausschussberatungen die Möglichkeit der getrennten
Aufgabenwahrnehmung von Kommunen und Arbeitsagentur zur Sprache
zu bringen“, teilte Staatssekretär Dr. Max Stadler mit. Mit den Hartz-
Reformen war die Bildung von Arbeitsgemeinschaften der Kommunen und
Arbeitsagenturen eingeführt worden. Der Passauer Stadtrat hatte die bis
dahin übliche Trennung beibehalten, weil durch eine sinnvolle freiwillige
Kooperation ohnehin eine gute Betreuung der Langzeitarbeitslosen
möglich sei. Mittlerweile hat das Bundesverfassungsgerichts entschieden,
dass für die Arbeitsgemeinschaften eine neue Rechtsgrundlage im
Grundgesetz geschaffen werden muss. Hierüber hat die Bundesregierung
mit der SPD verhandelt, um die Zwei-Drittel-Mehrheit für die
Grundgesetzänderung sicherzustellen. Bei diesen Gesprächen kam man
zugleich überein, die getrennte Aufgabenwahrnehmung künftig zu
verbieten. „Für diesen Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung gibt es
keine überzeugenden Argumente.“, meint Stadler. Dennoch dürfte es
schwierig werden, den von der Bundesregierung mit der SPD vereinbarten
Gesetzentwurf noch einmal abzuändern. - red
Delegation aus Passau kehrt tief bewegt zurück
Tief bewegt waren im Anschluss an die Trauerfeierlichkeiten die Mitglieder einer Delegation aus dem Raum Passau. Zu ihnen gehörten auch Landrat Franz Meyer, der Bürgermeister aus Untergriesbach, Hermann Duschl, eine Abordnung der örtlichen Bürgerschaft, sowie die beiden Passauer Staatssekretäre Andreas Scheuer (CSU) und Max Stadler (FDP).
„Es war eine bewegende Trauerfeier und ein würdiger Akt für die tragisch gefallenen Soldaten“, sagte ein merklich berührter Franz Meyer kurz vor seiner Rückreise zur AS.
Staatssekretär Stadler erklärte: „Guttenberg hatte genau die richtigen Worte gefunden. Doch uns allen ist klar: Für die Familien kann es keinen wirklichen Trost geben. Dennoch war es ein würdiger Rahmen.“ Ähnlich äußerte sich sein Amtskollege Scheuer: „Es war eine Trauerfeier voller Würde und Emotionalität. Für mich persönlich war es sehr bewegend - ich bin noch immer tief berührt.“ *(sd)*
Konflikt bei Betreuung von Langzeitarbeitslosen - Hilferuf von OB an Stadler Aus für Passauer Modell?
/von CHRISTOPH EBERLE/
Bei der Betreuung von Langzeitarbeitslosen geht Passau einen Sonderweg: Anstatt in einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) von Stadt und Arbeitsagentur, kümmern sich beide Behörden getrennt um Hartz-IV-Empfänger. Doch diese Möglichkeit soll nun gestrichen werden.
2004 führte die damalige rot-grüne Bundesregierung eine Reform des Arbeitsmarktes durch. Unter dem Stichwort „Hartz-IV“ wurden Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammengelegt. Für die praktische Umsetzung der Änderung wurde den Kommunen empfohlen, mit der jeweiligen Arbeitsagentur eine ARGE zu gründen, in der sie gemeinsam die Hartz-IV-Empfänger betreuen.
Die Stadt Passau entschied sich damals - so wie 22 andere Kommunen bundesweit - jedoch bewusst gegen diese Möglichkeit. In der Beschlussvorlage für den Stadtrat empfahl der Dienststellenleiter für Soziales und Senioren, Josef Loher, vorerst auf die Einrichtung einer ARGE zu verzichten. Er zeigte sich skeptisch, ob diese tatsächlich Personalkosten einspare. Zudem hätte die Stadt dann Mitarbeiter in die Arbeitsagentur einmieten müssen. Gleichzeitig wären im neuen Passavia-Gebäude in der Vornholzstraße Räume leer gestanden.
Laut OB-Sprecher Herbert Zillinger hat sich das „Passauer Modell“ bewährt. „Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur klappt hervorragend. Und weil jeder sein Spezialgebiet betreut, sei das Ganze kundennah und effizient. Doch weil es keine klare Kompetenzregelung gibt, hat das Bundesverfassungsgericht diese Mischverwaltung inzwischen für unzulässig erklärt.
Passaus OB Jürgen Dupper (SPD) schrieb deshalb einen Hilferuf an Staatssekretär Max Stadler (FDP). Dem zufolge sträuben sich aber ausgerechnet Duppers Parteikollegen gegen eine notwendige Verfassungsänderung. „Die SPD forderte, die getrennte Wahrnehmung auslaufen zu lassen“, so Stadler. Auch wenn er die Chancen als eher gering einschätzt, will der Staatssekretär noch einen Versuch wagen. „Ich habe bislang keine Argumente gehört, warum man ein so gut funktionierendes Modell streichen soll“, sagte er zur AS.
Laut OB-Sprecher Herbert Zillinger ist in den nächsten Tagen außerdem ein Gesprächstermin mit der Arbeitsagentur angesetzt. „Falls es nicht klappt, wollen wir zumindest eine längere Übergangsfrist herausschlagen“, erklärte er.
FDP dringt auf besseren Datenschutz
Von Christoph Rybarczyk
Die FDP geht beim Thema Datenschutz auf Konfrontationskurs mit der Union. Die Liberalen haben dabei vor allem das Elena-Verfahren im Visier.
Hamburg/Berlin. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger legt dem FDP-Bundesparteitag am Wochenende in Köln ein umfangreiches Paket für die Wahrung von Bürgerrechten vor. In dem Antrag an den FDP-Bundesvorstand, der dem Abendblatt vorliegt, gehen Leutheusser-Schnarrenberger sowie führende FDP-Rechtspolitiker wie Max Stadler, Gisela Piltz und Jörg-Uwe Hahn auf Konfrontationskurs mit dem Regierungspartner Union.
So soll der neue elektronische Entgeltnachweis Elena ersetzt werden durch ein einfacheres Verfahren. Derzeit überprüfen Innen- und Justizministerium, ob die Elena-Daten zu Gehältern und Art der Beschäftigung, die von Arbeitgebern an eine zentrale Speicherstelle gesendet werden, mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Vorratsdatenspeicherung vereinbar sind. Gegen Elena liegt bereits eine Massenklage in Karlsruhe vor.
Die FDP bemängelt, dass Elena neue Kosten und Bürokratie bei kleineren Unternehmen produziere. Und: "Die FDP setzt sich dafür ein, dass persönliche Daten nur bei Bedarf erhoben und gespeichert werden, nicht aber auf Vorrat", heißt es in dem Antrag für den Parteitag. Zuletzt hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) gesagt, wenn Elena verfassungswidrig sei, seien auch andere Datensammlungen bei der Rentenversicherung verfassungswidrig.
Bei der Vorratsdatenspeicherung und der Verfolgung von Straftätern im Internet setzt die FDP auf das Verfahren "Quick Freeze" (schockgefrieren), das man aus den USA kennt. Wollen Ermittler Verbindungsdaten von Handy- oder Internetbetreibern, werden diese Daten eingefroren, bis ein Richter per Beschluss anordnen kann: Die Kontakte dürfen die Behörden einsehen. "Dies stellt einen anlassbezogenen Eingriff dar", schreiben Leutheusser-Schnarrenberger und Co. Heißt: Alles andere ist übertrieben und führt zu Sammelwut. Im Gegenzug wollen die Liberalen die Ermittler besser ausstatten. Die Länder, in denen die FDP selbst achtmal mitregiert, werden aufgefordert, Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Internet-Kriminalität zu bilden.
Das Argument der FDP gegen strengere Überwachungsregeln: "Die Aufklärungsquote bei Kriminalität im Internet liegt heute bei 80 Prozent. Im Vergleich dazu liegt die Quote allgemein bei 55 Prozent", heißt es.
An die Adresse der CDU/CSU geht auchder Vorstoß Richtung Europäische Union. Auf EU-Ebene will die FDP das Swift-Abkommen abändern. Es regelt die Weitergabe von Bankdaten an die USA, um Geldströmen von Terrororganisationen auf die Spur zu kommen. Die Daten sollen strikt an die Terrorfahndung geknüpft und in kürzeren Abständen gelöscht werden. EU-Bürger sollen vor US-Gerichten denselben Rechtsschutz genießen wie US-Bürger. Auch die Körperscanner an Flughäfen sind der FDP ein Dorn im Auge. Die im Volksmund "Nacktscanner" genannten Geräte dürften die Gesundheit der Passagiere nicht gefährden, keine Körperdetails zeigen. Außerdem, das ist neu, dürften die gescannten Bilder nicht gespeichert werden.
Stadtgespräch
Wegen der Mehrwertsteuersenkung für die Hotelbranche waren zu
Jahresanfang FDP sowie CDU/CSU heftig kritisiert worden
(„Klientelpolitik“). Der Passauer MdB Dr. Max Stadler wies aber jetzt
darauf hin, dass die mit der Steuersenkung beabsichtigte Wirkung
offenbar eintreffe. „Davon profitieren Gäste, Mitarbeiter, Handwerker und
Zulieferer“, betonte der FDP-Politiker. Stadler berief sich auf die ersten
Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage des deutschen Hotel- und
Gaststättenverbandes Dehoga. Demnach haben die bis jetzt rund 2800
Teilnehmer der Umfrage des Branchenverbands mitgeteilt, dass sie
zusammen Investitionen in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro
für Neuanschaffungen, Modernisierungen und Umbauten planen. Ferner
sei beabsichtigt, fast 2700 neue Vollzeit- und Teilzeitstellen sowie 1335
neue Ausbildungsplätze zu schaffen. Stadler: „Die Impulse durch die
Steuersenkung sind sehr erfreulich.“ Die beteiligten Hoteliers gaben
zudem an, rund 24,7 Millionen Euro für Lohnsteigerungen und 11,5
Millionen Euro für Schulungsmaßnahmen zu verwenden. Schließlich
komme die Steuersenkung teilweise den Gästen zugute. 33,6 Prozent der
Unternehmer hätten ihre Zimmerpreise um durchschnittlich 6,5 Prozent
gesenkt.
Guantanamo-Gefangene: Justizministerium spricht sich für Aufnahme aus
Aufnahme von Häftlingen weiter umstrittenUnterstützung für Innenminister Thomas de Maizière (CDU): Auch das Justizministerium spricht sich nun für die Aufnahme von Guantanamo-Gefangenen aus. Das sagte Justizstaatssekretär Max Stadler (FDP) dem ZDF.
"Der Bundestag hat immer die Schließung von Guantanamo gefordert, weil wir dieses Gefangenenlager als unvereinbar mit rechtsstaatlichen Maßstäben angesehen haben. Deshalb wäre es unlogisch, sich jetzt einer Debatte darüber zu entziehen, wohin denn Gefangene aus Guantanamo entlassen werden", erklärte Stadler.
Prüfung der Gefährlichkeit
Er verwies darauf, dass die Amerikaner selbst eingeräumt hätten, dass viele der Gefangenen unschuldig seien: "Deswegen hat Innenminister de Maizière Recht, wenn er sagt, er möchte ebenfalls prüfen, ob von denjenigen, die ihm die Amerikaner jetzt zur Übernahme angeboten haben, wirklich keine Gefahr ausgeht."
Eine Aufnahme der Häftlinge in den USA hält Stadler zwar grundsätzlich für wünschenswert. "Aber ich frage mich, ob Gefangene, die jahrelang von den Amerikanern festgehalten worden sind, obwohl sie unschuldig waren, ausgerechnet in die USA gehen wollen", sagte Stadler. "Diesen Aspekt muss man auch berücksichtigen. Der kommt mir bisher in der Debatte zu kurz."
Streit um Aufnahme
Vor der USA-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag war der Streit über die Guantanamo-Häftlinge hochgekocht. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warb für eine ernsthafte Prüfung. Die Opposition forderte, Gefangene aufzunehmen. Grünen-Politikerin Claudia Roth sagte dem "Tagesspiegel", wenn die Kanzlerin "mit leeren Händen und wachsweichen Ausreden nach Washington fährt, wäre das ein persönlicher Affront gegenüber dem US-Präsidenten". SPD-Fraktionsvize Olaf Scholz sagte der Zeitung, die Beendigung der Inhaftierung in Guantanamo sei "unverzichtbar für das Ansehen der Demokratie in der Welt".
In der Union ist eine mögliche Aufnahme von Gefangenen hingegen weiter umstritten. Unionsgeführte Bundesländer haben sich dagegen ausgesprochen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte, er sehe keinen Anlass, "jetzt Häftlinge nach Nordrhein-Westfalen zu holen". Auch Niedersachsen und Bayern lehnen es dem Magazin "Focus" zufolge strikt ab, Lagerinsassen Aufnahme zu gewähren. Hamburg wies derweil einen Bericht zurück, wonach der Stadtstaat möglicherweise zur Aufnahme von Guantanamo-Häftlingen bereit sei.
Amnesty: "Nahrung für Terrorismus"
Amnesty International hat die Bundesregierung aufgefordert, Obama zuzusagen. "Deutschland ist in Europa fast Schlusslicht, was die Aufnahme von Guantanamo-Häftlingen angeht", sagte Generalsekretärin Monika Lüke dem "Tagesspiegel". Andere europäische Staaten hätten offenbar eher begriffen, dass sie durch eine Aufnahme auch "einen substanziellen Beitrag leisten können, ihre eigene Sicherheit zu erhöhen". Der Fortbestand des Lagers sei "Nahrung für weiteren Terrorismus".
''Wir können nicht nichts machen''
Tafel-Verantwortliche kämpfen mit Bürokratie-ProblemenWer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass ohne eine Einrichtung wie die
Tafeln Menschen in Deutschland hungern müssten? Immer mehr
Menschen nehmen das Angebot dieser Einrichtungen in Anspruch. „Dieser
Zustand ist nicht gottgewollt“, ist Rupert Schanzer, Vorsitzender der
Fürstenzeller Tafel, überzeugt. Er hat im Namen seiner Kollegen von den
Passauer Tafeln zusammen mit MdL Bernhard Roos eine Gesprächsrunde
initiiert, bei der die Tafelmitarbeiter Gelegenheit hatten, Politikern aller
Parteien ihre Situation darzulegen und Missstände bei der Arbeit der
Tafeln, aber auch im Sozialgefüge allgemein aufzudecken.
„Wir tun unsere Arbeit gern, mit Energie und Einfallsreichtum. Aber
eigentlich sollten die Menschen nicht auf unsere Hilfe angewiesen sein
müssen“, brachte es Rupert Schanzer gleich zu Beginn auf den Punkt.
Damit sprach er seinen Tafelkollegen aus Pocking, Hutthurm,
Rotthalmünster und Vilshofen aus der Seele. Die Gleichgültigkeit vieler
Manager, die Milliardengewinne machen, aber dennoch Arbeitsplätze
abbauen, und das rasche Absinken auch von Menschen aus der so
genannten Mittelschicht in Hartz IV mache die Arbeit der Tafeln
erforderlich. „Wir können nicht nichts machen“, erklärte Schanzer.
Weil die Hilfe nun mal nötig ist, sollte sie so gut wie möglich geleistet
werden können. Und genau damit haben die Verantwortlichen der Tafeln
gelegentlich Schwierigkeiten: Sie kämpfen mit bürokratischen Hürden wie
Hygienevorschriften, die in den Räumen der Tafeln oftmals nur schwierig
einzuhalten seien. Sie müssten für die oftmals gespendeten
Tafelfahrzeuge Kfz-Steuer bezahlen, Rundfunkgebühren entrichten;
bekämen wegen der Vorschriften zum Mindesthaltbarkeitsdatum immer
weniger Lebensmittelspenden und müssten zugleich immer mehr
Menschen versorgen.
In einer Resolution haben sich die Passauer Tafeln bereits an die Politik
gerichtet und um Hilfe gebeten, beim Tafel-Gespräch gestern Nachmittag
brachten sie ihre Anregungen für eine Erleichterung ihrer Arbeit direkt an
den Mann. Neben Mit-Initiator Bernhard Roos (SPD) hatten sich Politiker
aller Parteien eingefunden, um über die Probleme der Tafel-Mitarbeiter zu
sprechen: MdB und Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP), MdL Bernhard
Taubeneder (CSU), MdL Eike Hallitzky (Grüne), als Vertreter der Freien
Wähler Peter Kaspar, Passaus stellvertretender Landrat Manfred Riedl, als
Vertreterin der Stadt Stadträtin Patricia Veitengruber. Alle sagten den
Verantwortlichen ihre Unterstützung zu - sie wollen auch künftig in
Verbindung bleiben, um die unschätzbar wertvolle Arbeit der Tafel-
Mitarbeiter effektiv zu erleichtern. - sas
''Wenn man eine Vision hat, dann macht man das''
Empfang zum 95. Geburtstag von Hanns Egon Wörlen in seinem MuseumAm Ostermontag feierte er seinen 95. Geburtstag, bei einem Festakt
gestern Abend hatten Freunde und Weggefährten von Hanns Egon Wörlen
Gelegenheit, dem Architekten, Kunstmäzen und Museumsstifter zu
gratulieren.
Es sollte eine Feier im kleinen Kreise sein, doch riss der Strom der
Gratulanten nicht ab, die dem Jubilar in seinem Museum Moderner Kunst
in der Bräugasse ihre Glückwünsche aussprachen. Der Jubilar sei der
beste Beweis dafür, dass Arbeit gesund und geistig fit hält, bemerkte
Franz Xaver Scheuerecker, stv. Vorsitzender der Stiftung Wörlen, und
überreichte im Namen der Stiftung als weitere Bereicherung der
Sammlung Wörlen ein Gemälde von Erwin Eisch. Was schenkt man sonst
einem großen Kunstfreund und Sammler? Eine eigene Ausstellung, hat
sich Museumsleiterin Dr. Josephine Gabler gedacht und witzig-anrührende
Impressionen aus 20 Jahren Museumsgeschichte zusammengetragen. Der
Museums-Freundeskreis schenkte Wörlen eine von Rudi Klaffenböck
gestaltete Porträtserie.
Als „Glücksfall in jeder Hinsicht“ würdigte OB Jürgen Dupper den Jubilar,
der seit 1994 Ehrenbürger der Stadt ist. Nach dem Krieg habe sich Wörlen
mit ganzer Schaffenskraft für den Wiederaufbau ins Zeug gelegt. Er habe
in Passau einzigartige Architektur geschaffen, sich aber auch als
Kunstmanager unschätzbare Verdienste erworben. Sein Museum gebe
zum einen der regionalen Kunst eine Plattform, hole aber auch die große
Kunst der Moderne in die Stadt.
Bewegend dann die frei gehaltene Ansprache des 95-Jährigen, eine
Hymne an das Leben, voller Humor und Esprit. „Ich genieße die Gnade
des Alters“, sagte er, es gebe aber schließlich auch nichts Schöneres, als
sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht alltäglich sind - der Kunst, die
Wörlens Leben zutiefst prägte. Der Stolz auf seinen Künstler-Vater
schwang durch seine Rede, in der er erzählte, wie er für diesen
Passepartouts schnitt und Rahmen gestaltete. Das Museum sei nur
Endprodukt dieser lebenslangen Auseinandersetzung mit Kunst und
Künstlern. „Wenn man eine Vision hat, dann macht man das“, gab er
seinen Hörern mit auf deren Lebensweg. Und erzählte, dass ihm auch im
Alter nach einem spannenden Leben die Visionen nicht ausgehen, dass es
noch viele Dinge gibt, die er auf den Weg bringen will. Entsprechend kraftund
schwungvoll war der musikalische Geburtstagsgruß eines Jazz-Trios
um Posaunist Paul Zauner. - lam
Stadtgespräch
Was macht unser Staatssekretär und Stadtrat Dr. Max Stadler mit
einem Skateboard in der FuZo? Nicht, dass das Jungeleute-
Transportmittel ihn nicht jugendlich aussehen und zudem kleiden würde.
Die PNP verkniff sich nicht die Frage, ob die Fahrkarten für den Zug nach
München vielleicht unrentabel geworden seien und er sich jetzt
anderweitig dorthin und zum Flughafen begäbe. Nein, nein, winkte der
gutgelaunte Politpromi ab. Des Rätsels Lösung: Stadler Junior hat ein
neues Skateboard bekommen und sich gleich im Laden die bewährten
Rollen des alten Brettes draufmontiert - und ab ging die rollende Post. Der
brave Papa hatte sich nur bereit erklärt, das ausrangierte Brettl nach
Hause zu tragen.
Stadtgespräch
Sein Parteivorsitzender Guido Westerwelle ist derzeit schwer in der
Kritik, weil er bei seinen Touren als Außenminister Delegationsmitglieder
im Flieger sitzen hat, die nicht ganz unumstritten sind. Dr. Max Stadler,
als Staatssekretär bei der Justizministerin ebenfalls in Berliner
Regierungskreisen aktiv, ist da über alle Zweifel erhaben - was ihm nun
auch schriftlich bekundet wurde. Im Bundestag gab es eine Anfrage an
FDP-Minister und -Staatssekretäre, ihre seit Amtsantritt unternommenen
Auslandsreisen und Flüge sowie das Begleitpersonal zu offenbaren. „Bei
mir ist die Antwort allerdings recht einfach - ich bin in der glücklichen
Lage zu sagen: keine einzige“, so Stadler. „Ich hab im Ministerium und
auch in der Kommunalpolitik genug zu tun“, meint der Staatssekretär,
MdB und Stadtrat mit Blick auf unterbliebene abgehobene Touren ins
Ausland. „Allerdings empfange ich öfter ausländische Delegationen im
Ministerium - zum Beispiel in dieser Woche den türkischen Justizminister
und den aus Usbekistan.“ - ck
Justizministerium fordert scharfe Konsequenzen aus Finanzkrise: Stadler will Managern an den Kragen
Passau/Berlin - Als Konsequenz aus der Banken- und Wirtschaftskrise
will das Bundesjustizministerium die Managerhaftung bei Fehlverhalten
verschärfen. „Manager, die ihre Pflicht verletzt und Schäden verursacht
haben, müssen dafür gerade stehen“, sagte der Parlamentarische
Staatssekretär im Justizministerium, Max Stadler (FDP)“ gegenüber der
Presse.
Dabei wurde der liberale Politiker ganz konkret: „Deshalb schlägt das
Ministerium vor, die Verjährungsfristen für die zivilrechtliche Haftung von
fünf auf zehn Jahre auszuweiten.“ Zur Begründung hieß es, Firmen hätten
bei einer solchen Änderung bessere Chance, ihre Schadenersatzansprüche
gegenüber Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern geltend zu machen.
Dies sei notwendig, weil komplizierte Prüfungen viel Zeit in Anspruch
nähmen. Er gehe davon aus, dass die Änderungen im Laufe des
kommenden Jahres schon in Kraft treten werden.
Die Vorfälle, die sich während der Finanzkrise ereignet hätten, würden mit
der Fristenänderung erfasst, da bei ihnen die geltende Fünf-Jahres-
Regelung noch nicht abgelaufen sei. „Das erleichtert den Firmen die
juristische Aufarbeitung“, so Stadler. Bislang haben aber nur wenige
Firmen von ihrem Recht auf Schadenersatz gegen pflichtvergessene
Vorstandsmitglieder Gebrauch gemacht. Offenbar fürchten viele von ihnen
einen Imageverlust. (red)
Ehrennadel für Max Stadler
Für 25 Jahre Mitgliedschaft beim Bayerischer-Wald-Verein Sektion Passau
hat der 1. Vorsitzende York Krebs (r.) Staatssekretär Dr. Max Stadler
mit dem silbernen Ehrenzeichen ausgezeichnet. „Max Stadler ist zu
unserer 100-Jahr-Feier eingetreten und war seitdem unterstützendes
Mitglied. Er hat sich stets für unseren Verein verwendet“, erklärte York
Krebs, der Stadler für die Ehrung in seinem Büro besuchte und ihm neben
der Urkunde die silberne Ehrennadel
Managerhaftung
Angriff auf unfähige VorständeSie haben Milliardenschäden produziert und den Staatshaushalt ans Limit getrieben. Für ihre Fehler haften müssen aber nur die wenigsten glücklosen Manager. Die FDP will diesen Misstand nun beseitigen.
Das Bundesjustizministerium will es Unternehmen einfacher machen, Manager bei Fehlverhalten in Haftung zu nehmen. ?Manager, die ihre Pflicht verletzt und Schäden verursacht haben, müssen dafür geradestehen?, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), der ?Berliner Zeitung? von Samstag. ?Deshalb schlägt das Ministerium vor, die Verjährungsfristen für die zivilrechtliche Haftung von fünf auf zehn Jahre auszuweiten.?
Stadler argumentierte, Firmen hätten bei einer längeren Verjährungsfrist bessere Chancen, ihre Schadenersatzansprüche gegenüber Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern geltend zu machen. Die komplizierten Prüfungen derartiger Fälle nähmen meist viel Zeit in Anspruch. Von den schon gegebenen Möglichkeiten, Schadenersatz wegen falschen Verhaltens von Managern einzufordern, hatten die Unternehmen in der Vergangenheit nur selten Gebrauch gemacht. Das änderte sich nun in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise.
Prominentes Beispiel ist Siemens das nach der Milliardenaffäre um schwarze Kassen von mehreren früheren Vorstandsmitgliedern Millionenbeträge zur Entschädigung forderte.
Reform der Untersuchungsausschüsse geplant
Am Ende der Leidensfähigkeit
Sie wollten aufklären, wälzten Akten und bestellten Minister zu stundenlangen Fragerunden ein - wenn nur das lähmende Prozedere nicht gewesen wäre. "Wir haben gelitten", erinnert sich Grünen-Politiker Ströbele an den BND-Ausschuss. Kollegen aller Fraktionen sind sich einig: Etwas muss anders werden.
Von Alexander Richter, tagesschau.de
Dreieinhalb Jahre Arbeit, Sitzungen von morgens bis spät in die Nacht, 5700 Protokollseiten und 2000 Seiten Abschlussbericht - der BND-Untersuchungsausschuss zog sich quälend lang durch die vergangene Legislaturperiode, vom September 2006 bis kurz vor die Sommerpause 2009. Zugegebenermaßen grenzte der Untersuchungsauftrag auch an Sisyphos-Arbeit: Wie unterstützte die rot-grüne Bundesregierung die USA in ihrem "Krieg gegen den Terror"? Welche Rolle spielte der Bundesnachrichtendienst (BND) beim Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein? Wer wusste wann von der Journalisten-Bespitzelung durch den BND in den 1990er-Jahren?
Trotz dieses immens großen Aufgabenfeldes waren die Parlamentarier anfangs optimistisch, schnell Ergebnisse vorweisen zu können. Immerhin basierte ihre Arbeit auf dem erst 2004 reformierten "Parlamentarischen Untersuchungsauschussgesetzes" (PUAG), wodurch die Aufklärungsarbeit der Abgeordneten nicht nur beschleunigt und sondern auch vereinfacht werden sollte. Doch das Gegenteil war der Fall und auch Bundesgerichtshof sowie Bundesverfassungsgericht wurden in der Sache angerufen.
Eine Reform der Reform
"Wir haben gelitten", erinnerte sich Hans-Christian Ströbele im Gespräch mit tagesschau.de. Er saß in seiner Eigenschaft als Obmann der Grünen in nahezu jeder Sitzung des Ausschusses. Da es nicht nur ihm so ging, gibt es nun eine fraktionsübergreifende Initiative die Reform des PUAG zu reformieren.
Vorschläge aus allen Fraktionen
"Das Gesetz hat sich an einigen Stellen in der Praxis nicht bewährt", resümierte der Max Stadler, der für die FDP als Obmann im Gremium fungierte. Deshalb gebe es derzeit ein "informelles Brainstorming". Bis Mitte März sollten Verbesserungsvorschläge an den ehemaligen Ausschussvorsitzenden Siegfried Kauder geschickt werden. Tatsächlich liegen nun auf dem Tisch des CDU-Politikers die Schreiben der Grünen, der Linksfraktion, der FDP und der SPD.
Wenig geliebte "Berliner Stunde"
Besonders in der Kritik steht das Fragerecht nach dem Muster der sogenannten Berliner Stunde. Demnach bekommt jede Fraktion innerhalb von 60 Minuten soviel Fragezeit im Ausschuss, wie es dem Verhältnis von Sitzen im Bundestag entspricht - große Fraktionen bekommen also viel Fragezeit und kleine Fraktionen wenig. Die Grünen hatten damit im BND-Ausschuss nur sieben Minuten Fragezeit. Das steht im Widerspruch zum Grundgedanken eines Untersuchungsausschusses, der ein Minderheitenrecht ist und von lediglich einem Viertel der Bundestagsabgeordneten ins Leben gerufen werden kann.
Mehr Rederecht für die Opposition?
Die "Berliner Stunde" müsse einen oppositionsfreundlichen Zuschlag erhalten, forderte der ehemalige SPD-Obmann Micheal Hartmann gegenüber tagesschau.de. Wohlgemerkt, er zählte im BND-Ausschuss zu den Profiteuren der "Berliner Stunde". Stadler wird konkreter: Er möchte jeder Fraktion zehn Minuten Fragezeit einräumen - wobei die Partei beginnen soll, die den jeweiligen Zeugen geladen hatte.
Ströbele schlägt ein Verfahren vor, wonach das Fragerecht zwischen Opposition und Regierungsparteien stetig wechselt. Beginnen solle der Ausschussvorsitzende, wobei seine Fragen dem Zeitkonto seiner Partei angerechnet werden. Kauder will dagegen die "Berliner Stunde" im Grundsatz nicht antasten und die Rechte des Vorsitzenden etwas stärken: Er müsse die Fragezeit aber flexibler gestalten dürfen, damit gerade kleine Fraktionen ihre Fragen zu einem Sachverhalt zusammenhängend stellen könnten, sagte er zu tagesschau.de.
Neue Rolle des Vorsitzenden
Überhaupt ist die Rolle des Vorsitzenden eines Untersuchungsausschuss stark der Diskussion. Wolfgang Neskovic, der Ex-Bundesrichter von der Linksfraktion, favorisiert im wahrsten Wortsinn einen Unparteiischen. Er plädiert dafür, einen Außenstehenden mit Befähigung zum Richteramt zum Vorsitzenden zu berufen. Ströbele will dagegen einen Vorsitzenden, der aus den Reihen der Initiatoren oder Unterstützern eines Untersuchungsausschusses kommt - also immer Angehöriger der Opposition sein dürfte. Stadler fordert, dass der Vorsitzende sich bei "der Verfahrensleitung neutral verhalten" müsse. Er und sein Stellvertreter dürften nicht - wie im BND-Ausschuss geschehen - beide von Regierungsparteien gestellt werden.
Kauder will Zeitfenster festschreiben
Diese Ideen sollen - wie gesagt - die Arbeit eines Untersuchungsausschusses beschleunigen. Dennoch wäre es denkbar, dass es abermals zu Zeitspannen kommt, die sich über fast eine komplette Legislaturperiode ziehen. Dem will Kauder entgegenwirken: Bereits bei der Einsetzung durch das Parlament müsse dem Untersuchungsausschuss eine Frist gesetzt werden, bis wann ein Abschlussbericht vorliegen muss.
Nun gilt es, diese und viele weitere detailreiche Vorschläge unter einen Hut zu bringen und in einen ersten Entwurf zur Änderung des "Parlamentarischen Untersuchungsausschussgesetzes" zu gießen. Laut Plan soll das zu Jahresmitte der Fall sein, wann die Initiative dann zur Abstimmung in den Bundestag eingebracht wird, ist noch offen.
Konsequenzlos für Kundus-Untersuchung
Damit dürfte klar sein, dass der derzeitige Untersuchungsausschuss zur Kundus-Affäre nicht mehr von etwaigen Neuregelungen betroffen ist. Aber dieser Ausschuss ist ohnehin kein "normaler U-Ausschuss". Denn nicht das Parlament hat dieses Gremium eingesetzt, sondern der Verteidigungsausschuss hat sich aufgrund seiner besonderen verfassungsrechtlichen Befugnisse zum Untersuchungsausschuss erklärt. Neben anderen dadurch bedingten Unterscheidungsmerkmalen ist bei diesem Verfahrens am augenfälligsten, dass alle Mitglieder des Verteidigungsausschusses mit der Untersuchung befasst sind und damit ist der Kreis der Parlamentarier größer als in einem "normalen U-Ausschuss".
Max Stadler: Kirche sollte künftig schneller reagieren
Angesichts der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche soll zeitnah ein Runder Tisch einberufen werden. Gegenüber der AS sagte Justiz-Staatssekretär Max Stadler (FDP) gestern: „Das Justizministerium hat die Kirche zu einem Gespräch gebeten. Derzeit wird über einen Termin verhandelt - ein konkretes Datum ist noch nicht fix.“
Laut Stadler solle bei dem geplanten Treffen auch das Thema „freiwillige Entschädigungszahlungen an die Opfer“ eine wichtige Rolle spielen. Rein juristisch sind die meisten Fälle nämlich bereits verjährt.
Stadler spricht sich ebenso dafür aus, dass künftig bei Missbrauchsverdacht in kirchlichen Einrichtungen schneller reagiert wird. Er sagte: „Ein begründeter Anfangsverdacht sollte künftig ausreichen, um die Justiz einzubinden.“ Die kircheninternen Vorgaben bei solchen Fällen seien momentan „zu unpräzise“.
Zudem hält Stadler die aufflammenden politischen Gefechte für deplatziert: „Dies ist kein Thema für parteipolitische Profilierungen. Wir sollten ausschließlich an die Opfer denken!“
Niederbayerisches Treffen in Berlin
Die Maria-Ward-Realschule Neuhaus am Inn wurde unter hundert teilnehmenden Schulen aus ganz Deutschland als eine von fünf Gewinnern des Deutschen Klimapreises der Allianz Umweltstiftung 2009 ausgewählt. Zur Preisverleihung in Berlin lud Schulleiter Helmut Schwarz auch den Passauer Bundestagsabgeordneten Dr. Max Stadler (FDP) ein. Der Staatssekretär konnte es terminlich einrichten, an der Festveranstaltung am Pariser Platz nahe des Brandenburger Tores teilzunehmen. Auch der nach Berlin mitgereiste Neuhauser Bürgermeister Josef Schifferer freute sich, dass seitens der Politik das Umweltengagement der Neuhauser Schülerinnen und Schüler und ihrer Lehrkräfte anerkannt wurde.
Bahn soll endlich neue Züge einsetzen
Passauer Runde bespricht parteiübergreifend Probleme der Region
Von Wolfgang Lampelsdorfer
Der Frust über die Verzögerungstaktik der Bahn bei den versprochenen
neuen Zügen und die Hoffnung auf neue Verkehrsprojekte prägten das
gestrige Treffen der Passauer Runde im Alten Rathaus. Vertreter aus
Bundestag, Landtag und Bezirkstag stimmten ihr gemeinsames Vorgehen
ab.
Wohl das emotionalste Thema: die Bahn-Anbindung der Region. Der
versprochene Stundentakt auf der Strecke nach München ist zwar
inzwischen eingeführt, doch statt der versprochenen neuen Züge
verkehren inzwischen Uralt-Modelle. Auf Anfrage könne die Bahn-Spitze
kein Datum für die geplante Modernisierung nennen, wie MdL Alexander
Muthmann berichtete. Mehr als drei Jahre seien seit der Vergabe
vergangen, eigentlich genügend Zeit für neues Zugmaterial, fand OB
Jürgen Dupper: Die Zeit der vornehmen Zurückhalting sei vorbei, man
werde jetzt Druck machen. Staatssekretär Dr. Max Stadler kündigte eine
Überprüfung an, wo die Sache überhaupt „hängt“ und ob Bundesbehörden
daran schuld sind.
Weiteres Thema: Der Ausbau des Straßennetzes. Der Staatsstraßenplan
für die nächsten zehn Jahre stehe demnächst zur Beratung an, so Landrat
Franz Meyer. Mit vereinten Kräften will man sich dafür einsetzen, das
wichtige Projekte in der höchsten Dringlichkeitsstufe bleiben - der Ausbau
Vilshofen, Aidenbach und Hundsdorf - oder aber neu aufgenommen
werden - Aunkirchen, Fürstenzell, der Korridor Wegscheid-Thyrnau, der
Autobahnzubringer Aicha und ganz neu die Umfahrung Dommelstadl. Die
Stadt Passau setzt auf ein Paket, bei dem die Neugestaltung der Franz-
Josef-Strauß-Brücke die wohl wichtigste Maßnahme ist.
Weitere Themen: die Europaregion als Gegengewicht gegen die
Metropolregionen, und die Gewerbesteuerverteilung bei
Photovoltaikanlagen. Während bei der Windkraft die Steuer schon
aufgespalten werden kann, gehen Gemeinden bei einem auswärtigen
Photovoltaik-Betreiber schlimmstenfalls völlig leer aus.
Laut Stadler soll die Mobilität für Asylbewerber etwas erhöht werden -
gerade auch für diejenigen, die eine Arbeit aufnehmen können. MdL
Bernhard Roos hatte hier um Unterstützung gebeten.
Weiteres Thema: die Donauschifffahrt. Laut OB Dupper ist für diese keine
Haftpflichtversicherung vorgeschrieben, bei einer Umweltkatastrophe
bliebe die Kommune auf den Kosten sitzen. Max Stadler soll prüfen, ob
hier eine nationale Gesetzgebung möglich ist. Auf eine sichere gesetzlche
Grundlage soll auch die künftige Zusammenarbeit der Kommunen mit der
Agentur für Arbeit gestellt werden. „Es tut gut, sich auszutauschen“, so
das Fazit von OB Dupper - das nächste Treffen soll deshalb schon im
Herbst stattfinden.
Schon gehört?
Staatssekretär Dr. Max Stadler nutzte seinen Auftritt in der beliebten Sendung "Sonntagsstammtisch" des Bayerischen Fernsehens dafür, kräftig Reklame für Passau zu machen. Zunächst betonte der FDP-Politiker bei der Debatte um den Nockherberg, dass ohnehin Passau die "Hauptstadt des politischen Kabaretts" sei und Bruno Jonas die ideale Form der Barnabas-Bußpredigt geschaffen habe, bei der heftige Kritik in viel Ironie verpackt gewesen sei.. Bei der üblichen Schlussfrage von Moderator Helmut Markwort an die Gäste, worüber sie sich in der letzten Woche geärgert hatten, nannte Stadler den erneuten Wintereinbruch. Der Schneefall habe verhindert, dass der SV Schalding-Heining endlich sein erstes Bayernligaspiel im neuen Jahr austragen konnte. Stadler hatte nämlich vor, nach der Sendung die kurze Strecke vom Drehort Dachau zum Spiel in Aindling zu fahren. SVS-Boss Wolfgang Wagner simste an Stadler: "Eine tolle Werbung für uns. Das ist Tagesgespräch beim SV Schalding."
Drei Minister, zwei Runde Tische
Justizministerium will Kirche und Betroffene zu Gesprächen bitten
Sigrid Averesch
BERLIN. Die schwarz-gelbe Koalition ist sich uneins über die Maßnahmen zur Aufklärung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche und an Schulen. Umstritten ist der von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) einberufene Runde Tisch zur Aufklärung von Missbrauchsfällen an Schulen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), nannte das Vorhaben zwar berechtigt, um an den Schulen Prävention zu leisten. "Aber es ersetzt nicht das Vorhaben des Bundesjustizministeriums für einen Runden Tisch mit Vertretern der Kirche und den Betroffenen, um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufzuarbeiten", sagte Stadler der Berliner Zeitung. In dieser Runde müsse geklärt werden, ob die Opfer eine finanzielle Entschädigung erhalten. Zudem müssten alle Themen besprochen werden, die die Justiz betreffen, sagte der FDP-Politiker. Dazu zähle die Frage, inwieweit staatliche Behörden von der katholischen Kirche bei Verdachtsfällen eingeschaltet würden.
Ministerin nicht geladen
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle an kirchlichen Institutionen die katholische Kirche kritisiert und sich für einen Runden Tisch mit den Opfern eingesetzt. Inzwischen haben das Bundesfamilienministerium und das Bundesbildungsministerium für ein Gespräch am 23. April geladen. An der Runde sollen nach Angaben des Familienministeriums Vertreter von Schulen und Internaten, der Länder und Kommunen sowie Ärzte und der Deutsche Lehrerverband teilnehmen. Sie soll ausloten, welche Hilfe und Unterstützung die Opfer benötigen und wie Missbrauch in Zukunft verhindert werden kann. Die FDP befürchtet, dass bei dieser Runde die Verantwortung der katholischen Kirche bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen in den Hintergrund geraten könne.
Die Bundesjustizministerin ist nach Angaben ihres Ministeriums bisher nicht zum Runden Tisch des Familienministeriums geladen worden. Angefragt worden sei ein Ministeriums-Mitarbeiter. Kritik übte der FDP-Rechtspolitiker Christian Ahrendt. Die Tatsache, dass die Justizministerin nicht eingeladen worden sei, sei brüskierend, sagte er. Offensichtlich sei die Zusammensetzung des Runden Tisches "mit heißer Nadel gestrickt". So werde den Opfern nicht geholfen.
Unterdessen ist eine Debatte über längere Verjährungsfristen für die Entschädigung von Missbrauchsopfern entbrannt. Bisher gilt eine dreijährige Frist für Schadenersatz und Schmerzensgeld. "Das Bundesjustizministerium strebt eine Verlängerung der zivilrechtlichen Verjährung an", sagte Stadler. "Die bisherige Frist ist zu kurz." Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Günter Krings (CDU) sprach sich für eine 30-jährige Frist aus. Stadler wandte sich aber gegen Forderungen, die strafrechtlichen Verjährungsfristen, die bis zu 20 Jahren betragen, zu verlängern. Er verwies darauf, dass bei zu langen Zeiträumen zwischen Tat und Gerichtsverfahren eine Aufklärung immer schwieriger werde. Das diene den Opfern nicht. Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) forderte gestern schärfere Strafen.
Ministerin will Recht auf Entschädigung stärken
Nach den Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule und in katholischen Einrichtungen fordern Politiker schärfere Gesetze. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will die Rechte der Opfer auf Entschädigung stärken.
Am hessischen Eliteinternat Odenwaldschule und in katholischen Einrichtungen kommen immer mehr Missbrauchsfälle ans Licht. Politiker - vor allem der christlichen Parteien - fordern schärfere Gesetze, um künftig auch in jahrzehntealten Missbrauchsfällen die Täter bestrafen zu können.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will die Rechte der Opfer auf Entschädigung stärken. Die zivilrechtlichen Verjährungsfristen sollten verlängert werden, sagte sie der /Passauer Neuen Presse/. Sie zeigte sich dagegen skeptisch zu Forderungen nach einer Verlängerung der strafrechtlichen Verjährungsfristen.
Der Parlamentarische Staatssekretär in ihrem Ministerium, Max Stadler (FDP), äußerte sich in einem Gespräch mit der »/Neuen Osnabrücker Zeitung/ ähnlich. Die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren für Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadenersatz sei deutlich zu kurz. Der FDP-Rechtsexperte Hartfrid Wolff will die Verjährungsfrist für Ersatzansprüche daher auf 30 Jahre anheben.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder will ab 23. April einen Runden Tisch zu dem Thema einrichten. Die Deutsche Bischofskonferenz will teilnehmen
Politik drängt Kirche zu Rundem Tisch
Politiker aus allen Parteien drängen die Kirche in der Debatte um
Missbrauch zu einem Runden Tisch.
München/Berlin. In der Diskussion um Missbrauchsfälle mahnt Bayerns
Justizministerin Beate Merk (CSU) die katholische Kirche zu mehr
Zusammenarbeit mit der Justiz.
„Es gibt Fälle, in denen es nicht so läuft, wie es laufen sollte“, sagte Merk.
Stelle sich heraus, dass die Kirche der Staatsanwaltschaft bewusst
Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch verschwiegen habe, werde das
Verhältnis von Staat und Kirche beschädigt. „Die Kirche muss jetzt ein
klares Signal geben, dass ihr der Schutz der Opfer, das Mitgefühl mit den
Kindern, wirklich das Wichtigste ist. Dafür muss sie ganz konsequent mit
den Staatsanwaltschaften zusammenarbeiten.“ Es sei für sie unabdingbar,
dass die Kirche sofort die Staatsanwaltschaft einschalte, wenn sie
Hinweise auf Missbrauch erhalte, unterstrich Merk.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles begrüßte die Initiative von
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zur Gründung eines
„Runden Tisches Missbrauch“. Das Problem sei viel verbreiteter in der
Gesellschaft, als bisher bekannt.
Einen Runden Tisch aller Betroffenen hält auch der Staatssekretär im
Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), für dringender denn je.
Wenn sich alle Beteiligten darauf verständigten, dann könne auch über
Entschädigungen bereits verjährter Fälle geredet werden.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger betonte, der
Runde Tisch solle niemanden an den Pranger stellen, sondern „die
gesellschaftliche Aufarbeitung befördern“.
Die katholische Kirche wies diese erstmals vor knapp zwei Wochen
erhobene Forderung der Ministerin mehrfach zurück. Falls ein solches
Gremium etabliert werden solle, dann nur unter Beteiligung aller
gesellschaftlich relevanten Gruppen, hatte der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, betont. Sexueller Missbrauch von
Kindern sei „kein spezifisches Problem der katholischen Kirche“.
Der bayerische Staatsminister Siegfried Schneider (CSU) wünscht sich
einen differenzierten Blick auf die Missbrauchsfälle in der katholischen
Kirche. Bei der Vollversammlung des bayerischen Landeskomitees der
Katholiken forderte der Leiter der Staatskanzlei, nicht „sämtliche
katholische Schulen und Internate pauschal in Misskredit zu bringen“. -
ddp/kna
„Strauß“ springt „Bruder Barnabas“ bei
München. Auch nach dem Rücktritt von Schauspieler Michael Lerchenberg
als „Bruder Barnabas“ geht der Streit um seinen KZ-Vergleich beim
Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg unvermindert weiter.
Der Kabarettist Helmut Schleich, der für seine Darstellung des früheren
Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) viel Beifall bekommen hatte,
forderte gestern Solidarität mit Lerchenberg. An der Übernahme der
„Barnabas“-Rolle habe er kein Interesse , sagte er. Er habe „keine Lust
anzutreten“, wenn „der Lerchenberg wegen so was gehen muss“.
Schleich forderte indirekt seine Kollegen auf, der Paulaner-Brauerei als
Veranstalterin des Starkbieranstichs ebenfalls einen Korb bei der Suche
nach einem neuen „Fastenprediger“ zu geben. Er sagte: „Wenn die
Kabarettisten einen Arsch in der Hose haben, dann halten sie zusammen
und sagen nächstes Jahr: Macht euch eure Rede alleine.“
Lerchenberg hatte gesagt, FDP-Chef Guido Westerwelle wolle alle Hartz-
IV-Empfänger „in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom
und dem Riesengebirge“ sammeln. Er fügte hinzu: „Drumrum ein
Stacheldraht - haben wir schon mal gehabt. Zweimal am Tag gibt’s a
Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt’s zwei
Pullover von Sarrazins Winterhilfswerk, und überm Eingang, bewacht von
jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: „Leistung
muss sich wieder lohnen.“
Auch der Münchner SPD-Vorsitzende Hans-Ulrich Pfaffmann nannte es
eine „Schande“, dass Lerchenberg gehen musste. Der Parlamentarische
Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), sagte
dagegen, bei der Beurteilung von Politikern gebe es „irgendwo eine
Grenze - und das sind wirklich Vergleiche mit KZ-Wächtern“.
Die Grünen warfen derweil dem Bayerischen Rundfunk „politische Zensur“
vor, weil der Sender bei der Wiederholung des Starkbieranstichs die Rede
des „Bruder Barnabas“ nicht in vollem Umfang ausgestrahlt, sondern
umstrittene Passagen „einfach ohne weiteren Hinweis für die Zuschauer
herausgeschnitten“ hatte. - ddp
Porträt von Max Stadler auf br-online anlässlich der Sendung ''Sonntagsstammtisch'' vom 7.3.2010
/ FDP-Politiker und Staatssekretär / Max Stadler
Egal ob umstrittene Datenspeicherung, der Kampf gegen Kinderpornographie im Internet oder der BND-Untersuchungsausschuss - Max Stadler stellt sich den aktuellen innenpolitischen Debatten. Und auch nach vielen Jahren in der Politik, weiß der 60jährige immer noch warum: "Das Grundgesetz ist die freiheitlichste Verfassung, die Deutschland je hatte. Ziel liberaler Innenpolitik ist es, diesen freiheitlichen Gehalt des Grundgesetzes zu bewahren." Aber wie stark darf und soll die Staatsgewalt eingreifen? Das ist die Frage, die Max Stadler beschäftigt und seine politische Arbeit lenkt.
Promovierter Jurist und engagierter Politiker
In Regensburg studierte Max Stadler Jura. Nach dem erfolgreichen Abschluss 1976 arbeitete er als Staatsanwalt und Richter. Seine politische Laufbahn startete Max Stadler 1972 mit dem Eintritt in die FDP - 23 Jahre war er damals alt. Auch hier ging es stetig bergauf: Seit 1984 engagiert er sich als Stadtrat in Passau, war in der 90er Jahren der Landesvorsitzende der FDP in Bayern. 1994 wurde er in den Deutschen Bundestag gewählt. Seit 2009 ist Max Stadler Parlamentarischer Staatssekretär der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.
Enge Verbindung zu seiner Heimatstadt Passau
Max Stadler ist verheiratet und hat einen Sohn. Seiner Heimatstadt Passau ist er nach wie vor eng verbunden - als Stadtrat und Mitglied zahlreicher Vereine. Sein Engagement reicht vom Förderverein für das berühmte Passauer Scharfrichterhaus, über den Kinderschutzbund bis hin zum "Verein wider das Vergessen", der an die Gräueltaten der Nationalsozialisten erinnern will. Für sein Engagement ist Max Stadler 2006 mit dem Bayerischen Verdienstorden und zwei Jahre später mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.
Stadler: keine Sicherheitslücke nach Datenurteil
Union und Polizei sehen Ermittlungen gefährdet
von Sigrid AvereschBERLIN. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler, hat nach dem Vorratsdaten-Urteil des Bundesverfassungsgerichts den Vorwurf zurückgewiesen, dadurch würden Sicherheitslücken entstehen. "Es gibt keine tabula rasa", sagte Stadler der Berliner Zeitung. "Bei schweren Straftaten können weiter auch Telefonverbindungsdaten zur Strafverfolgungszwecken ausgewertet werden". Als Beispiel nannte der FDP-Politiker die Daten, die Telekommunikationsanbietern für Abrechnungen vorliegen. "Auch vor der Vorratsdatenspeicherung existierte eine Terrorabwehr und sie war erfolgreich", unterstrich Stadler. Nicht zurückgreifen können Ermittler dagegen auf Internetverbindungsdaten, da diese infolge von Flatrates nicht für Abrechnungen gespeichert werden. Am Dienstag hatte das Gericht das von der großen Koalition verabschiedete Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung für nichtig erklärt. Sämtliche Daten müssen gelöscht werden.
Befürchtungen, dass damit laufende Ermittlungsverfahren, in denen Daten aus der Vorratsspeicherung verwendet wurden, nun eingestellt werden müssten, teilte Stadler nicht. Zwar sei keine sichere Prognose möglich, wie Gerichte urteilen werden. Stadler verwies aber darauf, dass es unter Juristen die Tendenz gibt, Fernwirkungen von Verboten einer Beweisverwertung zu verneinen. So dürften dann zwar die erhobenen Daten nicht verwendet werden, wohl aber beispielsweise Aussagen von Zeugen, die aufgrund der Daten ermittelt worden sind. Forderungen nach einer schnellen gesetzlichen Neuregelung wies Stadler zurück. "Unser Haus ist nicht zu einem Schnellschuss bereit", sagte er. Der Gesetzgeber sei gut beraten, eine etwaige Neuregelung mit großer Sorgfalt vorzubereiten.
Zuvor hatten Unionspolitiker und die Polizei eine schnelle Neuregelung gefordert. Man könne jetzt "dieses Vakuum nicht über Monate offen lassen", sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU) im Sender Phoenix. Wenn in Deutschland die Daten nicht gespeichert würden, "ist das eine Einladung an alle Straftäter, die mit Hilfe von Telekommunikationseinrichtungen Straftaten begehen wollen, nach Deutschland zu kommen."
Internetverband fürchtet Kosten
Der Chef des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, betonte, wegen der Bedrohung durch Terrorismus und organisierte Kriminalität könne nicht jahrelang auf die Vorratsdatenspeicherung verzichtet werden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, der Polizei, Konrad Freiberg, warnte, dass unter Umständen tausende Straftaten nicht mehr aufgeklärt werden könnte.
Der Vizepräsident des Deutschen Anwaltvereins, Ulrich Schellenberg, kritisierte die Forderungen. "Es wird fahrlässig Hysterie geschürt", sagte Schellenberg dieser Zeitung. Die Polizei erwecke den Eindruck, dass eine Strafverfolgung nur gegen die Verfassung möglich sei. "Die Polizei hat alle Ermittlungsinstrumente an der Hand, wenn konkrete Verdachtsmomente vorliegen", unterstrich der Jurist.
Unterdessen forderte die Internetwirtschaft eine Entschädigung von der Bundesregierung. Die Anbieter hätten allein für Anschaffungen der nötigen Speichertechnik rund 300 Millionen Euro investiert, teilte der Verband eco mit. Ein neues Gesetz würde die Kosten erheblich steigern. Ob sie mit der Forderung durchkommen, ist ungewiss. Das Bundesverfassungsgericht hat es in seinem Urteil jedenfalls für verfassungsgemäß angesehen, dass die Firmen die Kosten für neue Sicherheitstechnik selbst tragen.
Das machen unsere Abgeordneten nebenher
Verwaltungsratssitze, Beiratsposten: Die PNP zeigt, welcher MdB was machtund wie viel er dafür bekommt
Florian Pronold (SPD, Deggendorf):
Anwalt bei einer Regensburger Kanzlei. Daneben Mitglied des
Deggendorfer Kreistags, Beirat im Sparkassenverband Bayern und Mitglied
im Zweckverband der Sparkasse Deggendorf.
Andreas Scheuer (CSU, Passau):
Als Parl. Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium steht Scheuer
zusätzlich ein monatliches Einkommen der Meldestufe 3 zu - über 7000
Euro also. Daneben gehört der 35-Jährige dem Passauer Stadtrat an.
Ernst Hinsken (CSU, Straubing):
Bäcker und Konditor in Haibach. Zudem Beirat in verschiedenen
Tourismus-Verbänden und -Organisationen, bei der FH München sowie
Programmbeirat „Sonderpostwertzeichen“ beim Finanzministerium (alles
ehrenamtlich). Außerdem Kreisrat in Straubing-Bogen, Verwaltungsrat bei
der Sparkasse Straubing und beim Sparkassenverband Bayern.
Vorsitzender des Stiftungsrats „Lebenshilfe Landkreis Regen“.
Barthl Kalb (CSU, Deggendorf):
Mitglied des Kommunalen Gesprächskreises Region Süd der Deutschen
Bank, daneben Verwaltungsrat bei der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht, bei der KfW und bei der Sparkasse
Deggendorf (alle ehrenamtlich). Gemeinderat in Künzing und Kreisrat in
Deggendorf. Außerdem ehrenamtlich im Kuratorium des ifo-Instituts und
im Stiftungsrat der Stiftung für internationalen Studentenaustausch.
Max Straubinger (CSU, Rottal Inn):
Selbstständiger Landwirt in Haunersdorf (Lkr. Dingolfing-Landau).
Außerdem Vertreter für die Münchener und Magdeburger
Agrarversicherung AG sowie Generalvertreter bei der Allianz AG (Stufe 3,
mehr als 7000 Euro - in diesem Fall allerdings jährlich). Ehrenamtliches
Mitglied des Kreistags Dingolfing-Landau und Beiratsmitglied bei
„Versicherungsombudsmann e.V“ (ebenfalls ehrenamtlich).
Stephan Mayer (CSU, Altötting):
Anwalt bei einer Münchner Kanzlei (Stufe 3, mindestens 7000 Euro
jährlich). Aufsichtsrat bei der Bewerbungsgesellschaft München 2018.
Kreisrat in Altötting, Stadtrat in Neuötting. Stellvertretendes
Kuratoriumsmitglied bei der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und
Zukunft“ und bei „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Kuratoriumsmitglied
bei der Stiftung Deutsches Historisches Museum und bei SAPMO-DDR.
Dr. Max Stadler (FDP, Passau):
Parl. Staatssekretär im Justizministerium (über 7000 Euro). Dazu Stadtrat
in Passau. Außerdem Beirat im Bündnis für Demokratie und Toleranz, bei
IDA e.V., Stiftungsrat der KPWT-Kirschner-Stiftung, der Leo Baeck
Foundation, Kuratoriumsmitglied bei „Erinnerung, Verantwortung und
Zukunft“ sowie Vorstandsmitglied beim Verein „Freunde und Förderer der
Uni Passau“ sowie beim Verein gegen Vergessen (alle ehrenamtlich).
Papiers letzter Paukenschlag
Verfassungsgerichts, hat in seinem letzten Urteil noch einmal Maßstäbe gesetzt: *Datenschutz* darf nicht beliebig der Angst vor Terror preisgegeben werden.
Von Andreas Herholz
Karlsruhe/Berlin. „Ich mache keinen Hehl daraus“, sagt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. „Ich freue mich über das Urteil“, erklärt die liberale Bundesjustizministerin vor der Hauptstadtpresse, strahlt und jubelt über „einen herausragend guten Tag“ für die Grundrechte und den Datenschutz. Beim Koalitionspartner sieht man das ganz anders und ist „ausdrücklich nicht froh“: „Solange wir keine Nachfolgeregelung haben ist die Lage für Straftäter komfortabel, weil für die Aufklärung von Straftaten keine Verkehrsdaten anlasslos gespeichert und genutzt werden dürfen“, kommentiert Innenausschuss-Chef Wolfgang Bosbach (CDU), die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.
Das Karlsruher Urteil mit dem höchstrichterlichen Stopp der Vorratsdatenspeicherung beschwört den nächsten Koalitionsstreit herauf. Während die Union auf eine schnelle Gesetzesänderung noch vor der Sommerpause drängt und an der Vorratsdatenspeicherung grundsätzlich festhalten will, sieht die FDP keinen akuten Handlungsbedarf und spielt auf Zeit.
Die Verfassungsrichter hatten gestern das Gesetz zur massenhaften Speicherung von Telefon- und Internetdaten für verfassungswidrig erklärt und die umgehende Löschung von gespeicherten Daten angeordnet. Bei dem Gesetz handele es sich um einen „besonders schweren Eingriff“ in das Fernmeldegeheimnis und die Grundrechte „mit einer Streubreite“ wie sie die Rechtssprechung bisher nicht gekannt habe. „Das Gesetz habe „ein diffuses bedrohliches Gefühl des Beobachtetseins hervorgerufen“, begründete Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts.
Die Justizministerin warnte ausdrücklich vor „nationalen Schnellschüssen“. Die unmissverständliche Botschaft der FDP: Ein neues Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung dürfte ihre Zustimmung nicht finden. „Wenn Frau Leutheusser-Schnarrenberger bei dem Standpunkt bleibt, dann haben wir ein Problem“, rechnet CDU-Innenexperte Bosbach mit neuem Streit in der Koalition. Das Bundesverfassungsgericht habe die Position der Justizministerin widerlegt und mit dem Urteil bestätigt, dass Vorratsdatenspeicherung nicht generell verfassungswidrig sei. „Durch die vom Verfassungsgericht angeordnete Löschung gehen wichtige Ermittlungsansätze und gespeicherte Beweismittel für alle Zeit verloren“, beklagte der CDU-Mann. „Wenn es hierzulande keine Vorratsdatenspeicherung mehr gäbe, würden immer mehr Straftäter aus dem europäischen Ausland in den Tatraum Deutschland ausweichen“, warnt Bosbach. „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, empfiehlt dagegen Justizstaatssekretär Max Stadler (FDP) und wirbt für eine europäische Lösung.
Das Karlsruher Urteil - ein Tag zur Freude oder ein Tag zur Sorge? Nach den Urteilen zum Lauschangriff, zur Online-Durchsuchung und zu Hartz IV kippt das Verfassungsgericht jetzt das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung - „eine Ohrfeige für den Gesetzgeber“, urteilt der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. „Ein guter Tag für die Grundrechte.“ Er rechne nicht mehr damit, dass Deutschland eine solche Regelung zur Vorratsdatenspeicherung bekommen werde, so der oberste Datenschützer.
Die Justizministerin setzt jetzt auf eine europäische Lösung. Hatten die Karlsruher Richter doch ausdrücklich erklärt, dass eine verfassungsgemäße Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie über die Vorratsspeicherung in Deutschland möglich sei. Nach dem Regelwerk sollen die EU-Staaten nationale Gesetze erlassen, die die Telekommunikationsanbieter zur Speicherung der Verbindungsdaten über sechs Monate verpflichten. Hatten sich Union und FDP in den Koalitionsverhandlungen noch überraschend schnell auf den Bereich Inneres und Recht verständigt, droht dort jetzt der nächste Zwist.
Die neuen Leiden der Werte
Verantwortungsbewusstsein ade? - Experten und Niedernburg-Schülerinnen diskutieren
über Werteverfall
„Es gibt Sätze, die man einmal hört und für das weitere Leben prägend
sind“, sagt Renate Braun, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Passau. Bei
ihr war es die Maxime einer ehemaligen Lehrerin, welche mahnte,
aufmerksam zu hören, wie es um die Schwachen bestellt ist. Aus der
damaligen Schülerin ist eine erfolgreiche Führungskraft geworden, die auf
Podiumsdiskussionen Heranwachsende auf die Bedeutung von Werten
hinweist; geblieben bis heute das Festhalten am Motto aus den
Kindertagen.
„Die jungen Leute sollten sich etwas zutrauen, grundlegende Werte aber
unter keinen Umständen vernachlässigen“, waren sich die Diskutanten der
gestrigen Gesprächsrunde am Gisela-Gymnasium einig. Bereits zum
vierten Mal fand die Veranstaltung in der Niedernburg-Aula statt, jährlich
debattieren dort Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur über aktuelle
gesellschaftliche Themen.
Neben Braun diskutierten Prof. Dr. Hans Mendl (Lehrstuhl für
Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts, Uni Passau),
Prof. Dr. Gerhard Waschler (ehemaliger Abgeordneter im bayerischen
Landtag, CSU) und Dr. Max Stadler (Staatssekretär im
Bundesjustizministerium, FDP) mit den Schülerinnen der 11. bis 13.
Klasse. Moderiert wurde das Gespräch von Studienrat Michael Preiß und
K13-Schülerin Judith Duschl.
Schüler wie Lehrer interessierte vor allem die Frage nach Moral in den
Führungsebenen von Unternehmen. Negativbeispiele wie Banken-Fiasko,
fragwürdige Managergehälter oder Steuerhinterziehung als Volkssport
zeigen deutlich, dass Werte von einem neuen Leiden, einem zunehmenden
Verfall von Solidarität und Verantwortungsbewusstsein, befallen sind. „Die
Wirtschaft braucht Menschen mit moralischer Bodenhaftung, ein
Unternehmen sollte stets zwei Leitziele haben: Umsätze erzielen und eine
verantwortungsvolle Betriebs- Ethik an den Tag legen. Das Erste darf das
Zweite nicht ausschließen“, betonte Sparkassenchefin Braun, die nach
eigener Einschätzung in der heutigen Sozialstruktur weitaus schlechtere
Chancen auf eine Führungsposition hätte wie noch vor 40 Jahren. „Es ist
ein Skandal, dass Bildung und Zukunftschancen derart stark vom sozialen
Status der Eltern abhängen“, kritisierte Dr. Mendl. Dennoch dürfe die
Antwort der Pädagogen keineswegs ein ausschließlicher Leistungsdrill sein,
„eine nachhaltige Pädagogik muss den Spagat zwischen Wissens- und
Wertevermittlung schaffen“, appellierte Mendl. „Erfolgsstreben darf in
unserer Gesellschaft nicht oberste Priorität haben, dafür muss Solidarität
stärker in den Mittelpunkt rücken“, gab Prof. Dr. Waschler zu bedenken.
„Hier ist neben dem Elternhaus die Schule mehr denn je gefordert“,
ergänzte Dr. Stadler. „Wenn Ihnen nur ein einziger dieser Ratschläge für
die Zukunft hängen bleibt, hat die heutige Veranstaltung ihren Zweck
mehr als erfüllt“, schloss Braun die Diskussion. - mat
Vom Kanzleramt in die Schach-Bezirksliga - der abwechslungsreiche Terminplan eines Staatssekretärs
Was macht eigentlich ein Staatssekretär die ganze Woche? Ein Blick in den Terminkalender des Passauer FDP-Politikers Dr. Max Stadler zeigt vor allem, dass es eine Fülle unterschiedlichster Aufgaben zu erledigen gibt. Die letzte Sitzungswoche des Bundestags begann für ihn am Montag voriger Woche wegen des Streiks bei der Lufthansa mit der Anreise per Bahn: Abfahrt 5.11 Uhr ab Hauptbahnhof Passau. Gleich nach der Ankunft in Berlin musste der FDP-Politiker in der öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses zum Thema "Internetzugangssperren" Position beziehen. Mehr als 130 000 Bürgerinnen und Bürger hatten sich gegen Zensur im Internet gewandt - die zahlenmäßig größte Petition in der Geschichte des Bundestags! Stadler kündigte eine Initiative des Justizministeriums an, mit der das umstrittene Zugangssperrengesetz alsbald abgelöst werden soll. Dazu gab er anschließend ein Fernsehinterview für die Tagesschau.Am Montagabend diskutierte Stadler mit dem Gesamtverband der Versicherungswirtschaft über juristische Konsequenzen aus der Wirtschafts- und Finanzkrise. Das Bundesjustizministerium (BMJ) beabsichtigt, die Verjährungsfristen für die Haftung von Managern und Aufsichtsräten zu verlängern.
Der Dienstag ist in Berlin bei allen Parteien der Tag, an dem die Gremien der Bundestagsfraktionen tagen. Dabei befasste sich die bayerische Landesgruppe der FDP-Bundestagsabgeordneten mit den Änderungen bei der Einspeisevergütung für Photovoltaik- und Solaranlagen. Die Liberalen und Stadler persönlich setzten sich mit Erfolg dafür ein, die von Umweltminister Norbert Röttgen für 1. April 2010 geplante Absenkung der Förderung auf 1. Juli 2010 hinauszuschieben, um schon begonnene Projekte nicht zu gefährden.
Zwischen den diversen Arbeitskreis- und Sitzungen gab es Besuch aus Passau: Die 9. Klasse der Volksschule St. Nikola besichtigte den Bundestag und diskutierte mit dem Staatsekretär über aktuelle politische Fragen.
Am Mittwoch vertrat Stadler das Bundesjustizministerium in der Sitzung des Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags. Anschließend führte er mit Rechtspolitikern der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und FDP ein Gespräch über die Reform des Insolvenzrechts. Es soll so organisiert werden, dass in einer Krise möglichst viele Unternehmen gerettet werden können. Auch bei Verbraucherinsolvenzen, die immer mehr zunehmen, soll die Restschuldbefreiung schon nach drei Jahren möglich sein, damit die Betroffenen eine "zweite Chance" erhalten.
In der mündlichen Fragestunde des Bundestags wurde Stadler am Nachmittag mit der Frage konfrontiert, ob die Mittel für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt gekürzt würden. Der Staatssekretär konnte die Opposition beruhigen. Dieser Haushaltstitel wird sogar von 300.000 Euro auf eine Million Euro aufgestockt, um Opfern jeglicher extremistischer Gewalt in Härtefällen schnell und unbürokratisch helfen zu können. Um 16 Uhr wirkte der Passauer Staatssekretär erstmals an der von Kanzlerin Angela Merkel persönlich geleiteten Sitzung des Bundessicherheitsrates im kleinen Kabinettssaal des Kanzleramtes mit. Abends wurde mit dem Deutschen Anwaltsverein über die Idee eines Bürgers aus dem Landkreis Passau diskutiert, mehr mündliche Verhandlungen in Berufungsverfahren vor Zivilgerichten zuzulassen.
Am Donnerstag und Freitag vertrat Stadler die bei der EU in Brüssel beim Ministerrat weilende Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf der Regierungsbank in den Plenarsitzung des Bundestags bei den Debatten über Hartz IV , Internetsperren und Afghanistan. Mit hochrangigen Vertretern der Bayerischen Wirtschaft diskutierte Stadler in der bayerischen Landesvertretung gemeinsam mit Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil über das Thema "Finanzplatz München". Anschließend gab es ein Gespräch mit Amnesty International über das Verbot von Auslieferungen in Staaten, in denen Folter droht.
Am Freitag erläuterte Stadler einem spanischen Fernsehsender die Vorzüge des bayerischen Landtagswahlrechts, da sich die Region Katalonien die in Bayern üblichen "offenen Listen" möglicherweise zum Vorbild für das eigene Wahlsystem nehmen will. Zudem führte der Staatssekretär einen Briefwechsel mit Landrat Franz Meyer über Straßenbauprojekte in der Region Passau. Während er gesamten Woche hielt Stadler ständig Kontakt mit dem Passauer FDP-Kreisvorsitzenden Korbinian Faltner, dem Ehrenvorsitzenden Rolf Frommelt und dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Andreas Dittlmann, um über die kommunalpolitischen Geschehnisse rasch informiert zu sein.
Am Samstag fungierte der Staatsekretär als Schirmherr bei einem Kinder-Skirennen in Zwiesel und spielte anschließend in der Bezirksliga für seinen Verein Schachfreunde Haselbach beim Landkreisderby in Schaibing. Stadler erzielte gegen Dr. Jürgen Neubauer ein Remis - der Mannschaftskampf ging aber knapp verloren.
Am Sonntag klingelte der Wecker um halb fünf Uhr früh, denn Stadler reiste für sein Ministerium nach Hamburg reisen, um an einer Podiumsdiskussion beim Deutschen Strafverteidigertag teilzunehmen. Am Montag beteiligte sich Stadler an einer Podiumsdiskussion im Gisela-Gymnasium Passau. Nachmittags stand eine Stadtratssitzung auf der Tagesordnung, dann ging es wieder nach Berlin zur nächsten Sitzungswoche des Bundestags.
Dort wird der Staatssekretär im Bundestag zu Rechtsfragen beim Ankauf gestohlener Steuer-CD`s Stellung nehmen. Ein wichtiges Treffen findet mit Bayerns Justizministerin Dr. Beate Merk statt: Mit ihr wird Stadler wegen der aktuellen Fälle über Merks Forderung nach einer Verlängerung der Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch diskutieren.
Justiz-Staatssekretär Stadler: Bundesregierung will ein Löschgesetz erarbeiten
Petitionsausschuss
Berlin: (hib/HAU/HIL) Die Bundesregierung will ein Gesetz erarbeiten, dass die Löschung von Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten möglich macht. Das kündigte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), während einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses am Montagnachmittag an. Gleichzeitig machte er deutlich, dass das am morgigen Dienstag in Kraft tretende Zugangserschwerungsgesetz, welches den Artikel 1 des Gesetzes zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen bildet, nicht dazu führen werde, dass Sperrlisten für Internetseiten aufgestellt werden. Dies lasse das Gesetz zwar grundsätzlich zu, doch habe sich die Bundesregierung darauf verständigt, dem ebenfalls in dem Gesetz verankerten Grundsatz "Löschung vor Sperrung" zu folgen.
Grundlage der Anhörung vor dem Petitionsausschuss war eine noch während des Gesetzgebungsverfahrens im vergangenen Jahr von der Berlinerin Franziska Heine eingebrachte Online-Petition, die sich gegen eine Indizierung von Internetseiten wendet. Mehr als 134.000 Personen, und damit weit mehr als bei jeder anderen Petition bisher, hatten bis zum Ende der Zeichnungsfrist Mitte Juni 2009 das Anliegen unterstützt. Vor dem Ausschuss machte die Petentin nochmals deutlich, dass sie das Ziel der Bekämpfung von Kinderpornografie voll unterstütze. Mit dem Gesetz werde jedoch eine "Symbolpolitik" betrieben, die ungeeignet sei, dieses Ziel zu erreichen. "Das Gesetz ist unwirksam, unnötig und intransparent", sagte Heine. Zum einen würden die Seiten nur verdeckt, blieben aber weiter zugänglich, zum anderen sei eine Entfernung der Seiten und eine Verfolgung der Täter auch mit den bisherigen gesetzlichen Mitteln möglich. Außerdem weckten "geheime Sperrlisten" die Befürchtung, dass auch andere Seiten gesperrt werden könnten.
Die SPD-Fraktion stellte fest, dass sowohl die Petentin, als auch sämtliche Fraktionen und die Bundesregierung das Ziel hätten, Kinder zu schützen. Das Gesetz helfe dabei jedoch nicht, wurde eingeräumt. Selbstkritisch hieß es, es sei ein "Fehler" gewesen, an dem Gesetz mitzuwirken. Der Vertreter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fragte die Petentin, ob aus ihrer Sicht etwas gegen eine schnellstmögliche Aufhebung des Gesetzes spräche. "Nein" antwortete Heine. Vielmehr sei die "schnellstmögliche Rückholung" des Gesetzes wichtig, um die "unhaltbare Situation" zu beenden.
Auf die Frage der Linksfraktion, ob die Bundesregierung ein in Kraft getretenes Gesetz zu ignorieren gedenke, indem sie nun doch auf eine Sperrung der Seiten verzichten wolle, entgegnete Staatssekretär Stadler: "Das Gesetz soll nicht ignoriert werden, sondern die Löschung in den Vordergrund gestellt werden." Auf weitere Nachfrage betonte er: "Es wird zu keinen Sperrungen kommen." Ein Vertreter des Bundesinnenministeriums ergänzte, bis jetzt seien keinerlei Umsetzungsmaßnahmen im Sinne der Erstellung einer Sperrliste vorgenommen worden. Stattdessen sei ein "Anwendungserlass" für das Gesetz formuliert worden. Danach laute der Grundsatz: "Löschen - einstweilig nicht sperren."
Welche Erfahrungen andere Länder mit derartigen Sperrlisten gemacht hätten, wollte die FDP-Fraktion wissen. "Wenige positive", entgegnete Petentin Heine. Immer wieder seien Seiten auf der Liste gelandet, die nicht das geringste mit Kinderpornografie zu tun hätten. Die Unions-Fraktion hinterfragte die Aussage Heines, dass es leicht möglich sei, die vorgesehenen Sperrungen im Netz zu umgehen. Bei einer Expertenanhörung im vergangenen Jahr habe es auch gegenteilige Aussagen gegeben, hieß es von der Fraktion. Die Petentin blieb bei ihrer Ansicht, dass die Sperrungen leicht zu umgehen seien. Es gebe im Internet Videos in der Länge von zwanzig Sekunden, in denen diese Umgehungsmöglichkeiten aufgezeigt würden."Dazu ist keine Expertenwissen nötig", sagte Heine.
„Kein Wohlstand ohne Leistung“ Interview mit Herrn Westerwelle
Trotz der scharfen Kritik an seinen Äußerungen zu Hartz IV will FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle "keine Silbe" zurücknehmen."Brandstifter", "Esel", "Spalter" - für Ihre Äußerungen in der Hartz-IV-Debatte hagelt es Kritik nicht nur vom politischen Gegner - haben Sie einen falschen Ton angeschlagen?
Westerwelle: Die Vorwürfe meiner Kritiker zeigen doch nur, dass sie keine Argumente haben. Die Diskussion über Leistungsgerechtigkeit in Deutschland war überfällig. Jetzt, wo die Kritiker sehen, dass Millionen Bürger mir Recht geben, mäkeln sie an einer angeblich falschen Tonlage herum. Ich habe nur ausgesprochen, was alle Politiker wissen, aber sich nicht zu sagen trauen.
"Leistung ist für viele Linke eine Form von Körperverletzung"
Hat Sie die Heftigkeit der Reaktionen überrascht?
Westerwelle: Wenn man in Deutschland schon dafür angegriffen wird, dass derjenige, der arbeitet, mehr haben muss als derjenige, der nicht arbeitet, dann ist das geistiger Sozialismus. Die Diskussion über das Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat sozialistische Züge. Von meiner Kommentierung dieser Debatte habe ich keine Silbe zurückzunehmen. Im Gegenteil: Die wütenden Reaktionen aus dem linken Lager zeigen doch, dass ich den Finger in die Wunde gelegt habe. Für viele Linke ist Leistung ja beinahe eine Form von Körperverletzung. Dagegen wehre ich mich. Im Übrigen habe ich nicht das Karlsruher Urteil kritisiert. Davor habe ich großen Respekt. Ich kritisiere die Debatte darüber.
Gibt es in Deutschland zu wenig Leistungsbereitschaft?
Westerwelle: Wer vergisst, dass sich Leistung lohnen muss, legt die Axt an die Wurzel des Wohlstandsbaumes. Darunter leiden die Schwächsten unserer Gesellschaft. Wenn wir die Leistung der Mittelschicht länger ignorieren, ist die Gefahr groß, dass unser Land scheitert. Eine Spaltung der Gesellschaft droht, wenn die Mittelschicht noch weiter schrumpft. Dann bricht die Brücke, die Arm und Reich verbindet, weg. Wer seinem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, sorgt dafür, dass wir alles verlieren. Deswegen mögen mich die Sozialdemokraten aller Parteien kritisieren, es bleibt dabei: Leistung muss sich lohnen, und es gibt keinen Wohlstand ohne Anstrengung und Leistung. Wer arbeitet, darf nicht mehr und mehr zum Deppen der Nation gemacht werden. Das ist die geistig-politische Wende, die ich meine.
"Der normale Steuerzahler droht zum Sozialfall zu werden"
Das Bundesverfassungsgericht verlangt eine Neuregelung der Hartz-IV-Sätze bis Ende 2010.
Westerwelle: Es sollte der Ehrgeiz der Politik sein, sehr viel schneller eine neue Regelung zu verabschieden.
CSU-Chef Horst Seehofer fordert bereits eine Totalrevision von Hartz IV.
Westerwelle: Ich war nie ein Freund der Hartz-IV-Gesetzgebung, so wie sie von Rot-Grün technisch und handwerklich schlecht gemacht worden ist. Wir haben dafür gesorgt, dass das Schonvermögen für Hartz-IV-Empfänger verdreifacht wurde. Wer ein Leben lang Altersvorsorge betrieben hat, darf nicht bestraft werden, wenn er in Not gerät.
Wie sollte die Reform des Sozialstaats konkret aussehen?
Westerwelle: Wir müssen dafür sorgen, dass der Sozialstaat treffsicherer wird. Gerade auch im Interesse der Bedürftigen. Sozialetat und Schuldendienst machen 60 Prozent unseres Haushalts aus. Nach elf Jahren staatlicher Umverteilung droht der ganz normale Steuerzahler zum Sozialfall zu werden. Das kann nicht so weitergehen. Die FDP hat vom Bürgergeld bis zur flexiblen Rente Vorschläge gemacht. Wer sich dieser Diskussion verweigert, setzt die Zukunft des Landes aufs Spiel.
"Verhältnis zwischen der Kanzlerin und mir ist ausgezeichnet"
Die CSU wirft Ihnen vor, nur Getöse statt konstruktiver Ideen zu verbreiten. Werden Sie angesichts der schlechten Umfrageergebnisse vor der NRW-Wahl nervös?
Westerwelle: Wir haben uns in der Vergangenheit mit der CSU so manches Scharmützel geliefert. Aber in der Bekämpfung linker Ideologen hatten wir früher die CSU auf unserer Seite.
Wie erklären Sie den Fehlstart der schwarz-gelben Koalition?
Westerwelle: Das wird sich zurecht rütteln. Die Anfangsschwierigkeiten habe ich mir nicht gewünscht, aber sie sind erklärbar: Die Union hat die letzten vier Jahre mit der SPD regiert. Das hat auch mentale Spuren hinterlassen. Wir waren in der Opposition und wollen einen politischen Wechsel weg von der Staatswirtschaft, hin zur sozialen Marktwirtschaft. Das wird sich alles mehr und mehr synchronisieren. Die bisherigen Ergebnisse stimmen ja auch, denken Sie nur an die Entlastungen für Familien.
Aber der Streit zwischen Union und FDP nimmt kein Ende. Mitunter wird es sogar persönlich. Wieso stimmt die Chemie zwischen den Wunsch-Koalitionspartnern nicht?
Westerwelle: Das Verhältnis zwischen der Bundeskanzlerin und mir ist ausgezeichnet. Es ist eine sehr tragfähige Voraussetzung für die richtigen Ergebnisse in der Koalition.
Beim Thema Atomausstieg sollen Sie in der Koalitionsrunde richtig laut geworden sein. Was stört Sie an der Position von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU)?
Westerwelle: Kernkraft ist eine Brückentechnologie auf dem Weg in das regenerative Zeitalter. So steht es im Koalitionsvertrag, daran halten wir fest. Was nützt es der Umwelt, wenn wir in Deutschland aus den sichersten Kraftwerken der Welt aussteigen, nur um am Tag danach den Strom aus sehr viel unsichereren Kraftwerken aus dem Ausland einzukaufen?
Wie sehr besorgt Sie als FDP-Vorsitzender das Werben der Union um die Grünen?
Westerwelle: Ich nehme zur Kenntnis, dass einige CDU-Abgeordnete in Nordrhein-Westfalen eine schwarz-grüne Koalition als Ziel ausrufen. Das schafft Klarheit für die bürgerlichen Wähler: Wer Schwarz-Gelb in Nordrhein-Westfalen will, muss auf Nummer Sicher gehen und die FDP wählen.
Nach fast 15 Prozent bei der Bundestagswahl liegt die FDP nun in den Umfragen bei acht Prozent. Schrillen da bei Ihnen nicht alle Alarmglocken?
Westerwelle: Ich bin jetzt im neunten Jahr Parteivorsitzender. Bei jeder Bundestagswahl haben wir seitdem zugelegt. Ausschläge in den Umfragen hat es immer gegeben. Aber die Wahlergebnisse stimmen. Das zählt. Im Übrigen: Die Leistung einer neuen Regierungspartei bereits nach etwas mehr als 100 Tagen abschließend bewerten zu wollen, ist doch unangebracht. Nicht einmal eine Mischung aus Albert Einstein und Herkules könnte in 100 Tagen richten, was elf Jahre lang schiefgelaufen ist.
Nicht alle in der FDP scheinen so gelassen zu sein wie Sie. Wolfgang Kubicki spricht von fehlender Ordnung, Wolfgang Gerhardt von einer ausgesprochen schwierigen Lage für die Partei . . .
Westerwelle: Ein Moment macht noch keinen Tag, und eine Meinungsumfrage noch keinen Trend. In einer Krise wäre die FDP, wenn sie nicht mehr wüsste, was sie will. Aber wir wissen genau, was wir wollen: Die Mittelschicht stärken, die Familien entlasten und für mehr Leistungsgerechtigkeit sorgen.
Wollen Sie, dass über weitere Entlastungen noch vor der Steuerschätzung im Mai entschieden wird?
Westerwelle: Ich interpretiere, was wir aus der Bevölkerung hören, so, dass man von der FDP schnelles und entschiedenes Handeln erwartet. Das nehme ich als Auftrag und Verpflichtung. Wir wollen die nächsten Wochen auch vor unserem Bundesparteitag nutzen, um unsere Pläne zu konkretisieren. Dazu gehört im Steuerbereich vor allem die Abflachung des Mittelschichtsbauches im Steuertarif. Dass die Mittelschicht steuerlich überproportional belastet wird, ist eine Schwächung unserer Wohlstandschancen. Es ist ein wichtiges Anliegen der FDP, für mehr Steuer-Fairness zu sorgen.
NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat bereits mit einem Veto gegen weitere Steuersenkungen gedroht. Was, wenn er seine Ankündigung wahr macht?
Westerwelle: Auch Herr Rüttgers hat dem Koalitionsvertrag zugestimmt.
Es geht um ein Entlastungsvolumen von fast 20 Milliarden Euro. Wie wollen Sie das gegenfinanzieren?
Westerwelle: Das ist vor allem eine Frage des Subventionsabbaus. Das ist eine Frage staatlicher Effizienzreserven. Nicht der teure Staat ist auch der gute Staat. Im Übrigen sind wir haushaltspolitisch solider als die Vorgängerregierung. Obwohl wir Arbeitnehmer und Familien entlastet haben, machen wir weniger Schulden, als es in der Finanzplanung von Peer Steinbrück vorgesehen war.
Was spricht aus Ihrer Sicht gegen eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags?
Westerwelle: Was im Solidarpakt verabredet worden ist, gilt. Darauf muss sich jeder verlassen können.
"Es tut Bayern gut, dass die CSU jetzt mit der FDP regiert"
Themenwechsel: Die CSU befindet sich weiter auf Talfahrt in den Umfragen. Ist die Partei bundespolitisch überhaupt noch ein Schwergewicht?
Westerwelle: Es tut Bayern gut, dass die CSU jetzt gemeinsam mit der FDP regiert. Die CSU ist unser Partner in Bayern und im Bund. Ich bin immer für eine faire Zusammenarbeit. Gelegentliche Zwischenrufe lasse ich an mir abperlen. Sie sehen: Ich zeige die ersten Anzeichen von Altersmilde!
Nicht der Generalsekretär, sondern CSU-Chef Horst Seehofer hat die Pläne der FDP für eine Gesundheitsprämie als "Nonsens" bezeichnet . . .
Westerwelle: Wir müssen verhindern, dass alte Menschen künftig durch den Rost der Budgetierung und Rationierung fallen. Genau dahin würde die Fortschreibung eines planwirtschaftlichen Gesundheitswesens führen. Wir müssen das System umbauen, damit es funktionsfähig bleibt. Damit ist einer der besten FDP-Politiker überhaupt betraut: Philipp Rösler. Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen. Gelingt uns das nicht, werden wir im weltweiten Wohlstandsvergleich immer weiter zurückfallen.
''Es löst allseits Unbehagen aus''
Von Michael KochJustiz-Staatssekretär Dr. Max Stadler (FDP) hält sich seit Tagen in der Diskussion um den Ankauf von Steuersünder-Dateien bedeckt. Gegenüber PNP-Online formulierte er gestern jedoch vielsagend: "Da es allseits Unbehagen auslöst, wenn der Staat Beweismittel von Datendieben ankauft, ist das Gebot der Stunde, unverzüglich mit der Schweiz in Verhandlungen zu treten." Stadler, der als einfacher Abgeordneter auch vor zwei Jahren schon gegen den Ankauf von Liechtensteiner Steuersünder-Daten gestimmt hatte, die unter anderem zu dem spektakulären Verfahren gegen Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel geführt hatten, fordert ein rasches Einführen eines Doppelbesteuerungsabkommens mit der Schweiz. Der ehemalige Richter am Oberlandesgericht München: "Nur dann könnten Straftaten effektiv verfolgt und schließlich auch geahndet werden. Beweismittel würde man dann im Zuge der Rechtshilfe legal erhalten." Offiziell will sich der Passauer Staatssekretär nicht in die politische Debatte einbringen, "weil es nicht zu den Berliner Gepflogenheiten gehört, dass sich Vertreter eines Ministeriums in die Angelegenheiten eines anderen Hauses einmischen." Ihm stünde es als Justiz-Staatssekretär nicht zu, dem Bundesfinanzminister oder den Ressortchefs in den Ländern öffentlich Ratschläge zu erteilen. "Das Gebot der Höflichkeit verbietet es, sich in die Kompetenzen der anderen einzumischen", sagte Max Stadler.
FDP droht mit Veto gegen Kauf der Daten-CD
Innenexperte Fischer: Bayerische Liberale werden Ankauf verhindern - „Keine Anreize für Kriminelle schaffen“München. In der Debatte um den Ankauf gestohlener Steuersünder-Daten durch das Finanzministerium droht die FDP mit einem Veto. Falls der Landtag solchen Geschäften zustimmen müsse, werde die FDP-Fraktion das ablehnen, sagte Innenexperte Andreas Fischer. „Es ist klar, dass die Zustimmung des Landtags dann nicht erteilt werden wird, weil die FDP das ablehnt.“
Fischer betonte, die FDP wolle nicht Steuersünder schützen. Staatliche Behörden dürften aber keine Geschäfte mit Verbrechern machen. „Es geht nicht, dass der Staat Anreize für Kriminelle schafft.“ Fischer warnte, dass der Kauf von Steuersünder-Dateien einen unwillkommenen Präzedenzfall für den Ankauf aller möglichen Informationen schaffen könne, die von Kriminellen angeboten werden. „Ich erwarte vom Staat, dass er die Gesetze, die er selbst erlassen hat, auch einhält.“
Mittlerweile sind nicht nur dem Bund, sondern auch Bayern Steuersünder-Daten zum Kauf angeboten worden, wie am Wochenende bekannt geworden war. Das Finanzministerium prüft derzeit nach Angaben eines Sprechers, ob diese Daten gekauft werden sollen oder nicht. Geprüft wird in zweierlei Hinsicht: Zum Einen, ob der Kauf rechtlich vertretbar wäre. Zweitens untersucht das Ministerium, ob es sich um echte oder gefälschte Daten handelt und ob sich der Kauf für den Fiskus überhaupt lohnen würde.
Die FDP wäre nach Einschätzung Fischers machtlos, falls das Innenministerium den Ankauf von Steuersünder-Daten alleine ohne Zustimmung des Landtags beschließen könnte. Einen möglichen Hebel sieht der FDP-Innenexperte aber im Haushaltsrecht, denn Bayern will sich an den für die Schweizer Daten-CD geforderten 2,5 Millionen Euro beteiligen. „Diese Kosten müssen irgendwo im Haushalt erscheinen. Ich kann mir nicht so ganz vorstellen, dass das ohne Zustimmung des Landtags läuft.“
Im Landtag hatten sich am vergangenen Donnerstag sowohl die CSU als auch SPD und Grüne für den Ankauf von Steuersünder-Daten ausgesprochen. Allerdings gibt es parteiübergreifend bei den Rechtsexperten große Bedenken, wenn der Staat seine eigenen Gesetze umgeht. So hatte auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vor dem Ankauf von Steuersünder-Dateien gewarnt. Er konnte sich CSU-intern aber nicht durchsetzen. Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) kündigte zwei Tage später an, dass Bayern sich am Ankauf einer Schweizer Steuersünder-Datei durch den Bund beteiligen wolle. – dpa
1835 Läufer lässt der Winter einfach kalt
17. Johannesbad-Thermenmarathon in Bad Füssing - Klaus Stübinger vom PTSV Rosenheim gewinnt
Von Doris Altmannsberger
Bad Füssing. Temperaturen um den Gefrierpunkt und nasskalte Nebelschwaden konnten sie nicht abhalten: 1835 Läufer haben sich beim gestrigen Johannesbad-Thermenmarathon wieder auf den Weg gemacht und sind zwischen 1,8 und 42,1 Kilometer gelaufen. Während der 15-jährige Benedikt Fuchs vom TV Hauzenberg als Läufer der Schüler-Strecke (1800 Meter) als erster das Ziel passierte, sorgte Klaus Stübinger vom PTSV Rosenheim in 2:42,49 Stunden für die diesjährige Marathon-Bestzeit.
Im letzten Jahr hat es derart geschneit, dass man kaum seinen Vordermann erkennen konnte. Es war auch schon derart frostig, dass die Läufer mit Eiszapfen an Augenbrauen und Haaren im Ziel ankamen. Vor drei Jahren lag dagegen überhaupt kein Schnee und sogar die Sonne spitzte durch die Wolken.
"Egal, wie das Wetter beim Johannesbad-Thermenmarathon auch ist: Die Leute kommen trotzdem", freut sich Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Johannes Zwick. Er verfolgte gemeinsam mit Vorstand Helmut Karg und dem Schirmherrn, Justiz-Staatssekretär Max Stadler, die insgesamt vier Starts der gestrigen Großveranstaltung - und freute sich, dass sich das im Jahr 1994 aus der Taufe gehobene Sportevent mittlerweile so großer Beliebtheit erfreut. Für Zwick gibt es dafür mehrere Gründe: "Zum einen ist es der erste Marathon des Jahres, zum anderen natürlich der gute Ruf, den sich die Veranstaltung mit den Jahren bei den Athleten erworben hat." Und natürlich das Angebot, das die Läufer rund um den Thermenmarathon erwartet - samt Entspannung im schwefelhaltigen Thermalwasser oder dank einer muskelentspannenden Massage.
Den wichtigsten Job des Vormittags hatte Schirmherr Max Stadler inne. Der Staatsminister im Bundes-Justizministerium erhob sich "schwer bewaffnet" per Hebebühne in die Lüfte, um von hoch droben den Startschuss zu geben.
Moderiert von Helmut Kepler, der für den Thermen-Marathon seinen Kuraufenthalt in Bayerisch Gmain unterbrochen hatte, verfolgten auch heuer hunderte Besucher die Starts und Zieleinläufe der insgesamt 1835 Athleten. Am beliebtesten war wieder einmal der Halbmarathon, bei dem 894 Läufer an den Start gingen. Die Marathon-Distanz absolvierten 341 Teilnehmer, den Zehn-Kilometer-Lauf 588 Athleten und beim Schüler-Wettkampf, der über 1800 Meter ging, starteten 30 Buben und Mädchen. Den Marathon dominierte Klaus Stübinger (PTSV Rosenheim), beim Halbmarathon sicherte sich Dennis Pyka (LG Tetis Finanz Regensburg) in 1:08,58 Platz eins. Über zehn Kilometer war Alexander Bonauer vom Tri Team Triftern (32,10 Minuten) der Schnellste und bei den Schülern hatte Benedikt Fuchs vom TV Hauzenberg die Nase vorn.
Bei einer derartigen Großveranstaltung geht freilich nichts ohne ehrenamtliche Helfer: Über 300 Männer und Frauen der Sportvereine Pocking, Bad Füssing, der örtlichen Vereine, Feuerwehren sowie vom Bayerischen Rotem Kreuz sorgten für einen perfekten Ablauf und versorgten die zahlreichen Sportler.
„Der Hehler ist wie ein Stehler“
Bogen. Die niederbayerischen Liberalen sind gegen den Ankauf der Steuersünder-CD mit gestohlenen Schweizer Kontodaten. "Der Hehler ist wie ein Stehler", sagte MdL Andreas Fischer, niederbayerischer FDP-Bezirksvorsitzender und stellvertretender Landesvorsitzender, jetzt in Bogen-Fröschlhof (Landkreis Straubing-Bogen). Der Staat kauft Fischer zufolge Diebesgut, um Kriminelle aufzuspüren.
Das Rechtsstaatsprinzip führe dazu, dass der Staat nicht mit allen Mitteln vorgehen dürfe, erläutert Fischer. Es sei in Deutschland auch keine Folter erlaubt, um vielleicht ein Menschenleben zu retten, so der rechtspolitische FDP-Sprecher.
Ein faires, einfaches und niedriges Steuersystem ist für Fischer die beste Prävention, alle Menschen zu mehr Steuerehrlichkeit zu bringen. Gegen Steuerbetrüger sollte der Staat mit allen legalen Mitteln vorgehen. pnp
Blinklichter könnten Züge zum Schweigen bringen
Lärmgeplagte Neustifter, Lokalpolitiker und Bahnvertreter erörtern Bahnübergang-Schließungen und lautlose Warnanlagen
Von Christian Karl
Es dürfte wohl eher selten vorkommen in der Republik, dass sich gleich zwei Parlamentarische Staatssekretäre für die Sorgen und Nöte eines einzigen Ortsteils engagieren. Aber offenbar mit Erfolg. Bei einem Ortstermin, bei dem das Thema der "pfeifenden Züge von Neustift" zwischen Bahnvertretern, Stadtpolitikern und lärmgeplagten und entnervten Anwohnern diskutiert wurde, zeichnete sich gestern eine Lösung und dementsprechend allgemeiner Optimismus ab.
Kernziel bei einem gestern ausgemachten "schnellstmöglichen" Gespräch mit allen Verantwortlichen ist jetzt, die sieben Bahnübergänge, vor denen die Zugführer zum lautstarken Warnen verpflichtet sind, zu reduzieren. Zudem kamen gestern auch lautlose, aber sündteure Lichtsignalanlagen ins Spiel, die das Warnpfeifen ersetzen könnten.
Belästigung zwischen 5.40 Uhr und 23 Uhr
Wie berichtet geht es um die leidige Angelegenheit, dass im Stadtteil Neustift seit einem Monat die Züge der Rottalbahn häufiger verkehren und damit auch häufiger pfeifen: über 200-mal zwischen 5.40 Uhr und kurz nach 23 Uhr. Zu viel für die unfreiwillig Beschallten, von denen nicht wenige derzeit sogar an Wegzug oder Hausverkauf denken. "Die Wohnqualität sinkt dramatisch", sagte Anwohnerin Elisabeth Kasper gestern. "Und dabei sind jetzt noch die Fenster zu. Man mag gar nicht daran denken, wenn man im Sommer mal draußen sitzt."
Christian Kubasch, der technische Leiter der für die Rottalbahn verantwortlichen Südostbayernbahn, wagte sich gestern in die Höhle des Löwen. In Anwesenheit von Staatssekretär Dr. Max Stadler, Gesprächsinitiator Peter Pell und Stadtratskollege Andreas Dittlmann (beide Passauer Liste) ließ der Bahn-Stellvertreter rund ein Dutzend Anwohner wissen, dass die Lokführer vor den sieben Neustifter Bahnübergängen gesetzlich verpflichtet seien, warnend zu pfeifen. "Mindestens drei Sekunden" seien vorgeschrieben. Elisabeth Kasper hatte zuvor darauf gepocht, dass die Zugführer zumindest bei der Dauer des Pfeifens "etwas sensibler" vorgehen könnten, was einige auch täten. Auch eine Nachrüstung der Rottalbahn-Lokomotiven mit "vielleicht etwas leiseren" Warnsignalen, die sich ein Anwohner wünschte, sei laut Kubasch für die Rottalbahn-Züge weder vorgesehen noch möglich.
Dr. Max Stadler äußerte grundsätzliches Verständnis für Warnmaßnahmen aus Sicherheitsgründen. "Aber warum regelt man das nicht mit Warnblinkleuchten?", fragte der Staatssekretär. Christian Kubasch machte zunächst darauf aufmerksam, dass "theoretisch" nichts gegen solch eine Lösung spreche. "Aber eine solche Blinkanlage kostet 200 000 Euro - pro Übergang!" Und zum anderen sind an einem Bahnübergang meist mehrere Beteiligte, Bahn- und Straßenbaulastträger, Stadt und private Grundbesitzer, involviert, die sich über solch eine Maßnahme und - noch mehr - über deren Finanzierung einig sein müssen.
Schnellstmöglich an Ideallösung basteln
Anwohner und Lokalpolitiker waren sich einig, dass man auf gut die Hälfte der sieben Neustifter Bahnübergänge auch verzichten könne, weil sie - nicht nur im Winter - ohnehin von Landwirten oder Wanderern selten bis gar nicht benutzt werden. Falls jetzt der eine oder andere Übergang aufgelassen werde, reduziere sich zum einen bereits das Pfeifen. Zum anderen würde sich auch die finanzielle Belastung reduzieren, würde man die übrig bleibenden mit Warnblinkanlagen versehen - so das Ideal von Anwohnern und Politikern gestern vor Ort.
"Wir werden das Problem sicher nicht schon morgen lösen. Es wird nicht ganz einfach, und was kosten wird es auch", meinte Peter Pell, der durchaus auch "die Sicherheitsfrage in den Vordergrund stellen" wollte. "Schnellstmöglich" aber wolle man nun alle Verantwortlichen der Neustifter Bahnübergänge - Grundeigner, Baulastträger, Stadt - und Politik an einen Tisch bringen, um an den gestern vorgebrachten Ideallösungen zu basteln. Mitbasteln wird dabei auch Verkehrsexperte und Staatssekretär Andreas Scheuer, der schon vorgestern mit Christian Kubasch Kontakt aufgenommen hatte.
Diplomatisch sagt Stadler Nein zum Datenkauf
Der Justiz-Staatssekretär äußert sich aus Kabinettsdisziplin offiziell nicht zur Steueraffäre. Die Fragen stellten die MZ-Redakteure Gustav Norgall, Stefan Stark und Manfred Sauerer.Warum hört man in der Diskussion um die Steuersünder-CD nichts von der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger oder von Ihnen als ihr Staatssekretär?
Das liegt an der Zuständigkeitsverteilung innerhalb der Bundesregierung. Es handelt sich um eine Angelegenheit der Steuerfahndung, dafür ist der Bundesfinanzminister zuständig und die betroffenen Länderfinanzminister. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein Ressort, das nicht zuständig ist, einem anderen zuständigen Minister keine öffentlichen Ratschläge gibt. Wir halten diese Kleiderordnung ein und machen dem Finanzminister Wolfgang Schäuble keine Vorschriften.
Aber was ist Ihre persönliche Meinung? Die CD kaufen oder nicht?
Beim Ankauf der Liechtenstein-Unterlagen habe ich geäußert, dass ich es als unzulässig angesehen habe, den Bundesnachrichtendienst zum Einkauf gestohlener Daten einzuschalten. Ich darf auch darauf hinweisen, dass der FDP-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, Thomas Hacker, sich klar gegen den Kauf ausgesprochen hat, mit dem Argument, der Staat dürfe nicht von einem Datendieb gegen Geld Beweismittel ankaufen.
Aber Steuersünder müssen doch bestraft werden?
Der Punkt ist unstreitig. Steuerdelikte sind strafbare Handlungen. Damit wir uns aber nicht die Frage stellen müssen, ob wir von einem Datendieb Beweismittel beschaffen sollen, wäre es dringend erforderlich, die Verhandlungen mit der Schweiz über ein Doppelbesteuerungsabkommen zum Abschluss zu bringen.
Sie halten sich an die Kabinettsdisziplin, aber die Koalition insgesamt streitet sich und hat einen Stolperstart hingelegt
Die Lage ist besser als die Stimmung. Wenn sich alle Seiten bemühen würden, das, was wir im Koalitionsvertrag festgelegt haben, Schritt für Schritt umzusetzen, wäre das Erscheinungsbild der Bundesregierung besser. Die ersten Maßnahmen sind so schlecht nicht gewesen.
Das sieht die Öffentlichkeit anders.
Ein Gegenbeispiel. Die Afghanistan-Frage bewegt die Bevölkerung sehr stark. Die Bundesregierung hat dank des Einsatzes von Außenminister Guido Westerwelle eine neue Linie eingeleitet. Der zivile Aufbau wird stärker betont und Afghanistan soll in absehbarer Zeit in die Lage versetzt werden, selber für die Sicherheit zu sorgen. Damit wurde eine Abzugsperspektive für die Bundeswehr geschaffen.
Aber innenpolitisch steht schwarz-gelb unter Druck.
Die Koalition hat Entscheidungen getroffen, die notwendig waren, zum Beispiel im Erbschaftssteuerrecht und bei der Unternehmensbesteuerung. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz fand aber keine positive Resonanz, weil der Streit um die Mehrwertsteuersenkung für die Hotellerie leider alles überlagert.
War das eine falsche Entscheidung, die man zurücknehmen muss?
Ich halte sie gerade als ostbayerischer Abgeordneter für richtig. Unser Nachbarland Österreich hat die Mehrwertsteuer für die Hotellerie abgesenkt. Damit unsere Betriebe konkurrenzfähig bleiben und investieren können, haben wir uns für die Mehrwertsteuersenkung eingesetzt. Das hatte mit einer Spende nichts zu tun ? auch wenn uns das keiner glaubt.
Wird die FDP jetzt wieder nur als Steuersenkungspartei wahrgenommen?
Wenn wir als Steuersenkungspartei bezeichnet werden, haben wir nichts dagegen. Das ist ein Markenzeichen der FDP. Die Frage einer großen Steuerreform wird uns aber sicher die ganze Legislaturperiode begleiten.
Die FDP will das Image der sozialen Kälte loswerden. Warum wollen Sie dann eine Kopfpauschale im Gesundheitssystem?
Gesundheitsminister Philipp Rösler kämpft für den Umbau, weil die Kopfpauschale sozialer ist als das jetzige System. Ein sozial Schwächerer bekommt dann einen Ausgleich über Steuergelder. Nicht nur der etwas besser verdienende Arbeitnehmer leistet so über seine Beiträge einen sozialen Ausgleich, sondern das Geld wird aus allen Einkünften genommen, zum Beispiel vom Hauseigentümer mit seinen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung oder vom Aktienbesitzer und seinen Einnahmen.
Dann müssen Sie aber Millionen Menschen auch auf ihre Bedürftigkeit überprüfen. Ist das nicht eine Horrorvorstellung für einen Liberalen?
Jeder kann selber entscheiden, ob er einen Zuschuss in Anspruch nimmt. Man muss aber natürlich offen sagen, dass das Modell einen gewissen Verwaltungsaufwand mit sich bringt.
Der Koalitionspartner CSU sagt, dieser Plan ist nicht bezahlbar.
Das Modell ist nur durchsetzbar, wenn die ganze Koalition dazu steht. Nach unserer Meinung ist es im Koalitionsvertrag angelegt.
Rösler hat sein Schicksal als Minister mit der Kopfpauschale verknüpft. Ist er in zwei Jahren noch im Amt?
Er wird noch im Amt sein.
Der Jurist Max Stadler
FDP: Einschnitte abmildern
Nach dem Willen der FDP sollen die geplanten Kürzungen der Solarförderung nicht schon im April in Kraft treten und vor allem bei den Freiflächen auf Ackerböden geringer ausfallen, sagte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Kauch. Zwar sei es richtig, Überförderungen bei Solaranlagen abzubauen. Jedoch dürfe dies nicht den Ausbau der Solartechnik zunichte machen. Spätere Termine für den Beginn der Förderkürzungen begründete Kauch damit, dass viele Anlagen wegen des langen Winters nun nicht montiert werden könnten. - dpa
''Das ist rechtlich vermintes Gelände''
Von Andreas Herholz
Berlin. Rechtsexperten von CDU und FDP haben deutliche Kritik am Kauf der Steuersünder-CD aus der Schweiz geübt. "Es besteht der Verdacht, dass die Regierung wohlwollend in Kauf nimmt, dass es Nachahmer gibt", erklärte der Vorsitzende des Rechtsauschusses des Deutschen Bundestages, Siegfried Kauder (CDU), gestern im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die Regierung wolle auf diesem Weg offenbar den Druck auf Steuersünder erhöhen. Der Erwerb der gestohlenen Daten sei "rechtlich vermintes Gelände", sagte Kauder. Schließlich handele es sich hier bei dem Anbieter um einen Straftäter und es sei bisher nicht höchstrichterlich geklärt, ob die Daten überhaupt als Beweismittel herangezogen werden könnten. "Der Zweck heiligt die Mittel, ist die falsche Philosophie", betonte der CDU-Politiker.
Der rechtspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Ahrendt, warnte ebenfalls vor dem Datenkauf: "Es ist rechtsstaatlich sehr problematisch, wenn eine Regierung eine Straftat begünstig", sagte er. Der Staat sichere damit einem Straftäter die Früchte seiner Tat.
"Der Kauf bringt viel Rendite für den Finanzminister, wenig Rendite für den Rechtsstaat", erklärte der FDP-Rechtsexperte und verwies wie Kauder darauf, dass es bisher nicht höchstrichterlich entschieden sei, ob ein Beweismittelerwerb auf diesem Wege zulässig sei oder nicht. Das Bundesverfassungsgericht werde in Kürze in einem ähnlichen Fall eine Entscheidung treffen.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles wies dagegen juristische Bedenken zurück: "Es gibt keine rechtlichen Gründe, die einer Nutzung entgegenstehen. Manchmal muss man zweifelhafte Quellen in Kauf nehmen", sagte sie und forderte eine engere Kooperation mit der Schweiz im Kampf gegen Steuersünder: "Es wäre wünschenswert, wenn wir durch bilaterale Abkommen mit der Schweiz und anderen Steueroasen so weit kommen, dass solche Manöver in Zukunft nicht mehr notwendig sind. Die Schweiz sollte sich dabei kooperativ zeigen", so Nahles.
Der Wunsch: Ein Spitzenplatz bei regenerativen Energien
Für das Ziel der Berufsschule ist aber ein Erweiterungsbau dringend nötig
Passau. Die Passauer Berufsschule I strebt in Niederbayern einen Spitzenplatz auf dem Feld der regenerativen Energien an. Doch dieses Ziel kann sie momentan nicht erreichen. „Es fehlen die Mittel für den dafür notwendigen Erweiterungsbau“, erklärte Josef Wagner, Leiter der Abteilung „Sanitär, Heizung, Klimatechnik“ beim Besuch des parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Max
„Wer hinterher hinkt, hat verloren“
„Wir haben hier an der Schule modernste Gas- und Ölbrennwertgeräte. Ihre vom Gesetzgeber vorgeschriebene Kombination mit regenerativen Energien ist zur Zeit aber nicht möglich bei uns“, erläuterte Wagner. Es gebe schlichtweg keine Möglichkeit an der Berufsschule am Fernsehturm, Pellets- und Hackschnitzelheizungen, Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen und solarthermische Anlagen praxisgerecht zu betreiben und damit diese kohlendioxidsparend in die Wärmeversorgung der Schule einzubinden. „Aber genau das fordert das aktuelle Energien-Wärmegesetz für alle Neubauten. In der Praxis ist das bereits tagtäglich eine Herausforderung. Eine Berufsschule, die hier nachhinkt, hat schon verloren“, so der Abteilungsleiter. Das sah auch der Staatssekretär so und versprach, sich für die Realisierung dieser Pläne einzusetzen. Er lobte die Lehrer für das große Engagement und die Führungskräfte der Berufsschule für ihre Weitsicht. „Hier wird für unseren Berufsnachwuchs hervorragende Arbeit geleistet“, betonte Dr. Max
Mit welchen gravierenden Problemen die Berufsschulen im östlichen Niederbayern künftig zu kämpfen haben wird, verhehlten Schacherl und sein Stellvertreter Franz Färber nicht: Die aktuellen Zahlen der Regierung von Niederbayern und der IHK zeigten, welche Auswirkungen allein der demographische Wandel in der Region auf die Ausbildungssituation und damit auf die Berufsschulen der
„Weichen müssen jetzt gestellt werden“
Region im kommenden Jahrzehnt hat. „Der Osten Niederbayerns wird unstrittig härter betroffen sein als der Westen, also die Regionen Landshut und Kelheim. Um für diese Herausforderungen gerüstet zu sein, müssen wir jetzt die Weichen stellen“, ist der Schulleiter überzeugt. Ein Erweiterungsbau sei ein Schritt in die richtige Richtung, um im Bereich regenerativer Energien bei den führenden Berufsschulen dabei zu sein. - hpr
Sicherungsverwahrung soll schnell reformiert werden
Franz Egerer folgt auf FDP-Urgestein Günther Kammerer
DINGOLFING (jk) – Wachwechsel bei den Kreis- Liberalen: Der 36-jährige Brauereibesitzer Franz Egerer (Großköllnbach) folgt als Vorsitzender auf FDP-Urgestein Günther Kammerer (Dingolfing). Der Ehren-Kreisvorsitzende übergab nach 19 Jahren an der Spitze einen wohl bestellten Kreisverband, wie er am Donnerstag abend in den Dingolfinger Ratsstuben bilanzierte.
Franz Egerer wurde mit 13 Stimmen von 14 Mitgliedern zum neuen Vorsitzenden gewählt. Als seinen Stellvertreter wählten die Mitglieder den 27-jährigen Olaf Lebelt aus Dingolfing mit elf Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen. Als Schatzmeister fungiert Jörn Hund (Großköllnbach),als Schriftführer Gerhard Lichtinger (Großköllnbach). Zu Beisitzern wurden gewählt: Günther Kammerer, Wener Betz (Dingolfing), Franz Janca (Moosthening), Erwin Beck (Dingolfing), Volker Textor (Großköllnbach), Jochen Polster (DGF) und Christian Bachinger (Reisbach). Kassenprüfer sind Peter Zobel (Amberg) und Thomas Eiba (Großköllnbach).
Auf den Bezirksparteitagen vertreten den Kreisverband die Delegierten Franz Egerer, Günther Kammerer und Olaf Lebelt. Ersatzdelegierte sind Franz Janca, Christian Bachinger und Jochen Polster. Auf den Landesparteitagen vertreten die Delegierten Franz Egerer, Günther Kammerer und Olaf Lebelt die Dingolfinger Anliegen. Als Ersatzdelegierte wurden gewählt: Jochen Polster, Franz Janca und Christian Bachinger.
Ziel: Fraktionsstärke im Kreisstag
Der weitere Aufbau des Kreisverbands steht nach dem Willen des neuen Vorsitzenden im Vordergrund. Ziel sei es, bei der nächsten Kommunalwahl mit Fraktionsstärke in den Kreistag einzuziehen. Den Einzug in die Stadt- und Gemeindeparlamente von Dingolfing, Landau und Pilsting wollen die Liberalen anvisieren.
FDP ist an zweiter Stelle
„Wir sind die Nummer zwei“, berichtete der scheidende Kreisvorsitzende Günther Kammerer. Nach vielen harten Jahren sei es „ein Genuss“, Bilanz zu ziehen. Bei der letzten Bundestagswahl im September 2009 habe die FDP im Wahlkreis Rottal-Inn die SPD überholt. Bei den Zweitstimmen kamen die Liberalen auf 14,2 Prozent. Direktkandidat Günther Kammerer erzielte 10,2 Prozent. Der Genuss sei umso größer, vermerkt Kammerer, als der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold im Wahlkreis kandidiert habe. Pronold sei eine „Watsch´n“ erteilt worden, sogar in Niederbayern sei die FDP vor den Sozialdemokraten gelandet.
Als gelungene politische Aktion nannte Kammerer die Umfrage zum „zu Tode beruhigten“ Dingolfinger Marienplatz. Danach habe der Stadtrat den Marienplatz wieder geöffnet. „Die FDP ist für die Bürger da“, resümiert Kammerer.
Nach 19 Jahren an der Spitze des Kreises und zehn Jahre an der Spitze des Ortvereins sei es an der Zeit, den Platz neuen Kräften zu überlassen. Zum einen hätten taktische Gründe für den Wechsel gestimmt: Der Nachfolger habe mehr als drei Jahre Zeit, sich für die nächsten Wahlen zu positionieren. Zum anderen habe er seiner Frau versprochen, eigentlich schon nach acht Jahren das Amt abzugeben und mehr Freizeit zu haben. Mit 38 Mitgliedern habe sich der Kreisverband gut entwickelt. Bei Amtsantritt hatte der Verband 17 Mitglieder. Kammerer dankte allen Mitgliedern, die sich in den letzten fünf Wahlen für die FDP engagierten. Der alte Kreisvorstand wurde einstimmig entlastet.
„Kreischef mit Ecken und Kanten“
Der FDP-Landesvize und Bezirksvorsitzender Dr. Andreas Fischer MdL konstatierte Kammerer eine eindrucksvolle Bilanz. Für einen Politiker gelte wie für einen Turner: „Auf den guten Abgang kommt es an“. Diesen Abschied nehme Kammerer auf einem Höhepunkt, so Fischer. Kammerer habe als Kreisvorsitzender Ecken und Kanten gezeigt und liberale Inhalte geprägt. Sein Einsatz für die Opferrechte habe sogar Eingang in das Bundeswahlprogramm der FDP geführt. Fischer wünschte sich, dass der scheidende Kreisvorsitzende sich weiter im Kreis und Bezirk einbringe. Einstimmig wählten die Mitglieder Günther Kammerer zum Ehren-Kreisvorsitzenden.
Liberales Urgestein
Günther Kammerer habe sich auf dem Höhepunkt des Schaffens zurückgezogen, sagte Dr. Max Stadler, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium. Als liberales Urgestein habe er sich mit seinem Engagement in Land, Bezirk und Landkreis große Verdienste erworben. Es sei noch nicht richtig vorstellbar, dass er abgetreten sei, so Stadler.
Die Liberalen sollten sich laut Stadler bei der aktuellen Diskussion um Steuersenkungen nicht ins Bockshorn jagen lassen. Es seien keine Steuergeschenke, wenn man dem Bürger etwas zurückgebe, sondern ein „fairer Akt“. „Wenn die Union kein einfacheres Steuersystem gewollt hätte, hätte sie den Koalitionsvertrag nicht unterschreiben brauchen“, sagte Stadler.
Nächstes Großereignis für die Dingolfinger Liberalen ist die Ausrichtung des Bezirksparteitages. Der für 6. März vorgesehene Parteitag werde nach Dingolfing vergeben, kündigte FDP-Bezirkschef Dr. Andreas Fischer an.
FDP will höheren Schutz von Bankdaten
Berlin/Passau. Nach den Pannen in den USA bei der Datenauswertung im Zusammenhang mit dem vereitelten Flugzeuganschlag von Detroit hat der Passsauer FDP-Politiker Max
FDP-Politiker fordert mehr Schutz für Bankdaten
Im Swift-Abkommen zwischen der EU und den USA sollen höhere Standards festgeschrieben werdenSigrid Averesch
BERLIN. US-Präsident Barack Obama hat es zugegeben: Nicht fehlende Informationen oder mangelhafte Kontrollen waren die Ursache dafür, dass ein Attentäter zu Weihnachten beinahe eine US-Passagiermaschine in Detroit sprengen konnte. Vielmehr seien vorhandene Daten nicht korrekt ausgewertet und an die richtigen Stellen weitergegeben worden. Als eine Konsequenz aus diesem Versagen wies der Präsident die Geheimdienste an, ihre Listen mit den Namen von Terrorverdächtigen zu überarbeiten.
Die Datensammelwut der Amerikaner gibt indes auch deutschen Politikern zunehmend zu denken. So plädieren FDP und CSU für Korrekturen beim Austausch von Bankdaten zwischen der EU und den USA. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), forderte für ein geplantes dauerhaftes Abkommen, das das bisherige Interimsabkommen ersetzen soll, höhere Standards als bisher. "Auf keinen Fall darf es einen unkontrollierten, automatisierten Zugriff auf die Daten von außen geben, auch nicht von befreundeten Staaten", sagte Stadler der Berliner Zeitung. Daten dürften nur auf Anforderung und unter Angabe der Verdachtsmomente herausgegeben werden.
Ende November hatten die EU und die USA vereinbart, dass die US-Sicherheitsbehörden vorerst noch neun Monate lang die Daten des Finanzdienstleisters Swift erhalten, über den der europäische Zahlungsverkehr läuft. Für das Dauer-Abkommen plädierte Stadler für eine Zweckbindung beim Datentransfer: "Die Daten dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden können", forderte er. "Es muss sichergestellt werden, dass sie nur bei den Sicherheitsbehörden bleiben, die darauf einen Anspruch haben." Zudem müsse der Rechtsschutz der Bürger verbessert werden.
Die CSU will die Aussetzung des Abkommens. "Für die Terrorismusabwehr gibt es keinen Mangel an Daten", erklärte Markus Ferber, Chef der CSU-Gruppe im Europaparlament. "Statt mit dem Swift-Abkommen pauschal weitere Informationen über Banküberweisungen von Millionen Europäern zu sammeln, sollten erst die vorhandenen Informationen besser ausgewertet und verbunden werden."
Verhalten äußerte sich Stadler zur Einführung von Körperscannern auf den Flughäfen. "Ich warne vor vorschnellen Entscheidungen", sagte er. "Wir müssen erst die technische Entwicklung abwarten." Drei Voraussetzungen müssten erfüllt sein: So müssten die Körperscanner die Intimsphäre wahren und gesundheitlich unbedenklich sein. "Außerdem muss mit ihnen ein erheblicher Sicherheitsgewinn verbunden sein", sagte der FDP Politiker. Er bezweifelte, dass die Geräte noch dieses Jahr eingeführt werden.
Unterdessen ist der verhinderte Flugzeugattentäter erstmals vor Gericht erschienen. Ein Richter verlas die Anklage, die ihn unter anderem des versuchten Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe beschuldigt. Der 23-Jährige schwieg dazu. Seine Pflichtverteidigerin Miriam Siefer sagte, "zum derzeitigen Zeitpunkt" plädiere ihr Mandant in allen sechs Punkten auf nicht schuldig.
Körperscanner an deutschen Flughäfen rücken näher
Berlin (dpa) - Polizei und Bundesregierung rechnen mit einer Entscheidung Mitte des Jahres über den Probebetrieb der bislang noch umstrittenen Körperscanner auf deutschen Flughäfen. Bis dahin sollen Zwischenergebnisse der laufenden Labortests in Lübeck vorliegen.
Erst danach könne eine Entscheidung über «Realtests» getroffen werden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Montag in Berlin. Deutschland habe aber noch keinen entsprechenden Antrag bei der EU- Kommission gestellt. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sieht gute Chancen für einen Probebetrieb noch in diesem Jahr. Gewerkschaften warnten davor, die Sicherheitsdiskussion auf die Körperscanner zu begrenzen.
Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, sagte, das gesamte System der Flugsicherheit müsse auf den Prüfstand. Vom Flicken nur eines Sicherheitslochs könne man keine Wunderdinge erwarten. Im ARD-«Morgenmagazin» sagte er, die Personenkontrollen seien löchrig. Verantwortlich seien die Flughafenbetreiber. «Sie lassen sich die Sicherheit bezahlen, aber sie sparen an Sicherheit», kritisierte er. Auch sei mehr Personal bei der Polizei nötig, um mögliche Täter schon im Vorfeld zu beobachten. Zudem müsse es eine bessere Vernetzung zwischen den Sicherheitsbehörden geben.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnte vor einer übereilten Einführung der Körperscanner. «Ich nehme die Argumente, die gegen die Nacktscanner vorgetragen werden, sehr ernst», sagte Ramsauer der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. «Eine Einführung solcher Geräte darf keinesfalls übers Knie gebrochen werden.» Die Scanner-Debatte war nach dem nur knapp vereitelten Terror-Attentat eines Nigerianers am ersten Weihnachtsfeiertag in einem US-Flugzeug über Detroit wieder hochgekocht.
Bosbach sagte dpa, es komme jetzt darauf an, dass sich die Geräte mit modernster Technik im praktischen Betrieb bewährten. «Und das geht nicht in Labors, dafür braucht man den Praxistest auf deutschen Flughäfen.» Er sei zuversichtlich, dass mit den Tests noch in diesem Jahr begonnen werden könne. Die Bundespolizei will nach Angaben einer Sprecherin im ersten oder zweiten Quartal dieses Jahres Zwischenergebnisse der Tests mit Körperscannern vorstellen.
Dagegen legte sich die FDP nicht auf einen Zeithorizont zur Einführung der Technik fest. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), sagte dem Berliner «Tagesspiegel», die Erfahrung habe gelehrt, dass Sprengstoff in der Unterwäsche unerkannt an Bord von Flugzeugen gebracht werden könne. Daher seien Körperscanner «der richtige Ansatz». Jedoch dürften sie erst eingeführt werden, wenn der Eingriff in die Intimsphäre der Menschen so gering wie möglich und mit dem Einsatz ein deutlicher Sicherheitsgewinn verbunden sei. FDP-Generalsekretär Christian Lindner ließ in der «Rheinischen Post» eine Zustimmung seiner Partei zum Einsatz der Scanner offen.
Der Leiter des Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, sagte der dpa, bislang sei ein Punkt in der Debatte vernachlässigt worden: «Ob eine hinreichend sichere Detektion möglich ist - dass ist eine Diskussion, die noch nicht ausreichend geführt wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass nicht hundert Prozent aller gefährlichen Gegenstände detektiert werden können.» Wenn die Körperscanner nicht deutlich mehr Sicherheit als die üblichen Kontrollen böten, sei der Einsatz unverhältnismäßig und unnötig.
Nach europäischem Recht sind Körperscanner bislang nicht an Flughäfen zugelassen, wie der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Stefan Paris, erklärte. Um die Scanner in Europa generell zuzulassen, müsste laut Paris eine entsprechende Verordnung geändert werden, indem die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten dafür stimmt. Es seien aber Ausnahmen für Tests an Flughäfen möglich, wenn sie bei der EU- Kommission beantragt und von dieser gebilligt worden seien. «Wir haben in Deutschland einen solchen Antrag nicht gestellt», sagte Paris. In den Niederlanden laufen derzeit Tests mit Körperscannern.
FDP und PaL sehen schon viele gemeinsame Vorgaben erreicht
Von Christian KarlDas Aushängeschild, der neue Parlamentarische Staatssekretär Dr. Max Stadler, hat jüngst in Berlin an Einfluss gewonnen. In Passau hat man nicht zuletzt aufgrund einer von drei auf acht Köpfe angewachsenen Stadtratsfraktion geballtes Mitspracherecht erhalten. Und mit Bürgermeister Dr. Anton Jungwirth sorgt einer der Ihren rathausintern und -extern für Ansehen: Das lokale Polit-Konsortium aus FDP und Passauer Liste (PaL) hat zum Jahresende durchaus Grund zur Zufriedenheit.
Einsatz für Jugendtreffs in Stadtteilen bis 2011
Fraktionsvorsitzender Dr. Max Stadler und einer seiner Stellvertreter, Andreas Dittlmann, betonen in ihrer persönlichen Bilanz, die FDP/Passauer Liste werde weiterhin kritisch, aber konstruktiv im Passauer Stadtrat arbeiten und je nach Sachfrage die Zusammenarbeit mit OB Jürgen Dupper suchen oder begründete Alternativen anbieten. Stadler und Dittlmann resümieren, dass mittlerweile etliche Punkte aus dem gemeinsamen Wahlprogramm von FDP und Passauer Liste realisiert worden seien.
So sei die Forderung nach einer DSL- und Breitband-Versorgung in bisher unerschlossenen Stadtteilen umgesetzt worden. Ein verbesserter, leistungsstarker Zugang zum Internet müsse stadtweit angestrebt werden, da dies einer der wichtigsten Standortfaktoren der Zukunft sei. Ein zentrales Thema der Stadtpolitik werde auch im Jahr 2010 die Jugendarbeit sein.
Stadler und Dittlmann erinnerten daran, dass die FDP/Passauer Liste einen zusätzlichen Streetworker gefordert hat. Die Kolleginnen Ursula Karl-Hellwing und Dr. Renate Zehner setzten sich dafür ein, bis zum Jahre 2011 in allen Stadtteilen offene Jugendtreffs zu schaffen. Dies solle im Zusammenhang mit dem Projekt "FamilienLeben Passau" geschehen.
Heinz Peter Höber habe schon jetzt erreicht, dass ein Familienpass für Familien und familienähnliche Lebensgemeinschaften aus dem Passauer Stadtgebiet eingeführt wurde, um einen Nachweis zu haben, z.B. bestehende Familientarife in städtischen Einrichtungen zu erlangen.
Zufrieden zeigte sich die FDP/Passauer Liste damit, dass beim Thema "Ringstraße" die von ihr schon im Wahlkampf 2008 vorgeschlagene Reihenfolge eingehalten worden sei: zuerst Probebetrieb und dann die endgültige Entscheidung über die Öffnung der Ringstraße. Diese sei trotz der Probleme zu manchen Tageszeiten zu begrüßen. "Leider konnten "unsinnige" Verkehrsführungen, die bei der Schließung der Ringstraße erforderlich waren, nicht aufgehoben werden", bedauerten Stadler und Dittlmann.
Kritik an "unsinnigen" Verkehrsführungen
Zur aktuellen Debatte erklärte die FDP/Passauer Liste: "Wir sprechen uns entschieden gegen eine Erhöhung der Parkgebühren aus und fordern den Erhalt der sogenannten Semmeltaste". Die zusätzliche Zahlungsmöglichkeit mittels Handy-SMS, wie sie Stadtrat Peter Pell angeregt hat, soll "baldmöglichst geschaffen werden".
Die FDP/Passauer Liste spricht sich für eine Fortschreibung und Umsetzung des Radwegekonzepts "spätestens mit dem Verkehrsentwicklungsplan" aus. Kurzfristige Lösungen wie sogenannte "Radfahrstreifen" seien zwar wünschenswert, deren Umsetzung in der Haitzinger- und Neuburger Straße sei aber nicht geglückt und bedürfe einer Überprüfung.
Stadler und Dittlmann betonten, die Fraktion habe sich schon aus Gründen der schnelleren Realisierbarkeit für den "sanften Donauausbau" eingesetzt. In diesem Zusammenhang sei es unverständlich, dass der Gesetzgeber immer noch keine Versicherungspflicht für Binnenschiffe auf der Donau angeordnet habe.
Im neuen Jahr komme es darauf an, die finanzielle Konsolidierung der städtischen Tochtergesellschaften voranzubringen. Planungen für Investitionen in regenerative Energiesparten bei den Stadtwerken seien zwar zu begrüßen, müssten aber - ohne ideologische Vorfestlegungen - unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit gesehen werden. "Nur eine Verringerung des Defizits sichert den Fortbestand der Stadtwerke", lautet die klare Position. Die Fraktion teile die Sorge um die - vor allem wegen der Tarifabschlüsse - steigenden Personalkosten bei der Stadt. Daher habe sie mit Erfolg darauf hingewirkt, dass der erforderliche zusätzliche Jurist erst 2010 und nicht schon vor einem halben Jahr eingestellt worden sei.
Ein weiteres Schwerpunktthema seien die Zustände am ZOB. "Lösungen mit verstärkter Polizeipräsenz müssen gefunden werden, um die Sicherheit der Fahrgäste und Bürger zu gewährleisten", so Stadler und Dittlmann unisono. Über Stadträtin Dr. Renate Zehner sei ein "Tabu-Problem" von der Fraktion thematisiert worden: eine intensivere Bekämpfung von Ratten in manchen Stadtteilen.
Keine Zustimmung für nutzlosen Kreisverkehr
Gegen Kritik aus den Öko-Parteien verteidigten Peter Pell und Andreas Dittlmann den Ausbau des nördlichen Brückenkopfes der Franz-Josef-Strauß-Brücke, um deren Leistungsfähigkeit zu steigern. "Das ist eine wesentliche Forderung, die teilweise mit dem Bau der "Hornbach-Brücke" umgesetzt wird." Darüber hinaus unterstütze die Fraktion den Vorstoß für ein neues Park & Ride-Konzept für die Stadt. "Als sinnvolle Maßnahme fordern wir eine Lösung für das Schulzentrum in der Neuburger Straße und die Schulen, Uni und das Klinikum in der Innstraße", so Antragsteller Dittlmann. Eine teure Errichtung eines Kreisverkehrs an einer Stelle, an der der Verkehr bisher ohne große Probleme läuft, werde es mit der FDP/Passauer Liste nicht geben.
Stadler gegen Nacktscanner
Die Debatte um Nacktscanner an deutschen Flughäfen gewinnt an Schärfe.
Noch zu Beginn des Jahres war der Nacktscanner parteiübergreifend abgelehnt worden. Jetzt bringt Innenminister de Maiziere die Idee wieder ins Spiel. Ein Vorschlag, den der niederbayerische Innen-Experte und FDP-Bundestagsabgeordnete Max Stadler sehr differenziert sieht.
Er unterscheidet genau zwischen den menschenunwürdigen Nacktscannern und der neuen Generation der sogenannten Körperscanner.
Durch sie soll die Intimsphäre der Menschen gewahrt bleiben
Stadler ist zuversichtlich, daß die neuartigen Körperscanner schnell entwickelt werden. Im Gespräch ist ein Einsatz bis Ende 2010.
Die Gewerkschaft der Polizei kritisiert die Diskussion um die Nacktscanner als politische Nullnummer. Es gebe schwere Versäumnisse bei der Luftsicherheit in Deutschland.
Menschen, Bilder, Emotionen – Das AS-Jahr im Rückblick
Zwei Passauer in Berlin: Andreas Scheuer und Max
Es war die Polit-Sensation des Jahres für unsere Region: Die beiden Passauer Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Scheuer (CSU) und Dr. Max
Bereits in den Wochen nach der Wahl hatte sich Scheuer intensiv bei den Koalitionsverhandlungen eingebracht. Seit 2002 sitzt er für die Passauer Region im Deutschen Bundestag. Er hat sich seit vier Jahren als Verkehrsexperte einen Namen gemacht und mischt jetzt auf der großen politischen Bühne in Berlin mit.
Ebenso sein Passauer Kollege Max
Stadler: Pläne des Verkehrsministers nützen der Region
Der Passauer FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Max Stadler begrüßte in einer Pressemitteilung die Pläne von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zum massiven Ausbau des Bahnverkehrs. „Diese Zielsetzung ist äußerst nützlich für unsere Region.“, kommentierte Stadler. Zwar gebe es in Niederbayern auch Nachholbedarf im Straßenbau, beispielsweise beim endgültigen vierspurigen Ausbau der A 94 sowie bei Lärmschutzmaßnahmen entlang bestehender Autobahnstrecken.
„Aber wir haben auch berechtigte Anliegen an die Bahn, etwa eine deutlich schnellere Verbindung von Passau nach München.“, betonte Stadler. Zudem müsse der grenzüberschreitende Bahnverkehr im Dreiländereck Niederbayern-Oberösterreich-Südböhmen neu konzipiert werden.
Stadler sprach die Hoffnung aus, dass die Grundlinie des neuen Bundesverkehrsministers auch günstig auf das Projekt „Ilztalbahn“ von Passau nach Freyung ausstrahle. „Auch wenn es hierfür keine unmittelbare Zuständigkeit des Bundes gibt, ist es doch gut zu wissen, dass wir jetzt einen Bundesverkehrsminister haben, der grundsätzlich die Möglichkeiten der Schiene positiv bewertet.“, erklärte der FDP-Abgeordnete.
Bundesverkehrsminister Ramsauer hatte letzte Woche darauf hingewiesen, dass man mit einer Zunahme des Güterverkehrs in Deutschland bis zur Mitte des Jahrhunderts um etwa
50 Prozent rechnen müsse. Ramsauer sagte, das Straßennetz werde diesen Zuwachs nicht verkraften können. „Wir müssen ihn deshalb möglichst vollständig auf die Schiene bringen. Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Das heißt nämlich, dass wir unser Schienennetz nutzen und massiv ausbauen müssen. Zudem brauchen wir völlig neue Strecken.“
Empfang für die Staatssekretäre
Anbei Text aus der Kurzeitung Bad Füssinghttp://www.johannesbad-bad-fuessing.de/Pressetexte_589_Ihre-Kurzeitung-im-Dezember.aspx
Die Zeitung ist unter folgendem Link zu finden:
Rechte Schläger
Körperverletzungsdelikte kaum zurückgegangenPolizei registrierte Im Ostteil der Stadt mehr Fälle
Rechte Gewaltdelikte in Berlin sind in den vergangenen Jahren im Durchschnitt nur geringfügig zurückgegangen. Verzeichnete das Landeskriminalamt (LKA) vor drei Jahren 85 Fälle von Körperverletzung, waren es vor zwei Jahren 70 und im vergangenen Jahr 80 Fälle. Sowohl die Statistiken der Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt?Reach Out? als auch die LKA-Zahlen belegen, dass rechte Angriffe im Wesentlichen Körperverletzungen sind. Laut dem am Dienstag vorgestellten Bericht der Landeskommission gegen Gewalt ist die allgemein politisch motivierte Kriminalität von rechts, zu denen unter anderem Volksverhetzung, Verleumdung oder Propagandadelikte zählen, allerdings zwischen 2006 (1912 Fälle) und 2008 (1377 Fälle) zurückgegangen.
Die Autoren der Studie schränken jedoch ein, dass die Daten nur sehr begrenzt Aussagen über die Dimension von rechter Gewalt zulassen. Die Tatorte sind auf die Bezirke ungleichmäßig verteilt. Auffallend sind die überdurchschnittlich hohen Fallzahlen in den Bezirken Pankow, Treptow-Köpenick und Lichtenberg. Deutlich ist in Berlin auch eine Ost-West-Trennung: In den westlichen Bezirken registrierte die Polizei im Schnitt weniger als fünf Fälle von rechter Gewalt pro Jahr, in den Ost-Bezirken waren es dagegen im Durchschnitt acht Fälle pro Jahr.
Laut einer Studie des Verfassungsschutzes in Berlin gibt es zwei Tätergruppen. Zum einen sind es Täter, die gegen tatsächliche oder für sie vermeintliche Migranten Gewalt anwenden (2008: 60 Fälle). Zum anderen werden Täter registriert, die gegen Linke oder staatliche Repräsentanten vorgehen (2008: 17 Fälle). Antisemitische Gewalttaten (2008: sechs Fälle) gab es dagegen deutlich weniger.
Dagegen standen der Antisemitismus und wie man mit ihm umgeht im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde am Montagabend: ?Antisemitismus als Herausforderung für die neue Bundesregierung? lautete das Thema der Diskussion, in der auch der Bundestagsbeschluss zum Kampf gegen Antisemitismus und zur Förderung des jüdischen Lebens vom November 2008 angesprochen wurde. Max Stadler (FDP), Staatssekretär im Bundesjustizministerium, verwies darauf, dass seine Kollegen und er sich seitdem wiederholt mit Stiftungen getroffen hätten, die sich gegen Antisemitismus engagieren. Auch in den Koalitionsverhandlungen hätten sie sich für diese Institutionen starkgemacht, was Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels, zu einer knappen Entgegnung veranlasste: ?Sie können wahrscheinlich nichts dafür, aber die ehrliche Antwort wäre gewesen: Die Politik konnte das Thema ein Jahr lang liegen lassen.? Es sei eben die Wahl dazwischengekommen, erwiderte Stadler. Anetta Kahane, Vorstandsvorsitzende der Amadeo-Antonio-Stiftung, beklagte, dass viele Programme zum Thema schon nach drei Jahren wieder auslaufen.
Thema war auch die Kritik an Israels Politik. Auf die Frage von Moderatorin Petra Lidschreiber, wie man Israel richtig kritisiere, antwortete Maroldt so: ?Das Kriterium ist eigentlich klar: Wenn Israel etwas falsch macht, ist es richtig, das Land dafür zu kritisieren, was es macht.? Aber nicht dafür, was es sei. Da beginne der Antisemitismus. Auch in der Bundesregierung gebe es da Unsicherheiten ? was fatal sei. sib/rni
Leben wir im Überwachungsstaat?
Hier kommen die Links zur aktuellen Folge der "Montagsfrage"mit Herrn Max Stadler
http://www.sueddeutsche.de/politik/723/496043/text
Politischer Aschermittwoch: FDP zieht um
Straubing. Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle will auch beim nächsten Politischen Aschermittwoch seiner Partei in Niederbayern auflaufen - und darf dann in einer größeren Halle sprechen. Dafür zieht die FDP mit ihrer Veranstaltung eigens von Passau nach Straubing in die Joseph-von- Fraunhofer-Halle um, wie die Niederbayern-FDP am Wochenende mitteilte. Der bisherige Veranstaltungsraum in Passau, die Peschl-Terrasse, sei den Liberalen bereits in den vergangenen Jahren zu klein geworden, hieß es. Die größte Halle in Passau - die Dreiländerhalle - belegt am Aschermittwoch seit Jahren traditionell die CSU. „Wir hätten die Großveranstaltung gerne in Passau behalten“, bedauert Justizstaatssekretär Max
Liberale wollten größere Halle in Passau mieten, doch die CSU war schneller Politischer Aschermittwoch: Die FDP zieht nach Straubing
von CHRISTOPH EBERLEDer nächste Politische Aschermittwoch der FDP (17. Februar 2010) findet erstmals seit gut zwölf Jahren außerhalb von Passau statt. Weil sie hier keinen passenden Veranstaltungsort fanden, müssen die Liberalen notgedrungen umziehen.
Wie Staatssekretär Max Stadler der AS gestern exklusiv mitteilte, wurde der Umzug am Freitagabend vom FDP-Landesvorstand beschlossen. Der Grund ist eigentlich ein erfreulicher: In letzter Zeit hatten die Versammlungen der Liberalen enormen Zulauf. Zum Auftritt von Guido Westerwelle am Karpfhamer Fest kamen heuer über 2 500 Zuhörer. Und beim jüngsten Aschermittwochstreffen platzte der bisherige Veranstaltungsort, die Peschl-Terrasse in der Roßtränke, aus allen Nähten.
Weil der dortige Saal für die Besucherzahl nicht mehr ausreicht, suchte die FDP jüngst nach Ersatz. Eigentlich habe man laut Stadler in die X-Point-Halle umziehen wollen. Doch die ist schon vermietet. Die CSU, deren Veranstaltung in der benachbarten Dreiländerhalle stattfindet, hat sie für ihre Helfer gebucht.
Der Landesvorstand entschloss sich daher schweren Herzens zum Umzug nach Straubing in die Fraunhofer-Halle. ?Wir hätten die Großveranstaltung gerne in Passau behalten?, sagt Max Stadler. Aber immerhin: Der Umzug ist nur befristet. Wie FDP-Landesvorsitzende und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gestern erklärte, gilt die Regelung nur für 2010. Für die Zeit danach hoffe man auf eine Rückkehr nach Passau.
Wegen großen Zulaufs: FDP-Aschermittwoch künftig in Straubing
Kurzfassung der PM: Weil die Peschl-Terrasse als Veranstaltungsort für den Politischen Aschermittwoch der FDP zu klein geworden ist und ein passender Ersatzraum nicht zur Verfügung stand, zieht die FDP im Jahre 2010 mit ihrem Politischen Aschermittwoch in die Fraunhofer-Halle nach Straubing um. Hauptredner wird Außenminister Dr. Guido Westerwelle sein. Wie Staatssekretär Dr. Max Stadler und und FDP-Kreisvorsitzender Korbinian Faltner mitteilten, gilt diese Entscheidung nur für das nächste Jahr. Die Passauer Liberalen hoffen, dass sich künftig wieder eine geeignete Veranstaltungsmöglichkeit in Passau ergibt und die traditionelle Aschermittwochskundgebung wieder in die Dreiflüssestadt zurückkehrt.Langfassung der PM:
Wegen großen Zulaufs: FDP-Aschermittwoch künftig in Straubing
Die Aschermittwochsveranstaltung der FDP zieht 2010 erstmals von Passau nach Straubing um. Das beschloss der FDP-Landesvorstand am Freitagabend (gegen die Stimme des Freyunger Stadtrats und FDP-Landesvorstandsmitglieds Gerhard Drexler). Der Grund: In letzter Zeit gab es einen erfreulich großen Zulauf zu den Versammlungen der Liberalen. So kamen etwa zum Auftritt von Guido Westerwelle am Karpfhamer Volksfest 2.500 Zuhörer, und auch die Passauer Peschl-Terrasse platzte beim letzten Aschermittwochstreffen aus allen Nähten. „Wir hätten diese Großveranstaltung gerne in Passau behalten.“, betonten FDP-Kreisvorsitzender Korbinian Faltner und MdB Dr. Max Stadler. Aber der traditionsreiche Peschl-Saal in der Roßtränke habe für die zu erwartende Besucherzahl einfach nicht mehr ausgereicht. Die Passauer Liberalen bedauern, dass die X-Point-Halle, die als örtliche Alternative in Betracht gekommen wäre, schon von der CSU angemietet worden ist, die in Kohlbruck ohnehin in der benachbarten Dreiländerhalle tagt. Daher entschloss sich der Landesvorstand zum Umzug nach Straubing in die Fraunhofer-Halle.
Die FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erklärte am Samstag: "Diese Entscheidung gilt erst einmal nur für 2010." Die Passauer Liberalen hoffen, dass in den Jahren darauf wieder eine passende Halle in Passau zur Verfügung steht und der Politische Aschermittwoch wieder an seinen angestammten Ort zurückkehrt, nämlich nach Passau!
FDP: Im Herzen der Stadt - nah am Bürger
Wo, wenn nicht in Passaus Neuer Mitte könnte die Partei des Mittelstands - die FDP - besser platziert sein? Näher am Bürger zu sein, in zentraler Lage und leicht erreichbar, das waren die Hauptkriterien für die Passauer Liberalen, ihr neues Bürgerbüro im Dittlmann Haus einzurichten, sagt Kreisvorsitzender
Vor allem aber sind die neuen Räumlichkeiten auch eine Anlaufstelle für Staatssekretär Dr. Max
Neben der guten Verkehrsanbindung haben FDP und PaL zudem die Möglichkeit, sich dank der Außenwerbung am Haus unmittelbar an Passanten zu wenden. Ein großer Schaukasten informiert die Bürger zu aktuellen politischen Themen und lädt zur direkten Kontaktaufnahme ein. Eine in der Tat strategische Wahl also, die dem gewachsenen Anspruch der Bürgerinnen und Bürger an die FDP gerecht werden soll - und sich sicher auszahlen wird. (af)
Stadtrat bremst Beamten-Aufstieg: Aus Höherem Dienst wird nichts
... zumindest vorerst nicht−Kandidaten müssen erstmal ein Jahr warten
VonThomas Seider
Die Stadtverwaltung wollte zwei ihrer Beamten aus dem Gehobenen Dienst zum Aufstieg in die Spitzen-Laufbahn des Höheren Diensts zulassen − sein sollen hätten dies der frühere OB-Sprecher und derzeitige Leiter des Liegenschaftsamts Walter Simader und Wirtschaftsreferent Werner Lang. Doch daraus wird nichts: Der Stadtrat hat ohne Rücksicht auf die Person der Kandidaten jeden Aufstieg abgelehnt. Erst in einem Jahr will er wieder über dieses Thema sprechen. Diese Entscheidung sei ein Gebot der jetzigen angespannten Finanzlage mit sprunghaft gestiegenen Personalkosten.
Die Entscheidung im Personalausschuss fiel mit nur einer Stimme Mehrheit. Dabei folgten OB Jürgen Dupper weder seine SPDFraktion mit Vorsitzendem
Dupper hatte den Standpunkt der Verwaltung vertreten: Der Laufbahn-Aufstieg zweier gut geeigneter Kandidaten sei dazu angetan, die in einigen Jahren entstehenden Lücken in den Reihen des Höheren Diensts zu schließen. Als Ruheständler eingeplant sind 2014 Finanz- und Personalreferent Dr. Heinz-Günter Kuhls, 2016 Kultur und Schulreferent Dr. Max Brunner und 2018 Archäologe Dr. Jörg-Peter Niemeier. Demgegenüber hat die Stadt bislang nur eine Neueinstellung im Höheren Dienst vorgesehen − einen Juristen, der für 2010 gesucht wird.
Im laufenden Jahrzehnt hatte der Höhere Dienst acht Ab- und nur zwei Zugänge. Derzeit zählt diese Spitzengruppe im Rathaus sechs Beamte. Den Aufstieg haben in den vergangenen zehn Jahren drei Beamte absolviert: der später als vhs-Geschäftsführer abgestellte und inzwischen in den Ruhestand getretene GerhardMader, der heutige Ordnungs- und Sozialreferent Josef Zacher und Stadtentwicklungsreferent Udo
Im Vorfeld der Personalausschuss-Sitzung öffentlich schwer in der Kritik gestanden war die Personalie Walter Simader. OB Dupper nutzte die Debatte, eine Ehrenerklärung für ihn abzugeben. Zehn Jahre sei Simader als
Der Einstieg in die Aufstiegs-Laufbahn sei auch keine Beförderung, betonte Dupper. Auf die müsste Simader dann noch fünf Jahre warten. Erst als etwa 60-Jähriger könnte er von seiner jetzigen A 13-Besoldung nach A 14 befördert werden, erst dann würde sich der Aufstieg in den Höheren Dienst gehaltsmäßig auszahlen. Den Vorwurf, er sei während seiner Zeit als Sprecher von OB Albert Zankl wegen einer falschen eidesstattlichen Versicherung „zu einer Geldstrafe verurteilt“ worden, hat Simader selbst schon mehrfach gerade gerückt: Das Gericht habe damals gegen ihn keine Geldstrafe ausgesprochen, sondern lediglich eine ungleich mildere „Verwarnung mit Strafvorbehalt“.
Über die Personen Simader und auch Lang debattierte der Ausschuss aber gar nicht erst. Die knappe Mehrheit sah so oder so nicht den richtigen Zeitpunkt für das Thema Aufstieg gegeben. Die Personalkosten steigen von 30,8 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 33,3 Millionen 2010. Auch soll erst noch das neue Personal-Entwicklungskonzept abgewartet werden, bevor dann in einem Jahr über Aufstiege entschieden wird.
Das Wohl des Landes im Blick, die Heimat im Herzen
Empfang für die beiden Passauer Staatssekretäre Andreas Scheuer und Max Stadler bei Landrat Franz Meyer
Von Helmut Preuß
Passau. Um die Wette haben die beiden frisch gebackenen Staatssekretäre Dr. Andreas Scheuer (CSU, Verkehrsministerium) und Dr. Max Stadler (FDP, Justizministerium) beim Empfang im Landratsamt am Samstagvormittag gestrahlt. Landrat Franz Meyer beglückwünschte sie herzlich, gab ihnen aber auch mit auf den Weg, "unsere gemeinsame Heimatregion bei allen bundesweiten Verpflichtungen nicht zu vergessen."
"Das hat es noch nie gegeben: Gleichzeitig zwei Mitglieder aus der Region im Bundeskabinett", betonte der Landrat. Für Andreas Scheuer sei dies, "ein gewaltiger Karrieresprung", für Max Stadler "die Krönung seiner politischen Laufbahn". Nun dürfe man beide nicht mit Forderungen und Erwartungen überfordern. Schließlich seien sie jetzt für die gesamte Bundesrepublik zuständig. Allerdings, so Meyer an die Adresse Scheuers und Stadlers, "erwarten wir schon auch, dass die Anliegen des Passauer Landes bei Ihnen gut aufgehoben sind." Der Landrat sprach dabei insbesondere von der Unterstützung beim Ausbau der Infrastruktur, bei Straßenbau und Breitbandversorgung.
Andreas Scheuer dankte bei seiner kurzen Ansprache Ex-Kollegin Jella Teuchner für ihre Arbeit in der "gemeinsamen Passauer Runde", die noch Klaus Rose begründet hatte. "Der erste Eindruck ist schon überwältigend", meinte der junge Staatssekretär dann zu seinen neuen Aufgaben und sagte konkret: "Als ich kürzlich die Ausschreibung für das Satelliten-Navigationssystem Galileo für eine Milliarde Euro unterschreiben musste, habe ich schon kurz den Stift beiseite gelegt."
Nunmehr sei er zusammen mit Peter Ramsauer Chef über 1600 Mitarbeiter im Haus und 25 000 weitere in nachgelagerten Behörden. Zuständig sei er für alle Maßnahmen im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern, führe kommende Woche bereits Gespräche über den Weiterbau der A 94 im Bereich Tutting-Pocking. "Ich weiß, wo ich herkomme und dass meine Heimat oberste Priorität hat", schrieb Scheuer ins Goldene Buch.
Max Stadler sah in seiner Ernennung "eine große Anerkennung für mich" , nannte mit den Arbeitsbereichen "Internet und Recht" und "Arbeitnehmer-Datenschutz" gleich die ersten beiden Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit. Gefragt sei er in den kommenden Tagen beim "IT-Gipfel" und bei den Verhandlungen mit den USA zum neuen "Swift-Abkommen". "Die Amerikaner möchten in Banküberweisungen Einblick erhalten. Da gibt es aber große Bedenken bei der deutschen Wirtschaft", erläuterte Stadler. Erfahren habe er außerdem bereits, "dass es einen großen Unterschied macht, ob man in der Opposition etwas fordert oder ob man nun direkt mit dem amerikanischen Botschafter darüber verhandeln muss".
Auch dürfe man zu Hause jetzt keine Wunderdinge erwarten, was der Streit um Mineralölsteuer und Tanktourismus in der Vergangenheit schon gezeigt habe, sagte der Justiz-Staatssekretär. Da sei man gegen die Mehrheit der Abgeordneten "aus dem Binnenland" einfach machtlos gewesen.
Ebenso wie Andreas Scheuer betonte auch Max Stadler seine Verbundenheit zu Passau, was sein Verbleib im Stadtrat belege. "Wir bleiben bewusst in der Kommunalpolitik, nicht weil wir zu wenige Termine hätten, sondern weil wir unsere Verwurzelung in der Region haben", sagte er und brach flugs auf zum Auswärtsspiel des SV Schalding-Heining nach Hof.
Staatssekretäre beim Landrat
Landrat Franz Meyer empfing gestern erstmals die beiden Staatssekretäre Max Stadler (FDP) und Andreas Scheuer (CSU) im Landratsamt. Meyer gratulierte den beiden Passauern zu ihren neuen Ämtern und wünschte sich von ihnen Unterstützung für den Landkreis - besonders beim Ausbau des Breitband-Internets, Straßenbau (A94) und in sozialen Fragen. Scheuer und Stadler berichteten von ihren ersten Erfahrungen als Staatssekretäre. Obwohl sie durch die Arbeit in Berlin weniger Freizeit hätten, wollen sie sich auch weiterhin in ihrer Heimat engagieren. (vp)
Stadler und Scheuer bleiben Stadträte
Dem Passauer Stadtrat bleiben seine zwei Parlamentarischen Staatssekretäre erhalten. Nachdem bereits Max Stadler (FDP) vor Wochenfrist mitgeteilt hatte, dass er sein kommunales Amt trotz der Beförderung ins Justizministerium beibehalten wolle, wird nun auch Andreas Scheuer (CSU) weitermachen. Die Passauer Abgeordneten haben von der Bundesregierung nun eine entsprechende Genehmigung erhalten, um beide Ämter ausüben zu können. Dies teilte Max Stadler gestern der PNP mit. - redDer OB als Vorleser
OB Jürgen Dupper hat gestern den Schülern der Ganztagsklasse 1a der Hans-Carossa-Grundschule Heining-Schalding eine kurzweilige Unterrichtsstunde beschert. Er las anlässlich des bundesweiten Vorlesetags das von Irina Koschunow verfasste Büchlein "Es muss auch kleine Riesen geben" vor. Dupper band die kleinen Zuhörer mit ein, stellte Fragen und einen Bezug zu den Erlebnissen des kleinen Riesen her. Er redete mit ihnen darüber, wie es ist, von anderen ausgelacht zu werden oder wenn man Ärger zu Hause hat, weil man keinen Spinat essen mag. Vor allem aber motivierte er die Schüler zum Lesen und Geschichten hören: "Es gibt nichts Schöneres als sich auf die Couch zu kuscheln, Tee zu trinken und vorlesen zu lassen." Zum Vorlesetag kamen unter anderem auch Staatssekretär Dr. Max Stadler, Pfarrer Thomas Brandl und Stadtrat Armin Dickl an die Hans-Carossa-Grundschule. MdL Bernhard Roos las in der Hacklberger Grundschule. - tx„Dieses Europa ist eine ungeheure Erfolgsgeschichte“
*Passau. *Der ehemalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher hat im Passauer Medienzentrum den Menschen in Europa Award entgegen genommen. Der Preis, so die Veranstalter, soll hierbei nicht nur eine lobende Ehrung sein für die Verdienste Genschers um die deutsche Einheit, sondern vor allem ein Zeichen des Dankes für einen „Brückenbauer des Friedens“ sein. Die Laudatio hielt der Präsident des Europäischen Parlaments, Prof. Jerzy Buzek.Den Rahmen für die Ehrung bildete eine Podiumsdiskussion: Genscher, der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel, der Menschenrechtler Dr. Joachim Gauck und die Politikerin Dr. Walburga Habsburg Douglas diskutierten mit Wolfgang Herles (ZDF) über die vielen Seiten der deutschen Wiedervereinigung und ihrer Bedeutung für die Entwicklung des vereinten Europas.
„Ich denke, dass wir in Europa 20 Jahre danach sagen können: Mann kann aus der Geschichte lernen“, sagte Genscher, der für seine flammende Eröffnungsrede großen Beifall erntete. „Dieses Europa ist eine ungeheure Erfolgsgeschichte.“ Waigel bekräftigte: „Wir haben mit Europa das Großartigste erreicht, was es gibt: einen dauerhaften Frieden.“ Gauck sieht das vereinte Deutschland indes 20 Jahre nach dem Mauerfall auf dem Weg zu einem eigenen, gesunden nationalen Selbstbewusstsein. Ein Land müsse sich Zeit lassen, sich seiner Selbst bewusst zu werden. „Wir hatten nie bessere Chancen dafür als jetzt“, so Gauck.
Auch vier Zeitzeugen der Wende aus der Dreiländerregion und darüber hinaus kamen auf dem Podium zu Wort.
Niederbayer gewinnt die Herzen
Staatssekretär Stadler bleibt im Stadtrat
Auch als Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesjustizministerin bleibt Max Stadler Mitglied des Passauer Stadtrats. Das hat er gestern nach einer Besprechung mit seiner Fraktion FDP/Passauer Liste im Stadtratsplenum bekannt gegeben. OB Jürgen Dupper gratulierte zur „weisen Entscheidung“. Er hoffe, auch der Parlamentarische Verkehrs-Staatssekretär Andreas Scheuer (CSU) werde im Stadtrat bleiben - beide Sätze quittierte das gesamte Plenum mit Applaus. Scheuer fehlte gestern wegen einer gleichzeitigen Sitzung in Berlin. Am Telefon sagte er, auch er wolle - die Erlaubnis der Bundesregierung vorausgesetzt - im Stadtrat bleiben. Der OB beglückwünschte Scheuer in Abwesenheit und Stadler persönlich zu den hohen Ämtern. Stadler überreichte er eine Wanduhr fürs Dienstzimmer, die dort tatsächlich bislang noch fehlte. - sdrEr wäre der perfekte Justizminister...
Hinweis auf http://mediendenk.com/buergerblick/web_bb29.pdfUnter diesem Link ist die Druckausgabe Oktober 2009 der Passauer Monatszeitung "Bürgerblick" zu finden und dort auf Seite 22/23 ein Porträt über Max Stadler
Keine Ahnung, Herr Dr. Stadler?
Zum Artikel „Staatssekretär will Laden-Öffnungszeiten freigeben“ vom 6. November:Herr Max Stadler - Staatssekretär im Justizministerium, nicht im Wirtschaftsministerium - darf mich gerne in meinem beruflichen Alltag begleiten und sich auch mit den Sorgen und Nöten der Einzelhändler, egal welche Branche, mit auseinandersetzen. In meiner täglichen Beratungstätigkeit bei den Einzelhandelsunternehmen sind auch die Öffnungszeiten ein heikles Thema.
Für die „kleinen“ Handelsgeschäfte, die sowieso nur noch mit den Inhabern selbst betrieben werden (können), weil der „übermächtige“, zentralisierte Einzelhandel mit seiner Preis- und Sortimentspolitik den kleineren Geschäften keine Chance mehr gibt, stellt sich die Frage nach längeren Öffnungszeiten nicht. Man kann nicht Tag für Tag zwanzig Stunden im Laden stehen, im Urlaub seinen Laden zusperren, und am Jahresende ein positives Betriebsergebnis erwarten.
Große Unternehmen und Filialbetriebe haben es da wesentlich leichter. Man kann öffnen, so lange man will, neben dem ausgedünnten Stammpersonal bedient man sich dort so genannter „Geringverdiener“ (welch ein abwertendes Wort). Das meiste sucht sich der Kunde zu gesenkten Preisen oder zu „sagenhaften“ Rabatten im Regal sowieso selbst. Sicher, so der Staatssekretär weiter, ist es nicht besonders angenehm, wenn diese „Geringverdiener“ dann abends bis spät in die Nacht im Laden stehen. Es leidet nicht nur ein geregeltes Familienleben darunter, das Herr Stadler und seine Kollegen bei allen Möglichkeiten hervorhebend erwähnen, schlimmer ist, dass diese Menschen für Null Rente, Null Arbeitslosenversicherung und Null Aufstiegschancen Dienst tun.
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*Übermächtige Konzerne*
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Jetzt könnte man sagen, diese Leute sind selbst Schuld, dass sie keinerlei Vorteile aus ihrem Job haben, aber da steht, wie oben gesagt, die Personalpolitik der „übermächtigen“ Konzerne dagegen. Geringe Preise und längere Öffnungszeiten erfordern geringe Kosten, eine ganz einfache Rechnung. Beides kann der „kleine“ Einzelhändler nicht rechnen.
Mit freigegebenen, längeren Öffnungszeiten haben die Einzelhändler in Stadt und Land schlicht und ergreifend geringere Chancen, in der Handelslandschaft dauerhaft zu bestehen. In Konzernen und zentral gesteuerten Unternehmen tut man sich da wesentlich leichter, Organisationen mit längeren Öffnungszeiten aufzubauen. [...]
Herr Stadler kann sich sicher gut vorstellen, dass man in kleinen Orten verlängerte Öffnungszeiten nicht durchsetzen kann und die Menschen dann dorthin fahren, wo diese angeboten werden.
Schade ist nur, dass Herr Stadler anscheinend wirklich nicht weiß, welche Sorgen und Nöte die inhabergeführten Einzelhandelsunternehmen jetzt und in Zukunft haben. Lassen die Umsätze nach, verringern sich die Erträge, verringern sich die Erträge, bleiben Investitionen aus, bleiben die aus, kommen keine Kunden mehr in diese Geschäfte. Ein Kreislauf, der sich dann in den Leerständen in den Orten und auch Städten zeigt, manchmal unannehmbar hoch.
Wo bleibt die „gesunde“ Handelsstruktur (Einkaufserlebnis), die von allen Politikern, auch von der FDP gefordert wird? Oder wollen selbst die Vertreter der FDP jene Handelsstruktur, die sich derzeit entwickelt, wo alle Einkaufszentren und Outlets in jeder Stadt gleich aussehen, gleich gestaltet sind, meistens ohne Individualität? Und Herr Stadler hat noch nicht bemerkt, dass der inhabergeführte Einzelhandel seit Verlängerung der Öffnungszeiten doch Probleme hat, die er nur so lösen kann, dass man sein Geschäft aufgibt. Die prophezeite Entwicklung ist irgendwie doch eingetroffen.
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*Auswirkungen überlegen*
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Kein Mensch möchte die Zeit zurückdrehen, auch der selbstständige Händler nicht. Aber man sollte sich immer vorher überlegen, welche Auswirkungen Forderungen von Politikern haben, die nicht mit den Beteiligten diskutiert und durchgespielt werden. Und noch einen Tipp an Herrn Stadler: Er kann ja seinen „Befürworter“, den Herrn Dittlmann einmal fragen, warum er sein Geschäft aufgegeben hat und an zwei zentral geführte Einzelhandelsunternehmen vermietet hat. Vielleicht schwächt dies dann seine Aussage ab.
Josef Himsl, Obernzell
UMFRAGE: Und was sagen die Passauer dazu?
Doris Aschenberger (26), Einzelhandelskauffrau: „Ich finde die Freigabe nicht gut. Zum Einen, weil ich selber von längeren Arbeitszeiten betroffen wäre. Zum Anderen finde ich es aber auch für den Kunden verwirrend, wenn die Öffnungszeiten der einzelnen Geschäfte noch weiter von einander abweichen. Die Leute kaufen auch nicht mehr, nur wann anders.“
Karin Nigl (52), Bankangestellte: „Die meisten Geschäfte haben schon bis 20 Uhr offen, das finde ich in Ordnung. Viel wichtiger als die Öffnungszeiten freizugeben fände ich, dass sie mal vereinheitlicht werden. Das Durcheinander beim Ladenschluss in Passau finde ich störend.“
Andrea Meissner (51), in der Gastronomie tätig: „Ich persönlich komme mit den derzeitigen Öffnungszeiten gut zurecht. Bis um 20 Uhr kann ich alles, was ich brauche, besorgen. Ich finde den Vorschlag, sie freizugeben aber gut, weil man den Geschäftsleuten mehr Spielraum lässt. Sie sollten selbst entscheiden können, wie lange sie öffnen wollen oder eben nicht.“
Ewald Doriat (49), Postbeamter: „Für mich als Kunde wäre es angenehm, wenn Geschäfte länger geöffnet wären. Die Leute, die dort beschäftigt sind, wollen aber sicher auch irgendwann mal Freizeit. Es muss ja nicht unbedingt täglich sein, aber wenn tageweise mindestens bis 21 oder 22 Uhr offen wäre, wäre das vielleicht ein guter Kompromiss.“
Petra Preiss (25), Mediengestalterin: „Wenn die Geschäfte von Montag bis Samstag bis 20 Uhr auf haben, reicht das doch völlig, um seine Einkäufe erledigen zu können. Man muss auch mal an die Leute denken, die da arbeiten. Es steht sicher niemand gern bis Mitternacht oder länger im Geschäft, auch nicht, wenn man seinen Job mag.“*Barbara Steidl (50), kaufm. Angestellte:* „Ich fände längere Öffnungszeiten ganz gut. Ich selbst arbeite Halbtags und kann immer Mittags einkaufen gehen. Aber für Leute, die bis 20 Uhr arbeiten müssen, finde ich es sinnvoll. Länger als bis 21 muss und sollte man aber meiner Meinung nach nicht auf haben.“
Staatssekretär will Laden-Öffnungszeiten freigeben
Max Stadler verteidigt den Vorstoß seiner FDP, dass die Kommunen frei über die Schlusszeiten entscheiden können - "Chancengleichheit mit Onlinehandel"
PNP: In Berlin sind Sie persönlich freie Öffnungszeiten gewöhnt. Wann haben Sie zum letzten Mal nach 20 Uhr etwas eingekauft?
Max Stadler: Ich gehe gerne in Passau zur langen Einkaufsnacht im Modehaus Wöhrl. Das war mein letzter Abend-Einkauf (zwei Anzüge). In Berlin gehe ich gar nicht shoppen, sondern ich bringe alles von Passau mit. Nur Rasiercreme und andere Kosmetikartikel, die man im Flugzeug nicht mitnehmen darf, kaufe ich in einer Drogerie in der Jägerstraße. Das ist aber schwierig, denn diese Drogerie schließt leider schon um 20 Uhr, da bin ich von meinen Terminen noch nicht zu Hause.
Ihr Koalitionspartner CSU ist der Meinung, dass das Thema keinen Menschen derzeit besonders umtreibt (Renate Dodell). Mit welchen Argumenten versuchen Sie, dieses Bremspedal zu lockern? Warum geht die FDP das Thema gerade jetzt an?
Uns geht es um ein Stück mehr Entscheidungsfreiheit für die Ladenbesitzer und die Kommunen. Jede Stadt und jede Gemeinde weiß doch selbst am besten, was vor Ort am besten passt.
Der Vorwurf der SPD lautet, dass eine Freigabe der Öffnungszeiten kleinere Läden in den Ruin treiben würde und nur den großen Filialisten und Ketten nutzt. Verstößt die FDP also gegen ihre erklärte Absicht, gerade die kleineren und mittleren Betriebe zu stärken?
Diesen Vorwurf habe ich schon gehört, als die Ladenöffnungszeit abends auf 20 Uhr ausgeweitet worden ist. Die prophezeite negative Entwicklung ist aber nicht eingetreten. Auch am Samstag musste früher schon am Mittag geschlossen werden. Die Zeiten wünscht sich doch kaum jemand zurück. Und viele sind froh, dass man am Sonntagfrüh frische Semmeln und eine neue Zeitung kaufen kann. Das war früher verboten.
Nicht nur die Passauer Innenstadt ist um 19.30 Uhr eher spärlich bevölkert. Warum sehen Sie dennoch Bedarf an längeren Öffnungszeiten?
Die FDP will keinen Zwang zu längeren Öffnungszeiten, sondern nur die Freiheit, länger zu öffnen, wenn man das in der jeweiligen Kommune will. Wenn in Passau entschieden würde, dass alles beim alten bleibt, wäre dies von uns natürlich zu akzeptieren.
Will man dem Ladenhandel höhere Chancen gegenüber dem Online-Handel geben?
Ja, das ist ein entscheidender Punkt: Online-Bestellungen sind rund um die Uhr möglich, also muss man die Wettbewerbschancen für den örtlichen Einzelhandel verbessern.
Sind längere Öffnungszeiten familienfeindlich, da ja sehr oft Frauen in Teilzeit im Einzelhandel beschäftigt sind?
Natürlich ist es oft nicht angenehm, abends noch zu arbeiten, Das gilt aber für viele Berufe. Ich teile daher diese Meinung, längere Öffnungszeiten seien familienunfreundlich, nicht. Viele Frauen wollen ja Teilzeitarbeit, um sich in der restlichen Zeit um die Familie kümmern zu können.
Interview: Franz Danninger
Kuhstall statt Tigerente
Kuhstall statt Tigerente
<http://blogs.taz.de/ctrl/2009/10/29/kuhstall_statt_tigerente/>
von Ron Steinke
Nachdem die neue Biene Maja- <http://www.zeitjung.de/ZEITGESCHEHEN/artikel_detail,4555,Biene-Maja-liegt-im--Sterben.html> bzw. Tigerenten- <http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2009/bundestagswahl/tid-15643/schwarz-gelb-koalition-wird-tigerentenclub_aid_439153.html> bzw. Hornissen- <http://www.sueddeutsche.de/politik/854/492214/text/>Regierung gestern ihre Ernennungsurkunden bei Horst Köhler abholen durfte, beginnt der Tag für die Ministeriumsmitarbeiter heute unter neuen Chefs. Für den Bereich der Inneren Sicherheit gibt es zwei neue alte Gesichter, die in den vergangenen Wochen schon für beträchtliche Vorfreude unter Journalisten gesorgt haben: Hier die Jeanne d’Arc der Bürgerrechte, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, und an ihrer Seite der nicht minder bürgerrechtsbewegte Max Stadler als Staatssekretär (beide FDP)....
AS-Echo
Reaktionen auf die Berichterstattung der Am Sonntag:
Mit Glückwünschen überhäuft werden seit einer Woche die beiden neuen Parlamentarischen Staatssekretäre Max Stadler (FDP/Justiz) und Andreas Scheuer (CSU/Verkehr). Die AS erfuhr als erstes Medium von der regionalen Polit-Sensation. Über 100 persönliche Gratulations-Briefe, E-Mails und SMS haben die beiden Passauer jeweils erhalten.
Darunter auch ganz besondere, wie sie nun der AS verrieten: Zu den ersten Gratulanten von Max Stadler gehörte etwa Passaus Diözesanbischof Wilhelm Schraml, der einen handschriftlichen Brief übersandte. Stadler bedankte sich und ging auf einen AS-Artikel ein, in dem der Bischof vor der Wahl mahnende Worte an die Politiker richtete.
Bei Andreas Scheuer gehörte auch ein früherer Polit-Rivale zu den erfreuten Gratulanten: Ex-Staatssekretär Klaus Rose. Scheuer zur AS: „Das hat mich sehr beeindruckt - und ich weiß das zu schätzen. Natürlich werde ich in Zukunft auch auf seinen Rat und seine Erfahrung zurückgreifen.“
Scheuer (CSU) und Stadler (FDP) sorgen für die Polit-Sensation des Jahres
Passau bekommt zwei Staatssekretäre!von SEBASTIAN DAIMINGER
Es ist die Polit-Sensation des Jahres für unsere Region: Die beiden Passauer Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Scheuer (35, CSU) und Dr. Max Stadler (60, FDP) werden in der neuen Regierung jeweils ein Amt als Parlamentarischer Staatssekretär bekleiden!
Selten war Politik so spannend wie gestern: Während bei Scheuer schon in der Nacht auf Samstag klar wurde, dass er als Staatssekretär unter dem designierten Verkehrsminister Peter Ramsauer dienen könnte, waren es bei Stadler noch viele Stunden des bangen Wartens. Erst auf den letzten Drücker wurde er gestern Nachmittag nominiert.
Scheuer bestätigte in einer ersten Stellungnahme gegenüber der AS-Redaktion: „Kurz vor Mitternacht kam der entscheidende Anruf. Für mich war es eine absolute Überraschung!“ Sein bisheriger Landesgruppenchef bzw. künftiger Verkehrsminister Peter Ramsauer hatte ihn persönlich kontaktiert. Scheuer und Ramsauer pflegen ein geradezu freundschaftliches Verhältnis. Der Passauer gab bei der telefonischen Anfrage sofort seine Einwilligung.
Erleichtert sagte er gestern: „Ich werde das Amt mit Demut annehmen, für mich geht damit ein absoluter Lebenstraum in Erfüllung. Ich kann es eigentlich noch gar nicht fassen!“
Bereits die ganzen letzten Wochen nach der Wahl hatte sich Scheuer intensiv bei den Koalitionsverhandlungen eingebracht. Seit 2002 sitzt er für die Passauer Region im Deutschen Bundestag. Es hat sich seit vier Jahren als Verkehrsexperte einen Namen gemacht und wird künftig auf der großen politischen Bühne in Berlin mitmischen. Ebenso sein Passauer Kollege Max Stadler, der gestern Vormittag noch etwas nervös wirkte. Während er bereits von Scheuers Nominierung erfahren hatte, gab es bezüglich seiner Personalie noch keinerlei Hinweise auf eine Besetzung als Staatssekretär. Obwohl er ein Top-Wahlergebnis einfuhr und als geschätzter Experte für Innere Sicherheit gilt. Doch kurz vor der Fraktionsvorstands-Sitzung um 12 Uhr wendete sich das Blatt noch für Stadler. Sein Parteichef Guido Westerwelle äußerte in der Runde den persönlichen Wunsch, Max Stadler als Staatssekretär für das Justizministerium zu nominieren. Einstimmig wurde das abgenickt - Stadler wird der designierten Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die ebenfalls aus Bayern kommt, zur Seite stehen. „Die Sache war nicht ganz klar, weil es auf Grund der regionalen Verteilung eher unwahrscheinlich erschien“, erklärte ein erleichterter Max Stadler, der seit 1994 im Bundestag sitzt. „Ich empfinde jetzt große Freude. Scheuer und ich haben uns bereits gegenseitig beglückwünscht und unseren Wahlkampf damit endgültig beendet!“
Max Stadlers erste Amtshandlung: Er legt Aufsichtsratsmandat nieder
Der Staatssekretär darf dem Stadtwerke-Kontrollgremium nicht mehr angehörenDa strahlt Dr. Max Stadler: Die Justizministerin überreicht ihm die Ernennungsurkunde zum Parlamentarischen Staatssekretär.
Von Michael Koch
Es ist ihm nicht leicht gefallen, doch es musste sein: Gestern hat der neue Parlamentarische Staatssekretär bei der Justizministerin, Dr. Max Stadler (FDP), in seiner ersten Amtshandlung an OB Jürgen Dupper geschrieben. Er teilte dem Rathauschef die Niederlegung seines Aufsichtsratsmandats bei den Stadtwerken mit. Begründung: Parlamentarische Staatssekretäre dürfen nach dem Bundesministergesetz neben ihrem Amt kein anderes besoldetes Amt, kein Gewerbe und keinen Beruf ausüben. Sie dürfen während ihrer Amtszeit auch nicht dem Vorstand, Aufsichtsrat oder Verwaltungsrat eines auf Erwerb ausgerichteten Unternehmens angehören. „An die äußerst interessante Tätigkeit, die engagierten Debatten über wichtige Themen und die gute kollegiale Zusammenarbeit denke ich mit Dankbarkeit zurück“, schrieb Stadler. Wer dem Bundespolitiker aus der Stadtrats-Fraktion FDP/Passauer Liste nachfolgen wird, ist noch offen.
Max Stadler wurde inzwischen von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vereidigt. In einem sehr festlichen Rahmen im sogenannten „Frankfurter Zimmer“ des Justizministeriums an der Mohrenstraße in Berlin-Mitte. Mit dabei: Die Präsidenten der Obersten Bundesgerichte, die Generalbundesanwältin, der Bundesdatenschutzbeauftragte und weitere hochrangige Persönlichkeiten.
Im Anschluss traf sich Stadler mit seinem Vorgänger Alfred Hartenbach (SPD). Ein lockeres Gespräch, das sich auch um Passau drehte. Ex-Staatssekretär Hartenbach kennt die Stadt sehr gut, hat hier einst seinen Wehrdienst abgeleistet.
Das neue Büro von Max Stadler ist bezogen und nach seiner Einschätzung etwas schöner als das der Ministerin. Allerdings hat es einen gravierenden Nachteil. Während Leutheusser-Schnarrenberger einen herrlichen Ausblick auf den imposanten Gendarmenmarkt genießen darf, schaut ihr Parlamentarischer Staatssekretär in den eher tristen Innenhof.
Einen Max Stadler aber ficht das nicht an. Sein erstes politisches Projekt hat er initiiert. Fraktionsübergreifend bastelt er an einem Gesetzentwurf zur Verbesserung der Arbeit in den Untersuchungsausschüssen.
Kommenden Mittwoch steht der erste ganz wichtige Termin an. Die Herbstkonferenz der Justizminister der Länder findet in Berlin statt. Bis es allerdings soweit ist, hat sich Stadler eine kleine Auszeit verschrieben. Er will nach Passau kommen.
Um den Heimaturlaub dann gleich wieder zu unterbrechen. Sein SV Schalding-Heining muss zum Bayernliga-Auswärtsschlager nach Rain am Lech: „Da muss ich dabei sein“, sagt der Schaldinger Edelfan.
MENSCHEN in EUROPA ehrt Genscher
„Ein Brückenbauer des Friedens“: Für seine Schlüsselrolle bei der deutschen Wiedervereinigung wird der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher am Freitag, 13. November, mit dem „MiE“-Award ausgezeichnet.Passau. Den diesjährigen MENSCHEN in EUROPA-Award wird Verlegerin Angelika Diekmann am Freitag, 13. November, an den ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verleihen. Sie ehrt damit den Politiker für seine Verdienste um die Wiedervereinigung Deutschlands. Als weitsichtiger Politiker, der in einer Zeit des Umbruchs Deutschland fest in das europäische Gefüge zu integrieren vermochte, sei er ein „Brückenbauer des Friedens“, heißt es in der Begründung der Preisvergabe.
Genscher ist damit der sechste Preisträger nach Shimon Peres (2005), Madeleine Albright sowie Václav Hável (beide 2006), Kofi Annan (2007) und Angela Merkel (2008). Bereits am vergangenen Mittwoch bekam Karl Lagerfeld den in diesem Jahr ins Leben gerufenen Kunst-Award der Veranstaltungsreihe.
Die Verleihung an Hans-Dietrich Genscher findet bei der Veranstaltung „Mauerfall: Wegbereiter für die EU-Erweiterung“ am 13. November im Medienzentrum Passau statt. Weitere Podiumsgäste sind der Präsident des Europäischen Parlamentes Jerzy Buzek, der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, Menschenrechtler Joachim Gauck und Politikerin und Juristin Walburga Habsburg Douglas. Sie werden zusammen mit anderen Zeitzeugen erzählen, wie sie persönlich den 9. November 1989 erlebt haben. Kooperationspartner der Veranstaltung ist die Vertretung der Europäischen Kommission in München.
Karten für „Mauerfall: Wegbereiter für die EU-Erweiterung“ gibt es in allen Geschäftsstellen der PNP zum Preis von 10 Euro (8 Euro für Abonnenten, nur im Vorverkauf), Tickets für Teilsichtplätze sind für 4 Euro erhältlich. Beginn ist um 18 Uhr, Einlass um 17 Uhr. Weitere Informationen unter 0851-802-202. - kst
Wiederkehr einer Unbequemen
Erst führte sie die Bayern-FDP in die Landesregierung, jetzt ist Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wieder im Zentrum der Macht - diesmal in Berlin. Eine Erfolgsstory.
Von Peter Blechschmidt
Wenn eine ihre Freude über künftige Ministerehren offen zeigt, dann ist es Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sichtlich zufrieden war die Vorsitzende der bayerischen FDP schon, nachdem sie bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union in der Arbeitsgruppe Innen und Recht die Einigung mit ihrem Kontrahenten, dem Noch-Innenminister Wolfgang Schäuble, erzielt hatte.
Seit der Koalitionsvertrag steht, kann man ihren Gesichtsausdruck nur als strahlend bezeichnen. Am Mittwoch kann sie in das Amt zurückkehren, das sie in den neunziger Jahren schon einmal innehatte: das Justizministerium.
Die Arbeitsgruppe der Innenpolitiker war die einzige, die der sogenannten großen Verhandlungsrunde ein abgestimmtes Konzept vorlegen konnte. Und das, obwohl gerade in der Innen- und Rechtspolitik noch zu Beginn der Verhandlungen anscheinend Welten zwischen den angehenden Koalitionspartnern lagen.
Beide, Schäuble wie Leutheusser-Schnarrenberger, waren erklärtermaßen bestrebt, die Streitfragen selbst zu lösen und nicht den Parteichefs zur Klärung zu überlassen. Teilnehmer der Gespräche berichten, dass es letztlich das hartnäckige Beharren der FDP-Politikerin war, das Schäuble zum Einlenken bewog. Hinterher sagte eine lachende Leutheusser-Schnarrenberger auf die Frage, was letztlich die Einigung bewirkt habe: "Es kostet nicht viel Geld."
Ganz so einfach war es sicher nicht. Auf dem Sonderparteitag, auf dem am Sonntag in Berlin die FDP den Koalitionsvertrag mit der Union billigte, mahnte die Ministerin in spe, man möge vor allem beachten, was alles nicht im Vertrag stehe. Wichtig sei, was die FDP an Begehrlichkeiten der Union abgewehrt habe.
Dazu gehörte laut Leutheusser-Schnarrenberger das Verlangen, nicht nur dem Bundeskriminalamt, sondern auch anderen Behörden wie dem Verfassungsschutz oder gar dem Zoll die Online-Durchsuchung von Computern zu erlauben. Insgesamt sei im Koalitionsvertrag "die liberale Handschrift unübersehbar", sagte sie.
Das sehen ihre Parteifreunde genauso. Schon als Fraktion und Vorstand während der Verhandlungen einen Zwischenbericht bekamen, wurden Leutheusser-Schnarrenberger und ihr Mitstreiter, der Passauer Bundestagsabgeordnete Max Stadler, mit Beifall bedacht. Der in allen Fraktionen hochangesehene Stadler begleitet Leutheusser-Schnarrenberger nun auch als Parlamentarischer Staatssekretär ins Ministerium.
Bürgerrechte statt Spaß
Für die 58-Jährige ist es eine Rückkehr, auch wenn der Schreibtisch inzwischen in Berlin und nicht mehr in Bonn steht. 1992 hatte die bekennende Linksliberale als erste Frau mit dem Justizministerium ein klassisches Ressort übernommen. Im Januar 1996 trat sie aus Protest gegen die Einführung des sogenannten großen Lauschangriffs zurück, den die FDP in einer Mitgliederbefragung gebilligt hatte.
Doch der Rücktritt war nicht Ausdruck von Resignation, sondern Signal für ihre Entschlossenheit, weiter innerhalb der FDP für die Bürgerrechte einzutreten. Lange Zeit schien dies ein Kampf auf verlorenem Posten zu sein, während sich die FDP unter der Führung von Guido Westerwelle zur Wirtschafts- und zur Spaßpartei entwickelte. Dass die Liberalen seit einiger Zeit ihre Rolle als Bürgerrechtspartei wiederentdeckt haben, ist maßgeblich Leutheusser-Schnarrenbergers Verdienst.
Den zeitweiligen Bedeutungsverlust auf der Bundesebene kompensierte die FDP-Politikerin durch verstärkten Einsatz in Bayern, wo sie die FDP im vorigen Jahr zu einem spektakulären Wahlerfolg führte. 14 Jahre lang konnten die Liberalen den Landtag nur von außen bestaunen - erst 2008 schaffte die FDP die Rückkehr ins Maximilianeum. Und weil die CSU dort ihre absolute Mehrheit eingebüßt hatte, brauchte sie die wiedererstarkten Liberalen als Regierungspartner.
Nach Schlammschlacht ins Amt gewählt
CSU-Chef Horst Seehofer lernte schon damals die große Sachkompetenz und die Zähigkeit der FDP-Vorsitzenden in den Koalitionsverhandlungen kennen. Mit dem Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium handelte sie der CSU zwei wichtige Ressorts ab. Sie selbst verzichtete jedoch auf einen Eintritt ins bayerische Kabinett, weil sie bereits den Blick auf einen Regierungswechsel 2009 in Berlin gerichtet hatte.
An eine solche Erfolgsstory der bayerischen Liberalen hatte wohl niemand zu denken gewagt, als Leutheusser-Schnarrenberger im Dezember 2000 zur FDP-Landeschefin gewählt wurde. Der Landesverband war total zerstritten, gerade mal 4000 Mitglieder bekannten sich in Bayern noch zur FDP. Entsprechend bedeutungslos war die Partei auf Landesebene geworden.
Nach einer hasserfüllten Debatte auf dem Parteitag in Dingolfing, bei der Delegierte in Tränen ausbrachen und ihre Scham über "diese Schlammschlacht" bekundeten, wurde der seit zwei Jahren amtierende FDP-Chef Hermann Stützer abgewählt und Leutheusser-Schnarrenberger ins Amt gehievt. Der Vorsprung war mit acht Stimmen aber nur äußerst knapp. In Dingolfing wurde auch der Kommunalpolitiker Martin Zeil erstmals in den FDP-Landesvorstand gewählt. Heute ist er Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident im Freistaat.
Kommt die Reservebank zum Einsatz?
Mögliches Personal-Karussell im Stadtrat: Wer nachrücken würde, wenn andere aufhören solltenVon Thomas Seider
Ob es tatsächlich zu einem Stühlerücken im Stadtrat kommt, ist keineswegs gewiss: Alle, die sich derzeit fragen, ob sie ihr Stadtratsmandat weiterhin ausüben wollen, haben in dieser Frage noch keine Klarheit gewonnen. Klar ist nur, wer auf Grund des Wahlergebnisses von 2008 nachrücken würde, wenn andere aufhören sollten.
Max Stadler (FDP) und Andreas Scheuer (CSU) sind künftig Parlamentarische Staatssekretäre. In dieser auch zeitlich sehr anspruchsvollen Funktion ist ein gleichzeitiges kommunalpolitisches Amt eher ungewöhnlich. Dennoch wollen sowohl Stadler als auch Scheuer mit ihren Parteifreunden und vor allem den Fraktionen besprechen, ob sie Stadträte bleiben können.
„Ich würde gern Stadtrat bleiben - aber nur, wenn es zeitlich machbar ist. Und dahinter ist ein Fragezeichen zu setzen“, sagt Stadler. Ein Stadtrat auf Sparflamme will er jedenfalls nicht sein: „Bleiben, aber die Aufgabe nicht wahrnehmen können, das kommt nicht Frage.“ Mit seiner Fraktion FDP/Passauer Liste will er in einigen Tagen darüber sprechen, ob Kollegen in Ausschüssen seinen Sitz übernehmen können. Auch sein bisheriger Fraktionsvorsitz könnte ein Thema werden.
Erste Nachrückerin von der FDP/PAL-Liste wäre Apothekerin Sabine Hahne-Wehe. Das würde das Gewicht innerhalb der Fraktion noch weiter Richtung Passauer Liste verschieben. Von den acht Fraktionsmitgliedern bliebe dann Anton Jungwirth als einziges von der FDP. Dann, aber auch wenn Stadler bleiben jedoch den Fraktionsvorsitz abgeben sollte, könnte als Nachfolger in dieser Funktion die Stunde eines Heinz-Peter Höber, Andreas Dittlmann oder Peter Pell schlagen.
Ähnlich wie Stadler äußert sich Scheuer: „Ich habe großes Interesse, das Stadtratsmandat zu erfüllen, was ja Bürgerauftrag ist.“ Auch er will mit seinen CSU-Parteifreunden sprechen, braucht aber „einige Tage, um mich organisatorisch frei zu schwimmen. Wir sollten jetzt nichts übers Knie brechen.“ Und da ist noch ein spezieller Grund, warum er Stadtrat bleiben möchte: „Um dem Herrn Urban Mangold in dessen Funktion als ÖDP-Stadtrat auf die Finger zu schauen.“ Mangold hatte seine Ernennung zum Parlamentarischen Staatssekretär kritisiert.
Ungewiss ist, ob die Personalfrage Scheuer die einzige für die CSU-Fraktion bleiben wird. Es ist nicht sicher, ob die schwer erkrankte Dagmar Plenk in den Stadtrat zurückkehren will. Nach einer Gehirnblutung am 11. Mai und Krankenhausaufenthalten seither ist sie nun zur Reha in Bad Griesbach. Fraktionskollegen dürfen sie nach wie vor nicht besuchen.
Auch hinter der politischen Zukunft von Alois Ortner ist ein Fragezeichen nicht zu leugnen. Immer noch ist nicht gerichtlich geklärt, ob die Staatsanwaltschaft ihn zu Recht der Bestechung beschuldigt. Bereits seit genau einem Jahr zieht sich einen Anklageerhebung hin. Seitdem pausiert Ortner in den Ausschüssen und nimmt nur noch an Plenumssitzungen teil, ohne sich aber an der Diskussion zu beteiligen. Ob er auch im Fall einer Verurteilung Stadtrat bleiben wollte, ist offen.
Theoretisch stellt sich also die Frage, ob bei der CSU bis zu drei Nachrücker zum Einsatz kommen. Diese Nachrücker von der Liste wären der frühere Stadtrat Josef Haydn, Unternehmensberater Alexander Wösner und ZF-Angestellter Josef Thuringer. Mit Wösner und Thuringer handelt es sich ausgerechnet um die früheren CSU-Ortsvorsitzenden von Heining und Hacklberg, die sich eine politische Auszeit verordnet hatten. Sie wollten sich zurückziehen.
Stadler: „Meine Frau sagt, ich habe das verdient“
Passauer FDP-Abgeordneter feierte Staatssekretärs-Ernennung mit der FamilieDer frisch gekürte Staatssekretär feierte seine Ernennung bei Muscheln in Weißwein-Soße. Der Passauer FDP-Innen- und Rechtsexperte Max Stadler (60, verheiratet, ein Sohn) wird seit Jahren als FDP-Kandidat für Regierungsämter gehandelt. Nun wird er Staatssekretär an der Seite von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.
Glückwunsch zu Ihrem neuen Amt. Seit Samstag steht Ihre Benennung zum Parlamentarischen Staatssekretär fest. Wann kam der Anruf?
Stadler: Eigentlich schon am Freitag. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat mir mitgeteilt, dass sie zur Bundesjustizministerin ernannt wird, und gefragt, ob ich als Parlamentarischer Staatssekretär mit ihr zusammenarbeiten würde. Ich habe zugesagt, und sie hat ihren Wunsch dann Parteichef Guido Westerwelle vorgetragen. Der war sofort einverstanden.
Legt er das Mandat im Stadtrat nieder?
Es hieß, Sie mussten etwas zittern, weil der Regionalproporz gegen Ihre Ernennung sprach.
Stadler: Die Frage war schon, ob die Fraktion akzeptieren würde, dass in einem Ministerium zwei Politiker aus demselben Landesverband, Bayern, tätig sind. Schließlich wird auf eine gewisse regionale Aufteilung der Minister und Staatssekretärsämter wert gelegt. Dafür mussten Lösungen gefunden werden. Guido Westerwelle hat schließlich erst das ganze Personaltableau zusammengestellt, bevor er die Personalvorschläge unterbreitete. Deswegen gab es tatsächlich bis zu den Abstimmungen im Fraktionsvorstand und in der Fraktion am Samstag einen Rest Unsicherheit.
Wie hat Ihre Frau reagiert?
Stadler: Sie hat sich gefreut und gesagt, sie sei der Meinung, dass ich diese Berufung aufgrund meiner bisherigen politischen Leistungen verdient habe. Und sie hat gesagt, sie sei stolz darauf, dass ich damit eine gewisse Krönung meiner politischen Tätigkeit erfahre.
Haben Sie die Berufung gefeiert?
Stadler: Meine Frau hat ein wunderbares Abendessen bereitet - Muscheln in Weißweinsoße - und wir haben zu Hause mit Freunden und der Familie gefeiert. Das war besonders schön, weil nicht klar war, ob ich nach den Sitzungen am Samstag überhaupt nach Passau kommen würde. Denn am Sonntag stand schon wieder der FDP-Sonderparteitag in Berlin auf dem Programm. Ich war übrigens auch während der Sitzungen in Kontakt mit Passau: Mein Neffe hat mich per SMS über das Bayernliga-Spiel des SV Schalding auf dem Laufenden gehalten.
Mit welchem Gefühl sind Sie heute Morgen aufgewacht?
Stadler: Ich habe fast noch mehr Freude empfunden als am Vortag, der war doch sehr angespannt. Aber zum Feiern ist jetzt keine Zeit mehr. Am Mittwoch folgt meine Ernennung, am Donnerstag ist Amtsübergabe im Justizministerium und dann geht es mit der Arbeit los.
Werden Sie Ihre bisherigen Ämter behalten?
Stadler: Einige Aufgaben werde ich abgeben müssen, etwa den Vorsitz im Parlamentarischen Kontrollgremium und die Mitgliedschaft im Innenausschuss. Ich werde aber genügend Freiraum behalten, um einzulösen, was ich versprochen habe: nämlich mich noch stärker als bisher für die Interessen der Region Passau einzusetzen. Natürlich in Zusammenarbeit mit meinem Staatssekretärs-Kollegen Andreas Scheuer.
Werden Sie Ihr Mandat im Passauer Stadtrat behalten?
Stadler: Das ist noch nicht entschieden. Ich werde gemeinsam mit den Passauer FDP-Kollegen besprechen, ob es möglich ist, die Abläufe so zu organisieren, dass ich weiter in der Kommunalpolitik mitwirken kann, etwa indem mir durch Vertreter in den Ausschusssitzungen geholfen wird. Außerdem muss ich mir von der Bundesregierung gewissermaßen eine ,Nebentätigkeitsgenehmigung? einholen. Das Thema Stadtrat ist also noch offen.
Was hat Passau von einem Justizstaatssekretär in Berlin?
Stadler: Weder ich noch Andreas Scheuer können Wunder wirken, vor allem in Zeiten leerer Kassen. Meine Tätigkeit im Justizministerium wird weniger unmittelbar mit der Region zu tun haben. Als Staatssekretär habe ich aber einen noch besseren Zugang zu denjenigen in der Bundesregierung, die wichtige Entscheidungen für unsere Region treffen können. Andreas Scheuer und ich werden uns selbstverständlich darum bemühen, bei allen Themen, die für unsere Region wichtig sind, unseren Einfluss geltend zu machen.
Gespräch: Laurent Martinez
Zwei Staatssekretäre: Passau begeistert
Die Passauer hoffen, dass Max Stadler und Andreas Scheuer sich in ihren neuen Ämter noch mehr für die Region stark machen. Umfrage zur Ernennung von Max Stadler (FDP) und Andreas Scheuer (CSU) - Nur Mangold skeptischVon Laura Lugbauer
Erstmals hat Passau zwei Parlamentarische Staatssekretäre gleichzeitig. Max Stadler (FDP) steht künftig Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zur Seite, Andreas Scheuer (CSU) wird im Verkehrsministerium von Peter Ramsauer agieren. Die PNP hat Politiker und Büger dazu befragt - und das sagen sie:
Max Nigl (68), Rentner: "Diese Entwicklung bringt ganz sicher etwas für unseren Raum. Für Andreas Scheuer ist es ein großer Karrieresprung - das hätte ich ihm gar nicht zugetraut, obwohl er einen guten Job macht."
Rainhard Kinzl (53), Beamter: "Stadler ist gut, ich habe damit gerechnet, dass er den Posten bekommt. Ich hoffe, beide bringen die Region voran."
Erika Träger (Grüne): "Ich freue mich, dass zwei Politiker aus der Region in diese Position kommen. Das ist natürlich mit Stolz verbunden, aber auch mit einer gewissen Erwartungshaltung."
Andreas Dittlmann (PAL): "Das ist eine hohe Auszeichnung für unsere Stadt und eine Chance für die Region. Max Stadler hat die Position wegen seines guten Direktwahlergebnisses bekommen. Die Passauer haben ihn also in das Amt gehoben."
Josef Müller (60), Angestellter: "Für Passau und den Landkreis ist das sehr positiv. Ich halte Scheuer und Stadler für fähige, gestandene Leute, die werden einen guten Job machen. Gerade Stadler ist ja ein altgedienter Vertreter in Berlin."
Clemens Damberger (CSU): "Ich bin sehr stolz auf beide und freue mich für sie. Für den Raum Passau ist es sehr erfreulich. Max Stadler ist so kompetent, er wird die Region gut verteten. Auch in Andreas Scheuer setze ich in der Verkehrspolitik große Hoffnungen."
Günter Albrecht (68), Pensionist: "Ich finde es gut, dass Passau so stark in Berlin vertreten ist. Wenn sich die beiden einsetzen, dann ist das sicher sehr positiv für die Region. Gerade bei Scheuer hätte ich nicht damit gerechnet, er ist ja noch sehr jung."
Sissi Geyer (SPD): "Ich freue mich für meine beiden Stadtratskollegen und wünsche ihnen alles Gute.Dass zwei Leute aus unserem Raum in solchen Positionen wirken, ist bestimmt positiv für die Region."
Alois Wimmer (34), Berater: "An sich ist es nicht schlecht, wenn zwei Leute aus der Region solche Positionen bekleiden. Wie sie ihren Job machen, sieht man erst nach der Amtszeit."
Urban Mangold (ÖDP): "Ich habe beiden gratuliert und Andreas Scheuer mitgeteilt, dass ich hoffe, dass er sich bei seinen Vorhaben nicht durchsetzt. Ausgerechnet der exzessivste Betonierer wird Staatssekretär im Verkehrministerium, das ist ein ökologischer Albtraum."
Stadler und Scheuer neue Staatssekretäre
Passauer Abgeordnete von FDP und CSU ins Justiz- und Verkehrsministerium berufenPassau. Ostbayern und speziell Passau ist demnächst prominent in der Bundesregierung vertreten. FDP-Innenexperte Max Stadler (60) und CSU-Verkehrspolitiker Andreas Scheuer (35) werden Staatssekretäre. Stadler steht Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zur Seite, Scheuer dem neuen Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).
Beide frischgebackenen Staatssekretäre, die noch in dieser Woche ihr Amt antreten, äußerten sich in Interviews mit der PNP zu ihrer Ernennung. Max Stadler zeigte sich erfreut darüber, dass er mit der Berufung „eine gewisse Krönung“ seiner politischen Laufbahn erfahre. Er und Andreas Scheuer würden sich „selbstverständlich darum bemühen, bei allen Themen, die für unsere Region wichtig sind, unseren Einfluss geltend zu machen“. Scheuer unterstrich: „Dass wir beide Staatssekretäre werden, ist ein Riesensignal für die Region.“ Als eines seiner wichtigsten Projekte bezeichnete der CSU-Politiker den Weiterbau der A 94, da sie „der infrastrukturelle Bypass der Region“ sei. - pnp/Bayern
Öffnung städtischer GmbHs - Stadler setzt sich durch
Berliner Koalitionäre vereinbaren mehr Transparenz in Gesellschaften - Gesetzesinitiative geplantAufsichtsräte der städtischen Tochtergesellschaften wie beispielsweise der Stadtwerke künftig öffentlich tagen.
Von Michael Koch
Dr. Max Stadler (FDP) hat es geschafft: Als Mitglied der Arbeitsgruppe Innen- und Rechtspolitik hat er ein ureigenes Passauer Thema nicht nur in die laufenden Koalitionsverhandlungen eingebracht. Der Abgeordnete hat mit Unterstützung aus der CSU erreicht, dass sich kommunale Gesellschaften künftig stärker werden öffnen müssen. „Man kann durchaus sagen, bei diesem Thema ist der Durchbruch gelungen“, sagt Stadler stolz.
Der Passauer Liberale kämpft seit Jahren für mehr Transparenz in den städtischen GmbHs Event, WGP und Stadtwerke, deren Aufsichtsräte nichtöffentlich tagen. In der vergangenen Legislaturperiode wurde er bei einem ersten Versuch im Bundestag selbst abgeschmettert, ein zweiter Anlauf der Grünen schlug ebenfalls fehl. Die Mehrheit der Großen Koalition sah keinen Handlungsbedarf und lehnte die Öffnung der Gesellschaften für die Allgemeinheit ab.
Auch vergangene Woche stieß das Thema in der Arbeitsgruppe zunächst auf Skepsis. „Erfreulicherweise gab es dann Unterstützung aus den Reihen der CSU, die wegen der Debatten in Bayern mit dem Thema natürlich sehr vertraut war“, sagt Max Stadler.
Folgender Passus wurde schließlich für den Koalitionsvertrag vereinbart: „Entscheidungen kommunaler Gesellschaften müssen transparent sein. Hierzu muss der Grundsatz der Öffentlichkeit bei kommunalen Entscheidungen im Rahmen der Abwägung mit der gesellschaftsrechtlichen Verschwiegenheitspflicht ein deutlich höheres Gewicht als bisher erhalten.“
Stadler: „Da in Koalitionsverträgen üblicherweise keine näheren Details festgehalten werden, sondern die Ausgestaltung im einzelnen Sache des Gesetzgebungsverfahrens ist, bin ich damit sehr zufrieden. Es ist jetzt klar, dass es hierzu eine Gesetzesinitiative von CDU/CSU und FDP geben wird.“
FDP-Sieg bei Bürgerrechten
Stoppschild für ZensursulaVon Ole Reißmann
*Es war ihr großes Projekt. Jetzt hat Ursula von der Leyen die erste große Niederlage kassiert: Dass die FDP die umstrittenen Internetsperren der CDU-Ministerin gestoppt hat, ist auch ein Sieg für Piratenpartei und Netz-Aktivisten - und in Wahrheit kann sich sogar die Union damit arrangieren.*
Hamburg - Löschen statt sperren: Die FDP hat in den Koalitionsverhandlungen mal eben das Anti-Kinderporno-Gesetz von Ursula von der Leyen umgekehrt - und damit eine Forderung von Internet-Aktivisten umgesetzt.
Bisher sah das umstrittene Gesetz die Einrichtung einer Zensur-Infrastruktur vor - deshalb brachte es der CDU-Ministerin den Spitznamen "Zensursula" ein. "Den finde ich patent", sagte sie dazu: "Viel Feind, viel Ehr."
Von der Leyens Idee: Das Bundeskriminalamt (BKA) sollte den Internetprovidern geheime Listen mit verbotenen Internetadressen geben. Internetnutzer sollten nicht mehr auf die gesperrten Seiten gelangen, sondern auf ein Stoppschild. Diese Regelung ist noch von der Großen Koalition beschlossen worden und wird von Bundespräsident Horst Köhler demnächst wohl unterzeichnet. Aber die künftige schwarz-gelbe Bundesregierung hat in den Koalitionsverhandlungen beschlossen, ihre neuen Machtbefugnisse im Netz zunächst ein Jahr lang nicht anzuwenden. Sprich, die Sperrlisten sind gestoppt - auf Betreiben der FDP <http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,655464,00.html>.
Noch vor wenigen Tagen schien es für die Union und von der Leyen im Internet kein drängenderes Thema als das Sperrgesetz zu geben. Jetzt spricht die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger <http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,517575,00.html> von einem "echten Durchbruch": Statt der Sperren sollen Strafverfolger gegen Seiten mit Kinderpornografie vorgehen. Deren Löschung verspreche schließlich mehr Erfolg als die Sperrung, sagte Leutheusser-Schnarrenberger.
Genau das hatten auch die Kritiker des Sperrgesetzes stets gefordert: Handeln statt Wegschauen - denn für eine geheime Zensurliste <http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619509,00.html> müsse das BKA schließlich ohnehin die Adressen der schändlichen Seiten kennen. Nun soll das BKA nach dem Fund einer Kinderporno-Seite sofort aktiv werden und bei Providern in Deutschland und aller Welt deren Löschung verlangen.
*Schrille Töne gegen vorsichtige Kritik*
Alvar Freude von der Initiative für ein freies Internet (Odem) hat Details zur Regelung veröffentlicht <http://blog.odem.org/2009/10/keine-sperren.html>- diese wurden SPIEGEL ONLINE aus der FDP grundsätzlich bestätigt. Nach einem Jahr soll überprüft werden, wie erfolgreich die Lösch-Strategie ist. Dass das Gesetz nicht gleich gekippt wird, kann wohl als Zugeständnis an Ursula von der Leyen gewertet werden. Die Ministerin wird in der neuen Koalition schließlich noch gebraucht und soll mit der Übergangslösung offenbar ihr Gesicht wahren können - zumindest in der Union.
Die CDU-Politikerin hatte sich im Wahlkampf dermaßen in ihr Thema hineingesteigert, dass selbst vorsichtige Kritiker <http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619505,00.html> schrill zurechtgewiesen wurden. Je deutlicher der Protest wurde, je mehr die vermeintlichen rechtlichen und technischen Unzulänglichkeiten des Gesetzes in der Öffentlichkeit thematisiert wurden, desto verbissener verteidigten Unionspolitiker das Sperrgesetz. Innenminister Wolfgang Schäuble allerdings gestand schon in der vergangenen Woche ein, <http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,654424,00.html> dass das eilig im Wahlkampf verabschiedete Gesetz handwerkliche Fehler enthält. Die CDU habe es gebraucht, um sich von anderen Parteien abzusetzen.
In Wahrheit können mit der nun gefundenen Lösung beide Koalitionspartner gut leben. Die CDU will im Kern genauso wenig eine Zensurbehörde, wie die Liberalen Kinderpornografie gutheißen.
Das Umdenken der Union hat offenbar auch mit dem Erfolg der Piratenpartei zu tun. Kanzlerin Angela Merkel soll intern selbst auf das Phänomen hingewiesen haben, dass die selbst ernannten Anwälte des Internets bei der Bundestagswahl aus dem Stand zwei Prozent der Stimmen <http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,651683,00.html> erreicht haben - gerade weil sich das Wahlprogramm auf Netzfreiheit und Bürgerrechte beschränkte.
*"Bürgerrechte sind keine Verhandlungsmasse"*
Mehr als 134.000 Menschen hatten eine Petition gegen das Gesetz unterschrieben; die Piraten wurden zur siebtgrößten Partei in Deutschland, mit 10.000 Mitgliedern und enormer Medienpräsenz. Gegner des Sperrgesetzes trafen sich Mitte September zu einer Loveparade der Bürgerrechte <http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,648638,00.html> in Berlin. Unter den 20.000 Demonstranten waren Bürgerrechtsaktivisten, Gewerkschaftsmitglieder, Datenschützer. Ein Bündnis aus 160 Organisationen hatte zum Protest gerufen, unter ihnen auch die FDP.
Noch am Donnerstag hatten die Netz- und Bürgerrechtsaktivisten von FoeBuD und Campact der FDP-Unterhändlerin Leutheusser-Schnarrenberger eine Liste mit 20.000 Unterschriften in die Verhandlungen gereicht, um sie an die Wahlversprechen der Liberalen zu erinnern. "Bürgerrechte sind keine Verhandlungsmasse", lautete ihr Appell. Eine Haltung, die die FDP in den Gesprächen vertrat. Sie reklamiert auch bei anderen Streitthemen der Inneren Sicherheit Verhandlungserfolge:
* Der *Einsatz der Bundeswehr im Inland *wurde von der Union gar
nicht erst groß thematisiert und ist vom Tisch.
* Für die *Online-Durchsuchung *ist künftig ein Antrag der
Bundesanwaltschaft nötig. Die digitale Hausdurchsuchung darf nur
das BKA vornehmen und keine andere Behörde.
* Bei der *Vorratsdatenspeicherung *wird der Zugriff auf
Kommunikationsdaten vorerst beschränkt auf Fälle, in denen es um
unmittelbare Gefahr für Leib und Leben geht. Ausgesetzt wird die
Überwachung aber nicht - es ist ein europäisches Gesetz.
Leutheusser-Schnarrenberger hat als bayerische FDP-Vorsitzende in einer Koalition mit der CSU Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung mitgetragen. Die nun verabredeten Pläne setzen nicht zufällig auf die bayerischen Konsensregelungen - die Union kann sich mit diesen Lösungen prima arrangieren. Außerdem: Wie es bei den beiden Themen insgesamt weitergeht, entscheidet ohnehin voraussichtlich 2010 das Bundesverfassungsgericht.
Die Richter könnten die Vorratsdatenspeicherung sogar ganz kippen. Das wäre dann ein voller Erfolg für Leutheusser-Schnarrenberger. Sie gehört zu jenen liberalen Politikern, die Verfassungsbeschwerde gegen die Regelung eingelegt haben.
Punktsieg für die FDP
Überraschend glatt einigten sich CDU, CSU und FDP in allen Streitfragen der Innen- und Rechtspolitik. Die Liberalen fühlen sich als Sieger und finden sogar lobende Worte für Wolfgang Schäuble. Von Hans Peter Schütz
Zuweilen dachten einige der schwarz-gelben Rechts- und Innenpolitiker, die da zusammensaßen, sie träumten. Keine verbalen Giftpfeile flogen. Kein Profilneurotiker schien sich in ihre Runde der Koalitionsgespräche geschlichen zu haben. Selbst der CDU/CSU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach gab sich am Fraktionstisch lammfromm. Der hatte zuvor stets den radikalen Konservativen gegeben.
Der FDP-Rechtspolitiker Max Stadler lobte die "menschlich angenehme Atmosphäre". Ganz überraschend ist das nicht. Viele kennen sich schließlich aus dem Bundestag. Und einige Innenpolitiker der Union und der Liberalen aus den Ländern, etwa aus Bayern und Hessen, haben vergleichbare Gespräche in jüngerer Vergangenheit bereits geführt und rechtspolitische Kompromisse ausgehandelt.
Höchstes Lob zollten die Liberalen vor allem Wolfgang Schäuble. "Er hat die Gespräche mit seiner ganzen Erfahrung in sehr eindrucksvoller Weise geführt", heißt es von den Liberalen über den Bundesinnenminister. Immer wieder habe er mit Kompromissvorschlägen die beiden Seiten zusammen geführt. "Er war der Brückenbauer zwischen uns", sagte Stadler stern.de. Und besonders gut kam er mit Sabine Leutheuser-Schnarrenberger zu Rande, mit der er ja schon zu Helmut Kohls Zeiten am Kabinettstisch gesessen hatte.
Das Ergebnis der Rechts- und Innenpolitiker kann sich sehen lassen, weil beide Seiten auf Alles-oder-Nichts-Positionen verzichtet haben. Für Stadler trägt das Ergebnis eine "deutliche liberale Handschrift", setze Signale einer künftigen Rechts- und Innenpolitik, "die sich deutlicher als bisher an den Grundrechten orientiert".
Die Kernpunkte des CDU/CSU/FDP-Kompromisses:
Vorratsdatenspeicherung:
Hier war die FDP besonders kritisch, weil mit ihr die Telefondaten auch unverdächtiger Menschen gespeichert werden. Vereinbart wurde, dass der Zugriff auf die gespeicherten Daten ausgesetzt wird, bis das Verfassungsgericht über das Gesetz entschieden hat und ob es überhaupt dem Grundgesetz entspricht. Das dürfte im Frühjahr 2010 der Fall sein. Bis dahin wird von den Bundesbehörden nur noch bei "konkreter Gefahr für Leib und Leben" zugegriffen.
Online-Durchsuchungen:
Diese bisher nur dem Bundeskriminalamt erlaubte heimliche Schnüffelei wollte Schäuble auch auf den Verfassungsschutz ausdehnen. Das wurde ihm von der FDP gestrichen, ebenso die Online-Durchsuchung für andere Zwecke als zur Abwehr terroristischer Taten. Die wollte die CDU/CSU auch für andere Straftaten zulassen. Andererseits hat die Union durchgesetzt, dass das existierende BKA-Gesetz bestehen bleibt. Schäuble sagte, er sei nicht bereit, ein soeben beschlossenes Gesetz einfach wieder aufzuheben. Aber er akzeptierte zwei Änderungen. Erstens wird der private "Kernbereich privater Lebensgestaltung" im Gesetz besser als bisher geschützt. Zweitens kann der Eingriff nur noch auf Antrag des Bundesgeneralanwalts von einem Richter des Bundesgerichtshofs erlaubt werden und nicht mehr wie bisher vom Amtsgericht Wiesbaden. Das akzeptierte die CDU/CSU, die schlichte Abschaffung des Gesetzes lehnte sie strikt ab.
Großer Lauschangriff:
Die FDP scheiterte damit, die gesetzliche Regelung zu kippen. Sie wird nicht rückgängig gemacht. Lediglich wird eine Bewertung stattfinden, ob die hohe Zahl der Telefonüberwachungen wirklich angemessen ist. Klarer Punktsieg für die Union.
Staatliche Kontrolle der Internetseiten:
Bei dem vor allem bei jüngeren Bundesbürgern als erster Schritt zu einer Internetzensur diskutierten Maßnahme, wurde eine deutliche Änderung durch die FDP erreicht. Ursprünglich sollten Stoppschilder etwa bei kinderpornografischen Seiten vom Bundeskriminalamt platziert werden dürfen. Experten hatten dies übereinstimmend als unwirksam bezeichnet, da sie leicht umgangen werden könnten. Vereinbart hat man jetzt, kinderpornografische Seiten zu löschen. Das Gesetz mit den Internetsperren wird ein Jahr lang nicht angewandt. Stattdessen wird gelöscht. Danach wird das alte Gesetz nicht wieder angewandt, sondern es wird auf der Basis der neuen Erkenntnisse gemeinsam reformiert.
Berufsgeheimnisträger:
Ein wichtiger Fortschritt ist hier erzielt worden, der sich vor allem in der Strafprozessordnung auswirken wird. Der Schutz der Berufsgeheimnisträger - etwa Anwälte und Ärzte - wird verstärkt. Nicht nur beim Schutz vor Abhörmaßnahmen, sondern auch vor Gericht, wo derzeit nur Geistliche, Strafverteidiger und Abgeordnete nicht aussagen müssen, es sei denn, sie sind selbst angeklagt. Dieser Schutz gilt künftig für alle Anwälte. Bei der Frage, ob auch für alle Ärzte und Journalisten, konnte man sich nur auf einen Prüfauftrag einigen. Strafverfahren gegen Journalisten wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat, wenn sie vertrauliche Papiere von Behörden veröffentlichen haben, gibt es künftig allerdings nicht mehr.
Einsatz der Bundeswehr im Inneren:
Die CDU/CSU musste akzeptieren, dass die FDP mehr Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr im Innern strikt ablehnt. Es gibt keine Grundgesetzänderung wie von Schäuble gewünscht.
Datenschutz:
Hier sollen erhebliche Lücken geschlossen werden. Der Arbeitnehmer-Datenschutz wird erheblich verbessert, da er nach Auffassung der FDP überhaupt nicht ausreicht. Der Schutz gegen Schnüffelei der Arbeitgeber kommt jetzt ins Bundesdatenschutzgesetz. Festgelegt wurde außerdem, dass bei den laufenden Verhandlungen mit den USA über den Zugriff auf deutsche Bankdaten "ein hoher Datenschutzstandard" eingehalten werden muss. Es darf keinen automatisierten Online-Datenabruf durch andere Staaten geben. Die deutsche Seite wird stets vorher prüfen, ob der Verdacht so schwerwiegend ist, dass die Daten heraus gerückt werden sollten. Die Übermittlung von Fluggastdaten wird allerdings weiterlaufen.
Lebenspartnerschaften:
Bei eingetragenen Lebenspartnerschaften, auch gleichgeschlechtlichen, konnte die FDP einen Erfolg erreichen: Im Beamtenrecht werden diese Lebenspartnerschaften künftig wie die normale Ehe behandelt. Damit werden bessere Besoldung und Pensionen erreicht.
Mit harmlosem Augenaufschlag reagieren die Rechtspolitiker der FDP auf die Frage nach der künftigen Bundesjustizministerin: "Das wissen wir wirklich nicht." Nach diesem jetzt erzielten Ergebnis, das die Liberalen für "ausgezeichnet" halten, ist "Schnarri" allerdings eine sichere FDP-Bank für Wettlustige. Wird Stadler Parlamentarischer Staatssekretär? "Keine Ahnung", antwortet der - auch dies kein Dementi.
Schwarz-Gelb einigt sich bei allen Sicherheitsthemen
Das ging überraschend schnell: Union und FDP haben in ihren Koalitionsverhandlungen alle Streitpunkte der Innen- und Sicherheitspolitik geklärt. Demnach werden Online-Durchsuchungen eingeschränkt, die Vorratsdatenspeicherung wird ausgesetzt, und bei Kinderpornografie im Netz gilt vorerst Löschen statt Sperren.
Union und FDP haben sich in ihren Koalitionsgesprächen in allen wichtigen Streitpunkten der Innen- und Sicherheitspolitik geeinigt. Das erklärten Vertreter beider Seiten am Donnerstag nach der Sitzung der Koalitionsarbeitsgruppe Sicherheit/Justiz in Berlin. Überraschend schnell wurden die brisanten Themen BKA-Gesetz, Onlinedurchsuchungen, Internetsperren, die Vorratsdatenspeicherung sowie der Schutz von Berufsgeheimnisträgern abgearbeitet.
"Wir haben eine gute Lösung bei allen Hauptstreitpunkten gefunden", sagte der FDP-Innenexperte Max Stadler nach der Sitzung. "Ich gehe davon aus, dass sie auch von der großen Verhandlungsrunde so akzeptiert wird."
Kinderpornografie löschen statt sperren
Dem Kompromiss zufolge wird die umstrittene Vorratsdatenspeicherung bis zum ausstehenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausgesetzt, das im Frühjahr erwartet wird. Ebenfalls nicht zur Anwendung kommen ein Jahr lang die Internet-Zugangssperren zur Bekämpfung von Kinderpornografie. Hier soll das Bundeskriminalamt (BKA) zunächst versuchen, entsprechende Seiten zu löschen statt zu sperren. Laut Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll dies auch durch die Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit erreicht werden. Nach einem Jahr sollen die Erfahrungen mit der Löschung ausgewertet werden und es soll entschieden werden, ob doch Sperren mittels schwarzer Listen nötig sind.
Bei den umstrittenen Online-Durchsuchungen konnten die Liberalen nur leichte Verfahrensänderungen erreichen, wie die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einräumte. Stadler zufolge wird das Recht zu Online-Durchsuchungen für das BKA nicht auf andere Behörden wie etwa die Geheimdienste ausgedehnt. Zudem soll die weitreichende Maßnahme künftig nur noch von einem Richter des Bundesgerichtshofs auf Antrag der Bundesanwaltschaft angeordnet werden dürfen, und nicht mehr von normalen Amtsrichtern. Desweiteren werde im BKA-Gesetz ein besserer Schutz des persönlichen Kernbereichs festgeschrieben.
Der Schutz von Berufsgeheimnisträgern wird von Strafverteidigern auf alle Anwälte ausgedehnt. Für andere Berufsgruppen wie Journalisten gibt es dem Kompromiss zufolge einen "Prüfauftrag".
"Warnschussarrest" für jugendliche Kriminelle
Jugendliche Straftäter will die schwarz-gelbe Regierung härter anfassen. Bei Mordfällen soll die Höchststrafe von 10 auf 15 Jahre heraufgesetzt werden, außerdem werde ein sogenannter Warnschussarrest eingeführt, teilten Schäuble und Leutheusser-Schnarrenberger mit. Damit können Jugendrichter auch bei einer Bewährungsstrafe die Verurteilten bis zu vier Wochen in Jugendarrest schicken.
Stadler hatte vor den entscheidenden Verhandlungen mehrfach die Erwartung geäußert, dass die Union nicht bei ihrer Ausgangsthese bleiben könne, dass alles von einer früheren Regierung Beschlossene als gegeben hingenommen werden müsse. "Wir sind ja gerade dafür gewählt worden, dass wir Änderungen und Verbesserungen anbringen", hatte der Bundestagsabgeordnete aus Bayern erklärt.
Schwarz-gelber Koalitionspoker
FDP stoppt Internetsperren*Dämpfer für die CDU-Minister Schäuble und von der Leyen: In den Koalitionsverhandlungen über Innere Sicherheit hat sich die FDP in wichtigen Punkten durchgesetzt. Die Hürden für Online-Durchsuchungen werden erhöht, die umstrittenen Sperren gegen Kinderpornografie im Web vorerst ausgesetzt.*
Berlin - Höhere Hürden bei Online-Durchsuchungen und eine Aussetzung der Internetsperren für Kinderpornografie: Die FDP kann in den Koalitionsverhandlungen bei wichtigen Streitpunkten der Inneren Sicherheiten Erfolge vermelden.
Die Unterhändler von Union und FDP erklärten nach der Sitzung der Koalitionsarbeitsgruppe Sicherheit/Justiz, man sei sich in allen wichtigen Sicherheitsthemen einig. Zuletzt hatten sich die künftigen Regierungspartner vor allem über Themen wie das BKA-Gesetz samt Online-Durchsuchungen, die Vorratsdatenspeicherung und die Internetsperren gegen Kinderpornografie gestritten.
Bei der Vorratsdatenspeicherung solle die Nutzung der Daten auf schwere Gefahrensituationen beschränkt werden, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Bei den Internetsperren verständigten sich die Verhandlungspartner darauf, dass das Bundeskriminalamt (BKA) zunächst versuchen soll, kinderpornografische Seiten zu löschen, statt zu sperren. Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, dies sei ein "echter Durchbruch". Nach einem Jahr solle der Erfolg dieser Maßnahme überprüft werden.
Für heimliche Online-Durchsuchungen von Computern Verdächtiger ist künftig eine Anordnung der Bundesanwaltschaft nötig. Zudem werden Online-Durchsuchungen nicht auf weitere Sicherheitsbehörden wie den Verfassungsschutz ausgeweitet.
Der Schutz von Berufsgeheimnisträgern wird von Strafverteidigern auf alle Anwälte ausgedehnt. Für andere Berufsgruppen wie Journalisten gibt es dem Kompromiss zufolge einen "Prüfauftrag", sagte der FDP-Innenexperte Max Stadler. E r hatte vor den entscheidenden Verhandlungen mehrfach die Erwartung geäußert, dass die Union nicht bei ihrer Ausgangsthese bleiben könne, dass alles von einer früheren Regierung Beschlossene als gegeben hingenommen werden müsse. "Wir sind ja gerade dafür gewählt worden, dass wir Änderungen und Verbesserungen anbringen", erklärte der Bundestagsabgeordnete aus Bayern.
Neu eingeführt werden soll eine Visa-Warndatei, allerdings strenger reglementiert als von der Union vorgesehen. Bei Verstößen gegen Visumsauflagen sollen der betroffene ausländische Bürger sowie dessen Einlader nach Deutschland erfasst werden. Die Union hatte vorgeschlagen, bereits bei einer bestimmten Zahl von Eingeladenen ohne konkrete Verdachtsmomente Daten zu erfassen. Hart blieb die FDP bei den Unionsplänen, die Bundeswehr auch im Inland bei Naturkatastrophen oder schweren Unglücken einzusetzen.
Passau-Thema in Berliner Koalitionsverhandlungen
Dr. Max Stadler bringt in seiner Arbeitsgruppe die Öffnung städtischer GmbHs auf die TagesordnungVon Michael Koch
Ein Passauer Dauerthema wird morgen auch die künftigen Koalitionäre in Berlin beschäftigen. In der Arbeitsgruppe Innen- und Rechtspolitik wird erneut ein Vorstosß unternommen, Aufsichtsräte kommunaler GmbHs künftig öffentlich tagen zu lassen.
Mit am Tisch bei den Koalitionsverhandlungen sitzt für die FDP der Passauer Abgeordnete Dr. Max Stadler. Der Innenpolitiker hat das Thema um transparentere städtische Tochterunternehmungen mit ins Verhandlungspaket aufnehmen lassen.
Es ist nicht der erste Anlauf Stadlers, der den GmbHs selbst die Entscheidung überlassen will, ob und bei welchen Tageordnungspunkten sie öffentlich tagen. Bislang ist dies auf Grund der Rechtslage nach Auffassung von Gesellschaftsrechtlern nicht möglich. Anders als im Kommunalrecht für Stadtrats- und Ausschusssitzungen sieht das GmbH-Recht nichtöffentliche Sitzungen der Aufsichtsräte vor. So ist es in Passau die Regel, dass bei Stadtwerken, Event und WGP hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. „Dunkelkammern der Demokratie“ nennen Kritiker deshalb die privaten GmbHs, die in Wirklichkeit zumindest zur Hälfte öffentlich-rechtlichen Charakter haben.
Schon in der abgelaufenen Legislaturperiode hatte Stadler einen entsprechenden Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit einer Rede im Bundestag unterstützt. „Leider haben die damaligen Mehrheiten der Großen Koalition eine gesetzliche Neuregelung verhindert“, sagt Stadler. Die Regierungspolitiker sahen keinen Handlungsbedarf für die Öffnung der städtischen Tochtergesellschaften, weshalb ihnen Max Stadler eine „Verweigerungshaltung“ attestierte.
Die Mehrheitsverhältnisse haben sich bekanntermaßen geändert, die FDP hat als starker Partner der Union in Berlin ein kräftiges Wörtchen mit zu reden. „Es besteht meines Erachtens ein großes Bedürfnis nach mehr Öffentlichkeit in den Aufsichtsratssitzungen. Den GmbHs sollte freigestellt werden, was öffentllich und was nicht öffentlich wie beispielsweise bei Personalangelegenheiten behandelt werden soll. So wie es in Passau früher bei den Stadtwerken auch üblich war“, sagt Max Stadler.
Unter dem Vorsitz von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der designierten Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wird die Arbeitsgruppe der künftigen Koalitionäre morgen über Stadlers Vorschlag diskutieren. „Ich sehe die Chancen besser an als bisher“, sagt der Passauer Politiker: „Ich habe die Hoffnung, dass diesesmal die besseren Argumente überzeugen und wir das Problem endlich lösen können.“
Schwarz-Gelb will mehr Arbeitnehmer-Datenschutz
(Saarbrücken/dpa) Die Koalitions-Arbeitsgruppe Innen und Justiz hat sich grundsätzlich auf Nachbesserungen beim Datenschutz verständigt. Das sagte der FDP-Unterhändler Max Stadler der «Saarbrücker Zeitung». Ziel sei es, dass sich Datenskandale wie bei der Bahn oder der Telekom nicht wiederholen. Völlig gegensätzliche Auffassungen herrschten dagegen noch immer bei den Themen Online- Durchsuchung, Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren. Hier wolle die Union im Gegensatz zur FDP nichts an der Rechtslage ändern.Berliner Zeitung zum Stand der Koalitionsverhandlungen
Innen/Recht: Verständigt hat sich die Arbeitsgruppe nach Informationen dieser Zeitung darauf, dass die Regelungen zur Sicherungsverwahrung für Straftäter vereinheitlicht werden. So sollen vor dem Ende der Haftzeit Gutachten über die Notwendigkeit der Sicherungsverwahrung erfolgen. Krach gibt es zwischen den künftigen Koalitionspartnern, nachdem Medien berichtet haben, dass es keine Korrekturen beim BKA-Gesetz mit der heimlichen Online-Durchsuchung gebe. Permanent würden aus Unionskreisen Falschmeldungen lanciert, hieß es verärgert aus Teilnehmerkreisen. Die ohnehin schwierigen Verhandlungen würden so belastet. Der FDP-Innenpolitiker Max Stadler dementierte die Verständigung. "Es ist kein Geheimnis, dass die hochkomplexen Fragen des Schutzes der Bürgerrechte und der inneren Sicherheit zwischen Union und FDP nach wie vor strittig sind", sagte er der Berliner Zeitung. Festlegungen würden am Ende eines Verhandlungsprozesses getroffen und nicht auf der ersten Hälfte der Wegstrecke. "Es ist im Moment völlig verfrüht ist, über Zwischenergebnisse zu spekulieren", sagte Stadler.BKA-Chef warnt vor Paypal, Ebay, ClickandBuy
Einer aktuellen Studie zufolge war jeder zweite Deutsche Internetnutzer schon einmal Opfer krimineller Aktivitäten im Netz. Vorne liegen in der Statistik Betrug und Datenklau. Als besonders gefährdet stufte BKA-Chef Ziercke Online-Bezahlsysteme wie Paypal oder ClickandBuy ein.Berlin - Die mit der Einnistung von Trojanern (siehe Kasten in der Spalte links) verbundene Kriminalität sei von 2007 bis 2008 um 68 Prozent, die mit der Fälschung von Webseiten verbundene um rund 30 Prozent gestiegen, erklärte BKA-Chef Jörg Ziercke. Er warnte auch vor verschiedenen, als einfach propagierten Zahlungsmethoden im Internet. Die seien Ziel der sogenannten Underground Economy seien, einer kriminellen Internet-Gemeinde, die mit gestohlenen Adressen und anderen Nutzerdaten handele und sie gezielt einsetze. Als gefährdet stufte er unter anderem PayPal, ClickandBuy sowie die Ebay-Daten ein.
Grundsätzlich gilt: Wer mit seinen Login-Daten sehr vorsichtig umgeht, kann sich auch schützen. Dazu gehört beispielsweise, niemals auf Web-Seiten seine Daten einzugeben, auf die man über einen Link in einer E-Mail gekommen ist, die angeblich vom Anbieter stammt. Paypal, Banken und andere verschicken schlicht keine Mails, in denen der Nutzer aufgefordert wird, eine Seite aufzusuchen und dort seine Login-Daten einzugeben.
Jeder zweite deutsche Internetnutzer ist bereits Opfer krimineller Methoden geworden. Das ergab eine Forsa-Studie zur Internetkriminalität, die der Branchenverband Bitkom am Donnerstag in Berlin vorstellte. Gemeinsam mit BKA-Präsident Jörg Ziercke riet Bitkom-Vorstandsmitglied Dieter Kempf zu verstärkter Vorsicht beim Surfen. Onlinebanking-Nutzer sollten sich möglichst immer der aktuellsten Sicherheitsstandards bedienen.
Die Studie ergab, dass bereits bei 38 Prozent der Internetnutzer der Computer mit Viren oder anderen Schadprogrammen infiziert wurde. Damit waren davon fast 20 Millionen Deutsche betroffen. Bei fünf Prozent der Internetnutzer wurden Zugangsdaten für Internetshops, soziale Netzwerke oder Onlinebanking ausspioniert, drei Prozent erlitten durch Schadprogramme oder Datendiebstähle einen finanziellen Schaden.
Auch der FBI-Direktor macht kein Onlinebanking mehr
Ziercke rief Behörden und Wirtschaft zu gemeinsamem Vorgehen gegen Internet-Kriminalität auf. Phishing, also das Ausspähen von Nutzerdaten durch Kriminelle, "ist der Bankraub des digitalen Zeitalters", sagte Ziercke. Er empfahl eine Art konzertierte Aktion mit dem Ziel, im Wettlauf der Sicherheitsbehörden mit den inzwischen global organisierten Kriminellen schneller zu werden. Im vergangenen Jahr zählten die Behörden rund 38.000 Fälle, ein Anstieg um etwa elf Prozent. In fast der Hälfte dieser Delikte habe es sich um Betrug gehandelt, sagte BKA-Chef Ziercke.
Laut Kempf wird es 2009 rund 2900 angezeigte Phishingfälle geben, die einen durchschnittlichen Schaden von 4.800 Euro bei den Betroffenen verursachen. Er kenne aber auch einen Fall, in dem 70.000 Euro ergaunert wurden, sagte Ziercke.
Rund 24 Millionen Deutsche erledigen ihre Bankgeschäfte inzwischen im Internet, das sind 38 Prozent aller Bürger zwischen 16 und 74 Jahren. Laut Bitkom verzichtet aber inzwischen fast jeder dritte Internetnutzer über 14 Jahren aus Sicherheitsgründen auf Onlinebanking. Das tut übrigens seit einiger Zeit auch der Chef der mächtigen US-Polizeibehörde FBI: Seine Frau habe ihm das Onlinebanking verboten, weil er beinahe auf einen Phishing-Trick hereingefallen sei, berichtete der kürzlich.
40 Trojaner auf einem einzigen Rechner
Die bisher wirksamsten Methoden, sich beim Onlinebanking gegen Phishing zu schützen, sogenannte mTANs oder das HBCI-Banking, würden nicht besonders gut von den Kunden angenommen, sagte BKA-Chef Ziercke. Beim mTAN-Verfahren erhält der Nutzer für jede Überweisung eine Transaktionsnummer auf das Handy; beim HBCI-Banking benötigt er spezielle Software oder einen Identifikationschip und ein Lesegerät an seinem Rechner.
Ziercke wies darauf hin, dass es sich bei den Internetkriminellen in der Regel nicht mehr um "technikbegeisterte Einzeltäter" handele, sondern um international organisierte Ringe. Eine aktuelle Nachricht aus den USA gibt Ziercke hier recht - das FBI hat gemeinsam mit ägyptischen Sicherheitsbehörden offenbar einen Phisher-Ring ausgehoben, der 5000 US-Amerikaner und diverse Banken mit Hife gestohlener Login-Daten betrogen haben soll. Außerdem wurden in dieser Woche Login-Daten von insgesamt etwa 30.000 E-Mail-Konten online gestellt, die entweder durch Phishing oder aber mit Hilfe heimlich eingeschleuster schädlicher Software ergaunert worden waren.
Die gestohlenen Daten seien meist auf schwer zugänglichen Servern im Ausland geparkt. Zudem nehme die Botnetz-Kriminalität dramatisch zu. Das sind Netze aus privaten oder Firmenrechnern, die aus dem Netz mit eingeschleuster Software, etwa über einen Virus oder Trojaner, infiziert werden. Das ermöglicht es den Kriminellen, die Rechner unbemerkt vom eigentlichen Nutzer zu steuern und damit - eventuell in dessen Namen - illegale Transaktionen durchzuführen. Auf einem beschlagnahmten Rechner habe das BKA 40 Trojaner gefunden, berichtete Ziercke.
Mehr Informationen über Viren und andere schädliche Software und Tipps, wie Sie sich davor schützen können und wo Sie weitere Informationen bekommen können, finden Sie in der linken Spalte.
cis/AP/AFP
Nicht die FDP ist ahnungslos - Replik auf PNP-Bericht vom 8.10.2009
Der Passauer FDP-Bundestagsabgeordnete wies die Kritik des Deggendorfer Landrats Christian Bernreiter (CSU) und des Regensburger Oberbürgermeisters Hans Schaidinger (CSU) an den Reform-Plänen der FDP zurück. "Diese Kritik beruht offenbar auf einem Irrtum über den Inhalt der FDP-Vorschläge.", betonte Stadler. Richtig sei nur, dass die Liberalen alle Sozialleistungen, die sich aus Steuern finanzieren, zu einem "Bürgergeld" zusammenfassen wollen, das dann von den Finanzämtern auszuzahlen wäre. Damit solle Bürokratie eingespart werden und das Geld den Bedürftigen zur Verfügung gestellt werden. Daher könnten die Betroffenen mit dem Bürgergeld ein jeweils höheres Nettoeinkommen erzielen. Die FDP wolle auch das "Schonvermögen" bei Hartz IV-Beziehern verdreifachen und vor dem Zugriff des Staates schützen, damit sich Eigenvorsorge lohne.Stadler wies darauf hin, dass die CSU-Politiker Bernreiter und Schaidinger offenbar das FDP-Programm nicht weitergelesen hätten, wenn sie unterstellten, dass die FDP auch die Betreuung der Langzeitarbeitslosen den Finanzämtern übertragen wolle. "Dies trifft überhaupt nicht zu.", erklärte Stadler. Landrat Bernreiter hatte ausgeführt., die Städte und Landkreise seien gemeinsam mit den Arbeitsagenturen sehr erfolgreich bei der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt gewesen - den Finanzämtern fehle jedoch die Kompetenz für solche Aufgaben.
Stadler erwiderte, Bernreiter treffe mit seiner Kritik daneben, denn die FDP wolle die Zuständigkeit für die soziale Betreuung von Langzeitarbeitslosen gerade nicht bei den Finanzämtern ansiedeln, was offenkundig unsinnig wäre, sondern bei den Kommunen, weil auch die Liberalen die hohe Kompetenz der Städte.Landkreise und Gemeinden anerkennen würden. Stadlers Fazit: "Bernreiter und Schaidinger werfen der FDP Ahnungslosigkeit vor, wissen aber selbst nicht, dass wir die von ihnen kritisierte Forderung gar nicht erhoben haben."
FDP will Internet-Sperre rückgängig machen
Gesetz war im Kampf gegen Kinderpornografie beschlossen worden – Fachwelt klagt über Beginn von Web-Zensur
Stadler zu BILD.de: „Wir wollen das von der großen Koalition beschlossene Gesetz wieder rückgängig machen. Es muss uns um die Täter gehen und nicht um eine Zensur im Internet. Das ist ein wichtiger Punkt in den Koalitionsverhandlungen.“
Hintergrund: Union und SPD hatten die Sperrung von Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt beschlossen. Wer künftig auf eine Kinderporno-Seite klickt, soll nur noch ein Stoppschild sehen.
Kritiker bewerteten das Vorhaben als unwirksam, weil nicht die Täter bekämpft würden. Gleichzeitig wurde der Beginn einer Zensur-Infrastruktur bemängelt.
Die Piratenpartei schöpfte aus der Diskussion ihre Kraft – und gewann bei den Bundestagswahlen über zwei Prozent der Stimmen, schaffte in Großstädten teilweise sogar zweistellige Ergebnisse.
Stadler: „Das zeigt uns, dass das Thema Internet und Zensur gerade bei jungen Leuten wichtig ist, und wir als FDP gut daran tun, unsere Position klar zu machen".
Der FDP-Rechtsexperte betonte, dass die Internet-Sperren in der Fachwelt als unwirksam bewertet worden seien. „Um die Kinderpornografie im Internet wirklich zu bekämpfen, müssen wir mit den Nachbarländern zusammen arbeiten und international nach Lösungen suchen.“
AUFGESPIESST UND FESTGENAGELT
Die Bundestagswahl scheint mir einen treuen Brief- und Einsage-Freund eingebracht zu haben. Und was für einen! Dr. Max Stadler hat mir wieder was geflüstert. Ich habe ihm zum beachtlichen Ergebnis gratuliert, das ich aber schon mehr seiner Person zuschreibe. „Nach der Wahl“, erzählt der Stimmengewinner, „ist nur kurz Zeit fürs Feiern geblieben“. Bei seiner FDP stand gleich am Montag die erste Sitzung der neuen Landesgruppe in Berlin an, die CSU tagte am Dienstag.Politische Zukunft
Aber vor der Abreise hat sich der Herr Stadler über eine Wiederbelebung der intensiven Gespräche mit OB Dupper und Landrat Meyer geeinigt: Die Frontmänner von Stadt und Land tun mit, wenn endlich wieder mehr „Passauer Runden“ der MdBs und MdLs aus der Region zu Stande kommen sollen. „Der Konkurrenzkampf aus der Vorwahlzeit ist Vergangenheit , jetzt geht es um gemeinsames Engagement für die Zukunft der Region“, fordert Stadler. Haufenweise Themen wie die finanzielle Ausstattung der Gemeinden, der Erhalt von Arbeitsplätzen, Tanktourismus, die bessere Zugverbindung mit München, verbesserte Auffahrten auf die Datenautobahn, Verkehr, die Lage der Milchbauern und ein Gesamtkonzept für das Dreiländereck Niederbayern, Oberösterreich, Südböhmen liegen für ihn auf der Hand.
Hochprozentige Wahlkreisgewinner
Die Wahlkreiskönige der Parteien: Rote Kohlenpottbarone, katholisches Landvolk, Berliner Originale – und der Freiherr.Berlin - Ja, es gibt sie noch – Sozialdemokraten, die einen Wahlkreis mit wehender Fahne gewinnen können. Die eine echte, absolute Mehrheit der Erststimmen auf sich ziehen können. Der Wahlkreiskönig der SPD heißt Joachim Poß. 54,3 Prozent hat er in Gelsenkirchen geholt, da, wo die Partei stets eine ansehnliche Stammwählerschaft hatte – und noch hat, trotz des Niedergangs der alten Industrien. Auch der Wahlkreisvizekönig der SPD kommt von dort – Gerd Bollmann holte in Herne- Bochum II 51,3 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen reichte es freilich in beiden Wahlkreisen schon nicht mehr zur absoluten Mehrheit. Die Nummer drei der SPD nach Erststimmen lag schon unter 50 Prozent: Johannes Pflug schaffte in Duisburg II 47,6 Prozent. Poß ist übrigens ein Steinmeier-Mann. Von einem Linksruck will der Finanzpolitiker nichts wissen. Er sieht die SPD weiter als „Partei der linken Mitte“.
Und auch sie gibt es noch: CSU-Politiker, die locker über 60 Prozent kommen. Nun ja, einen noch – den schneidigen Freiherrn aus Franken. Karl-Theodor zu Guttenberg kam im Wahlkreis Kulmbach auf stolze 68,1 Prozent. Das war es dann auch schon. Stephan Meyer krebselte in Altötting mit 60,7 Prozent gerade noch über die einstige Sollstärke gestandener Christsozialer. Die Nummer drei der CSU, Reinhard Brandl, musste in Ingolstadt schon mit 57,2 Prozent zufrieden sein.
Auch die CDU hat noch einen Sechzigprozenter: Franz-Josef Holzenkamp, Bauer und Landvolkfunktionär, holte in Cloppenburg-Vechta 62,3 Prozent, da, wo die katholisch-ländliche Welt noch in Ordnung ist. Die Wahlkreiskönige der CDU stammen übrigens alle aus diesem nordwestlichen Zipfel Deutschlands. Im Wahlkreis Mittelems kam Hermann Kues auf 54,6 Prozent. Und im Wahlkreis Borken II stimmten 54,2 Prozent der Bürger für den CDU-Mann Johannes Röring, auch er katholischer Landwirt. In Baden-Württemberg schaffte nur noch ein CDU-Kandidat den Sprung über die 50-Prozent-Marke, und das noch nicht einmal im einst tiefschwarzen Oberschwaben, sondern im nördlichen Wahlkreis Odenwald-Tauber.
Dafür ist der Südwesten jetzt erst recht die Hochburg der FDP. In mehreren Wahlkreisen kommen die Freidemokraten auf über 20 Prozent der Zweitstimmen und liegen vor der SPD. Das schaffte nicht einmal Parteichef und Spitzenkandidat Guido Westerwelle in Bonn. Erststimmenkönig seiner Partei ist er mit 19,1 Prozent dennoch – weil anderenorts FDP-Wähler stärker zugunsten der Union (oder wie in Freiburg auch der SPD) ihre Stimme splitteten. Zweiter Mann der FDP ist Max Stadler, der in Passau auf 18,9 Prozent kam. Dritter Liberaler nach Erststimmen (und ganz vorn bei den Zweitstimmen) ist der Parlamentarische Geschäftsführer Ernst Burgbacher, der im Wahlkreis Rottweil- Tuttlingen 17,7 Prozent holte.
Das linke Spitzentrio ist bekannt, es gewann mit Direktmandate im Osten Berlins: Petra Pau (47,6 Prozent), Gesine Lötzsch (47,5), Gregor Gysi (44,7). Auch der grüne Topmann kommt aus Berlin: Lokalheld Hans-Christian Ströbele schaffte in Friedrichshain-Kreuzberg 46,8 Prozent. Der grüne Wahlkreisvizekönig ist eine tragische Figur: Parteichef Cem Özdemir kam in Stuttgart I auf 29,9 Prozent, war aber auf der Landesliste nicht abgesichert. Renate Künast holte in Tempelhof-Schöneberg 26,3 Prozent.
Stadler: FDP und Union werden sich schnell auf Entlastung von Familien verständigen
Bosbach: Kein Verlust von sozialer Gerechtigkeit unter Schwarz-GelbBonn (ots) - Bonn/Berlin, 01. Oktober 2009 - Der stellvertretende Unionsfraktionschef Wolfgang Bosbach (CDU) rechnet nicht mit weniger sozialer Gerechtigkeit unter einer schwarz-gelben Bundesregierung. In der PHOENIX RUNDE (Ausstrahlung 01.10., um 22:15 Uhr) sagte Bosbach auf die Frage, ob es unter der neuen Koalition Verlierer geben werde: "Nein, wir werden Gewinner haben, wenn wir in Deutschland wieder begreifen, dass es einen untrennbaren Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen und der sozialen Leistungsfähigkeit eines Landes gibt. Wenn wir nicht zu alter Stärke zurückfinden, können wir Vieles vergessen, was wir uns sozialpolitisch wünschen." Auch eine Steuerreform sei unter dem Aspekt der sozialen Gerechtigkeit zu sehen. "Soziale Gerechtigkeit schulden wir nicht nur denjenigen, die eine staatliche Transferleistung bekommen. Soziale Gerechtigkeit schulden wir auch den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern." Wenn mehr als die Hälfte einer Gehaltserhöhung durch Steuern und höhere Sozialbeiträge aufgefressen werde, dürfe der Gesetzgeber davor die Augen nicht verschließen, so Bosbach. Ebenfalls in der PHOENIX RUNDE setzte sich der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Max Stadler (FDP), für eine Stärkung des Mittelstandes ein. "Wir brauchen jetzt Gewinner im Mittelstand - dort, wo die Arbeitsplätze entstehen, damit man auch der Armut vorbeugt", so Stadler. Auf eine Entlastung von Familien werde man sich in den Koalitionsverhandlungen mit der Union "sehr schnell" verständigen können. Doch auch eine Steuerstrukturreform müsse angegangen werden. "Die Mega-Aufgabe, das Steuersystem insgesamt zu vereinfachen und gerechter zu gestalten, die muss Schwarz-Gelb jetzt anpacken", sagte Stadler in der PHOENIX-Sendung.
FDP triumphiert, CSU spekuliert – und die SPD resigniert!
Spätestens seit Montag steht fest, dass die Passauer Region künftig nur noch von zwei Bundestagsabgeordneten in Berlin vertreten sein wird. Jella Teuchner (SPD) schaffte aufgrund des desolaten Abschneidens ihrer Partei nicht mehr in den Sprung in den Bundestag – mit bitteren Konsequenzen für die Passauer Stadträtin Karin Kasberger, die ihren Job als Teuchners Büroleiterin los ist. Dr. Max Stadler triumphierte als bundesweit zweitbester FDP-Mann gleich nach Parteichef Guido Westerwelle. CSU-MdB Dr. Andreas Scheuer erhielt zwar die meisten Stimmen, musste allerdings im Vergleich zu 2005 herbe Verluste in Kauf nehmen.Es war am Samstagabend vor dem großen Wahlsonntag, als für Andreas Scheuer ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende ging. Er feierte zum einen seinen 35. Geburtstag, zum anderen seinen Ausstand aus der JU. Mit 35 ist es automatisch vorbei mit der „Jungen Union“. Konnte er an diesem Abend noch in politischen Erinnerungen schwelgen, wurde er am nächsten Tag von der Realität eingeholt: Seit Monaten war er von Termin zu Termin gehetzt. Der Lohn: Seine CSU sackte in Bayern auf gerade mal 42 Prozent, Scheuer selber pendelte sich – im allgemeinen CSU-Abwärtstrend liegend – in seinem Wahlkreis bei 46 Prozent ein. Das sind minus 12 Prozent zu 2005.
„Es gibt nichts schön zu reden, ich werde das Ergebnis kritisch analysieren“, meint er einen Tag später. Und ergänzt gleich kämpferisch: „Es sind noch immer 28 Prozent zum Zweitplatzierten!“ Er meint Dr. Max Stadler, der auf 19 Prozent hochgeschnellt ist. Doch Scheuer weiß auch, dass ihm Stadler, der „hoch angesehende FPDler“, einige Prozentpunkte gekostet hat. „Wo und wie ich präsent war, macht mich das schon stutzig“, siniert Scheuer, der sich als einer sieht, der sich für die Region „zerreißt“ und in „hoher Schlagzahl“ gekämpft hat – vielleicht zuviel des Guten? „Bezüglich der Effizienz muss ich mir schon die Frage stellen“, sagt Scheuer.
Max Stadler kann sich zufrieden zurücklehnen. Nur Guido Westerwelle hat in seinem eigenen Stimmkreis besser abgesahnt als der Schaldinger. In dieser Hinsicht hat nicht einmal Frau Leutheusser-Schnarrenberger eine Chance, die allerdings als Justizministerin hoch gehandelt wird. Es wäre vermutlich der Traumjob für den Passauer Abgeordneten, der früher mal als Staatsanwalt und später auch als Richter im Bayerischen Justizdienst tätig war.
„Für Personalspekulationen ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt“, äußert sich Stadler auf PaWo-Anfrage vorsichtig. Er weiß, was er momentan sagen darf und was nicht. Der erfahrene Polit-Fuchs wird aber auch wissen, dass sein sensationelles Abschneiden bei den FDP-Bossen nicht völlig ignoriert werden kann.
Jella Teuchners bundespolitische Karriere ist dagegen zu Ende. Platz 18 reichte nicht bei 16 zu vergebenden bayerischen SPD-Plätzen. „Enttäuschend“ sei das Ergebnis der Roten, mit dem sie nie gerechnet hätte. Wie geht es weiter mit der 53-Jährigen, die seit 15 Jahren im Bundestag war? „Ich habe keinen Plan B in der Tasche", erklärt sie. „Fakt ist, dass ich noch 12 Jahre bis zur Rente arbeiten muss. Wo, das weiß ich noch nicht."
Teuchner ist sich keiner Fehler bewusst, die sie im Wahlkampf gemacht hätte. „Ich würde im Nachhinein nichts anders machen", meint sie. Und spricht von der „Beliebigkeit der Wähler“. Den häufig zitierten Kritikpunkt, sie sei zu wenig in der Region präsent gewesen, weist sie von sich: „Ich bin kein Typ für Volksfest-Auftritte. Ich habe inhaltlich gearbeitet und der Tag hat nun mal nicht mehr als 24 Stunden."
Das Aus für Jella Teuchner als Bundestagsabgeordnete hat auch für eine Passauer SPD-Stadträtin bittere Konsequenzen: Die beliebte Politikerin Karin Kasberger leitete nämlich Teuchners Büro in Passau und muss sich demnächst einen neuen Job suchen. Nachdem am Montag das Bundestags-Aus für ihre Chefin fest stand, herrschte verständlicherweise großes Entsetzen bei Teuchners Mitarbeitern.
Kasberger nahm sich daraufhin spontan einige Tage Auszeit, ließ sich für sämtliche Stadtratstermine in dieser Woche entschuldigen und tauchte erst mal ab. Auf mehrfache telefonische Anfrage war Kasberger nicht erreichbar. „Sie will jetzt erst mal Ordnung in ihr Leben bringen“, hieß es aus ihrem Bekanntenkreis. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende ist Mutter eines Sohnes und im gesamten Passauer Stadtrat hoch angesehen. Sie gilt als sehr leutseliger Mensch und fleißige Frau, die seit vielen Jahren mit großer Freude in Teuchners Büro arbeitete.
Kasberger, die gerne den Umgang mit Menschen pflegt, hatte als Büroleiterin einen erfüllten Job gefunden. Niemand hatte ernsthaft damit gerechnet, dass Teuchner aus dem Bundestag fliegen könnte. Ganz Passau drückt Kasberger jetzt die Daumen, dass sie möglichst bald einen neuen Posten findet.
SPD-MdB ade: Am Montag machte sich Jella Teuchner auf den bitteren Rückweg nach Berlin – und zwar in ihrem Wahlkampfbus, da ein Umzug ansteht: Ihre Tochter beginnt in Berlin ein Studium. Die Mutter hat mit ihrem eigenen Umzug noch bis zum 31. Oktober Zeit – dem Ende der aktuellen Legislaturperiode.
Spätestens dann wissen auch die Passauer, welche Rolle ihre beiden verbliebenen MdBs in der schwarz-gelben Koalition spielen werden.
Martin Reitmeier
„Wir sind in einer Koalition die zweitstärkste Kraft“
PNP-Interview mit der bayerischen FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger - Westerwelle als Fraktionsvorsitzender bestätigt
"Hinterkopf haben, dass sie doppelt so stark ist wie die CSU"
Berlin/Passau. Der FDP-Parteivorsitzende Guido Westerwelle ist fast einstimmig (eine Stimme war ungültig) als Chef der neuen FDP-Bundestagsfraktion bestätigt worden. Die anderen Mitglieder der Fraktionsführung bleiben kommissarisch im Amt bis zur Bildung der neuen Regierung. Da Westerwelle vermutlich Vizekanzler und Außenminister wird, muss dann die Fraktionsführung neu gewählt werden. Dafür gehandelt wird die baden-württembergische Landeschefin Birgit Homburger.
Der FDP-Chef sprach von einer „ganz wichtigen Rückendeckung“ für die Koalitionsverhandlungen mit der Union. Das FDP-Präsidium wird voraussichtlich am Donnerstag die Mitglieder der Verhandlungskommission benennen.
Die bayerische FDP-Chefin und Bundes-Vize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger pochte derweil im Interview mit der PNP darauf, bei den Verhandlungen mehr auf Inhalte denn auf das Tempo zu achten: „Von diesem Koalitionsvertrag muss auf jeden Fall ein Aufbruchsignal ausgehen.“
Die Union will die Koalitionsverhandlungen bis Ende Oktober abschließen. Hat es die FDP auch so eilig?
Leutheusser-Schnarrenberger: Wir wollen auch, dass zügig verhandelt wird. Aber klar ist, dass wir zuerst auf Inhalte und Sorgfalt setzen und nicht auf Tempo.
Gibt es für die FDP Grundsätze, die nicht verhandelbar sind?
Leutheusser-Schnarrenberger: Wir bleiben bei unserem Wahlprogramm. Steuersenkungen, mehr Geld für Bildung und die
Stärkung der Bürgerrechte - das sind unsere Kernpunkte. Wir gehen jetzt aber nicht in die
Gespräche mit Forderungen, die für uns unverhandelbar sind. Von diesem Koalitionsvertrag muss auf jeden Fall ein Aufbruchsignal ausgehen. Es muss klar sein, dass die Weichen anders gestellt werden.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel kann sich auch stufenweise Steuersenkungen vorstellen, mit einem Einstieg bei den Familien.
Leutheusser-Schnarrenberger: Das wäre eine Möglichkeit. Wir brauchen aber auch Korrekturen bei der Unternehmensteuerreform. Mit einem ersten Schritt würde die Koalition ein Zeichen des Aufbruchs setzen.
Was sind für Sie die wichtigsten Punkte, die aus der Zeit der Großen Koalition korrigiert werden müssen?
Leutheusser-Schnarrenberger: Die Freiheits- und Bürgerrechte müssen gestärkt werden. Die FDP will Korrekturen beim BKA-Gesetz. Das Paket mit den Anti-Terror-Gesetzen ist viel zu umfangreich geschnürt. Die FDP wird sich auch gegen Internetsperren einsetzen. Diese Zugangseinschränkung wollen wir verhindern.
Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt Korrekturen beim Gesundheitsfonds strikt ab . . .
Leutheusser-Schnarrenberger: In unserem Wahlprogramm steht ganz klar, dass wir den Gesundheitsfonds abschaffen wollen. Das ist unsere gesundheitspolitische Forderung. Wir brauchen andere Weichenstellungen. Da sind wir uns mit der CSU völlig einig.
Mit der geplanten Abschaffung der Wehrpflicht haben Sie sich auch in der Vergangenheit nicht durchsetzen können . . .
Leutheusser-Schnarrenberger: Die Aussetzung der Wehrpflicht, bei der wir die fehlende Wehrgerechtigkeit beklagen, bleibt ein Streitthema mit der Union. Das kommt auf den Verhandlungstisch. Sicher wird es schwierig.
Im Wahlkampf hat der politische Gegner gewarnt, dass es mit der FDP zu sozialen Einschnitten kommen würde . . .
Leutheusser-Schnarrenberger: Diese Vorwürfe sind absurd. In unserem Programm ist nichts enthalten, was zu sozialem Kahlschlag führen würde. Im Gegenteil: Wir wollen das Schonvermögen für Langzeitarbeitslose im Hinblick auf Alterssicherung anheben. Es wird mit uns keinen Kahlschlag geben. Wir müssen aber prüfen, wie die Sozialsysteme zukunftsfähig gemacht werden können.
1990 stellte die FDP bei einem Wahlergebnis von 11 Prozent fünf Minister in der Regierung Kohl. Heute liegen Sie bei knapp 15 Prozent. Wie viel Regierungsposten dürfen es jetzt sein?
Leutheusser-Schnarrenberger: Vor Beginn der Verhandlungen erheben wir keine Ansprüche auf Ministerposten. Aber jeder sieht an unserem Ergebnis, wie stark wir sind. Wir sind in einer Koalition mit der CDU und der CSU wohlgemerkt die zweitstärkste Kraft. Es ist klar, dass sich das im Kabinett widerspiegeln muss. Aber übers Personal reden wir zum Schluss.
Die CSU und ihr Chef Horst Seehofer haben die FDP im Wahlkampf attackiert. Jetzt sitzen beide Parteien am Verhandlungstisch. Zeit für ein Mea culpa?
Leutheusser-Schnarrenberger: Die FDP wird ihren Stil beibehalten. Gerade auch in Bayern. Wir stellen die Sachpolitik in den Vordergrund, andere nicht. Wenn wir einen Koalitionsausschuss haben, werden wir in Ruhe über diese Themen reden. Das muss natürlich noch mal ein Stück aufgearbeitet werden, da ist die Stimmungslage nicht mehr so gut. Dennoch: Wir werden nüchtern und professionell verhandeln. Die FDP wird immer im Hinterkopf haben, dass sie doppelt so stark ist wie die CSU. Das wird sich dann auch am Ende entsprechend niederschlagen.
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Interview: Andreas Herholz
Der Spielverderber
Andreas Scheuer (CSU) erklärt seine Schwäche in der Stadt mit der Stärke seines Konkurrenten Max Stadler (FDP)Wo Max Stadler auftaucht, hat nur er selbst zu lachen (hier am Wahlabend auf der Neuburg). Die Konkurrenz fürchtet ihn als Stimmenfänger.
Von Thomas Seider
Der Wahlkampf, ein gerade überstandener Marathon! Und dann diese Fragen. Andreas Scheuer hat doch das Direktmandat zum Wiedereinzug in den Bundestag ungefährdet geholt. Da reagiert er etwas forsch auf die Frage, ob er mit 37,44 Prozent in seiner Heimatstadt Passau denn zufrieden sein kann. Dafür gebe es schließlich nachvollziehbare Gründe, meint er. Nach eben diesen haben wir ihn gefragt.
„Moment mal, ich liege immerhin über dem Landestrend der CSU“, legt Scheuer los. Das stimmt bezogen auf seine 46,51 Prozent im gesamten Wahlkreis Passau Stadt und Land. Allerdings waren die Parteifreunde in den umliegenden Wahlkreisen alle stärker - „natürlich, denn in Passau ist es immer schon schwieriger.“ Der Grund dafür hat einen Namen: Max Stadler.
Mit dem FDP-Aushängeschild hat Scheuer einen Spielverderber in seinem Wahlkreis. Stadler ist der einzige niederbayerische FDP-MdB. „Er ist kommunalpolitisch verwurzelt und hat einen großen Bekanntheitsgrad. Dass ein Max Stadler Prozentpunkte abzieht, ist klar“, sagt Scheuer. Dass zwischen ihm und dem Konkurrenten im Wahlkreis immer noch mehr als 27 Prozent Abstand blieben, findet Scheuer bemerkenswert gut, nicht bemerkenswert schlecht. Und wie Stadler habe auch er mit dem persönlichen Erststimmen-Ergebnis das Zweitstimmen-Ergebnis der Partei übertroffen, was doch für einen persönlichen Erfolg spreche.
Beschränkt auf die Stadt sieht es anders aus. Hier hat Scheuer nicht nur dramatische 13 Prozent gegenüber 2005 verloren, sondern liegt auch unter dem CSU-Ergebnis. Stadler dagegen übertrifft das FDP-Ergebnis in der Stadt noch viel deutlicher als im Wahlkreis. Macht also der Passauer Scheuer etwas falsch, was der Passauer Stadler richtig macht - müsste er vielleicht sein kommunalpolitisches Engagement steigern? „Der Wähler kann zwischen Kommunal- und Bundespolitik unterscheiden“, beharrt Scheuer. „Ich frage, was die anderen machen, das wir nicht auch machen.“ Sein Fazit: „Meine Mannschaft und ich haben getan, was wir konnten. Wir haben uns nichts vorzuwerfen.“
Die Großen werden kleiner, die Kleinen größer
CSU und SPD fahren in Ostbayern zum Teil herbe Verluste ein - FDP überflügelt SPD - Nur Westerwelle schneidet besser ab als StadlerPassau/Altötting. Zumindest freut er sich für seinen Nachfolger: „Ich gönne es Karl-Theodor“, sagt Ernst Hinsken. „Er ist ein richtiger Polit-Star und ein absolut fähiger Mann.“ Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte den Haibacher CSU-Bundestagsabgeordneten als Deutschlands Stimmenkönig abgelöst - 68,1 Prozent holte Guttenberg in seinem Wahlkreis im bayerischen Kulmbach. Hinsken, mit 68,0 Prozent Stimmenkönig der Bundestagswahl 2005, hingegen musste herbe Verluste einstecken und sich mit 55,4 Prozent (minus 12,6 Punkte) begnügen. Ein Grund: In diesem Jahr traten sieben Gegenkandidaten in seinem Wahlkreis an. „Mit meinem persönlichen Ergebnis bin ich nicht zufrieden. Da hätte ich mir schon mehr erwartet“, klagte Hinsken. Aber die Entscheidung des Wählers müsse er hinnehmen.
Verglichen mit Bayerns SPD-Chef Florian Pronold klagt Hinsken auf hohem Niveau. Der Deggendorfer SPD-Politiker erlebte gestern einen „schlimmen Tag“. In Niederbayern, Oberbayern und Schwaben schnitt die Partei sogar schlechter ab als die FDP. „Wir haben ein Drittel der Mandate verloren“, berichtet Pronold resigniert. Da sei es wenig aufmunternd, dass die Bayern-SPD mit Verlusten von 8,6 Prozent weniger schlecht abschnitt als die Bundes-SPD (minus 11,2 Prozent). „Mit 16 Bundestagsabgeordneten in Bayern sind wir nicht mehr flächendeckend vertreten“, klagte Pronold. „Das wird ganz schwierig.“ Die niederbayerischen Sozialdemokraten trifft es besonders hart: Von den ehemals drei Bundestagsmandaten - Florian Pronold, Bruni Irber, Jella Teuchner - ist nur eines übrig: das des Landeschefs. Irber-Nachfolgerin Rita Hagl scheiterte in Deggendorf mit ihrer Direktkandidatur gegen Barthl Kalb (CSU) und Jella Teuchner (Passau) verpasste nach 15 Jahren im Bundestag ganz knapp die Wiederwahl auf Listenplatz 18. Was sie jetzt anfängt, weiß sie noch nicht, aber „irgendwie wird es schon weitergehen“, sagte sie der PNP.
Im östlichen Teil Oberbayerns bleibt alles beim Alten: Die SPD-Kandidaten Dr. Bärbel Kofler und Ewald Schurer sind Dank ihrer Listenplätze auch weiterhin im Bundestag vertreten: So kam Bärbel Kofler (Listenplatz 16, Betreuungsabgeordnete für den Landkreis Altötting) im Wahlkreis 225 auf 15,12 Prozent, Ewald Schurer (Listenplatz 9, Betreuungsabgeordneter für den Landkreis Mühldorf) konnte 17,65 Prozent in seinem Wahlkreis überzeugen.
Die CSU-Direktkandidaten eroberten zwar alle Wahlkreise im Freistaat und schicken 45 Abgeordnete nach Berlin, doch alle mussten Einbußen bei den Erststimmen hinnehmen. Einzige Ausnahme: Karl-Theodor zu Guttenberg, der acht Prozentpunkte zulegte. Matthäus Strebl verpasste als erster Nachrücker auf der CSU-Liste den Wiedereinzug in den Bundestag, Stephan Mayer wurde mit 60,7 Prozent (minus 4 Punkte) zweitbester CSU-Abgeordneter, Max Straubinger kam auf 53,6 Prozent (minus 11,4), Barthl Kalb auf 52,9 (minus 8,2), und Andreas Scheuer erzielte 46,5 Prozent (minus 12). Im Wahlkreis Landshut verteidigte Wolfgang Götzer mit 50,5 Prozent (minus 8,5) sein Direktmandat. Dennoch bleiben ihm die Wahlkampf-Konkurrenten erhalten: Die Landshuter Linke-Kandidatin Kornelia Möller und Grünen-Kandidat Thomas Gambke ziehen in den Bundestag ein, beide über die Liste.
Die FDP hatte eine realistische Chance, neben Max Stadler einen weiteren niederbayerischen Kandidaten nach Berlin zu schicken. Der Freyunger Gerhard Drexler (45) hatte sich den 15. Listenplatz erkämpft. Theoretisch bedeutet jeder Prozentpunkt ein Mandat: Drexler durchlebte am Sonntag ein Wechselbad der Gefühle. Mal lag die FDP bei den Hochrechnungen in Bayern über, mal unter 15 Prozent. Laufend klingelte das Handy, die Gratulanten sprachen ihn schon mit „Herr Bundestagsabgeordneter“ an. Doch Drexler hörte auf sein Bauchgefühl: „Erst wenn ich es offiziell weiß, ist es sicher.“ Er sollte Recht behalten. Letztendlich fehlten der FDP 12 135 Stimmen in Bayern für ein 15. Mandat. Jetzt ist Drexler 1. Nachrücker. „In der letzten Periode rückten drei nach“, macht er sich weiterhin Hoffnungen auf ein Ticket nach Berlin.
Derweil greift Max Stadler nach dem FDP-Stimmenkönigstitel: Vor fünf Jahren war er drittbester FDP-Kandidat (9,9 Prozent) und heuer (18,9 Prozent) lässt er nur Parteichef Guido Westerwelle - ganz knapp - den Vortritt (19,1 Prozent). - lm/rh
Niederbayerische SPD muss zwei Mandate abgeben
Passau/Altötting. Die SPD in Niederbayern wurde bei der Bundestagswahl besonders stark gebeutelt. Von bisher drei Mandaten blieb nur eines: das von Florian Pronold. Rita Hagl, Nachfolgekandidatin Bruni Irbers, scheiterte mit ihrer Direktkandidatur in Deggendorf, Jella Teuchner, bisher MdB, schaffte es mit Listenplatz 18 diesmal nicht. Bei der CSU ging Listenkandidat Matthäus Strebl (Dingolfing) leer aus. Max Stadler (FDP) erzielte ein Traumergebnis von 18,9 Prozent (2005: 9,9 Prozent) und kehrt auf sicherem Listenplatz ins Parlament zurück. Sein Parteifreund Gerhard Drexler kam nicht zum Zug. In Ost-Oberbayern wurden Bärbel Kofler und Ewald Schurer (SPD) auf sicheren Listenplätzen wiedergewählt.Zu früh gefreut: Drexler doch nicht in Berlin
Die 14,7 Prozent aus Bayern reichten nicht für ein Bundestagsmandat - Erster NachrückerFreyung. Alle hatten sie ihm schon gratuliert. Die 30 Anhänger bei der Wahlparty sowieso. Aber auch die, die Gerhard Drexler schon kurz nach 18 Uhr am Handy anriefen. Freunde und Bekannte, ja sogar Landrat Ludwig Lankl (CSU). Doch der FDP-Mann Drexler, sonst kaum zu bremsen in seiner Begeisterungsfähigkeit, hatte am Sonntagabend kein gutes Bauchgefühl. „Erst wenn ich den offiziellen Anruf kriege, ist es sicher“, antwortete er den Gratulanten, die ihn bereits mit „Herr Bundestagsabgeordneter“ ansprachen. Seine Frau Susanne lächelte. „Gerhard, Du machst es wie immer spannend.“
Gerhard Drexler hat es letztlich doch nicht geschafft. Erfahren hat er es am Montagmorgen um 6 Uhr aus dem Internet. In der Nacht davor hatte er bis kurz nach 1 Uhr am PC gesessen, seine Excel-Tabelle gefüttert und gebangt, ob das FDP-Ergebnis aus Bayern für 15 Mandate in Berlin reichen könnte. 14,7 Prozent - eigentlich war klar, das reicht nur für 14 Mandate. Aber ein letzter Funke Hoffnung war da. „Die Sonstigen kommen auf 8,5 Prozent, das ist gut“, redete er sich ein. Doch Drexler war klar: Es wird nicht reichen. Er braucht es nicht schwarz auf weiß. Er legte sich ins Bett und stand erst um 6 Uhr auf, um sich dann die Bestätigung im Internet anzuschauen.
Am Tag zuvor hatte er sich schon einen Schlachtplan zurecht gelegt: 4 Uhr aufstehen, 5 Uhr mit dem Auto nach Berlin fahren, 11.30 Uhr erste Fraktionssitzung mit den alten und neuen Abgeordneten. Er sollte nun doch nicht dabei sein.
Drexler gibt sich gar nicht so enttäuscht. „Das Ergebnis ist eh super“, tröstet er sich. „Ich bin 45. Es gibt ja noch ein paar Wahlen.“
Der Passauer FDP-Abgeordnete Max Stadler, der mit seinem 2. Platz auf der Liste gleich hinter Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sicher in den Bundestag einzog, bedauerte es gestern kurz vor besagter Fraktionssitzung in Berlin sehr, dass Drexler nicht dabei sein konnte. „Das ist ein ganz, ganz großer Wermutstropfen in dieser sonst so gut verlaufenen Wahl. Ich hatte sehr gehofft, dass es reicht. Gerhard Drexler wäre mit seiner Art eine Bereicherung für das Parlament gewesen“, sagte Stadler.
Drexler, der in Freyung unabhängiger Versicherungs- und Fonds-Makler ist, hofft auf eine Nachrücker-Möglichkeit. „In vier Jahren kann viel passieren. Beim letzten Mal kamen drei Nachrücker zum Zug“, rechnet er bereits weiter. „Oder sie haben sich wieder verzählt“, merkt er ironisch an.
Drexler hatte beim Kampf um einen guten Platz auf der FDP-Liste zweimal für Aufregung gesorgt. Als in Deggendorf der Direktkandidat für die FDP nominiert werden sollte, überraschte er die sich sicher wähnenden Deggendorfer damit, dass er seine Anhängerschaft in einem Bus mitbrachte. Er hatte FDP-Wähler mobilisiert und so den parteiinternen Konkurrenten geschlagen. Als es Wochen später in der Dingolfinger Stadthalle um die Listenplätze ging, unterlag Drexler immer wieder und landete schließlich mit einer Stimme Unterschied auf Platz 16. Wenn es noch einen einigermaßen aussichtsreichen Platz gab, dann war das der 15. Schließlich wurde festgestellt,dass man sich verzählt hatte. Drexler rutschte auf den angestrebten Platz 15. Es sollte ein Wackelplatz bleiben.
Drexler hat es in den vergangenen Jahren und vermehrt in den vergangenen Monaten verstanden, auf sich aufmerksam zu machen. Annähernd 10 000 Euro steckte er in den Wahlkampf. Die FDP, die im Landkreis nahezu am Boden lag, stand wieder auf. Vor vier Jahren schaffte es Drexler als Bundestagskandidat auf 8,2 Prozent im Landkreis Freyung-Grafenau. Lediglich in drei Orten kam er knapp über 10 Prozent. Jetzt, vier Jahre später, steigerte er sein Ergebnis als Direktkandidat um sechs Prozent. Nur in einem einzigen Ort (Riedlhütte) blieb er unter zehn Prozent. Eine Umkehrwende.
Gerhard Drexler, der zwei Enkel hat, bleibt in den Startlöchern, auch wenn er sich für die nächsten drei Tage ausklinken will. Der Wahlkampf hat den gewichtigen Mann angestrengt. Ein bisschen analysieren will er dann aber doch noch. So fällt auf, dass er lediglich in St. Oswald-Riedlhütte unter 10 Prozent blieb - ein klares Zeichen dafür, dass der Wirtschaftsmann Drexler trotz seiner mehrmaligen Auftritte in der Glashütte nicht das Vertrauen der Gloserer gewinnen konnte.
Die Parteizentrale in München rechnete gestern aus, wie viele Stimmen fehlten, um auf das 15. Mandat zu kommen. Es wären 12 135 gewesen, die FDP hätte in Bayern auf 14,9 Prozent kommen müssen. Wenn die Wähler aus dem Landkreis Freyung-Grafenau Drexler nach Berlin hätten schicken wollen, hätten sie der FDP drei Mal so viele Stimmen geben müssen, wie sie es am Sonntag getan haben. Die FDP hatte 5341 Zweitstimmen erhalten.
So haben die Bürger in den ostbayerischen Städten gewählt
Zweitstimmen-Ergebnisse in Prozent - FDP auch in der Region der große Wahlsieger - Zugewinne für die Linke*Altötting:*
Wahlbeteiligung: 61,46; CSU 54,81; SPD 11,83; FDP 11,39; Grüne 7,26; Die Linke 5,35; NPD 1,46; REP 1,24; ödp 1,17.
*Bad Griesbach:*
Wahlbeteiligung: 60,91; CSU 44,93; SPD 12,97; FDP 18,94; Grüne 7,86; Die Linke 6,47; NPD 1,84; REP 0,44; ödp 1,99.
*Burghausen:*
Wahlbeteiligung: 67,95; CSU 42,56; SPD 20,62; FDP 12,86; Grüne 10,59; Die Linke 5,85; NPD 0,82; REP 0,53; ödp 0,94.
*Deggendorf:*
Wahlbeteiligung: 60,04; CSU 41,88; SPD 15,34; FDP 16,38; Grüne 8,82; Die Linke 7,84; NPD 2,03; REP 1,91; ödp 1,01.
*Dingolfing:*
Wahlbeteiligung: 58,30; CSU 47,80; SPD 17,70; FDP 13,30; Grüne 6,50; Die Linke 6,30; NPD 1,50; REP 1,60; ödp 1,40.
*Eggenfelden:*
Wahlbeteiligung: 61,44; CSU 47,02; SPD 16,67; FDP 14,51; Grüne 8,32; Die Linke 5,19; NPD 1,89; REP 0,54; ödp 1,88.
*Freyung:*
Wahlbeteiligung: 65,09; CSU 47,82; SPD 13,57; FDP 15,94; Grüne 6,34; Die Linke 7,56; NPD 1,63; REP 1,39; ödp 1,74.
*Grafenau:*
Wahlbeteiligung: 63,32; CSU 46,31; SPD 15,25; FDP 14,83; Grüne 6,31; Die Linke 7,68; NPD 2,17; REP 1,66; ödp 0,82.
*Hauzenberg:*
Wahlbeteiligung: 61,23; CSU 43,41; SPD 19,96; FDP 12,59; Grüne 6,18; Die Linke 9,63; NPD 1,68; REP 0,79; ödp 2,35.
*Landau a. d. Isar:*
Wahlbeteiligung: 62,04; CSU 50,50; SPD 13,90; FDP 13,30; Grüne 6,20; Die Linke 5,50; NPD 1,40; REP 2,00; ödp 2,90.
*Neuötting:*
Wahlbeteiligung: 63,51; CSU 53,10; SPD 14,02; FDP 12,96; Grüne 7,34; Die Linke 5,00; NPD 1,38; REP 0,62; ödp 0,96.
*Osterhofen:*
Wahlbeteiligung: 63,82; CSU 51,22; SPD 12,67; FDP 13,94; Grüne 6,76; Die Linke 6,62; NPD 2,52; REP 1,01; ödp 1,37.
*Passau:*
Wahlbeteiligung: 65,59; CSU 40,23; SPD 17,08; FDP 16,37; Grüne 10,40; Die Linke 7,81; NPD 1,33; REP 0,43; ödp 2,08.
*Pfarrkirchen:*
Wahlbeteiligung: 62,58; CSU 46,81; SPD 15,03; FDP 14,62; Grüne 7,96; Die Linke 6,45; NPD 1,62; REP 0,62; ödp 2,10.
*Plattling:*
Wahlbeteiligung: 57,25; CSU 47,27; SPD 15,83; FDP 13,20; Grüne 6,04; Die Linke 8,93; NPD 2,09; REP 1,23; ödp 1,01.
*Pocking:*
Wahlbeteiligung: 56,25; CSU 46,09; SPD 14,17; FDP 17,74; Grüne 6,21; Die Linke 7,13; NPD 1,96; REP 0,48; ödp 1,98.
*Regen:*
Wahlbeteiligung: 62,08; CSU 44,70; SPD 17,06; FDP 14,13; Grüne 6,43; Die Linke 8,53; NPD 1,42; REP 1,05; ödp 1,90.
*Simbach a. Inn:*
Wahlbeteiligung: 59,78; CSU 50,54; SPD 15,44; FDP 13,13; Grüne 8,35; Die Linke 5,13; NPD 1,23; REP 0,57; ödp 1,49.
*Töging:*
Wahlbeteiligung: 62,46; CSU 45,18; SPD 20,92; FDP 12,15; Grüne 7,18; Die Linke 6,54; NPD 1,17; REP 0,88; ödp 1,19.
*Viechtach:*
Wahlbeteiligung: 58,81; CSU 46,99; SPD 15,58; FDP 14,83; Grüne 6,59; Die Linke 6,51; NPD 1,78; REP 0,57; ödp 2,17.
*Vilshofen a. d. Donau:*
Wahlbeteiligung: 60,44; CSU 44,87; SPD 15,67; FDP 14,07; Grüne 7,57; Die Linke 8,71; NPD 1,77; REP 0,81; ödp 2,06.
*Waldkirchen:*
Wahlbeteiligung: 56,70; CSU 49,75; SPD 11,85; FDP 15,87; Grüne 5,24; Die Linke 7,69; NPD 1,61; REP 0,77; ödp 1,42.
*Zwiesel:*
Wahlbeteiligung: 57,60; CSU 43,72; SPD 19,69; FDP 14,68; Grüne 6,44; Die Linke 9,04; NPD 1,20; REP 0,67; ödp 1,00.
Ostbayerns Abgeordnete: Frust bei SPD und CSU
Pronold: „Bittere Niederlage“ - CSU-Direktkandidaten verlieren deutlich - Hinsken nicht mehr StimmenkönigMax Stadler war gestern ein begehrter Interviewpartner. Er wurde mit 18,91 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Passau zwar nur zweiter Sieger, zieht aber über die FDP-Liste wieder in den Bundestag ein.
Regen/Passau. Der bisherige deutsche „Stimmenkönig“ Ernst Hinsken (CSU) ist von seinem Thron gestürzt worden. In seinem Wahlkreis Regen/Straubing-Bogen erzielte der Haibacher Abgeordnete bei der gestrigen Bundestagswahl nur noch 55,4 Prozent der Erststimmen - vor vier Jahren waren es noch 68 Prozent. Hinsken behält jedoch das Direktmandat. Neuer ostbayerischer Stimmenkönig ist CSU-MdB Stephan Mayer (Altötting/Mühldorf) mit 60,7 Prozent der Stimmen. Im gesamten Freistaat fuhr allerdings Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Wahlkreis Kulmbach) mit 68,1 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis ein.
Besonders dramatisch waren die Verluste für Ernst Hinsken in Bodenmais (Lkr. Regen). Dort entfielen nur noch 34,62 Prozent der Stimmen auf ihn. Für seinen Widersacher von der SPD, den Bodenmaiser Bürgermeister Michael Adam, stimmten in der Bayerwald-gemeinde dagegen 53,82 Prozent der Wähler. 24 Prozent der Stimmen verlor Hinsken auch in Viechtach. Seit seiner ersten Direktwahl in den Bundestag 1983 hatte der CSU-Politiker immer klare Siege mit 60 Prozent und mehr eingefahren. Hinsken zeigte sich dennoch zufrieden: „Das Ergebnis ist natürlich nicht so, wie ich es erwartet habe, wir werden genau analysieren müssen, was nicht richtig gelaufen ist im Wahlkampf. Trotzdem bin ich zufrieden darüber, dass ich im Land Bayern mit den 55,4 Prozent ein Spitzenergebnis bei den Erststimmen eingefahren habe. Es ist ein Trend, dass die CSU auf dem Land überdurchschnittlich verliert.“
Federn lassen musste auch Max Straubinger im Wahlkreis Rottal-Inn. Sein Erststimmenergebnis ist mit 53,6 Prozent im Vergleich zum September 2005 um fast zehn Prozent schlechter. Damit hat der CSU-MdB aber aber erneut das Direktmandat gewonnen. Sein politischer Gegner, der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold, ist indes über die Liste abgesichert. Er erzielte 17,5 Prozent (minus 7,16 Prozent) der Erststimmen. „Ich freue mich über meine Wiederwahl“, sagte Max Straubinger am Abend, „aber natürlich bin ich über das Gesamtergebnis der Partei enttäuscht.“ Florian Pronold sprach dagegen von einer „bitteren Niederlage, wobei es auch kein Trost ist, dass die Verluste im Wahlkreis geringer sind als bayern- und deutschlandweit“.
In die Fußstapfen von Ernst Hinsken als neuer Stimmenkönig in der Region ist offenbar Stephan Mayer aus Oberbayern getreten. Der CSU-Abgeordnete holte 60,74 Prozent der Erststimmen. Der Verlust gegenüber 2005 ist mit vier Prozentpunkten vergleichsweise gering. „Ich habe in den vergangenen sieben Jahren unter Beweis gestellt, dass ich engagiert und leidenschaftlich die Belange der Region vertreten habe. Dafür hat mir der Wähler heute ein Zeugnis ausgestellt, mit dem ich zufrieden bin“, sagte Mayer.
Im Wahlkreis Deggendorf /Freyung-Grafenau hat MdB Barthl Kalb sein Direktmandat verteidigt. Auf den CSU-Politiker entfielen 52,9 Prozent der Erststimmen. Kalbs Widersacher von der FDP, Gerhard Drexler (11,85 Prozent), hat aufgrund des herausragenden Ergebnisses der Liberalen durchaus noch Chancen, über die Liste in den Bundestag zu gelangen.
Sicher im Bundestag sind auch Dr. Andreas Scheuer (CSU) und Dr. Max Stadler (FDP). Auf Scheuer entfielen im Wahlkreis Passau 46,51 Prozent der Erststimmen, auf Stadler 18,91 Prozent. „Die Bundestagswahl hat gezeigt, dass die Watschn für die CSU bei der letzten Landtagswahl kein Betriebsunfall war, sondern einen klaren Trend zeigt: Die Bayern wollen eine zweite bürgerliche Kraft. Und das ist die FDP“, kommentierte Max Stadler das Ergebnis. Er zieht erneut über die FDP-Liste in den Bundestag ein. Die Passauer SPD-Abgeordnete Jella Teuchner muss dagegen noch um ihren erneuten Einzug bangen. Sie holte in Passau 14,2 Prozent der Erststimmen. - pnp/ism
So haben die Passauer gestern gewählt
Dramatische Verluste für Scheuer (CSU) - Stadler (FDP) mit Sensationsergebnis - Teuchner (SPD) schwachVon Thomas Seider
Das Ergebnis der Bundestagswahl in der Stadt Passau unterscheidet sich deutlich vom Gesamtergebnis im Wahlkreis, den Stadt und Landkreis zusammen bilden. Direktmandat-Sieger Andreas Scheuer (CSU) hat in der Stadt mit 37,44 Prozent neun Prozent weniger eingefahren als im Wahlkreis. Max Stadler (FDP) schnitt in der Stadt mit 25,11 Prozent gut sechs Prozent besser ab als im Wahlkreis. Jella Teuchner (SPD) erreichte in der Stadt 15,16 Prozent und damit ein Prozent mehr als im Wahlkreis. Boris Burkert (Grüne) kam in der Stadt auf 10,28 Prozent, im Wahlkreis lag er knapp drei Prozent niedriger.
Im Vergleich zur Bundestagswahl 2005 verlor Scheuer in der Stadt dramatische 13 Prozent, Teuchner über sieben. Stadler gewann mehr als zehn Prozent hinzu, Burkert gut zwei. Joseph Wandl übertraf in der Stadt mit 7,45 Prozent das Ergebnis des damaligen Linke-Kandidaten Hans Langmaier um vier Prozent. Andreas Seitz (ÖDP) kam auf 3,00 Prozent, seine Partei hatte bei der Bundestagswahl vor vier Jahren keinen Kandidaten. Martin Gabling (NPD) schnitt mit 1,56 Prozent etwa so ab wie sein Vorgänger Karl-Heinz Ziener.
Andreas Scheuer blieb in der Stadt knapp drei Prozent unter dem CSU-Zweitstimmenergebnis. Sein stärkstes Wahllokal war das Autohaus Röhr mit knapp 45 Prozent, sein schwächstes mit 28 Prozent in Schalding r.d.D. Dort hatte Max Stadler ein Heimspiel und 42 Prozent - das einzige Wahllokal, in dem er selbst den CSU-Kandidaten übertrumpfen konnte. Umgekehrt hatte Stadler bei VW Röhr mit knapp 11 Prozent sein schwächstes Ergebnis.
Wie im Wahlkreis schnitt Stadler auch in der Stadt erstmals als zweitbester Direktkandidat ab. Mit einem Sensationsergebnis lag er zehn Prozent besser als Jella Teuchner. Vor vier Jahren hatte sie noch über sieben Prozent Vorsprung. Stadlers gutes persönliches Abschneiden in der Stadt zeigt sich auch daran, dass er fast neun Prozent mehr Erststimmen einfuhr als die FDP Zweitstimmen.
Jella Teuchner hatte ihr bestes Wahllokal mit knapp 22 Prozent in der Grundschule Grubweg, ihr schwächstes mit knapp elf Prozent in der Grundschule Haidenhof.
Rang vier sicherte sich Boris Burkert. Er schnitt in der Stadt etwa gleichauf mit den Grünen als Partei ab. Seinen Rekord schaffte er mit fast 24 Prozent in der Grundschule Innstadt, weniger als vier Prozent hatte er dagegen in Schalding r.d.D.
Ebenfalls ähnlich wie die Linken als Partei landete Joseph Wandl. Er schaffte in einem der Wahllokale in der Grundschule Heining über 14 Prozent.
Andreas Seitz kam in der Stadt mit drei Prozent eines höher als die ÖDP bei den Zweitstimmen. Er war am besten im Auersperg-Gymnasium mit fünf Prozent.
Über ein Prozent bei den Zweitstimmen kam einzig noch die Piraten-Partei, die in der Stadt mit 1,94 Prozent noch vor der NDP und knapp hinter der ÖDP lag. In der Volksschule St. Nikola kamen die Piraten auf annähernd sieben Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit knapp 67 Prozent vier Prozent unter der von 2005.
So verlustreich kann ein Sieg sein
CSU-Direktkandidat Andreas Scheuer zieht wieder in den Reichstag ein, verliert aber im Landkreis 12 ProzentVon Werner Windpassinger
* Neuburg am Inn. * Als sich gestern Abend kurz nach 18 Uhr bei der ersten TV-Prognose das katastrophale Abschneiden der SPD abzeichnete, brauste noch Applaus bei einigen CSU-Funktionären auf, wenig später wurde es aber still im Landkreissaal. Stimmung mochte nicht so recht aufkommen. Als nach und nach die Einzelergebnisse aus den Gemeinden bekannt wurden, war auch klar: CSU-Hoffnungsträger und Spitzenmann Andreas Scheuer konnte sich nicht vom Negativ-Trend seiner Partei abkoppeln und verlor bei den Erststimmen zwölf Prozentpunkte - das sind rund 17 700 Stimmen weniger als 2005. Für seine SPD-Kollegin Jella Teuchner kam es noch schlimmer: Sie muss um ihr Mandat in Berlin bangen.
Die CSU auch im Landkreis weiter auf Talfahrt: Landrat und Kreisvorsitzender Franz Meyer setzte auf die kommenden drei Jahre - »die sind ohne Wahlen. Da können wir in Ruhe zeigen, was wir können. Und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen«. Sein Parteikollege und CSU-Fraktionschef im Kreistag, Reinhold Hoenicka, zeigte sich ebenfalls erschüttert über das Minus der CSU, das sogar noch das Schockergebnis der letzten Landtagswahl unterbot, formulierte aber zugleich auch Mitleid mit der SPD: »Da verschwindet eine Volkspartei, darüber sollten wir uns nicht freuen!« Heute will die Landkreis-CSU in Büchlberg ab 20 Uhr im Gasthaus Escherich die Wahl analysieren.
Wirklich freuen konnten sich gestern andere. Die kleine Runde der Liberalen, anfangs um MdL Franz-Xaver Kirschner, später kam unter lautem Hallo Spitzenkandidat Max Stadler hinzu, sorgte angesichts eines historischen Spitzenergebnisses der FDP im Landkreis wenigstens für etwas Stimmung im Saal. Stimmenverdoppelungen - das gibt es nicht alle Tage. Stadler war der begehrteste Interviewpartner des Abends. Gegenüber der PNP machte er deutlich, dass sowohl sein persönlicher Erfolg als auch der seiner Partei klar zeigen würden, »dass die Wähler-Watsch'n für die CSU bei der Landtagswahl kein Betriebsunfall war«. Mit dem jetzigen Ergebnis hätten die Bayern erneut gezeigt, dass sie eine zweite bürgerliche Kraft im Freistaat haben wollen - die FDP eben.
Keine Stellungnahmen und keine Reaktionen gab es von MdB Jella Teuchner. Die SPD-Kandidatin war erst gar nicht auf die Neuburg gekommen. So musste MdL Bernhard Ross , der als einziger prominenter Sozialdemokrat aus dem Wahlkreis den Weg in den Landkreissaal gefunden hatte, das Desaster kommentieren: »Ein Drama«, zwei Worte, ein Gesichtsausdruck. Zum Schicksal von Jella Teuchner äußerte er wenig Hoffnung. Innerhalb der Partei sei immer davon ausgegangen worden, dass mindestens 17 Prozent bayernweit für die SPD herauskommen müssen, damit Teuchners Listenplatz sicher ist. »Das aber wackelt jetzt kräftig. Wir hoffen auf das eine oder andere Direktmandat. Das macht Luft für die Liste. Für Jella wird's eng. «
Stadler strahlt, Scheuer schluckt schwer, Teuchner taucht ab
Passau/ Neuburg am Inn - Wie schockgefrostet die SPD, deprimiert die CSU, glückstrahlend die FDP, gut gelaunt die Linke und gedämpfte Freude bei den Grünen. Selbst im kleinen Kreis eines niederbayerischen Provinz-Wahlstudios, im Landkreissaal des Schlosses Neuburg am Inn, spiegelte sich bei den Vertretern der Parteien diese Stimmung wider.Nach einer großen Koalition müssen die Partner Federn lassen, weil sie ihre Konturen verlieren. Mit dieser Einschätzung waren sich CSU-Bundestagsabgeordneter Andreas Scheuer und SPD-Landtagsabgeordneter Bernhard Roos sinngemäß einig wie nie. Der eine sprach davon, dass Vertrauen zurückgewonnen werden müsse, der andere vom verloren gegangenen Profil.
Auf der Großleinwand verkündet eine betont fröhliche Angela Merkel, sie wolle Kanzlerin für „alle Deutschen“ sein - obwohl sie nur von jedem dritten Wähler gewählt wurde. Ihre proklamierte „Partylaune“ wegen des erreichten Wahlziels, dem Wechsel in eine neue, stabile schwarz-gelbe Regierung, konnte die CSU-Brüder in Bayern nicht anstecken. Sie schnitten schlechter ab als bei der Landtagswahl. Ministerpräsident Seehofer muss sich in den ersten Interviews die Niederlage eingestehen.
Die CSU-Politiker in Schloss Neuburg schieben sich vor Frust Häppchen in den Mund oder schlucken schwer am Bier. Der Einzige, der in Champagnerlaune sein könnte, trinkt bekanntlich nichts: FDP-Bundestagsabgeordneter Dr. Max Stadler. Er übt sich im Lächeln. Auf ihn sind an diesem Abend Mikrophone und Kameras gerichtet. Eine kritische Anmerkung, dass Seehofers Schüsse gegen die FDP wohl nach hinten losgegangen seien, kann er sich nicht verkneifen. Auch das ist aus den ersten Wahltabellen zu lesen: In vielen Landkreis-Orten hat der FDP-Mann die SPD-Kandidatin Jella Teuchner überflügelt, die sich gar nicht erst sehen ließ.
"Für jedes Prozent darf ein bayerischer Grüner nach Berlin", rechnete Grünen-Kandidat Boris Burkert vor. Er bangt vielmehr wegen des Passauer Bürgerentscheids zum Thema Radfahren. Die Ergebnisse sind in den Wahllokalen sehr unterschiedlich und es sieht schlecht aus, dass Radler freie Fahrt in der neuen Fußgängerzone bekommen: 49 Prozent der abgegebenen Stimmen sagten "JA", 51 Prozent "Nein".
Scheuer verliert über 13 Prozent
In der Stadt Passau hat Direktmandat-Gewinner Andreas Scheuer (CSU) dramatische Verluste hinnehmen müssen. Er kam auf 37,44 Prozent und verlor damit gegenüber der Bundestagswahl 2005 über 13 Prozent. Max Stadler (FDP) steigerte sich in der Stadt um mehr als zehn Prozent auf 25,11, Jella Teuchner fiel um sieben Prozent auf 15,16.AUFGESPIESST UND FESTGENAGELT
Was sagst denn zu den vielen Ampelausfällen und Straßen-Sperrungen dieser Tage? Eigentlich fließt der Verkehr aber selbst an Brennpunkten wie dem Schanzl ohne Lichtsignale fast kommoder. Die Marienbrücke, das alte Dauer-Nadelöhr, soll Montag fertig markiert werden und wieder uneingeschränkt befahrbar sein.
Minister in spe
Das kann man vom Domplatz-Parkplatz Gott Lob auch fast wieder sagen. Weißt, was da gegraben wird? Und das hurtiger als von den Arbeitern selbst geglaubt: Stromkabeltunnel für dem Greindl sein neues Dompost-Café. Zum Parkthema habe ich einen Brief bekommen, den ich mit Freude und Ehrfurcht aufgerissen habe: Vom Max Stadler nämlich, den übrigens nicht wenige als möglichen neuen Bundesjustizminister sehen.
Anwohner-Daten
Er schreibt: „Liebe Kathi Hasenbradl! Dir liegt ja die Altstadt ganz besonders am Herzen. Bestimmt haben dich auch die Klagen von Anwohnern erreicht, die wegen der Baustellen am Domplatz nicht recht wissen, wo sie ihre Pkw abstellen sollen. Stadtratskollege Andreas Dittlmann und ich haben uns bei der Stadt erkundigt und erfahren, dass elf Stellplätze betroffen sind, aber die Baumaßnahmen nach spätestens zwei Wochen beendet sein sollen. Was man künftig freilich in solchen Fällen meiner Meinung nach besser machen könnte: Die Stadt könnte die Anwohner rechtzeitig informieren, vor allem mitteilen, wie lange die Parkplätze entfallen. Dann kann sich jeder darauf einstellen. Die Adressen derer, die eine Anwohner-Berechtigung haben, hat die Stadt ja. Da steht auch der sonst von uns Liberalen hoch gehaltene Datenschutz nicht gegen eine Information.“
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Koalitionssträußerl
Tu du mir fei morgen nicht das Wählen vergessen! Am besten daran gefällt mir ja die Buntheit der Parteien. Die passt gut in die bunte Blätter Zeit jetzt. Sollte unseren Abgeordneten Stadler, Scheuer, Teuchner und allen andern hiesigen Polit-Kandidaten die neue Farbzusammensetzung in Berlin ned taugen, können sie sich bei mir am nächsten Freitag ein Koalitionssträußerl in den Farben ihrer Wahl binden lassen, findet eine tröstliche Idee /Deine Kathi/
Liebe Kathi,
Auf seinem täglichen Weg zur Sparkasse ist der Scharfrichter wirt Landshuter diese Tage schnell an mir vorbei geeilt und hat mich schief angeschaut und nichts gesagt. Jetzt weiß ich auch warum. Der gewordene Opa hat natürlich geschimpft bei der Programmvorstellung und dem Kulturreferent Max Brunner vorgeworfen, dass er die Nibelungenfestspiele versenkt und nicht mit Worms gesprochen hat. Keine Spur an Biss hat er verloren. So Walter, ich hoffe, jetzt passt es wieder.
Vorschriften
Und auch Stadtwerke-Chef Gottfried Weindler hat sich gemeldet. Und um Verständnis für sein Kassenpersonal im peb gebeten. Es gebe halt einmal Vorschriften, und die könne das Personal nicht eigenmächtig ändern. Die Familienkarte gilt für zwei Erwachsene und zwei eigene Kinder oder ein Elternteil und drei eigene Kinder. Wenn eine Familie mehr als zwei Kinder über sechs Jahre hat und diese ins Bad gehen wollen, so besteht die Möglichkeit, dies durch ein sinnvolles Dokument nachzuweisen, dann sind sie auch in die Familienkarte einbezogen.
Happy Birthday
Nun aber zu einem ganz besonderen Mann. Der Max Lehner wird 50 Jahre alt am 30. September und der Fürstenzeller prägt als Saxophonist, Gitarrist, Percussionist und Sänger seit über 20 Jahren die Live-Band Medley. Songwriter, Komponist, Produzent ist er auch. Von Hauptberuf ist er Lehrer und von Berufung auch. Und seine Schüler mögen ihn genauso wie seine Musikerfreunde und die Fans. Malen und bildhauern tut er. Aber in der Kunst der Musik ist er der Größte, jedenfalls ein Ausnahmekünstler. Du, seine Freunde schildern einen durch und durch liebenswerten wie talentierten Menschen. Talent, Lerneifer, Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit, Offenheit und ein stets nach vorn gerichteter Blick für neue Herausforderungen zeichnen ihn aus. Ich soll dem Max auf alle Fälle alles Gute wünschen und das tue ich gerne.
Wahl-Daten
Wählen ist Bürgerpflicht. Ich sag dir mal ein paar Daten zum Merken. Vor genau 40 Jahren ist der Franz Xaver Unertl ein letztes Mal als CSU-Kandidat zum Bundestag angetreten. Der unvergessene Volksredner war von 1953 bis zu seinem Tod Silvester 1970 im Parlament. Vor genau 60 Jahren fanden die ersten Wahlen statt. Damals war die Bayernpartei klarer Sieger in Niederbayern. Mit Fritz Schäffer (CSU) gab es gleich den ersten Niederbayern als Bundesminister. Der erste niederbayerische Staatssekretär wurde 1997 Klaus Rose (CSU). In Schalding r.d.D. ist er aufgewachsen und seine niederbayerische Verwurzelung hat ihn durch lange Parlamentsjahre getragen. Und vielleicht kommt ja 2009 mit Max Stadler - auch er ist ein Schaldinger - ein Niederbayer wieder in die Regierung. Aber das warten wir ab, meint dein /Passauer Tölpel/
So kritisiert die Kultur den EW-Streit
Kultur-Stadträte und Kulturschaffende zum Rücktritt der Vorsitzenden Katrin PernpointnerMit dem Rücktritt von EW-Chefin Katrin Pernpointner hat der lang schwelende Streit zwischen ihr und Intendant Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg seinen Höhepunkt erreicht. Was bedeutet das für die Festspiele? Die PNP befragte Kulturschaffende und Stadträte des Kulturausschusses.
*Kulturreferent Dr. Max Brunner:* „Eine neue Führung ist sicher eine neue Chance für den Verein. Katrin Pernpointner hat mit ihren Äußerungen für Irritationen und Querelen gesorgt - ob sie damit recht hatte, sei dahingestellt. Ich respektiere ihre Entscheidung und finde gut, dass sie weiterhin Mitglied bleiben will. Für die Stadt zählt in erster Linie, dass der Verein funktioniert und Erfolge vorweisen kann. Dafür muss es aber Veränderungen geben, im Bezug auf Profil und Satzung zum Beispiel.“
*Walter Landshuter (Scharfrichterhaus):* „Ich finde die Entscheidung von Frau Pernpointner richtig - obwohl ich sie sehr bedauere. Sie hat die Notwendigkeit einer Ablösung von Freyberg erkannt. Der Intendant hält sich für unersetzlich und hätte wohl noch zehn Jahre weiter gemacht. Allerdings war Pernpointner ihm nicht gewachsen. An die Öffentlichkeit zu gehen, war ein Fehler. Die Konsequenz ist, dass jetzt beide weg müssen.“
*Dr. Max Stadler (FDP):* „Als früherer Beisitzer im Vorstand der EW weiß ich, dass die Probleme eine Sache des Vereins sind. Als Politiker will ich hier keine Ratschläge erteilen. Der Verein muss aber wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen. Die Festspiele haben eine große Bedeutung, sie sollten durch ihr kulturelles Programm Aufsehen erregen und nicht durch Personalstreitigkeiten.“
*Oliver Robl (ÖDP):* „Da ist bestimmt vor diesem Interview einiges hinter den Kulissen abgelaufen. Wer aber wirklich zu weit gegangen ist, kann man von außen schwer beurteilen. Grundsätzlich sollte man sich nicht einmischen. Aber weil das Image der EW leidet, sollte schon langsam Ruhe einkehren.“
*Clemens Damberger (CSU):* „Wenn Frau Pernpointner sagt, dass der Rücktritt erfolderlich ist, dann akzeptiere ich die Entscheidung. Sowohl sie als auch Freyberg haben gute Arbeit geleistet, so konnte es aber einfach nicht weitergehen. Da Freyberg vertraglich bis 2011 gebunden ist, musste eben Frau Pernpointner gehen. Mir geht es bei den Festspielen grundsätzlich nicht um Personen - sondern um die Sache.“
*Karin Kasberger (SPD): *Obwohl ich sehr an Kultur interessiert bin, finde ich, dass die Lösung des Konfliktes Sache der EW ist und die Politik sich nicht einmischen sollte. Um mir ein Urteil bilden zu können, bräuchte ich mehr Einblick. Hoffentlich ist bald alles wieder im grünen Bereich, schließlich haben die EW auch überregional große Bedeutung. - kit/lu
Stadler: „Gesamtkonzept für die Region fehlt“
Der Passauer FDP-Bundestagsabgeordnete will sich künftig stärker vor Ort einbringen
*Sabine Leutheusser-Schnarrenberger* sprach bei der FDP-Kundgebung.
„Ich werde mich künftig noch mehr für die Belange der Region einsetzen“, kündigte MdB Dr. Max Stadler vor rund 80 Zuhörern auf der Wahlkampf-Abschlussveranstaltung der niederbayerischen FDP in der Passauer Peschl-Terrasse an. Neben Stadler gehörten auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, die FDP-Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin der Bayern-FDP, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, und der FDP-Bezirksvorsitzende Dr. Andreas Fischer zu den Rednern.
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Bayern ist ein Muster für Deutschland
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„Es fehlt ein Gesamtkonzept für die Region“, unterstrich Max Stadler. Er werde sich deshalb künftig weniger in Untersuchungsausschüssen und mehr für die Region einsetzen. Beispielsweise fehle ein schlüssiges Verkehrskonzept Niederbayern/Oberösterreich/Böhmen. „Das wurde von der CSU in der Vergangenheit überhaupt nicht angegangen“, betonte Stadler. Neben dem Thema Bürgerrechte liege die Kernkompetenz der FDP in den Bereichen Wirtschaft, Steuern und Arbeitsplätze. Die FDP-Politik diene dem Mittelstand. Lobende Worte fand Stadler für die anwesenden Landtagsabgeordneten Dr. Franz Xaver Kirschner, Dr. Andreas Fischer und Wirtschaftsminister Zeil: „Das positive Erscheinungsbild der FDP wird durch unsere Landtagsfraktion und die Mitglieder der Staatsregierung geprägt. Der bayerische Koalitionsvertrag ist ein Muster für die Bundesrepublik.“ Für die Bundestagswahl prophezeite Stadler: „Am 27. September endet die große, marode Koalition.“
„Niederbayern ist stark in der Landespolitik“, betonte Martin Zeil. „Wir stehen jetzt in der Verantwortung für dieses wunderbare Land. Seit letztem Jahr haben wir viele Akzente gesetzt, vor allem in der Wirtschaftspolitik.“ Der klare Kurs der FDP werde auch im Bund wieder gebraucht. Martin Zeil warnte jedoch davor, nur über Krisenmanagement zu reden. Zum Abschluss seiner Rede hob Martin Zeil die Bedeutung des Jahres 2009 hervor. „Dieses Jahr gibt es drei Jubiläen zu feiern: 60 Jahre Bundesrepublik, 20 Jahre Fall der Mauer - und ein Jahr mehr Demokratie in Bayern“, sagte Martin Zeil vor dem Hintergrund der bayerischen Regierungskoalition.
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Eine starke FDP für eine andere Mehrheit
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„Der FDP geht es darum, am 27. September stark zu sein, dass es eine andere Mehrheit gibt“, unterstrich Leutheusser-Schnarrenberger. „Wir brauchen ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit für die Bürger.“ Die FDP wolle wieder eine Innen- und Rechtspolitik, die sich an freiheitlichen Grundsätzen und am Grundgesetz orientiert. - red
Ungewöhnliche Schützenhilfe: CSU´ler hängen für FDP Plakate auf
Im Landkreis Freyung Grafenau erhielt der FDP-Bundestagskandidat Gerhard Drexler prominente Schützenhilfe von bekannten CSU-Kommunalpolitikern: Altbürgermeister Heinz Helmö aus Thurmansbang und Noch-CSU-Ortsvorsitzender Andreas Bauer trafen sich am Freitag in Neuschönau mit der FDP-Landesvorsitzenden Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und sicherten den Liberalen ihre Unterstützung zu.
Hintergrund der ungewöhnlichen Allianz ist das veraltete bayerische Kommunalwahlrecht. Opfer der verstaubten Bestimmungen wurde, wie die PaWo ausführlich berichtet hat, der Thurmansbanger CSU-Gemeinderat Andreas Bauer.
Weil er noch einen weiteren Wohnsitz hat, musste er den Gemeinderat, in den er von den Bürgerinnen und Bürger mit einem sehr guten Ergebnis hineingewählt worden war, zwangsweise wieder verlassen.
Dieser Skandal veranlasste den FDP-Rechtsexperten Dr. Max Stadler, bei den Koalitionsverhandlungen in Bayern auf ein neues Wahlrecht zu drängen. Dieser Einsatz der Liberalen imponierte Andreas Bauer und Heinz Helmö. MdB Stadler riet seinem Freyunger Parteikollegen Gerhard Drexler, ein Plakat zu drucken mit der Aufschrift „FDP für ein liberaleres Wahlgesetz“.
Damit konnten sich Andreas Bauer und Heinz Helmö voll einverstanden erklären, so dass sie sich nun für die Wahl der FDP einsetzen und für Drexler Plakate aufhängen – natürlich sehr zur Freude von FDP-MdB Dr. Max Stadler...
Martin Reitmeier <http://www.wochenblatt.de/live/php3/redaktion/ausgabevolltext.php3?untermandant=31&text=3&id=9195#>
Polit-Zwist in Sachen Überhangmandate
Berlin - Mit der Koalitionsaussage der FDP zugunsten der Union bleiben die sogenannten Überhangmandate eine Woche vor der Bundestagswahl weiter in der Diskussion.Er habe keinen Zweifel, dass die Wahl am 27. September verfassungsgemäß sein werde, sagte der FDP-Innenpolitiker Max Stadler der «Berliner Zeitung». Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warf den Sozialdemokraten vor, in dieser Frage nur aus Sorge um das eigene Wahlergebnis aktiv zu werden.
Die Diskussion werde geführt, «bloß weil die SPD Schiss hat, weil sie die Wahlen verliert», sagte Schäuble der «Leipziger Volkszeitung». Es sei aber ein «Prinzip der Demokratie», dass man sich über die Grundprinzipien des Wahlrechts nicht streite.
SPD und Grüne warnten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer Regierungsbildung allein mit Hilfe möglicher Überhangmandate. Sollte Merkel nach der Wahl nur auf Basis von Überhangmandaten eine schwarz-gelbe Regierung bilden können, so verfügt sie nach Meinung der Sozialdemokraten über eine «illegitime Mehrheit». Die Liberalen hatten sich am Sonntag bei einem Sonderparteitag in Potsdam ohne Gegenstimme für eine «Koalition der Mitte» mit der Union ausgesprochen. Nach jüngsten Umfragen haben Union und FDP eine knappe Mehrheit.
Der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck hielt Schäuble vor, mit seinen Äußerungen der Demokratie zu schaden. Wer mutwillig daran festhalte, dass ein «verfassungswidriges Wahlrecht in Kraft» bleibe, der diskreditiere die parlamentarische Demokratie, sagte Beck am Sonntag.
Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr direkt gewählte Abgeordnete bekommt, als ihr nach dem Zweitstimmen-Ergebnis zustehen. Das Verfassungsgericht hatte dies 2008 teils für verfassungswidrig erklärt, dem Gesetzgeber jedoch Zeit für eine Änderung bis Mitte 2011 eingeräumt. Spekuliert wird auf der Basis bisheriger Umfragen, dass die Union mit Überhangmandaten bis zu 20 zusätzliche Abgeordnete ins Parlament schicken könnte.
Merkel, die auch CDU-Vorsitzende ist, hatte zuletzt erklärt, sie werde nach dem 27. September notfalls auch mit einer Überhang- Mehrheit regieren. «Das Überhangmandat ist kein Mandat zweiter Klasse.» Auch mit solchen Mandaten sei eine «stabile Mehrheit» möglich.
Der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin zeigte sich beim kleinen Parteitag am Sonntag in Berlin optimistisch, eine auf Überhangmandate gestützte schwarz-gelbe Mehrheit für Kanzlerin Merkel zu verhindern. «Sie ist auch entschlossen, mit einer ergaunerten (...) Mehrheit weiterzuregieren, und ich finde, da müssen wir ihr in dieser Woche einen Strich durch die Rechnung machen», sagte Trittin.
Ein Gesetzesvorstoß der Grünen für eine Änderung noch kurz vor der Wahl war am Widerstand von Union und FDP gescheitert. Forderungen aus der SPD, dabei mit Grünen und Linken zu stimmen - und so die Änderungen noch fristgerecht zum Wahltermin durchzusetzen - waren von der SPD-Spitze verworfen worden, weil dies einen Bruch des Koalitionsvertrages bedeutet hätte.
Politische Rundreise durch die Hauptstadt
Eine Gruppe von politisch Interessierten aus Stadt und Landkreis sind der Einladung des FDP-MdB Dr. Max Stadler nach Berlin gefolgt. Neben dem Besuch des Kanzleramtes und des Reichstages und anschließender Diskussion mit MdB Stadler stand ein vielseitiges Programm auf der Tagesordnung. Vorträge und Diskussionen im Auswärtigen Amt und im Presseamt und eine auf zwei Tage aufgeteilte Stadtrundfahrt führten die Teilnehmer durch ein Berlin, das die wenigsten so kannten. - eb«Nicht schlafen, sondern freundlich schauen»
Wahlsendung - Bayerisches Fernsehen überträgt live aus der Memminger Mewo-KunsthalleBis zum Beginn der Übertragung sind es noch gut 15 Minuten. Dennoch brandet in der Mewo-Kunsthalle bereits zum ersten Mal Applaus auf. Er gilt Moderator Tilmann Schöberl (siehe Infokasten), der die Gäste im Saal auf die anstehende Live-Sendung des Bayerischen Fernsehens einstimmt. «Bitte alle Handys ausschalten», wendet sich der groß gewachsene Mann an sein Publikum und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: «Bei einer Live-Sendung weiß man nie, wer gerade im Bild auftaucht - also bitte nicht schlafen oder in der Nase bohren, sondern immer freundlich schauen.» Das sorgt für lockere Stimmung im Saal.
Dann nehmen die eingeladenen Bundespolitiker ihre Plätze ein. Sie werden in der kommenden Stunde Fragen aus dem Publikum beantworten. Jetzt ertönt eine Stimme aus der Regie: «Achtung! Noch 20 Sekunden.» Schöberl fächert sich noch mal mit seinen Stichwort-Kärtchen kühlende Luft um die Nase, dann gehts los. Pünktlich um 20.15 Uhr startet das «BR-Wahlforum».
Das Spektrum der gestellten Fragen reicht von «Steuersenkungen», über den «Sonn- und Feiertagsschutz», die «Situation der Bauern» bis hin zur «Energiepolitik». Bei den Antworten bleiben die Bundestagsabgeordneten auf den Linien ihrer Parteien und sind bemüht, es möglichst jedem recht zu machen. So betonen etwa Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) und Dr. Max Stadler (FDP), dass man durch Steuersenkungen «die Leistungsträger» unterstützen möchte.
Indes tritt Eva Bulling-Schröter (Linke) für eine «Millionärssteuer» ein.
Beim Thema Lärmschutz an Autobahnen rückt schließlich Memmingen in den Mittelpunkt. Hier macht Susanne Kastner (SPD) deutlich, dass zuerst bei neuen Autobahnen Lärmschutzmaßnahmen getroffen werden. Was ältere Autobahnen anbelangt - wie etwa die A7 - werde aufgrund von fehlenden Mitteln in den nächsten fünf Jahren sicher nichts passieren. Laut Hans-Josef Fell (Grüne) könnte aber bereits ein Tempolimit den Lärm reduzieren.
Nach der letzten Antwort des Abends ziehen die Gäste Gisela und Max Bronnenmaier das Fazit: «Es war sehr interessant, so eine Sendung mal live zu erleben. Aber politisch gesehen war nichts Neues dabei. » So habe sie das BR-Wahlforum letztlich nur in ihrer Entscheidung bestärkt. Denn das Ehepaar aus Hart hat bereits per Briefwahl seine Stimmen abgegeben.
Oppositions-Bilanz
...Modus Vivendi gefundenDie drei Oppositionsparteien haben zumindest einen gemeinsamen Modus Vivendi gefunden. So schlossen sie sich bei der Einrichtung von Untersuchungsausschüssen zusammen. Dies gelang sowohl bei der Pleite der Hypo Real Estate <http://www.tagesschau.de/wirtschaft/hre296.html> und zuvor zum Bundesnachrichtendienst (BND), der unter anderem die Kurnaz-Affäre beleuchtete <http://www.tagesschau.de/inland/bndausschuss128.html>, in die Außenminister Steinmeier als Kanzleramtschef unter Gerhard Schröder (SPD) verwickelt war. Darauf sind alle drei stolz. Ebenso wie darauf, es geschafft zu haben, gemeinsam für mehr Rechte des Parlamentarischen Kontrollgremiums erfolgreich gekämpft zu haben - auch wenn der entsprechende Gesetzentwurf dann nur von der FDP gemeinsam mit der Koalition eingebracht wurde.
"Natürlich wäre es uns nicht gelungen, wenn wir nicht Politiker der Großen Koalition für uns gewonnen hätten", sagt der FDP-Abgeordnete Max Stadler. Aber immerhin habe die Regierung den Reformbedarf anerkannt. Anders beim Thema Bürgerrechte, eine Kritik aller drei Oppositionsparteien. Dort habe die Koalition ihre Gesetzgebungsmehrheit zu viel zu weitgehenden Eingriffen genutzt.
* <http://www.tagesschau.de/wahl/aktuell/tvdreikampf102.html>*
Die Spitzenkandidaten der Opposition waren sich im "TV-Dreikampf" geliefert bei wirtschaftspolitischen Fragen ziemlich uneinig.
In einer klassischen Lager-Konstellation zwischen Regierung und Opposition nach dem Modell der "Westminster-Demokratie" schafft es die Opposition, die Regierung zu kontrollieren. Dabei hilft im Zweifel das Instrument der Normenkontrollklage beim - im europäischen Vergleich mächtigen - Bundesverfassungsgericht. Doch in dieser Legislaturperiode fehlte der deutschen parlamentarischen Opposition sogar die nötige Drittel-Stimmenzahl, um eine Normenkontrollklage gegen die Bundesregierung einbringen zu können.
<http://www.tagesschau.de/wahl/bilanzen/opposition104-magnifier_pos-4.html>
Das Verfassungsgericht wurde dennoch mehrfach angerufen. So wurde eine Beschwerde der Linkspartei gegen den Vertrag von Lissabon von den Karlsruher Richtern gemeinsam mit anderen Beschwerden in der Sache - etwa der des CSU-Politikers Peter Gauweiler - verhandelt. Mit Erfolg: Bundestag und Bundesregierung mussten ihre Begleitgesetze zum EU-Reformvertrag <http://www.tagesschau.de/inland/lissabon108.html> ändern.
"Parlamentsregeln auf den Hund gekommen!"
So kommt es, dass sich die Klagen, als Opposition schwach gewesen zu sein, im Rahmen halten. Groll herrschte bei allen dreien immer wieder über die Regierungspraxis. "Die parlamentarischen Regeln sind auf den Hund gekommen", schimpft FDP-Rechtspolitiker Stadler....
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<http://www.tagesschau.de/inland/videochatstroebele100.html>
Niemand tut etwas gegen die Zeitbomben auf der Donau
Von Thomas Seider/Die Sache ist nicht neu, doch gerade das macht sie umso ärgerlicher, meint Stadtrat Andreas Dittlmann (Passauer Liste): Niemand tut etwas gegen Frachtschiffe, die ohne Haftpflichtversicherung auf der Donau unterwegs sind - „schwimmende Zeitbomben“, wie Dittlmann sie nennt.
Für jeden Lastwagen ist eine Haftpflichtversicherung obligatorisch. Für Frachtschiffe auf der Donau nicht. Das birgt eine große Gefahr für Anrainer und insbesondere die Stadt. Auf das Thema wurde und machte Dittlmann schon vor einigen Jahren aufmerksam. In seinen Funktionen als Stadtrat und Stadtbrandinspektor hatte er erfahren, dass nach einer Havarie auf der Donau die Stadt für die Einsatzkosten aufkommen musste. Weil der Schiffseigner insolvent war und keine Versicherung bestand, waren diese Kosten nicht gedeckt.
„Was, wenn einmal ein nicht versichertes Tankschiff eine Havarie erleidet und Öl in riesiger Menge austritt? Die Umweltschäden und Einsatzkosten könnten in die Millionen gehen, und das kann an der Stadt hängenbleiben“, warnt Dittlmann. Er hatte sich schon an seinen damaligen CSU-Parteifreund OB Albert Zankl gewandt und inzwischen hat sich sogar der Bundestag mit dem Thema befasst. Aber herausgekommen, und das ärgert den Warner Dittlmann so sehr, ist nichts.
Nicht, dass der Bundestag das Problem nicht sehen würde. Dittlmanns jetziger politischer Weggefährte FDP-MdB Max Stadler hat recherchiert, dass die Bundesregierung grundsätzlich die Einführung einer obligatorischen Haftpflichtversicherung für die gewerbliche Binnenschifffahrt unterstützt. Jedoch nur unter der Voraussetzung, dass diese Verpflichtung international einheitlich geregelt ist. Eine Angelegenheit also, die eher die EU oder die Gemeinschaft der Anrainerstaaten anginge. Von irgendwelchen Initiativen in diese Richtung ist allerdings nichts bekannt.
„Ich stelle also fest, dass hier ein russisches Roulette läuft, und in der Praxis wird nach wie vor nichts dagegen unternommen“, wettert Andreas Dittlmann. Es passiert einfach nichts, bis etwas Schlimmes passiert. Aber dann ist es bekanntlich immer zu spät.
Einschaltquote
Die Sendung "Wahlinfo" im Bayerischen Fernsehen am Mittwochabend(16.9.2009) erreichte 350.000 Zuschauer in ganz Deutschland, davon
220.000 Zuschauer in Bayern.
Die Sendung kann in der BR-Mediathek des Bayerischen Fernsehens im Internet abgerufen werden unter
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/index.xml
Schäuble-Vorstoß
von Mathias BrüggmannBundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die parlamentarische Kontrolle der Nachrichtendienste abschaffen. Er wolle stattdessen ein Expertengremium berufen lassen ähnlich der Überprüfung des Haushalte durch die Rechnungshöfe. Das sagte Schäuble auf der Sicherheits- und Verteidigungskonferenz des Handelsblatts in Berlin.
BERLIN. "Parlamentskontrolle zielt auf Öffentlichkeit, Nachrichtendienste aber brauchen den Verzicht auf Öffentlichkeit", begründete Schäuble seinen Vorstoß. "Wir benötigen eine andere Art der Kontrolle der Nachrichtendienste, vielleicht sollten wir eine bestimmte Persönlichkeit dafür berufen", sagte Schäuble. "Das machen wir bei der Finanzkontrolle mit den Rechnungshöfen ja auch." Als Grund für seine Idee nannte der Innenminister, dass es vor allem von ausländischen Geheimdiensten inzwischen Zweifel daran gebe, ob Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit deutschen Diensten wie dem Bundesnachrichtendienst (BND), Militärischem Abschirmdienst (MAD) oder dem Verfassungsschutz tatsächlich vertraulich blieben.
In der ablaufenden Legislaturperiode hatte der Bundestag das Gesetz über die Kontrolle der Nachrichtendienste durch das so genannte Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) reformiert. Damit sollte nach dem Skandal um die Überwachung von Journalisten durch den BND und die Rolle deutscher Dienste im Irak-Krieg eine effizientere Überwachung der Nachrichtendienste und die Aufdeckung dortiger Missstände erreicht werden. Die Bundesregierung ist nach dem Kontrollgremiumgesetz dazu verpflichtet, das PKGr umfassend über die allgemeinen Tätigkeiten der Nachrichtendienste und über Vorgänge von besonderer Bedeutung zu unterrichten. Doch um den Umfang der Informationspflichten durch die Bundesregierung und ihren Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, Klaus-Dieter Fritsche, hat es im Bundestag immer wieder heftigen Streit gegeben.
"Schäuble sollte nun doch erst einmal abwarten, ob das neue Gesetz wirkt", sagte der Vorsitzende des PKGr, Max Stadler (FDP), dem Handelsblatt. Er wies "Schäubles Ansatz nachdrücklich zurück: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bundestag dieser Idee zustimmen würde. Denn die Kontrolle der Geheimdienste ist die ureigenste Aufgabe des Parlaments."
Auch der SPD-Innenpolitiker Thomas Oppermann kritisierte Schäuble: "Er ist nicht auf der Höhe der Zeit. Es ist völlig unverständlich, warum der Verfassungsminister gegen eine gerade beschlosseneVerfassungsreform anrennt", sagte er in Hinblick auf die vor zwei Monaten erfolgte Festschreibung der parlamentarischen Kontrolle der Geheimdienste im Grundgesetz. "Wir brauchen starke, funktionierende Nachrichtendienste, aber sie müssen fest im demokratischen System verankert sein", betont Oppermann.
Auch der Geheimdienst-Experte der Grünen, Hans-Christian Ströbele, wies Schäubles Ansinnen entschieden zurück. Es sei "parlamentarisches Grundrecht und-pflicht", die Dienste zu kontrollieren. Im übrigen habe die bisherige Arbeit des PKGr, dem er als einer von neun Bundestagsabgeordneten angehört und die zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, bisher keinerlei Schaden zu Lasten der Nachrichtendienste angerichtet. Vielmehr stelle sich die Frage, wie denn ein mit Mehrheit der Regierungskoalition gewählter Geheimdienstbeauftragter objektiv die der Bundesregierung unterstellten Dienste überwachen solle und was er mit seinen Erkenntnissen mache. Ströbele lehnte deshalb die Schäuble-Initiative "ganz eindeutig ab. Missstände müssen öffentlich gemacht werden."
Schäuble hatte zudem auf der Handelsblatt-Tagung "Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie" eine Offenlegung der Verfassungsschutz-Akten über dessen Zusammenarbeit mit der ehemaligen RAF-Terroristin Verena Becker im Fall des Mordes am damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 abgelehnt: Die Zusage von Vertraulichkeit, sagte Schäuble, sei das Lebenselixier für Dienste und Informanten.
Supereiner - Stadler im Duell mit Aigner
Bei der Live-Sendung „BR-Wahlforum“ stellen sich am morgigen Mittwoch von 20.15 Uhr bis 21.15 Uhr namhafte bayerische Politiker Bürgerfragen zu aktuellen Wahlkampf-Themen. Für die FDP wurde der Passauer MdB Dr. Max Stadler eingeladen. Ferner dabei: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner (SPD) sowie die MdB Eva Bulling-Schröter (Die Linke) und Hans-Josef Fell (Bündnis 90/Die Grünen). - redFDP-Kundgebung mit Top-Politikern
Die FDP führt zur Bundestagswahl am 27. September ihre zentrale Wahlkundgebung für Niederbayern am kommenden Freitag, 18. September, in Passau durch. Hauptredner sind die FDP-Landesvorsitzende und frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil sowie der Passauer Bundestagsabgeordnete Dr. Max Stadler. Das Schlusswort spricht FDP-Bezirksvorsitzender MdL Dr. Andreas Fischer. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Gaststätte Peschl-Terrasse in der Roßtränke in Passau. - redAufgeschnappt
Stadler hat das letzte Wort: Unverhofft kam der Passauer FDP-Abgeordnete *Max Stadler* zu der Ehre, als letzter Redner dieser Wahlperiode im Bundestagsplenum zu sprechen. Eigentlich war sein Parteikollege Jörg van Essen dafür vorgesehen. Der musste aber an einer Sitzung teilnehmen. Auch der ausscheidende SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck hörte sich Stadlers Rede zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile noch an.
AS-Echo
Reaktionen auf die Berichterstattung der Am SonntagDas hat gesessen: Die klaren Worte von Bischof Wilhelm Schraml an die Adresse der Bundestags-Kandidaten zeigten prompt Wirkung: MdB Max Stadler (FDP) antwortete dem Bischof noch am Sonntag in einem dreiseitigen Brief und bedankte sich für die „Denkanstöße“. Wie berichtet ermahnte Schraml die Politiker zur Ehrlichkeit vor und nach der Wahl, forderte mehr Hilfe für Familien und die Bekämpfung der (Kinder)-Armut. Gerade dafür versprach sich auch Andreas Seitz von der ÖDP einzusetzen, der dem Bischof ebenfalls antwortete.
In zwei Wochen: Diese Fünf wollen Ihre Stimme!
Passau.* Ihre Parteien sind im Bundestag vertreten, als Direkt- oder Listenkandidat werben sie um die Wählergunst am Wahlsonntag, den 27. September. Im Redaktionsgespräch mit der PNP bezogen Boris Burkert (Grüne), Jella Teuchner (SPD), Andreas Scheuer (CSU), Max Stadler (FDP) und Joseph Wandl (Linke) Position.
Ist es ein müder Wahlkampf, den wir derzeit erleben? Die Antwort der Kandidaten fiel durchaus unterschiedlich aus. Boris Burkert sah wenig „Pfeffer“ in der aktuellen Auseinandersetzung, da im Vergleich zu den letzten drei Bundestagswahlen - wohl auch wegen der großen Koalition - weniger Lagerdenken vorherrsche. Aber weniger Polemik und mehr Sachlichkeit wären ohnehin gut. Max Stadler verwies auf die kollegiale Zusammenarbeit der Landkreisabgeordneten („bei allen Unterschieden natürlich“), was zumindest in der Region keine Basis für persönliche Auseinandersetzungen biete. Allerdings behandle die CSU die FDP als Hauptgegner, wodurch eine unnötige Schärfe in den Wahlkampf gekommen sei. Die neuerdings von Minister Fahrenschon unterstützte Forderung der FDP zur Abschaffung der Erbschaftssteuer zeige jedoch, dass beide Parteien in wichtigen Fragen zu gemeinsamen Lösungen kommen könnten. Jella Teuchner sieht eine Reizüberflutung der Wähler, der klassische Wahlkampf mit Infoständen und Großveranstaltungen ziehe nicht mehr, „jetzt sind Fachveranstaltungen zu bestimmten Themen gefragt, das mobilisiert die Menschen viel mehr“, so ihre Erfahrung.
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„Das ist kein Spaßwahlkampf“
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Andreas Scheuer hingegen konnte keinen faden Wahlkampf entdecken und verwies auf seinen übervollen Terminkalender in den nächsten Tagen bis zur Wahl - „also, mir wird´s nicht langweilig“. Die derzeitige Ferienstimmung in Bayern sei sicher etwas lähmend, aber letztlich finde dieser Wahlkampf in einer ernsten Atmosphäre statt, weil ja auch die Lage ernst sei („das ist kein Spaßwahlkampf“). Joseph Wandl verwies auf seine fehlende Wahlkampflogistik, bei ihm seien es nur die Gespräche mit einzelnen Bürgern, die er bewerten könne. Und hier sei deutlich: Von Politikmüdigkeit spüre er wenig. Einig waren sich die Kandidaten, dass die Bundestagswahl mehr Menschen an die Urnen holen werde, als vielfach angenommen. Max Stadler: „Wir werden eine hohe Wahlbeteiligung haben. Glauben sie mir das!“
Beim Aufruf der PNP an die Leser, Fragen für das Redaktionsgespräch zu formulieren, wurde das Thema Donauausbau und damit das Schicksal des freifließenden Flusses im Landkreis mit Abstand am häufigsten genannt. Die Positionen der Kandidaten waren eindeutig: Für Boris Burkert, Max Stadler und Jella Teuchner war klar, dass nur der „sanfte Ausbau“, also mit flussbaulichen Mitteln („Variante A“ u.a. mit Buhnen) in Frage käme, Stauwehre oder gar Staustufen wurden abgelehnt.
Andreas Scheuer hingegen setzt auf das auf EU-Ebene angesiedelte variantenunabhängige Gutachten, das in zwei bis drei Jahren vorliege. Scheuer warnte davor, den sanften Ausbau vorschnell mit der Variante A gleichzusetzen, denn: Was hier flussbaulich etwa mit Bremsbuhnen am Ufer mit der Donau gemacht werde, sehe für ihn massiver aus, als ein Stauwehr. Joseph Wandl vermutete hinter der ganzen Diskussion um das neue Gutachten die Stromversorgungswirtschaft, die so den bestehenden Bundestagsbeschluss zum sanften Ausbau aushebeln will - allerdings, so wandte Andreas Scheuer ein, könne an einem Stauwehr ja gar kein Strom produziert werden. Wo da das Interesse der Energiekonzerne liege, müsse ihm mal jemand erklären.
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Gorleben oder Saldenburg?
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Erklärungsbedarf auf Seiten der SPD-Kandidatin Jella Teuchner löste die aktuelle Aussage von Umweltminister Gabriel aus, im Falle eines SPD-Wahlsieges die Erkundung der Atom-Endlagerstätte Gorleben zu stoppen. Vor dem Hintergrund, dass damit wieder Saldenburg und damit unmittelbar die Region in die Diskussion käme, forderte Max Stadler von seinen Kollegen eine klare Positionierung, ob sie wie die FDP für eine weitere Erforschung der Eignung Gorlebens eintreten würden. Jella Teuchner jedenfalls wollte kein Aus für Gorleben sehen. Ein Untersuchungsausschuss sollte aber in der nächsten Legislaturperiode Klarheit schaffen. Keinen Zweifel ließ Teuchner daran, dass es beim Zeitplan des Atomausstieges bleiben müsse. Zustimmung was Gorleben betrifft erhielt sie von Andreas Scheuer, Joseph Wandl und auch Boris Burkert, der aber große Skepsis an der Eignung des Salzstocks äußerte.
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Nach 30 Jahren endlich Autobahnbau
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Wie bei der Debatte um das Atom-Endlager, so bestimmt die Bundespolitik auch die Diskussion um die weitere Verkehrserschließung im Landkreis, hier besonders im Bundesstraßen- und Autobahnenbau. Beim leidigen Thema A 94 waren sich zwar alle einig, dass sich keine der vorhergehenden Bundesregierungen - egal welcher Coleur - mit Ruhm bekleckert habe. Allerdings war die Perspektive, aus der die Kandidaten dies bewerteten, recht unterschiedlich. Für Boris Burkert könnte ein Ausbau der bestehenden B 12 mit den entsprechenden Umfahrungen schon längst verwirklicht sein und es wären „damit viele Unfälle erspart geblieben“. Die Autobahn als Maximallösung sei unnötig und unverhältnismäßig. Max Stadler führte die Verkehrssicherheit ins Feld und da sei die Autobahn nun mal nicht zu schlagen. Er nannte es in seiner „durchwachsenen Bilanz“ als FDP-Landeschef einen großen Erfolg, dass sich die FDP für die A 94 ausgesprochen habe. Jetzt, so Stadler weiter, gehe es auch um die Verkehrsachsen nach Österreich und Südböhmen unter Einbeziehung des Autobahnzubringers Aicha v. W. und um eine bessere Bahnverbindung von Passau nach München.
Jella Teuchner machte deutlich, dass am Bau der A 94 schon deswegen kein Weg vorbeiführe, da „wir nicht von den Menschen immer mehr Flexibilität bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes verlangen können, ihnen aber dann nicht die Straßen bauen, damit sie auch da hin kommen.“ Andreas Scheuer ging das Tempo des Autobahnbaus zwar auch viel zu langsam, meinte aber mit Blick auf Malching: „Seit 30 Jahren wird jetzt zum ersten Mal im Landkreis überhaupt an der Autobahn gebaut.“ Diese drei Jahrzehnte sah Joseph Wandl etwas anders. Sie seien der Beleg, dass der Stellenwert der Region bei der Staatsregierung eher unterdurchschnittlich sei. Max Stadler nahm die Diskussion um die A 94 zum Anlass, eine Neuauflage der „Passauer Runde der Abgeordneten“ anzuregen, um auf dieser Ebene abzustimmen, was man gemeinsam für die Region erreichen könne.
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Bei der Mehrwertsteuer scheiden sich die Geister
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Was man speziell für die Heilbäder im Landkreis erreichen könne, war allerdings nicht konsensfähig. Jella Teuchner warb eindringlich für mehr Flexibilität im Angebot, mehr Aktivitäten für neue Zielgruppen und mehr Kooperation. Andreas Scheuer setzte dagegen, dass hier die Bäder ohnehin schon einen Kraftakt hinter sich hätten, etwa in der Abkehr von der Kassenkur hin zu Angeboten für Selbstzahler und Gesundheitsurlauber. Für Scheuer muss endlich ein touristisches Gesamtkonzept von Stadt und Landkreis Passau her. Und was das Instrument einer niedrigeren Mehrwertsteuer im Gastrobereich für den Tourismus bedeutet, offenbarte auch grundlegende Unterschiede. Während Max Stadler, Andreas Scheuer und auch Joseph Wandl hier einen Schritt sahen, der Tourismus-Branche konkret zu helfen, konnte sich Jella Teuchner wenig mit der Ankündigung des Gaststättenverbandes anfreunden, eine sinkende Mehrwertsteuer nicht an die Kunden weiter zu geben. Da solle das Geld schon besser beim Staat bleiben als in den Taschen der Hoteliers und Wirte. Hier kam leidenschaftliches Kontra von Max Stadler und auch Andreas Scheuer. Es sei in jedem Fall besser, das Geld bleibe für Investitionen und Modernisierungen bei den Unternehmen. Boris Burkert wollte sich hier nicht festlegen, die Ausnahmetatbestände bei der Mehrwertsteuer gehörten grundsätzlich auf den Prüfstand - „in diesem Zusammenhang kann man über Entlastungen für die Gastronomie nachdenken“. Dass allerdings nun die Forderung nach einer Steuerabsenkung für Wirte ausgerechnet von der CSU komme, die seinerzeit die Erhöhung der Mehrwertsteuer mit ermöglicht habe, zeige eine „erstaunlich Flexibilität in der eigenen Haltung“.
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Faire Preise: Bauern einigen die Kandidaten
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Weit mehr Einigkeit herrschte beim Thema faire Preise für die Bauern. Jella Teuchner mahnte eine Diskussion um den Wert von Lebensmitteln an und Max Stadler lobte wie auch Andreas Scheuer die derzeitige Kampagne des Landwirtschaftsministeriums, auf Milchprodukte hinzuweisen, die den Bauern einen fairen Preis bieten. Boris Burkert bekräftigte sein Nein zur Gentechnik und sein Ja zu fairen Preisen für gesunde Lebensmittel. Joseph Wandl wandte ein, dass die ganze Diskussion ja sehr edel sei, viele sich aber für die billigste Milch entscheiden müssten, um über die Runden zu kommen.
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Das Gespräch führten Stefan Gabriel, Markus Gerauer und Werner Windpassinger
Die FDP ist wählbar
„Ich hatte so große Hoffnung in Herrn Seehofer gesetzt, dass dieser das Land Bayern und die CSU wieder nach vorne bringen wird. Mit Entsetzen stelle ich fest, dass unser Ministerpräsident durch unkluges und unsensibles Taktieren nun die eigene Partei schwächt und somit maßgeblich dazu beiträgt, eine schwarz-gelbe Mehrheit auf Bundesebene zu verhindern. Wie blind und wenig volksnah muss Herr Seehofer sein, wenn er nicht erkennt, dass seine heillose Anti-FDP-Strategie dazu führen wird, dass sich CSU-Wähler von der eigenen Partei abwenden. Fest steht, die FDP ist wählbar und zu einem unverzichtbaren Faktor in der bayerischen Politik geworden. Andere Ministerpräsidenten hofieren die FDP, weil sie erkennen, dass mit dieser Partei erfolgreiche Politik zu machen ist und exzellente Ergebnisse zu erzielen sind. Dieses spätsommerliche Schmierentheater wird aller Voraussicht nach nicht nur mich dazu veranlassen, die Stimme der FDP zu geben.“Wolfram Hatz jun. Ruhstorf
Streitgespräch Terrorkampf: Weniger Freiheiten?
Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA haben die Welt verändert. Auch in Deutschland haben die Regierungen seitdem Gesetze umfangreich geändert und erweitert, um den Terrorismus zu bekämpfen. Krieg gegen den Terror heißt das. Kernelemente sind das Terrorismusbekämpfungsgesetz von 2002 und ein Erweiterungsgesetz dazu von 2007: verstärkte Kontrollen bei der Einreise, Rasterfahndung und biometrische Pässe die Folge.Über sämtliche Gesetzgebungsverfahren wurde trefflich gestritten. Was ist sinnvoll, was nicht, was Aktionismus, was Notwendigkeit? Haben sich die Verschärfungen ausbezahlt? *Dr. Max Stadler* (FDP), Vize-Vorsitzender im Innenausschuss des Deutschen Bundestags, und *Volker Bouffier *(CDU), Innenminister in Hessen, im Streitgespräch mit Irina Grabowski.
Herrmann weiter für Verbot der NPD
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat seine Forderung nach einem neuerlichen NPDVerbotsverfahren aktualisiert und ist damit auf Zustimmung bei SPDPolitikern gestoßen. Herrmann hatte der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, Bayern wolle sich nach der Bundestagswahl abermals um ein neues NPDVerbotsverfahren bemühen. Mitten im Wahlkampf kündigte Herrmann zudem an, er wolle zu diesem Zweck falls nötig auch mit Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) "eine klare Debatte" führen.Zuletzt hatte Bayern das NPDVerbot aufgebracht, nachdem im Dezember 2008 unter bis heute ungeklärten Umständen der Passauer Polizeidirektor Mannichl mit einem Messer attackiert worden war. Ein erster Anlauf, die NPD zu verbieten, war 2003 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen worden. Damals war Herrmanns Vorgänger im Amt, Beckstein, einer der Initiatoren. Unter Fachleuten herrscht weitgehend Einigkeit, dass längere Zeit vor einem neuen NPDVerbotsverfahren der Forderung der Verfassungsrichter gemäß sämtliche Informanten der Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern aus der rechtsextremistischen Partei abgezogen werden müssten. Zu diesem Schritt erklären sich vor allem diejenigen Länder bereit, die kaum Informanten in den Reihen der NPD haben. Bayern ist jedenfalls nach den Äußerungen des Innenministers Herrmann auch weiterhin dazu nicht bereit: "Nein, das kommt nicht in Frage", sagte Herrmann. Das Gleiche gilt für Länder wie NordrheinWestfalen, BadenWürttemberg, Niedersachsen oder RheinlandPfalz und für das Bundesinnenministerium. Der Koalitionspartner der CSU in Bayern, die FDP, machte den bayerischen Innenminister auch sogleich auf diesen Umstand aufmerksam.
Der Passauer Bundestagsabgeordnete Stadler (FDP) äußerte, wenn Herrmann die VLeute nicht abziehen wolle, ignoriere er, was das Verfassungsgericht als Vorgabe für ein neues Verbotsverfahren gemacht habe. Der Berliner SPDPolitiker Ehrhart Körting lobte hingegen Herrmanns Anregung. Körting selbst hatte Anfang des Jahres den Zorn seiner Kollegen auf sich gezogen, als er in der Zeitung "Neues Deutschland" Angaben über den Abzug von VLeuten in Berlin und anderen Bundesländern gemacht hatte. Kollegen aus CDU und SPD hatten ihm daraufhin Vertrauensbruch vorgeworfen. Herrmann hatte damals gesagt, ein solcher Schritt "wäre gefährlich und falsch". In der Innenministerkonferenz, die einstimmig ihre Beschlüsse fasst, herrscht seit Jahren über Parteigrenzen hinweg Uneinigkeit darüber, ob ein abermaliges Verbotsverfahren begonnen werden sollte, das beim ersten Anlauf von Bundestag, Bundesregierung und Bundesrat angestrengt worden war. Die NPD hatte bei den Landtagswahlen am vorvergangenen Sonntag knapp den Wiedereinzug in den Sächsischen Landtag erreicht, dabei allerdings erheblich an Mandaten eingebüßt.„Wir wollen Familien bei der Steuer entlasten“
FDP-Chef Guido Westerwelle: ?Das Verhältnis zwischen Angela Merkel und mir ist sehr solide.? FDP-Chef Guido Westerwelle verspricht, dass eine schwarz-gelbe Bundesregierung sofort nach der Bundestagswahl die Weichen für eine familienfreundlichere Politik stellen wird.
General Motors ist offenbar bereit, Opel zu verkaufen. Ein guter Tag für Deutschland?
Westerwelle: Ich rate von vorschnellem Jubel ab. Wie immer sind es die vertraglichen Details und die Bedingungen, um die es jetzt gehen wird. Ich hoffe darauf, dass die Opel-Beschäftigten eine sichere Zukunft haben. Dass die Arbeiter jetzt erstmal vorsichtig abwarten, was tatsächlich herauskommt, kann ich gut verstehen. Die Bundesregierung hat sehr früh auf nur einen Bieter gesetzt - das hat ihre Verhandlungsposition nicht gestärkt.
Themenwechsel: Schwarz-Gelb verliert laut Umfragen in der Wählergunst. Dabei ist die FDP relativ stabil. Hat die Union auf die falsche Strategie für den Wahlkampf gesetzt?
Westerwelle: Es gibt in der Union zuviel Wackelei. Viele setzen insgeheim auf die Fortsetzung der Großen Koalition. Das ist ein Fehler. Die FDP will Schwarz-Rot beenden und eine Linksregierung verhindern. Wir setzen ohne Wenn und Aber auf eine bürgerliche Regierung. Diese Klarheit fehlt der Union leider. Das zeigen die irrationalen Attacken der CSU auf die FDP.
CSU-Chef Horst Seehofer vermisst bei der FDP die soziale Balance. Nach viel Begeisterung für Schwarz-Gelb klingt das tatsächlich nicht.
Westerwelle: Von diesen Fingerhakeleien lassen wir uns nicht beeindrucken. Wer Schwarz-Gelb will, muss die FDP wählen. Wo wir regieren, geht es den Bürgern besser. Mittlerweile sitzt die FDP, wenn Sachsen hinzukommt, in den sechs größten Bundesländern mit am Kabinettstisch. Wir verbinden wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit miteinander. Die Union muss wissen, welchen Wahlkampf sie führt. Wir schießen auf das richtige Tor: Der Gegner steht links.
Geht die FDP nach 1998, 2002 und 2005 ein weiteres Mal in die Opposition, sollte es für Schwarz-Gelb nicht reichen?
Westerwelle: Wenn die Bürger sich nicht für eine bürgerliche Formation entscheiden würden, hätten wir wieder eine linke Mehrheit im Bundestag - mit SPD, Grünen und Linkspartei. Dann werden wir auch eine linke Regierung bekommen - vielleicht noch mit einer schwarz-roten Übergangsregierung. Die SPD wird unmittelbar nach der Bundestagswahl einen Generationswechsel einleiten: Herr
?Afghanistan-Einsatz schnell beenden?
Steinmeier und Herr Müntefering werden dann keine Rolle mehr spielen. Herr Wowereit, Frau Nahles und Herr Gabriel übernehmen. Alle drei haben mit Linkskoalitionen nicht das geringste Problem. Frau Ypsilanti lässt grüßen.
Reicht es nicht für Schwarz-Gelb, wäre auch Ihr Traum vom Amt des Außenministers geplatzt...
Westerwelle: Ich kämpfe nicht für eine bürgerliche Mehrheit, um selbst etwas zu werden. Ich will, dass Deutschland wieder richtige Politik bekommt.
Wie sehr hat das Verhältnis zu Ihrer Duzfreundin Angela Merkel in den Jahren der Großen Koalition gelitten?
Westerwelle: Das Verhältnis zwischen Angela Merkel und mir ist sehr solide. Und zwar so solide, dass wir gemeinsam eine hervorragende Regierung bilden werden.
Sie werben im Wahlkampf mit Steuersenkungen. Was wollen Sie sofort umsetzen?
Westerwelle: Ich verspreche, dass eine schwarz-gelbe Bundesregierung sofort nach der Bundestagswahl die Weichen für ein familienfreundlicheres Deutschland stellt. Wir wollen die Familien bei der Steuer deutlich entlasten. Die Grundfreibeträge für Kinder werden so erhöht, dass eine vierköpfige Familie ab 40 000 Euro Jahreseinkommen überhaupt erst steuerpflichtig wird. Und Betreuungskosten sollen deutlich stärker als bisher steuermindernd geltend gemacht werden können.
Noch einmal zurück zu möglichen Koalitionen: Schließen Sie eine Ampelkoalition definitiv aus?
Westerwelle: Wenn es mir nur darum gehen würde, Vizekanzler zu werden, hätte ich das bereits seit 2005 sein können: in einer Ampelkoalition mit Gerhard Schröder. Aber wir haben Wort gehalten. Auf unserem Bundesparteitag eine Woche vor der Wahl werden wir eine klare Koalitionsaussage für Schwarz-Gelb beschließen. Mit Rot-Grün geht es inhaltlich nicht, denn unter dem Strich geht es SPD und Grünen um mehr Belastungen der Bürger.
Thema Atom: Union und SPD streiten um den idealen Standort für ein Endlager in Deutschland. Welchen Weg würde hier eine schwarz-gelbe Koalition gehen?
Westerwelle: Wir suchen die Entscheidung. Was Herr Gabriel
?Wende zu erneuer-
baren Energien?
in Sachen Endlager betreibt, stinkt zum Wahlkampf-Himmel. Dass er kurz vor der Wahl 25 Jahre alte angebliche Skandalakten der Kohl-Regierung ausgegraben haben will, nimmt ihm doch keiner ab.
Bleibt die FDP bei der Forderung nach längeren Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke und einem Ausstieg vom Ausstieg?
Westerwelle: Wir wollen die Wende hin zu erneuerbaren Energien. Bis dahin werden wir aber saubere Kohle und sichere Kernkraft als Brücke brauchen. Den Ausstieg vom Ausstieg wird es für die Industrie nicht zum Nulltarif geben. Die Betreiber werden dafür Milliarden bezahlen müssen. Dieses Geld wollen wir über eine Stiftung in Energieforschung investieren.
Zur Afghanistan-Politik: Die NATO hält den Befehl eines Bundeswehr-Oberst zur Bombardierung zweier Tanklastwagen nahe Kundus für ?eine Fehlentscheidung?. Müssen hier Konsequenzen gezogen werden?
?
Westerwelle: Die Faktenlage ist noch nicht sicher. Die Bundesregierung muss jetzt alles offen legen, was sie weiß. Die verwirrende Informationspolitik der letzten Tage ist inakzeptabel und schadet der gesellschaftlichen Akzeptanz unseres Engagements in Afghanistan. Wir wollen den Einsatz so schnell wie möglich beenden, aber das darf
?Das wird kein Duell,
das wird eine Farce?
nicht überstürzt und kopflos geschehen. Die Afghanen müssen selbst für ihre Sicherheit sorgen können. Es war ein Fehler, dass die Bundesregierung ihren internationalen Verpflichtungen zur Ausbildung einheimischer Polizisten nur unzulänglich nachgekommen ist.
Opel, Afghanistan, Atomenergie - alles Themen, um die es auch im TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier am Sonntag gehen wird. Sie werden nur Zuschauer sein. Schmerzt Sie das?
Westerwelle: Es wird ein Selbstgespräch der Regierungsparteien. Das ist kein Duell, sondern eine Farce. Demokratie ohne Opposition funktioniert nicht.
Die Oppositionsparteien stehen in Deutschland für 35 bis 40 Prozent der Wähler. Über deren Argumente hinwegzugehen, ist ein schwerer Fehler der gebührenfinanzierten Fernsehsender. Das ist undemokratisch und unfair.
Konkret: Was fordern Sie?
Westerwelle: Eigentlich war in ARD und ZDF vor der Wahl noch eine Runde mit allen Parteivorsitzenden geplant. Daraus wird jetzt offenbar nichts, weil die Kanzlerin dazu keine Zeit hat. Das TV-Duell am Sonntag darf so nicht stattfinden. Es muss in eine Sendung mit allen Spitzenkandidaten umgewidmet werden. Das würde dem Geist unserer Verfassung und dem Prinzip der Gleichbehandlung entsprechen.
Gespräch: Rasmus Buchsteiner
„Wir sind doch alle Christen“
Ein Präsident und ein Kardinal bei MiE: Was Persönlichkeiten ihnen sagen wollenPassau. Politik und Kirche treffen am 16. September im Passauer Medienzentrum aufeinander. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe ?Menschen in Europa? (MiE) diskutieren der tschechische Staatspräsident Václav Klaus und Christoph Kardinal Schönborn, der Erzbischof von Wien. Die Passauer Neue Presse hat Persönlichkeiten aus dem Verbreitungsgebiet befragt, was sie sich von den Diskutanten wünschen und wie sie die Politik der beiden Männer sehen.
?Gibt es eine gemeinsame Idee Europas?? ist die Frage, zu der sich Kardinal Schönborn und Präsident Klaus äußern werden - durchaus provokant, da Klaus als EU-Skeptiker bekannt ist und die Wirtschaftssysteme der Mitgliedsländer durch die Europäische Union unterdrückt sieht.
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Die Vorteile der EU: Friede und Reisefreiheit
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Die Bedenken des Staatspräsidenten kann Deggendorfs Oberbürgermeisterin *Anna Eder* (CSU) nicht teilen: ?Ohne die EU stünden wir nicht da, wo wir jetzt stehen. Was will ein kleines Land, ohne eingebunden zu sein in eine Gemeinschaft?? Der wirtschaftliche Aufschwung vor der Krise sei nicht zuletzt auch der Europäischen Union zu verdanken. Die Vorteile der Europäischen Union liegen für sie auf der Hand: seit Jahrzehnten Frieden und die Freiheit zu reisen.
Als ?Erfolgsgeschichte? bezeichnet daher MdB *Max Stadler* (FDP) die EU. Er ist ebenfalls Gegner der Klaus-Politik, gibt aber zu bedenken: ?Man muss nicht alles gut heißen, was aus Brüssel kommt, und kann trotzdem überzeugter Europäer sein. Ich bin voll für die EU, aber auch Gutes kann immer noch besser gestaltet werden?. Der Politiker sieht einen deutlichen Reformbedarf, unter anderem mit einer Stärkung des Europäischen Parlaments und mehr Mitsprache des Bundestags, aber die EU sei unverzichtbar.
Politikwissenschaftler Prof. Dr. *Heinrich Oberreuter* würde Präsident Václav Klaus gerne sagen, dass grundsätzlich nichts einzuwenden sei gegen Skepsis gegenüber einem Übermaß an europäischer Integration und gegen die Verteidigung nationaler Identität und Souveränität. ?Aber so gut wie keine Symbiose zwischen Nation und Europa zulassen zu wollen, ist borniert und widerspricht eigenen Interessen.? Klaus schaue sich doch die Grenzregion an und den ökonomischen Aufschwung Tschechiens: ?Dann sollte er wissen, was sein Volk an Europa hat.?
Der zweite Podiumsteilnehmer, Kardinal Schönborn, fordert zusammen mit der katholischen Kirche, dass Europa wieder christlicher werden muss. Aber was müsste sich ändern, damit sich wieder mehr Menschen für den Glauben engagieren? Einen konkreten Plan dazu hat Künstlerseelsorger *Bernhard Kirchgessner*, der drei Jahre lang vom Wiener Kardinal unterrichtet wurde: ?Wir müssen christliche Spiritualität wiederentdeckten, pflegen und zugänglich machen?, sagt der Passauer. Damit könne man viele Menschen ansprechen, man müsse nur das eigene Angebot wiederentdecken. Die christliche Spiritualität sei ein maßgebliches Element Europas.
Das sieht Schriftsteller *Manfred Böckl* anders. Europa habe bereits eine vorchristliche Tradition. Der gebürtige Landauer bezeichnet sich selbst als Heide, als Anhänger einer alteuropäischen Religion in
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Ein Plädoyer für die Ökumene
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keltischer Form, deren Grundlage Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen ist. Daher kann Böckl nicht verstehen, warum christliche Kirchen am Alleinvertretungsanspruch festhalten: ?Die katholische Kirche müsste Achtung vor Andersdenkenden haben, dann ist sie glaubwürdiger - und ich glaube, auch christlicher.?
Während der Schriftsteller gerne eine Toleranz allen Glaubensrichtungen gegenüber hätte, greift Moderatorin *Carolin Reiber* nach einem Kompromiss: Die katholische Kirche könne nur gewinnen, wenn sie ökumenisch denke, wenn also alle christlichen Richtungen, Katholiken, Orthodoxe und Anhänger der evangelischen Kirche zusammenarbeiteten: ?Wir sind doch alle Christen.?
Kein Ende der Afghanistan-Debatte
Berlin (dpa) - Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich klar gegen ein festes Afghanistan-Abzugsdatum für die Bundeswehr ausgesprochen. Wer dies tue, «der spielt den Taliban in die Hände», sagte der CSU-Vorsitzende der «Passauer Neuen Presse».Zugleich betonte Seehofer: «Wir brauchen eine Strategie für den mittelfristigen Abzug der Truppen aus Afghanistan.» Angesichts der Kritik am von der Bundeswehr angeordneten NATO-Luftangriff mit Dutzenden Toten in Afghanistan forderte er eine schnelle Aufklärung: «Das sind wir den Opfern und unseren Soldaten schuldig, die für uns den Kopf hinhalten und eine faire Behandlung verdienen.»
Auch der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering bekannte sich klar zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Nach dem von Deutschland befohlenen Luftangriff betonte er bei einer Wahlkampfveranstaltung am Dienstag in Marburg: «Wir halten am Regierungsprogramm fest.» Er habe zwar großen Respekt vor Pazifisten: «Aber wir müssen im Rahmen der Völkergemeinschaft denen helfen, die drangsaliert werden.» Die große Koalition wolle mit anderen Ländern weiter am Aufbau einer eigenständigen afghanischen Polizei beteiligt sein. Die deutschen Soldaten nahm er in Schutz: «Unsere Soldaten sind keine aggressiven Krieger. Die stehen dazwischen, um zu helfen.»
Der FDP-Sicherheitsexperte Max Stadler sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung»: «Ziel muss ein rascher Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan sein, möglichst innerhalb der nächsten Jahre. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass erheblich mehr Polizisten als bisher ausgebildet werden, die für Stabilität und zivile Sicherheit im Land garantieren.» Er forderte, die «Zahl der deutschen Polizei-Ausbilder am Hindukusch kurzfristig zu verdreifachen». Notwendig sei eine massive Aufstockung auf einige hundert Beamte.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, forderte in derselben Zeitung, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) müsse die Polizeiausbildung am Hindukusch zur Chefsache machen. «Wir haben über 4000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz, aber nur rund 100 Polizisten. Damit kann man nicht eine afghanische Polizei mit 80000 Kräften aufbauen.» Das sei «ein unerträgliches Schneckentempo». Schäuble habe «viel zu spät erkannt», dass das Bundesinnenministerium eine wichtige Mitverantwortung beim Aufbau von afghanischen Sicherheitskräften habe.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Dienstag im Bundestag eine «lückenlose Aufklärung» des von Deutschland befohlenen Luftangriffs in Afghanistan zugesichert und mögliche zivile Opfer bedauert. Wie auch Bundespräsident Horst Köhler wies Merkel Vorverurteilungen der Verantwortlichen für den Militärschlag jedoch scharf zurück. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) schloss zivile Opfer nicht mehr aus.
Unterdessen wurden Informationen über eine mögliche Aufklärungslücke vor dem Abwurf der zwei Bomben bekannt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums kamen bei dem Angriff auf zwei Tanklastwagen am vergangenen Freitag 56 Menschen ums Leben. Andere, unbestätigte Quellen berichteten von weit mehr als 100 Toten. Einem Zwischenbericht der NATO zufolge soll es bis zu 78 Todesopfer gegeben haben. Über diesen Bericht hat die Regierung Abgeordnete nach deren Angaben informiert.
Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, sagte, aus den Protokollen des Angriffs werde deutlich, dass es eine Aufklärungslücke von 20 Minuten vor dem Luftschlag gegeben habe. Als Quelle nannte er in den «Stuttgarter Nachrichten» und der «Kölnischen Rundschau» Angaben des Verteidigungsministeriums. Er fügte unter Berufung auf die Erklärungsversuche des Ministeriums hinzu, es habe Hinweise auf namentlich bekannte Terroristen gegeben, die sich an den Fahrzeugen aufgehalten haben sollen. Weil nicht ausreichend Bodentruppen verfügbar waren, sei der Luftangriff gewählt worden.
MdB Dr. Max Stadler im Bayerischen Fernsehen
Ein Höhepunkt des Bundestagswahlkampfes in Bayern dürfte die Livesendung "BR-Wahlforum" am Mittwoch, 16. September 2009, werden. Das Bayerische Fernsehen überträgt die Diskussion mit Bürgerfragen zu aktuellen Wahlkampfthemen von 20:15 Uhr - 21:15 Uhr aus der MEWO-Kunsthalle in Memmingen. Für die FDP wurde der der Passauer Bundestagsabgeordnete Dr. Max Stadler zu dieser Sendung eingeladen.. Ferner haben Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner (SPD) sowie die Abgeordneten Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) und Hans-Josef Fell (Bündnis 90/Die Grünen) ihre Teilnahme zugesagt.Späte Gerechtigkeit: Der Bundestag rehabilitierte die "Kriegsverräter" der NS-Zeit
Text
UMFRAGE: Stört Sie diese Wahlwerbung?
Roland Maurtua (28), Sachbearbeiter: „Also mich stört das Plakat im
Klostergarten nicht. Ich verbringe aber auch meine Freizeit nicht hier.
Es gibt so viele andere grüne Plätze in der Umgebung von Passau, wo es
sowieso viel schöner ist als im Klostergarten. Also berührt es mich auch
nicht besonders, was hier für Werbung aufgestellt wird.“
Inge Schoblocher (63), Rentnerin: „Das muss wirklich nicht sein, dass
man da mitten im Grünen so eine Werbewand hinstellt. Man sieht ja nicht
mal die Blumen dahinter gescheit. Es gibt eh so viele Plätze, wo man
Wahlwerbung hinhängen kann und sie ist ja auch überall an den
Litfaßsäulen und so. Da stört es nicht, aber hier ist es einfach unpassend."
Johanna Sattelberger (15), Schülerin: „Also ich finde das jetzt nicht
unbedingt schön. Es passt einfach nicht, hier so mitten in den Blumen.
Überhaupt fühlt man sich schon ein bisschen bedrängt. Überall in der
Stadt hängen die Wahlplakate und von allen Seiten wird man beeinflusst.
Aber andererseits ist es ja nur für kurze Zeit. Zum Glück.“
Josef Eckerl (40), Verwaltungsfachangestellter: „Mir wäre das Plakat
zuerst gar nicht aufgefallen, als ich vorbeigelaufen bin. Ich finde es
aber auch nicht besonders schlimm, wenn es da in der Ecke vom
Klostergarten steht. Ob da so ein Ding ist oder nicht, das ist mir
eigentlich relativ egal. Vor allem, weil es ja nur für einen begrenzten
Zeitraum bleibt.“
Kerstin Venus (33), Arzthelferin: „Ich finde, in so eine Grünfläche
gehört eigentlich grundsätzlich keine Werbung. Es gibt doch genug andere
Plätze, wo man Wahlplakate aufstellen kann und es schaut halt auch
einfach nicht schön aus an dieser Stelle. Ich persönlich rege mich jetzt
nicht drüber auf, aber ich verstehe schon, wenn Leute, die hier öfter
sind, das tun.“
Elfriede Mücke (57), Reinigungsfachkraft: „Warum sollte mich das
Plakat denn stören? Ich finde, es fällt gar nicht so stark ins Auge, ich
habe es selber auch nicht gleich gesehen. Außerdem können die Politiker
ihre Wahlwerbung doch aufstellen, wo sie wollen. Das ist mir persönlich,
ehrlich gesagt, total egal.“
Späte Gerechtigkeit: Der Bundestag rehabilitierte die ''Kriegsverräter'' der NS-Zeit
Der Bundestag hat alle Urteile der NS-Militärjustiz gegen sogenannte Kriegsverräter aufgehoben. Die Linksfraktion, die die Initiatorin der Rehabilitierung der "Kriegsverräter" war, unterstützte auf Drängen der Union nicht den gemeinsamen Gesetzentwurf aller anderen Fraktionen, sondern stimmte für einen wortgleichen eigenen Entwurf.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) erklärte, mit der Rehabilitierung werde die Ehre einer lange vergessenen Gruppe von Opfern der NS-Justiz wiederhergestellt: „Wir erkennen damit den Widerstand der einfachen Soldaten an, denn sie waren am häufigsten Opfer dieser Vorschrift.“ Der FDP-Innenexperte Max Stadler sprach von einem wichtigen Zeichen.
Der Straftatbestand des Kriegsverrats war unter der NS-Herrschaft verschärft worden. Der Paragraf 57 des einstigen Militärstrafgesetzbuchs wurde zu einem Willkürinstrument, um politisch missliebiges Verhalten mit dem Tode zu bestrafen. Unter Kriegsverrat fielen beispielsweise Kontakte von Soldaten zu Kriegsgefangenen, Hilfen für Juden, Schwarzmarkthandel oder kritische Äußerungen über den Krieg. Verurteilt wurden zumeist einfache Soldaten, höhere Dienstgrade blieben verschont.
Der Bundestag hatte 1998 alle Unrechtsurteile der NS-Militärjustiz aufgehoben. 2002 beschloss das Parlament auch die pauschale Rehabilitierung von Deserteuren. Nur für Urteile nach dem Kriegsverrats-Paragrafen galt noch die Einzelfallprüfung. Faktisch war sie aber nicht mehr möglich. Nach Angaben der Bundesvereinigung „Opfer der NS-Militärjustiz“ wurden rund 30.000 Deserteure, Verweigerer und „Kriegsverräter“ durch NS-Richter zum Tode verurteilt. Etwa 20.000 wurden hingerichtet.
Der Verband begrüßte am Dienstag die Rehabilitierung. „70 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs geht für uns spät ein Traum in Erfüllung“, sagte der Vorsitzende Ludwig Baumann (87) in Bremen. Damit werde das letzte Tabu des NS-Unrechts getilgt. Baumann desertierte 1942 als Marine-Gefreiter im französischen Bordeaux. Er hat sich sein Leben lang dafür eingesetzt, dass die NS-Urteile gegen Deserteure, Verweigerer und „Kriegsverräter“ aufgehoben werden.
Im Jahr 2008 beschäftigte sich das Parlament in einer Anhörung mit der Rehabilitation der „Kriegsverräter“ als letzter Opfer-Gruppe. SPD und Union konnten sich aber nicht auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen. Grüne, Linke, ein Teil der SPD-Abgeordneten sowie einzelne Parlamentarier von Union und FDP brachten daraufhin den Gruppenantrag ein, der nun in der letzten Sitzung des Bundestags vor der Wahl am 27. September mit den Stimmen aller Fraktionen verabschiedet wurde.
Nach Angaben des Justizministeriums stellen die Staatsanwaltschaften eine Bescheinigung darüber aus, dass ein NS-Kriegsverratsurteil aufgehoben ist. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft an dem Ort, an dem auch die Verurteilung erfolgte. Liegt der Ort im Ausland, ist der Wohnsitz des Betroffenen maßgeblich. Da es keine Überlebenden der Kriegsverräter-Urteile mehr gibt, können Verwandte den Antrag stellen, um einen Verurteilten posthum zu rehabilitieren.
Bischof ermahnt unsere Politiker
von SEBASTIAN DAIMINGER
Super-Wahljahr in Deutschland, Bayern und Passau: Am 27. September stimmen wir über den neuen Bundestag ab. Die Lokal-Matadore Max Stadler (FDP), Jella Teuchner (SPD) und Andreas Scheuer (CSU) plus sechs weitere Kandidaten kämpfen um Stimmen aus der Passauer Heimat und für ein „Platzerl“ in Berlin.
Mitten im täglichen Wahlkampf-Getöse meldet sich nun Passaus oberster Kirchenherr zu Wort: Diözesanbischof Wilhelm Schraml. Eigentlich befindet sich dieser noch immer wegen eines Bandscheibenvorfalls im Krankenstand. Er hat alle Termine auf ärztliche Empfehlung abgesagt, kuriert sich daheim aus. Trotz der gesundheitlichen Probleme lässt es sich der Bischof aber nicht nehmen, den aktuellen Wahlkampf zu kommentieren. Und er spricht ernste Worte - ermahnt die Politiker, sich nicht der Effekthascherei hinzugeben. Vielmehr müssten sie die wahren Probleme unserer Gesellschaft anpacken. So erklärt der Bischof: „Zu den dringlichen Aufgaben der nächsten Zeit gehört die Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise“. Die Lösung könne nur auf der Basis einer „festen Werteordnung“ gefunden werden. Zudem fordert Schraml: „Unsere sozialen Sicherungssysteme müssen zukunftsfähig bleiben. Niemand darf alleine gelassen werden. Wer krank ist, muss unabhängig von Einkommen, Vermögen und Alter die erforderliche medizinische und pflegerische Versorgung erhalten.“ Weiter sagt er: „Menschen, die über eine lange Zeit erwerbstätig sind, müssen die Aussicht auf ein Alterseinkommen haben, das ihnen ein Leben ohne Armut ermöglicht. Armut, insbesondere auch Kinderarmut ist in unserem wohlhabenden Land ein Skandal, der dringend Abhilfe verlangt!“ Es klingt wie eine politische Predigt, bei der unser Bischof den Kandidaten aller Parteien scharf ins Gewissen redet.
Nicht hinnehmbar sei zudem die hohe und derzeit wieder ansteigende Arbeitslosigkeit. Wichtig sind ihm auch Ehe und Familie: „Ihre herausragende Rechtsstellung muss gesichert und die materielle Lage der Familien verbessert werden.“ Der Bischof warnt die Politiker aber auch, keine falschen Versprechungen oder gar Wahl-Lügen abzugeben: „Wir müssen darauf vertrauen können, dass Aussagen auch nach der Wahl Bestand haben!“ Worte, die unseren regionalen Abgeordneten gut zu Gesicht stehen.
Auch für die Wähler hat der Bischof einen Rat: Sie sollten am 27. September „klug und besonnen“ abstimmen.
„Seehofer hat meine Telefonnummer“
„Seehofer hat meine Telefonnummer“
Wirtschaftsminister Zeil verteidigt im PNP-Interview seine Arbeit gegen das „verantwortungslose Sommertheater der CSU“
„Bald macht uns die CSU auch noch für das schlechte Wetter verantwortlich“: Der stellvertretende Ministerpräsident und bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) warnt seinen Koalitionspartner, im Eifer der Wahlkampf-Gefechte „nicht die Grenze der Seriosität“ zu überschreiten. *
München. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) spricht über seine Differenzen mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), analysiert dessen angebliche Wahlkampf-Manöver und zieht Bilanz darüber, was er in seinem Ressort bisher verbessert hat.
Herr Zeil, wie lange hält die Koalition in München noch?/
Zeil: Die FDP ist der stabile Faktor der Koalition. Die Wähler wollten die 46 Jahre währende Alleinregierung der CSU bewusst beenden. Wir nehmen den Wählerauftrag ernst. Der CSU fehlt eine inhaltliche Strategie für die Bundestagswahl, deshalb redet sie die gemeinsame tägliche Regierungsarbeit schlecht.
Aber Ministerpräsident Horst Seehofer hat doch auf einer Pressekonferenz erklärt, dass Bayern nach einem Jahr mit ihm an der Spitze seine Spitzenstellung in Deutschland behauptet und sogar ausgebaut habe. Warum waren Sie als stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister nicht mit dabei? Hatten Sie keine Lust?/
Zeil: Ich war zu dieser Wahlkampfveranstaltung des CSU-Parteichefs Horst Seehofer nicht eingeladen. Diese Rolle steht bei ihm im Moment sowieso im Vordergrund. Fakt ist: Unter meiner Verantwortung betreiben wir eine effektive Wirtschaftspolitik, und zwar erfolgreich.
Seehofer sagt, sein Vorstellungsvermögen reiche nicht für den Gedanken, wie es wäre, der FDP nach der Bundestagswahl die Ministerstühle vor die Türe zu stellen. Glauben Sie ihm das?
Zeil: Mit so etwas beschäftige ich mich nicht. Die Wirtschaftskrise wird uns noch viel Kraft abverlangen. Für dieses verantwortungslose Sommertheater der CSU haben die Menschen nicht das geringste Verständnis.
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„Mit dem Wählerwillen darf man nicht spielen“
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Immerhin gibt es das Gerücht, Seehofer wolle die Koalition mit Ihnen beenden, wenn es im Bund nicht für Schwarz-Gelb reichen sollte. Dann wolle er auch in Bayern klare Verhältnisse, wohl mit Überläufern oder der Fraktion der Freien Wähler. Treibt Sie dieser Gedanke um?
Zeil: Nein, überhaupt nicht. Ich rate Horst Seehofer ganz klar: Mit dem Wählerwillen darf man nicht spielen. Das ist gefährlich - nicht nur für die beteiligten Parteien, sondern vor allem für den Freistaat Bayern. Eine Regierung braucht klare Mehrheiten. Wer sich aus parteipolitischem Denken heraus solchen Überlegungen hingibt, versündigt sich an der Zukunft unseres Landes.
Am Beginn des Wahlkampfs hieß es, die bayerische CSU-FDP-Koalition sei beispielgebend für den Bund. Aber ein solches Gezänk wie in München kann sich doch kaum jemand für Berlin wünschen, oder?
Zeil: Wir haben in den ersten neun Monaten sehr gut zusammengearbeitet, selbst bei einem so schwierigen Thema wie der von der CSU allein zu verantwortenden Katastrophe bei der Bayerischen Landesbank. Nun haben Teile der CSU begonnen, die erfolgreiche gemeinsame Regierungsarbeit falsch darzustellen und schlechtzureden. Damit wird der Eindruck erweckt, unsere Zusammenarbeit sei nicht besser als die letzten vier Jahre in der Großen Koalition in Berlin. Dafür trägt allein die CSU die Verantwortung.
Duzen Sie sich eigentlich noch mit Horst Seehofer? Oder sind Sie schon wieder beim „Sie“?
Zeil: Wir duzen uns - immer noch. Schließlich geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um die Sache.
Viele Themen, die Sie sich im Bund vorstellen können, etwa eine Modernisierung des Arbeitsrechts oder eine tiefgreifende Gesundheitsreform, sind mit Seehofer nicht zu machen, falls das für die Arbeitnehmer Einschnitte bedeutet, sagt er. Wer ist eigentlich der Gegner der FDP - Seehofer oder die SPD?
Zeil: Ich kann mir nicht permanent über die täglichen Kurswechsel der Union Gedanken machen. Mal soll Schwarz-Gelb richtig sein, ein andermal spielt sich die Union als die bessere SPD auf. Fakt ist: Die Gesundheitspolitik muss dringend auf neue Füße gestellt werden. Gerade Bayern hat daran ein großes Interesse. Das wird ein zentraler Punkt der Berliner Koalitionsverhandlungen werden. Zusätzlich kämpfen wir weiter für den Abbau von Einstellungshemmnissen im Mittelstand, um so mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Die FDP steht aber nicht zur Verfügung für einen Kahlschlag von Arbeitnehmerrechten - auch wenn Horst Seehofer das gerne glauben machen möchte.
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„Im Fall Nachtmann gab es Scharfmacher vor Ort“
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Eine zentrale Fehde gab es zuletzt rund um das Thema Nachtmann. Warum haben Sie nicht einfach die Busse mit den Mitarbeitern aus dem Bayerischen Wald empfangen? Mal ehrlich: Sie haben die Situation falsch eingeschätzt, oder?
Zeil: Nein. Wir haben das Thema Nachtmann von Anfang an begleitet. Staatssekretärin Katja Hessel war bereits am ersten Tag vor Ort. Uns lag an einem Fachgespräch. Wir hätten aber auch kein Problem gehabt, wenn jemand diese Delegation begleitet hätte. Aber einige Scharfmacher vor Ort haben das vereinbarte Gespräch für eine ganz andere Inszenierung missbrauchen wollen - und das Ganze danach so dargestellt, als hätte man nur ein Buch überreichen wollen.
Seehofer jedenfalls hat eine Show daraus gemacht - und Sie hatten das Nachsehen.
Zeil: Wir waren in der Region. Die Menschen vor Ort wissen, dass wir tun, was wir können. Wir arbeiten beharrlich an Lösungen und nicht an Wahlkampfinszenierungen. Wir sind es, die jetzt Versäumnisse ausbügeln, die in früheren Zeiten gemacht wurden, als die CSU über Jahrzehnte alleine in Bayern regiert hat. Seit der Rettung von Knaus Tabbert weiß jeder in der Region, dass unser Engagement für die Menschen kein bloßes Lippenbekenntnis ist.
Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) wirft Ihnen vor, statt massive Standortpolitik zu betreiben den Marktkräften freien Lauf zu lassen. Das schade Bayern. Center Parcs gehe wohl nach Baden-Württemberg statt nach Bayern, Schaeffler und Conti vielleicht von Bayern weg nach Niedersachsen. Müssen Sie sich mehr für Bayern einsetzen?
Zeil: Bald macht uns die CSU auch noch für das schlechte Wetter verantwortlich. Die CSU muss aufpassen, im Eifer des Gefechts nicht die Grenzen der Seriosität zu überschreiten. Die FDP steht für die soziale Marktwirtschaft. Das ist gerade keine Marktradikalität. Wir achten darauf, dass alle Regionen Bayerns gleich behandelt werden und es nicht nach dem Motto geht: Wo ich gerade bin, da lasse ich die Taler regnen. Wir sind die Treuhänder des Steuerzahlers. Wir geben nicht leichtfertig Geld aus für Strukturen, die sich überlebt haben, und wir bitten die Steuerzahler nicht für Managementfehler zur Kasse. In diesem Rahmen machen wir eine effektive und erfolgreiche Standortpolitik. Bei Center Parcs lagen die Gründe ausschließlich in der Region und beim Unternehmen selbst.
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„Aigner kann doch etwas für Milchbauern tun“
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Noch so ein Zank-Thema ist die Milchmarktquote. Eine hohe Quote bedeutet mehr Wettbewerb, eine niedrige schützt dafür die bayerischen Milchbauern. Die CSU sagt, sie kämpfe für eine niedrige Quote. Doch Sie machen nicht mit. Warum?
Zeil: Ich kann mich über so viel Wahlkampfaktionismus nur wundern. Wer kann denn tatsächlich Verbesserungen für die Milchbauern erzielen? Das ist doch Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner von der CSU. Wo ist denn ihr Einsatz in Brüssel und Berlin? Wo sind ihre Konzepte? Die CSU gaukelt den Bauern Lösungen vor, die schon im Bund niemals Aussicht auf Erfolg haben und den Landwirten im Ergebnis sogar schaden würden. Die CSU hat es jahrzehntelang versäumt, ihre Agrarpolitik den neuen Herausforderungen anzupassen. Wir brauchen endlich ein tragfähiges Konzept für die Zukunft und keine windigen Manöver aus Angst vor dem Wähler.
In Ihr Ressort fällt die Breitbandversorgung im ländlichen Raum. Warum geht da nichts voran?
Zeil: Die CSU hat das Thema jahrelang verschlafen. Schon Otto Wiesheu hätte etwas in die Wege leiten können, wenn er gewollt hätte. Erwin Huber hat dann in seiner Zeit als Wirtschaftsminister das Nichtstun sogar zum Programm erhoben. Er wollte den Staat ausdrücklich heraushalten, damit der Markt das selbst regelt. Und Emilia Müller hat dann ein viel zu kompliziertes Programm zusammengezimmert. So habe ich das vorgefunden. Ich habe in wenigen Monaten viele Versäumnisse der Vergangenheit aufgearbeitet. Wir haben in Rekordzeit das Förderprogramm vereinfacht. Außerdem habe ich dafür gesorgt, dass die Mittel mehr als verdoppelt wurden. Jetzt geht es um die Umsetzung. Die Zahl der Anträge steigt täglich. Endlich sind wir auf einem guten Weg.
Wann reden Sie sich endlich mit Horst Seehofer aus?
Zeil: Er hat meine Telefonnummer.
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Gespräch: Alexander Kain
Zeil wirft Seehofer „Sommertheater“ vor
*München.* Der Koalitionskrach zwischen CSU und FDP nimmt kein Ende. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) wies die CSU-Attacken gegen seine Partei als „verantwortungsloses Sommertheater“ zurück. „Der CSU fehlt eine inhaltliche Strategie für die Bundestagswahl, deshalb redet sie die gemeinsame tägliche Regierungsarbeit schlecht“, sagte Zeil der PNP. Zu Vorhaltungen, die FDP betreibe keine massive Standortpolitik, sagte Zeil: „Bald macht uns die CSU auch noch für das schlechte Wetter verantwortlich. Auch Kritik daran, dass er eine Nachtmann-Delegation nicht empfangen habe, wies er zurück. Einige „Scharfmacher vor Ort“ hätten das Gespräch „für eine ganz andere Inszenierung missbrauchen wollen“. - pnp/*Bayern*
FH Spielelau: Heubis sehr optimistisch
Wissenschaftsminister will zusammen mit FDP-Kollegen Zeil die nötigen Mittel im Nachtragshaushalt beantragen
"Konkret und offen" sprachen Prof. Dr. Reinhard Höpfl, Gerhard Drexler, Minister Wolfgang Heubisch, Armin Barbalata und Prof. Dr. Hans Peter Scharl die Probleme und Chancen für die Region an. Heubisch sagte seine Unterstützung zu.
Von Caroline Strang
Grafenau. Das Wichtigste vorab: Wolfgang Heubisch, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst , wird sich konsequent dafür einsetzen, dass eine FH-Außenstelle nach Spiegelau kommt. Dass dieses Vorhaben schon ziemlich weit fortgeschritten sei, konnte man bei der Podiumsdiskussion „Zukunftsregion Bayerwald?“, die von FDP-Bundestageskandidat und Vorsitzenden der Liberalen Mittelstandsunion, Gerhard Drexler, organisiert und von Dr. Franz Maximilian Zwiebel moderiert wurde, heraus hören. Der Antrag dazu ist schon seit gut einem Jahr gestellt. Doch nun will sowohl das Wirtschafts- als auch das Wissenschaftsministerium das Projekt mit Nachdruck unterstützen und es noch im November in den Nachtragshaushalt mit einbringen.
Um welche Summe es dabei geht, wurde nicht bekannt. Gerhard Drexler geht allerdings von einem ähnlichen Betrag aus, wie er in Freyung und Teisnach anfällt, also rund vier Millionen Euro. Es fehle nur noch das Okay des Finanzministers - und dazu sagte Heubisch klar: „Fahrenschon wird sich dem Antrag nicht entziehen können“. Die Erfolgschancen sind also sehr gut, wie Heubisch unterschwellig bei der Podiumsdiskussion im Grafenauer Bürgersaal immer wieder betonte.
Heubisch strahlte dabei eine Zuversicht aus, die die rund 60 Teilnehmer an der Podiumsdiskussion mit einem guten Gefühl in die Nacht entließ. Es pressiere, damit die Fördermittel im Nachtragshaushalt noch eingestellt werden können, so Heubisch. „Ich will das als eine Art Testlauf starten und für diese Region einfordern.“
Der Präsident der FH Deggendorf, Prof. Dr. Reinhard Höpfl, sprach davon, dass auch die FH bei diesem Projekt schon „einen Fuß in der Tür“ habe. „Glas und Optik sind Schlüsseltechnologien und haben Zukunft, es besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit Hochschulpartnern zu arbeiten“, so Höpfl.
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*Zusammenarbeit mit Uni Bayreuth geplant*
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Ein Konzept für den geplanten Technologie-Campus in Spiegelau haben Bürgermeister Josef Luksch, Landrat Ludwig Lankl und Professor Dr. Peter Sperber von der FH-Deggendorf schon seit längerem entworfen, Gerhard Drexler hat es nun an Heubisch weitergeleitet. In dem Begleitschreiben heißt es: „Der Technologie-Campus (TC) Spiegelau soll sich hauptsächlich auf die Untersuchung und Entwicklung von Prozessen zur ,heißen‘ Glastechnologie konzentrieren. Er ergänzt damit ideal den TC Teisnach, in dem Technologien zur ,kalten‘ Glasbearbeitung untersucht werden. “
Eine Zusammenarbeit mit der Universität in Bayreuth, die schon mit Firmen in Spiegelau zusammen forscht, werde angestrebt. Als Forschungsschwerpunkte in Spiegelau sind unter anderem die Optimierung der Glasschmelztechnologie, das hochreine Glasschmelzen, die Entwicklung neuer Spezialgläser und die Entwicklung neuer Messtechnik vorgesehen.
Kurt Zettl, 2. Bürgermeister von Spiegelau, ist sehr froh über die Aussagen von Heubisch. „Ich glaube daran, dass wir die FH-Außenstelle jetzt bekommen werden“, sagte er auf Nachfrage der /PNP/. Er ist so optimistisch, weil die Zusage zur Hilfe für die gebeutelte Gemeinde nun deutlich und öffentlich geäußert wurde. Die Gemeinde sei bereit, das Ihre zum Gelingen des Projektes beizutragen. „Unsere Aufgabe wäre es, Gebäude und Grundstücke zur Verfügung zu stellen“, so Zettl. In Frage dafür käme das Gelände des ehemaligen staatlichen Sägewerks, man müsse allerdings erst schauen, was wo möglich sei und die Verhandlungen abwarten. Durch die voraussichtliche Schließung des Nachtmann-Werks in Riedlhütte sei Druck entstanden - „nun haben sie die Notwendigkeit zur Hilfe gesehen und es bewegt sich was“. Derzeit sei alles gut, was in die Gemeinde eingebracht werde. Zettl freut sich über die Möglichkeit neuer Entwicklungen im Bereich Glas. „Die Aussagen waren ein sehr wichtiges Signal und es war gut, dass Politik und Wirtschaft an einem Tisch saßen.“
Doch nicht nur der neue FH-Standort war Thema der Podiumsdiskussion. Minister Heubisch, Gerhard Drexler, Prof. Dr. Reinhard Höpfl, Armin Barbalata, Vorstand der Mindmatics AG, sowie Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Prof. Dr. Hans Peter Scharl thematisierten das Thema Zukunft für den Bayerischen Wald.
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*Voraussetzungen für Firmen schaffen*
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Heubisch und auch Scharl forderten dabei, sich auf die Stärken zu besinnen und ein klares Profil auszuarbeiten. Vor allem Armin Barbalata legte dar, welche Voraussetzungen in der Region geschaffen werden müssen, damit sich Firmen ansiedeln können: Es müsse genügend hochqualifizierte Mitarbeiter geben, Gründungsunterstützungen wie eine gute Infrastruktur, Fördermittel und Gründerzentren, die den Neuunternehmern helfen, müssten angeboten werden. Er selbst stammt aus Waldkirchen, hat seine Firma aber in München angesiedelt, weil dort die Voraussetzungen passten.
Es ging auch darum, Schlüsselbereiche zu finden, die die Zukunft der Region sichern können. Neben Glas war für Minister Heubisch auch der Pflegesektor Thema. Aus dem Publikum kamen als Vorschläge die Bereiche Logistik, Umweltforschung und die Nutzung der Natur als Kraftquelle im spirituellen und künstlerischen Bereich. Heubisch versprach, die Anregungen aufzunehmen - „man muss sich zusammensetzen und die Ideen einbringen“, so seine Aufforderung.
Generell hatte Heubisch nach eigener Aussage einen positiven Eindruck von den Gesprächen in Grafenau. Er habe in den zehn Monaten im Amt gelernt, dass Bayern aus Regionen besteht, „der Kreislauf sind die großen Städte, die Seele Bayerns liegt aber draußen in den Regionen“. Darauf solle man aufbauen. Er forderte die Anwesenden auf, immer wieder den Mund aufzumachen. Dies sagte er auch im Hinblick auf die Breitbandproblematik, die ihm ans Herz gelegt wurde. Mit dem Satz „Ich nehme ja an, dass das Ganze heute Folgen hat“, verabschiedete sich der Minister aus Grafenau und hinterließ große Hoffnungen in der Region.
MdB Stadler im Morgenmagazin
Der Passauer FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Max Stadler wird am morgigen Dienstag um 6.40 Uhr im ARD-Morgenmagazin am Westportal des Berliner Reichstag live zu aktuellen Fragen der Innenpolitik interviewt. Zum selben Thema werden in dieser Sendung des Frühstückfernsehens auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) befragt. - red
Guido Westerwelle beim Karpfhamer Fest
Die FDP schickte gleich drei Politschwergewichte ihrer Partei in das Bierzelt. Den lokalen Abgeordneten in Berlin, Max Stadler, den bayrischen Wirtschaftsminister Martin Zeil und den Bundesvorsitzenden der Partei Guido Westerwelle. Der gab sich als Anwalt des Mittelstandes.
Im voll besetzten Bierzelt schonte er, anders als in den voraus gegangenen Tagen, die bayrische CSU, Seehofer und die Kanzlerin. Dafür bekam Ulla Schmid von der SPD ihr Fett weg. Nicht (nur) wegen ihrer Dienstwagenaffäre, sondern besonders wegen ihrer Gesundheitspolitik.
Natürlich kam er auch zum Thema Leistung und Lohn.
Vor allem für die Umweltpolitik von SPD-Minister Gabriel und Kanzlerin Merkel fand er kritische Worte.
Zum Schluss gab es noch Kritik gegen den gläsernen Bürger, gegen die 500 Millionen Entwicklungshilfe für China und gegen den Eingriff des Staates in die Familienpolitik. Zufriedene FDP Anhänger und viele Zuhörer im Bierzelt. Das lässt die Liberalen auf ein gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl am 27. September hoffen.
Ein Prosit auf den Wahlkampf
Bier, flotte Gefährte und starke Sprüche: Beim Karpfhamer Fest laufen die Politiker zur Hochform aufVon Eva Schwarz Karpfham.* Das Hemd ist hochgekrempelt, die Maß in der Hand. Guido Westerwelle prostet den Zuhörern zu. Es ist Karpfhamer Volksfest und es ist bald Bundestagswahl. Dieser Konstellation hatten es die Volksfestbesucher zu verdanken, dass sie gratis zum Bier auch noch "Wahrheit", "Verlässlichkeit" und "Vernunft" serviert bekamen. Oder anders gesagt: Wahlkampf pur.
Die Politiker gaben sich die Klinke - und den Maßkrug in die Hand. Schon in den ersten eineinhalb Tagen konnten sich die Volksfestbesucher fünf Kundgebungen anhören. Gabriele Pauli (Freie Union) und Florian Pronold (SPD) am Donnerstag sowie Guido Westerwelle (FDP), Manfred Weber (CSU) und Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Freitag traten vors Mikrofon. Markige Sprüche inklusive.
"Die Steigerung von Lügner ist Pinocchio, Münchhausen, Seehofer? (Pronold, SPD) oder §Bier, flotte Gefährte und starke Sprüche: Beim Karpfhamer Fest laufen die Politiker zur Hochform auf
*/Von Eva Schwarz/
Karpfham.* Das Hemd ist hochgekrempelt, die Maß in der Hand. Guido Westerwelle prostet den Zuhörern zu. Es ist Karpfhamer Volksfest und es ist bald Bundestagswahl. Dieser Konstellation hatten es die Volksfestbesucher zu verdanken, dass sie gratis zum Bier auch noch ?Wahrheit?, ?Verlässlichkeit? und ?Vernunft? serviert bekamen. Oder anders gesagt: Wahlkampf pur.
Die Politiker gaben sich die Klinke - und den Maßkrug in die Hand. Schon in den ersten eineinhalb Tagen konnten sich die Volksfestbesucher fünf Kundgebungen anhören. Gabriele Pauli (Freie Union) und Florian Pronold (SPD) am Donnerstag sowie Guido Westerwelle (FDP), Manfred Weber (CSU) und Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Freitag traten vors Mikrofon. Markige Sprüche inklusive.
?Die Steigerung von Lügner ist Pinocchio, Münchhausen, Seehofer? (Pronold, SPD) oder ?Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat so viel Ahnung von Landwirtschaft wie eine Sau vom Stabhochsprung? (Josef Brunner, Freie Union). Bei den Versprechungen herrschte allerdings wieder Einigkeit: Mehr Unterstützung für den Mittelstand, mehr Geld für Bildung, Hilfe für die Bauern.
Die meisten Zuhörer kamen zu Guido Westerwelle. Er hatte auch die meisten Lacher auf seiner Seite: ?Warum glauben Sie, dass ich hier bin. Weil ich eine feuchte Wohnung habe??. Westerwelle, möglicherweise schon bald Vizekanzler, gab sich selbstbewusst. ?Die nächste Regierung, also wir, muss sich damit herumschlagen, was die Abwrackprämie anrichtet.? Die Prämie sei absolut unvernünftig. Es sei abzusehen, dass nächstes Jahr der Automobilmarkt einbreche.
Den spektakulärsten Auftritt legte Gabriele Pauli hin, die mit einem Motorrad ins Bierzelt breschte. Bei ihrer Veranstaltung wurde auch am meisten Bier getrunken, was aber vor allem daran lag, dass sie mit einer Redezeit von einer Stunde mit Abstand am längsten referierte.
So feurig wie ihr Einzug war ihre Rede aber nicht. Sie sprach leise, monoton. Es war ihr anzumerken, dass die verweigerte Zulassung der Freien Union zur Bundestagswahl an ihr nagte. Warum trotzdem noch Wahlkampf in Karpfham stattfand, ist dem Umstand zu verdanken, dass die Direktkandidaten der Freien Union mit genügend Unterstützerstimmen kandidieren dürfen. Paulis ehemalige Parteikollegen von den Freien Wählern kamen ebenfalls nach Karpfham, obwohl sie gar nicht für den Bundestag kandidieren. Vorsitzender Hubert Aiwanger forderte unter anderem ein Ende der Subventionierung von Überschüssen in der Landwirtschaft.
Die Veranstaltung der SPD war eine schnelle Sache. Die drei Redner brauchten eine knappe Stunde, das ist weniger als Pauli alleine für sich in Anspruch nahm. Die Grußworte sprach die Direktkandidatin für Passau, Jella Teuchner. Im Anschluss gaben sich der Straubinger Kandidat und Bodenmaiser Bürgermeister Michael Adam und der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold kämpferisch. ?Die Umfrageergebnisse der SPD waren schon immer schlechter als das spätere Wahlergebnis.?
Die CSU warnte in ihrer Kundgebung vor einer rot-rot-grünen Koalition. ?Wer glaubt denn ernsthaft, dass sich die SPD an ihre Zusage hält und nicht mit den Linken koaliert??, sagten der Bezirksvorsitzende Manfred Weber und MdB Andreas Scheuer. Außerdem erneuerte Weber die Kritik von Ministerpräsident Horst Seehofer am bayerischen Wirtschaftsminister Zeil (FDP). ?Im Fall Riedlhütte hat Zeil komplett versagt.?
Der Gescholtene verteidigte sich bei der FDP-Veranstaltung, ohne den Namen Seehofer zu nennen: ?Wir verkünden nicht täglich etwas in der Zeitung, sondern wir machen aktive Wirtschaftspolitik.?
"Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat so viel Ahnung von Landwirtschaft wie eine Sau vom Stabhochsprung? (Josef Brunner, Freie Union). Bei den Versprechungen herrschte allerdings wieder Einigkeit: Mehr Unterstützung für den Mittelstand, mehr Geld für Bildung, Hilfe für die Bauern.
Die meisten Zuhörer kamen zu Guido Westerwelle. Er hatte auch die meisten Lacher auf seiner Seite: "Warum glauben Sie, dass ich hier bin. Weil ich eine feuchte Wohnung habe?". Westerwelle, möglicherweise schon bald Vizekanzler, gab sich selbstbewusst. "Die nächste Regierung, also wir, muss sich damit herumschlagen, was die Abwrackprämie anrichtet." Die Prämie sei absolut unvernünftig. Es sei abzusehen, dass nächstes Jahr der Automobilmarkt einbreche.
Den spektakulärsten Auftritt legte Gabriele Pauli hin, die mit einem Motorrad ins Bierzelt breschte. Bei ihrer Veranstaltung wurde auch am meisten Bier getrunken, was aber vor allem daran lag, dass sie mit einer Redezeit von einer Stunde mit Abstand am längsten referierte.
So feurig wie ihr Einzug war ihre Rede aber nicht. Sie sprach leise, monoton. Es war ihr anzumerken, dass die verweigerte Zulassung der Freien Union zur Bundestagswahl an ihr nagte. Warum trotzdem noch Wahlkampf in Karpfham stattfand, ist dem Umstand zu verdanken, dass die Direktkandidaten der Freien Union mit genügend Unterstützerstimmen kandidieren dürfen. Paulis ehemalige Parteikollegen von den Freien Wählern kamen ebenfalls nach Karpfham, obwohl sie gar nicht für den Bundestag kandidieren. Vorsitzender Hubert Aiwanger forderte unter anderem ein Ende der Subventionierung von Überschüssen in der Landwirtschaft.
Die Veranstaltung der SPD war eine schnelle Sache. Die drei Redner brauchten eine knappe Stunde, das ist weniger als Pauli alleine für sich in Anspruch nahm. Die Grußworte sprach die Direktkandidatin für Passau, Jella Teuchner. Im Anschluss gaben sich der Straubinger Kandidat und Bodenmaiser Bürgermeister Michael Adam und der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold kämpferisch. "Die Umfrageergebnisse der SPD waren schon immer schlechter als das spätere Wahlergebnis."
Die CSU warnte in ihrer Kundgebung vor einer rot-rot-grünen Koalition. "Wer glaubt denn ernsthaft, dass sich die SPD an ihre Zusage hält und nicht mit den Linken koaliert?", sagten der Bezirksvorsitzende Manfred Weber und MdB Andreas Scheuer. Außerdem erneuerte Weber die Kritik von Ministerpräsident Horst Seehofer am bayerischen Wirtschaftsminister Zeil (FDP). "Im Fall Riedlhütte hat Zeil komplett versagt."
Der Gescholtene verteidigte sich bei der FDP-Veranstaltung, ohne den Namen Seehofer zu nennen: "Wir verkünden nicht täglich etwas in der Zeitung, sondern wir machen aktive Wirtschaftspolitik."
Wahlwerbung im Klostergarten muss weg
*Ein Irrtum:* Sie Stadt erlaubte Max Stadler die Wahlwerbung im
Klostergarten, dabei sollen Grünanlagen werbefrei bleiben.
Von Thomas Seider
Eine Frage des guten Geschmacks: Großflächige Werbung in einer der
prominentesten Grünanlagen der Stadt, muss das sein? Im Klostergarten
prangt ein Transparent zur Bundestagswahl des FDP-Kandidaten Max
Stadler. Ob diese Stelle, an der das Transparent auch ein schönes
Blumenbeet verdeckt, die richtige ist, darüber kann man streiten. Doch
es war nur ein Irrtum, dass die Stadt das Transparent auf der
Konzerthaus-Wiese erlaubt hat. Grundsätzlich bleiben Grünflächen
werbefrei, und Max Stadler baut seine Anlage freiwillig wieder ab.
„Wählen Sie doch mal den Passauer, der in Berlin was zu sagen hat.“ Mit
dem selbstbewusst formulierten Satz auf dem Transparent wird Max Stadler
vielleicht punkten beim Wähler. Mit der Belegung der öffentlich
nutzbaren Grünfläche durch Reklame vielleicht weniger. Das
Stadler-Wahlkampf-Team hatte allerdings bei der Stadt nachgefragt, ob
sie das Transparent hier aufstellen darf. Urlaubsbedingt wurde eine
falsche Auskunft erteilt, bedauert OB-Sprecherin Karin Schmeller: „Bei
der Konzerthaus-Wiese handelt es sich nicht um öffentlichen Raum, wo
plakatiert werden darf, sondern um eine private Grünfläche der Stadt.
Hier ist Wahlwerbung selbstverständlich nicht zulässig. Die Grünflächen
sollen frei bleiben.“ Dankenswerterweise habe sich Stadler freiwillig
bereit erklärt, bis zum Ende der Woche das Transparent zu entfernen und
anderswo aufzubauen.
Die Frage, ob ein Ort wie der Klostergarten die richtige Stelle für
Wahlwerbung ist, hatte sich auch Max Stadler gestellt - und mit Ja
beantwortet: „Es gibt zwar Grenzen. Zum Beispiel vorm Dom oder am
Residentplatz würde ich nicht plakatieren, selbst wenn es dort rechtlich
zulässig wäre. Beim Klostergarten sind die Grenzen des guten Geschmacks
aber nicht überschritten.“ Denn dieser Platz diene der Kommunikation,
und auch die politische Kommunikation in Form von Wahlwerbung sei
„nichts Unanständiges“. Das Team habe aber darauf geachtet, das
Transparent nicht in den Bereich der Ruhebänke und Wasserspiele, sondern
etwas abseits auf die Wiese zu stellen. Nun verschwindet es auch von dort.
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Verweigerte Akten
Von Peter BlechschmidtBerlin - FDP, Linke und Grüne haben Union und SPD vorgeworfen, sie bei der Aufklärungsarbeit im BND-Untersuchungsausschuss im Stich gelassen zu haben. Auch um die Wahrung der Parlamentsrechte hätten sich die Koalitionsfraktionen nicht gekümmert, klagten die Vertreter der drei kleinen Oppositionsparteien in einer Debatte über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Geheimhaltungspraxis der Bundesregierung. Die Karlsruher Richter hatten Ende Juli, nachdem der Ausschuss seine Arbeit bereits beendet hatte, ihren Beschluss verkündet, wonach die Verweigerung von Akten und Aussagegenehmigungen in weiten Teilen verfassungswidrig war.
Während Union und SPD den Spruch aus Karlsruhe vor allem als Handlungsanweisung für kommende Untersuchungsausschüsse verstanden, sprach der FDP-Abgeordnete Max Stadler von einer "epochalen Entscheidung", die das Verhältnis von Parlament und Regierung in grundsätzlicher Weise neu regle. Umstritten blieb ebenfalls, ob die Entscheidung noch praktische Auswirkungen in dieser Legislaturperiode haben könnte. Nach Ansicht der Koalition existiert der Ausschuss nicht mehr, kann folglich auch nicht wieder einberufen werden. Die FDP forderte in einem - abgelehnten - Antrag die Bundesregierung auf, die bisher verweigerten Akten herauszugeben, um sie von den bisherigen Ausschussmitgliedern prüfen zu lassen. Linke und Grüne forderten einen neuen Untersuchungsausschuss, was die Koalition in Übereinstimmung mit der FDP jedoch unter Verweis auf die verbleibende kurze Zeit der laufenden Legislaturperiode als sinnlos ablehnte.
Die CDU-Abgeordnete Kristina Köhler räumte ein, die Union hätte nichts dagegen, wenn noch vor der Bundestagswahl mehr Fakten auf den Tisch kämen, die den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier belasteten. Eine ernsthafte Aufklärungsarbeit sei jedoch bis zur Wahl sicherlich nicht mehr möglich. Steinmeier war zu der Zeit, in welche die Vorgänge fallen, die der Ausschuss klären sollte, Chef des Kanzleramtes und oberster Koordinator der Geheimdienste. Der SPD-Abgeordnete Michael Hartmann verwies auf die Möglichkeit, dass der nächste Bundestag bei Bedarf einen neuen Untersuchungsausschuss einsetzen könne.
Widersprüchlich blieb auch die Interpretation der Karlsruher Entscheidung. Während die Opposition darauf beharrte, dass die Regierung nun die angeforderten Akten herausgeben müsse, erklärten Vertreter der Koalition, Karlsruhe habe lediglich entschieden, dass die Regierung es besser begründen müsse, wenn sie einem Ausschuss Akten verweigere.
Der Ausschussvorsitzende Siegfried Kauder (CDU) und der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer wiesen in der teilweise hitzig geführten Debatte den Vorwurf der Opposition zurück, sie hätten die Aufklärungsarbeit im Ausschuss behindert und sich teilweise als "Hilfsbeamte", so der Grüne Hans-Christian Ströbele, der Regierung aufgeführt. Der Vertreter der Linkspartei im Ausschuss, Norman Paëch, sprach von einem "beschämenden Abschied" aus der Legislaturperiode, weil die Koalitionsfraktionen nach der "schallenden Ohrfeige" aus Karlsruhe so täten, als ginge sie der Spruch nichts an. "Immer wieder sind wir an der Geheimniskrämerei der Regierung aufgelaufen", rief Paëch, und die Koalitionsfraktionen hätten nichts dagegen unternommen. Das Verfassungsgericht habe "lehrbuchartig" die Rechte des Parlaments vorgeführt. Diese müsse man nicht stärken, das Parlament müsse sie nur ergreifen.
„Ich lasse mich nicht abwimmeln, wenn ich für etwas kämpfe“
Für die FDP bestreitet Gerhard Drexler aus Freyung den Wahlkampf zum Bundestagsabgeordneten - Zurückhaltung kann sich Region nicht leisten
Von Caroline Strang
Freyung. „Ich bin eine wandelnde Werbung für die Region“, sagt Gerhard Drexler. Er sitzt auf einer Bank hinter seinem Bahnhof in Freyung und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. An Selbstvertrauen mangelt es dem Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Freyung-Grafenau/Deggendorf nicht.
„Ich arbeite professionell“, sagt er. „Ich bin aber sicher kein stromlinienförmiger Politiker.“ Als er sich selbst beschreiben soll, konkretisiert er: „Ich lasse mich nicht abwimmeln, wenn ich für etwas kämpfe, dann spielen Rang und Namen keine Rolle.“ Und das, wofür er kämpfe, sei ausschließlich die Region und das Wohl der Bürger hier. „Ich bin ein Regionalvertreter“.
Das sehe man auch am Bahnbeispiel. Natürlich sei es für ihn persönlich nicht ideal, wenn direkt an seinem Haus vorbei wieder die Bahn fährt, sagt er und schaut sinnierend auf die Schienen. Aber für die Allgemeinheit sei es gut. Und für die Region. Und darum kämpfe er dafür. Er werde sein Schlafzimmer eben verlegen. „Manche kämpfen nur für sich, mir geht es um die Sache.“
Auf der Bank der Biergartengarnitur mit Blick in die Natur, direkt unter dem großen Schild mit der Aufschrift „Freyung“, kommt er nach ein paar Minuten richtig in Fahrt. Er lockert seine gestreifte Krawatte. Die rechte Hand mit dem Ehering bewegt sich in alle Richtungen. Er liebe direkte Wege, sagt er noch und beschreibt seine Kontakte zu den FDP-Ministern, zu Guido Westerwelle und wichtigen Mitarbeitern in der Verwaltung. „Da herrscht ein starker Austausch und man kann sich gut beraten.“ Ein gutes Netzwerk habe er sich da aufgebaut. Und ein erfolgreiches, wenn es um die Region geht. „Da haut mir niemand auf den Deckel, die wissen alle, dass ich das aushalten kann.“ Er sei eigentlich ein ganz freundlicher Mensch, „aber die wissen, dass ich auch poltern kann“. Als durchsetzungsfähig beschreibt er sich noch. Und er habe keine Angst. Oft kriege er was er will, weil er die richtigen Ansprechpartner kenne. „Ich setze Marken und setze mich ein.“
Dabei fühlt er sich in der FDP sehr gut aufgehoben. „Ich bin ein liberaler Mittelstandsvertreter und die FDP bietet für mich inhaltlich die besten Möglichkeiten“, erklärt der Mann mit dem leicht rötlich schimmernden Vollbart. Erst habe er sich politisch nicht einordnen wollen, aber als er dann FDP-Bundestagsabgeordneten Max Stadler kennen lernte, war er beeindruckt. „Der hat mir imponiert und ich dachte, wenn solche Leute in der Partei sind, kann die nicht schlecht sein.“ Als „typisch bürgerlich-liberal und weltoffen“ beschreibt er seine Haltung auch. „Bei uns wird wirklich diskutiert, wir sind eine streitbare Partei. Da ist Pfeffer drin.“ So könne man sich wirklich einbringen und es komme nach intensiven Diskussionen auch zu guten Ergebnissen.
Für seinen Einzug in den Bundestag sieht er reelle Chancen - er belegt Listenplatz 15. Er hofft, dass er die Lücke schließen kann, die durch den Ruhestand von Bruni Irber entsteht, damit der Wahlkreis kein Mandat verliert. „Wer keine Vertretung hat, wird von anderen vertreten - oder verdroschen“, meint er. Er könne dann den Abgeordneten aus Deggendorf entlasten und mit diesem zusammenarbeiten. „Denn es geht um die Region, nicht um die Partei.“
Und für die Region will er einiges erreichen. Als Stichworte nennt er Regionalförderung, Hochschul-Bildung und Infrastruktur. Gerade bei der Bahn dürfe man nicht nur schauen, ob sich die Strecke rechnet, sondern man müsse gleiches Recht zwischen Stadt und Land schaffen. „Da werde ich Gas geben“, sagt er dazu. Und: „Wir sind in unseren Forderungen zu zurückhaltend. Zurückhaltung kann sich unsere Region aber nicht leisten.“ Also ist er der Macher - „machen, machen, machen“, sagt er laut und gestikuliert stark. Reden sollen andere. Das sei anstrengend, aber es gebe immer wieder Erfolge zu verzeichnen. Als seine Vorbilder nennt er Genscher und Strauß. „Die haben ihre Meinung gesagt und waren nicht gleichförmig und austauschbar wie so viele heute“. Manchmal müsse man auf den Tisch hauen.
Auch beim Thema sieben Prozent Mehrwertsteuer für die Gastronomie. „Ich habe mein Gesicht auf einen Flyer zur Initiative Pro 7 Prozent drucken lasse, weil ich dafür bin, dass Gastronomiebetriebe nur eine reduzierte Mehrwertsteuer zahlen müssen.“ Er habe da kein Problem, sich ein rotes Käppi aufzusetzen und mitzuhelfen.
Dem Privatmann Gerhard Drexler geht es auch um seine Familie. Darum setzt er als Finanzberater auch zwei Monate aus. „Die Planungen für diesen Wahlkampf laufen schon über Jahre und ich habe mir die zwei Monate über ein Zeitkontenmodell erarbeitet“, erklärt er. Hobbys wie das Golfen seien zurzeit gestrichen - seine freie Zeit verbringt er mit Frau, Tochter und Enkelinnen. „Unsere Truppe ist viel unterwegs“, sagt er und strahlt, wenn er vom Lachen seiner zwei Enkelinnen erzählt und davon, dass es ganz „pfiffige Kerlchen“ seien.
Was würde er als erstes tun, wenn er in den Bundestag gewählt werden würde? „Erst würde ich schauen, wo denn der FDP-Antrag auf Mehrwertsteuer-Senkung für die Gastronomie geblieben ist“, sagt er und lacht. „Dann würde ich sofort schauen, welche Ausschüsse zu besetzen sind.“ Er würde sich für die ganz laut melden, die für die Region am wichtigsten sind. „Ich bin immer aktiv, wenn ich wo dabei bin.“
Zur Person
Gerhard Drexler ist am 31. Januar 1964 in Freyung geboren. Nach der Realschule machte er eine Ausbildung bei der Firma Opel Stögbauer, seit 1983 war er als Versicherungs- und Finanzberater im Privat- und Geschäftskundenbereich tätig, kurz unterbrochen von der Wehrpflicht. 1988 studierte er am Control Data Institut in München im Bereich Datenverarbeitung. 1997 gründete er das Maklerbüro „Drexler Finanzmanagement“ im Bahnhof Freyung, den er 1999 kaufte und sanierte. Er studierte bis 2007 an der Fachhochschule in Schmalkalden. Er ist Pressewart und ehemaliger Vorsitzender des Lions Hilfswerks Freyung-Grafenau, Mitglied im Golfclub am Nationalpark, im BRK, TV Freyung, der Kinderhilfe „Glückskinder e.V.“, Blaskapelle Schlag, FC-Bayern München und AfW. Innerhalb der FDP ist er Landesvorstandsmitglied, Kreisvorsitzender, Mitglied im Bezirksvorstand, im Bundesfachausschuss Finanzen und Steuern und im Landesausschuss Wirtschaft und Arbeit.
''Dr. Stadlers freches Wahlkampf-Plakat''
„Wählen Sie doch mal den Passauer, der in Berlin was zu sagen hat.“: Mit
einem unkonventionellen Wahlplakat eröffnete der Passauer
Bundestagsabgeordnete *Dr. Max Stadler *den Wahlkampf. Das gestern
vorgestellte Plakat nimmt Bezug auf die Kompetenz des Politikers.
Es zeigt bunte Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Männchen, die ironisch darauf
anspielen, dass viele Politiker reden, nur wenige aber etwas zu sagen
haben. *Andreas Dittlmann*: „Wenn sie auch nur gelegentlich die
Tagesschau sehen, werden sie feststellen, dass Herr Dr. Stadler etwas zu
sagen hat, und man in den Medien großen Wert auf seine politischen
Analysen und Einschätzungen legt.“
Das Plakat ist von der Münchner Agentur „neophyten“ des Passauers *Karl-Heinz Hasenöhrl * konzipiert worden, der bereits dem FDP-Quereinsteiger* Xaver Kirschner* im
letztjährigen Wahlkampf geholfen hat.
Stadler hält Herrmann-Vorstoß zu NPD-Verbot für chancenlos
Er habe sich über die Aussagen von Herrmann zu einem neuen NPD-Verbotsverfahren sogar sehr gewundert, so Stadler gegenüber der PNP.
Zwar habe Herrmann damit Recht, dass die NPD eine verfassungsfeindliche Partei sei und daher verboten werden könne. Allerdings sei ein neues Verbotsverfahren der rechtsextremen Partei ohne den Abzug der eingeschleusten Verfassungsschutz-Leute klar zum Scheitern verurteilt, so der Innenexperte der FDP weiter.
Zuletzt hatte Bayerns Innenminister Herrmann ein Verbot der NPD im Zuge des Attentats auf den damaligen Passauer Polizeichef Mannichl gefordert.
Zu Spekulationen, er könne in einer schwarz-gelben Koalition Justizminister werden, meinte Stadler, er wolle weiter bei der Gestaltung der Innen- und Rechtspolitik tätig sein, wie und in welcher Form, das werde man nach der Bundestagswahl sehen.
„Bayern ist das Muster für Berlin“
*Eine Vermengung von Bundeswehr- und Polizeiaufgaben *werde es mit der FDP nicht geben, sagt der Passauer FDP-Bundestagsabgeordnete und Innenexperte seiner Partei, Max Stadler.
Herr Stadler, einen Monat vor der Wahl steht die FDP in den Umfragen besser da denn je. Wie kommt das?
*Stadler:* Ein Grund ist sicher das Bedürfnis der Menschen nach einem politischen Wechsel. Die Große Koalition ist angetreten, um große Probleme im Land zu lösen. Aber nach vier Jahren hat Deutschland mehr Schwierigkeiten als zu Beginn der Legislaturperiode. Zugleich sehen gerade die Menschen in Bayern, dass eine Regierungsbeteiligung der FDP dem Freistaat gut getan hat und die Zusammenarbeit von CSU und FDP fruchtbar ist. Bayern ist damit sozusagen das Muster für eine schwarz-gelbe Bundesregierung in Berlin.
Für eine Muster-Koalition haben sich CSU und FDP aber ganz schön beharkt, oder wie interpretieren Sie die Nadelstiche von Horst Seehofer?
*Stadler: *Im Grunde hat uns Ministerpräsident Horst Seehofer damit bescheinigt, dass er uns als ernst zunehmende Konkurrenten um Wählerstimmen in Bayern betrachtet. Früher hatte die CSU uns gegenüber ja die Strategie: Nicht einmal ignorieren. Die Nadelstiche sind also allein dem Wahlkampf geschuldet. Ich habe sie trotzdem als nicht förderlich empfunden, weil der Blick darauf verstellt wird, dass die neue Regierung in Bayern erfolgreiche Arbeit geleistet hat.
Warum hat sich die FDP dann noch nicht zu einer klaren Koalitionsaussage für den Bund durchringen können?
*Stadler:* Es gibt in einem Wahlkampf eine gewisse Dramaturgie. Diese Dramaturgie sieht bei uns vor, dass wir eine Woche vor der Wahl bei einem Parteitag in Potsdam einen Wahlaufruf verabschieden und darin das Ziel der schwarz-gelben Koalition noch einmal deutlich aussprechen. Das steht schon lange fest und Horst Seehofer weiß das eigentlich.
Das Umfragehoch der FDP verwundert eigentlich schon deshalb, weil sie für weniger Staat steht. Dabei wird derzeit wieder ein strengeres staatliches Eingreifen gefordert, etwa auf den Finanzmärkten…
*Stadler: *Das ist nur scheinbar ein Widerspruch. Zum einen, weil auch die FDP der Auffassung ist, dass es Spielregeln geben muss. Wir sind beispielsweise nicht gegen eine Bankenaufsicht, sondern haben schon in der Vergangenheit kritisiert, dass diese zersplittert ist. Wir waren immer für eine konzentrierte und damit wirkungsvollere Aufsicht. Gleichwohl unterscheiden wir uns von den anderen Parteien am deutlichsten durch unser Steuerkonzept. Ein wachsender Teil der Wählerschaft folgt dabei aber unserem Grundargument, dass es gerade in einer Krise ein Fehler wäre, Bürgern und Unternehmen durch Steuererhöhungen noch Geld wegzunehmen. Wir halten es für besser, ihnen mehr Geld in der Tasche zu lassen, damit sie durch ihre Nachfrage und Investitionen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Dadurch kommt dann letztlich auch wieder mehr Geld in die Staatskassen. Unser Konzept sieht beispielsweise eine Entlastung der Familien durch hohe Grundfreibeträge vor: Eine vierköpfige Familie soll nach unserem Willen bis zu einem Einkommen von 40 000 Euro keine Lohn und Einkommensteuer zahlen. Außerdem muss die Erbschaftssteuer abgeschafft werden. Insgesamt ist das Steuersystem zu kompliziert und muss neu gestaltet werden. Die bestehende Verschuldung macht es allerdings notwendig, dass man eine Steuerreform schrittweise angehen muss.
Bei der Steuerpolitik rennen Sie vor allem in der CSU offene Türen ein. Gerade in der Innenpolitik, zeichnen sich aber in einer schwarz-gelben Koalition zahlreiche Konfliktlinien ab. Die Union drängt etwa auf den Einsatz der Bundeswehr für Polizeiaufgaben….
*Stadler: *Das wird es mit den Stimmen der FDP nicht geben. Wir haben dazu eine ganz klare Haltung: Bundeswehr- und Polizeiaufgaben müssen getrennt bleiben. Das ist nicht verhandelbar. Im Übrigen bin ich aber gar nicht so skeptisch, was die Zusammenarbeit in der Innen- und Rechtspolitik anbelangt. Beispielsweise haben die Skandale bei der Mitarbeiterüberwachung in Firmen, aber auch die Debatte über die Weitergabe von Bankdaten an die USA den Wert des Datenschutzes parteiübergreifend wieder klarer gemacht. Hier treffen wir als FDP jetzt auf mehr Verständnis. In konservativen Kreisen hatte es früher bisweilen geheißen: Datenschutz ist Täterschutz - diese verengte Sichtweise ist vorbei.
Bayerns Innenminister Herrmann hat für kommendes Jahr ein neues NPD-Verbotsverfahren angekündigt. Halten Sie das für aussichtsreich?
*Stadler:* Ich habe mich über die Aussagen des Innenministers sehr gewundert. Zwar hat er damit Recht, dass die NPD eine verfassungsfeindliche Partei ist und daher verboten werden
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*„Herrmann auf halbem Weg stehen geblieben“ *
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könnte. Doch wenn er gleichzeitig betont, an einen Abzug der eingeschleusten Verfassungsschutz-Leute sei nicht zu denken, dann ignoriert er, was das Verfassungsgericht als Vorgabe für ein neues Verbotsverfahren gemacht hat. Ohne Abzug der V-Leute wäre ein neues Verfahren ganz klar zum Scheitern verurteilt. Mit seiner Forderung ist Joachim Herrmann daher auf halbem Weg stehen geblieben.
Wie sieht es mit Ihren persönlichen Plänen aus? Für das Justizressort gelten Sie als möglicher Minister-Kandidat.
*Stadler: *Es ist immer ehrenvoll, wenn man genannt wird, und besser, als wenn es heißt: Der kommt überhaupt nicht in Frage. Natürlich will ich gerne weiter an der Gestaltung der Innen- und Rechtspolitik in Deutschland mitwirken. Wie und wo, das werden wir nach der Wahl sehen. Franz Josef Strauß hat einmal gesagt, er schlafe nicht deshalb bei offenem Fenster, um nur ja keinen Ruf aus der Hauptstadt zu überhören. In diesem einen Punkt stimme ich ihm ausnahmsweise mal zu.
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Das Gespräch führten Ernst Fuchs und Martin Wanninger.
„Wir hätten den Seehofer gerne eingeladen“
2500 Zuhörer* lauschten 2008 FDP-Chef Guido Westerwelle. Er kommt zum 4. Mal nach Karpfham.
Von Doris Altmannsberger
*Karfpham. * Die Liberalen schicken ihren Vorsitzenden Guido Westerwelle ins Rennen, die Grünen ziehen mit Renate Künast nach. Hubert Aiwanger tritt für die Freien Wähler an, Gabriele Pauli im Namen der Freien Union und die SPD präsentiert sich mit Deutschlands jüngstem Bürgermeister, Michael Adam, auf Bayerns drittgrößtem Volksfest. Nur die CSU scheint vergessen zu haben, dass Wahlkampf ist: Zur Kundgebung auf dem Karpfhamer Fest geht sie mit dem Europaabgeordneten Manfred Weber an den Start.
Nun ist ja Manfred Weber kein schlechter Redner und Vorsitzender der Niederbayern-CSU obendrein. Und er ist, betont MdB Andreas Scheuer, immerhin „unser wichtigster Mann in Europa“. Doch Karpfham ist auch kein x-beliebiges Volksfest, und wenn Ministerpräsident Horst Seehofer in Tittling, Edmund Stoiber in Hauzenberg, Volker Kauder in Eging und Karl-Theodor zu Guttenberg in Vilshofen aufschlagen, dann fragt sich die Region im südwestlichen Zipfel des Landkreises schon, was sie falsch gemacht hat. „Karpfham ist uns ultra-wichtig“, bekräftigt sogleich MdB Andreas Scheuer. „Wir sind hier absolut präsent. Aber wir haben einfach mehr gute Politiker zu bieten und nicht nur einen Star - und die haben wir in der Region verteilt“, argumentiert er, und dass man mit Landwirtschaftsminister Helmut Brunner auch die Bauernkundgebung am Dienstag bestreite.
„Ich find’ es sehr schade, dass von der CSU heuer nur der Weber kommt“, sagt Anton Venus, Festwirt der „Schwaimer Hütte“ auf dem Karpfhamer Fest. Nachdem sich der Herr Ministerpräsident so gut gelaunt auf dem Straubinger Gäubodenfest gezeigt hatte, „haben wir eigentlich schon damit gerechnet, dass er auch zu uns kommt“, gibt er zu. Karpfham, das sei ja immerhin das drittgrößte Volksfest in Bayern. „Wir hätten den Seehofer auch gerne eingeladen, aber von Seiten der CSU hieß es, dass er keinen Termin mehr frei habe“, ist Venus enttäuscht. Er suchte weiter nach Rednern fürs Festzelt. Fündig wurde er bei Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler: „Der hat sofort sein Kommen zugesagt.“ Und bei Gabriele Pauli, Chefin der skandalumwitterten Freien Union: „Die hat mir sogar vor kurzem noch einen Brief geschrieben, sich für die Einladung bedankt und versichert, sie freue sich, wieder nach Karpfham zu kommen.“ Das Festzelt, ist Anton Venus überzeugt, werde auf jeden Fall bei beiden Rednern „proppenvoll“ sein.
Das wird wohl auch der Fall sein, wenn FDP-Chef Guido Westerwelle zum vierten Mal nach 2003, 2005 und 2008 in der Rottaler Hütte ans Rednerpult tritt. Beim Auszug ist er schon mitmarschiert und hat das Karpfhamer Festvolk für sich gewonnen - im letzten Jahr sprach er vor stolzen 2500 Zuhörern.
Ähnlich groß wird der Andrang sein, wenn Bündnis 90/Die Grünen zu ihrer Kundgebung in die Holzhamer Hütte einladen: Im letzten Jahr wetterte dort deren Landesvorsitzender Sepp Daxenberger vor 2000 Besuchern gegen die CSU-Agrarpolitik, in diesem Jahr bekommt er weibliche Unterstützung: Bundesvorsitzende Renate Künast, von 2001 bis 2005 Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. „Das wird mit Sicherheit eine ganz besondere Kundgebung. Auf der einen Seite der bäuerlich geprägte Sepp Daxenberger, auf der anderen Seite die eher städtische Renate Künast - das verspricht Spannung“, freut sich der Passauer Grünen-Landtagsabgeordnete Eike Hallitzky. Der Kreisverband habe alles daran gesetzt, hochkarätige Redner zu Bayerns drittgrößtem Volksfest zu holen. „Als herausragendes Landwirtschaftsfest hat es bei uns einen sehr hohen Stellenwert, es ist für uns eine sehr wichtige Veranstaltung“, betont Hallitzky - deshalb sendet die Partei ihre beiden kompetentesten Ansprechpartner in punkto Landwirtschaft aus. Da sei es fast schon schade, dass sich die Christsozialen so zurückhalten: „Ich würde mich freuen, wenn sich die CSU doch noch entschließen würde, die erste Liga nach Karpfham zu schicken“, schmunzelt Hallitzky und fügt selbstbewusst hinzu: „So setzen wir den Glanz.“
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*Versäumt, frühzeitig die Weichen zu stellen*
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Erst vor vier Tagen hat die SPD ihren Redner fürs Karpfhamer Fest gefunden: Michael Adam, Deutschlands jüngster Bürgermeister - „die Perle der Niederbayern-SPD“, wie Landesvorsitzender Florian Pronold nicht ohne Stolz bemerkt. Etwas kurzfristig, gesteht Pronold ein, habe man sich nach einem Redner umgesehen. Im Kreisverband Passau-Land habe man es versäumt, frühzeitig die Weichen zu stellen. „Wir haben die ganze Woche verhandelt, damit wir noch einen hochkarätigen Redner für das Weißbierzelt an Land ziehen“, sagt Pronold. Michael Adam, ist der SPD-Landesvorsitzende überzeugt, ist „ein sehr guter Redner und wird mit Sicherheit für ein volles Zelt sorgen“.
Sieben Kandidaten hoffen aufs Kreuzerl
Eine Frau und sechs Männer treten als Direktbewerber in Stadt und Landkreis Passau bei der Bundestagswahl an
Von Karin Mertl
*Passau.* Sieben Direktkandidaten treten bei der Bundestagswahl am 27. September im Wahlkreis Passau an. Sie buhlen um die Erststimmen der Wähler in der Dreiflüssestadt und im Landkreis.
Auf dem Stimmzettel stehen die drei amtierenden Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Scheuer (CSU), Jella Teuchner (SPD) und Dr. Max Stadler (FDP), außerdem Boris Burkert (Vorsitzender des Kreisverbandes Passau Stadt von Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Joseph Wandl (stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Passau der Linken), Martin Gabling (Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Passau) und Andreas Seitz (stellvertretender Vorsitzender des ödp-Kreisverbandes Passau-Stadt). Unter ihnen können die Stimmberechtigten ihren Favoriten mit einem Kreuzerl markieren.
Mit einer zweiten Stimme wird die Partei gewählt. In Bayern stehen 19 zur Wahl. Jede von ihnen hat im Vorfeld eine Liste mit weiteren Kandidaten erstellt. Je mehr Stimmen eine Partei erhält, desto mehr Bewerber kann sie zusätzlich zu den Direktkandidaten in den Bundestag entsenden - vorausgesetzt, sie kommt über die Fünf-Prozent-Hürde.
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*Klaus Huber jetzt bei Familien-Partei*
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Vier Direktkandidaten belegen gleichzeitig einen Listenplatz: Jella Teuchner (Platz 18), Dr. Max Stadler (Platz 2), Martin Gabling (Platz 3) und Andreas Seitz (Platz 34). Weitere Listenkandidaten aus dem Wahlkreis Passau sind Cornelia Wasner-Sommer (CSU), Gemeinderätin in Neuhaus am Inn, und Klaus Huber aus Aicha vorm Wald (Familien-Partei Deutschlands). Der im Jahr 2005 abgesetzte CSU-Fraktionschef im Passauer Kreistag und Ex-Vorsitzende des Berufsschulzweckverbandes Passau engagiert sich nun als Beisitzer im Bundesvorstand der Familien-Partei.
Bei der Bundestagswahl 2005 waren sechs Direktkandidaten angetreten. Neben den erneut zur Abstimmung stehenden Scheuer, Teuchner, Stadler und Burkert waren dies Hans Magnus Langmaier (Die Linke) und Karl-Heinz Ziener (NPD). Scheuer holte sich mit 58,53 Prozent das Mandat. Teuchner und Stadler schafften den Wiedereinzug in den Bundestag über ihre Listenplätze. Teuchner war auf 22 gesetzt, Stadler auf Rang 3.
Bei der Wahl am 27. September sind im Wahlkreis Passau von 238 965 Einwohnern exakt 186 307 Stimmberechtigte aufgerufen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Im Jahr 2005 lag die Beteiligung bei 72 Prozent.
CIA-Affäre
Von Thomas Kröterund Silke Rummel
Bundeskanzleramt: Kein Kommentar. Innenministerium: Kein Kommentar. Auswärtiges Amt: Kein Kommentar. Bundesnachrichtendienst (BND): Kein Kommentar. Der Bericht der New York Times, die Geheimflüge und -gefängnisse der CIA in Europa seien aus Frankfurt am Main gesteuert worden, lösen bei den offiziellen Stellen in Deutschland gesammeltes Schweigen aus.
So blieben auch die Fragen der /FR/ an den BND in Pullach unbeantwortet, ob der deutsche Auslandsgeheimdienst von den "Black Sites" (geheimen Orten) gewusst hat und ob die CIA um deutsche Unterstützung gebeten wurde.
Den Schweizer Dick Marty wundert das nicht. "Bis jetzt hat die deutsche Regierung sich geweigert, die ganze Wahrheit zu sagen", sagte er der /Frankfurter Rundschau/. Marty hatte als Sonderermittler des Europarats von 2005 bis 2007 Untersuchungen über die geheimen CIA-Gefängnisse der USA in Europa veröffentlicht. Er greift die Bundesregierung und andere europäische Regierungen scharf an: Sie müssten für mehr Transparenz sorgen.
Mit Verweis auf das Staatsgeheimnis habe die deutsche Regierung auch im Fall des aus dem Libanon stammenden Deutschen Khaled El-Masri, den der US-Geheimdienst in Mazedonien entführt und nach Afghanistan verschleppt hat, nicht alles gesagt.
Die Grünen fordern einen neuen Untersuchungsausschuss
Zu den aktuellen Enthüllungen des Ex-Agenten Foggo über Machenschaften des US-Geheimdienstes von deutschem Boden aus sagte Marty: "Das ist eine Bestätigung dessen, was wir schon wussten." Es gestalte sich allerdings schwierig, die ganze Wahrheit über die quer durch Europa verschleppten Terrorverdächtigen herauszufinden. Insgesamt hätten sich die europäischen Regierungen "nicht viel Mühe gegeben", die Vorgänge aufzuklären.
Das treibt auch die Opposition im Bundestag um. Da bis zur Bundestagswahl nur noch wenige Wochen Zeit sind, forderte die Linke sogar, gleich nach dem 27. September einen neuen Untersuchungsausschuss des Parlaments einzurichten.
Wolfgang Neskovic, im Ausschuss, der weitgehend vergeblich versucht hat, die Verwicklung deutscher Stellen in der geheimen Teil des amerikanischen "Kriegs gegen den Terror" aufzuklären, schließt zwar nicht aus, "dass so etwas auch ohne Wissen deutscher Stellen auf deutschem Boden geschieht", aber er will es dann doch genau wissen.
Die Grünen fordern nun einen neuen Untersuchungsausschuss - sogar noch im alten Bundestag. Es gehe um einen "wichtigen Sachverhalt, den ein souveräner Staat nicht auf sich sitzen lassen darf", meint Christian Ströbele, Obmann der Grünen im zurück liegenden Untersuchungsausschuss.
Wenn der Bericht der New York Times den Tatsachen entspreche, bestätige er, was der Ausschuss immerhin herausgefunden habe: "Nach dem 11. September 2001 und während des Irak-Krieges konnten FBI und CIA in der Bundesrepublik schalten und walten wie sie wollten", sagte Ströbele der /FR/.
Vertreter des FBI seien zudem in die Sonderarbeitsgruppe des Bundeskriminalamtes (BKA) integriert gewesen. Das sei auch bei den CIA-Agenten und den deutschen Geheimdiensten der Fall gewesen.
"Die Bundesregierung muss eindeutig erklären, ob sie auch von diesen rechtswidrigen Aktivitäten auf deutschem Boden gewusst und warum sie nichts dagegen unternommen hat", forderte der außenpolitische Sprecher der Linken-Fraktion, Norman Paech.
"Diese Nachricht bestärkt mich in der Auffassung, dass der Bundestag die Bundesregierung auffordern sollte, sämtliche noch fehlenden oder nur unvollständig übermittelten Akten an den BND-Untersuchungsausschuss herauszugeben", sagte der Obmann der FDP in dem parlamentarischen Untersuchungsgremium, Max Stadler, der /FR/.
„Die Obleute könnten die Dokumente dann studieren, ohne dass eine erneute Sitzung des Ausschusses erforderlich wäre." Die FDP hat dazu bereits einen Antrag gestellt, der in der Sondersitzung des Bundestages am 26. August behandelt werden soll. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Bundesregierung verpflichtet hat, ihre restriktive Informationspraxis gegenüber dem Ausschuss aufzugeben.
Gesprächiger als die Regierung sind die Vertreter der Regierungsfraktionen im Ausschuss - und zweifeln die Enthüllungen des Agenten Foggo an. "Das liest sich wie eine Räuberpistole", findet Siegfried Kauder (CDU), der den Untersuchungsausschuss geleitet hat im /FR/-Gespräch. In seinen Ermittlungen habe das Gremium kein Indiz gefunden, das die Behauptungen des Kronzeugen der New York Times bestätige. Kauder wirft den Oppositionsparteien "Wahlkampfgedöns" vor.
In der Sache geht SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann, der lange Obmann seiner Partei im Untersuchungsausschuss war, sogar einen Schritt weiter: "Es gibt bis heute "keinen Beweis für die Existenz der ,Black Sites´." Auch der Bericht der US-Zeitung sei höchst "spekulativ". Was die Forderung nach Akteneinsicht aufgrund des jüngsten Verfassungsgerichtsurteils angehe, sagte der SPD-Politiker: "Wir sollten den Antrag der FDP im Parlament behandeln." Ihn anzunehmen, hat er nicht zugesagt.
Wahlkampf ‘09: Ab heute hängen die Abgeordneten
Von Jörg Klotzek
Noch 45 Tage bis zur Bundestagswahl - doch von Wahlplakaten keine Spur. Während bei früheren Entscheidungen eine regelrechte Materialschlacht und der Kampf um die bestgelegenen Straßenlaternen entbrannt war, sind die Passauer Bundestagsabgeordneten und Parteien auffallend zurückhaltend. Bis jetzt.
„Wir beginnen am Donnerstag mit dem Aufhängen“, kündigte gestern der CSU-Abgeordnete Andreas Scheuer das Ende der plakatlosen Zeit an. „Meine Leute holen gerade die Plakate ab.“ Schätzungsweise 1200 Stück, genau könne er es gar nicht sagen, habe er drucken lassen. Der 34-Jährige ist direkt gewählter Parlamentarier für den Bundeswahlkreis Passau mit seinen rund 184 000 Wahlberechtigten in Stadt und Landkreis. Entsprechend oft soll daher sein Konterfei in möglichst vielen Städten und Gemeinden zu sehen sein.
Scheuer setzt zudem auf weitere optische Werbeträger. So fahren zwei Vespa-Minilaster und ein BMW Mini mit seinem Bild und Namenszug durch die Gegend. „Ich bin ja ein Liebhaber von Autos und Oldtimern“, erklärt der Parlamentarier, der seit 2005 den Wahlkreis 230 direkt vertritt.
Auch wenn erst ab jetzt plakatiert werde, der Wahlkampf laufe bereits auf Hochtouren. Er habe tagtäglich von früh bis spät Termine und sei permanent unterwegs zwischen Vilshofen, Wegscheid und Pocking. Höhepunkte für den CSU-Politiker werden gemeinsame Auftritte mit Parteigrößen wieWirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Parteichef Horst Seehofer oder Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber sein.
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*Mehr als 1000 Porträts der SPD-Politikerin*
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Auch Jella Teuchner setzt auf Parteiprominenz. Die SPD-Abgeordnete, die auf dem aussichtsreichen Platz 18 der Landesliste für eine fünfte Wahlperiode im Bundestag kandidiert, tritt beim Vilshofener Volksfest mit ihrem neuen Landesparteichef Florian Pronold auf. Auch sie eilt seit geraumer Zeit intensiv im Wahlkreis von Termin zu Termin, auch sie nutzt dazu ein Fahrzeug mit ihrem Bild und ihrem Namen als Werbeträger. Plakatiert wird natürlich auch: „Wir haben dafür das ganze kommende Wochenende eingeplant“, sagt die Salzwegerin. Weit über 1000 Druckwerke habe sie auf eigene Kosten dafür anfertigen lassen.
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*Stadler-Plakat soll ein regelrechter Clou sein*
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„Wir warten noch mit dem Plakatieren“, sagt dagegen Max Stadler von der FDP. Der langjährige Abgeordnete, der bereits als Minister in einer möglichen Unionskoalition gehandelt wird, will erst in ein, zwei Wochen in die optische Werbung einsteigen. Der 60-Jährige hat dabei wohl eine Überraschung in petto, jedenfalls soll sein Wahlkampfauftritt dem Vernehmen nach ein Clou sein.
Stadler hat zudem ein weiteres Feld der Wählermobilisierung entdeckt. „Im Unterschied zu früheren Wahlen findet dieses Mal viel übers Internet statt.“ Er erhalte zahlreiche Online-Anfragen, die er noch am selben Tag zu beantworten versucht. „Da sind auch viele lokale Interessenten dabei“, berichtet er. Deshalb sei er seit geraumer Zeit auch unterwegs permanent mit dem Internet verbunden.
Kommentar
Von Jörg Klotzek
Sie stecken mitten im Wahlkampf und tief im Dilemma: Passaus Bundespolitiker haben nur wenig Zeit zwischen dem Ende der Wahlperiode und der Bundestagwahl am 27. September, um auf sich und ihre Partei aufmerksam zu machen. Dabei können sie auf die allmählich überholte Form der klassischen Wählermobilisierung mittels Plakaten und Flugzetteln (noch) nicht verzichten, kommen aber andererseits am veränderten medialen Nutzungsverhalten der Bürger nicht vorbei.
Nicht zu beneiden sind Andreas Scheuer, Jella Teuchner und Max Stadler bei diesem Spagat zwischen gestern und morgen. Daher ist anzuerkennen, dass sie sich dieser Aufgabe stellen. Scheuer bloggt sich seit Monaten mit Videobildern durchs Internet, Teuchner lässt sich von ihren vier (!) Büros über fast jede E-Mail informieren und Max Stadler versucht, auch unterwegs stets online zu sein.
Welcher Weg zum Wähler von morgen führt, weiß heute keiner. Auch ist unklar, wie sehr die digitalen Bemühungen belohnt werden. Spannend ist: Es wird nicht nur das Wahlergebnis der drei Politiker zu beobachten sein, sondern auch die Höhe der Wahlbeteiligung.
Eins kann aber auch die schöne neue Medienwelt nicht ändern: Guter Wahlkampf dauert nicht vier Wochen, sondern vier Jahre.
Zu viele Terrorwarnungen?
Hat Stadler recht?
Ja: 1865 Stimmen, dies entspricht circa 77.2%
Nein: 429 Stimmen, dies entspricht circa 17.8%
Keine / eine andere Meinung: 122 Stimmen, dies entspricht circa 5.0%
Stimmen gesamt: 2416
Das Ergebnis dieser Umfrage ist nicht repräsentativ.
Stadler kritisiert ständige Terrorwarnungen
In Düsseldorf - vor dem dortigen Oberlandegericht - hört man derweil, wie vier junge Männer gezielt über ihre Anschlagspläne berichten - vor zwei Jahren wurden sie beim Bombenbauen in einem Siedlungshaus im Sauerland verhaftet.
Der FDP-Innenexperte *Max Stadler* hat die deutschen Sicherheitsbehörden für ihren Erfolg im Sauerland-Fall gelobt. Der Prozess zeige, dass es eine konkrete Terrorgefahr in Deutschland gebe, sagte Stadler im Inforadio. Die Sicherheitsbehörden hätten hier gut gearbeitet und einen Anschlag verhindert. Das sei auch im Rahmen der bestehenden Gesetze möglich. Zugleich warnte Stadler vor ständigen Terrorwarnungen an die Bevölkerung. Gegen die Gefahr müsse man tätig werden, reden allein bringe nichts. Mit ständigen öffentlichen Äußerungen erzeuge man bei den Bürgern einen Gewöhnungseffekt. Nötig sei es, den Sicherheitsbehörden genügend Personal und technische Ausstattung zu geben.
*Dr. Max Stadler*, Vorsitzende im Parlamentarischen Kontrollgremium sowie sicherheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, wurde befragt von Dietmar Ringel.
FDP kritisiert Verteidigungsminister Jung
Der FDP-Politiker Max Stadler hält eine Grundgesetzänderung für den Einsatz der Bundeswehr bei Geiselbefreiungen für unnötig.
Hanns Ostermann: Was soll und was darf die Bundeswehr und was nicht? Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat am Wochenende eine alte Diskussion neu belebt: Er möchte, dass künftig Soldaten Geiseln im Ausland befreien dürfen. Zu diesem Zweck müsste aber das Grundgesetz geändert werden. Ausgangspunkt ist dabei das freigekommene Containerschiff Hansa Stavanger, vier Monate lang hatten sich die Geiseln in der Hand von Piraten befunden. Von vielen Seiten wurde der Vorstoß des Verteidigungsministers kritisiert, auch von der FDP. Max Stadler ist stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag und jetzt am Telefon, guten Morgen, Herr Stadler!
Max Stadler: Guten Morgen!
Ostermann: Was stört Sie an einem möglichen Einsatz deutscher Soldaten zur Geiselbefreiung?
Stadler: Mich stört zunächst einmal daran, dass der Verteidigungsminister eine Debatte über eine Grundgesetzänderung wieder losgetreten hat, obwohl doch längst klar ist, dass eine solche Grundgesetzänderung für Geiselbefreiungen im Rahmen von militärischen Mandaten gar nicht notwendig ist. Dann hätte ja der Verteidigungsminister nicht in sein Weißbuch über die Aufgaben der Bundeswehr hineinschreiben dürfen, dass Geiselbefreiungen zu diesen Aufgaben eben zählen, wenn das verfassungswidrig wäre. Dem ist nicht so. Aber die Diskussion muss eigentlich schon an einem früheren Punkt einsetzen: Es ist ja eine Befreiung versucht worden für die Geiseln der Hansa Stavanger im April, und diese Geiselbefreiung wurde dann abgebrochen, weil das Risiko viel zu groß schien, sowohl für die Sicherheitskräfte, die die Befreiung durchführen sollten, als auch für das Leben der Geiseln selber. Und deswegen finde ich, der Verteidigungsminister sollte lieber Vorschläge machen, wie man Geiselnahmen verhindert, wie die Schiffspassagen sicherer sind, ob hier wirklich schon alles getan ist, denn wenn es einmal zu einer Entführung gekommen ist und Geiseln genommen sind, dann ist man ja in der schwierigen Lage, entweder Lösegeld zu zahlen und damit gewissermaßen die Verbrecher auch noch zu belohnen für ihre Taten, oder aber eben eine gewaltsame Befreiung zu versuchen, die offenbar mit sehr, sehr großen Risiken verbunden wäre. Der Kapitän der Hansa Stavanger hat ja gesagt, das hätte ein Blutbad gegeben, und ich glaube, wir sind alle einig, dass der Schutz von Menschen eben oberste Priorität hat.
Ostermann: Herr Stadler, aber noch mal einen Schritt zurück. Die Operation Atalanta erlaubte bereits das Eingreifen deutscher Soldaten, das war dann aber einfach zu schwierig und zu gefährlich, insbesondere für die Geiseln. Wären die dann zum Beispiel auf somalischen Boden gekommen, hätten dann die Soldaten theoretisch auch eingreifen können?
Stadler: Ja, wenn ich doch einmal vielleicht das etwas relativieren darf: Es bestand für die Bundesregierung die Wahl, wenn man sich denn zu einer gewaltsamen Befreiungsaktion entschlossen hat, das entweder im Rahmen des Mandats Atalanta zu machen, also durch die Bundeswehr - sie hat ja Spezialkräfte dafür, KSK -, oder aber durch eine Polizeieinheit, die GSG9. Und der Bundesinnenminister hatte seine Zustimmung zu dem Letzteren gegeben, weil eigentlich Geiselbefreiung eine polizeiliche Aufgabe ist, und die GSG9 ist dann doch am Ende zurückgezogen worden, weil es zu riskant schien. Das heißt, wir haben im Moment zwei Möglichkeiten, und die Kritik damals war ja die, dass das Ganze unkoordiniert ablief, aber ich sage noch einmal, der wichtigere Punkt ist, wenn das Risiko zu groß ist für die Geiseln. Und gerade deswegen hat verantwortungsvollerweise die Einsatzleitung entschieden, die Aktion abzubrechen. Übrigens haben auch die Amerikaner das so gesehen, deren Hilfe man benötigt hätte und das ist dann eben unterblieben. Sie haben aber recht: Es gibt Situationen, wo Geiselbefreiung dann alleine Polizeiaufgabe ist, nur im Rahmen eines militärischen Mandats wäre es eine Bundeswehraufgabe auch.
Ostermann: Schauen wir nach vorn: Franz Josef Jung bringt die Bundeswehr ja nicht nur für Auslandseinsätze ins Gespräch, sondern auch bei bestimmten Situationen im Inneren, denkt man an die Fußballweltmeisterschaft, da gab es diese Diskussion ja auch. Gibt es Ausnahmesituationen, wo Sie sich einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren vorstellen können, oder sagen Sie kategorisch ohne Wenn und Aber nein?
Stadler: Das ist ja genau der Punkt, warum jetzt der Bundesverteidigungsminister so viel Kritik auf sich gezogen hat, denn sein Vorstoß hatte offenbar das Ziel, die alte Idee der CDU/CSU, Bundeswehreinsätze im Inneren noch erweitert zuzulassen, wieder in die Diskussion zu bringen. Das ist nicht erforderlich und auch nicht wünschenswert, als FDP sagen wir, es gibt eine klare Trennung von Polizeiaufgaben und von militärischen Aufgaben. Innere Sicherheit ist im Grundsatz Polizeiaufgabe, äußere Sicherheit militärische, und deswegen ist über das, was bisher als Amtshilferegelungen im Grundgesetz schon angelegt ist, hinaus nichts vom Gesetzgeber veranlasst.
Ostermann: Aber ist die Polizei nicht mit bestimmten Aufgaben überfordert? Sie kann zum Beispiel keine Raketenangriffe von Terroristen abwehren.
Stadler: Dann muss eben die Bundeswehr im Wege der Amtshilfe beigezogen werden, aber es muss einfach klar sein: Es bleibt eine polizeiliche Aufgabe, innere Sicherheit zu leisten. Das ist deswegen wichtig: Die Polizei ist dafür ausgebildet. Die Polizeipraktiker sagen übrigens selber, sie brauchen nicht die Bundeswehr dafür, und vor allem, es kommt noch eines dazu: Das alles muss dann in dem Rahmen, den das Polizeirecht vorgibt, durchgeführt werden. Und das ist ja keine Kleinigkeit und keine Unwichtigkeit am Rande, sondern: Innere Sicherheit zu gewährleisten ist mit Eingriffen in Grundrechte, in Bürgerrechte verbunden. Dafür gibt das Polizeirecht rechtsstaatliche, gewachsene Strukturen vor und das soll, nach Auffassung der FDP, nicht überlagert werden durch Militäreinsätze im Inneren.
Ostermann: Dann darf man sich auf spannende Koalitionsverhandlungen freuen, wenn es zu Schwarz-Gelb nach dem 27. September kommt, denn in Bayern knirscht es ja schon.
Stadler: Da bin ich ganz optimistisch.
Ostermann: Der dortige Innenminister möchte …
Stadler: Ja, aber gerade in Bayern haben wir doch wirklich eine Blaupause geliefert für eine schwarz-gelbe Koalition im Bund, denn auch auf meine Initiative hin übrigens hat die FDP in Bayern mit der CSU erreicht, dass 1000 neue Planstellen für die Polizei geschaffen worden sind. Es gab hier eine Unterbesetzung - sogar in Bayern - bei der Polizei. Da muss man ansetzen, wenn man wirklich etwas für innere Sicherheit tun will und das hat die schwarz-gelbe Koalition in Bayern auf den Weg gebracht. Ich bin da zuversichtlich, dass man dann zu vernünftigen Maßnahmen auch im Bunde kommt.
Ostermann: Max Stadler von der FDP, stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses im Deutschen Bundestag. Herr Stadler, danke für das Gespräch heute früh.
Stadler: Ich danke ebenfalls.
Urlaub für die Geiseln, Streit in der Politik
Nach Ende des Dramas um die "Hansa Stavanger": Jung fordert Grundgesetzänderung - SPD und Opposition empört
Berlin - Als die 24 Besatzungsmitglieder der "Hansa Stavanger" am Samstag in Kenia endlich wieder als freie Menschen festen Boden unter den Füßen hatten, musste die Hälfte der Männer erst einmal zum Zahnarzt: Nach ihrer Entführung Anfang April vor der Küste Somalias hatten ihnen die Piraten die Zahnbürsten weggenommen.
Diese Repressalie zählte noch zur harmloseren Art. Kapitän Krzysztof Kotiuk, der wie seine Mannschaft von Erschöpfung gezeichnet sein Schiff verließ, berichtete vom brutalen Terror durch die somalischen Freibeuter: Tag und Nacht richteten die Piraten Maschinenpistolen auf die Geiseln, darunter fünf Deutsche, drei Russen, zwei Ukrainer, zwei Philippinos und zwölf Bürger der Pazifikinselgruppe Tuvalu. Die ganze Zeit mussten sie auf der Brücke des Schiffs ausharren. Für 40 Männer gab es nur eine einzige, verstopfte Toilette. Als Trinkwasser diente das Schwitzwasser aus den Klimaanlagen, schon seit Ende Mai war kein richtiges Essen mehr an Bord.
Die größte Folter aber waren die Scheinhinrichtungen. Zwei Mal drohten die Piraten allein Schiffskommandant Kotiuk mit dem Tod: "Die Männer zielten mit Gewehren auf mich, und mir wurden die Augen verbunden. Ich war pitschnass vor Angst und stand kurz vor einem Herzinfarkt." Einer von Kotiuks Offizieren brach bei einer solchen Folteraktion zusammen.
Mittlerweile ist die Mannschaft in Mombasa in ein abgeschirmtes Hotel gebracht worden, um sich von den Strapazen ihrer viermonatigen Haft zu erholen. Die Reederei der "Hansa Stavanger", Leonhardt & Blumberg, hat ihrer Crew eine besondere Entlohnung zugesagt. "Wir werden Situation und Wünsche jedes Einzelnen berücksichtigen. Wer einen langen Urlaub möchte, bekommt ihn ebenso wie Extrageld", sagte ein Sprecher.
Die Reederei hatte den Piraten vergangenen Montag ein Lösegeld in Höhe von rund zwei Millionen Euro gezahlt, woraufhin diese das Schiff freigaben. Nach Information des "Spiegels" soll die Bundeswehr geplant haben, in diesem Moment zuzugreifen. Kampfschwimmer sollten die Entführer festzunehmen, wenn diese das Boot verließen. Doch das Bundeswehrkommando blies die Aktion ab. Bereits drei Wochen nach der Geiselnahme hatte die Bundespolizei geplant, die "Hansa Stavanger" zu entern. Doch die Befreiungsaktion scheiterte unter anderem daran, dass GSG-9-Leute über ungesicherte Telefonleitungen Familienangehörigen vom geplanten Zugriff erzählt hatten. Daraufhin wurde die Aktion aus Sicherheitsgründen abgebrochen.
Im aufziehenden deutschen Wahlkampf hat das unausgegorene Vorgehen gegen die Piraten eine Debatte über die rechtlichen Voraussetzungen einer Geiselbefreiung durch die Bundeswehr ausgelöst. Verteidigungsminister Franz Josef Jung sprach sich dabei für eine Änderung des Grundgesetzes aus. "Nach unserer Verfassung ist derzeit für eine Geiselbefreiung die Polizei zuständig. Wir sollten über eine Verfassungsänderung nachdenken, die der Bundeswehr den Zugriff dann ermöglicht, wenn die Polizei nicht handeln kann, da sie beispielsweise gar nicht am Ort des Geschehens ist", sagte Jung der "Bild am Sonntag". Spätestens nach der Bundestagswahl wolle er dieses Thema wieder auf die Tagesordnung setzen - nicht nur für den Fall von Entführungen im Ausland, "sondern auch mit Blick auf bestimmte Situationen im Innern".
Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kritisierte Jungs Vorschlag scharf. Es sei nicht gut, wenn jetzt versucht werde, aus der Rückkehr der Geiseln politisches Kapital zu schlagen, sagte Steinmeier. Der Vorschlag sei "grober Unfug" und gehe "in offenkundiger Unkenntnis der Verfassung völlig an der Sache vorbei", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann. Die Bundeswehr dürfe ihre Spezialkräfte schon nach geltendem Recht zur Geiselbefreiung im Ausland einsetzen. Und für Einsätze im Innern gelte: "Dafür sind Soldaten weder zuständig noch ausgebildet, das ist Sache der Polizei." Ähnlich äußerte sich Justizministerin Brigitte Zypries (SPD).
Widerspruch kam auch von der FDP. "Eine Grundgesetzänderung ist nicht erforderlich", sagte Rechtsexperte Max Stadler der WELT. Dass man sich im Fall der "Hansa Stavanger" gegen eine Geiselbefreiung entschieden habe, habe rein operative Gründe gehabt, die Gefahr eines Blutbads sei zu groß gewesen. Der Verteidigungsminister solle seine Energie lieber darauf richten, die Frage zu beantworten, "wie Geiselnahmen verhindert werden können".
Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin sagte, mit seinen wiederholten Vorstößen, über eine Grundgesetzänderung Bundeswehreinsätze im Innern zu ermöglichen, entpuppe sich Jung als "unbelehrbarer Wiederholungstäter". Die Bundeswehr habe keinen Verteidigungsminister verdient, "der ihren Einsatz permanent in die Nähe der Verfassungswidrigkeit rückt".
Sportreporter im Visier
Guttenberg soll Finanzminister werden
München - Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg ( CSU ) soll im Falle eines Sieges von CDU/ CSU und FDP bei der Bundestagswahl neuer Bundesfinanzminister werden.
Dies erfuhr der Münchner Merkur aus hochrangigen CSU -Kreisen. Darüber hinaus zeigt sich die Partei auch daran interessiert, das Bildungs- und das Verkehrsressort für sich zu reklamieren. Offen ist, ob die CSU erneut darauf besteht, das Agrar- und Verbraucherschutzministerium zu besetzen, das derzeit von Ilse Aigner ( CSU ) geleitet wird. Begründet wird dies damit, dass bereits das Finanzministerium in Zeiten der Krise als zwar machtvolles, aber „schwieriges“ Ressort gilt, sodass sich die Lust in Grenzen hält, ein weiteres „Problemministerium“ zu übernehmen.
Auch in der FDP sind die Überlegungen für den Fall einer Regierungsübernahme weit fortgeschritten. Als unstrittig gilt, dass Parteichef Guido Westerwelle dann Außenminister wird. Die Liberalen sind zudem interessiert am Wirtschaftsministerium und am Justiz- sowie ebenfalls am Bildungsministerium. Als Aspiranten genannt werden Hermann Otto Solms und Rainer Brüderle (Wirtschaft) sowie Max Stadler und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Justiz).
Ungeachtet der Planungen für die gemeinsame Zeit nach einem CDU / CSU - FDP -Wahlsieg haben CSU und FDP ihren jüngsten Streit auch gestern fortgesetzt. Nach CSU-Chef Horst Seehofer äußerte auch Spitzenkandidat Peter Ramsauer Zweifel an der Zuverlässigkeit der Liberalen. Jedem Wähler müsse klar sein, dass seine Stimme für die FDP eine Stimme für eine Ampel-Koalition von SPD, FDP und Grünen sein könne, warnte Ramsauer. Der Aussage von FDP-Chef Guido Westerwelle , er strebe keine Koalition mit der SPD an, sei nicht zu trauen. Im Gegenzug stärkte Bayerns FDP-Chef Leutheusser-Schnarrenberger ihrem Parteifreund und bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil im Konflikt mit der CSU um mögliche Staatshilfen für Schaeffler demonstrativ den Rücken.
Hintergrund des Streits ist die Sorge der CSU , konservative Wähler könnten wie bereits 2005 ihre Stimme der FDP geben und den Liberalen damit ein klar besseres Ergebnis verschaffen als der CSU . In einer schwarz-gelben Koalition erhielte die CSU dann weniger Ministerposten als die Liberalen. Ramsauer verweigerte erneut eine Festlegung, ob er im Falle eines Wahlsiegs ins Kabinett eintreten oder Landesgruppenchef bleiben will.
''Es wird nicht wahlentscheidend sein''
Max Stadler im Gespräch mit Bettina Klein
Der FDP-Innenpolitiker Max Stadler rechnet nicht damit, dass sich die Auslieferung des Waffenlobbyisten Karlheinz Schreibers auf den Bundestagswahlkampf auswirken wird. Die Ereignisse um die CDU-Spendenaffäre lägen weit zurück, sagte Stadler.
Bettina Klein: Den ganzen Morgen über melden wir es in den Nachrichten und haben Ihnen bereits auch Informationen unseres Korrespondenten dazu geliefert: Der Waffenlobbyist Karl-Heinz Schreiber ist vor einigen Stunden ausgeliefert worden und befindet sich offensichtlich schon auf dem Weg nach Deutschland. Am Telefon begrüße ich jetzt den FDP-Innenpolitiker Max Stadler, er war vor zehn Jahren schon Mitglied im damals zuständigen Untersuchungsausschuss, der sich mit der Aufklärung der CDU-Spendenaffäre beschäftigt hat, bei der Schreiber ja als eine Art Schlüsselfigur gilt. Guten Morgen, Herr Stadler!
Max Stadler: Guten Morgen!
Klein: Der Waffenlobbyist, an Deutschland ausgeliefert - wird die CDU-Spendenaffäre nun noch einmal aufgerollt?
Stadler: Natürlich ist das jetzt für die CDU und auch die CSU nicht angenehm, dass Karl-Heinz Schreiber ausgerechnet jetzt nach Deutschland zurückkommt und daher die Vorgänge aus den 90er-Jahren noch einmal im öffentlichen Bewusstsein wachgerufen werden, aber ich glaube, wirkliche Bedeutung für den Bundestagswahlkampf wird die damalige CDU-Spendenaffäre nicht mehr haben, dafür liegt sie zu lange zurück.
Klein: Also, Karl-Heinz Schreiber selbst geht ja davon aus, wie wir in den Berichten heute Morgen schon gehört haben, dass die sozialdemokratische Justizministerin Einfluss in Kanada geltend gemacht habe, um eben das Thema CDU-Spendenaffäre in den Wahlkampf zu holen. Davon gehen Sie aber nicht aus?
Stadler: Ja, Frau Zypries hat seine Auslieferung verlangt, aber das ist ihres Amtes, irgendeinmal sind die juristischen Finessen, mit denen Schreiber gegen seine Auslieferung gekämpft hat, eben zu Ende gegangen, nur, er hält sich selber für außerordentlich wichtig. Meine Erfahrung ist aber, dass Vorgänge, die sehr lange zurückliegen, dann in der Bevölkerung doch nicht mehr als so bedeutsam angesehen werden. Ich war ja gerade Mitglied im BND-Untersuchungsausschuss, da ging es unter anderem um den Einsatz von BND-Agenten während des Irakkriegs 2003, und da haben wir auch oft zu hören bekommen, das liegt doch schon so lange zurück, das interessiert heute nicht mehr. Heute wollen die Menschen wissen: Was ist die richtige Antwort auf die Finanz- und Wirtschaftskrise? Soll die richtige Antwort in Steuererhöhungen liegen, wie sie die Grünen und die Linken beispielsweise befürworten, Teile der SPD, ...
Klein: Herr Stadler, lassen Sie uns aber beim Thema Karl-Heinz Schreiber bleiben.
Stadler: Ja, ja, aber noch einmal, das ist ja genau das Thema: Wird ein Ereignis wie die Auslieferung jetzt von Karl-Heinz Schreiber plötzlich die Themenstellung für die Bundestagswahl entscheidend verändern? Das ist doch die Frage, und da sage ich, es geht den Menschen darum: Wer sichert die Arbeitsplätze? Ist es das richtige Konzept, die Wirtschaft zu entlasten, die Bürger zu entlasten, wie die FDP vorschlägt, oder sind andere Konzepte richtig? Und deswegen glaube ich, das ist jetzt eine Momentaufnahme. Natürlich, diese wirklich unschönen Ereignisse der 90er-Jahre, die CDU-Spendenaffäre, auch das ganze Gehabe von Karl-Heinz Schreiber, seine Bestechungen und Bestechungsversuche, das ist für CDU und CSU unangenehm, aber es wird nicht wahlentscheidend sein.
Klein: Herr Stadler, schließen Sie aus, dass es einen neuen Untersuchungsausschuss geben wird?
Stadler: Ich schließe aus, dass es in den verbleibenden wenigen Wochen dieser Legislaturperiode dazu einen neuen Untersuchungsausschuss geben wird und ich glaube, auch in der neuen Periode nicht, denn das, was jetzt zu tun ist, ist juristische Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Karl-Heinz Schreiber, jetzt ist das Landgericht Augsburg am Zug und später vermutlich der Bundesgerichtshof.
Klein: Aber, Herr Stadler, was ich nicht so ganz verstehe: Damals hat der Ausschuss ja doch sehr stark bedauert, dass eben bestimmte Puzzlestücke fehlten, dadurch, dass man eben nicht an Unterlagen und Aussagen von Herrn Schreiber herangekommen ist. Das heißt, es ist doch durchaus möglich, dass jetzt auch im Zuge des Verfahrens noch mal sich neue Erkenntnisse ergeben, Informationen öffentlich werden, die bedeuten können, dass noch mal die ganze Affäre aufgerollt wird?
Stadler: Ja, dann wäre allerdings eine neue Lage gegeben. Aber wie gesagt, die richtige Reihenfolge ist die, gegen Karl-Heinz Schreiber läuft ein Strafverfahren, er wird sich vor dem Landgericht Augsburg verantworten müssen und die Politik wird beobachten, ob es daraus neue Erkenntnisse gibt und dann eine Entscheidung treffen, ob das Ganze auch politisch noch einmal in einem Untersuchungsausschuss aufgearbeitet werden muss. Das kann man heute nicht vorhersagen, das dauert ja auch noch einige Zeit. Ich will nur daran erinnern: Maßgebliche Akteure der CDU-Spendenaffäre sind heute auch politisch nicht mehr tätig, im Wesentlichen ist das damalige System Kohl ja aufgeklärt worden, auch die Spendenübergabe an Walter Leisler Kiep, und auch Wolfgang Schäuble hat ja sein Amt als CDU-Bundesvorsitzender eingebüßt, weil er im Bundestag zu frei war, unvollständige Angaben gemacht hatte, aber Sie sehen, er ist später trotzdem wieder Bundesinnenminister geworden.
Klein: Und Sie sagen jetzt, wir brauchen gar keine neue Aussage von Herrn Schreiber, um noch neue Erkenntnisse über die ja nicht vollständig aufgeklärte Affäre zu gewinnen?
Stadler: Doch, sehr wohl kann aus den Angaben von Karl-Heinz Schreiber sich noch Neues ergeben, beispielsweise ist ja doch im Dunklen geblieben, was es mit dem Konto Maxwell auf sich hatte, das Max Strauß, dem Sohn von Franz osef Strauß, zugeschrieben wurde. Strauß Junior ist einmal deswegen verurteilt worden, am Ende freigesprochen worden, möglicherweise macht Schreiber dazu Angaben, da wird man sehen, ob diese Sache in einem neuen Licht zu beurteilen ist. Bei alledem - das ist eine Erfahrung, die wir damals im Parteispendenuntersuchungsausschuss gemacht haben - muss man aber auch bei Karl-Heinz Schreiber natürlich hinschauen, wie es um den Wahrheitsgehalt seiner Angaben bestellt ist. Er ist jetzt Angeklagter, er hat das Recht, sich zu verteidigen, aber dann muss man eben auch ganz genau hinschauen, ob das alles zutrifft, was er einem Gericht zu seiner Verteidigung vorträgt.
Klein: Ja, Sie haben gerade die Bedeutung der Auslieferung Schreibers so ein bisschen tiefhängen wollen. Wollen wir auch nicht vergessen, dass die FDP seinerzeit Koalitionspartner der CDU war und auch ihr Wirtschaftsminister Günter Rexrodt kam damals in den Blickpunkt mit bestimmten Entscheidungen, die sich um ein Thyssen-Projekt drehten, wo die Umstände ja auch noch nicht geklärt sind. Sagen Sie jetzt auch so ein bisschen aus eigenem Interesse, das hat nicht große Bedeutung, weil die FDP möglicherweise sich auch noch mal wiederfinden könnte in der Spendenaffäre?
Stadler: Nein, überhaupt nicht. Wenn es im Bundestag eine Mehrheit gibt, die der Auffassung ist, dass man die Vorgänge aus den 90er-Jahren noch einmal beleuchten muss, dann bin ich gerne dabei. Ich glaube, ich habe damals im Parteispendenuntersuchungsausschuss bewiesen, dass es der FDP, dass es auch mir persönlich um eine vollständige Aufklärung gegangen ist. Das ist jedenfalls seinerzeit allseits auch so kommentiert worden. Nur, es war eine CDU-Spendenaffäre und im Mittelpunkt stand ein CSU-Mitglied, nämlich eben Karl-Heinz Schreiber. Das ist etwas, womit die FDP nichts zu tun hatte, nur, noch einmal: Es muss eben entschieden werden, ob es wirklich dann noch so viel Neues gibt aus den Aussagen von Schreiber, dass man das noch einmal auch in einem Untersuchungsausschuss des Bundestags aufrollt oder ob man sich im Bundestag lieber aktuellen Themen zuwendet.
Klein: Und das werden die kommenden Monate zeigen. Das war Max Stadler, der FDP-Innenexperte im Bundestag zur Auslieferung von Karl-Heinz Schreiber nach Deutschland. Ich bedanke mich für das Gespräch, Herr Stadler!
Stadler: Danke schön!
Für CDU und CSU ist das nicht angenehm
*SPIEGEL ONLINE: *Herr Stadler, überrascht Sie der Zeitpunkt von Karlheinz Schreibers Auslieferung?
*Max Stadler: *Man musste mit der Auslieferung rechnen, weil ja alle Einspruchsmöglichkeiten von Herrn Schreiber erschöpft waren. Aber, dass er dann wirklich im Flugzeug saß, war doch eine Überraschung - nachdem Schreiber zehn Jahre lang doch immer noch einen Weg gefunden hatte, das zu verhindern.
ZUR PERSON
Max Stadler*, 60, ist FDP- Bundestagsabgeordneter und Innenexperte. Der promovierte *Jurist aus Bayern* arbeitete als *Staatsanwalt und Richter * an Gerichten in Passau und München, von 1991 bis 1993 führte er den bayerischen Landesverband der Liberalen. 1994 zog er in den Bundestag ein. Im *Untersuchungsausschuss* zur CDU- Parteispendenaffäre war er Obmann seiner Fraktion, ebenso im BND- Untersuchungsausschuss.
*SPIEGEL ONLINE: *Eine positive Überraschung?
*Stadler: *Herr Schreiber ist wegen schwerer Vorwürfe angeklagt. In einem Rechtsstaat ist es nur zu begrüßen, wenn jetzt endlich das Strafverfahren gegen ihn ordnungsgemäß durchgeführt werden kann.
*SPIEGEL ONLINE: *Karlheinz Schreiber sagt, ihn erwarte in Deutschland kein fairer Prozess, sondern ein politisches Verfahren...
*Stadler: *...was völliger Unfug ist. Herrn Schreiber liegen Straftaten zur Last, die nach den Regeln der Strafprozessordnung jetzt vor dem Landgericht Augsburg geklärt werden. Das Urteil hängt davon ab, was die Beweisaufnahme ergibt. Und im Übrigen hat Herr Schreiber wie jeder Beschuldigte in Deutschland die Möglichkeit, ein eventuelles Urteil mit Rechtsmitteln überprüfen zu lassen. Das wird kein politischer Prozess, sondern ein normaler Strafprozess - allerdings mit politischem Hintergrund.
*SPIEGEL ONLINE: *Den sieht Schreiber so: Die SPD und das von ihr geführte Bundesjustizministerium wollten mit dem Prozess Wahlen gewinnen. Kann der Fall Schreiber die CDU-Spendenaffäre tatsächlich zu einem Thema im Wahlkampf machen?
*Stadler: *Die Auslieferung von Karlheinz Schreiber führt natürlich dazu, dass die CDU-Spendenaffäre aus den neunziger Jahren noch einmal ins öffentliche Bewusstsein gerät. Das ist schon ein Paukenschlag für den Moment, aber ich persönlich weiß aus meiner Erfahrung im BND-Untersuchungsausschuss, dass lange zurückliegende Vorgänge für die Menschen dann doch keine wahlentscheidende Bedeutung haben. Mittlerweise gibt es die schwerste Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik - und ich bin mir sicher, dass die Bundestagswahlen danach entschieden werden, wer die besten Rezepte zur Überwindung dieser Krise anbietet.
*SPIEGEL ONLINE: *Also muss nach der Auslieferung Schreibers niemand in der Union zittern?
Es geht um Provisionszahlungen in zweistelliger Millionenhöhe für den Verkauf von Airbus-Maschinen und Fuchs-Panzern während der achtziger und zu Beginn der neunziger Jahre. Schreiber hat Verkäufe von Panzern nach Saudi-Arabien und von Flugzeugen nach Thailand und Kanada befördert. Im Gegenzug erhielt er von Firmen wie Thyssen oder Airbus millionenschwere Provisionen. Er soll den größten Teil des Geldes auf Schweizer Konten an Manager, Politiker und Beamte weitergezahlt haben. mehr zu Karlheinz Schreiber...
Einen Teil des Geldes verteilte Schreiber auf Rubrikkonten in Zürich mit Tarnnamen wie "Waldherr" für den ehemaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep, der eine Million Mark für seine Partei erhalten hatte. Zwei Thyssen-Manager und Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls wurden inzwischen verurteilt. Kiep akzeptierte eine Strafbefehl über 40.000 Euro wegen Falschaussage vor dem Parteispendenausschuss. Noch im Juli 2004 waren die Richter der ersten Instanz in Augsburg überzeugt, dass sich hinter dem Konto "Maxwell" nach dem gleichen Muster Max Strauß verberge, und verurteilten den Sohn von Franz Josef Strauß zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis. Doch 2005 hob der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil auf. Denn im Gegensatz zu den anderen Fällen konnten die Ermittler nicht belegen, dass tatsächlich Geld an Strauß geflossen ist. Schreiber hat mehrfach ausgesagt, das Konto sei für die CSU gedacht gewesen, was die Partei bestreitet. mehr zu Walther Leisler Kiep
Der damalige CDU-Chef Wolfgang Schäuble trat 1999 zurück, nachdem er einräumen musste, 1994 für die Partei 100.000 Mark von Schreiber angenommen zu haben, und es zudem widersprüchliche Angaben über die Weitergabe der Spende zwischen ihm und CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister gab. Generalsekretärin Angela Merkel wurde Schäubles Nachfolgerin. Generell dreht sich die Schreiber-Affäre um die Frage, wie bestechlich die Regierung Kohl war. Unter anderem geht es um einen Verkauf von 36 Fuchs-Panzerfahrzeugen 1991 an Saudi-Arabien, bei dem Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls Widerstände in der Regierung Kohl aus dem Weg geräumt haben soll; er wurde 2005 wegen Annahme von Millionenprovisionen zu einer Haftstrafe verurteilt. mehr zur CDU-Spendenaffäre...
*Stadler: *Sowohl für die CDU als auch für die CSU - deren Mitglied Schreiber ja lange Zeit war - ist es bestimmt nicht angenehm, dass jetzt die Erinnerung an die damalige Spendenaffäre wachgerufen wird. Andererseits sind die Akteure der Affäre heute weitgehend nicht mehr in der Politik oder Partei aktiv - mit Ausnahme von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Natürlich konnte seinerzeit im Untersuchungsausschuss nicht alles aufgeklärt werden, das Grundproblem wurde aber klar: Die CDU hat insbesondere in den neunziger Jahren über schwarze Kassen verfügt und Spenden nicht ordnungsgemäß angegeben. Jetzt muss man abwarten, was Karlheinz Schreiber in seinem Prozess aussagen wird. Davon hängt ab, ob es dann für die Politik vielleicht doch noch zu einem Thema wird.
*SPIEGEL ONLINE: *Könnte es sein, dass durch den Prozess die Namen der von Helmut Kohl nicht genannten Großspender bekannt werden?
*Stadler: *Da bin ich eher skeptisch. Von Schreiber erwarte ich, dass er Angaben zu den Vorgängen macht, an denen er unmittelbar beteiligt war. Schreiber hat mit Spenden versucht, politischen Einfluss zu nehmen.
*SPIEGEL ONLINE: *Kennt Schreiber die Namen der Großspender?
*Stadler: *Das kann ich weder bestätigen noch ausschließen. Aber es ist ein Vorgang, mit dem er nach unserem Wissen nicht unmittelbar zu tun hatte.
*SPIEGEL ONLINE: *Sie waren selbst Richter und Staatsanwalt: Mit welchem Urteil hat Schreiber zu rechnen?
*Stadler: *Da will ich natürlich der Justiz in Augsburg nicht vorgreifen. Die Vorwürfe wiegen durchaus schwer, auf der anderen Seite liegen sie auch sehr lang zurück. Eine Prognose möchte ich mir nicht anmaßen.
*September:* Die Staatsanwaltschaft Augsburg erlässt Haftbefehl wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung.
*März:* Der Boden in der Schweiz wird dem Waffenlobbyisten zu heiß, er flüchtet mit seinem kanadischen Pass nach Ottawa.
*31. August:* Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Geschäftsmann wird in Toronto gefasst, die deutsche Justiz beantragt seine Auslieferung.
*8. September:* Schreiber kommt gegen eine Kaution von 1,2 Millionen kanadischen Dollar (740 000 Euro) wieder auf freien Fuß.
*9. März:* Die Staatsanwaltschaft Augsburg erhebt Anklage gegen Schreiber wegen Bestechung, Beihilfe zur Untreue, gemeinschaftlichem Betrug und Steuerhinterziehung. Er soll dem Fiskus rund zehn Millionen Euro vorenthalten haben.
*26. Januar:* Schreiber weigert sich, ohne die Zusicherung eines freien Geleits zum Prozess nach Augsburg zu kommen. Das Landgericht Augsburg trennt sein Verfahren deshalb von anderen ab.
*5. November:* Schreiber tritt nach 30 Jahren Mitgliedschaft aus der CSU aus und kommt damit einem möglichem Rauswurf zuvor.
*19. Mai:* Das höchste Gericht der Provinz Ontario ordnet Schreibers Ausweisung an, er geht in Berufung.
*4. Juni:* Schreiber wird nach kurzer Auslieferungshaft erneut gegen die schon 1999 hinterlegte Millionenkaution freigelassen.
*23. Dezember:* Der damalige kanadische Justizminister Irwin Cotler verfügt formell seine Ausweisung.
*8. Juli:* Der Bundesrat beschließt eine Verschärfung der Verjährungsregeln ("Lex Schreiber"). Danach ruht die Verjährung von Straftaten, solange sich der Beschuldigte im Ausland aufhält und die deutschen Behörden seine Auslieferung betreiben.
*1. Dezember:* Der damalige kanadische Justizminister Vic Toews bekräftigt die Auslieferungsentscheidung von 2004.
*8. März:* Das höchste Gericht von Ontario lehnt einen weiteren Einspruch Schreibers gegen seine Auslieferung ab. Er ruft den obersten kanadischen Gerichtshof ("Supreme Court") an.
*30. Juli:* Schreiber bittet Kanadas Justizminister Rob Nicholson um eine persönliche Intervention gegen die drohende Auslieferung.
*1. Februar:* Das oberste kanadische Gericht weist Schreibers Einspruch gegen seine Überstellung nach Deutschland ab.
*10. Mai:* Das Berufungsgericht von Ontario lehnt Schreibers Klage gegen die Auslieferungsentscheidung von 2006 ab.
*6. Juni:* Schreiber verklagt Kanada vor einem Bundesgericht in Halifax (Provinz Neuschottland) wegen angeblicher "Rechtsbrüche" auf Schadensersatz von 35 Millionen Dollar. Der Richter weist die Klage wenige Tage später ab.
*4. Oktober:* Der Oberste Gerichtshof weist zum zweiten Mal eine Klage Schreibers gegen seine Auslieferung ab. Die Polizei steht mit Handschellen bereit, um ihn zum Flughafen zu bringen. Nur 15 Minuten vor Bekanntgabe der höchstrichterlichen Entscheidung ruft Schreibers Anwalt ein Bundesgericht in Toronto an.
*15. November:* Das Berufungsgericht von Ontario gibt grünes Licht für Schreibers Auslieferung. Justizminister Nicholson sagt zu, die Abschiebung bis zum 1. Dezember auszusetzen.
*22. November:* Schreiber beantragt ein Berufungsverfahren gegen die Gerichtsentscheidung vom 15. November - sein dritter Gang zum Supreme Court.
*30. November:* Das Berufungsgericht von Ontario setzt die Auslieferung bis zum Votum des Obersten Gerichtshofs aus.
*4. Dezember:* Schreiber, seit 4. Oktober in Abschiebehaft, wird gegen die inzwischen auf 1,31 Millionen kanadische Dollar erhöhte Kaution vorerst wieder auf freien Fuß gesetzt.
*6. März:* Der Oberste Gerichtshof in Ottawa lehnt es ab, sich mit Schreibers Einspruch zu befassen. Zuvor hatte Justizminister Nicholson allerdings zugesagt, den Lobbyisten solange nicht abzuschieben, wie er für die Ermittlungen zur Schmiergeldaffäre mit Ex-Premier Brian Mulroney gebraucht wird.
*7. August:* Das Berufungsgericht von Ontario verwirft den vierten Antrag Schreibers gegen seine Auslieferung.
*11. Dezember:* Der Supreme Court lehnt es erneut ab, sich mit einem Widerspruch des Geschäftsmanns zu beschäftigen.
*12. Mai:* Schreiber muss sich in Ottawa einer Gallenoperation unterziehen.
*10. Juli:* Das Berufungsgericht von Ontario weist den fünften Widerspruch Schreibers zurück.
*31. Juli:* Die kanadische Regierung fordert Schreiber auf, sich innerhalb von 48 Stunden in Abschiebehaft zu begeben.
*2. August:* Nach einer letzten Niederlage vor Gericht findet sich Schreiber gegen 17 Uhr Ortszeit im Abschiebezentrum in Toronto ein.
*3. August:* Schreiber wird von Kanada ausgeliefert.
/Das Gespräch führte Florian Gathmann/
Wenn ich Finanzminister wäre, würde ich...
530 Besucher wollten den Bundesfinanzminister live erleben. Einige von ihnen haben wir gebeten, nachzudenken, was Sie denn machen würden, wenn sie in die Rolle von Peer Steinbrück schlüpfen könnten.
*Erika Träger* (52), Grünen-Stadträtin: „Ich würde zum einen mal über die Grenzen schauen, was andere Länder so machen, und zum anderen neben dem Makro- auch den Mikrokosmos einer Familie miteinbeziehen. Von Hausfrauen könnte man sehr viel lernen in Sachen Haushaltsführung.“
*Heinz Plöchinger* (65), Diplomingenieur: „Ich würde versuchen, die Dynamik, die eine Allianz zwischen den USA und China entfalten wird, auch bei uns zu nutzen. Ich würde auf keinen Fall sparen. Wir dürfen nicht ins Hintertreffen geraten.“
*Max Stadler* (60), Passauer Stadtrat und FDP-Bundestagsabgeordneter: „Als Finanzminister würde ich der Wirtschaft die Luft zum Atmen geben. Der Weg aus der Finanzkrise führt auf keinen Fall über Steuererhöhungen, sondern über Entlastungen der Betriebe und der Bürger.“
*Elisabeth Rosenberger* (55) ist Angestellte und kommt aus Hutthurm. Sie würde „all die schwierigen Probleme den Menschen so gut wie möglich erklären, so wie es Finanzminister Steinbrück heute teilweise getan hat“.
*Peter Höltl* (50), Unternehmer aus Tittling: „Ich würde versuchen, die Schulden wegzubringen, bei den Ausgaben so sinnvoll wie möglich zu agieren. Geld, das einmal ausgegeben wurde, kommt nie wieder zurück.“
*Christian Ueberham* (60) aus Tittling, Prokurist und Niederlassungsleiter einer Logistikfirmat: „Ich würde dafür Sorge tragen, dass unsere Kinder und Jugendlichen eine gesicherte Zukunft haben.“
*Elisabeth Kratzer* (44), Hausfrau aus Passau, würde „Familien besser fördern und unterstützen. Viele können sich nicht vorstellen, was Kinder kosten. Ich würde auch Frauen besser unterstützen, die der Kinder zuliebe zu Hause bleiben und das Elterngeld erhöhen.“
Kurz antwortet *Günter Ruffing*, Büroleiter aus Passau: „Wenn ich Finanzminister wäre, würde ich versuchen zu zaubern.“
Ähnlich knapp drückt sich *Uschi Dupper* (44) aus, die Frau des Passauer OB: „Wenn ich in diesem Amt wäre, würde ich mit kühlem Kopf rechnen.“
*Ines Islinger* (52), Lehrerin und Hausfrau aus Passau: „Ich würde das Kindergeld erhöhen und überhaupt Familien steuermäßig mehr entlasten und eine neue Form von Vermögenssteuer einführen.“
*Waldemar Bloch* (44), Bürgermeister aus Tittling: „Ich würde eine viel striktere Bankenkontrolle ausüben und versuchen, das mit den ausländischen Kollegen zu koordinieren und durchzusetzen. Ich würde die zusätzliche Neuverschuldung in Grenzen halten und verhindern, dass neue Schulden auf die Kommunen umgelegt werden.“
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Aufgezeichnet von Stefan Rammer





